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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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in  2011  with  funding  from 

California  Academy  of  Sciences  Library 


http://www.archive.org/details/jahrbuchderka181868unse 


Inhalt. 


Seite 

Personalstand  der  k.  k.  geologisclicn  Reichsanstalt  im  Jahre  1868..        V 
Correspondenten  „  „     „  „  „  „         „  «    ■  •     VII 

Abonnentenfiu'das  Jahrbuch  der  geologischen  „  „         „  „    ..        X 

I.  Heft. 

I.  Geologische  Uebersichtskarte    der   österreichischen  Monarchie.   Blatt 

Nr.  V^I.  Oestlichc  Alpenländer.  Von  Franz  Ritter  v.  Hauer 1 

II.  Beiträge  zur  Geognosie  Tirols.  Von  Adolph  Pichler 45 

III.  Zur  Geologie  des  siebeabürgischen  Erzgebirges.  Von  Franz  Posepny       53 

IV.  Höhenmessungen  in    Oberungarn.  Von  Dr.  Karl   Rothe 57 

V.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  geologischen  Verhältnisse  der  Umgegend 

von  Raibl  und  Kaltwasser.   Von  Dionys  Stur.  Mit   Tafel  I  und  II.  .       71 
VI.  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien.  Von  Karl  Griesbach.  Mit  Tafel  III 

nnd  IV 123 

VII.  Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Schiefergebirge  vonTergove  in  Croatien. 

Von  Dionys  Stur 131 

VIII.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen,  2.  Folge  (III.  Die  Brachiopoden 

der  böhmischen  Kreide).  Von  Dr.  Urban  Schloenbach.  Mit  Tafel  V.     139 

II.  Heft. 

I.  Studien  über  die  Gliederung     der  Trias-  und  Jura-Bildungen  in  den 
östlichen  Alpen.  Nr.  II.  Die  Gebirgsgruppe  des  Osterhornes.  Mit  Taf. 

VI— VIII.  Von  E.  S  u  e  s  s  und  E.  v.  M  o  j  s  i  s  o  v  i  c  s 167 

'    IL  Die  nördliche  Arva.  Von  K.  M.  P  a  u  1 201 

III.  Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  böhmischen  Kreideablage- 
rungen  bei   Wartenberg   unweit  Turnau.   Von  F.   v.  Hochs tetter. 

(Mit  einem  Holzschnitt) 247 

IV.  Der    Gold-    und    Antimon-Bergbau     von    Magurka    in    Ungarn.    Von 

R.  Meier.  (Mit  Tafel  IXj    257 

V.  Geologische    Studien   in  den   Tertiärbildungen   des  Wiener   Beckens. 

Von  F.  Karr  er  und  Th.  Fuchs 269 

1.  Die  Tertiärbildungen   von  Goys  und  Breitenbrunn   am   Neusiedler 

See.  Von  Th.  Fuchs 

2.  Das  Verhältniss  der  Congerien-Schichten  zur    sarmatischen    Stufe 

bei  Liesing.  Von  F.  Karr  er 

3.  Die  Tertiärbildungen  in  der  Umgebung  von  Pressburg  und   Hain- 
,.  i'.  g.  Von  Th.  Fuchs 

4.  Conchylien  aus  einer   Brunnenausgrabung   bei  Pötzleinsdorf.   Von 

Th.  Fuchs 

Vi    Neue  Reste  von  Squalodon  aus  Linz.  Von  E.  Suess.  (Mit  Tafel   X).     287 
VII.  Ueber  einige  Mincralvorkommen  in  Swoszowice.  Von  F.  Ambroz..     291 
VIII.  Allgemeines  Bild   der  Erzführung   im  siebenbürgischen  Bergbau-Dis- 

tricte.  Von  F.  P  o  s  e  p  n  y 297 

IX.  Bemerkungen  über  den  alten  Gletscher  des  Traunthales.   Von   E.   v. 

M  0  j  s  i  s  0  V  i  c  s    303 

X.  Die    Erdölgruben    in  Böbrka   bei    Dukla   in    Mittelgalizien.    Von    J. 

Noth    ; 311 

XI.  Arbeiten   in  dem   chemischen   Laboratorium   der   k.  k.    geologischen 

Reichsanstalt.  Von  K.  R.  v.  Hauer 315 

III.  Heft. 

I.  Zur  Erinnerung   an  Ferdinand  Freiherrn  v.  Thinnfeld.  Von  W.  Ritter 

V.  Haidinger   321 

II.  Bericht    über    die    geologische    Aufnahme    inj    oberen    Waag-    und 

Gran-Thale.  Von  D.  S tur 337 

a 


Seite 

III.  Dio   geologischen    Verhältnisse    des   Ten-iins    zwischen    Rosenberg, 
Kraloväny   und  Kubin.  Von  R.  M  e  i  e  r 127 

IV.  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  Blatt  X. 
Dahnation.  Von  Franz  Ritter  v.  Hauer 4B1 

V.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  Dritte  Folge.  (Nr.  IV.  Ueber 
Relemniles  rugifi-r.  V.  Ueber  Belemnifes  Iduceolatus  Sharp,  und  Sow. 
und  lld.  granulalun  Sow.)  Mit  Tafel  XI.  VI.  Poh/pti/chodon  Ow.  aus  der 
Bukowina.  VII.  Amm.  Amteni  Sharp.)  Von  Dr.  ü.  S  chloenba  ch 455 

IV.  Heft. 

I.  Die  geologische  Beschaffenheit  der  Herrschaft  Hälraägy  im  Zaränder 

Comitate  in  Ungarn.  Von  Dionys  Stur.  Mit   Tafel    XII 469 

II.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Mätra.  (Erste  Abtheilung).  Von 
Ferdinand  Freih.  v.  A  n  d  r  i  a  n   529 

III.  Eine  Excursion  in  die  Umgegend  von  St.  Cassian.  Von  Dionys  Stur. 

Mit  Tafel  XIII  und  XIV 509 

IV.  Geologische  Studien  in  den  Tertiärbildungen  des  Wiener  Beckens. 
Von  F.  Karr  er  und  Th.  Fuchs.  Mit  Tafel  XV  und  XVI 573 

1.  Die  Tertiärbildungen    in    der   Bucht    von    Berchtoldsdorf.    Von  F. 

Karr  er 573 

2.  Die  Tertiärbildungen  in  der  Umgebung   von   Eggenburg.   Von  Th. 

Fuchs 584 

V.  Paläontologische  Notizen  über   Lias-,   Jura-   und   Kreide-Schichten   in 

den   bayrischen   und    österreichischen  Alpen.   Von   Dr.   Karl   Zittel     599 


Verzeichuiss    der  Tafeln. 

Tafel  Smte 

I— II  zu:  D.  Stur.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  geologischen  Verhältnigse 

der  Umgegend  von  Raibel  und  Kaltwasser Heft  I         71 

III— IV    „    K,  Griesbach.  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien.  Heft  I  .  ,  .  .     123 
V    „    Dr.  U.  Schloenbach.   Kleine  paläontologische   Mittheilungen 

2.  Folge.  III.  die  Brachiopoden  der  böhmischen  Kreide.  Heft  I.     139 
VI-VIII    „    E.  Suess  und  E.  v.  Mojsisovics.  Studien  über  die  Gliede- 
rung  der  Trias-   und   Jurabildungen   in    den    östlichen  Alpen. 

Nr.   IL  Die  Gebirgsgruppe  des  Osterhornes.  Heft  II 167 

IX    „    R.  Meier.    Der  Gold-   unn  Antimon-Bergbau  von  Magurka  in 

Ungarn.  Heft  II 257 

X    „    E.  Suess.  Neue  Reste  von  Squalodon  aus  Linz.  Heft  II 287 

XI    „    Dr.  U.  Schi oenb ach.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen. 

Dritte  Folge.  Heft  II  455 

XII    „    D.  Stur.  Die  geologische  Beschaffenheit  der  Herrschaft  Hal- 

mägy  im  Zaränder  Thale  in  Ungarn.  Heft  IV 469 

XIII-XIV    „    D.  Stur.   Eine  Excursion  in  die  Umgegend  von    St.   Cassian. 

Heft  IV 509 

XV-XVI  „  F.  Karr  er  und  Th.  Fuchs.  Geologische  Studien  in  den 
Tertiärbildungen  des  Wiener  Beckens.  2te  Folge.  (XV.  zu  F. 
Karr  er.  Bucht  von  Berchtoldsdorf  —  XVl.  zu  Th.  Fuchs. 
Tertiärbildungen  von  Eggenburg).  Heft  IV 573 


Persoiialstaiid  der  k.  k.  geologischen  Reiclisasisialt. 


Director : 

Hauer,  Dr.  Franz  Ritter  von,  Ritter  des  könig-1.  sächsischen  Albrecht- 
Ordens,  k.  k.  wirklicher  Sectionsrath,  M.  K.  A.  III.  Lagergasse  Nr.  2. 

Chef-Oeologen: 

Erster:   Foetterle,  Franz,  Ritter  des  kais.  österr.  Franz  Josef-Ordens. 

k.  k.  wirklicher  Bergrath.  III.  Rasumotfskygasse  Nr.   3. 
Zweiter:    Stur,   Dionys,   k.   k.   wirklicher  Bergrath,   III.  Rasumoffsky- 

gasse  Nr.  10. 

Chemiker: 

Hauer,  Karl  Ritter  von,  Besitzer  des  k.  k.  goldenen  Verdienstkrenzes 
mit  der  Krone,  k.  k.  wirklicher  Bergrath,  Vorstand  des  chemischen 
Laboratoriums. 

Assistent : 

Stäche,  Dr.  Guido,  k.  k.  wirklicher  Bergrath,  III.  Heumarkt  Nr.  5. 

Sections-Geologen : 

Wolf,  Heinrich,  III.  Rochusgasse  Nr.  1-. 

Andrian  -  Werburg,   Ferdinand,    Freiherr  von.    I.    Landhausgasse 

Nr.  22. 
Paul,  Karl  Maria.  I.  Augustinergasse  N.  12. 

Mojsisovics  von  Mojsvar,  Dr.  Edmund.  III.  Traungasse  Nr.  1. 
Schloenbach,  Dr.  Urban.  III.  Heumarkt  Nr.  5. 

Voloutaire : 

Vivenot,  Franz  Edler  von.  IV.  Technikerstrasse  Nr.  5. 
Griesbach,  Karl  L.  VI.  Andreasgasse  Nr.  11. 
Neumayr,  Dr.  Melchior.  III.  Heumarkt  Nr.  t'^. 
Kolbay,  Johann.  HI.  Pfefferliofgasse  Nr.  G. 
Kreutz,  Felix.  IH.  Neulingsgasse  Nr.  10. 

a* 


VI 

Schöffel,  Joseph  k.  k.  pens.  Oberlt.  VII.  Nelkengasse  Nr.  4.)  Im  Labo- 
Glasl,  Dr.  \  ratorium. 

Montan-Ingenieure : 

Von  dem  k.  k.  Finanzministerium  zu  zweijähriger  Verwendung  (für  1869  und  1870) 

an  die  Anstalt  einberufen: 

Hampel  Adolph,  k.  k.  Bergexpeetant,  von  Joachimsthal. 
Mayer  Victor,  k.  k.  Bergexpectant,  von  Pfibram. 

Für  die  Kanzlei : 

Senoner,   Adolph,   Eitter  des  kais  rnss.   Stanislaus  Ordens  und  des 
königl.  griech.  Erlöser  Ordens.  Magist.  Ch.  III.  Hauptstrasse  Nr.  88. 
Jahn,  Eduard,  Zeichner,  III.  Barichgasse  Nr.  24. 

Bieuer: 

Cabinetsdiener:  Suttner,  .Johann. 

Laborant:  Böhm  Sebastian. 

Erste r  Am tsdieuers-Gehülfe:  Schreiner!  III.  Rasumofifsky 

Rudolph.  (        gasse  Nr.  3. 

Zweiter:  Unbesetzt. 

Heitzer  und  Zimmerputzer:  Fuchs  Joseph. 
K.  k.  Militär-Invalide  als  Portier:  Gärtner,  Anton,  Unterofficier. 

Ottakring  Habergasse  Nr.  328. 


€orres|)oiidenteii 

der  k.  k.  j^eoloj^lschen  Reiclisanstalt. 

Fortsetzung  des  Verzeichnisses  im  XVII.  Bande  des  Jahrbuches. 


Abdullall   Bey,    Dr.    Oberst   und  Stabsarzt   iin    k.   Garde-Spital    zu 

Hayder  Pacha.  Coustantinopel. 
Aberle,  Karl,  Dr.  Professor,  Salzburg. 
A  driany,  Joseph,  köuigl.  Oberbergratb,  Berg-  Forst-  und  Güter  Director. 

Schmoll  nitz, 
Aigner,  August,  k.  k,  Bergmeister.  Aussee. 
Arnaud,  Emil.  Apt.  (Vaucluse). 
ßarnard,  F.  A.  P,  President  of  the  School  of  mines,  Columbia  College. 

New -York. 
Becker,  Dr.  Ewald.  Breslau. 
Berzewicze,  Constantin  v.,  in  Berzewicze. 
Broja,  Berginspector.  Zabrze. 
Chyzer,  Dr.  Cornel.  Bartfeld. 
Delgado,  J.  F.  N.  Lissabon. 
Ditscheiner,  Leander,  Doeent  am  k.  k.  Polyt.  Institute,  Professor  a.  d. 

Handelsakademie.  Wien. 
Dum  reicher,  A.,  königl.  Maschinenmeister.  Saarbrücken. 
Ehlers,  Dr.  E.,  Privat-Docent  am  anatomischen  Listitute.  Göttingen. 
Ferjentsik,  Johann,  Hütten-Director.  Jeckelsdorf. 
Frenzel  August,  Schichtenmeister.  Karwin. 
Frischmann,  L.,  München. 
Gärtner,  F.,  k.  k.  Vice-Consul.  Suez. 

Gotthardt,  Georg,  Vice-Präsident  der  Oberung.  Waldbürgerschaft.  Iglö. 
Grenier,  Gh.,  Präsident  des  Comites  der  Gruben  u.  Salinen  in  Bex. 
Gürtler,  Gyula,  Gewerke.  Göllnitz. 

Hammer,  Dr.  Albin,  k.  k.  Obertinanzrath  u.  Finanzprokurator.  Czerno witz. 
Hubert,  Edmund,  Professor  der  Geologie  an  der  Sorbonne.  Paris. 
Heppner,  Alois,  k.  k.  Schichtenmeister.  Hall. 
Herb,  königl.  bayr.  Bergmeister.  Berchtesgaden. 
Le  Hon,  H.,  Brüssel. 
H  0  rn  s  t  e  i  n ,  F.  F.  Frankfurt  a.  M. 
Hummel,  Wenzel,  Berg-Eleve.  Sagor. 
Jahns,  Heinrich,  Markscheider.  Mähr.-Ostrau. 

Jervis,  W.  P.  Conservator  des  königl.  ital.  Industrie -Museums.  Turin. 
Jiczek,  F.  Markscheider.  Sagor. 


vm 

Kanitz,  Franz.  Wien. 

Kamienski,  Ludwig.  Neumarkt  Galizien. 

Kaszanitzky,  königi.  Bergmeister.  Schmöllnitz. 

Kirchmayer,  Gregor,  Gutsbesitzer.  Palocsa. 

Koch,  Anton,  Assistent  an  der  königi.  Universität  in  Pesth. 

Konen,  Dr.  A.  v.,  Marburg. 

Kripp  zu  Krippaeb,  Anton  v.    k.  k.  Hauptprobierer.  Hall. 

Lapparent,  Albert  de,  Ingenieur  des  mines.  Paris. 

Lemberg,  Johann.  Dorpat. 

Litwinowicz,  Spiridion,  Exe,  k.  k.  w.  geheimer  Rath,  Griechisch- 
katholischer  Erzbischof.  Lemberg. 

Lossen,  Dr.  K.  A.,  Berlin. 

Martyak,  Alexander,  königi.  Oberstuhlrichter.  Zborö,  Säroser  Comitat. 
Ungarn. 

Mayer,  Gustav,  königi.  bair.  Revierförster.  Reichenhall. 

Medlicott,  Henry  B.  Calcutta. 

Meier,  Rudolph,  k.  k.  Montau-Expektant.  WieHczka. 

Meitzen,  Bergrath.  Königshütte. 

Menzel,  Herrmann,  Bergmeister.  Peters wald. 

Meyer  beer,  Cäcilie,  Frl.  Berlin. 

Mladek,  Anton,  Ober- Ingenieur.  P.-Ostrau. 

Nies,  Dr.  Friedrich.  Würzburg. 

0  b  e  r  m  a  i  e  r ,  Joh.  Mich.  Haag  am  Hausruck. 

d'  0  r  b  i  g  n  y ,  Charles.  Paris. 

Oväry,  Dr.,  Endre.  Szanto. 

Oväry,  Dr.,  Paul.  Szanto. 

Palczmann,  Martin  v.,  Grubendirector.  Szlovinka. 

Falko  vics,  Georg,  Mitglied  der  naturw.  Gesellschaft  in  Pest-Ofen. 

Pallausch,  Alois,  k.  k.  Berggeschworner.  Hall. 

Perry,  John.  Boston. 

Petersen,  Dr.  Theodor.  Frankfurt. 

Petrino,  Otto  Freiherr  v.,  Präsident  der  Landwirthschafts-Gesellschaft 
in  Czernowitz. 

Pfeiffer,  Rudolph,  k.  k.  Berggeschworner.  Wien. 

Pflücker  y  Rico,  Dr.  L.  Peru. 

Purgold,  Alfred,  Montan-Ingenieur.  Aussig. 

Radwany  Inire  v.,  Ober-Notar  des  Säroser  Comitates.  Eperies. 

Rauhwolf,  Professor.  Hracholusk  bei  Rauduitz. 

Rideli,  Michael,  Civil-Ingenieur.  Wien. 

Rochelt,  Franz,  k.  k.  Markscheider.  Hall. 

Säärosy,  Franz  v.,  königi.  Verwalter.  Aranyidka. 

Sadebeck,  Dr.  Alexander,  Assistent  an  der  königi.  Universität.  Berlin. 

Sauer,  Rudolph,  Bau-Ingenieur.  Mähr.-Ostrau. 

Schlichting,  M.,  Mitglied  des  königi.  preuss.  Abgeordnetenhauses.  Kiel. 

Schrempf,  Joseph,  k.  k.  Bergschaflfer.  Ischl. 

Schultz,  Dr.  Fritz,  Wissembourg  (Bas  Rhin). 

Siegel,  Christian,  Professor.  Syra. 

S  i  1 1  r  a  V  0  n  E  li  r  e  n  h  e  i  m,  Franz,  Gutsbesitzer.  Vidrauy,  Zempliner  Comi- 
tat.. Ungarn. 

Steudel,  Albert.  Ravensburg  in  Würtemberg. 


IX 

stieb  er,  Wenzel,  Markscheider.  Pol.-Ostrau. 

Ulrich,  Oberberg-rath.  Klausthal. 

ümlanff,  Karl,  k.  k.  Kveisi?erichts-Ratli  u.  Bezirksvorsteher  in  Kremsier. 

Watzel,  Dr.  Cajetan.  Böhm.-Leipa. 

Wein,  Ernst,  k.  k.  Salinenverwalter  in  Kalusz. 

Weiser,  Dr.  Moriz  Eduard,  k.  k.Corvettenarzt  auf  Sr.  M.  Panzerfregatte 

Kaiser  Max. 
Windtj  Ludwig  V.,  Gruben-Director.  Iglö. 
Wolf,  Johann,  Gruben-Director.  Göllnitz. 
Wolfrum,  C.  Aussig. 
Wall  mann,  Josef,  k.  k.  Bergmeister,  Ischl. 


X 

Yerzeichniss  der  AboDDenten  für  das  Jahr  1868. 

Ag-ram,  k.  k.  Bergliauptmaunschaft. 

Ambroz  Ferdinand,  k.  k.  Bergwesens-Exspectant,  Szwoszowice. 

Barrande  Joachim,  Prag. 

Benecke  Dr.  Wilhelm,  Heidelberg-. 

Czoernig  Dr.  Karl  Freih.  v..  Exe,  k.  k.  w.  geh.  Rath,  Wien. 

Delle  Grazie  Cesar,  K.  Klein'scher  Kohleuwerks-Director,   Berszaszka 

bei  Basiasch. 
Dickmann  Albert  Freih.  v.,  Lölling,  Kärnten. 
Douglass  Sholto,  Gutsbesitzer,  Thüringen  bei  Bkidenz,  Vorarlberg. 
Ellbogen,  Coramunal-Oberrealschule. 
EzerK.,  Bergwerks-Verwalter,  Mirischau,  Böhmen. 
Fritsch  Karl  v.,  Frankfurt  am  Main.     » 

Gabriel  Dr.  Philipp,  Se.  Hochw.,  k.  k.  Gymnasial-Director,  Teschen. 
Graz,  St.  Oberrealschule. 
Hannover,  Polytechnische  Schule. 

Hartl  Franz,  Director  des  Obergymnasiums,  Rector  u.  s.  w.,  Temesvär. 
H  erb  ich  Franz,  Bergb.-Direct.,  Balan  bei  Csik  St.   Domokos,  Siebenb. 
Hochstetter  Ferdinand  v.,  Professor  am  k.  k.  Polytechnikum,  Wien. 
Innsbruck,  k.  k.  Gymnasium. 

Ivacskovics  Mathias,  k.  Bergverwalter,  Diösgyör,  Ungarn. 
Joachims thal,  k.  k.  Bergoberamt. 
Leitomischl,  k.  k.  Gymnasium. 
Meyer  beer  Fräul.  Cäcilie,  Berlin. 
M ersitz  Michael,  Verwalter,  Szaszka,  Banat. 
Münichsdorfer  Friedrich,  Verweser,  Heft,  Kärnten. 
Mürle  Karl,  Se.  Hochw.,  Prof.  a.  d.  k.  k.  Art. -Schule, Liebenau,  Steierm. 
Nagybänya,  k.  ung.  Berg-,  Forst-  und  Güter-Direction. 
Obermayer  Georg,  Se.  Hochw.,  Consistorialrath,  Vice-Archidiaconus, 

Dechant  und  Pfarrer,  Vitenz,  Ungarn. 
Ofen,  k.  ung.  Finanzministerium. 
Ofen,  k.  Josepbs-Polytechnikum. 
Olmütz,  k.  k.  Berghauptmannschaft. 
Padiaur  Wenzel,  Bergmeister,  Adamsthal. 
Papi  -Balogh  Peter  v.,  Director  der  höheren  land-  und  forstwirthschaft- 

lichen  Lehranstalt,  Debreczin. 
Pauk  Franz,  Schichtmeister,  Thomasroith,  Oberösterreich. 
Peter  Eduard,  Gewerke,  Davidsthal,  Böhmen. 
Pfibram,  k.  k.  Bergoberamt. 

„         k.  k.  Berg-Akademie. 
Sa  gor,  Gewerkschaft  am  Savestrom. 

Schaumburg-Lippe'sches  (Prinz  v.)  Bergamt,  Schwadowitz,  Böhmen. 
Schwarz  v.  Mohrenstern  Gustav,  Wien. 
Seebach  Karl,  v.,  Professor,  Göttingen. 
Szigeth,  k.  ung.  Berg-,  Forst-  und  Güter-Direction. 
Waclawick  Franz,  k.  k.  Hauptmann  in  Pension,  Pilsen. 
Wieliczka,  k.  k.  Salinen- Verwaltung. 
Wien,  Geologisches  Cabinet  der  k.  k.  Universität. 
Würtemberg  Wilhelm,  Herzog  v.,  k.  Hoheit,  k.  k.  GM.  Trient. 
Zichy  Karl,  Graf  v.,  k.  k.  w.  Kämmerer,  Pressburg. 


Aiisg'eg^eben  am  31.   fiärK  ISO^. 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLTCH-KONIGLICHEN 


GEOLOGISCHEIV  REICHSA]\STALT. 


JAHRGANG   1868.   XVUI.  BAND. 

NRO.  1.    JÄNNER,  FEBRUAR,  MÄRZ. 
Mit  Tafel  I— V. 


-:s>  Q.' 


WIEN. 


DRUCK    VON  F.  B.  GEI  TI.E  H. 


IN  COMMISSION 

BEI   WILHELM   BRAUMÜLLKR,   BUCHHÄNDLBK  ÜKS  K.  K.  HOFES,  FÜR  DAS  INLAND, 
BEI  F.  A.   BROCK  HA  IIS  IN   LEIPZIG   FÜR   DAS  AUSLAND. 


Bei  der  Direction  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Wien,  Landstrasse,  im 
fürstlich  Liechtenstein'schen  Palaste,  dann  bei  W.  Brau mü  11  er,  Buchhändler  des  k.  k. 
Hofes,   Wien,  Graben  Nr.  572,  sind  zu  hr.ben: 

Abhandlangren  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt-  Band    I.  Mit   48  lithographirten  Tafeln  .    23  fl.  12  Nkr 

«     II-     «       78  ,  ,         .    36  ,  80     , 

...  „  «    III.     ,52  „  ,        .    31  ,  53     , 

Der  dritte  Band  der  Abhandlungen  enthält  ausschliesslich  das  folgende  Werk: 

Hömes,    Dr.    M-    Die  fossilen  Mollusken  des  Tertiärbeckens  von  Wien.  Unter   der  Mit- 
wirkung von  P.  Part  seh,  Vorsteher  des  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinetes.  Nr.  1 — 10. 
Abhandlungren  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt.    Band  IV,  Nr.  11—16.    Mit  44  lithogr.  Tafeln. 
Enthält :  Hörnes,  Dr.M.  Die  fossilen  Mollusken  d.  Tertiärbeckens  v.  Wien.  Nr.  11  &  12.  M.  11  T.     6  ,  —     , 

n  n  ,  -         ,  ,      13    ,    14.    ,    20    ,      10   ,    —      „ 

,  -  ,  n  n  ,  -  «  ,      15    «    16.    ,    13    .         8    „    —       , 

-       ..         ,    17  ,  18.   ,  «3  „     1»  „  —     , 
Andrae,    C.  J-  Dr.    Beiträge  zur  Kcnutuiss  der  fossilen  Flora  Siebenbürgens  und    des  Banates. 

Mit  12  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  .      5  ,  84.     , 
Ettingrshanseu,  Dr.  Const-  v.  Beitrag  zur  Flora  der  Wealdenperiode.  Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt.  Mit  5  lithographirten  Tafeln 2  ,  64     » 

„     Ueber  Palaeobromelia ;  ein  neues  fossiles  Pflanzeugeschlecht.  Aus  den  AbhanJlungen  der  k.  k. 

geologischen  Reichsanstalt.  Mit  2  lithographirten  Tafeln 1,     6     ,' 

n     Begründung  einiger  neuen  oder  nicht  genau  bekannten  Arten  der  Lias-    und  Oolithflora.    Mit 

3  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt    ...      1  ,  60     , 
„     Die  Steinkohlenflora  von  Stradouitz.  Mit  6  lithographirten  Tafeln.  Aus   den  Abhandlungen  der 

k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 2  „  64     , 

„    Pflanzenreste  aus  dem  trachytischen  Mergel  von  Heiligenkreuz  bei  Kremnitz.    Mit  2  lithogra- 
phirten Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 1,6» 

„    Die  tertiäre  Flora  Von  Häring  in  Tirol.  Mit  31  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 14  ,  78     , 

„     Die  Steinkohlenflora  von  Radnitz  in  Böhmen.  Mit  29  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abband- ' 

lungen  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt 13  „  12     „ 

Baldingrer,    IV.    Naturwissenschaft!.  Abhandl.  Q-esammelt  und  durch  Subscript.  herausgegeben 

n.  Band  1848,  in  2  Abth.  m.  30  lith.  Taf.  18  fl.  92  Jfkr.  III.  Band  1850,  in  2  Abth.  m.  lith.  33  Taf.  21  ,  —     , 

IV,     ,      1851,  „3      „       .     30     .       , 24  ,  16     , 

Berichte  über  die  Mittheilungeu  von  Freunden  der  Naturwissenschaften  in  Wien.    Gesammelt 
und  durch  Subscription  herausgegeben 

I.  Band  1847 1  fl.  60  Nla.  V.  Band  1849 1  ,  60    , 

n.      r,      1847 3  „  52     ,  VI.      ,     1850 1  ,  60     , 

m.       ,      1848 3   n  52     .  VU.      „     1851 2   ,  42     , 

IV.      ,      1848 2  ,  80     , 

Jahrbuch  der  k.  k.  o^cologischen  Reichsanstalt,  1850,  1852     10  „  50    „ 

,       ,  ,  ,  X-XVI,  1859-1866 -.    36  ,    75     , 

„       ,  .  „         XVII,  1867 8n—     , 

^  „       „  „  „  Grencral-Register  der  ersten  zehn  Bände,  Nr.  1  von 

1850  bis  Nr.  10  von  1859,  des  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen    Reichsanstalt.  Von  A.    F. 

Grafen  Marschall 1,60     , 

Verhandlung^en  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Jahrgang  1867 3  »  —     „ 

Kenngrott,    Dr.    G.   A.    Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forschungen   in    den   Jahren 

1844 — 1849.  Herausgegeben  von  der  k.  k.  geologischen  Reiclisanstalt 3  ,  72     , 

„     Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forschungen  in  den  Jahren    1850    und    1851.    Bei- 
lage zum  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 2  ,  64    , 

,     Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forschungen  in  dem  Jahre  1852.  Beilage  zum  Jahr- 
buche der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt      • 2  ,  13     , 

Radematsch,  Job-  Die  Annnoniteu  von  Swinitza.  Mit  4   lithographirten  Tafeln.  Aus   den  Ab- 
handlungen der  k.  k.  geologischeu  Reichsanstalt        2,  '18     „ 

Uorlot,  A.  v.  Geologische  Karte  der  Umgebung  von  Leoben  und  Judenburg 2  „  12     „ 

Partsch,  P.  Katalog  der  Bibliothek  des  k.  k.  Ilof-Mineralien-Cabinetes.  Herausgegeben  von   der 

k.  k.  geolo.,'ischen  Reichsaustalt 2  ,  12     „ 

Peters,    Dr.    K.  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Lagerungsverhältnisse  der  oberen  Kreideschichten  an 
einigen  Localitäten  der  östlichen  Alpen.    Mit  1  lithographirten  Tafel.    Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt —  „  92     , 

Pettko,  Job.  V.     Die  geologische  Karte  der  Gegend  von  Schemnitz.    Mit  i  lithographirten  Tafel. 

Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsa^nstalt —  ,  54    , 

Keoss,  Dr.  A.  E.  Die  geognostischen  Verhältnisse  des  Egerer  Bezirkes  und  des  Aschergebietes  in 

Böhmen.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Mit  1  lithogr.  Karte  .      1  ,  68     » 
Zekell,  Dr.  P.  Die  Gastropoden  der  Gosaugebilde.    Mit  24  lithographirten  Tafeln.    Aus  den  Ab- 
handlungen der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt 12  ,  60     ,, 

Uebersicht,  allgremeine,  der  Wirksamkeit  der  k.  k.  geologiechen  Beichsanstalt.    Bericht  ftber 

die  Jahre  1850—1852 —  ,28„ 


Im  Verlage   der   Beck'schen  Universitäts-Buchhandlung    (A.  Holder) 
in  Wien  ist  erschienen: 

Oeologrische  Uebersiehtskarte  der  Oesterrelohlschen  SKonarohle,  nach  den  Aufoahmen  der  k.  k. 
geologischen  Beichsanstalt  bearbeitet   von    Franz  Bitter  v.  Hauer.     Blatt  Nr.  V.    Westliche  Alpen'- 

länder.     Subscriptionspreis  für  die  ganze  Karte  (12  Blätter) 40  fl.  —  kr. 

Blatt  V  für  die  Subscribenten  auf  die  ganze  Karte 5^,    _ 

Blatt  V  im  Einzelverkauf 6  ,,    86 

Blatt  VI.  Oestliche  Alpenländer  für  die  Subscribenten 5  ,     — 

Blatt  VI  im  Einzelnverkauf 6  ,    25 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEM  REICHSANSTÄLT. 


JAHRGANG   1868.  XVIIL  BAND. 

NRO.   1.    JÄNNER,  FEBRUAR,  MÄRZ. 
Mit  Tafel  I— V. 


^®^^ 


WIEN. 


DRUCK   VONF.  B.  GEITLEß. 


EN  COJOnSSION 

BEI  WILHELM   BKAUMÜLLKR,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES,  FÜR  DAS  INLAND, 
BEI  F.  A.  BROCK  HA  US  IN  LEIPZIG  FÜR  DAS  AUSLAND. 


18.  Band.  1868.  JAHRBUCH  '•  «'"• 

DER 

KAIS.   KÖN    GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.   Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen 

Monarchie. 

Nach  den  Aufnahmen  der  k.  k.   geologischen  Reichsanstalt,   bearbeitet  von 

-Franz  Ritter   von  Hauer. 


Blatt  VI.  Oestliche  Älpenländer. 

Oestlich  von  dem  Meridian  von  Lieuz  oder  des  Grossglockners,  der 
nahezu  die  Grenzlinie  der  Blätter  V  und  VI  unserer  Uebersichtskarte 
bezeichnet,  fällt,  abgesehen  von  dem  Ideinen  zu  Bayern  gehörigen  Gebiete  in 
der  Umgebung  von  Berchtesgaden,  dann  von  einer  etwas  ausgedehnteren, 
noch  zu  Venetien  gehörigen  Partie  im  Süden,  die  ganze  Breite  der  Alpen- 
kette auf  österreichisches  Staatsgebiet.  Diese  ganze  östliche  Hälfte  unserer 
Alpen,  mit  alleiniger  Ausnahme  des  nordöstlichen  Theiles  des  Wienerwaldes, 
der,  so  wie  die  Eeichshauptstadt  selbst,  bereits  auf  das  nördlich  anstossende 
Blatt  II  unserer  Karte  fällt,  ist  auf  Blatt  VI  zur  Darstellung  gebracht, 
welches  überdies  noch  im  Osten  die  westlicheren  Theile  der  grossen  ungari- 
schen Ebene  mit  der  Grazer  Bucht  und  der  kroatischen  Bucht,  so  wie  ein- 
zelne aus  diesem  Tieflande  emporragende  Gebirgsinseln,  das  Leithagebirge  und 
die  Rusterberge,  den  Sausal  westlich  bei  Leibnitz,  die  Gleichenberger  Berge, 
den  westlichsten  Theil  des  Plattenseegebirges,  endlich  weiter  im  Süden  das 
Agramer,  Moslaviner  und  einen  Theil  der  westslavonischen  Gebirge  umfasst. 
Im  Süden  fällt  auf  dasselbe  Blatt  die  südöstliche  Fortsetzung  der  Alpen  in 
die  Karstgebiete  und  die  kroatischen  Gebirge,  welche  die  Verbindung  mit 
den  dalmatinischen  Küstengebirgen  und  den  Dinarischen  Alpen  vermitteln. 

Nach  der  politischen  Eintheilung  entfallen  demnach  auf  unser  Blatt 
VI  der  grössere  Theil  von  Salzburg  und  Kärnten,  die  südliche  Hälfte  des 
Erzherzogthumes  Oesterreich,  ganz  Steiermark,  Krain,  Görz  und  Gradiska, 
das  Gebiet  von  Triest,  Istrien,  Kroatien,  die  kroatische  Militärgrenze,  und 
die  westlichsten  Theile  von  Ungarn  und  Slavonien. 

Für  einen  grossen  Theil  dieses  ganzen  Gebietes  liegen  uns  bereits  De- 
tailaufnahmen vor,  so  für  das  Erzherzogthum  Oesterreich,  für  Salzburg, 
Kärnten,  Krain,  Görz,  Triest  und  Istrien;  für  Steiermark  besitzen  wir  die 
Aufnahmen  des  geognostisch-montanistischen  Vereines,  für  die  übrigen  auf 
dem  Blatte  dargestellten  Landestheile  dagegen  erst  nur  unsere  Uebersichts- 
aufnahmeu. 

Was  nun  die  Betheiligung  der  einzelnen  Geologen  an  diesen  Aufnahmen 
betrifft,   so  wurden  im  ersten  Jahre  des  Bestehens  der  Anstalt  (1850)  zur 

Jahrbuch  der  k-  k.  geologischen  Reichsanstalt    186S.  18.  Band  1.  Heft.  ■*■ 


Franz  R.  v.  Hauer. 


[2] 


Gewinnung  sicherer  Anhaltspunkte,  namentlich  zur  Gliederung  der  nörd- 
lichen Kalkalpen  eine  Reihe  von  Durchschnittslinien  näher  untersucht  und 
zwar  auf  der  Linie  Neunkirchen-Lilieufeld  durch  die  Herren  J.  Czjzek, 
D.  Stur,  K.  Mann  licher;  —  Lilienfeld  Brandhof  durch  J.  Kuder- 
natsch  und  Fr.  Friese;  —  Steier-Eisenerz,  K.  Ehrlich;  —  Steier-Ad- 
mont,  durch  mich  und  J.  Eossiwall;  —  im  Salzkammergut,  F.  Simon  y 
und  entlang  der  Salzach  :  M.  V.  Lipoid,  H.  P  r  i  n  z  i  n  g  e  r. 
Die  eigentlichen  Detailaufnahmen  besorgten  dann: 
i.  In  Salzburg  in  den  Jahren  1852  und  1853  die  Herren:  M.  V. 
Lipoid  als  Chefgeologe  und  H.  Prinzinger,  Dr.  K.  Peters  und  D. 
Stur  als  Sectionsgeologen. 

2.  In  dem  südlich  von  der  Donau  gelegenen  Theil  von  Ober-  und 
Nieder-Oesterreicb,  mit  den  angrenzenden  Theilen  von  Ungarn  und  Steier- 
mark, in  den  Jahren  1851bisl853,  nebst  mir  selbst  die  Herren  J,  Czjzek, 
Fr.  Foetterle,  M.  V.  Lipoid  als  Chefgeologen,  die  Herren  J.  Kuder- 
natsch,  D.  Stur,  F.  V.  Lidl,  H.  Wo  If,  H.  Prinzinger  als  Sections- 
geologen, während  sich  die  Herren  Dr.  M.  Hörne s,  E.  Suess  und  Ferd. 
Seeland  zeitweilig  zu  freiwilliger  Theilnahme  angeschlossen  hatten. 

Eine  Revision,  die  zunächst  zum  genauesten  Studium  der  in  den  nord- 
östlichen Alpen  vorfindlichen  Kohlenflötze  unternommen  wurde,  die  aber 
weiter  zu  einer  Umarbeitung  der  ganzen  Karte  der  nordöstlichen  Kalkalpen 
fülirte,  wurde  dann  noch  in  den  Jahren  1863  und  1864  durch  die  Herren 
M.V.Lipoid  und  D.  Stur  unter  Mitwirkung  "der  behufs  einer  höheren 
Ausbildung  von  dem  k.  k.  Finanzministerium  an  die  Reichsanstalt  einbe- 
rufenen Herren  Montan-Ingenieure  L.  Hertle,  J.  Rachoy  und  G.  Freih. 
v.  Sternbach,  dann  des  Herrn  Dr.  Alfr.  Stelzn  er  als  Volontär's  aus- 
geführt. 

AVeitaus  die  wichtigsten  kartographischen  Vorarbeiten,  die  nur  zum 
Theil  veröffentlicht  worden  waren,  hatte  für  das  ganze  Gebiet  der  nordöst- 
lichen Alpen  Herr  P.  Partsch  geliefert.  Dass  überdies  auch  die  werth- 
vollen  Publicationen  einesLill  v.  Lilienbach,  Dr.  A.  Boue,  Sir  R.  Mur- 
chiso  n,  ferner  die  unter Haidinger's Leitung  zusammengestellte  geogno- 
stische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie,  die  geologische 
Uebersichtskarte  der  nordöstlichen  Alpen  von  A.  v.  Morlot,  und  viele  in 
der  Literatur  zerstreute  Daten  wichtige  Anhaltspunkte  lieferten  und  fleissig 
benützt  wurden,  versteht  sich  von  selbst.*) 

3.  In  Kärnten,  mit  den  angrenzenden  Theilen  von  Tirol  und  denVene- 
tianer- Alpen  in  den  Jahren  1854  und  1855  die  Herren  M.  V.  Lipoid  und 
Fr.  Foetterle  als  Chefgeologen  und  die  Herren  Dr.  Peters  und  D.  Stur 
als  Sectionsgeologen.  Wichtigere  Beiträge  zur  geologischen  Kenntniss  des 
Landes  hatten  in  früherer  Zeit  namentlich  die  Herren  Dr.  A  Boue  und 
Fr.  R  0  s  t  h  0  r  n  geliefert. 


^)  Es  würde  unthunlich  sein,  hier  ein  vollständigeres  Literaturverzeichniss 
beizufügen.  Bezüglich  der  älteren  Literatur  bis  zum  Jahre  1830  darf  ich  ~wohl  auf 
ein  früher  von  mir  gegebenes  Verzeichniss  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt Bd.  I,  p.  17)  und  bezüglich  der  neueren,  auf  die  Jahrbücher  der  k.  k.  geo- 
logischen Reichsanstalt,  in  welchen  nebst  Originalmittheilungen  auch  alle  wichti- 
geren, auf  die  Geologie  des  Kaiserstaates  bezüglichen  anderweitigen  Publicationen 
angezeigt   werden,     verweisen. 


[3]  Geologische  Uebersichtskarte  der  östorrcichischen  Monarchie.  3 

4.  In  Krain,  Görz,  Triest  und  Istrien  in  den  Jahren  18S6  bis  Ifcün 
edi  Herren:  M.  V.  Lipoid  als  Chefgeologe,  Dr.  G.  Stäche  und  D.  Stur 
als  Sectionsgeologen.  Als  wichtigste  Vorarbeiten  sind  hier  hervorzuheben 
jene  von  Haqu  et,  von  Dr  A.  Boue  von  L.  v.  Buch,  von  A.  v.  Mo  rlot 
u.  s.  w. 

5.  Die  geologischen  Aufnahmsarbeiten  in  Steiermark  für  den  dortigen 
geoguostisch-montanistischen  Verein  wurden  in  den  Jahren  184Bbis  1800 
durchgeführt.  Als  Aufnahms-Commissäre  fungirten  der  Keihe  nach  die 
Herren  Ad.  v.  Morlot,  Dr.  J.Andrae,  F.Rolle  und  Th.  v.  Zollikofer. 
Zeitweiligen  Antheil  an  den  Arbeiten  nahmen  überdies  die  Herren  AI.  G  o- 
banz,  Alb.  v. Miller,  Vinc.Pichler,  Ferd.  Seelan  d,  A.  v.  Schouppe 
und  Fr.  Wodiczka.  Eine  Revision  einiger  Theile  des  Landes  wurde  spä- 
ter in  den  Jahren  1863  und  1864  durch  Herrn  D.  Stur,  der  die  schliess- 
liche  Zusammenstellung  der  vom  Vereine  herauszugebenden  Karte  über- 
nommen hatte,  ausgeführt. 

Wichtige  Vorarbeiten  für  die  geologische  Landeskenntniss  hatten  in 
früherer  Zeit  nebst  den  schon  bei  Oesterreich  genannten,  insbesondere  die 
Herren  M.  J.  Anker  und  F.  ünger  geliefert. 

Von  den  uns  erst  nur  in  TJebersichtsaufnahmen  vorliegenden  weiteren 
Gebieten  wurde : 

6.  Kroatien  und  die  kroatische  Militärgrenze,  sowie  Slavonien  in  den 
Jahren  1861  und  1862  von  Herrn  Bergrath  Fr.  Foetterle  als  Ghefgeolo- 
gen,  und  den  Herren  D.  Stur,  Dr.  F.  Stoliczka  und  Heinrich  Wolf  als 
Sectionsgeologen  und 

7.  der  noch  auf  Blatt  VI  entfallende  westliche  Theil  von  Ungarn  im 
Jahre  1861  von  mir  als  Chefgeologen  und  den  Herren  Dr.  G.  Stäche  und 
Dr.  F.  Stoliczka  als  Sectionsgeologen  bearbeitet. 

Die  Alpenkette,  die  wir  bei  Besprechung  des  Blattes  V  unserer  Karte 
ostwärts  bis  zum  Meridian  des  Grossglockners  verfolgt  hatten,  streicht  im 
Wesentlichen  unverändert  und  immer  noch  deutlich  geschieden  in  eine 
Mittelzone,  dann  eine  nördliche  und  südliche  Nebenzone  ostwärts  fort  bis 
in  die  Nähe  von  Graz.  Die  weit  nach  Westen  eingreifende  Bucht  jung- 
tertiärer Gesteine,  welche  ringsum  an  den  Rändern  des  grossen  ungarischen 
Beckens  entwickelt  sind,  spaltet  sie  hier  in  zwei  Arme,  deren  nördlicher 
eine  Richtung  nach  NO.  annimmt  und  die  Verbindung  mit  den  Karpathen 
vermittelt,  während  der  südliche  nach  SO.  sich  wendend,  wenn  auch  mit 
theilweise  sehr  abweichenden  geologischen  Charakteren  durch  die  ausge- 
breiteten Bergländer  des  Karstes  und  der  kroatischen  Gebiete  mit  den  Ge- 
birgen Dalmatiens  und  des  ganzen  sogenannten  illyrischen  Dreieckes  in 
unmittelbarer  Verbindung  steht.  —  Die  am  Rande  der  Grazer  Bucht  ab- 
gelagerten älteren  Sedimentgesteine  stehen  weder  mit  jenen  der  nörd- 
lichen noch  mit  jenen  der  südlichen  Nebenzone  in  unmittelbarer  Verbin- 
dung, sie  erheischen  daher  für  sich  eine  abgesonderte  Behandlung.  Der 
besseren  Uebersicht  wegen  gliedern  wir  demnach  unseren  Stoff  hauptsäch- 
lich nach  den  angedeuteten  geologischen  Momenten  und  betrachten  der 
Reihe  nach:  1.  Die  Mittelzone  der  Alpen,  2.  die  nördliche  Nebenzone,  3. 
die  südliche  Nebenzone  mit  den  sich  ihr  im  Süden  anschliessenden  Berglän- 
dern des  Karstes,  Kroatiens  und  der  kroatischen  Militärgrenze,  4.  die  älteren 
Sedimentgesteine  der  Grazer  Bucht,  5.  die  tertiären  Randgebilde  der 
Ebene  und  die  letztere  selbst. 

1* 


Franz  R.  v.  Hauer. 


[*] 


I.    Die    niltelzone  der  Alpen. 

Mit  stets  zunehmender  Breite,  dagegen  aber  mehr  und  mehr  abnehmen- 
der Höhe  streicht  die  Mittelzone  der  Alpen  vom  Meridian  desGrossglockners 
her  weiter  nach  Osten.  Als  ihre  nördliche  Grenze  muss  man  die  Grauwacken- 
zone  betrachten,  welche  aus  der  Gegend  von  Saalfelden  durch  das  obere 
Ennsthal  und  weiter  über  Kottenmann,  Vordernberg  und  Neuberg  in  fast 
ununterbrochenem  Zusammenhange  zu  verfolgen  ist  bis  Schottwien  und 
Gloggnitz  südlich  von  Wien. 

In  gleicher  Weise  betrachten  wir  als  Südgrenze  der  Mittelzone  im 
westlichen  Theile  des  Gebietes  unserer  Karte  den  Zug  von  Gesteinen  der 
Steinkohlenformation,  der  aus  der  Gegend  von  Inichen  undSillian  imPuster- 
thale  entlang  der  Südseite  des  Gailthales  ununterbrochen  fortstreicht,  bis 
in  die  Gegend  südlich  von  Villach  in  Kärnten.  Weiter  im  Osten  dagegen  ist 
es  schwieriger  diese  Grenze  zu  fixiren,  da  in  diesem  südöstlichen  Theile  der 
Alpen  sich  die  an  der  Zusammensetzung  der  Gebirgsmassen  theilnehmenden 
sedimentären  und  krystallinischen  Gesteine  in  wiederholte  Züge  gliedern ; 
als  ungefähre  Grenze  mag  betrachtet  werden  die  Drauebene  bis  in  die  Ge- 
gend von  Völkermarkt  und  weiter  eine  Linie  über  Bleiburg,  Windischgraz, 
Eötschach  bis  Windisch-Feistritz.  Aber  auch  weiter  im  Süden  noch  tritt  in 
dem  langen  schmalen  Zuge  aus  der  Gegend  südwestlich  von  Eisenkappel  in 
Kärnten,  über  Scliwarzenbach  bis  Pleschivetz  Südlich  von  Windischgraz 
eine  bedeutende  Partie  krystallinischer  Gesteine  zu  Tage,  welche  analog  den 
krystallinischen  Inseln  im  westlichen  Theil  der  südlichen  Nebenzone  (siehe 
Erläuterungen  zu  Blatt  V  unserer  Karte  Seite  13)  durch  zwischenliegende 
Sedimentgesteine  von  den  krystallinischen  Gesteinen  der  Mittelzone  ge- 
trennt ist. 

Die  Hauptmasse  der  nach  den  angedeuteten  Grenzlinien  abgeschlos- 
senen Mittelzone  besteht  aus  krystallinischen  Schiefer-  und  —  weit  unter- 
geordneter —  Massengesteinen,  aber  nebenbei  gelangen  innerhalb  dieser 
Grenzen  auch  sehr  bedeutende  Massen  von  sedimentären  Gesteinen  zur  Ent- 
wicklung. So  insbesondere  in  den  Kadstädter-Tauern,  wo  dieselben  als  zur 
Schieferhülle  der  Centralmasse  des  Ankogel  gehörig  eben  so  wie  die  analo- 
gen Gebilde  weiter  im  Westen  bereits  bedeutende  Metamorphosen  erlitten 
haben,  so  ferner  die  ihnen  im  Süden  gegenüberliegenden,  aber  weiter  nicht 
wesentlich  metamorphosirten  Sedimentgesteine  des  Lienz-Villacher-Z  uges, 
—  so  die  Steinkohlengebilde  des  Eisenhut  und  der  Stangalpe,  dann  des  Paal- 
grabens,  so  die  älteren  Sedimentgesteine  im  Gurk-  und  Lavantgebiet,  so 
endlich  zahlreiche  isolirte  Ablagerungen  jüngerer  Tertiärgebilde  in  zahl- 
reichen   Niederungen  und  Thaltiefen  des  ganzen  Gebietes. 

a)    Die    krystallinischen  Schiefer  und  Massengesteine  der 

Mittel  Zone. 

Nur  im  westlichen  Theile  unserer  Mittelzone,  so  weit  sie  auf  Blatt  VI 
dargestellt  ist,  und  zwar  ungefähr  in  der  Mitte  ihrer  Breite  erscheint  noch 
der  charakteristische  Centralgneiss  der  bereits  in  den  lilrläuterungen  zu 
Blatt  V  Seite  5  näher  geschildert  wurde.  Er  bildet  hier  die  mächtige  Cen- 
tralmasse des  Ankogel-Hafnereck  und  die  kleinere  im  Südwesten  von  dieser 
gelegene  und  jiur  durch  eine  schmale  Zone  von  Gesteinen  der  Schieferhülle 
von  ihr  getrennte  Centralmasse  des  Hochnarr- Herzog  Ernst  Beide  zusammen 


rg"j  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  5 

sind  von  der  grossen  auf  Blatt  V  unserer  Karte  fallenden  Centralmasse  des 
Löflfelspitz  und  der  Krinaler-Tauern  durch  eine  breitere  Schieferzone  getrennt, 
welcher  auch  die  imponirende  Grossglocknerspitze  angehört.  Die  Ankogel- 
masse  scheint  einen  nach  unten  oftenen  Fächer  zu  bilden  und  auch  in  der 
Masse  des  Hochnarr  ist  im  nordwestlichen  Theil  dieselbe  Anordnung  der  Schich- 
ten zu  beobachten;  im  südöstlichen  Theil  dagegen  fallen  nach  Stur  die 
Schichten  gleichmässig  nach  SW.  conform  den  Schichten  der  Schieferhülle, 
welche  diese  Masse  von  der  des  Ankogels  trennt,  und  auch  conform  den  zu- 
nächst anliegenden  Centralgneisspartien   der  Letzteren  selbst. 

Die  Gesteine  der  Schieferhülle,  welche  die  genannten  Centralmassen 
umgeben,  und  von  einander  scheiden,  bestehen,  namentlich  nordseits,  der 
Hauptsache  nach  aus  Kalkglimmerschiefer  und  chloritischen  Schiefern,  denen 
sich  eigentliche  Glimmerschiefer,  körnige  Kalke,  Serpentine  u.  s.  w.  beige- 
sellen. Von  dem  mannigfaltigen  Wechsel  dieser  Gesteine,  deren  ostwestlich 
streichende  Zonen  von  dem  Gross-Arier-,  Gasteiner-,  Rauriser-,  Fuscherthal 
senkrecht  durchschnitten  werden,  können  wohl  nur  Karten  in  grösserem 
Maassstabe  als  unsere  Uebersichtskarte  ein  annähernd  richtiges  Bild  ge- 
währen. 

Weiter  im  Süden  und  Osten  von  den  eben  erwäbnten  Centralmassen 
scheint  durchwegs  nur  altkrj^stallinisches  Gebirge  in  der  Mittelzone  zu  herr- 
schen, das  im  INorden  nachweisbar  älter  ist  als  die  ibm  auliagernde  siluri- 
sche Grauwacke,  im  Süden  jedenfalls  wenigstens  älter  als  die  auflagernden 
Gesteine  der  Steinkohlenformation. 

Die  südlich  vom  Ankogel  entwickelte  Masse  des  Pollinik  und  Kreuz- 
eck besteht  vorwaltend  aus  grauatfübrendem  Glimmerschiefer,  der  constant 
nach  Süden,  von  der  Ankogelraasse  ab,  fällt;  eben  so  besteht  die  südlich 
von  den  Sedimentgesteinen  des  Lienz-Villacher-Zuges  im  Gailtliale  auftau- 
chende Zone  krystalliniscber  Gesteine,  welche  nach  Westen  zu  über  Sillian 
mit  der  Hauptmasse  der  Mittelzone  zusammenhängt,  aus  echtem  Glimmer- 
schiefer, der  steil  aufgericbtet  ist,  aber  doch  an  einigen  Stellen  eine  sattel- 
förmige Stellung  der  Schichten,  mit  Einfallen  nach  Norden  unter  die  an- 
grenzenden Triasgebilde  und  nach  Süden  unter  die  Kohlenformation  er- 
kennen lässt. 

Ostwärts  vom  Ankogel  bis  zum  Meridian  von  Ober  Zey ring  undGutta- 
ring  in  Kärnten  herrschen  in  der  ganzen  Breite  der  Mittelzone  die  Glimmer- 
schiefer und  Thonglimmerschiefer  weitaus  gegen  alle  übrigen  krystallinischen 
Gesteine  vor.  Namentlich  im  Ennsgebiete,  aber  auch  theilweise  weiter  im 
Süden  lassen  sich  im  Glimmerschiefer  selbst  noch  zwei  Gruppen  unterschei- 
den, eine  ältere,  von  Stur  bezeichnet  als  „Erzführender  Glimmerschiefer" 
bestehend  aus  quarzreichen,  groben,  uneben  breclienden  Gesteinen,  die  häu- 
fige Uebergänge  und  Wecbsellagerungen  mit  untergeordneten  Gneiss- 
schicliten  zeigen,  und  vielfach  Eisenkiese,  dann  aber  auch  Kupfer,  Nickel 
und  Kobaltkiese  führen.  Jünger  als  sie  sind  dann  die  „Granatführenden 
Glimmerschiefer,"  in  welchen  meist  der  Glimmer  sehr  reichlich  entwickelt 
ist  und  über  den  Quarz  vorherrscht.  Ueber  ilinen  erst  folgt  der  auf  unserer 
Karte  ausgeschiedene  Thonglimmerschiefer,  der  im  Ennsthal  noch  durch 
eine  sehr  regelmässig  fortstreichende  Zone  von  Chloritschiefer  von  den 
Grauwackengebilden  getrennt  wird. 

Dass  übrigens  auch  untergeordnete  Einlagerungen  anderer  Schiefer, 
und  namentlich  krystalliniscber  Kalksteine  nicht  fehlen,    bedarf  kaum  einer 


6  Franz  R.  v.  Hauer  ff;] 

besonderen  Erwähnung.  Letztere  finden  sich  am  mächtigsten  und  verbrei- 
tetsten  einmal  in  der  Umgegend  von  Murau,  Oberwölz  und  Friesach,  dann 
wieder  in  jener  von  Ober-Zeyring  und  Judenburg. 

Das  östliche  Ende  der  Mittelzoue,  sowohl  der  noch  ungetreunt  fort- 
streichende Theil  vom  Meridian  von  Zeyring  bis  zur  Grazerbucht,  wie  auch 
weiter  die  diese  Bucht  im  Norden  und  Süden  begrenzenden  Arme,  ja  selbst 
die  noch  weiter  östlich  aus  dem  Tertiärlande  emporragenden  Inselgebirge, 
die  als  eine  Fortsetzung  dieser  Arme  betrachtet  werden  können,  zeichnen 
sich  wieder  aus  durch  das  Auftreten  sehr  bedeutender  Gneiss-  und  selbst 
Granitmassen,  von  welchen  aber  vvenigstens  die  Ersteren  nirgends  die  Charak- 
tere vonErnptivgebilden  zeigen  und  daher  auch  nicht  mit  dem  Centralgneiss 
der  Tirol-Salzburger-Alpen,  von  dem  sie  überdiess  petrographisch  ver- 
schieden sind,  zusammengestellt  werden  können. 

Derartige  Gneissmassen  finden  sich  noch  vor  der  Spaltu)ig  der  Cen- 
tralkette  durch  die  Grazer-Bucht;  im  Norden  die  des  Zinkeukogel  und  Bösen- 
stein ,  in  deren  südlicher  Hälfte  auch  echter  Granit  in  bedeutenden  Partien 
entwickelt  ist,  dann  im  Süden  die  noch  viel  ausgedehntere  Masse  der  Sau- 
und  Koralpe,  welche  durch  das  Lavantthal  in  eine  östlielie  und  eine  west- 
liche Hälfte  getrennt  wird.  In  dieser  Masse  kömmt  kein  echter  Granit  zur 
Entwicklung,  sehr  zahlreich  sind  dagegen  die  Einlagerungen  krystallinischer 
Kalke,  die  durch  ihre  ausgedehnten  Spatheisensteinlager  (Hüttenberg  und 
Lölling)  eine  besondere  Bedeutung  erlangen,  dann  anderer  krystallinischer 
Schiefer,  darunter  insbesondere  auch  die  durcli  ihren  Keichthum  an  seltenen 
Mineralien  bekannten  Eklogite. 

Getrennt  werden  die  Gneiss -Massen  der  Sau-  und  Koralpo  von  jener 
des  Hochzinken  durch  eine  vorwaltend  aus  Gümmerscliiefer  bestehende 
Gesteinszone,  welche  häufig  mit  Hoinblendeschiefern  in  Verbindung  steht 
und  in  welcher  bei  Kraubath  nordöstlich  von  Knittelfeld  eine  mächtige  Ser- 
pentinmasse ausgeschieden  ist. 

Noch  möchte  ich  hervorheben,  dass,  wie  namentlich  aus  den  Unter- 
suchungen von  Rolle  hervorgeht,  die  Gablung  der  Centralkette  hier  an 
ihrem  Testende  auch  im  Schichtenbau  sehr  deutlicli  ausgedrückt  ist.  Die 
nordwestlicli  an  die  Grazerbucht  angränzenden  krystallinischen  Gesteine,  im 
Systeme  der  Stubalpe,  streichen  von  Südwest  nacli  NO,  und  fallen  zunächst 
an  den  Sedimentgesteinen  nach  SO.  unter  die  devonischen  Gesteine  der  Grazer- 
bucht, weiter  im  Norden  dagegen  nach  NW.  —  Im  Systeme  der  Koralpe  da- 
gegen streichen  die  Schichten  beinahe  im  rechten  Winkel  zu  jenem  der  Stub- 
alpe von  NW.  nach  SO.  und  fallen  meist  nach  NO. 

In  dem  nördlichen  Schenkel  der  Grazer  Bucht  bemerken  wir  die  lange 
gestreckte,  aber  verhältnissmässig  schmale  Gneissmasse,  welche  an  der  Nord- 
seite des  Mürzthales  entwickelt  ist;  ihre  Schichten  fallen  regelmässig  und 
concordant  nach  Norden  unter  die  Grauwackengesteine  ein,  von  welchen  sie 
nur  stellenweise  noch  durch  schmale  Zwischenlagerungen  von  Glimmer- 
schiefer und  Chloritschiefer,  erstere  in  Verbindung  mit  körnigen  Kalken,  ge- 
trennt werden.  Südlich  vom  Mürzthale  herrschen  Glimmerschiefer  mit  den 
gewöhnlichen  Einlagerungen  vor ,  unter  welchen  aber  in  der  Umgegend  von 
Bärnegg  die  Hornblendeschiefer  mit  Serpentinen  in  sehr  bedeutender  Mäch- 
tigkeit selbstständig  entwickelt  sind.  Das  Fallen  dieser  verschiedenen 
Schiefer  weiter  im  Norden  noch  nördlich  unter  den  Gneiss  gerichtet,  wird 
gegen  die  devonischen  Gesteine  der  Grazer  Bucht  zu  ein  Südliches. 


r71  Geologische  Uebcrsicht.skarte  der  österreichischen    Monarchie.  7 

Noch  weiter  östlich  folgt  dann  die  ausgedehnte  Gneissmasse  des  Raben- 
waldes und  Wechsel's,  deren  Schichten,  ganz  abweichend  von  jenen  der  bis- 
her betrachteten  Partien,  beinahe  durchgehends  von  NW.  nach  SO.  streichen 
und  nach  Südwest  einfallen.  Man  kann  sie  demnach  gewissermassen  als 
Gegenflügel  derGueissmasse  der  Koralpe  betrachten.  Czjzek,  dem  wir  sehr 
genaue  Untersuchungen  über  diese  Gegend  verdanken,  bezeiclmet  die  Gegend 
von  Scheiblingkirchen  (im  Leithathale  zwischen  Pitten  und  Aspang  gelegen) 
als  einen  Knotenpunkt,  von  welchem  aus  die  Schichten  des  krystallinischen 
Gebirges  nach  drei  Richtungen  abfallen;  einmal  nach  SW-,  die  eben  er- 
wähnten Gneissmassen,  dann  nach  NW.,  in  Uebereinstimmung  mit  der  all- 
gemeinen Fallrichtung  im  Mürzthale,  die  Glimmerschiefer,  Gneisse  und  kör- 
nigen Kalke  in  der  südlichen  Umgebung  von  Gloggnitz  und  Pitten ,  endlich 
nach  0.  und  SO.  die  ganze  Schieferpartie  zwischen  Forchtenau  und  Bern- 
stein, in  welcher  in  langen  von  Norden  nach  Süden  streichenden  Zügen  im 
vielfachen  Wechseln  Gneiss,  Glimmerschiefer  und  Hornblendeschiefer  ein- 
ander folgen,  und  in  welchen  in  der  Umgebung  von  Bernstein  mächtige 
Massen  von  Serpentin  und  Chloritschiefern  entwickelt  sind,  während  weiter 
im  Norden  bei  Landsee  westlich  von  Kobersdorf  eine  ansehnliche  Basalt- 
masse den  Gneiss  durchbricht. 

Mit  völlig  zerrissenen  Rändern  endet  das  krystallinische  Gebirge  des 
Nordost-Armes  der  Centralkette  gegen  das  Tertiärland  der  Niederungen. 
Oberflächlich  völlig  getrennt  durch  über  die  hohen  Sättel  wegziehende  Ter- 
tiärgebilde, aber  orographisch  doch  noch  zusammenhängend  mit  der  Haupt- 
kette erscheinen  die  aus  Glimmerschiefer  und,  mitunter  granitartigem,  Gneiss 
bestehenden  Inseln  südwestlich  bei  Oedenburg,  die  immer  noch  ein  hoch  aus 
der  Niederung  emporragendes  Gebirge  darstellen:  die  gleichen  Gesteine  be- 
obachtet man  in  den,  theilweise  nur  in  den  Thälern  blossgelegten  Partien 
am  Stob-Bach,  der  durch  den  lange  bekannten  Basaltdurchbruch  bei  Ober- 
Pullendorf  ein  besonderes  Interesse  erregt,  und  an  der  Rabnitz.  Nur  durch 
einen  schmalen  Arm  bei  Bernstein  endlich  hängt  die  mächtige  Halbinsel 
krystallinischer  Gesteine  zwischen  Güns  und  Schlaming  mit  der  Centralkette 
zusammen.  Sehr  bemerkenswerth  ist  es,  dass  in  dieser  Halbinsel  nach  den 
Untersuchungen  von  Stoliczka  wieder  Gesteine  auftreten,  welche  mit  jenen 
der  Schieferhülle  der  Centralmassen  der  Salzburgeralpen  die  grösste  Aehn- 
lichkeit  besitzen.  Sie  bestehen  aus  nordsüdlich  streichenden ,  aber  westlich 
einfallenden  wechselnden  Zonen  von  Kalkglimmerschiefer  und  „grünen 
Schiefern"  d.  h.  Glimmerschiefern,  in  welchen  der  Glimmer  häufig  durcli 
ein  grünes  chloritartiges  Mineral  ersetzt  ist.  Weiter  im  Süden  schliessen 
sich  dann  die  aus  den  gleichen  Gesteinen  bestehenden  Inseln  westlich  von 
Steinamanger  und  bei  Güssing  so  wie  die  inmitten  der  Grazer  Bucht  auf- 
tauchende kleine  Glimmerschiefer-Insel  östlich  von  Gleichenberg  an. 

Als  eine  nordöstliche  Fortsetzung  des  nördlichen  Armes  der  Central- 
kette erscheinen  dann  ferner  noch  die  kleinen  Gneisshügel  in  der  südöst- 
lichen Umgebung  von  Oedenburg,  die  kleinen  Gneiss-  und  Granit-Inseln  der 
Rusterberge,  die  ausgedehntere  Gneissmasse  des  Leithagebirges ,  deren 
Schichten  von  SW.  nach  NO.  streichen  und  nach  SO.  einfallen,  endlich  die 
am  Nordrande  unserer  Karte  noch  erscheinenden* Gneiss-  und  Granitpartien 
der  Hainburgerberge,  die  aber,  wenn  auch  durch  das  Donauthal  getrennt, 
mehr  schon  dem  Systeme  der  Karpathen  als  jenem  der  Alpen  anzugehören 
scheinen. 


8  Frawz  R.  y,  Haupr. 


[8.1 


Wenden  wir  uns  nunmehr  zum  südlichen  Arme  der  Mittelzone.  Der- 
selbe bricht  weit  "rascher  gegen  die  Ebene  ab  als  der  nördliche.  In  der  That 
wird  er  nur  durch  den  Stock  des  Bachergebirges,  und  die  diesem  im  Norden 
vorliegenden  krystallinisclien  Gesteine  des  Drauthales  zwisclien  Hohenmauthen 
und  Marburg  gebildet. 

Wenn  irgend  eine  Partie  der  Ostalpen,  so  könnte  das  Bachergebirge 
mit  den  Centralmassen  der  Westalpen  verglichen  werden.  Dasselbe  besteht 
aus  einem  ausgedehnten,  elliptisch  geformten  centralen  Stock  von  Granit,  der 
ringsum  mantelförmig  von  krystallinischen  Schiefern,  namentlich  Gneiss  und 
Glimmerschiefer  umliüUt  und  überlagert  wird.  Das  Centralgestein  gleicht  aber 
weder  dem  Protogyn  der  Schweizeralpen,  noch  dem  Centralgneiss  der  Tauern- 
masse,  es  ist  vielmehr  gemeiner,  theils  gröber  theils  feiner  körniger  Granit,  und 
was  die  umhüllenden  Schiefer  betrifft,  so  zeigen  auch  nur  jene,  die  sich  in  NW. 
anschliessen  und  die  Bachermasse  von  jener  dgr  Koralpe  trennen,  die  chlori- 
tischen,  thonschieferartigen,  weniger  scharf  charakterisirbaren  Varietäten, 
welche  den  Gesteinen  der  Schieferhülle  eigen  zu  sein  pflegen. 

Die  durch  eine  schmale  Zone  tertiärer  Gesteine  von  der  Bachermasse 
getrennten  krystallinischen  Schiefer  des  Drauthales  bestehen  zu  unterst  aus 
Gneiss,  dem  nach  oben  Glimmerschiefer  mit  Einlagerungen  von  Hornblende- 
>chiefern,  und  noch  höher  chloritschiefer-  und  thonschieferartige  Gesteine 
folgen. 

So  wie  im  Nordosten  haben  wir  nun  auch  im  Südosten  eine  Reihe  aus 
den  Niederungen  auftauchender  Inseln  von  krystallinischen  Gesteinen  zu 
verzeichnen,  welche,  wenn  auch  hier  vielleicht  mit  weniger  Sicherheit  als  im 
Norden,  als  eine  weitere  Fortsetzung  des  südöstlichen  Armes  der  Mittelzone 
betrachtet  werden  können.  Es  gehören  dahin : 

1.  Die  wenig  ausgedehnten  Glimmerschiefer-Partien  nordwestlich  von 
Kreuz  in  Kroatien. 

2.  Die  zwei  krystallinischen  Inseln  des  Agramer  Gebirges,  deren  nord- 
östliche aus  Glimmerschiefer  besteht,  während  die  südwestliche  nach  den 
Mittheilungen  von  Vukotinovic  wie  von  F  o  e  1 1  e  r  1  e  in  ihrer  Hauptmasse 
aus  eigenthümlichendioritischen,  theils  körnigen  theils  schiefrigen  Gesteinen 
gebildet  wird,  die  im  Wesentlichen  aus  Hornblende  und  einem  Feldspath 
bestehen. 

3  Das  Moslavinergebirge  OSO.  von  Agram  bestehend  aus  einer  an- 
sehnlichen Masse  von  feinkörnigem  gewöhnlichem  Granit,  dem  sich  im  Osten 
eine  eben  so  ansehnliche  Masse  von  Glimmerschiefer  anschliesst. 

4.  Das  Westslavonische  Gebirge,  dessen  westliche  Hälfte  nur  auf 
unserem  Blatt  VI  erscheint.  In  demselben  ist  insbesondere  Granit,  meist 
grobkörnig,  mitunter  auch  mit  porpliyrartig  eingewachsenen  Feldspath- 
zwillingeu,  mächtig  entwickelt;  nebstbei  ist  aber  auch  Glimmerschiefer  mit 
Einlagerungen  von  Gneiss  und  von  Hoin blendeschiefern  in  der  südlichen 
Hälfte  weit  verbreitet. 

h)  Petrefactenführende  Sedimentgesteine    im  Gebiete   der 

Mittelzone. 

Gebilde  sehr  verschiedenen  Alters,  und  sehr  unregelmässig  vertheilt, 
sind  es,  welche  im  Bereiche  der  nach  den  oben  angegebenen  Linien  abge- 
grenzten Mittelzone  auf  theilweise  Ueberfluthungeu  dieses  Gebietes  im  Laufe 
der  verschiedenen  geologischen  Epochen  schliessen  lassen,    Dass  derartige 


rOT  Geologische  Üebersicfitsftarte  (fer  ösferreichiscfien  Mbnarcfiie.  ff 

Ueberflnthungen  aber,  schon  von  den  Zeiten  des  Absatzes  der  silurischen 
Gesteine  her  stets  nur  theilweise  waren,  dass  also  während  der  ganzen  Zeit- 
dauer der  Bildung  der  Sedimentgesteine  der  nördlichen  und  südlichen  Neben- 
zone im  Gebiete  der  Mittelzone  Inseln  oder  grössere  zusammenhängende 
Festlandsstrecken  aus  dem  umgebenden  Meere  emporragten,  scheint  eine 
nähere  Betrachtung  der  Verhältnisse  ziemlich  klar  zu  beweisen. 

Als  der  Silurformation  angehörig  verzeichnet  unsere  Karte,  nach 
den  Aufnahmen  von  Czjzek  eine  Keihe  von  theils  aus  Thonschiefern  und 
Quarziten,  theils  aus  Kalksteinen,  Rauchwacken  und  Dolomiten  bestehenden 
Gesteinspartien,  welche  gegen  das  Ende  des  nordöstlichen  Schenkels  der 
Mittelzone  zu,  in  der  Gegend  südlich  von  Wiener-Neustadt,  Gloggnitz, 
Mürzzuschlag  theils  in  isolirten  Partien  den  krystallinischen  Gesteinen  auf- 
lagern, theils  im  Zusammenhange  stehend  mit  der  nördlichen  Gienzzone  der 
Grauwackengesteine  tief  in  das  Gebiet  der  Mittelzone  eingreifende  Buchten 
bilden.  Bei  dem  gänzlichen  Mangel  an  bezeichnenden  Petrefacten  hält  es 
schwer,  die  kalkigen  Gesteine  dieser  Partien  von  den  krystallinischen  Kalken, 
die  Thonschiefer  aber  von  den  Thonglimmerschiefern  der  Mittelzone  mii 
einiger  Sicherheit  zu  scheiden. 

Eine  Fortsetzung  der  in  der  Grazer  Bucht  so  mächtig  entwickelten 
devonischen  Gesteine  weiter  nach  Westen  in  das  G ebiet  der  Mittel- 
zone hat  man  bisher  nirgends  beobachtet. 

Sehr  mächtig  dagegen  wieder  sind  die  Ablagerungen  der  Stein- 
kohlenformation im  Gebiete  der  Mittelzone  vertreten.  Vor  Allem  ist 
unter  denselben  die  mächtige  Masse  des  Eisenhat  und  der  Stangalpe,  an 
der  Grenze  zwischen  Steyermark,  Kärnten  und  Salzburg  hervorzuheben.  Die- 
selbe ist  muldenförmig  den  krystallinischen  Schiefern  aufgelagert  und  be- 
steht nach  den  Beobachtungen  von  Vincenz  P  i  c  h  1  e  r  aus  von  unten  nach 
oben  concordant  gelagerten:  1.  feinkörnigem  Kalkstein,  2.  den  unteren  grau 
oder  grünlichgefärbten  Thonschiefern,  3.  Conglomerat  mit  schmalen  Einla- 
gerungen von  dunkelgefärbten  feinen  Schiefern ,  4.  den  oberen  Schiefern, 
welche  petrographisch  von  den  unteren  Schiefern  (Nr.  2)  nicht  zu  unter- 
scheiden sind.  Nur  in  den  dem  Conglomerate  eingelagerten  Schiefern  kennt 
man  bisher  organische  Reste,  und  zwar  eine  reiche  und  mannigfaltige  Land- 
flora der  Steinkohlenzeit.  Die  anderen  drei  Schichtgruppen  haben  bisher  nichts 
davon  geliefert,  und  insbesondere  gelang  es  nicht  in  denselben  marine 
thierische  Reste  aufzufinden,  wie  dieselben  so  häufig  in  den  Gailthaler 
(Steinkohlen-)  Gebilden  der  südlichen  Nebenzone  sich  vorfinden. 

Eine  zweite  kleinere  Insel  von  Steinkohlengebilden  ist  im  Paalgraben 
südwestlich  von  Murau  entwickelt.  Sie  besteht  der  Hauptmasse  nach  aus 
Conglomeraten,  denen  sich  am  Westrande  auch  Schiefer  und  Kalksteine  bei- 
gesellen. 

Auf  weniger  sicheren  Anhaltspunkten  beruht  die  Einreihung  der  auf 
unseren  Karten  der  Steinkohlenformation  zugezählten  Gebilde  im  kärntne- 
rischen Mittellande  nördlich  von  der  Drau  in  den  nördlichen  Umgebungen 
von  Klagenfurt  und  Völkermarkt  Dieselben  bestehen  aus  verschieden  ge- 
färbten Thon-  und  Quarzschiefern  mit  Einlagerungen  von  halb  krystallini- 
schen Kalksteinen.  Sie  ruhen  auf  Thonschiefer,  und  werden  von  den  untersten 
Gesteinen  der  Triasformation  überlagert. 

Ablagerungen  mesozoischer  Schichtgesteine  im  Gebiete  der  Mittel- 
zone, so  weit  dieselbe  auf  Blatt  VI  unserer  Karte  dargestellt  ist,  haben  wir  nur 

JaVirbr.rh  der  1<.  k.  geolui;i»i;iieji  Kpichgan!^talt.  1S68.  18    Band.  I.  Heft.  "^ 


rO  Franz  R.  v.  Hauer.  [10] 

in  drei  Regionen  zu  verzeichnen,  und  zwar  in  dem  Gebiete  der  Eadstädter- 
Tauern,  in  dem  merkwürdigen  Lienz-Villacher  Gebirgszuge,  und  im  kärnt- 
nerischen Mittellande  im  Gebiete  des  Gurk-  und  des  Lavantthales. 

DieRadstädter-Tauerngebilde bestehen  aus mehrjoder weniger 
metamorphosirten  sehr  verschiedenartigen  Schiefern  und  Kalksteinen  ,  von 
denen,  wenn  sie  auch  vielfältig  mit  einander  wechsellagern,  doch  im  Allge- 
meinen die  Schiefer  eine  tiefere  Lage  als  die  Kalksteine  einzunehmen 
scheinen.  Sie  bilden  eine  von  Ost  gegen  West  allmählig  an  Breite  abneh- 
mende Masse ,  die  sich  keilförmig  einschiebt,  zwischen  die  hoch  krystal- 
linischen  Gesteine  der  Schieferhülle  der  Ankogelmasse  im  Süden  und  die 
Grauwacken-  und  weiter  altkrystallinischen  Gesteine  des  Pongau  und  Pinz- 
gau  im  Norden.  Den  einen,  wie  den  anderen  dieser  sie  begrenzenden  Ge- 
steine liegen  die  Kadstätter-Tauerugebilde  und  zwar  meist  mit  concor- 
danter  Schichtenstelluug  auf;  Spuren  vonPetrefacten,  die  an  mehreren  Stellen 
darin  gefunden  wurden,  schienen  dem  Entdecker  derselben  Herrn  Stur  auf 
Trias  zu  deuten  und  so  wurde  denn  auch  auf  unseren  Karten  die  ganze  Masse 
als  der  unteren  Trias  augehörig  verzeichnet ;  wahrscheinlich  wird  es  übrigens 
bei  wiederholten  eingehenderen  Untersuchungen  gelingen  hier  eben  so  mehrere 
Formationen  zu  unterscheiden ,  wie  diess  neuerlich  Herrn  A.  Pich  1er  im 
Sillgebiete  gelang. 

Parallel  dem  Zuge  der  Radstädter-Tauerngebilde  und  ihnen  gegenüber 
nahe  am  Südrande  der  Mittelzone  erstreckt  sich  der  Zug  der  Sedimentge- 
steine des  Lienz-Villacher  Gebirgszuges  von  Westen  nach  Osten.  Seine 
Gesteine  stehen  aber  nicht  in  Contnct  mit  der  Schieferhülle  der  Tauern-Cen- 
tralmassen,  sondern  sind  von  denselben  durch  eine  breite  Zone  altkrystalli- 
nischen Glimmerschiefers  getrennt.  Im  Süden  scheidet  sie  der  schmale 
Glimmerschieferzug  des  Gailthales  von  dem  Hauptzuge  der  Steinkohlenge- 
bilde der  südlichen  Nebenzone. 

Eben  so  viele,  schwer  erklärbare  Eigenthümlichkeiten  aber  wie  das 
Auftreten  dieses  ganzen  Zuges  überhaupt,  eben  so  viole  bietet  auch  seine 
Zusammensetzung.  Er  besteht  aus  Sedimentgesteinen,  die  nicht  weiter  me- 
tamorphosirt  und  völlig  analog  sind  jenen  der  nördlichen  und  südlichen  Ne- 
benzonen, und  zwar  von  der  unteren  Trias  angefangen  bis  hinauf  zum  Lias. 
Als  tiefstes  Glied  treten  die  Werfener-Schiefer  auf  und  ruhen  ohne  Zwi- 
schenlagerung von  Gesteinen  der  Kohlenformation  auf  dem  Glimmerschiefer, 
während  doch  im  Süden  von  der  kaum  eine  halbe  Meile  breiten  Glimmer- 
schieferzone des  Gailthales  die  Gesteine  der  Steinkohlenformation  in  so  aus- 
serordentlicher Mächtigkeit  entwickelt  sind.  Diese  Werfener-Schiefer  bilden 
im  Westen  die  Süd-,  im  Osten  dagegen  die  Nordgrenze  des  Zuges  gegen  den 
Glimmerschiefer;  ihnen  folgen  dann  im  Osten  gegen  Süden,  im  Westen  da- 
gegen gegen  Norden  zu,  in  mehr  oder  weniger  regelmässigen  Zonen,  die  jüngeren 
Gesteine,  und  unter  diesen  fällt  es  wieder  sehr  auf  als  höchstes  Glied  über 
den  Kössener-Schichten  und  Dachsteinkalken  echte  rothe  Adnetherkalke 
und  graue  Fleckenmergel  mit  bezeichnenden  Petrefaklen  entwickelt  zu  sehen, 
wie  sie  uns  sonst  aus  den  ganzen  Südalpen  östlich  vom  Gardasee  nicht  be- 
kannt geworden  sind. 

In  der  dritten  der  bezeichneten  Kegionen  endlich  in  der  nördlichen 
Umgebung  von  Klagenfurt  und  Völkermarkt  folgen  auf  die  schon 
früher  erwähnten  wahrscheinlich  der  Kohlenformation  angehörigen  Gesteine 
zunächst  untere  Trias  und  zwar  Werfener-Schiefer  undGuttensteinerkalkeund 


[111  öeolog'iscfie  Uebersichtskarte  der  Österreichischoii  Moaarchie.  H 

weiter,  während  alle  anderen  Zwischenglieder  fehlen,  unmittelbar  obere  Kreide, 
der  sich  noch  bei  Guttaring  die  bekannten  petre faktenreichen,  aber  räumlich 
sehr  beschränkten  Eocengebilde  anreihen. 

Allgemeiner  verbreitet,  wenn  auch  meist  in  nicht  sehr  ausgedehnten 
Partien  finden  wir  im  Gebiete  der  Mittelzone  Ablagerungen  jung  tertiärer 
Gesteine,  welche  durch  reiche  Braunkohlen  -  Ablagerungen  für  unsere  an 
mineralischem  Brennstoffe  leider  so  armen  Alpenländer  eine  besondere  Wich- 
tigkeit erlangen.  Meist  an  die  Thalniederungen  gebunden,  aber  doch  oft 
zu  beträchtlichen  Höhen  emporsteigend,  auch  abgesonderte,  mitunter  ansehn- 
lich hoch  gelegene  Becken  erfüllend,  lassen  sie  erkennen,  dass  das  Alpen- 
festland zur  Zeit  der  Ablagerung  der  jüngeren  Tertiärgebilde  vielfach  von 
Wasseransammlungen  unterbrochen  war. 

Nur  für  eine  Eegiou  übrigens,  für  das  untere  und  obere  Lavantthal 
ist  das  Hereinreichen  einer  Meeresbucht  in  das  Gebiet  der  Mittelzone  durch 
das  Vorkommen  zahlreicher  Petrefakton,  die  mit  solchen  der  Marinschichten 
des  Wiener-Beckens  übereinstimmen  mit  Sicherheit  nachgewiesen.  In  den 
übrigen  Ablagerungen  sind  nur  Reste  von  Land  oder  Süsswasser-Organis- 
men  bekannt  geworden. 

In  den  Tertiär-Ablagerungen  entlang  dem  Mürz-  und  Murthal,  dann 
dem  Ennsthale  (hier  theilweise  schon  im  Gebiete  der  Grauwackenzone),  so 
wie  in  jenen  der  isolirten  Becken  in  den  steyerischen  Alpen  überhaupt,  lassen 
sichnach  den  Untersuchungen  von  Stur  zwei  wesentlich  verschiedene  Alters- 
stufen unterscheiden.  Die  ältere,  die  namentlich  in  der  Gegend  des  Mürz- 
thales  und  unteren  Murthaies  verbreitet  ist,  wird  von  ihm  als  gleichalterig 
mit  den  marinen  Schichten  des  Wiener-Beckens  betrachtet.  Ihr  gehören 
namentlich  sämmtliche  Brauukohlenablagerungen  des  Mürzthales,  Parschlug, 
Turnau,  ürgenthal  u  s.  w.,  dann  jene  der  Umgebungen  von  Leoben  an.  A- 
allen  diesen  Localitäten  findet  man  zu  unterst  Mergel,  Schiefer,  und  Sandn 
steinschichten  mit  einer  reichen  Landflora  und  hin  und  wieder  mit  Wirbil- 
thierresten,  welche  mit  solchen  des  Leithakalkes  und  der  Cerithienschichten 
des  Wienerbeckens  übereinstimmen;  über  diesen  Schichten,  welche  die  Koh- 
lenflötze  enthalten,  folgen  Conglomerate,  häufig  mit  hohlen  Geschieben  und 
bei  Leoben  mit  Säugethierresten ,  welche  die  ganze  Ablagerung  als  ein 
Aequivalent  der  Leithakalkconglomerate  erscheinen  lassen.  —  Auch  die 
Kohlenablagerungen  von  Fohnsdorf,  NO.  bei  Judenburg,  gehören  übrigens 
wahrscheinlich  der  in  Rede  stehenden  älteren  Stufe  der  Tertiärschichten  an, 
denn  die  in  denselben  vorfindliche  Congeria  scheint  doch  nicht  wie  früher 
angenommen  wurde  mit  der  die  höheren  Congerienschichten  bezeichnenden 
C.  triangularis  übereinzustimmen  i)  und  im  Hangenden  der  Kohlenflötze 
finden  sich  Conglomerate,  die  Herr  Bergrath  Foetterle  mit  Sicherheit 
den  Conglomeraten  des  Mürzthales  parallel  stellen  zu  dürfen  glaubt ;  in  Ver- 
bindung mit  den  Letzteren  sollen  neuerlich  sogar  echte  Nulliporenkalke  ge- 
funden worden  sein. 

Die  obere  Stufe  der  Tertiärablagerungen,  die  hauptsächlich  im  oberen 
Mur-  und  Drauthale,  verbreitet  ist  und  die  ebenfalls  aus  mächtigen  Schotter- 
ablagerungen besteht,  wird  von  Stur  als  ein  Aequivalent  des  Belvedere- 


1)  Hör  11  es  führt  Foliiusdorf  unter  den  Pundorten  der  Art  in  seinem   grossen 
Werke  über  die  fossilen  Mollusken   des  Tertiärbeckeus  von  Wien  nicht  mehr  auf. 

2  *     ■ 


12  Franz  E.  v.  Hauer.  [12] 

Schotters  des  Wie  nerbeckens  betrachtet ;  eine  Anschauung  für  welche  frei- 
lich die  vermeintliche  Congeria  triangularis  von  Fohnsdorf  den  wichtigsten 
Anhaltspunkt  geliefert  hatte.  Bestimmbare  Fossilien  wurden  in  diesen  Abla- 
gerungen bisher  nicht  vorgefunden;  aber  ihre  Lagerungsverhältnisse,  als 
Hochschotter,  im  Gegensätze  zu  dem  Terrassen-Diluvium  der  Flussbetten 
unterscheiden  sie  einerseits  ebenso  sicher  von  den  Letzteren,  wie  sie  ander- 
seits jünger  zu  sein  scheinen  als  die  Leithakalkschotter  des  Mürzthales.  Auf 
unserer  Karte  sind  derselben  Stufe  auch  die  mächtigen  Schottermassen  des 
mittleren  Drauthales  in  der  südlichen  Umgebung  von  Klagenfurt,  unter 
welchen  lignitführende  thonige  Schichten  liegen,  beigezählt, 

II.    Die  nördliche  Nebenzone. 

Was  bei  Besprochung  des  Blattes  V  im  Allgemeinen  über  die  Gestaltung 
und  Beschaffenheit  der  nördlichen  Nebenzone  gesagt  wurde,  gilt  mit  wenig 
Abweichungen  auch  von  der  östlichen  Fortsetzung  dieser  Zone  bis  zu  ihrem 
Bruchrand  gegen  die  Niederung  des  Wienerbeckens.  Sie  besteht  auch  hier 
aus  einem  breiten  Zuge  von  Sedimentgesteinen,  die  weder  von  Aufbrüchen 
altkrystallini scher  Massen,  noch  von  irgend  ausgedehnteren  Durchbrüchen 
jüngerer  eruptiver  Felsarten  unterbrochen  werden. 

Im  Süden  schliesst  sie  ein  regelmässig  fortlaufender  Zug  von  silu- 
rischen (Grauwacken-)  Gesteinen,  die  weiter  im  Norden  nicht  wieder  zum 
Vorschein  kommen,  gegen  die  Mittelzone  ab.  Im  Norden  dagegen  wird  sie 
von  den  jüngeren  Tertiärgebilden  des  oberen  Donaubeckens  begrenzt,  welche 
auch  hier  wieder  auf  den  Nordrand  beschränkt  bleiben;  keine  Ablagerung 
zeugt  für  ein  Eindringen  des  Neogenmeeres,  aus  welchem  dieselben  abge- 
setzt wurden,  weiter  in  das  Innere  der  Nebenzone,  und  beschränkte  Ablage- 
rr.':gen  der  Neogenzeit,  die  man  daselbst  an  mehreren  Orten  kennt,  enthalten 
nur  Koste  von  Land-  und  Süsswasser-Organismen. 

Die  Hauptmasse  der  Nebenzone  besteht  auch  hier  aus  ziemlich  un- 
regelmässig vertheilten  oder  stellenweise  in  wiederholten  Zügen  auftretenden 
Gesteinen  von  der  Trias  bis  hinauf  zum  Eocenen.  Schärfer  aber  noch  als  in 
den  westlicheren  Theilen  macht  sich  hier  der  Gegensatz  einer  nördlichen, 
hauptsächlich  aus  Sandsteinen  bestehenden  Zone,  gegen  die  südlichen  nach 
ihrem  Hauptbestandtheil  als  „Kalkalpen"  bezeichneten  Ketten  geltend. 

1.  Silurformatiou.  Sie  bildet  bald  in  grösserer  bald  in  geringerer 
Mächtigkeit  einen  fortlaufenden  Zug  von  Saalfelden  an  der  Westgreuze  un- 
isees  Blattes  ostwärts  bis  zum  Südende  des  Wienerbeckens  bei  Gloggnitz, 
und  ist  nur  im  Ennsthale  zwischen  Oeblarn  und  Döllach,  in  welcher  Gegend 
sie  überhaupt  die  geringste  Mächtigkeit  darbietet,  theilweise  gänzlich  unter- 
brochen, oder  von  den  Enns-Alluvien  verhüllt.  Ihr  Auftreten  bezeichnet  im 
Allgemeinen  zwischen  den  krystallinischen  Gebirgen  im  Süden  und  den 
eigentlichen  Kalkalpen  im  Norden  eine  Tiefenlinie  der  namentlich  das  Längs- 
thal der  Enns  auf  eine  weite  Erstreckung  aus  der  Gegend  von  Radstatt  bis 
Admont  folgt. 

Unter  den  Gesteinen  erlangen  die  meiste  Verbreitung  Schiefer,  dann 
Grauwackensandstein  und  Conglomerate,  aber  auch  Kalksteine  in  Verbindung 
mit  Dolomiten  und  Rauchwacken  kommen  in  mächtigen  Stöcken  oder  länger 
fortstreichenden  Zügen  vor  und  Quarzite  sind  namentlich  in  den  östlichen 
Partien  des  ganzen  Zugos  entwickelt.  Von  untergeordneten  Lagerstätten 
nutzbarer  Mineralien  sind  vor  allem  die  Spatheisensteinzüge  hervorzuheben, 


[13]  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  13 

auf  deren  Ausbeutung  die  für  unsere  Alpenländer  so  hoch  wichtige  steye- 
rische  Eisenindustrie  basirt  ist,  ferner  die  seit  lange  schon  in  Abbau  befind- 
lichen Gypsmassen  bei  Schottwien  und  die  Stöcke  von  Magnesit  (am  Semmp- 
ring,  im  Tragössgraben,  im  Ennsthal  u.  s.  w.),  die  sicher  mit  der  Zeit  noch 
eine  bedeutende  praktische  Wichtigkeit  erlangen  werden.  Endlich  kennt 
man  im  Gebiete  der  Grauwackenzone  auch  Lagerstätten  von  Kupferkies,  von 
silberhaltigem  Bleiglanz,  von  Kobalt  und  Nickelerzen  u.  s.  w. 

Ein  bestimmtes  Gesetz  der  Aufeinanderfolge  dieser  verschiedenen  Ge- 
steinsarten, oder  eine  gesetzmässige  Gliederung  der  ganzen  Formation  durch- 
zuführen ist  bisher  nicht  gelungen,  indem  ungeachtet  des  beinahe  überall 
regelmässigen,  in  Beziehung  auf  das  ganze  Gebirge  normalen  Einfallens  der 
Schichten  nach  Norden,  die  verschiedenen  Gesteine,  welche  an  der  Zusammen- 
setzung der  ganzen  Zone  Antheil  nehmen,  bald  in  höherem  bald  in  tieferem 
Niveau  aufzutreten  scheinen,  und  Querprofile,  wie  sie  uns  aus  den  verschie- 
denen Regionen  der  ganzen  Zone  vorliegen,  durchaus  keine  Uebereinstim- 
mung  erkennen  lassen. 

Die  wenigen  organischen  Reste,  die  man  bisher  kennt,  und  zwar  sowohl 
die  schon  älter  bekannten  von  Dienten  bei  Werfen,  als  auch  die  in  neuerer 
Zeit  entdeckten  und  von  Hrn.  D,  Stur  sehr  sorgfältig  studierten  vom  Erz- 
berg bei  Eisenerz  weisen  auf  obersilurische  Schichten,  oder  Barrande's 
dritte  silurische  Fauna.  In  Eisenerz  lassen  sich  sogar  mehrere  petrefacten- 
führende  Horizonte  unterscheiden,  ein  tieferer  im  graphitischen  Thonschiefer, 
mit  verkiesten  Orthoceren,  übereinstimmend  mit  dem  Vorkommen  bei  Dienten, 
dann  zwei  oder  drei  höhere  Horizonte  in  Kalksteinen  und  im  Spatheisen- 
stein  selbst  mitBronteus,  Gastropoden,  Bivalven,  Spiriferen,  Rhynchonellen 
u.  s.  w.  Ein  Versuch  schärfere  Parallelen  dieser  Horizonte,  etwa  mit  den 
Unterabtheilungen  der  Barr  and e'schen  Etagen  in  dem  böhmischen  Silur- 
becken zu  ziehen,  müsste  aber  wohl  als  verfrüht  erscheinen. 

2.  Untere  Trias.  Auch  in  dem  östlichen  Theile  unserer  Alpenkette 
folgen  die  der  unteren  Trias  angehörigen  Werfenerschichten  mit  den  sie  be- 
gleitenden Guttensteinerkalken,  Rauchwacken  u.  s.  w.  unmittelbar,  und  in 
meist  concordanter  Lagerung  auf  die  silurischen  Grauwackengesteine,  gegen 
die  es  sogar  in  der  Praxis  nicht  selten  schwor  hält,  eine  sichere  Grenze  zu 
ziehen.  Sie  bilden  eine  nur  im  Ennsthale  von  Gröbming  abwärts  bis  gegen 
Lietzen  fehlende,  sonst  aber  ununterbrochen  fortstreichende  Zone  am  Nord- 
rand des  silurischen  Zuges,  vom  Westende  des  Blattes  VI  unserer  Karte  bei 
Saalfelden  bis  zu  dem  schon  oft  erwähnten  Bruchrand  der  Kalkalpen  gegen 
das  Wiener  Becken,  den  sie  in  der  Gegend  von  Ternitz  westlich  von  Neun- 
kirchen erreichen.  —  Zahlreiche,  mitunter  zu  lange  fortstreichenden  Zügen 
verbundene  Aufbrüche,  meist  auf  Tiefenlinien  zu  Tage  tretend,  beweisen 
aber  überdiess,  dass  die  unteren  Triasgesteine  die  Unterlage  der  gesammten 
Kalkalpen  bis  gegen  deren  Nordrand  hin  bilden.  Der  ausgedehnteste  dieser 
Züge  bildet  einen  nach  Norden  oft'enen  Bogen,  dessen  Scheitelpunkt  in  der 
Unagebung  von  Windischgarsten  mit  der  südlichen  Grenzzone  der  unteren 
Triasgesteine  beinahe  in  Berührung  steht,  während  seine  Endpunkte  bei 
Gmunden  im  Westen  und  Mödling  im  Osten  ganz, am  Nordrande  der  Kalk- 
alpenkette liegen.  Schon  bei  früheren  Gelegenheiten  wurde  hervorgehoben, 
dass  dieser  Bogen  parallel  läuft  dem  Südrand  der  ausgedehnten  krystalli- 
nischen  Gesteine  des  Böhmerwald-Festlandes. 

Die  Hauptbestandmassen  der  unteren  Trias  in  dem  in  Rede  stehenden 
Theile  der  Alpen  sind  die  vorwaltend  roth  oder  grünlich  gefärbten  glimmer- 


14  Franz  R.   v.  Hauer.  ri4] 

reichen  schiefrigen  Sandsteine,  die  wir  speciell  als  Werfener  Schiefer  be- 
zeichnen, dunkle,  meist  dünn  geschichtete  Kalksteine,  unsere  Guttensteiner 
Kalke,  dann  Rauchwacken.  Grobe  Conglomerate,  die  dem  Verrucano  der  Süd- 
alpen verglichen  werden  könnten,  sind  in  dem  östlichen  Theile  der  Nord- 
alpen verhältnissmässig  nur  sehr  untergeordnet  entwickelt.  Häufig  und  in 
bedeutender  Mächtigkeit  ersclieinen  Gj^pslagerstätten.  Was  die  Salzstöcke 
der  Alpen  betrifft,  so  wird  der  Salzstock  von  Aussee  entgegen  den  früheren 
Ansichten,  von  Suess  und  Mojsisovics  sowohl  als  von  Stur  in  neuerer 
Zeit  in  höhere  Niveaus  der  Trias  versetzt,  und  zwar  von  den  Ersteren  in  das 
Niveau  der  Anhydritgruppe,  von  Letzterem  noch  höher  in  das  Niveau  des 
obertriassischen  Lunzersandsteines. 

Nach  ihren  Beobachtungen  aber  Schlüsse  auf  das  Alter  aller  alpinen 
Salzlagerstätten  zu  ziehen,  möchte  wohl  nicht  gerechtfertigt  erscheinen,  wenn 
man  sich  des  durch  Stur  selbst  constatirten  Auftretens  von  Salz  in  der  un- 
teren Trias  des  Ennsthales  bei  Hall,  dann  der  von  Hai  ding  er  beschriebenen 
Pseudomorphosen  von  Gyps  nach  Salzwürfeln  an  zahlreichen  Stellen  im 
Werfener  Schiefer  erinnert.  Es  scheint  vielmehr,  dass  wir  es  in  den  Alpen 
mit  mindestens  zwei  Salz  führenden  Niveaux  zu  thuen  habe.  —  Dass  auch 
ein  Theil  der  Eisenerzlagerstätten  der  nordöstlichen  Alpen  der  unteren  Trias 
zugezählt  werden  müssen,  wurde  namentlich  durch  Lipoid   nachgewiesen. 

Eine  weitere  Gliederung  der  Schichten  der  unteren  Triasformation  der 
nordöstlichen  Alpen  in  einzelnen  Etagen  oder  Zonen  wurde  bisher  nur  an 
wenigen  Stellen  versucht.  Dass  sich  häufig  in  dem  höheren  Niveau  die  den 
Sandsteinen  eingelagerten  Kalke  und  liauchwacken  zu  selbstständigen 
Massen  entwickeln,  ist  eine  lange  bekannte  Thatsache,  aber  auch  Detailpro- 
file, wie  sie  z.B.  Stur  imEnnsthale,  oderHertle  amGscheid  beiReichen- 
au  ausführten,  lassen  zwar  die  Aufeinanderfolge  petrographigch  verschie- 
dener Schichten,  nicht  aber  eine  Abtheilung  in  durch  organische  Reste 
charakterisirte  verschiedene  Stufen  erkennen.  Andeutungen  zu  einer  der- 
artigen Abtheilung  werden  aber  doch  durch  das  von  Moj  sisovics  stu- 
dierte Profil  am  Arikogl  bei  Hallstadt  geliefert,  in  welchem  als  tiefstes 
Glied  die  Lingulasandsteine,  und  als  das  höchste  die  Kalkplatten  mit  JVai^i- 
cella  costata  erscheinen. 

Räumlich  sehr  wenig  ausgedehnte  Durchbrüche  von  Eruptivgesteinen 
(Gümbel's  Sillit)  wurden  von  mehreren  Stellen  wie  bei  Scheffau,  am  St. 
Wolfgangsee  bei  Ischl,  am  Arikogel  u.  s.  w.  beobachtet;  auf  unserer  Karte 
konnten  sie  des  kleinen  Maassstabes  derselben  wegen  nicht  ausgeschieden 
werden,  Avohl  aber  bringt  dieselbe  den  ebenfalls  mit  der  unteren  Trias  im 
innigsten  Verbände  stehenden  Serpentin  von  Wirflach  westlich  von  Neun- 
kirchen zur  Darstellung. 

3,  Mittlere  Trias.  (Virgloriakalk.)  Li  dem  südlichen  Grenz- 
zuge der  Triasgesteine  der  Ostalpen  sind  Petrefacten  der  mittleren  alpinen 
Trias  bisher  nur  sehr  vereinzelt  nachgewiesen.  Ein  Beweis,  dass  sie  übrigens 
daselbst  nicht  wirklich  fehlen,  bieten  die  von  Stur  entdeckten,  bezeichnen- 
den Brachiopoden  Spirif.  fragilis  u.  s.  w.  bei  Golrad  südlich  von  Mariazell. 
—  Li  den  nördlichen  Aufbrüchen  älterer  Triasgesteine  dagegen  wurden  von 
unseren  Geologen  bei  den  Revisionsarbeiten  nicht  nur  an  mehreren  Stellen 
diese  Petrefacte  gefunden,  sondern  sie  haben  auch  da,  wo  dieselben  fehlten, 
gestützt  auf  Lagerungsverhältnisse  und  petrographische  Beschaffenheit  aller- 
orts eine  Scheidung  der  Gesteine  der  mittleren  von  jenen  der  unteren  Trias 


rit>1  Goologißche  üebersichtskartf  der  österreichischen  Monarchie.  1§ 

durchzuführen  gesucht,  und  ihre  sogenannten  Gösslinger-  oder  Reiflingei- 
kalke  überall  abgesondert  zur  Darstellung  gebracht. 

Was  die  beiden  letzteren  Namen  betrifft,  so  wurden  ursprünglich  der 
Erstere  von  Lipo  Id  in  Oesterreich,  der  Letztere  von  Stur  in  Steiermark  i) 
für  dieselbe  Gesteinszone  in  Anwendung  gebracht,  welche  wir  vorher  als 
alpinen  Muschelkalk,  oder  nach  dem  Vorgange  Kichthof  ens  als  „Vir- 
gloriakalk" bezeichnet  hatten.  In  dieser  Bedeutung  sind,  daher  wie  mir 
scheint  beide  überflüssig.  —  Später  dagegen  bezeichnet  Stur  als  „Reiflinger 
Kalk"  den  alpinen  Muschelkalk  mit  der  Cephalopodenfauna  im  Gegen- 
satze zu  jenem  mit  der  Brachiopodenfauna,  für  welchen  er  den  Namen 
„ßecoarokalk"  in  Anwendung  bringt. 

Diese  Trennung,  die  durch  die  Vorkommen  in  den  Südalpeu  (Dont  im 
Gegensatze  zu  KecoaroJ  im  Bakonyerwalde  u  s.  w.  hinlänglich  gerechtfertigt 
erscheint,  beizubehalten,  scheint  wohl  räthlich,  wenn  es  auch  bisher  noch 
nicht  gelang  durch  direkte  Beobachtungen  einer  Ueberlagerung  eine  Alters- 
verschiedenheit der  beiden  Gruppen  nachzuweisen,  und  wenn  auch Beyr  ich 
in  seiner  Arbeit  über  die  Cephalopodeu  des  Muschelkalkes  der  Alpen  angibt, 
in  der  Umgegend  von  Reutte  einen  Grund  zur  Trennung  dieser  Gebilde 
überhaupt  nicht  gefunden  zu  haben. ^j 

Die  Gesteine  unserer  mittleren  Trias  sind  durchgehends  kalkiger  Na- 
tur, vorwaltend  dunkelgefärbt  und  dünn  geschichtet.  Häufig  zeichnen  sie 
sich  durch  knollige  Erhabenheiten  auf  den  Schichtflächen  aus,  oder  sind 
wohl  auch  als  wirkliche  Knollenkalke  entwickelt.  Charakteristisch  ist  insbe- 
sondere auch  ihr  Reichthum  an  meist  dunkel  gefärbten  Hornsteinen. 

Die  ziemlich  reiche  Fauna  der  Reiflingerkalke  sowohl  als  der  Recoaro- 
kalke  erlaubt  eine  Parallelisirung  nur  mit  der  unteren  Abtheilung  der  ausser- 
alpinen  Muschelkalkformation,  das  ist  mit  dem  Wellenkalke.  Ziemlich  nahe 
liegend  ist  es  daher,  dass  man  in  den  nächst  höheren  alpinen  Schichtgrup- 
pen, namentlich  in  den  Partnachschiefern,  oder  anderen  Halobien  führenden 
Gesteinen  dasAequivalent  des  eigentlichen  oder  oberen  Muschelkalkes  suchte. 
Obgleich  aber  diese  Schiefer  in  der  That  oft  nur  schwer  gegen  den  Reiflin- 
gerkalk  abzugrenzen  sind,  der  selbst  ebenfalls  noch  eineHalobia  nicht  selten 
enthält,  so  würde  es  doch,  wie  mir  scheint  noch  schwieriger  sein  die  Grenze 
zwischen  mittlerer  und  oberer  alpiner  Trias  in  einem  höheren  Niveau  zu 
finden,  und  überdiess  bietet  auch  die  Fauna  der  gedachten  Schiefer  gar  keine 
BeziehungeH  zu  ausseralpinem  Muschelkalk. 

4.  Obere  Trias.  In  dem  westlichen  Theil  des  auf  unserem  Blatte  VI 
dargestellten  Gebietes  am  Südfusse  des  ewigen  Schneeberges  und  Dachsteiu- 
stockes  würden,  nach  den  vorliegenden  Aufnahmen,  entlaug  der  südlichen 
Grenzzone  der  unteren  Triasgesteine  die  Gebilde  der  oberen  Trias  zu  fehlen 
scheinen.  Spätere  Funde  des  Herren  Mayerh  ofer  in  Werfen  jedoch  (Glo- 
bose  Ammoniten,  Korallen  der  oberen  Trias  u.  s.  w.)  beweisen,  dass  die 
hellen  oberen  Triaskalke  von  Westen  her  mindestens  bis  an  den  Fuss  des 
ewigen  Schneeberges  reichen. 

Seit  lange  berühmt  durch  ihren  ausserordentlichen  Reichthum  an 
wohl  erhaltenen  Petrefacten  dagegen  sind  die  bunt  gefärbten  Marmore  der 


1)  Jahrbuch  XV.  Verh.  S.  42. 

^)  Es  wäre  wichtig  zu  erfahren  ob  Beyr  ich  die  Cephalopoden  wirklich  in 
denselben  Handstücken  oder  iii  einer  und  derselben  Schichte  zusammen  mit  den 
Brachiopoden  auffand. 


16"  Franz  R    v.  fifaner;  rjßl 

weiter  im  Norden  gelegenen  Triasanfbvüclie  in  der  Umgegend  der  Salzlager- 
stätten von  Hallein,  Hallstatt,  Ischl,  Aussee  u.  s,  w.  die  wir  als  eigentliche 
Hallstätterkalke  im  engeren  Sinne  des  Wortes  bezeichnen.  Stellen  dieselben 
schon  ein  Formationsglied  dar,  welches  mit  gleichen  paläontologischen  und 
petrographischen  Charakteren  nur  an  sehr  wenigen  anderen  Stellen  in  den 
Nord-  und  Südalpen  bisher  aufgefunden  wurde,  so  wird  ihre  scharfe  Paralle- 
lisirung  mit  den  in  anderen  Theilen  der  Alpen  entwickelten  oberen  Trias- 
schichten noch  durch  den  Umstand  erschwert,  dass  in  ihrer  Nähe  die 
verschiedenen  genauer  charakterisirteu  Abtheilungen  der  Letzteren  wie  Cas- 
sianerschichten,  Kaibier  Fischschiefer,  Kaibier-  und  Torerschichten  bisher 
kaum  mit  hinlänglich  befriedigender  Sicherheit  nachgewiesen  werden  konn- 
ten. Die  ganze  Masse  der  Ablagerungen  besteht  weitaus  vorwaltend  aus  rein 
kalkigen  Gesteinen,  und  gelang  es  auch  Herrn  v.  Moj  sisjo  vics  in  neuerer 
Zeit  in  seinem  Complexe  der  ZI  ambach-Schichten  eine  unter  den  eigent- 
lichen Hallstättermarmoren  gelegene  untergeordnete  Gruppe  von  mehr  mer- 
geligen und  schiefrigen  Gesteinen  nachzuweisen,  so  bleibt  doch  bisher  jede 
Gleichstellung  derselben  mit  einer  der  im  obigen  genannten  Schichtengrup- 
pen zweifelhaft.  Ebenso  endeckte  er  zwar  lichte  dolomitische  Bänke,  die 
durch  ihre  Gastropodenfauna  an  die  Esino-Gastropodenkalke  erinnern,  doch 
konnte  das  Verhältniss  ihrer  Lagerung  zu  den  Hallstätterkalken  nicht  ins 
Klare  gebracht  werden.  —  Den  wichtigsten  Anhaltspunkt  zur  Beurtheilung 
der  Stellung  der  Hallstättermarmore  in  der  oberen  Trias  bieten  uns  die 
Beobachtungen  S tu r's.  In  Uebereiustimmung  mitSuess  undMojsiso- 
vics  nimmt  er  an,  dass  unter  dem Hallstätter Marmor  zunächst  der  hydrau- 
lische Kalk  von  Aussee  folge,  der  den  Salzstock  selbst  eingebettet  enthält.  In 
diesem  hydraulischen  Kalke  fanden  sich  nebst  einigen  Korallen  und  Ammo- 
niten,  die  mit  solchen  des  Hallstätterkalkes  selbst  übereinstimmen,  zwei 
Bivalven  von  Dr.  Laube  als  Cassiauer- Arten  mit  Sicherheit  bestimmt,  und 
unter  dem  hydraulischen  Kalke  liegen,  wie  in  Südtirol  unter  den  Cassianer- 
schichten,  Wengerschiefer  mit  Halobia  Lommeli.  Diese  Beobachtungen,  die 
es  übrigens  erwünscht  wäre,  wiederholt  und  an  anderen  Orten  bestätigt  zu 
sehen,  stehen  jedenfalls  nicht  im  Wiederspruch,  mit  meiner  älteren  Auf- 
fassung der  zu  Folge  die  Hallstättermarmore  in  das  gleiche  Niveau  mit  den 
oberen  Triaskalken  Nordtirols  und  der  lombardischen  Alpen  zu  stellen  sind. 
Die  Hallstätterkalke  selbst  lassen  nach  den  Untersuchungen  von  Herrn  v. 
Mojsisovics,  deren  detaillirter  Publication  wir  mit  grosser  Erwartung 
entgegen  sehen,  eine  ganze  Keihe  verschiedener,  durch  abweichende  Petre- 
factenführung  wohl  charakterisirter  Zonen  erkennen. 

In  weit  mächtigerer  Entwicklung  als  in  der  eben  besprochenen  Ge- 
gend verzeichnet  unsere  Karte  obere  Triasschichten  weiter  im  Osten  bis  an 
deü  Bruchrand  der  Alpen. 

Aus  der  Umgegend  von  Eisenerz  angefangen  bis  in  die  Gegend  west- 
lich von  Wiener-Neustadt  finden  wir  einen  mächtigen  Zug  von  oberen  Trias- 
kalken, nördlich  von  dem  Grenzzuge  der  Werfener-  und  Guttensteiner- 
schichten  entwickelt,  der  hauptsächlich  nur  durch  die  zahlreichen  Aufbruchs- 
spalten der  letzteren  Gesteine  in  seiner  Continuität  unterbrochen  wird. 
Die  Haupt-Bestandmasse  des  ganzen  Zuges  bilden  hell  gefärbte  Kalk- 
steine und  Dolomite,  die  man  kaum  anstehen  kann  als  ein  Aequivalent 
der  lichten  oberen  Triaskalke  Nordtirols  zu  betrachten;  am  Nassköhr  bei 
Neuberg  stehen  mit  ihnen  auch  wieder  echte  Hallstätterkalke  in  Verbindung. 


j  17]  Geologische  Ueborsichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  17 

Eine  Zwischenschichte  zwischen  ihnen  und  den  unteren  Triasgebilden  ent- 
lang ihrer  Südgrenze  ist  nicht  beobachtet,  wohl  aber  finden  sich  in  einigen 
Aufbrüchen  nördlich  von  Mürzsteg  an  ihrer  Basis  mergelige  Gebilde,  Stur's 
Aviculaschichten,  die  derselbe  als  ein  Aequivalent  des  hydraulischen  Kalkes 
von  Aussee  betrachtet  und  die  demzufolge  so  wie  der  letztere  auf  unserer 
Karte  mit  der  Bezeichnung  der  Cassianerschichten  eingetragen  wurden. 

Wesentlich  anderer  Art  endlich  sind  die  Triasschichten  in  den  zahl- 
reichen Aufbrüchen  weiter  im  Norden  der  Kalkalpen,  namentlich  in  dem 
Gebiete,  welches  nördlich  von  der  oben  erwähnten  bogenförmigen  Aufbruch- 
linie älterer  Triasgesteine  Gmunden,  Windischgarsten,  Mödling  liegt.  Die 
Kalksteine  und  Dolomite  treten  hier  ganz  zurück,  dafür  finden  sich  nebst 
Mergeln  und  Schiefern  in  grosser  Verbreitung  Sandsteine,  die  Lunzersand- 
steine,  mit  Kohlenflötzen  und  einer  reichen  Landflora  Die  Keihenfolge  der 
Schichten  von  unten  nach  oben  ist  eine  sehr  bestimmte  und  in  zahlreichen 
Profilen  festgestellt.  Zunächst  über  dem  Muschelkalk  (meist  als  Reiflinger- 
kalk  entwickelt)  folgen: 

a)  Wengerschiefer,  Dunkle  Schiefer  mit  Halohia  Lommeli,  Ammonites 
Aon.  u.  s.  w. 

h)  Lunzersandstein  mit  Kohlenflötzen  und  fossilen  Pflanzen,  die  der 
Flora  der  Lettenkohle  angehören.  Eingelagert  sind  den  Lunzersandsteinen 
namentlich  in  dem  tieferen  Niveau  die  sogenannten  Reingrabenerschiefer  mit 
Halohia  Haueri. 

c)  Opponitzerkalk.  Mergelige  Kalkbänke  mit  zahlreichen  Bivalven, 
darunter  einige  bezeichnende  Formen  der  oberen  Abtheilung  der  Raibler- 
schichten,  die  neuerlich  von  Suess  mit  dem  Namen  der  Torerschichten  be- 
zeichnet wurden.  Nach  oben  wechseln  sie  mit  Dolomitbänken  bis  endlich 

d)  der  Opponitzer  Dolomit  herrschend  wird. 

Ganz  analog  mit  diesem  Verhältnisse  beobachtete  bekanntlich  P  ichl  er 
in  den  Tiroleralpen  W^echsellagerungen  an  der  Grenze  seiner  oberen  Cardita- 
schichte gegen  den  Hauptdolomit,  als  welcher  auf  unserer  Karte  der  Oppo- 
nitzer Dolomit  verzeichnet  ist.  Der  Opponitzer  Kalk  wurde  mit  den  Raibler- 
(oberen  Cardita-)  Schichten,  der  Lunzersandstein  und  Wengerschiefer  mit 
den  Cassianerschichten  vereinigt. 

5.  Rhätische  Formation.  Ostwärts  vom  Kaisergebirge,  in  der 
Umgegend  von  Berchtesgaden  hört,  wie  diess  Gümbel  so  anschaulich  dar- 
stellt, die  regelmässige  Dreitheilung  der  Schichtengruppe;  welche  wir  als 
rhätische  Formation  zusammenfassen  auf.  Schrittweise  von  der  Kammer- 
kahrplatte  ostwärts  die  Kössenerschichten,  welche  den  Hauptdolomit  vom 
oberen  Dachsteinkalk  trennen,  verfolgend,  fand  er,  dass  dieselben  sich  aus- 
keilen und  dann  die  höheren  und  tieferen  kalkigen  Gesteine  zu  einer  kolos- 
salen fast  untrennbar  verbundenen  Kalkmasse  zusammenschmelzen,  welche 
diePlateaux  des  steinernen  Meeres,  des  Haagen-,  Göhl-,  Tannen-,  Dachstein- 
gebirges u.  s.  w.  zusammensetzt. 

Nur  um  eine  Schattirung,  wenn  ich  so  sagen  darf,  ist,  wie  mir  scheint, 
diese  Anschauungsweise  zu  ändern. 

In  den  Kalkhochalpen,  namentlich  den  meisten  der  eben  genannten 
Stöcke,  fehlen  in  der  That  die  typischen  Kössene'rschichten,  das  heisst  die 
dunkel  gefärbten  Mergelbänke,  mit  der  bezeichnenden  Fauna.  Unterscheiden 
lassen  sich  aber  in  der  Regel  auch  hier  tiefere,  versteinerungsarme  oder 
leere  Schichten  von  den  höheren,  hell  gefärbten  Kalksteinen  mit  Megalodus 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Ueichsanstalt.  1868.  18.  Band.  I.Heft  V 


18  Franz  K.  v.  Hauer.  jl8} 

trigueter^  und  diese  letzteren  sind  es,  welche  von  uns  ursprünglich  mit  dem 
Namen  der  Dachsteinkalke  bezeichnet  wurden.  Eingelagert  diesen  Dachstein- 
kalken nun  sind  die  in  unseren  Arbeiten  als  Starb embergschichten 
bezeichneten  Gebilde,  das  heisst  licht  gefärbte  kalkige  Bänke  mit  der  Fauna 
der  Kössenerschichteu. 

In  dem  weiter  nördlich  gelegenen  Mittelgebirge,  namentlich  in  dem 
Gebiete  zwischen  der  Salza  und  Traun,  in  der  Umgegend  von  Salzburg, 
Hallein,  Wolfgang  u.  s.  w.  beginnt  dagegen  die  rhätische  Formation  zwar 
ebenfalls  mit  mächtigen,  dolomitischen,  versteinerungsarmen  Bänken,  über 
diesen  aber  folgen  in  mächtiger  Entwicklung  Lithodendronkalke  und  typische 
Kössener-Schichten,  und  zwar  erstere  nach  den  älteren  Angaben  unter  den 
Kö ssener-Schichten  gelagert,  nach  den  neueren  Beobachtungen  von  Suess 
am  St.  Wolfgangsee  dagegen  ein  Zwischenglied  zwischen  verschiedenen 
Stufen  der  Kössener-Schichten  bildend.  Die  von  Suess  beobachtete  Einla- 
gerung einer  bituminösen  Schichte  mit  Semionotus,  die  den  Seefelderschiefern 
verglichen  werden  kann,  in  der  höheren  Abtheilung  des  Dolomites,  liefert 
einen  Beweis  mehr,  dass  der  Letztere  wirklich  Hauptdolomit  ist  Den  Kös- 
sener-Schichten in  wechselnden  Bänken  eingelagert,  und  zwar  in  ihrer  tiefsten 
Abtheilung  wurden  bekanntlich  Kalksteine  mit  den  Dachsteinbivalven  ge- 
funden. Eine  höhere  Masse  kalkiger  Bänke  mit  dem  bezeichneten  Fossile, 
dem  Gümbel'schen  Dachsteinkalk  vergleichbar,  wurde  aber  auch  im  Mittel- 
gebirge nirgends  angetroffen.  Dem  Gesagten  zu  Folge  stellt  sich  folgende 
Parallelle  heraus: 

In  Tirol  und   den   baye-    Im   Hochgebirge  Salzburgs    Im  Mittelgebirge  _Salzburgs 
riscbcn  Alpen.  u.  s.  w.  u.  s.  w. 

Megalodus-Bänke  i  Dachsteinkalk   und   Star-  ]      Kössener-Schichten   und 

(Gümbels  Dachsteinkalk.)  V        hemberg-Schicliten.        l  Lithodendronkalk. 

Kössener  Schichten        \  1 


Haupt-Dolomit.  Haupt-Dolomit.  Haupt-Dolomit. 

Noch  ist  hier  zu  erinnern,  dass  es  den  Bemühungen  der  Herren  Suess 
und  Mojsi so vics  gelungen  ist,  in  den  Kössener-Schichten  des  Mittelge- 
birges eine  ganze  Reihe  verschiedener  durch  Petrefacten  wohl  charakterisirter 
Stufen  zu  unterscheiden  und  zwar  von  unten  nach  oben  1)  die  schwäbische 
Facies,  2)  die  karpathische  Facies,  3)  den  Hauptlithodendronkalk,  4)  die 
typische  Kösseuerfacies,  für  die  Stur  den  Namen  Tirolerfacies  vorschlägt, 
ö)  die   Salzburgerfacies. 

Weiter  nach  Osten  bleiben  die  Verhältnisse  nahezu  die  gleichen  Auf 
den  schon  im  Obigen  erwähnten  Opponitzer-Dolomit,  den  wir  mit  dem 
Hauptdolomit  parallelisirten,  folgt  namentlich  im  Mittel-  und  Hochgebirge 
Dachsteinkalk,  weiter  gegen  Norden  zu  aber  im  Vorgebirge  liegen  ihm  un- 
mittelbar die  Kössener-Schichten  auf.  Nicht  selten  sind  aber  auch,  wie 
namentlich  aus  den  von  Stur  und  Hertle  mitgetheilteu  Untersuchungen 
hervorgeht,  im  Hochgebirge  Dachsteinkalk  und  Kössener-Schichten  über 
einander  entwickelt  In  diesem  Falle  bildet  der  Dachsteinkalk  das  tiefere, 
die  Kössener-Schichten  das  höhere  Glied.  Auch  Lithodendronkalke  wurden 
an  mehreren  Stellen  beobachtet  und  zwar  nach  Hertle  als  das  oberste  Glied 
der  Kössenerschichteu. 

'.».  Liasform  atio  n.  Hatten  wir  schon  bei  Besprechung  der  im  Vo- 
rigen behandelten  Gebilde  mehrfach  auf  Verschiedenheiten  im  Ganzen  gewiss 
gleichzeitiger  und  einander  paralleler  Ablagerungen  hinzuweisen,  die  wahr- 


[19]  Geologische  ücbersichtakarte  der  österreichischen  Monarchie.  19 

scheinlich  auf  abweichende  Verbältnisse,  unter  welchen  die  Ablagerungen 
erfolgten,  zurückgeführt  werden  müssen,  so  treten  uns  noch  auffallendere 
Unterschiede  in  der  „Facies"  der  Ablagerungen  der  Liasgebilde  der  Alpen 
entgegen.  Zu  den  bei  Besprechung  des  Blattes  V  unserer  Karte  bereits  er- 
wähnten Gruppen,  den  Hierlatz-  und  Adnether-Schichten,  dann  den  Flecken- 
mergeln gesellt  sich  in  den  österreichischen  Voralpen  eine  weitere,  die  der 
kohleführenden  Grestener-Schichteu  hinzu. 

Vorzugsweise  in  den  Hochalpen  als  unmittelbare  Auflagerung  auf 
Dachsteinkalk  treten  die  dickbankigen,  marmorartigen,  buntgefärbten,  so 
ausserordentlich  petrefactenreichen  Hier  latzschichten  auf,  von  keinen  an- 
deren liassischen  Schichten  unter-  oder  überlagert.  Dass  es  bei  genaueren  Detail- 
untersuchungen gelingen  wird  die  ganze  Gruppe  noch  weiter  zu  gliedern,  ist 
jedenfalls  sehr  wahrscheinlich.  Bevor  eine  derartige  Gliederung  aber  durch- 
geführt ist,  wird  man  wohl  auch  kaum  mit  Sicherheit  festzustellen  im  Stande 
sein,  welchen  Zonen  des  ausseralpinen  Lias  die  Hierlatzschichten  genau 
entsprechen. 

Auch  am  nördlichen  Rand  der  Kalkalpen  aber,  in  der  Umgegend  von 
Lilienfeld  und  an  anderen  Orten  sind  petrefacten-  insbesondere  brachiopoden- 
reiche  Kalksteine  entwickelt,  die  viele  Arten  mit  jenen  der  Hierlatzschichten 
der  Hochalpen  gemeinsam  haben  und  die  in  den  Arbeiten  unserer  Geologen  als 
Hierlatzschichten  bezeichnet  werden.  Hat  aber  schon  Peters  nach  sorgfäl- 
tiger Untersuchung  der  Fossilien  dieser  Schichten  auf  manche  Unterschiede 
gegen  die  Hierlatzschichten  der  Hochalpen  hingewiesen,  und  es  für  wahr- 
scheinlich gehalten,  dass  sie  nur  dem  ausseralpinen  mittleren  Lias  ent- 
sprechen, während  die  Letzteren  den  ganzen  oder  doch  den  unteren  und  mitt- 
leren Lias  zu  repräseutiren  scheinen,  so  finden  seine  Ansichten  in  den  Beob- 
achtungen H  e  r  t  le's,  dass  die  sogenannten  Hierlatzschichten  des  Nordrandes 
der  Kalkalpen  stellenweise  auf  Grestenerschichten  (unterem  Lias)  ruhen,  eine 
weitere  Bestätigung. 

Die  gewöhnliche  Form,  in  welcher  der  Lias,  da  wo  er  auf  Kössener- 
schichten  gelagert  ist,  in  dem  uns  beschäftigenden  Theile  der  Alpen  auftritt,  ist 
die  der  A  d  n  e  t  h  e  r  s  c  h  i  c  h  t  e  n,  das  heisst  in  der  Form  intensiv  roth  gefärbter 
Kalksteine,  mit  einer  reichen  Cephalopodenfauna,  gegen  welche  die  seltenen 
anderen  organischen  Reste  völlig  in  den  Hintergrund  treten.  Für  eine  schär- 
fere Abgrenzung  dieser  Adnetherschichten,  die  übrigens  doch  wohl  noch  sehr 
verschiedene  Zonen  der  Liasformation  umfassen,  wurden  in  der  neuesten 
Zeit  mehrere  sehr  lehrreiche  Anhaltspunkte  gewonnen.  Schon  aus  den 
früheren  Untersuchungen  Stur's  kannten  wir  die  gelben  „Enzesfelder- 
schichten,*  die  mit  Änim.  angulatus  und  den  zahlreichen  Arieten  sich  an 
mehreren  Stellen  als  unterer  Lias  von  höher  gelegenen,  dem  mittleren  Lias  an- 
gehörigen  rothen  Adnetherschichten  scheiden,  während  in  Adnetb  selbst, 
wie  die  dort  vorfindlichen  Arieten  beweisen,  auch  tiefere  Glieder  des  Lias 
noch  in  der  Form  der  Adnetherschichten  auftreten.  In  den  schönen  Profilen 
westlich  vom  St.  Wolfgangsee  entdeckten  die  Herren  Suess  und  Mojsi- 
sovics  zunächst  über  den  Kössenerschichten  die  Aequivalente  der  schwä- 
bischen Psilonotusbank  mit  Ä.  planorlis,  darüber  die  Enzesfelder  Arieten- 
kalke  und  über  diesen  die  rothen  Adnetherschichten,  welche,  da  sie  noch 
von  Fleckeumergeln  überlagert  werden,  ungefähr  dem  mittleren  Lias  gleich- 
zustellen sein  dürften.  Jedenfalls  ein  höheres  Niveau  endlich  als  die  tieferen 
Lagen  der  Adnetherschichten  in  Adneth  selbst,  repräseutiren  die  neuerlich  von 

3* 


20  Franz  R.  v.  Hauer.  [20] 

Mojsisovics  näher  untersuchten  rothen  Adnetherschichten  vom  Fusse 
des  Plassen  bei  Hallstatt,  in  denen  ausschliesslich  nur  Formen  des  mittleren 
Lias  beobachtet  wurden. 

Die  Fleckenmergel  in  den  eben  erwähnten  Profilen  am  St.  Wolf- 
gangsee, über  den  Adnetherschichten  liegend  beobachtet,  und  daher  hier 
jedenfalls  nur  die  obersten  Stufen  des  Lias  repräsentirend,  umfassen,  wie 
auchS  tu r  hervorhebt,  an  anderen  Stellen  unzweifelhaft  auch  tiefere  Abthei- 
lungen dieser  Formation,  ein  Verhältniss,  welches  um  so  weniger  befremden 
kann,  wenn  man  bedenkt,  dass  petrographisch  von  den  Liasfleckenmergeln 
kaum  zu  unterscheidende  Gesteine  nicht  nur  nach  aufwärts  bis  in  die  Neo- 
comformation  hinauf  bekannt  sind,  sondern  neuerlich  auch  von  Mojsiso- 
vics viel  tiefer  in  der  oberen  Trias  nachgewiesen  wurden.  Am  verbreitetsten 
in  unserem  Gebiete  finden  sich  die  Liasfleckenmergel  in  den  Voralpen  nörd- 
lich von  der  oft  genannten  Aufbruchlinie  der  älteren  Triasgesteine  Gmun- 
den  —  Windischgarsten  —  Mödling,  in  der  auch  die  kohlenführenden  Lunzer- 
und  Grestenerschichten  die  bedeutendste  Entwicklung  erlangen. 

Die -Kohle  führenden  Grestenerschichten  endlich,  bestehend  theils 
aus  Sandsteinen  und  Schiefern  mit  einer  unzweifelhaften  Liasflora  theils  aus 
Kalksteinen  mit  einer  reichen,  meist  aus  Brachiopoden  und  Bivalven  beste- 
henden Fauna,  repräsentiren  jedenfalls  die  unteren  Abtheilungen  der  Lias- 
formation.  Ihre  Unterlage,  wo  sie  bekannt  ist,  bilden  die  Kössenerschichten, 
ihre  Decke  die  Fleckenmergel.  Ihrer  so  abweichenden  petrographischen  Be- 
schaffenheit wegen  konnten  sie  auf  unserer  Karte  besonders  ausgeschieden 
werden. 

7.  Juraformation  Verhältnissmässig  nicht  sehr  bedeutende  Fort- 
schritte hat  in  den  letzteren  Jahren  unsere  Kenntniss  der  Juragebilde  der 
nordöstlichen  Alpen  gemacht.  Auf  einzelne,  meist  nicht  sehr  ausgedehnte, 
von  einander  isolirte  Vorkommen  beschränkt,  nur  selten  einen  grösseren 
Keichthum  an  organischen  Resten  darbietend,  setzen  sie  jedem  Versuche 
einer  schärferen  Gliederung  und  Parallelisirung  sowohl  untereinander  als 
mit  ausseralpinen  Gebilden  grosse  Schwierigkeiten  entgegen.  Nur  sehr  in's 
Detail  gehende  Studien,  wie  uns  solche  eben  Herr  Griesbach  über  die 
Juragebilde  von  St,  Veit  bei  Wien  lieferte,  vermögen  diese  zu  überwinden. 
Es  gelang  demselben  hier  drei  Zonen  des  Dogger,  die  Zone  des  Ämm.  Sausei, 
des  A.  Humiihriesianus  und  des  A.  Parhinsoni  nachzuweisen,  über  welche 
dann  discordant  rother  Crinoidenkalk  und  der  bekannte  rothe  Aptychenkalk 
folgen  Weiter  als  dem  unteren  Jura  angehörig  kann  man  bezeichnen : 

Die  Klausschichten.  Braunroth  oder  ziegelroth  gefärbte  Kalk- 
steine, mit  einer  mitunter  reichen  Fauna,  welche  jener  der  Schichten  von 
Swinitza  im  Banat  entspricht  und 

Die  Vilserschichten,  ebenfalls  dem  unteren  Jura  beizuzählende 
helle  Kalke,  mit  einer  reichen  Brachiopodenfauna.  Oft  auch  in  der  Form  von 
Crinoidenkalksteinen  entwickelt. 

Als  ein  Analogen  oder  eine  Fortsetzung  der  jurassischen  Wetzstein- 
schichten der  bayerischen  und  Vorarlbergeralpeu  dürften  die  als  „Jura- 
Aptychen schiefer"  in  den  Voralpeu  von  unseren  Geologen  an  vielen 
Stellen  beschriebenen  Schichten  zu  betrachten  sein,  denen  auch,  als  östlichster 
bekannter  Punkt  der  eben  erwähnte  überaus  hornsteinreiche  rothe  Aptychen- 
kalk von  St.  Veit  bei  Wien  angehören  wird.  Diese  Schiefer  liegen  aber  nament- 
lich weiter  gegen  Osten  zu,  wie  auch  die  neueren  Untersuchungen  von  Paul, 


(21]  Geologiscne  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie,  21 

Hertle  u.  a.  nachweisen,  nicht  mehr  im  normalen  Schichtverbande  auf  den 
nächst  älteren  Schichten,  sondern  meist  discordant  auf  weit  älteren  Gebilden. 

Die  Oberalmer-Schichten  Lipold's,  die  namentlich  in  der  Um- 
gegend von  Hallein  und  in  dem  Gebirgsstocke  Aveiter  östlich  in  ungeheurer 
Mächtigkeit  entwickelt  sind,  scheinen  sich  nur  durch  eine  etwas  abweichende 
petrographische  Beschaffenheit,  —  sie  bestehen  vorwaltend  aus  dicken  Bänken 
eines  bräunlichen  Kalksteines ,  denen  nur  untergeordnet  Mergelschiefer  ein- 
gelagert sind,  —  von  den  Wetzsteinschichten  zu  unterscheiden.  Im  Salzbur- 
gischen liegen  sie  nach  Lipoid  normal  auf  den  Adnetherschichten,  in  den 
Profilen  am  Oster-Horn  aber  unterscheidet  Suess  zwischen  beiden  noch 
Fleckenmergel,  dann  Conglomerate,  die  den  Swinitzaer-  (Klaus-)  Schichten 
analoge  Gesteine  eingebettet  enthalten. 

Die  Oberalmerschichten  wie  die  Aptychenschiefer  sind  auf  unserer 
Karte  als  oberer  Jura  verzeichnet : 

Demselben  gehören  überdiess  manche,  namentlich  durch  Ammoniten  aus 
der  Familie  der  Inflaten  charakterisirte  weisse  Kalksteine,  wie  vom  Kren- 
kogel  bei  Grossau,  der  Vorderlegstätte  bei  Aussee  u.  s.  w,  an  und  die  thito- 
nischen  Schichten  endlich  sind  einerseits  durch  echte  Strambergerkalke, 
wie  namentlich  vom  Plassen  bei  Hallstadt,  anderseits  durch  die  Vorkommen 
von  Ter.  diphya  am  Hals  bei  Weyer  und  beim  Klausriegier  unweit  Ternberg 
(entdeckt  von  Hrn.  A.  Stelz n er)  vertreten. 

8  Untere  Kreide  (Neocom-Formation)  findet  sich  in  dem  östlichen 
Theile  der  Nordalpen  stets  in  der  Form  der  Rossfelder  schichten  (Erl. 
zu  Bl.  V,  S.  12)  und  der  vonLipold  sogenannten  Schrambachschichten 
oder  Neocom-Aptychenkalke.  Diese  letzteren  bestehen  aus  hell  gefärbten 
muschlig  brechenden  Kalksteinen,  die  dünn  geschichtet  mit  Mergelschiefern 
wechsellagern  und  liegen  in  der  Umgegend  von  Hallein  unter  den  ßossfelder- 
schichten,  mit  welchen  sie  durch  allmälige  üebergänge  verbunden  sind.  Die 
Rossfelderschichten  selbst  scheiden  sich  hier  in  eine  untere  aus  mergeligen 
und  eine  obere  aus  Sandsteinen  bestehende  Stufe. 

So  wie  im  Thale  der  Salza  finden  wir  auch  weiter  im  Osten  die  Neo- 
comgebilde  im  Inneren  der  Kalkalpen  meist  an  die  Tiefenlinien  der  Thäler 
gebunden,  so  namentlich  im  Thalkessel  von  Ischl,  im  Gebiete  des  Reich- 
raming- Baches,  der  Enns  u.  s.  w. 

Eine  andere  Art  des  Vorkommens  aber  ist  jenes  am  Südrande  und  im 
Inneren  der  Sandsteinzone.  Hier  finden  sich  an  der  Basis  der  Sandsteine 
und  in  wiederholten,  oft  weithin  fortstreichenden  Parallelzügen,  nach  Czjzek 
unzweifelhaft  den  Sandsteinen  selbst  eingelagert,  weisse  muschlig  brechende 
Mergelkalke  und  Fleckenmergel,  in  Verbindung  mit  vorwaltend  röthlicb 
oder  grünlich  gefärbten  Schiefern,  in  welchen  an  vielen  Stellen  am  Südrande 
der  Sandsteine ,  dann  aber  auch  bei  Stollberg  inmitten  der  Saudsteinzone 
Neocom-Fossilien,  Aptycheu  und  Belemniteu  gefunden  wurden.  Diese  Mergel- 
kalke, die  ein  an  mehreren  Stellen  ausgebeutetes,  vortreffliches  Materiale  für 
hydraulische  Kalke  und  Cemente  liefern,  und  die  nicht  selten  als  Ruineu- 
marmor  ausgebildet  erscheinen,  sind  unzweifelhaft  ein  Aequivaleut  der 
Schrambachschichten,  so  wie  anderseits  der  Majolica  der  Südalpen. 

9.  Wiener -Sandstein.  Die  Hauptmasse  der  ganzen  Sandstein- 
zone vom  Salzathal  ostwärts  ist  auf  unserer  Karte  als  Kreideformation 
colorirt,  ungeachtet  der  grossen  Analogie,  welche  dieselbe  mit  der  allgemein 
als  eocen  anerkannten  Flyschzone  der  westlicheren  bayerischen  Alpen  u:  s.  w. 


22  Franz  R,  v.  Hauer  r22] 

darbietet.  Wiederholt  wurden  die  Gründe,  das  Wechsellagern  der  Sandsteine 
mit  den  Neocom-Aptychenkalken,  das  Vorkommen  von  Inoceramen  am 
Kahlenberg  hei  Wien  u.  s.  w.  hervorgehoben,  welche  beweisen,  dass  Kreide- 
gebilde in  den  Gesteinen  der  gedachten  Zone  zum  Mindesten  mit  vertreten 
sind.  Eine  weitere  Unterstützung  unserer  Annahme  liefern  aber  wohl  auch  die 
in  den  letzteren  Jahren  durchgeführten  Untersuchungen  in  den  Karpathen, 
deren  mächtige  Sandsteinzone  sich  in  mehrere  wohl  unterscheidbare  Stufen 
der  Kreide-  und  der  Eocenformation  gliedert,  und  weniger  Widerspruch 
als  früher  dürfte  dieselbe  gegenwärtig  finden,  seit  auch  die  neue  Auflage  der 
Karte  der  Schweiz  von  S  tu  der  und  Es  eher  den  Macigno  der  lombardischen 
Voralpen  als  Kreide  verzeichnet. 

Hoffentlich  wird  es  mit  der  Zeit  doch  noch  gelingen,  auch  die  Sand- 
steinzone der  Nordostalpen  noch  genauer  zu  gliedern,  obgleich  alle  bisherigen 
Versuche  in  dieser  Richtung  an  den  Verwicklungen,  die  der  viel  gestörte 
Schichtenbau  darbietet,  und  an  dem  beinahe  völligen  Mangel  bezeichnender 
organischer  Reste  scheiterten. 

Sehr  bemerkenswerth  erscheint  es  dass  die  Gesteine  der  Plyschzone 
von  dem  Inneren  der  Kalkalpen  beinahe  völlig  ausgeschlossen  sind.  Aus- 
nahmeu  hiervon  beobachtet  man  nur  einmal  in  der  Gegend  südwestlich  von 
Waidhofen,  wo,  und  zwar  nicht  gebunden  an  eine  Thalniedorung,  ein  mäch- 
tiger nordsüdlich  streichender  Zug  echter  Wiener  Sandsteine,  unterteuft  von 
Aptychenschiefern  das  ganze  Gebiet  der  Voialpen  quer  durchsetzt  und  sein 
Ende  findet  an  dem  südlichen  Scheitelpunkte  des  grossen  Bogens,  in  welchem 
die  älteren  Triasgesteiue  der  Aufbruchlinie  Gmunden-Windischgarsten-Möd- 
ling  zu  Tage  treten  und  dann  wieder  in  der  Umgebung  von  Kirchberg  und 
Frankenfels,  wo  dieselben  Sandsteine  auch  wieder  unterlagert  von  Aptychen- 
schiefern in  den  regelmässigen  Schichtverband  mit  den  anderen  Gesteinen 
eintreten  und  ihr  oberstes  Glied  bilden. 

10.  Obere  Kreide.  Nur  in  der  Form  der  sogenannten  Go sau- 
schichten in  einzelnen  von  einander  getrennten,  meist  auf  Tiefenpunkte  be- 
schränkten Ablagerungen  erscheinen  Gebilde  der  oberen  Kreideformation  in 
den  nordöstlichen  Alpen.  Ein  Zwischenglied  zwischen  ihnen  und  den  um  so 
vieles  älteren  Neocomgebilden  nachzuweisen,  ist  bisher  nicht  gelungen ;  dass 
al^er  derartige  Mittelglieder  in  der  Sandsteiuzone  mit  vertreten  sein  dürften, 
muss  wohl  jedenfalls  als  wahrscheinlich  betrachtet  werden. 

Ungeachtet  der  grossen  Fortschritte  welche  unsere  Kenntnisse  der  so 
reichen  Fauna  der  Gosauschichten  namentlich  durch  die  Arbeiten  von 
K eussj  Stoliczka  und  Zittel  in  neuerer  Zeit  gemacht  haben,  ist  doch 
bezüglich  einer  weiteren  Gliederung  des  ganzen  Schichtencomplexes,  der 
mannigfaltig  ausgebildete  Gesteine,  Sandsteine,  Mergel,  Schieferthone, 
Kalksteine  u.  s.  w.  umfasst,  ein  übereinstimmendes  Gesetz  bisher  nicht  auf- 
gefunden worden,  ja  eingehendere  Versuche,  zu  einem  derartigen  Ergebnisse 
zu  gelangen,  liegen  eigentlich  nur  bezüglich  des  Gosaubeckens  am  Fusse 
der  hohen  Wand  bei  Wiener  Neustadt  vor,  in  welchem  die  folgende  Schich- 
teureihe  von  unten  nach  oben  namentlich  in  den  Durchschnitten  aus  der 
Gegend  von  Grünbach  als  festgestellt  zu  betrachten  ist. 

a)  Conglomerate. 

&)  Hippuritenkalke. 

c)  Ein  System  von  Sandsteinen  und  Mergeln  mit  KohlenflÖtzen. 

d)  Orbitulitenkalk. 

e)  Inoceramenmergel. 


[231  Geologische  ücbersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  2'S 

Jedes  dieser  Glieder  hat  unzweifelhaft  seine  eigenthümlichen  orga- 
nischen Einschlüsse,  weiteren  Untersuchungen  muss  es  vorbehalten  bleiben 
ihre  Constanz  in  den  anderen  Gossaumulden  nachzuweisen. 

Noch  wäre  zu  erinnern,  dass  nach  der  Ansicht  Zittel's,  des  letzten 
Forschers,  der  eingehende  Studien  in  dieser Kichtung  veröftentlichte,  die  öe- 
sammtmasse  der  Gosaugebilde  einzig  und  allein  der  Zone  des  Hijjp.  cornuvac- 
cinum  oder  dem  Provencien  (Coquand's)  mit  Ausschluss  der  tieferund 
höher  gelegenen  Kreideschichten  entsprechen. 

Einem  wohl  noch  über  den  Gosauschichten  gelegenen  Gliede  der  Kreide- 
formation endlich  gehören  die  Mergel  mit  Echinodermen  vom  G schliefgraben 
bei  Gmunden  an,  welche  unzweifelhaft  Gümbel'sNierenthalerschichten 
entsprechen  und  deren  Vorkommen  auch  an  den  aus  Nummulitenschichten 
bestehenden  Ufern  des  Trummersee's  nördlich  bei  Salzburg  durch  die  daselbst 
vom  See  ausgeworfenen  abgerollten  Bruchstücke  von  Belemniten  angedeutet 
wird,  wofern  nicht  etwa  diese  Keste,  analog  den  Belemniten,  die  wir  kürzlich 
aus  den  Ober-Eocenschichten  von  Konca  im  Vicentinischen  erhielten,  aus  den 
Nummuliten-Schichten  selbst  stammen. 

ii.  Eocenformation.  Nur  in  sehr  geringer  Verbreitung  erscheint 
dieselbe  im  Gebiete  der  östlichen  Alpen.  Eigentliche  und  zwar  sehr  petre- 
factenreiche  Nummulitenschichten  finden  sich  in  etwas  grösserer  Verbrei- 
tung nur  in  der  Umgebung  von  Salzburg,  wo  sie  die  Unterlage  des  dort  als 
Eocenflysch  bezeichneten  Sandsteines  bilden  ;  weiter  treten  sie  dann  noch  in 
sehr  kleinen  Partien  bei  Oberweis  nördlich  von  Gmunden  und  im  Gschlief- 
graben  am  Nordfuss  des  Traunstein,  endlich  im  Pechgraben  nördlich  von 
Gross-Raming  zu  Tage. 

Von  den  Gesteinen  der  Wienersaudsteinzone  sind  auf  unserer  Karte 
östlich  vom  Salzathale  nur  die  Partien  in  der  Umgegend  von  Laufen,  die  auf 
Nummulitenschichten  ruhen,  dann  eine  Partie  in  der  Umgegend  von  Greifen- 
stein an  der  Donau  (auf  Blatt  11  unserer  Karte  fallend)  als  eocen  verzeichnet. 
In  der  letzteren  Partie  wurden,  wenn  auch  sehr  selten  Nummuliten  gefunden. 
Dass  übrigens  auch  noch  weitere  Partien  unserer  Sandsteinzone  der  Eocen- 
formation  angehören  können,  ist  wie  schon  erwähnt  sehr  wahrscheinlich. 

12.  Jüngere  T  e  r  t  i ä  r  f o  r  m  a t  i o  n.  Angelagert  am  Nordrand  der 
Kalkalpen  erscheint  auf  unserer  Karte  noch  der  südliche  Saum  der  gewal- 
tigen Masse  von  jüngeren  Gebilden,  welche  das  Tiefland  zwischen  den  Alpen 
und  den  krystallinischen  Gesteinen  des  böhmisch-mährisch-  österreichischen 
Gebirges  erfüllen.  Die  Hauptmasse  dieser  Gebilde  fällt  schon  auf  Blatt  II 
unserer  Karte,  bei  dessen  Besprechung  ich  eingehender  auf  die  jüngeren  Ge- 
bilde des  oberen  Donauthales  zurückkommen  werde.  Hier  sei  nur  vorläufig 
erwähnt,  dass  am  Nordrand  der  Alpen  zunächst  der  Wiener-Sandsteiuzono 
in  grosser  Verbreitung  und  Mächtigkeit  Schotter  und  Conglomerute  auf- 
treten, die  ein  höheres  Hügelland  bilden  und  durch  diesen  Umstand  schon 
sich  von  dem  Terassen  bildenden  Diluvium  unterscheiden  und  als  Tertiär 
zu  erkennen  geben.  —  Die  wenig  ausgedehnten  Tertiärablagerungen  im  Innern 
der  Kalkalpen  zeigen  ganz  analoge  Verhältnisse  wie  jene  in  der  Mittelzone. 
Auch  sie  sind  nach  dem  Vorgange  von  Stur  in  ältere,  dem  Leithakalkcon- 
glomerat  parallel  stehende  und  in  jüngere  Ablagerungen  (Belvedere-Schotter ) 
geschieden. 

13.  Das  Diluvium  endlich  erscheintim  Innerender  Kalkalpe  sowohl 
als  zunächst  an  ihrem  Nordraud  durchwegs  nur  als  aus  Schotter  und  Con- 


24  Franz  R.  v.  Hauer.  [24] 

glomeraten  b  estehendes  Terassen-Diluvium,  während  eigentlicher  Löss  hier 
fehlt.  Von  erratischen  Erscheinungen  der  Diluvialzeit  ist  ebenfalls  aus 
diesem  Theile  der  Alpen  wenig  sicheres  bekannt  geworden. 

III.    Die    südliche  Nebenione  and  die  Bergländer  des  Rarstes   und  Kroatiens. 

In  regelmässiger  west-östlich  streichendem  Zuge  als  im  westlichen 
Theile  der  Südalpen  reihen  sich  in  der  östlichen  Hälfte  derselben  die  Sedi- 
mentgesteine an  die  krystallinischeUjGebilde  der  Mittelzone  an.  In  einer  breiten 
Masse,  die  südlich  begränzt  wird  durch  den  Nordrand  der  Ebene  von  üdine 
und  weiter  durch  eine  Linie,  die  ungefähr  durch  die  Orte  Cividale,  Laibach, 
Neustadtl,  Samobor  bezeichnet  wird,  behalten  dieselben  die  erwähnte 
Streichungsrichtung  im  Allgemeinen  bei  und  bleiben  demnach  unabhängig 
von  den  Aenderungen  die  sich  in  dieser  Beziehung  am  Ostende  der  Mittel- 
zone in  den  krystallinischen  Gesteinen  der  Koralpe  bemerklich  machen. 
Das  Streichen  der  letzteren  von  NW.  nach  SO.  gibt  sich  aber  wieder  sehr 
deutlich  ausgeprägt  zu  erkennen  in  den  südlich  von  der  bezeichneten  Linie 
Cividale  -  Samobor  gelegeneu  Berglandschaften  des  Karstes,  von  Kroatien 
u,  s.  w.  bis  hinab  zur  Südspitze  von  Dalmatien. 

Ein  Aufbruch  älterer  krystallinischer  Gesteine,  bestehend  aus  Granit, 
Tonalit-Gneiss  u.  s.  w.  tritt  in  einem  langen  schmalen,  ebenfalls  ostwestlich 
streichenden  Zuge  südlich  von  der  Karawankenkette,  südwestlich  von  Wiudisch- 
gratz  zu  Tage ;  er  ist  in  mancher  Beziehung  den  Aufbrüchen  der  Cima  d'Asta 
u.  s.  w.  im  Westen  vergleichbar.  Andere  Aufbrüche  von  älteren  und 
jüngeren  Eruptivgesteinen  finden  sich  an  zahlreichen  aber  verhältnissmässig 
meist  wenig  ausgedehnten  Punkten,  die  nirgends  auf  die  Tektonik  des  Ge- 
birges  im  Ganzen  und  Grossen  einen  wesentlichen  Einfluss  ausüben. 

Das  Vorhandensein  wiederholter  Parallelaufbrüche  der  älteren  Forma- 
tionen gibt  sich  namentlich  in  dem  östlichen  Theile  der  südlichen  Nebenzone 
deutlich  zu  erkennen,  nach  Westen  zu  vereinigen  sich  dieselben  in  einer  Art 
Knotenpunkt  in  dem  nordwestlich  von  der  Laibacher  Ebene  gelegenen  Ge- 
birgsstocke ;  nach  Osten  zu  endet  die  Nebenzone  ungemein  zerrissen  gegen 
das  ungarische  Tiefland,  aus  welchem  mit  Tertiärgebilden  erfüllte  Buchten 
weit  gegen  Westen  eindringen,  während  die  älteren  Sedimentgesteine  gegen 
Osten  vorragende  Sporen  bilden,  unter  welchen  insbesondere  der  lang  ge- 
dehnte Rücken  der  Jvancica  und  des  Kalniker  Gebirges  bis  in  die  Gegend 
nördlich  von  Kreuz  in  Kroatien  zu  verfolgen  ist. 

In  dem  südlicher  gelegenen  Gebiete,  in  welchem  die  Streichungsrich- 
tungen von  Nordwest  nach  SO.  vorherrschen,  vereinfacht  sich  in  sehr  auf- 
fallender Weise  die  geologische  Zusammensetzung.  Auf  eine  ältere  Gruppe 
von  Gesteinen,  die  der  Steinkohleuformation  und  der  Trias  angehören,  folgen 
mit  Ausschluss  aller  Zwischenglieder  Kreide  und  über  dieser  Eocengebilde. 
Die  ersteren  bilden  zwei  von  NW.  nach  öO.  streichende  Züge,  der  westlichere 
ebenfalls  in  dem  nordwestlich  von  der  Laibacher  Ebene  gelegenen  Knoten 
beginnend  und  über  Gottschee  und  das  obere  Kulpagebiet  fortstreichend  nach 
Dalmatien,  wo  wir  seine  weitere  Fortsetzung  bei  Besprechung  des  Blattes  X 
der  Karte  näher  kennen  lernen  werden  5  der  östlichere  aus  der  Gegend  von 
Karlstadt  fortstreichend  bis  an  die  Grenze  von  Türkisch-Kroatien-  bei  Kla- 
dus,  dann  aber  nochmals  auf  österreichischem  Staatsgebiet  erscheinend  in 
der  südlichen  Umgegend  von  Glina  in  der  Masse  des  Tergoveer  Gebirges  bis 
Unna  bei  Novi.    (Auf  Blatt  X.)   Getrennt  werden  diese  beiden  Züge  durch 


[25J  Geologische  Uebcrsichtskarte  der  österreichischen  Monarchie  .  25 

eine  mächtige  Ablagerung  von  Kreidegesteinen,  die  dann  auch  im  Westen 
des  ersteren  eine  ausserordentliche  Entwicklung  erlangen  und  nur  von  den 
ausgedehnten  Zügen  von  Eocengesteinen,  durch  die  sich  der  faltenförmige 
Bau  des  ganzen  Gebirges  deutlich  zu  erkennen  gibt,  unterbrochen  werden. 
Nur  im  Norden  an  der  Grenze  gegen  die  eigentliche  Nebenzone  finden  sich 
auch  Gesteine  der  rhätischen  und  Juraformation,  die  theilweise  schon  an  der 
Streichungsrichtung  von  NW.  nach  SO.  Antheil  nehmen. 

Betrachten  wir  nun  die  einzelnen  in  den  Südalpen  auftretenden  For- 
mationen etwas  eingehender. 

Die  einzige  Andeutung  eines  Vorkommens  von  Sedimentgebilden,  die 
einer  älteren  als  der  Steinkohlenformation  angehören  würden,  liefern  die  von 
Franz  v.  Rosthorn  schon  vor  einer  längeren  Reihe  von  Jahren  an  Herrn 
Prof.  Suess  gesendeten  Fossilien  von  Kappel  (Jhrb.  IX.  Verb.  59),  in 
welchen  derselbe,  wie  es  scheint  neue,  Formen  von  Bronteus  und  Brachio- 
poden,  die  einen  silurischen  Typus  besitzen,  erkannte  Leider  gelang  es  bis- 
her nicht  den  Punkt,  an  welchem  diese  Fossilien  gesammelt  worden  wären, 
wieder  aufzufinden.  Die  Gesteinsmasse,  in  welcher  sie  eingeschlossen  sind, 
stimmt  nach  Suess  völlig  mit  jener  überein,  welche  von  Lipoid  als  unterer 
Gailthalerkalk  bezeichnet  wird. 

1 )  Die  Steinkohlenformation  erscheint  in  grosser  Verbreitung 
und  Mächtigkeit.  Der  breite  Zug,  der  sich  südlich  an  die  Glimmerschiefer  des 
Gailthales  anlehnt,  ist  weiter  östlich  mit  geringen  Unterbrechungen  zu  ver- 
folgen bis  an  das  Osteude  der  Alpenkette  überhaupt.  In  seiner  östlichen 
Hälfte  bildet  er  aber  nicht  mehr  die  Grenzzone  gegen  die  krystallinischen 
Schiefer  der  Mittelzone,  sondern  ist  von  diesen  durch  die  aus  mesozoischen 
Schichtgesteinen  aufgebaute  Kalkkette  der  Karawankeu,  an  deren  Nordfuss 
die  Niederung  des  Drauthales  sich  ausbreitet,  geschieden;  diese  Kette  muss 
wohl  als  eine  Fortsetzung  des  Lienz-Villacher  Zuges  betrachtet  werden. 
Eben  so  mächtig  entwickelt  erscheint  aber  auch  die  Steinkohlenformutiou 
noch  weiter  im  Süden  Die  Gebirge  nordwestlich  von  der  Laibacher  Ebene 
bilden,  wie  schon  erwähnt,  eine  Art  Knotenpunkt,  dem  sich  im  Osten  die  west- 
östlich streichenden  Parallelzüge  Stein-Cilly  und  Laibach-Lichtenwald,  im 
Südosten  aber  die  zahlreichen  Aufbrüche  in  den  südöstlich  streichenden  Aus- 
läufern der  Alpen  anschliessen. 

Die  Gesteine,  aus  welchen  die  Kohlenformation  besteht,  lassen  sich 
nach  den  Untersuchungen  unserer  Geologen,  namentlich  in  dem  Hauptzuge 
südlich  vom  Gailthale  deutlich  in  drei  Abtheilungen  gliedern  und  zwar: 

Ow  Unterer^Gailthalerkalk,  ein  dünn  geschichteter,  halbkrystallinischer, 
hell  gefärbter,  dolomitischer  Kalkstein,  bisher  ohne  organische  Reste. 

h.  G  ailthaler-Schiefer,  meist  dunkel  gefärbt,  mit  Einlagerungen  von 
Anthrazit,  oft  reich  an  Versteinerungen,  nach  oben  übergehend  in  Sandsteine 
und  sehr  feste  Conglomerate.  Bei  Bleiberg  sowohl,  als  auch  weiter  im  Osten 
stehen  mit  diesen  Schiefern  Diorite  und  Diorit-TufFe  in  Verbindung. 

c.  Oberer  Gailthalerkalk,  ein  bald  licht,  bald  dunkler  gefärbter,  sehr 
dichter,  etwas  durchscheinender,  ebenfalls  oft  dolomitischer  Kalkstein,  stellen- 
weise mit  organischen  Resten. 

In  den  westlichen  Partien  des  ganzen  Zuges  aus  der  Gegend  von 
Mauthen  westlich,  scheint  das  unterste  dieser  drei  Glieder  zu  fehlen,  in  den 
östlichen  dagegen  in  der  Umgegend  von  Kappel  findet  sich  nach  Lipoid 

J»ihjr1»ucli  4er  k.  k.  s(eoiogis.clieii  Keichbanstalt.  1868.  18.  Band.  1.  Hett.  4 


26  Franz  E.  v.  Hauer.  [26] 

unter  dem  unteren  Gailthalerkalk  noch  ein  viertes  Glied,  ein  unterer  Gail- 
thalerschiefer,  durch,  ein  mehr  krystallinisches  Gefüge  von  dem  oberen  ver- 
schieden und  bisher  ohne  Petrefacten. 

Sollten  die  oben  erwähnten  Fossilien  von  silurischem  Typus  wirk- 
lich aus  Lipold's  unterem  Gailthalerkalk  stammen,  so  wäre  es  in  der  That 
geboten,  diesen  zusammt  dem  unteren  Gaithaler-Schiefer  von  der  Steinkoh- 
lenformation als  ein  älteres  Gebilde  abzutrennen,  doch  schien-es  mir  nicht  ge- 
rathen,  ohne  bestimmtere  Anhaltspunkte  von  der  Auffassung,  welche  in  die- 
ser Beziehung  auf  unseren  Karten  zur  Darstellung  gebracht  ist,  abzuweichen. 

Die  Fossilien  des  Gailthalerschiefers,  die  insbesondere  bei  Bleiberg  in 
grosser  Zahl  und  Mannigfaltigkeit  vorkommen,  stimmen  durchgehends  mit 
Arten  des  Bergkalkes  überein;  weit  seltener  sind  die  Fossilien  des  oberen 
Gaillhalorkalkes;  die  meisten  bisher  aufgefundenen  Arten  finden  sich  auch 
im  Gailthalerschiefer  vor,  eine  grosse  von  D.  Stur  gesammelte  Schnecke 
vom  Monte  Canale  bestimmte  neuerlich  S  u  e  s  s  als  Cerithium  ingnoratum 
Trautsch.  aus  dem  jüngeren  Bergkalke  von  Moskau. 

In  den  südlichen  Aufbrüchen  der  Steinkohlenformation  ist  eine  weitere 
Gliederung  in  verschiedene  Stufen  nicht  durchgeführt;  einerseits  fehlen  in 
denselben  Kalksteine  entweder  gänzlich  oder  sind  doch  nur  auf  einzelne 
Schichten  beschränkt,  ohne  sich  zu  selbsständigen  Formationsgliedern  heraus- 
zubilden, andererseits  sind  auch  organische  Koste  selten.  Einen  reichen  Fund- 
ort derselben  entdeckte  Fötterle  bei  Mersla  Vodiza  nordwestlich  von 
Lagus  im  Kulpagebiet ;  die  Arten  stimmen  durchgehends  mit  solchen  von 
Bleiberg  überein. 

Dass  übrigens  die  Steinkohlenformation  die  wirkliche  Unterlage  aller 
Schichtgebirge  in  der  ganzen  südöstlich  den  Alpen  sich  anschliessenden  Berg- 
landschaft bilde ,  dafür  spricht  unter  Anderem  auch  das  Auftreten  einer 
kleinen  Partie  von  hierher  gehörigen  Sandsteinen,  Schiefern  und  Congiome- 
raten  am  Ostrande  dieser  Landschaft  gegen  die  Ebene ,  bei  Samobor  west- 
lich von  Agram. 

2)  Die  Dyasformation.  Zwar  sind  auf  unserer  Karte  eben  so  wenig 
in  der  südlichen  wie  in  der  nördlichen  Nebenzone  Gebilde  als  der  Dyasfor- 
mation angehörig  bezeichnet,  doch  darf  ich  es  hier  nicht  unterlassen,  wenn 
auch  nur  flüchtig  die  kühnen  und  geistreichen  Theorien  zu  berühren,  welche 
jüngst  Herr  Professor  E.  S  u  e  s  s  in  einem  Vortrage  in  der  k.  Akademie  der 
Wissenschaften  am  21.  Jänner  bezüglich  des  Vorkommens  der  genannten 
Formation  in  den  Südalpen  aufstellte.  Gerne  hätte  ich  Aeusserungen  über 
Suess's  Anschauungen,  die,  wie  derselbe  selbst  bemerkte,  eine  gänzliche 
Umstaltung  unserer  bisherigen  Aufl'assungen  des  Baues  der  Südalpen  be- 
dingen, bis  zu  dem  Zeitpunkte  verschoben,  in  welchem  uns  die  Abhandlung 
selbst  gedruckt  vorliegen  wird,  doch  kann  ich  die  vorliegende  Arbeit  bis 
dahin  nicht  zurückhalten,  noch  weniger  aber  die  so  bedeutsame  Publication 
unseres  gelehrten  Freundes  hier  ignoriren. 

Von  der  Westseite  des  Gardasee's  her,  entlang  der  ganzen  Alpenkette 
bis  an  ihr  östliches  Ende  bezeichnet  Herr  Suess  eine  Reihe  von  mächtigen 
Gebirgsmassen,  die  seiner  Ansicht  zu  Folge  als  Glieder  der  Dyasformation 
zu  betrachten  wären.  Es  gehören  dahin  insbesondere  der  unter  der  Triasfor- 
mation gelagerte  Verrucano,  die  Porphyrtuffe  und  eruptiven  Porphyre  des 
grossen  Massiv's  von  Botzen,  weiters  die  Glimmerschiefer  und  mehr  oder  we- 
niger hoch  krystallinischen  Schiefer,  welche  die  granitischen  Massen  der  Süd- 


[27]  Geologischo  Üebersichtskarfe  der  österreicliisclien  SToaarcfiie.  2t 

alpen  namentlich  die  Cima  d'Asta  etc  zunächst  umschliessen,  wie  auch  diese 
Granite  selbst  die  als  der  Dyasformation  eingebettete  Lager  betrachtet  werden ; 
weiter  der  Glimmerschiefer  von  Eecoaro,  der  Glimmerschiefer  des  Gailthales  und 
der  Zug  von  scheinbar  altkrystallinischen  Gesteinen  in  den  östlichen  Kärnt- 
neralpen, und,  habe  ich  recht  verstanden,  selbst  der  Granitstock  des  Bacher- 
gebirges mit  den  ihn  umgebenden  Schiefergebilden,  sowie  ein  grosser  Theil 
der  halbkrystallinischen  Schiefer  überhaupt,  die  sich  in  den  bezeichneten 
Gebieten  vorfinden.  Alle  diese  Schiefer  bezeichnet  Suess  als  Casannaschiefer 
und  nimmt  an,  dass  sie  in  regelmässiger  Schichtenfolge  zwischen  den  Ge- 
steinen der  Steinkohlenformation  und  jenen  der  Trias  eingelagert  dem  Koth- 
liegenden  angehören.  Insbesondere  wird  hervorgehoben,  dass  einem  etwas 
höheren  Horizonte  dieser  Formation  die  sämmtlichen  Quecksilberlagerstätten 
der  Südalpen,  die  in  sehr  verschiedenartigen  Gesteinen,  darunter  namentlich 
auch  Kalksteinen  u.  s.  w.  auftreten,  angehören. 

Palaeontologische  Beweise  für  die  Richtigkeit  der  erwähnten  Ansichten 
fehlen  bisher  wohl  so  gut  wie  vollständig.  Das  einzige  Factum  welches  in 
dieser  Beziehung  zur  Geltung  gebracht  wird,  sind  fossile  Pflanzen,  die  S  ues  s 
zwischen  den  Erzlagern  von  Tergove  im  südlichsten  Punkte  der  kroatischen 
Militärgrenze  in  einem  Schiefer  auffand  und  unter  welchen  Geinitz  drei 
A  rten  bestimmte,  von  denen  zwei  dem  unteren  Rothliegenden,  und  eine  der 
Steinkohlenformation  entsprechen.  Wollte  man  aber  auch  so  weit  gehen  durch 
diesen  Fund  die  Existenz  des  Rothliegenden  im  Tergoveer  Gebirge  für  er- 
wiesen zu  betrachten,  so  müsste  es  doch  wohl  mehr  als  gewagt  erscheinen, 
die  Tragweite  seiner  Beweiskraft  auch  noch  weiter  auf  die  Feststellung  des 
Alters  sämmtlicher  im  obigen  erwähnten  Gebirgsmassen,  in  der  Centralkette 
und  der  südlichen  Nebenzone  der  Alpen  auszudehnen. 

Für  diese  müssen  andere,  aus  den  Lagerungsverhältnissen  und  der  pe- 
trographischen  Beschaffenheit  hergeholte  Beweise  beigebracht  werden,  denen 
wir  mit  um  so  grösserem  Interesse  entgegen  sehen,  je  weniger  die  früheren 
auf  unserer  Karte  zur  Darstellung  gebrachten  Beobachtungen  solche  zu 
liefern  scheinen. 

3)  ünt  ere  Trias.  Sehr  verbreitet  in  dem  uns  beschäftigenden Theile 
der  Alpen  bieten  doch  die  Schichten  dieser  Formation  nur  wenig  Veranlas- 
sung zu  weiteren  detaillirten  Bemerkungen.  Im  westlichsten  Theile  nach 
Osten  bis  zumSchlizathale  bilden  sie  eine  fortlaufende  Zone  am  Südrande  des 
Zuges  der  Steinkohlengebilde,  dem  weiter  im  Süden  entlang  einer  Anticlinal- 
linie  ein  Parallelzug  in  der  Gegend  südlich  von  Ponteba  und  Tarvis  folgt. 
—  Weiter  im  Osten  schliessen  sich  die  unteren  Triasgesteine  beinahe 
allenthalben  den  Zügen  und  Aufbrüchen  der  Steinkohlenformation  an, 
erscheinen  aber  überdies  an  zahlreichen  Puncten,  an  welchen  die  Aufbrüche 
nicht  bis  auf  die  Letztere  herabreichen.  Als  besonders  bemerkenswerth 
möchte  ich  hier  die  kleinen  isolirten  Partien  im  Gebirgsstock  des  Terglou 
hervorheben,  die  in  bedeutender  Seehöhe  mitten  im  Gebiete  des  Hauptdolo- 
mites zum  Vorschein  kommen.  Nach  Osten  zu,  reichen  die  Gesteine  der 
unteren  Trias  weiter  hinaus  fort  als  jene  der  Steinkohlenformation,  insbe- 
sondere beobachtet  man  sie  auch  noch  an  der  Basis  der  lang  gestreckten 
Kalkkette  des  Ivancicagebirges. 

Die  Bestandmassen  der  unteren  Trias  sind,  sowie  in  anderen  Theilen 
der  Alpen  theils  die  Werfenerschiefer,  theils  Kalksteine,  Dolomite  und 
Rauchwacken    Gypslagerstätten  sind  an  vielen  Stellen  bekannt.  Auch  Por- 

4* 


2^  Fram  R.  v.  Hauer.  [28] 

pbyrdurchbrüche  verzeichnet  unsere  Karte  an  mehreren  Stellen,  doch  wurde 
neuerlich  von  Suess  nachgewiesen,  dass  der  Porphyr  von  Raibl  nicht  der 
unteren ,  sondern  einem  tieferen  Gliede  der  oberen  Trias  angehöre  und 
demnach  bedeutend  jünger  sei  als  der  Porphyr  von  Botzen. 

4)  Mittlere  Trias  oder  Virgloriakalk  ist  auf  unserer  Karte  in  dem 
östlichen  Theile  der  südlichen  Nobenzone  nirgends  ausgeschieden,  doch 
fehlt  es  auch  hier  nicht  völlig  an  Angaben  über  das  Vorkommen  von  Petre- 
facten  aus  dem  Wellenkalke.  So  fand  namentlich  Lipoid  Spirif.  Mßntze- 
lii  u.  s  w.  im  Mittnichgraben  westlich  von  Schwarzenbach  in  der  Kara- 
wankenkette. 

5)  Obere  Trias.  Auch  in  dem  östlichen  Theile  der  südlichen  Neben- 
zone der  Alpen  ist  auf  unserer  Karte  eine  Scheidung  der  sehr  mächtigen 
und  verbreiteten  oberen  Triasgebilde  in  die  drei,  in  den  anderen  Alpen- 
gegenden unterschiedenen  Stufen ;  die  Cassianer-,  die  Hallstätter-  und  die 
Raiblerschichten  durchzuführen  versucht  und  die  neuesten  schönen  Unter- 
suchungen von  E.  Suess  in  den  schon  seit  lan^-er  Zeit  als  classisch  be- 
trachteten Umgebungen  von  Raibl.  indem  sie  uns  zum  erstenmale  ein  De- 
tailprofil der  gesammten  Schichteureihe  der  oberen  alpinen  Trias  bis  hinauf 
zum  Haupt-Dolomit  liefern,  verleihen,  wie  mir  scheint,  meiner  bisherigen 
Auffassung  eine  neue  mächtige  Stütze,  wenn  ich  auch  nicht  verschweigen 
darf,  dass  Herr  D.  Stur,  der  sich  in  letzterer  Zeit  ebenfalls  mit  Detail- 
untersuchungen in  der  Umgebung  von  Raibl  beschäftigte,  zu  gänzlich  ab- 
weichenden Ergebnissen  gelangte,  die  soeben  in  unserem  Jahrbuche  ver- 
öffentlicht werden. 

Auf  den  deutlich   erkennbaren  Werfenerschiefer   und  schwarzgrauen 
Kalkstein  mit  Nat.  costata,  folgt  im  Thale  von  Raibl  nach  den  Beobachtun- 
gen von  Suess  *)  zunächst  lichter  Kalkstein  70 — 100  Fuss  mächtig,  dann 
dunkler  Kalkstein  ebenfalls  70— 100  Fuss  mächtig,   beide   ohne  Fossilien, 
dann  aber  ein  Complex  von  oft  grün  gefärbten  doleritischen  Tuffen,  Kalk- 
conglomeraten,  u.  s.  w.,   dem  grauer  Sandstein  mit  Pflanzeuresten,   dann 
ziegelrothe,  mitunter  dem  Werfenerschiefer  ähnliche  Sandsteine  und  Schiefer 
eingebettet  sind  und  denen  der  Porphja-  von  Raibl  als  Lagermasse  aufruht. 
Petrographisch,   sowie  nach  den  allerdings   nicht  zahlreichen  organischen 
Resten  auch  paläontologisch  kann  dieser  Schichtencomplex  als  ein  Aequi- 
valent  der  Cassiauerschichten  (im   weiteren  Umfange  des  Wortes,    vergl. 
Erläuter.   zu  Blatt  V.  S.  16  )  betrachtet  werden,  und  leicht  ist  es,  nach  den 
von  unseren  Geologen  gegebenen  Beschreibungen  seine  Uebereinstimmung 
mit  den  weiter  im  Süden  und  Osten  auf  unserer  Karte  als  „Cassiauerschich- 
ten" bezeichneten  Gebilden  zu  erkennen,  so  namentlich  mit  den  grauen  und 
braunen  Sandsteinen,  schwarzen  Schiefern  u.  s    w.,  die  südöstlich  von  Tol- 
mein  bei  Orecca,    Göriach  u.  s.  w.,   unmittelbar  die   Steinkohlenformation 
überlagern  und  Equisetites  columnaris,   dann  mehrere  Caf^sianer-Petrefacten 
lieferten, — mit  den  augitischen  Tuffen  und  grünen,  als  Pietia  verde  bezeichne- 
ten Gesteinen  im  Gebiet  des  Idriaflusses  NW.  von  Idria,  die  mit  Melaphyren 
in  Verbindung  stehen  und  Amm.  Aon,  und  Halobia  Lommeli  enthalten  und  mit 
den  doleritischen  Sandsteinen  und  Tuffen,  Tuffconglomeraten,  dann  verschie- 


*}  Nach  diesen  neuen  Angaben  unsere   Karte    zu  berichtigen,   war  leider  nicht 
mehr  möglich. 


[29^  Geologische  üebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  29 

den  gefärbten  Kalksteinen  mit  Hornsteinknollen,  die  mit  Mergelschieferii 
und  Sandsteinen  wechsellageni,  welche  Lipoid  in  Unterkrain  bei  Allers- 
berg südöstlich  von  Laibach ,  dann  in  den  nördlichen  Umgebungen 
von  Nassenfuss  u.  s.  w  beobachtete,  und  in  welchen  er  ebenfalls  Ämm. 
Aon.^  Halöbia  Lommeli  und  andere  Cassianer  P^trefacte  auifand. 

Was  endlich  am  Nordrand  der  Gebirgspartie  von  Tergove,  südlich 
von  Glina,  auf  unserer  Karte  mit  der  Bezeichnung  der  Cassianerschichten 
ausgeschieden  ist,  sind  nach  den  Beschreibungen  von  Stur  sehr  mächtig 
entwickelte,  vorwaltend  grün  gefärbte  Schiefer  und  Sandsteine,  die  allerorts 
mit  Grünsteinen  und  Serpentinen  in  Verbindung  stehen  und  theils  auf 
Petrefacten  führenden  Werfenerschiefern,  theils  unmittelbar  auf  den  Ge- 
steinen der  Steinkohlenformation  aufliegen,  beiOblaj  südwestlich  von  ßavna 
aber  von  lichtem  Kalkstein  (von  Stur  „Oborakalkstein"  benannt),  über- 
lagert werden,  dessen  Fossilien,  Megalodus,  Chemnitzien,  Natica  u,  a  Gas- 
tropoden wohl  erlauben,  ihn  als  oberen  Triaskalk  zu  betrachten. 

lieber  dem  Porphyre  von  Raibl  folgt  die  gewaltige  Masse  des  „erz- 
führenden Kalkes"  die  Su  ess  in  üebereinstimmung  mit  uns  dem  Schiern- 
dolomit parallelisirt,  und  aus  welchem  er  Orthoceras  und  eine  grosse  Natica 
anführt.  Dieser  obere  Triaskalk  erscheint  in  grosser  Verbreitung  weiter  im 
Westen  sowohl  als  im  Osten.  Ihm  ist  nach  Stur  der  rothe  Marmor  des 
Mt.  Clapsavon  westlich  von  Ampezzo  (noch  auf  Blatt  V  der  Karte),  derpetro- 
graphisch  und  durch  seine  Petrefactenlührung  völlig  mit  den  Hallstätter- 
marmoren  des  öalzkammergutes  übereinstimmt,  eingelagert.  In  der  Kara- 
wankenkette liegen  die  oberen  Triaskalke  häufig  ohne  Zwischenglied  der 
unteren  Trias  auf.  Hier  befinden  sich  die  Fundstellen  der  schönen  von 
Börnes  beschriebenen  Gastropoden  (Fladungbau  am  Obir,  ünterpetzen 
westlich  von  Schwarzenbach),  welche  zum  grossen  Theile  mit  den  Esino- 
arten  übereinstimmen. 

In  ausserordentlich  grosser  Verbreitung  verzeichnet  unsere  Karte 
obere  Triaskalke  in  dem  südlich  und  südöstlich  von  der  Laibacher  Ebene 
gelegenen  Gebirgstheile.  Dieselben  besitzen,  wie  aus  den  Darstellungen 
Lipold's  und  Stach e's  hervorgeht,  einen  von  den  bisher  geschildeiten 
Vorkommen  ziemlich  abweichenden  Typus  Von  unten  nach  oben  bestehen 
sie  nach  Letzterem  aus  a.  einer  mächtigen  Folge  von  Dolomitbänken, 
h.  feinen  oolithischen  Kalken  mit  kleinen  Gastropoden  und  Bivalven  der 
Cassianerschichten,  c.  schwarzen  Pentacriniten-Kalken.  Stäche  bezeichnet 
die  petrefactenführenden  Schichten  des  ganzen  Systemes  als  den  Schichten 
von  St.  Cassian  entsprechend,  doch  wurde  dasselbe  auf  unserer  Karte  des 
vorwiegend  kalkigen  Charakters  der  Schichten  wegen  mit  den  oberen  Trias- 
kalken vereinigt;  ebenso  habe  ich  zu  denselben  Lipold's  Gurkfelderschich- 
ten  gezogen,  dünn  geschichtete,  hell  gefärbte,  sehr  hornsteinreiche  Kalksteine, 
welche  über  den  Cassianerschichten  folgen,  von  ihnen  aber  noch  durch  ein 
Zwischenglied,  bestehend  aus  dunklen,  nach  oben  lichteren,  Globosen  und 
andere  Petrefacten  führenden  Kalksteinen  getrennt  werden. 

Die  in  ßaibl  über  dem  lichten  (Hallstätter-  oder  Esino-)  Kalkstein 
gelegene  Schichteugruppe,  die  ich  unter  demNamen  d<ir  ßaiblerschichten 
zusammenfasste  und  in  der  schon  frühere  Beobachter  (Foetterle,  Stur, 
und  ich  selbst)  weitere  Unterabtheilungen  constatirt  hatten,  gliedert  nun 
Suess  in  eine  grössere  Anzahl  wohl  unterschiedener  Gruppen  und  zwar 
von  unten  nach  oben. 


3'0  ^ranz  E.  v.^Haner.  [J?OJ 

a.  Die  schwarzen  Schiefer  mit  Fisch-  und  Pflanzenabdrücken. 

h.  Die  eigentlichen  Raiblerschichteu  (Hauptlager  dor  Myophoria 
Kefersteini). 

c.  Bleibergerschichten  (mit  Amm.  Johannis  Austriae  und  Spirif. 
gregaria) ;  im  Hangenden  ftiit  einer  Bank  voll  Kernen  grosser  Gastropoden, 
die  an  die  Esinoformen  erinnern. 

d.  Hornsteiureiche  Dolomite  und  lichte  Kalkbänke  mit  Megalodus 
chamaeformis  und  Durchschnitten  eines  grossen  flachen  Zweischalers  wahr- 
scheinlich einer  Perna. 

e.  Die  Torerschichten  mit  Corhis  MeUingi,  Perna  Bouei,  Peden 
filosus,  Corhula  Rosthorni  u.  s.  w.  Sie  entsprechen  den  Oppouitzerschich- 
ten  der  nordöstlichen  Alpen,  einem  grossen  Theil  der  Schichten  von  Gorno 
und  Dosseua  der  lombardischen  Alpen,  den  Lünerschichten  in  Vorarlberg 
und  Bündten  und  einem  grossen  Theil  der  oberen  Carditaschichten 
Nordtirols. 

Ich  muss  bezüglich  weiterer  Details  auf  Herrn  S  u  e  s  s  Abhandlung 
selbst  verweisen  (Jhrb.  1867,  S.  5S4)  und  will  hier  nur  noch  erwähnen,  dass 
die  wichtigsten  Differenzpunkte  in  der  Auffassung  Stur's  darin  bestehen, 
dass  derselbe  die  Fischschiefer  von  Kaibl  für  ein  Aequivalent  des  tiefsten 
Gliedes  der  oberen  Trias,  der  Wengerschiefer,  erklärt,  und  entgegen  allen 
früheren  Beobachtern  nicht  zugibt,  dass  dieselben  normal  auf  dem  erzfüh- 
renden Kalk  lagern. 

Noch  möchte  ich  darauf  aufmerksam  machen,  dass  die  Gastro- 
podenbank  im  Hangenden  der  „Bleibergerschichten"  selbst  wenn  sie,  und 
nicht  der  erzführende  Kalk,  das  Aequivalent  der  Gastropodenschichten  von 
Esino  darstellen  sollte,  hier  unter  und  nicht  über  den  Vertretern  der  Schich- 
ten von  Gorno  und  Dossena  liegt. 

Weiter  nach  Osten  zu,  in  der  Karawankenkette  u.  s.  w,  sind  nun 
durchwegs  die  mergeligen  Ablagerungen,  welche  auf  den  lichten  Triasdolo- 
miten und  Kalksteinen  lagern,  als  Raiblerschichteu  verzeichnet.  In  der  Kara- 
wankenkette beobachtete  Lipoid  in  Verbindung  mit  ihnen  insbesondere 
auch  oolithische  Gesteine,  völlig  erinnernd  an  die  Oolithe  der  Cardita- 
schichten. 

Die  in  dem  Gebirge  zunächst  südöstlich  von  der  Laibacherebene  als 
Raiblerschichteu  ausgeschiedenen  Gebilde  bestehen  nach  Stäche  aus 
Kalksteinen  und  Dolomiten  die  mit  röthlichen  Mergeln  wechsellagern, 
welche  Letztere  Megalodus  chamaeformis,  Corhula  RostJiomi  und  andere 
Raiblerfossilien  enthalten.  Die  riesige  Bivalve  aus  der  Familie  der  Ostreen, 
deren  Stäche  Erwähnung  macht,  ist  unzweifelhaft  dasselbe  Fossil,  welches 
Suess  aus  der  Schichtengruppe  Nr.  4  als  Perna  bezeichnet.  — Dass  ich 
endlich  auch  die  über  den  Gurkfelderschichten  liegenden  Schiefer  und 
Sandsteine  in  Unterkrain,  die  Lipoid  als  Grossdornerschichten  bezeichnet 
und  die  nach  Zollikofer  von  rhätischen  Kalksteinen  überlagert  werden, 
mit  den  Raiblerschichteu  verband,  ist  wohl  durch  ihre  Stellung  gerechtfertigt. 

6)Rhätische  Formation.  Die  breite  Masse  der  lichten  Kalksteine 
und  Dolomite  der  südlichen  Venetianeralpen  streicht  nach  Osten  fort  bis 
an  den  Thalkessel  von  Krainburg.  Sie  lagert  im  Norden  auf  den  Raibler- 
schichteu oder  wo  diese  fehlen  auf  Ilallstätter  Kalk  und  wird  an  der  Süd- 
gränze,  meist  ohne  weiteres  Zwischenglied  von  Kreide  und  Eoceugebilden 
Überdeckt.  An  vielen  Stellen  wurden  Megalodonten  aufgefunden.  Kössener- 


[311  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichisclien  Monarchie.  31 

schichten  sind  in  diesem  Zuge  nirgends  bekannt  geworden ;   er  ist  auf  unse- 
rer Karte  in  seiner  ganzen  Ausdehnung  als  Hauptdolomit  verzeichnet. 

Weiter  im  Osten  nimmt  die  Verbreitung  der  Schichten,  die  wir  als 
rhätisch  bezeichnen,  rasch  ab.  Nur  wo  als  Zwischenlager  Raiblerschiditen 
den  Hauptdolomit  von  dem  lichten  Triasdolomit  oder  Kalk  trennen,  darf 
die  Grenzlinie  beider  als  einigermassen  sicherer  festgestellt  betrachtet  wer- 
den, so  namentlich  in  einem  Theile  der  Karawankenkette.  Wo  aber  dieses 
Zwischenglied  fehlt  bleibt  eine  Scheidung  beider  Gesteinsarten  sehr  unsicher, 
so  namentlich  in  Unterkrain  in  dem  ostwestlich  streichenden  Zuge  NO. 
bei  Laibach,  dann  in  der  Partie,  östlich  bei  Nassenfuss  und  im  Uskokenge- 
birge  südlich  von  Landstrass  in  Unterkrain. 

7)  Liasformation.  Schon  bei  Besprechung  des  Blattes  V  unserer 
Karte  'wurde  das  Fehlen  von  sicher  erkennbaren  Liasschichten  im  Bereiche 
der  Venetianer  Kalkalpen  hervorgehoben,  auch  weiter  nach  Osten  habe  ich 
nur  eine  Stelle  des  Vorkommens,  und  zwar  im  Wocheiner  Gebirge  zu  erwäh- 
nen. An  mehreren  Stellen  in  der  Umgebung  von  Feistritz  sammelte  hier 
Herr  Stur  in  einem  weissen  und  röthlichen  Crinoidenkalk  Brachiopoden 
der  Hierlatzschichten  und  verfolgte  die  gleichen  Schicliten,  die  von  Mergel- 
schiefern mit  Ämm  radians  unterteuft  werden,  weit  nach  N.  in  dasPokluka- 
gebirge,  während  sie  Lipoid  auch  im  Jelouzagebirge,  östlich  von  der 
Wocheiner  Sau  beobachtete. 

Die  genaue  Abgrenzung  dieser  Schichten  nach  Norden  ist  übrigens 
nicht  durchgeführt  und  eine  erneute  Untersuchung  der  ganzen  Gegend,  der 
die  Durchbrüche  porphyrartiger  Gesteine  westlich  und  südwestlich  von  Rad- 
mannsdorf, —  die  von  F 1  e  c  k  n  e  r  entdeckten  Vorkommen  von  Beauxit 
u.  s.  w.  ein  erhöhtes  Interesse  verleihen,  erscheint  sehr  wünschenswerth. 

8)  Juraformation,  Nur  in  kleinen  von  einander isolirten Partien  er- 
scheinen die  weiter  im  Westen  so  mächtig  entwickelten  Juragebilde  im  öst- 
lichen Theile  der  Venetianer  Kalkalpen  und  in  ihrer  weiteren  Fortsetzung 
bis  zur  Ebene  von  Radmanusdorf ;  so  namentMch  in  der  Umgegend  von  Ge- 
mona,  in  jener  ven  Caporetto  und  Flitsch  im  Jsonzothale  (rothe  Aptychen- 
kalke)  und  in  der  Wochein  (Oolithe  überlagert  von  lichten  Kalken).  Etwas 
ausgedehnter  ist  ein  hierher  gehöriger  Gesteinszug  am  Nordrand  der  Kara- 
wankenkette, der  vom  Nordfuss  des  Obir  mit  geringen  Unterbrechungen  nach 
Osten  fortstreicht  bis  Siele  westlich  von  Windischgratz.  Derselbe  besteht 
nach  Lipoid  theils  aus  rothen  bis  braunrothen,  nicht  selten  marmorartigen, 
theils  aus  weissen  oolithischen  Kalksteinen  und  enthält  an  einigen  Stellen 
Ammoniten,  Aptychen  und  Crinoiden. 

Die  mächtigste  Entwicklung  aber  zeigen  die  Juragebilde  in  der  östlich 
vom  Isonzo  gelegenen  Gebirgspartie.  In  zwei  ausgedehnten  Massen,  deren 
genauere  Kenntniss  wir  namentlich  Herrn  Stur  verdanken,  findet  sich  hier 

a.  Dogger  oder  unterer  Jura,  wie  in  den  westlichen  Venetianer  und 
Südtiroleralpen  einOolith,  charakterisirt  durch  einen  kleinen  Megalodus  un- 
zweifelhaft Meg.  pumilus  Ben. 

h.  Malm  oder  oberer  Jura,  vertreten  durch  die  weissen  in  den  oberen 
Schichten  conglomeratischen  Strambergerkalke  des  Tarnovanerwaldes,  an 
mehreren  Stellen  mit  d  en  für  dieses  Gebilde  so  bezeichnenden  Nerineen. 

9)  Kreideformation.  Mit  den  Charakteren,  wie  wi4- dieselben  in  den 
westlichen  Venetianeralpen  kennen  lernten,  tritt  die  Kreideformation  am 
Südrand  der  Aipenkette  auf  das  Gebiet  unseres  Blattes  VI  herüber.    Eine 


ii  Franz  R.  v.  Hauer.  [32] 

Partie  von  Rudistenkalk,  überlagert  von  Scaglia  verzeichnet  unsere  Karte 
hier  an  der  rechten  Thalseite  des  Tagliamento  südwestlich  von  Gemona,  eben 
so  besteht  auch  nach  den  Aufnahmen  von  Foetterle  die  bei  Tarcento  süd- 
östlich von  Gemona  zunächst  folgende  Kreidepartie  aus  Kudistenkalk. 

Wesentlich  abweichend  aber  gestalten  sich  die  Verhältnisse  in  der 
ausgedehnten  Kreidepartie,  welche  rings  um  den  aus  rhäthischen  Kalk- 
steinen bestehenden  Monte  Matajur  (SW.  bei  Kobig)  beginnend,  das  ganze 
Gebiet  das  Isonzo  von  Caporetto  abwärts  bis  gegen  Görz  zusammensetzt. 
Die  hier  auftretenden  Gebilde,  welche  ich  selbst  und  später  viel  eingehender 
Stur  untersuchte  und  beschrieb,  habe  ich  zwar  versucht  mit  den  in  anderen 
Theilen  der  Alpen  auftretenden  Kreidegesteinen  in  Parallele  zu  stellen,  nicht 
aber  ohne  selbst  einige  dieser  Parallelisirungen  als  sehr  zweifelhaft  zu  be- 
trachten. 

Als  tiefstes  Glied  im  Isonzogebiete  erscheint  der  „Woltschacherkalk," 
bestehend  aus  dünn  geschichteten,  mergeligen,  grauen  oder  röthlich gefärbten, 
hornsteinführenden  Kalksteinen,  mit  vielfach  gewundenen  Schichten,  bisher 
ohne  Petrefacten.  Seine  Unterlage  kennt  man  nicht,  da  er  nirgends  mit  den 
Strambergerschichten  des  Tarnovanerwaldes  in  Contact  tritt,  überlagert  wird 
er  überall  von  den  gleich  zu  beschreibenden  Caprotinenkalken.  Auf  un- 
serer Karte  ist  er  mit  den  Rossfelder  oder  Aptychenschichten  vereinigt,  wo- 
für nebst  der  eben  erwähnten  Lagerung  insbesondere  seine  innige  Verbin- 
dung mit  den  Kreideschichten,  wenigstens  theilweise  petrographische  Ana- 
logien, endlich  seine  Verschiedenheit  von  den  zunächst  befindlichen  oberen 
Juraschichten  sprechen. 

Ueber  dem  Woltschacherkalk  folgen  zunächst  graue,  dickschichtige 
Kalksteine  in  Verbindung  mit  breccienartigen  Kalksteinen.  Häufig  finden 
sich  hier  Reste  von  Rudisten,  unter  welchen  Capr.  amnt,ouia,  RadiolUcs 
Marticensis  u.  s.  w.,  welche  es  gestatten  diesen  Kalkstein  als  Caprotinen- 
kalk  zu  bezeichnen.  Mit  demselben  wurde  aber  auch  die  zunächst  folgende 
Schichtengruppe  verbunden,  bestehend  aus  wechselnden  Schichten  von  rothen 
oder  grauen  oft  seidenartig  glänzenden  Mergelschiefern,  dann  von  Kalkcon- 
glomeraten  und  Kalksteinen,  die  ebenfalls  Rudisten  enthalten 

Nach  oben  treten  mit  diesem  Schichtencomplexe  Mergelschiefer  und 
Sandsteine  vom  Charakter  des  Macigno  in  Verbindung,  die  mit  licht  gefärbten 
Kalksteinen  wechsellagern.  Ist  auch  eine  scharfe  Grenze  gegen  die  tieferen 
Gebilde  nicht  vorhanden,  so  geben  sich  doch  die  oberen  Partien  des  ganzen 
Complexes,  denen  sowohl  die  rothen  und  grauen  Mergelschiefer,  wie  die  dunkle- 
ren Kalksteine  und  Conglomerate  fehlen,  durcH  Radiolites  alata  Orb.  und  Bira- 
diolites  fissicosta  Orb.,  die  Stur  darin  entdeckte,  als  der  obersten  Kreide 
angehörig  zu  erkennen,  wesshalb  sie  aut  unserer  Karte  als  demSenonien  an- 
gehörig, mit  der  Scaglia  verbunden  wurden.  Ich  selbst  hatte  diese  Schichten, 
denen  auch  die  bekannten  Flyschfucoiden  nicht  fehlen,  früher  als  eocen  be- 
trachtet und  mit  ihnen  insbesondere  auch  die  Sandsteinablagerungen  im  Thal- 
kessel von  Flitsch  verbunden,  in  welchen  übrigens  Stur  später  Inoceramen 
auffand. 

Hier  gleich  möge  beigefügt  werden,  dass  in  der  Umgegend  von  idria 
obere  Kreideschichten  von  wieder  etwas  anderem  Typus  auftreten.  Es  sind 
theils  Hippuritenkalke ,  theils  Conglomerate ,  welche  Lipoid  als  Gosau- 
gebilde  verzeichnete. 


[331  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichisclien  Monarchie.  33 

Verhältüissraässig  einförmig  endlich  ist  der  Typus  der  Kreidegebilde 
in  den  sämnitlichen  weiter  im  Süden  gelegeneu  Gebieten,  sowohl  im  Karst, 
der  istrischen  Halbinsel  und  dem  kroatischen  Küstenlande,  wie  im  südlichen 
Krain  und  in  dem  breiten  Zuge  überhaupt,  der  die  beiden  weiter  oben  ge- 
schilderten Züge  älterer  von  NW.  nach  SO.  streichenden  Sedimentgebilde 
trennt.  Beinahe  überall  haben  wir  es  in  diesen  Gebieten  nur  mit  kalkigen 
und  dolomitischen  Gesteinen  zu  thun ,  Sandsteine  und  namentlich  Gebilde, 
welche  mit  dem  Fucoidenführenden  Kreide-Macigno  der  lombardischen 
Alpen  und  mit  dem  Kreide-  Wiener-  und  Karpathensandstein  verglichen 
werden,  könnten  fehlen,  oder  sind  vielmehr  eben  wahrscheinlich  durch  die 
Kalkgesteine  vertreten. 

Diese  einförmige  petrographische  Beschaffenheit,  verbunden  mit  der 
Seltenheit  organischer  Reste  ,  von  welchen  sich  Rudisten  und  diese  häufig 
auch  nur  in  nicht  näher  bestimmbaren  Exemplaren  vorfinden,  erschweren  sehr 
eine  weitere  Gliederung  der  ganzen  Formation,  deren  Grenze  sogar  oft  gegen 
die  ebenfalls  durchgehends  aus  kalkigen  Gesteinen  bestehenden,  sie  unmit- 
telbar unterteufenden  Triasgebilde  unsicher  bleibt. 

Nach  den  Untersuchungen  namentlich  des  Herrn  Dr.  Stäche  kann 
man  die  folgenden  Glieder  unterscheiden  : 

a.  Caprotinenkalk,  bestehend  aus  vorwaltend  dickbankigen ,  m  ehr 
weniger  dunkel  grau  oder  gelblich  gefärbten  Kalksteinen  in  Verbindung 
mit  sandigen  Dolomiten  und  dolomitischen  Breccien.  Die  eingeschlossenen 
organischen Reste^  namentlich  Gaprot'ma  ammonia  erlauben  diese  Stufe,  die 
auf  unserer  Karte  besonders  ausgechieden  ist ,  mit  dem  Caprotinen-  und 
Spatangenkalk  der  westlichen  Alpen  zu  verbinden  und  sie  in  das  obere 
Neocom  zu  stellen. 

&.  Die  Fischschiefer  von  Comen,das  einzige  nicht  rein  kalkige 
Gebilde  der  istrischen  Kreideformation,  bestehen  theils  aus  dunklen  Platten- 
Kalken  mit  Hornsteinausscheidungen ,  theils  aus  dünnblättrigen  schwarz- 
braunen bituminösen  Schiefern,  die  insbesondere  durch  die  zahlreichen  vor- 
trefflich erhaltenen  Fischreste,  die  sie  einschliessen,  bekannt  geworden  sind. 
Sie  treten  nirgends  mit  den  Caprotinenkalken  in  Berührung,  unterteufen  aber 
regelmässig  den  gleich  zu  erwähnenden  Radioliten-Kalk ,  und  werden  von 
Stäche  auch  noch  in  die  untere  Kreide  gestellt ,  wenn  gleich  ihre 
organischen  Reste,  durchwegs  aus  anderen  Gegenden  nicht  bekannte  Arten, 
keine  näheren  Anhaltspunkte  für  ihre  Altersbestimmung  liefern.  Auf  unserer 
Karte  wurden  sie  ebenfalls  besonders  ausgeschieden. 

In  ein  Glied  zusammengefasst,  erscheinen  dagegen  auf  derselben  die 
beiden  der  oberen  Kreide  angehörigen  Stufen  und  zwar: 

c.  Der  Radio'litenkalk  in  dessen  unteren  Schichten  noch  dunkle,  oft 
sehr  bituminöse  Kalke  und  bräunliche  Dolomite  vorherrschen,  während  weiter 
nach  oben  die  Dolomite  mehr  und  mehr  zurücktreten ;  dann 

d.  Der  Hippuritenkalk,  vorwaltend  reiner,  hell  gefärbterKalkstein, 
von  dem  manche  Lagen  ganz  vorzugsweise  zu  Bauten  geeignete  dichte  Kalk- 
steine und  Marmorarten  liefern. 

Nur  aus  der  Gegend  westlich  bei  Kostanjefacz  (Möttling  0.)  werden 
von  Stur  in  der  obersten  Abtheilung  der  Kreideformation  bunte  Mergel  und 
Conglomerate  angeführt,  die  wahrscheinlich  den  Senonschichten  des  Isonzo- 
thales  gleichzustellen  sein  dürften,  —  und  eine  wahre  Scaglia,  röthlichen  und 
grauen  Kalkmergel,  mit  grossen  Inoceramen  beobachtete  derselbe  in  einer 

Jalirtuch  der  k.  Ic.   ^'eologiscVieh  Reichsanstalt    186S.  IS    Bnnd  1.  Heft  ** 


34  Franz  R.  v.  Hauer.  [34] 

ganz  kleinen  Partie  imTergoveer  Gebirge  auf  der  Höhe  der  Sumarica  östlich 
bei  Lieskovacz,  SO.  von  Glina.  Von  gleicher  petrographischer  Beschaifenheit 
endlich  scheint  das  ebenfalls  isolirte  Kreidevorkonimen  der  Plesivicza  SSW. 
von  Szamobor  in  Kroatien. 

lÜ.Eocenformation.  In  drei  Regionen  sind  die  Vorkommen  von 
Eocenschichten  in  dem  uns  beschäftigenden  Theile  der  Südalpen  und  der 
vorliegenden  Gebirgsländer  vertheilt.  Die  erste  dieser  Regionen  reicht  vom 
Südrand  der  Venetianer-Kalkalpen  in  der  nördlichen  und  östlichen  Umgebung 
von  Udine  durch  den  Karst  und  Istrien  in  südöstlicher  Richtung  fort  über 
die  Quarnerischen  Inseln  nachDalmatien;  die  zweite  Region  ist  die  Umgebung 
des  weiten  Thalkessels  von  Radmannsdorf,  Krainburg  bis  Laibach,  die  dritte 
die  Nordseite  des  Tergove'er  Gebirges  in  der  weiteren  Umgebung  von  Glina 
in  Croatien. 

In  den  nördlichsten  Theilen  der  ersten  dieser  drei  Regionen  lehnen 
sich  die  Eocengebilde  als  äusserste  Randzone  an  die  Kreide  und  älteren  Ge- 
steine der  Kalkalpen,  weiter  nach  SO.  zu  bilden  sie  langgestreckte  Wellen- 
thäler  im  Gebiete  der  Kreideablagerungen,  die  überall  deutlich  einen  mulden- 
förmigen Bau  erkennen  lassen,  wobei  aber  nicht  selten  die  auch  in  anderen 
Gebieten  der  Alpen  so  oft  beobachtete  Erscheinung  einer  geneigten  Stellung 
der  ganzen  Mulde  zu  erkennen  ist,  bei  welcher  die  Schichten  des  einen  (hier 
südwestlichen  Flügels  den  tieferen  Kreideschichten  regelmässig  aufruhen,  wäh- 
rend die  des  anderen  nordöstlichen  Flügels  die  Kreideschichten  unterteufen. 

Die  Eocenschichten  der  Karstgebiete  und  Istriens,  über  welche  uns 
die  eingehenden  und  sorgfältigen  Studien  von  Dr.  G,  Stäche  vorliegen,  sind 
auf  unserer  Karte  in  drei  Hauptgruppen  zusammengefasst  und  zwar  von  unten 
nach  oben. 

a.  Die  Cosinaschichten,  bestehend  aus  vorwaltend  dunkel  gefärbten, 
meist  bituminösen,  dünn  geschichteten  Kalksteinen  und  Mergelschiefern,  mit 
einer  reichen  Süsswasserfauna ,  Spuren  einer  Landtiora  und  eingelagerten 
Kohlenflötzen.  An  der  Basis  dieses  Schichtensystems  erscheinen  an  einzelnen 
Orten  noch  mächtige,  der  Eoceuformation  angehörige  Schichten,  Stache's 
untere  Foraminiferenschichten,  die  aber  auf  den  Karten  von  den  Cosinaschich- 
ten nicht  getrennt  wurden. 

h.  Die  Hauptnummulitenkalke  mit  rein  mariner  Fauna  und  grossem 
Reichthum  an  organisclien  Resten.  Häutig  lassen  sie  sich  noch  weiter  gliedern 
in  durch  besonders  vorwaltende  Fossilien  charakterisirte  Bänke,  namentlich 
Hessen  sich  in  den  meisten  Gebieten  weiter  unterscheiden, 

a.)  Die  oberen  Foramini ferenkalke,  mit  meist  kleinen  Foraminiferen- 
Arten,  an  anderen  Orten  als  Korallenkaike  entwickelt. 

ß)  Die  Boreliskalke. 

7)  Die  Nummulitenkalke  in  engerem  Sinne,  in  welchen  sowohl,  was 
die  Zahl  der  Arten  als  der  Individuen  betrifft,  die  Nummuliten  das  Maximum 
ihrer  Entwicklung  erlangen. 

c.  Oberes  Eocen.  Auch  diese  Abtheilung  zerfällt  weiter  in  zwei 
Stufen,  die  aber  auf  unserer  Karte  weiter  nicht  getrennt  sind. 

a)  Die  unteren  Schichten,  vorwaltend  bestehend  aus  kalkigen  Mergeln 
und  Mergelschiefern,  dann  aus  Conglomeraten  sind  noch  sehr  reich  an  Petre- 
facten.  Von  den  Hauptnummulitenkalken  sind  sie  durch  Nummulitenarme  oder 
leere  Mergelschiefer,  die  Lagerstätte  zahlreicher  kurzschwänziger  Krebse  und 
darum  die  „Krabbe nsc  hichte"  benannt,  getrennt.  Nach  oben  ist  diese 
Stufe  durch  ganz  allmählige  Uebergänge  verbunden  mit : 


[351  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  35 

ß)  dem  Macigno  und  Tassello  (Flysch),  einer  mächtigen  aus  weicheren 
und  härteren  Sandsteinschichten  bestehenden  Ablagerung ,  welche  ausser 
Fucoiden  fast  keine  organischen  Reste  erkennen  lässt. 

In  der  zweiten  der  oben  bezeichneten  Regionen,  im  Thalkessel  von 
Krainburg  bestehen  die  Eocenschichten  nach  den  Mittheilungen  von  Lipoid 
aus  Sandsteinen  und  Mergeln,  die  an  einigen  Stellen  reich  an  Petrefakten 
sind  und  wohl  sicher  dem  unteren  Niveau  der  im  vorigen  als  oberes  Eocen 
bezeichneten  Stufe  entsprechen  ;  ihnen  schliessen  sich  dann  weiter  nach  Osten 
die  durch  ihren  Petrefaktenreichthum  bekannt  gewordenen  Gebilde  in  der 
Umgegend  von  Oberburg  und  Prassberg  an,  die  übrigens  nur  in  sehr  wenig 
ausgedehnten  von  einander  isolirten  Partien  zu  Tage  tretend  ,  nur  theilweise 
auf  unserer  Karte  ersichtlich  gemacht  werden  konnten. 

In  der  Umgegend  von  Glina  endlich  bilden  die  Eocengebilde,  wie  sich 
aus  den  vereinzelten  Aufbrächen  an  der  Kulpa  bei  Lasinia ,  an  der  Glina 
bei  Topusko,  südlich  bei  Petrinia  u.  s.  w.  ergibt,  aufweite  Strecken  hin  die 
Unterlage  der  jüngeren  Tertiärgebilde :  in  mächtigen  Massen  treten  sie  aber 
namentlich  nördlich  vom  Tergove'er  Gebirge  westlich  von  Kostainica  zu  Tage. 
Nach  den  Untersuchungen  von  Stur  besteht  die  untere  Abtheilung  dieser 
Masse  aus  grün  gefärbten  Sandsteinen,  dann  Schiefern  und  Mergeln,  in 
welchen  an  einigen  Stellen  Nummuliten  aufgefunden  wurden;  höher  oben 
folgen  Conglomerate. 

ll.Neogenformation.  Von  Osten  herein  reichen  bis  weit  in  das  Ge- 
biet der  Kalkalpen  mit  Tertiärgebilden  erfüllte  schmale  Buchten  und  Fiords, 
welche  wesenilich  dazu  beitragen  das  geologische  Bild  dies  Landestheiles 
zu  emem  so  ausserordentlich  complizirten  zu  gestalten ;  ausser  ihnen  haben 
wir  zahlreiche  noch  weiter  im  Inneren  der  Alpen  gelegene  isolirte  Tertiär- 
becken, und  Thalausfüllungen,  dann  die  oberen  Tertiärgebilde  am  Südrande 
der  Kalkalpen  zu  erwähnen.  Diese  letzteren,  die  auf  unserer  Karte  am  Nord- 
rand der  mit  Diluvial-  und  Alluvialgebilden  erfüllten  Ebene  von  Udine  ver- 
zeichnet sind,  bestehen  aus  thonigen  und  sandigen  Schichten,  die  bei  Ragogna 
nordwestlich  v.  St.  Daniele  Lignitflötzcheu  einschliessen.  Uebrigens  haben  diese 
Tertiärgebilde,  wie  aus  den  neueren  Untersuchungen  von  Piro  na  hervor- 
zugehen scheint,  auf  unserer  Karte  eine  zu  grosse  Ausdehnung  erhalten,  indem 
die  Hügelreihen  zwischen  den  Flüssen  Tone  und  Tagiiamento  von  ihm  als  aus- 
gedehnte Moränen  betrachtet  werden,  die  aus  einem  ungeschichteten  Gemenge 
von  Geschieben,  Sand  und  Thon  bestehen.  —  Am  rechten  Ufer  des  Tagliamento 
in  der  Umgebung  von  Forgaria  und  Paludea  (St  Daniel  NW.)  beobachtete 
jedoch  Foetterle  deutlich  geschichtete  Sandsteine. 

Die  tertiären  Alagerungen  in  einzelnen  Thälern  der  Kalkalpen,  die 
unsere  Karte  verzeichnet,  sind  meist  Süsswassergebilde,  und  zwar  vorwaltend 
Schotter,  an  deren  Basis  aber  oft  auch  sandige  und  mergelige  Schichten  mit 
Pflanzenresten,  wohl  auch  Braunkohlenflötze  auftreten.  Eine  Ausnahme 
machen  die  Tertiärablagerungen  in  dem  merkwürdigen  Wocheinerkessel,  in 
welchem  unter  einer  mächtigen  Schotterdecke  (Belvedereschotterj,  nebst  den 
pflanzenführenden  Schichten  auch  Sandsteine  und  Mergel  mit  marinen  Con- 
chylien  {Cerithmm-  maryaritaceum,  Naüca,  Pecten,)  gefunden  wurden. 

Die  Tertiärgebilde  in  den  von  Osten  eindringenden  Buchten  sind  nach 
den  von  Stur,  auf  dessen  geologischer  Karte  von  Steiermark  gegebenen 
Daten,  wobei  die  von  ihm  als  ganz  oder  nahezu  gleichzeitig  bezeichneten 
Schichten  stets  in  eine  Gruppe  vereinigt  wurden,  dargestellt.  Einer  genaueren 


36  Franz  R.   v.  Hauer.  [361 

Auseinandersetzung  der  Verhältnisse  dieser  Ablagerungen,  über  welche  der- 
selbe eingehende  Studien  gemacht  hat,  sehen  wir  in  den  noch  zu  erwartenden 
Erläuterungen  zur  geologischen  Karte  der  Steiermark  entgegen.  Ich  muss 
mich  hier  auf  nur  wenige  Andeutungen  beschränken. 

Als  tiefer  wie  die  marinen  Schichten  des  Wienerbeckens  werden  be- 
trachtet die  Schichten  von  Sotzka  und  Eibiswald,  die  aber  selbst 
noch  eine  Keihe  altersverschiedener  Ablagerungen  von  den  früher  häufig  als 
eocen  gedeuteten  Schichten  von  Sotzka  bis  hinauf  zu  jenen  von  Eibiswald, 
deren  reiche  Säugethierfauna  bereits  mit  der  ersten  Säugethierfauna  des  Wie- 
nerbeckens übereinstimmt,  umfassen.  Sie  zeichnen  sich  aus  durch  sehr  mäch- 
tige Braunkohlenfiötze  und  enthalten  in  einigen  Schichten  Mergelschiefer 
mit  einer  ungemein  reichen  Landflora. 

Der  Anfang  der  Eruptionen  der  Hornsteintrachyte,  und  der  von  K  o  s  t- 
thorn  sogenannten  Leutschite,  welche  an  zahlreichen  Punkten  in  der 
nördlichen  und  nordwestlichen  Umgebung  von  Cilly  zu  Tage  treten,  hat 
schon  in  der  Ablagerungsperiode  der  Schichten  von  Sotzka  und  Eibis- 
wald begonnen,  aber  noch  weit  hinein  in  die  Neogenperiode  fortgedauert. 
Die  mächtigen  Tuffablagerungen,  die  mit  ihnen  in  Verbindung  stehen,  und 
von  denen  uns  kürzlich  erst  Suess  eine  anregende  Schilderung  gab,  reprä- 
sentiren  demn  ach  auch  eine  grössere  Keihe  altersverschiedener  Ablagerungen. 
Die  Ablagerungen  vom  Alter  der  Marinschichten  des  Wienerbeckens 
sind,  mehr  wohl  nach  petrographischen  als  geologischen  Anhaltspunkten,  in 
zwei  Gruppen  gesondert.  Die  erstere  umfasst  die  sandigen  und  thonigen 
Marinschichten.  Die  zweite  wird  durch  die  marinen  Leithakalke  dann  Con- 
glomerate  und  Schotter  gebildet. 

Die  Sarmatische  Stufe  der  Tertiärablagerungen,  d.  i.  die  Cerithien- 
schichten  und  Hernalser  Tegel,  reichen  weit  weniger  tief  in  das  Innere  der 
Kalkalpen,  als  die  bisher  genannten  Gebilde.  Ihre  westlichsten  Ausläufer  ver- 
zeichnet die  Karte  nördlich  bei  Montpreis  SO.  von  Cilly. 

Der  jüngsten  Stufe  der  Neogengebilde  endlich  dem  Congerientegel  und 
Belvedere-Schotter  sind  eine  Eeihe  von  einander  isolirter  Vorkommen 
in  der  südlichen  Nebenzone  zugezählt ;  ihnen  gehören  aber  auch  die  früher 
als  diluvial  betrachteten,  von  Lipoid  ausführlich  geschilderten, Eisensteine 
führenden  Lehme  an,  welche  in  den  Umgebungen  von  Neustadtel  und  Mött- 
ling  in  Krain  in  grosser  Verbreitung  den  Kreide-  und  älteren  Kalksteinen 
aufgelagert  sind ;  denn  in  den,  sich  denselben  unmittelbar  anschliessenden, 
völlig  gleichen  Gebilden  in  Kroatien  entdeckte  Herr  Stur  westlich  von 
Topusko  die  bezeichnenden  Congerien,  sowie  Cardium  Ärpadense  Hörn. 

12.  Diluvial-  und  Alluvialgebilde.  Die  ersteren  erscheinen  in 
unserem  ganzen  Gebiete  vorwaltend  als  Schotterabkgerungen,  doch  wurden 
in  dem  Becken  von  Krainburg  von  Lipoid  auch  diluviale  Lehme  als  Löss 
ausgeschieden.  Sie  liegen  theilweise  über  dem  Schotter,  bezüglich  der  stren- 
gen Eichtigkeit  der  Bezeichnung  können  aber  immer  noch  Zweifel  erhoben 
werden,  da  von  einem  Vorkommen  der  Landschneckenfauna  des  Löss  keine 
Erwähnung  geschieht.  —  Eigentliche  Knochenbreccien  kennt  man  aus  den 
nördlichen  Theilen  von  Istrien  und  am  kroatischen  Littorale  nicht,  doch  liegt 
uns  eine  Andeutung  eines  analogen  Vorkommens  in  einem  Pferdezahn  vor, 
den  Herr  Stäche  in  einem  in  einer  Kalkste.inspalte  eingeschlossenen  rothen 
Lehm  bei  Lippa  nordwestlich  von  Fiume  auffand. 

Bezüglich  der  Alluvialgebilde  erinnere  ich  hier  nur  noch  an  das 
grosse  Laibacher  Torfmoor. 


[371  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  37 

lY.  Die  älteren  Sedimentgesteine  der  Gratzer  Bucht. 

Betrachtet  man  die  östlichen  Ausläufer  des  Gebirgsstockes  des  Wech- 
sel im  Norden  und  den  Endpunkt  des  Sporens  des  Ivancica  Gebirges,  südlich 
von  Warasdin  im  Süden  als  die  Endpunkte  der  grossen  Gratzer  Bucht,  welche 
die  ganze  Alpenkette  an  ihrem  östlichen  Ende  in  zwei  Arme  spaltet,  so  er- 
scheinen die  älteren  Sedimentgebirge  nur  auf  ihren  innersten  Winkel,  und 
zwar  hauptsächlich  auf  die  westliche  und  nördliche  Umgebung  von  Gratz 
beschränkt. 

Die  auffallende  Erscheinung,  dass  die  Hauptmasse  dieser  Gebilde  aus 
Gesteinen  der  in  der  ganzen  Kette  der  Alpen  sonst  bisher  nirgends  nach- 
gewiesenen Devonformation  bestehe,  wurde  schon  durch  die  älteren  der  zahl- 
reichen uns  vorliegenden  Arbeiten  festgestellt,  sie  fand  aber  auch  in  den 
neuesten  Untersuchungen  durch  Römer,  der  die  sämmtlichen  im  Gratzer 
Joanneum  befindlichen  Fossilien  vom  Plawutsch  und  den  Steinbergen  einer 
erneuten  Prüfung  unterzog  und  durch  Peters,  der  das  von  Herrn  Klar  in 
der  Hochlantschgruppe  aufgesammelte  Materiale  bearbeitete ,  volle  Be- 
stätigung. 

Ihre  mächtigste  Entwicklung  erlangen  die  Devongebilde  in  dem  Vier- 
eck zwischen  Gratz,  Auger,  der  Breitenau  und  der  Gegend  südwestlich  von 
üebelbach ;  eine  schmälere  Zone  umringt  dann  weiter  die  Kreidemulde  von 
Kainach  und  setzt  nach  SO.  fort  bis  Voitsberg,  während  die  von  Rolle 
ebenfalls  noch  hierher  gezählten  Schiefer  des  Sausalgebirges  südlich  von 
Gratz  eine  isolirt  aus  dem  umgebenden  Tertiärlande  emporragende  Insel 
darstellen. 

Petrographisch  wie  geologisch  scheidet  sich  die  Gesammtmasse  der 
als  devonisch  betrachteten  Gesteine  in  zwei  Gruppen,  die  untere  der 
Schiefer  und  die  obere  der  Kalke. 

Die  Gruppe  der  Schiefer  besteht  in  dem  Hauptverbreitungsgebiete 
der  ganzen  Ablagerung,  im  Norden  von  Gratz  aus  feinschiefrigen,  schmutzig 
gelbgrau  bis  schwarzgrau  gefärbten,  mitunter  glimmerig  glänzenden  Thon- 
schiefern,  die  durch  allmälige  Uebergänge  mit  dem  unterlageruden  Glim- 
merschiefer verbunden  sind. 

In  dem  Randstreifen,  der  die  Kainach- Voitsberger  Bucht  umgibt, 
zeigen  die  Schiefer  eine  viel  ausgesprochener  krystalliuische  Struktur  und 
stellen  sich  als  quarzige  und  chloritische  Schiefer  mit  Uebergängen  in 
weissen  Quarzit  dar,  und  eben  so  herrschen  auch  im  Sausalgebirge  chlori- 
tische, theilweise  an  Serizitschiefer  erinnernde  Varietäten. 

Von  Fossilresten  kennt  man  aus  den  Schiefern  bisher  nur  Fucoiden 
aus  den  Schichten,  welche  den  Kalkstein  des  Plawutsch  unterteufen.  Sie 
wurden  von  G  o  e  p  p  e  r  t  als  der  Gattung  Bytliotrephis  Hall  angehörig  be- 
zeichnet. 

Die  Kalk  steine  sind  vorwaltend  dicht,  hell  oder  dunkler  gefärbt,  oft 
schiefrig,  nicht  selten  auch  dolomitisch.  Auch  sie  zeigen  in  dem  schmalen 
Streifen  am  Westrande  der  Kainachermulde  eine  viel  mehr  krystallinische 
Beschaffenheit. 

An  vielen  Orten  umschliessen  sie  zahlreiche  organische  Reste,  welche, 
bei  übrigens  nicht  viel  verschiedener  petrographischev  Beschaffenheit  des 
einhüllenden  Gesteines  ,  zwei  verschiedene  Horizonte  zu  unterscheiden 
erlauben. 


38  Franz  R.  v,  Hauer.  [Sg] 

Dem  älteren  derselben  gehören  an :  die  Fundstellen  am  Plawutscb,  in 
den  Brüchen  von  Sayersborg  und  im  Libochgraben  bei  Stiwoll,  endlich  in 
der  Hochlantschgrnppe.  Hier  finden  sich  vor  allem  zahlreiche  Korallen, 
dann  auch  Brachiopoden  und  Bivalven,  welche  erlauben,  die  Schichten  als 
mitteldevoniscli  zu  bezeiclmen. 

In  den  Kalksteinen  der  Steinberge  dagegen,  die  Clymenia  laevigata 
und  andere  Cephalopoden  führen,  hat  man  aller  Wahrscheinlichkeit  nach 
das  Aequivalent  der  obersten  Stufe  der  Devonformation,  der  Clymenienkalke 
vor  sich. 

Darf  man  folgerichtig  die  Schiefer  als  unterdevonisch  ansehen,  so 
zeigt  es  sich,  dass  in  der  Gratzer  Bucht  eben  sowohl  wie  in  der  Devonforma- 
tion Mährens  die  drei  in  den  Rheinlanden  und  im  Nassauischen  so  wohl  unter- 
schiedenen drei  Altersstufen  des  Devonischen  sich  ungezwungen  unter- 
scheiden lassen  und  dass  hier  wie  dort  die  unterste  dieser  Stufen  vorwal- 
tend aus  schiefrigen,  die  beiden  oberen  aber  aus  kalkigen  Schichten 
bestehen. 

Aber  auch  Eruptivgesteine,  von  Peters  und  Klar,  welche  dieselben 
neuerlicli  genauer  studirt  haben,  als  Diabas  bezeichnet,  fehlen  der  devoni- 
schen Formation  der  Gratzer  Bucht  nicht.  Ein  grösserer  Stock  von  massigem, 
grob  krystallinischen  Grünstein  findet  sich  in  den  unteren  kalkigen  Schich- 
ten östlich  vom  Hochlantsch  (Passail  N.),  Lagerstöcke  von  dichtem  stellen- 
weise mit  Kalkspathmandeln  versehenem  Diabas  sind  zwischen  den  unteren 
und  oberen  Schichten  des  Hochlantsch  und  an  anderen  Orten  eingebettet, 
und  eine  ganz  analoge  Lage  haben  Diabasschiefer  oder  schiefrige  Tuffe  am 
Plawutschberg  und  unterhalb  der  Kirche  von  St.  Florian  bei  Strassgang. 

Obgleich  übrigens  diese  Diabase  auch  von  Schaalsteinen  begleitet 
werden,  sind  sie  doch  petrographisch  wesentlich  verschieden  von  den  rheini- 
schen Diabasen.  Bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  ergaben  sie  nach 
Peters  neben  zersetztem  Kalkfeldspath  als  herrschendem  Gemengtheil 
einen  z-weiten  Feldspath  in  zahlreichen  wasserhellen  Kryställchen. 

Ohne  weiteres  Zwischenglied  den  devonischen  Kalksteinen  aufgelagert, 
findet  sich  in  der  Umgegend  von  Kainach,  nördlich  von  Köflach,  eine  mäch- 
tige ]\Iasse  von  Sandsteinen,  die  hin  und  wieder  mit  Conglomeraten  in  Ver- 
bindung stehen,  und  denen  Schiefer  eingelagert;  sind.  Die  von  Dr.  Eolle 
in  diesem  Gebiete  aufgefundenen  Fossilien,  darunter  insbesondere  Rudisten, 
erlauben  dasselbe  als  obere  Kreide  und  zwar  als  ein  wahrscheinliches  Aequi- 
valent der  Gosauformation  zu  bezeichnen. 

V.  Die  tertiären  Raadgebilde  uud  die  Ausfälioog  der  £bene. 

Nicht  viel  weniger  als  die  Hälfte  des  Flächenraumes  der  auf  Blatt  VI 
unserer  Karte  dargestellt  ist,  wird  von  den  jungtertiären,  dann  den  diluvia- 
len und  alluvialen  Ablagerungen  eingenommen,  welche  sich  an  den  Ostrand 
der  alpinen  Gebirgsketten  anlehnen  und  weiterhin  das  ausgedehnte  unga- 
rische Tiefland  erfüllen. 

Dürfte  man  die  Grenzlinien,  welche  die  älteren,  sei  es  krystallinischen 
oder  sedimentären  Gesteine  von  den  jungteriären  Gebilden  scheiden,  aller- 
orts als  die  Küstenlinien  des  ehemaligen  Neogenmeeres  betrachten,  so  wür- 
den diese  Küstenlinien  eine  sehr  reiche  Längenentwicklung  darbieten.  Von 
Norden  nach  Süden  fortschreitend  lassen  sich  drei  grössere  Buchten  unter- 
scheiden, und  zwar  der  alpine  Theil  des  Wiener  Beckens  zwischen  dem 


[391  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  39 

Bruchrand  der  Kalkalpen  der  nördlichen  Nebenzone  im  Westen  und  dem 
Rosaliengebirge,  den  Rusterbergen  mid  dem  Leithagebirge  im  Osten,  —  die 
grosse,  schon  mehrfach  erwähnte  Gratzer  Bucht,  die  in  ihrer  südlichen  Hälfte 
durch  den  weiten  Vorsprung  des  Bachergebirges  in  zwei  Arme  getheilt  wird, 
—  und  endlich  die  kroatische  Bucht  zwischen  dem  Invancicagebirge  im  Norden 
und  derPetrovagora  und  demTergoveergebirgeim  Süden,  die  ebenfalls  wieder 
durch  den  Vorsprung  des  Samoborergebirges  in  zwei  secuudiire  Buchten,  die 
von  Rann  und  die  von  Karlstadt  getheilt  wird. 

Die  jüngeren  Tertiärsc]]ichten  im  Wiener  Becken  sowohl,  als  in  der 
grösseren  nördlichen  Hälfte  der  Gratzer  Bucht  bis  in  die  Nachbarschaft  der 
Mur  lehnen  sich,  —  ganz  untergeordnete  locale  Ausnahmen  (Oberhart  bei 
Gloggnitz  u.  s.  w.)  abgerechnet  —  in  ungestörter  horizontaler  oder  sehr  sanft 
geneigter  Schichtenlage  an  den  Küstensaum  des  Festlandes  und  der  Inseln 
an.  Nur  coutinentale  Hebungen  und  Senkungen  also,  welche  ihrVerhältniss 
zu  den  angrenzenden  älteren  Gebirgen  unberührt  Hessen,  können  seit  der  Zeit 
ihrer  Ablagerung  ihr  Niveau  geändert  haben. 

Anders  gestaltet  sich  das  Verhältniss  weiter  im  Süden.  Im  Murge- 
biete beobachtete  Rolle  überall  gestörte  uud  gehobene  Schichten,  und  eben 
so  sind  die  Tertiärschichten  im  nördliclien  Theile  der  kroatischen  Bucht, 
am  Südraud  des  Ivancicagebirges  steil  gehoben,  während  in  der  südlichen 
Hafte  der  kroatischen  Bucht  wieder  die  horizontale  Stellung  der  Neogen- 
schichten  zu  lierrschen  scheint. 

Was  die  weitere  Gliederung  der  Neogen-Tertiärschichten  betrifft,  so 
ist  auf  unserer  Karte  die  Scheidung  der  drei  grossen,  zuerst  von  Suess 
in  ihrer  wahren  Bedeutung  dargestellten  Gruppen,  1.  der  marinen,  2.  der 
sarmatischen  oder  Cerithien-  und  3.  der  Congerien-  oder  Inzersdorferschich- 
ten  durchgeführt.  Wir  wollen  diese  drei  Gruppen  der  Reihe  nach  etwas 
näher  betrachten  : 

1.  Mari  ne  Schieb  ten.  Die  tiefsten  Schichten  im  Wiener  Becken 
selbst  bestehen  aus  Gebilden  von  sehr  verschiedenem  petrographischen  Typus, 
Sauden  und  Sandsteinen,  Mergeln,  Thonen,  Conglomeraten  und  Kalksteinen, 
deren  reiche,  marine  Fauna  im  Allgemeinen  den  Typus  der  Mittelmeerfauna, 
bereichert  durch  eine  Reihe  von  mehr  südlichen  Formen,  darbietet  In  man- 
chen Schichten  eingeschwemmte  Reste  von  Landbewohnern,  insbesondere 
Säugethierknochen  verrathen  die  Nähe  des  Festlandes  zur  Zeit  der  Ablage- 
rung dieser  Gebilde,  die  Art  ihres  Auftretens  selbst  in  einer  Zone  am  West- 
rande der  Bucht,  und  ringförmig  um  die  Inseln  krystallinischer  Gesteine 
derRusterbergo  und  namentlich  des  Leithagebirges  lassen  erkennen;  dass  sie 
die  Küstenlinie  des  Neogenmeeres  bezeichnen. 

Nach  der  Art  der  organischen  Reste  sowohl,  als  des  dieselben  um- 
schliessenden  Gesteines,  kann  man  in  den  marinen  Schichten  der  alpinen 
Bucht  des  Wiener  Beckens  eine  ganze  Reihe  verschiedener  Gebilde  unter- 
scheiden, unter  denen  insbesondere  der  „Tegel  von  Baden",  der  „Sand  von 
Pötzleinsdorf",  die  „Schichten  von  Gainfahren  und  Enzesfeld",  der  ;,Sand 
von  Sievering",  dann  der  Leithakalk  oft  genannt  werden.  Wie  viel  von  den 
Verschiedenheiten  der  Fauna  dieser  SchichtgruppÖn  auf  abweichende  Exi- 
stenzbedingungen und  wie  viel  davon  auf  wirkliche  Altersvorschiedenheiten 
zurückzuführen  ist,  erscheint  bi:dier  keinesAvegs  auch  nur  mit  einiger  Sicher- 
heit festgestellt.  Bei  weitem  sicherere  Anhaltspunkte  als  in  diesem  Theile 
des  Wiener  Beckens  wurden  von  Suess  in  dem  nördlich  der  Donau  gelege- 


40  Franz   R.   v.   Hauer.  [40] 

nen  ausseralpinen  Theile  für  eine  Gliederung  der  marinen  Tertiärschichten 
gewonnen,  auf  die  ich  aber  erst  bei  Besprechung  des  Blattes  II  unserer 
Karte  zurückkommen  kann.  Hier  sei  nur  noch  erwähnt,  dass  nach  seiner 
Ueberzeugung  sämmtliche  oben  genannte  Schichtengruppen  jünger  sind  als 
der  Schlier,  der  selbst  schon  eines  der  obersten  Schichtglieder  der  marinen 
Schichten  des  ausseralpinen  Beckens  bildet. 

Auf  unserer  Karte  sind  nur  die  schon  durch  ihre  petrographische  Be- 
schaffenheit leicht  unterscheidbaren  Leithakalke,  die  meist  als  eine  deutlich 
ausgesprochene  Korallenbildung  der  Küste  auftreten  und  die  mit  ihnen  in 
Verbindung  stehenden  Leithaconglomerate  von  den  übrigen  marinen  Neogen- 
schichten  durch  eine  besondere  Bezeichnung  getrennt;  die  untergeordneten 
Süsswasserablagorungen,  die  ein  gleiches  oder  höheres  Alter  als  die  marinen 
Schichten  besitzen,  wie  namentlich  der  Tegel  von  Gaden  und  der  Jauling- 
wiese  sind  nicht  besonders  ausgeschieden. 

In  der  nördlichen  Hälfte  der  Gratzer  Bucht  sind  marine  Schichten,  ab- 
gesehen von  den  kleinen  Vorkommen  in  derümgebung  von  Neckenmarkt  S  W. 
von  Oedenburg  bisher  nicht  nachgewiesen ;  in  grosser  Verbreitung  treten  sie 
dagegen  wieder  in  der  südlichen  Partie  dieser  Bucht,  westlich  und  südlich 
von  der  Mur  zu  Tage.  Es  gehören  hierher  die  von  Rolle  sehr  eingehend 
beschriebenen  Sand-  und  Tegelgebilde  in  der  Umgegend  von  Stainz,  St. 
Florian,  Ehrenhausen  bis  in  die  nördliche  Umgebung  von  Marburg,  ferner 
die  Leithakalke  von  Wildon,  Ehrenhausen,  Spielfeld  u.  s.  w.,  endlich  die 
ausgedehnte  Schotterpartie  westlich  von  Gratz  zwischen  der  Kainach  und 
Mur,  die  Stur  als  Leithaschotter  bezeichnet. 

Von  den  an  Braunkohlen  reichen  Süsswasserschichten  der  Gratzer 
Bucht  liegen  jene  der  Köflach-Voitsbergermulde  unmittelbar  unter  dem 
Leithakalkschotter  und  sind  nach  Stur  mit  den  bei  Besprechung  der  Mit- 
telzone erwähnten  Kohlenablagerungen  im  Inneren  der  Alpen,  im  Mürzthale, 
bei  Fohnsdorf  u.  s.  w.  zu  parallelisiren.  Alle  diese  Ablagerungen  ge- 
hören aber  weiter  dem  gleichen  Horizonte  an,  wie  der  durch  eine  reiche 
Fauna  bezeichnete  Süsswasserkalk  von  Rein  NW.  von  Graz. 

Aelter  dagegen  als  selbst  die  marinen  Sand-  und  Thonablagerungen 
wären  die  schon  früher  (Seite  36 j  erwähnten  Schichten  von  Eibiswald,  die 
in  der  nördlichen  Umgebung  des  Bachergebirges  als  ältestes  Glied  der  Ter- 
tiärformation unmittelbar  den  krystallinischen  Gesteinen  aufruhen. 

Der  lange  westöstlich  streichende  Sporn  des  Ivancicagebirges,  der  die 
Gratzer  Bucht  von  der  kroatischen  Bucht  scheidet;  ist  im  Norden  wie  im 
Süden  von  marinen  Tertiärschichten  begrenzt.  Insbesondere  aus  der  durch  ihre 
Schwefelflötze,  wie  nicht  minder  durch  ihren  Reichthum  an  fossilen  Pflanzen, 
Fischen  und  namentlich  Insecten  berühmt  gewordenen  Umgebung  von  Rado- 
boj  in  Kroatien ,  besitzen  wir  eingehendere  Nachrichten  bezüglich  der 
Zusammensetzung  der  dortigen  Tertiärgebilde.  Die  nach  Süd  geneigten 
Schichten  lassen  sich  in  drei  Gruppen  sondern,  und  zwar  von  unten 
nach  oben. 

a.  Conglomerate  nach  oben  in  Sandsteine  und  Thonschiefer  mit  ein- 
gelagerten Kohlenflötzen  übergehend. 

h.  Kalkstein,  auf  unseren  Karten  als  Leithakalk  bezeichnet,  nach  oben 
übergehend  in  Mergel  mit  zahlreichen  Petrefacten,  die  durchgehends  mit 
solchen  der  Marinschichten  des  Wiener  Beckens  übereinstimmen. 


[411  Geologische  Uebersichtskarte  der  österreichischen  Monarchie.  41 

e.  Mergel,  deren  Schichten,  während  die  der  andern  beiden  Gruppen 
sehr  steil  geneigt  sind,  mehr  und  mehr  verflachen.  Nur  wenige  Klafter 
über  dem  Kalkstein  sind  ihnen  die  zwei  Schwefelflötze  eingelagert. 

Die  Mergel  von  Kadoboj  sind  auf  unseren  Karten  als  der  sarmatischen 
Stufe  angehörig  bezeichnet,  eine  Auffassung,  für  welche  ihre  Lage  über 
dem  Leithakalke  sowohl,  wie  auch  der  Umstand,  dass  in  der  westlich  gele- 
genen Fortsetzung  des  mächtigen  Zuges,  den  sie  zusammensetzen,  in  Steier- 
mark nach  Stur,  wirkliche  Cerithienschichten  mit  bezeichnenden  Petrefacten 
vorkommen,  zu  sprechen  scheint.  Doch  aber  ist  neuerlich  die  Kichtigkeit 
dieser  Auffassung  zweifelhaft  geworden,  seit  Suess  nachzuweisen  suchte, 
dass  der  fischführende  Mergel  von  Radoboj  ident  sei  mit  dem  sogenannten 
Schlier,  welch  letzterer  selbst  nicht  jünger  sondern  älter  wäre  als  der 
Leithakalk  und  die  sämmtlichen  marinen  Schichten  der  alpinen  Bucht  des 
Wiener  Beckens ;  der  vermeintliche  Leithakalk  von  Radoboj  würde  sich 
dann  als  ein  Aequivalent  des  von  Suess  für  weit  älter  gehaltenen  NuUi- 
porenkalkes  der  „Schichten  von  Eggenburg"  herausstellen.  Unverkennbar 
gewichtige  Gründe  sprechen  für  eine  derartige  Annahme,  vor  allem  die  ge- 
neigte Lage  der  Schichten,  welche  auf  ein  höheres  Alter-  der  Ablagerungen 
hinzuweisen  scheint,  dann  nicht  minder  der  Umstand,  dass  die  Flora  von 
Radoboj  wesentlich  abweicht  von  jener  der  sicher  bestimmten  Cerithien- 
schichten und  namentlich  durch  ihre  Palmen  einen  mehr  tropischen  Charak- 
ter zeigt.  —  Anderseits  kann  ich  aber  doch  auch  nicht  umhin,  zu  erinnern, 
dass  die  häufigste  Art  der  Radobojer  Fische  die  Meletta  sardinites  neuerlich 
auch  mehrfach  in  sicher  sarmatischen  Gesteinen  nachgewiesen  wurde,  dass 
Stur  bei  Plie.sivicza  südwestlich  von  Samobor  über  dem  Leithakalk  zu- 
nächst Cerithienkalk  mit  bezeichnenden  Fossilien  und  über  diesem  erst  die 
weissen  Mergel  mit  Spuren  von  Pflanzen  beobachtete,  endlich  dass  auch  hier 
wieder  fehlen  würde,  was  auch  im  Wiener  Becken  zur  vollen  Sicherstellung 
der  Richtigkeit  der  von  Suess  angenommenen  Reihe  der  sämmtlichen  Ab- 
lagerungen vermisst  wird,  der  Nachweis  einer  Auflagerung  der  vermeintlich 
höheren  Marinschichten  des  alpinen  Wiener  Beckens  auf  dem  Schlier.  Auf 
die  Mergelformation  von  Radoboj  folgen  nämlich  in  Croatien  allenthalben 
die  Schichten  der  Congerienstufe. 

In  ähnlicher  Weise  nun  wie  in  Radobay  selbst  gestalten  sich  die 
Verhältnisse  allenthalben  am  Saume  des  Ivancica  und  des  Kalnikergebir- 
ges,  nicht  minder  aber  auch  rings  um  das  Agramergebirge  und  am  Ostrande 
des  Gebirges  von  Samobor,  überall  folgt  auf  eine  Randzone  von  Leithakalk 
in  grosser  Ausdehnung  der  eigenthümliche  Mergel  der  beispielsweise  bei 
Podsused  im  Agramergebirge  auch  wieder  denselben  Reichthum  an  fossilen 
Fischen  darbietet,  wie  in  Radoboj.  Minder  constaut  scheint  dagegen  die 
unter  dem  Kalksteine  entwickelte  Braunkohlenformation 

Noch  habe  ich  die  ausgedehnte  Masse  von,  als  marine  Neogenschich- 
teii  bezeichneten  Gebilden  nördlich  von  der  Ivancica  südlich  von  Pettau  zu 
erwähnen  Dieselbe  besteht  vorwaltend  aus  Sandsteinen,  die  nach  F  o  e  1 1  e  r  1  e 
mitunter  Flyschgesteiiien  ähneln,  die  aber  nach  Stur  sicher  auf  den  , Schich- 
ten von  Eibiswald  und  Sotzka,"  die  unsere  Kartejn  einem  langen  Zuge  im 
Gebiete  der  Sandsteine  ausscheidet,  aufruhen,  und  anderseits  von  Leithakalk 
überlagert  werden. 

Südlich  vom  Samoborergebirge,  in  der  Umgegend  von  Karlstadt  und 
an  der  Ostseite  der  Petrovagoia  fehlen   an   der  alten  Küste  die  marinen 

Jahrbuch  der  k    k    geologischen  Keich»anst,alt.  1868    18.  Band.  t.  Heft  Ö 


42  Franz  R.  v.  Hauer.  {^21 

Schichten,  in  ziemlicher  Verbreitung  finden  wir  sie  aber  wieder  an  der 
Nordseite  des  Tergoveergebirges,  dann  in  einzelnen  vom  Gebirgsrande  ent- 
fernteren Stellen  zwischen  Karlstadt  und  Petrinia,  wie  nicht  minder  am 
Eande  des  Moslaviner  und  des  westslavonischen  Gebirges,  meist  als  Leitha- 
kalk entwickelt. 

2.  Sarmatische  oder  Ce rithienschichten.  Die  Fauna  die- 
ser, im  Wienerbecken  über  den  marinen  Schichten  abgelagerten  Stufe  lässt 
sich,  wie  die  neueren  umfassenden  Untersuchungen  von  E.  Suess  zeigen, 
in  drei  verschiedene  Gruppen  sondern. 

a.  Eingeschwemmte  Beste  von  Landthieren,  namentlich  Säugethier- 
knochen  übereinstimmend  mit  den  Arten,  die  schon  in  den  marinen  Schich- 
ten, ja  selbst  in  den  Schichten  von  Eibiswald  vorkommen,  die  demnach 
zeigen,  dass  die  Landfauna  die  Umänderungen,  welche  die  Meeresfauna  be- 
trafen, ungestört  überdauerte. 

6.  Eine  geringe  Zahl  von  Conchylien,  dann  Foraminiferen,  welche 
ebenfalls  mit  jenen  der  marinen  Schichten  übereinstimmen  und  als  üeber  ■ 
reste  aus  der  früheren  Epoche  zu  betrachten  sind. 

c.  Eine  Anzahl  von  Conchylien,  die  den  tieferen  marinen  Schichten 
fehlen,  und  aus  dem  Osten  oder  Nordosten  in  das  Becken  von  Wien  einge- 
drungen sind.  Diese  Arten,  zu  denen  aber  nicht  die  häufigen,  auch  in  den 
Marinschichten  schon  vorkommenden  Cerithmm  pictum,  C.  rubiginosum 
u.  s.  w.,  sondern  als  bezeichnendste  Foru^en  gewisse  Bivalven  Madra  podo- 
lica,  Ervilia  podolica,  Tapes  gregaria  u.  s.  av.  gehören,  verleihen  der  sar- 
matischen  Fauna  ihren  eigenthümlichen  Charakter,  den  sie  in  weiten  Länder- 
gebieten im  Osten  unverändert  beibehält,  während  der  Ostrand  unserer 
Alpen  die  Gränze  ihres  Verbreitungsgebietes  gegen  Westen  darstellt. 

Die  in  neuerer  Zeit  von  Stur  sorgfältig  studirten  Pflanzenreste  der 
sarmatischen  Schichten  führen  zu  anderen  Ergebnissen  bezüglich  der  Aen- 
derungen  der  Landflora  während  der  Zeit  der  Ablagerung  unserer  Neogen- 
schichten,  als  sie  bezüglich  der  Aenderungen  der  Landfauna  gewonnen  wur- 
den. Nicht  nur  wurden  unter  diesen  Pflanzenresten  eine  beträchtliche  Anzahl 
von  Arten  erkannt,  die  den  marinen  Schichten  fehlen,  sondern  es  scheint 
auch  das  Aussterben  der  ein  wärmeres  Clima  verrathenden  Palmen  an  das 
Ende  der  Ablagerung  der  marinen  Schichten  gebunden. 

Die  sarmatischen  Schichten  des  Wienerbeckens,  so  wie  jene  der  Gratzer 
Bucht  erscheinen  theils  in  der  Form  von  mehr  oder  weniger  sandigen  Kalk- 
steinen, dann  Sandsteinen,  theils  in  der  von  thonigeu  Gebilden,  welche  man 
mit  dem  Namen  der  Hernalser  Tegel  bezeichnet  hat.  Vielfach  bilden  sie 
mehr  oder  weniger  regelmässige  Zonen  an  den  Uferrändern  über  den  marinen 
Schichten.  Eine  besondere  Erwähnung  erheischt  nur  noch  ihr  Vorkommen 
in  der  Berggruppe  von  Gleichenberg,  ostsüdöstlich  von  Gratz,  in  der  sie  in 
Verbindung  mit  den  lange  bekannten  Trachyt-  und  Basaltdurchbrüchen, 
dann  mit  Basalttufi^en  stehen,  welch  Letztere  Stur  als  ebenfalls  wahr- 
scheinlich der  sarmatischen  Stufe  angehörig  bezeichnet. 

Ueber  die  den  Cerithienschichten  zugerechneten  Mergel  der  Ivancica-, 
des  Agramer-  und  Samoborergebirges,  wurde  bereits  früher  gesprochen.  Der 
Hauptsache  nach  dieselben  Gebilde  sind  es  aber  auch,  welche  unsere  sarma- 
tischen Schichten  in  der  Umgegend  von  Gliua  und  Petriuia,  und  an  der 
Nordseite  des  Tergoveergebirges,  dann  im  Moslaviner  und  dem  westslavo- 
nischen Gebirge  zusammensetzen.  Doch  fehlen  in  diesen  Gebieten  auch  die 
echten  Cerithienkalke  mit  den  bezeichnenden  Fossilien  der  sarmatischen 


[43]  Geologische  Uebersichtskarte  dev  österreichischen  Monarchie,  43 

Stufe  nicht.  Als  Punkte  ihres  Vorkommens  erwähnt  Stur  in  der  Gegend 
südlich  von  Glina,  Sibine  an  der  Buzeta,  dann  östlich  von  Kostajnica  die 
Gehänge  zwischen  Bacin  und  Dubica,  endlich  im  westslavonischen  Gebirge 
Ober-Lipovac  (schon  auf  Blatt  VII  unserer  Karte)  wo  Avieder  über  dem  Nulli- 
porenkalk  Cerithienkalk  mit  Mactra  podolica,  Ervilia  podolica  u.  s.  w.  und 
über  diesem  der  eigenthümliche  weisse  Kalkmergel  folgt. 

3.  Congerien  oder  Inzersdorfer schichten.  Den  Schluss 
der  neogenen  Ablagerungen  am  Ostrande  der  Alpen  bilden  ausgedehnte 
Schichtmassen  von  lacustrem  oder  fluviatilem  Charakter,  deren  Fauna  in 
brackischen  oder  süssen  Gewässern  gelebt  hat ;  Congerien,  eigenthümliche 
Cardien,  Melanopsiden  und  Paludinen  bilden  die  wichtigsten  Elemente  dieser 
Fauna,  die  zunächst  mit  jener  der  grossen  asiatischen  Binnenmeere  ver- 
glichen werden  kann.  Die  Säugethierfauna  dieser  Schichten  besteht  durch- 
gehends  aus  Arten,  die  verschieden  sind  von  jenen  der  unterliegenden  sar- 
matischen  und  marinen  Schichten.  Die  Flora,  wenn  auch  ausgezeichnet 
durch  eioe  Reihe  eigenthümlicher  Arten,  hat  doch  auch  viele  mit  den  tieferen 
Schichten  gemein. 

Die  unteren  Schichten  der  ganzen  Ablagerung  bildet  Tegel,  darüber 
folgen  Geröllmassen,  der  sogenannte  ßelvedereschotter,  wohl  auch  Süsswasser- 
kalke.  (Kalk  von  Moosbrunn,  Eichkogel  u.  s.  w.)  In  der  alpinen  Bucht  des 
Wiener  Beckens  erscheinen  die  Gebilde  dieser  Stufe  mehr  auf  die  Niede- 
rungen beschränkt,  so  dass  man  wohl  annehmen  darf,  der  Wasserspiegel  sei 
hier  zur  Zeit  der  Ablagerung  der  Congerienscbichten  minder  hoch  gewesen, 
als  zur  Zeit  der  Ablagerung  der  marinen  und  sarmatischen  Schichten.  Nicht 
ganz  sichergestellt  ist  die  gleiche  Erscheinung  für  dieGratzer  Bucht,  da  hier 
in  der  nördlichen  Partie  an  der  Linie  zwischen  Gratz  und  Oedenburg  die 
Congerienscbichten  ohne  weiteres  Zwischenglied  an  die  krystallinischen  Ge- 
steine der  Mittelzone  herantreten.' 1)  —  In  einem  Theile  der  kroatischen 
Bucht  aber  und  zwar  in  der  Umgegend  von  Karlstadt  und  an  den  Gehängen 
der  Petrovagora  bedecken  nach  den  Beobachtungen  von  Stur  die  Ablage- 
rungen der  Congerienstufe  übergreifend  die  älteren  neogenen  Ablagerungen 
und  verbreiten  sich  westlich  bis  tief  hinein  in  das  Gebiet  der  Kalkgebirge 
in  Niveau's,  bis  zu  welchen  die  Wässer  der  älteren  neogenen  Meere  niemals 
emporreichten. 

In  dem  auf  Blatt  VI  dargestellten  südlichen  Theile  des  alpinen 
Wiener  Beckens  erscheinen  die  Congerienscbichten  nur  in  geringer  Verbrei- 
tung am  Tage,  da  sie  in  den  mittleren  Theilen  desselben  durch  mächtige 
Massen  von  Diluvialschotter  verhüllt  sind.  In  grösserer  Ausdehnung  erschei- 
nen sie  aber  schon  in  den  Niederungen  zwischen  den  Hainburger  Bergen  und 
dem  Leithagebirge,  so  wie  zwischen  diesem  und  den  Oedenburger  Bergen; 
die  grössten  Flächenräume  nehmen  sie  aber  in  der  Gratzer  Bucht  ein.  Auch 
hier  beobachtete  Stoliczka  zunächst  über  den  Cerithienschichten  meist 
thonige  und  sandige  Ablagerungen,  an  manchen  Orten  mit  Plötzen  von  Lig- 
nit oder  Braunkohle  von  untergeordneter  Qualität,  und  über  diesen,  die 
Hügel  krönend,  denBelvedereschotter.Inden  höchsten  Lagen  derlnzersdorfer- 
schichten  in  einem  durch  Eisenoxyd  roth  gefärbten  Sande  liegen  bei  Balta- 


*)  Die  Schlüsse,  zu  welchen  Stoliczka  bezüglich  dieser  Frage  gelangte, 
haben  wohl  nur  mehr  theilweise  Geltung,  da  es  nunmehr  wohl  als  sicher  gestellt 
betrachtet  werden  darf,  dass  die  Tertiärschichten  westlich  von  der  Mur  sämmtlich 
den  älteren  neogenen  Stufen  angehören. 

6  * 


44  Franz  E.  v.  Hauer.   Geol.  Uebersichtskarte  der  österr.  Monarchie.  [44[ 

var,  nordwestlich  von  Zalaber  die  zahlreichen  Beste  einer  Säugethierfauna 
begraben,  welche  nach  den  Untersuchungen  von  Suess  die  grösste  Ueber- 
einstimmung  zeigt,  mit  jener  von  Pikermi  in  Griechenland. 

Unter  den  Gesteinen  der  Unigegend  von  Gleichenberg  ist  noch  insbe- 
sondere als  hierher  gehörig  der  in  zwei  Brüchen  gewonnene  Mühlstein  her- 
vorzuheben Derselbe  ist  ein  Belvedereschotter,  dessen  Gerolle  durch  Infiltra- 
tion von  kieselsäurehältigen  Wässern  fest  verkittet  wurden.  Eingeschlossene 
Thier-  (Melan.  Martiniana)  und  Pflanzenreste  stellen  sein  geologisches 
Alter  ausser  Zweifel. 

Auch-im  kroatischen  Becken,  und  rings  um  das  Gehänge  des  west- 
slavonischen  Gebirges  treten  die  Congerientegel  und  die  Belvederschotter  in 
grosser  Verbreitung  zu  Tage.  Nebst  den  Braunkohlenflötzen  enthalten  sie 
hier  auch  unter  ziemlich  eigenthümlichen  Verhältnissen  Eisensteine.  In  der 
Umgegend  von  Karlstadt  und  weiter  im  Osten  von  der  Petrovagora  und  im 
Norden  von  dem  Tergoveergebirge  beobachtete  Stur  an  zahlreichen  Punkten 
einen  Uebergang  der  Belvedereschotter  in  Sand  und  weiter  in  Lehm,  der 
häufig  roth  gefärbt  ist,  und  in  einzelnen  Knollen  und  unterbrochenen  Lagen 
die  Brauneisensteine  enthält.  Die  innige  Verbindung  dieser  Lehme  mit  dem 
Belvedereschotter,  ihre  Lage  auf  den  Congerien-Tegeln  und  Sauden,  endlich 
die  Auffindung  von  Congerien  selbst  in  dem  rothen  Lehme  bei  Topusko 
stellen  die  Zugehörigkeit  desselben  zu  den  Inzersdorferschichten  ausser  Zweifel. 
Weiter  westlich  von  Karlstadt  tritt  nun  der  Belvedereschotter  gegen  den 
Lehm  melir  und  inelir  zurück.  Der  Letztere  erscheint,  eisensteinführend  wie 
weiter  im  Osten  in  zahllosen  kleinen  Mulden  und  Auflagerungen,  deren  Ver- 
breitung und  Vertheiluiig  im  Neustädtlerkreise  in  Krain  Lipoid  ausführ- 
lich beschrieb,  dem  Karstkalke  aufgelagert. 

Diluvium  und  Alluvium.  Die  Diluvialgebilde,  die  sich  immer 
noch  durch  ein  etwas  erliöhtes  Niveau  von  der  eigentlichen  Alluvialebene 
abheben,  sind  auf  unserer  Karte  durch  zwei  Farbentöne  geschieden  in  Dilu- 
vialschotter und  Löss.  Nur  in  der  nördlichen  Partie  des  alpinen  Theiles  des 
Wiener  Beckens  ist  der  Löss  in  ausgedehnteren  Partien  entwickelt,  die  ganze 
südlichere  Hälfte  ist  von  Diluvialschotter  bedeckt,  über  dessen  Vertheilung 
insbesondere  die  schönen  Darstellungen  von  Suess  in  dem  Berichte  der 
WasserveiüOrgungs-Commission  des  Gemeiuderathes  der  Stadt  Wien  eine 
klare  Uebersicht  liefern.  Hauptsächlich  von  zwei  Funkten  her,  Wöllersdorf 
und  Neunkirchen,  den  Sclieitelpunkten  ungeheurer  Schuttkegel,  ergossen 
sich  die  ISchottermassen,  welche  nunmehr  die  Niederung  erfüllen.  An 
mehreren  Punkten  am  Bande,  so  insbesondere  in  der  Gegend  von  Wirflach 
im  Westen  und  gegenüber  in  der  Umgegend  vonPitten,  finden  sich  erratische 
Blöcke,  am  ersteren  Orte  auch  eine  Moräne,  die  von  ehemaligen  Gletschern 
Kunde  geben,  deren  Spuren  in  der  Ebene  selbst  aber  durch  die  noch  weiter 
fortgesetzte  Ablagerung  von  Diluvialschotter  verhüllt  sind. 

Noch  weit  grössere  Verbreitung  erlangen  die  Diluvialgebilde  weiter  im 
Süden,  insbesondere  deckt  der  Löss,  der  vielfach  namentlich  nach  abwärts 
sandig  wird  und  in  reine  Sandablagerungen  übergeht,  weite  Landflächen. 


II.  Beiträge    zur  Geognosie   Tirols. 
Von  Adolph  Pichkr. 

Portsetzung    der  Mittheilungen    V— VII   im  Jahrbuch  1866,  Seite  73,    und    in  den 
Verhandlungen  1867.    Seite  SO  und  236. 

(Vorgelegt    in  der  Sitzung  vom  17.  December  1867.) 


YIII.  Gneiss    aus    der  Gegend   vonSchwaz. 

Die  Berge  am  rechten  Ufer  des  Inn  von  Schwaz  bis  Battenberg  be- 
schäftigten die  Geognosten  wegen  ihrer  Erzführung  bereits  vielfältig.  Ich 
habe  die  Gesteine,  welche  sie  zusammensetzen,  in  einem  der  vorigen  Beiträge 
kurz  skizzirt,  und  auch  des  Thooglimmerschiefers  erwähnt,  der  als  ältestes 
Formationsglied  dieses  Gebirges  betrachtet  werden  darf,  wenn  sich  auch  nicht 
mit  Bestimmtheit  behaupten  lässt,  er  gehöre  der  Grauwackenformation  an. 

Nachdem  ich  unlängst  die  Steinkohlenformation  auf  demTrunerjoch  bei 
Steinach  wieder  besucht,  kann  ich  nicht  umhin  zu  bemerken,  dass  manche  Arten 
Thonglimmerschiefer  von  Schwaz  zunächst  den  erzführenden  Kalken,  petro- 
graphisch  mit  dem  Thonglimmerschiefer  jenes  Joches  völlig  übereinstimmen. 
Man  möchte  sich  versucht  fühlen,  der  Steinkohlenformation,  für  welche  mir 
nun  eine  grosse  Suite  zahlreicher  Pflanzenarten  als  Beleg  vorliegen,  nicht 
mehr  bloss  auf  das  Trunerjoch  zu  beschränken,  sondern  sie  auch  auf  die 
Thonglimmerschiefer  zunächst  der  erzführenden  Kalke  bei  Schwaz  und  viel- 
leicht auch  auf  jene  unter  dem  bunten  Sandstein  bei  Brennbichl  und  Wenns 
am  Eingange  des  Pitzthales  auszudehnen.  Das  nur  nebenbei 

Interessant  ist  jedoch,  dass  sich  der  Thonglimmerschiefer  bei  Schwaz 
zu  einem  förmlichen  Gneiss  von  grosser  Mächtigkeit  entwickelt.  Der  Nord- 
abhang des  Gebirges  von  Schwaz  bis  Pill  und  wohl  auch  noch  weiter  west- 
lich unter  der  Decke  des  Diluvium,  auf  der  das  Kirchlein  von  Weerberg 
ruht,  besteht  aus  Gneiss,  den  die  Schlucht  des  Pillerbaches  von  Norden  nach 
Süden  durchquert.  Die  Mächtigkeit  mag  wohl  gegen  2000  Fuss  betragen. 
Bei  Kolsass  lagert  sich  ein  schmaler  Grat  aus  Thonglimmerschiefer  vor,  so 
typisch  wie  er  nur  bei  Wiltau  und  Amras  bricht. 

Gegen  Osten  überdeckt  den  Gneiss  der  erzführende  Kalk  und  es  lässt 
sich  daher  seine  Ausdehnung  nicht  ermitteln,  eben  so  wenig  konnte  ich  bis 
jetzt  die  Grenzverhältnisse  beider  Gesteine  untersuchen. 


46  Adolph  Pichler.  [2] 

Dieser  Gneiss  liesse  sich  eigentlicli  am  besten  als  Tlionglimmerschie- 
fer  mit  Orthoklas  bezeichnen.  Es  treten  nämlich  in  dem  Gestein  Linsen  und 
Körner  von  weisslichem  Orthoklas  auf,  um  Avelche  sich  die  Lager  des  Schie- 
fers wellenförmig  biegen  Die  Körner  und  Linsen  des  Feldspathes  erreichen 
manchmal  die  Grösse  eines  halben  Zolles,  die  Bruchfiächen  zeigen  ausser  den 
Blätterdurcbgängen  auch  noch  die  Zwillingsebenen  und  sind  hie  und  da  mit 
Flocken  yon  staubigem  Eiseuoxydhydrat  bedeckt,  wol  einem  Zersetzungs- 
produkte vonSiderit,  mit  den  ihn  manchmal  begleitenden  Eisenlinsen,  Ausser 
den  Lagen  und  Streifen  graulichweissen  Quarzes  sind  auch  Körner  desselben, 
manchmal  fast  wasserliell,  eingewachsen.  Der  bleigraue  Glimmer,  der  so  wie 
die  Glimmer  unserer Thonglimmerschiefer  überhaupt,  ^ohl  erst  einer  einge- 
henden Untersuchung  nach  seinen  chemischen  und  physikalischen  Eigen- 
schaften bedarf,  bildet  dünne  Häute  auch  Schuppen  oines  talkartigen  Mine- 
rals von  graulicher  oder  öhlgrüner  Farbe,  über  welches  ich  gelegentlich  einiges 
berichten  werde  und  kleine  Fetzen  eines  hellweissen  Glimmers  sind  hie  und 
da  siclitbar.  Mit  dem  ausgesprochenen  Gneisse  wechseln  manchmal  Lagen 
eigentlichen  Thonglimmerschiefers.  Uebrigens  zeigen  die  Thonglimmer- 
schiefer bei  Schwatz  nicht  immer  jene  typische  Form,  die  man  bei  Innsbruck 
studiren  kann,  sie  entfernen  sich  noch  mehr  von  dem  krystallinischen  Cha- 
rakter, das  Gefüge  erscheijit  verworren.  Dieser  Umstand  kommt  wohl  vor- 
züglich auf  die  Kechunng  des  Glimmers. 

In  diesen  Thongiimmerschieferu  und  Gneissen  liegen  die  Stollen  zum 
.jSchwazer-Eisenstein-  und  bei  Heiiigeu-Kreuz.  Der  grossbiätterige  Siderit 
kommt  stock-  und  giuigiörmig  vor,  enthält  jedoch  auch  Schwefelkiese.  Die 
Stollen,  nocii  vor  Kurzem  in  Betrieb,  sind  jetzt  verlassen. 

Der  Bergbau  auf  der  hochgelegenen  Schwader  wird  noch  röstig  fort- 
gesetzt, die  Siderite  verschmilzt  man  zu  Jenbach  und  Kiefer.' 


IX    .§sphalt  im  Haupt-Dolomit 

Zwischen  Leibellingen  und  Telfs  ist  theils  durch  die  l'mlegung  der 
Laudbtrasse,  tlieils  durch  Steinbrüche,  welche  den  Bedarf  an  Schotterdecken, 
der  Banptdclomit  an  mehreren  Stellen  schön  entblösst.  Ausser  dünnen 
Schicliten  asphaltischcr  Schiefer  findet  man  auch  in  dem  grauen  weissade- 
rigen  Dolomit  oft  niissgrosse  Nester  und  Schjiüre  von  Asphalt  eingesprengt 
Manchmal  überdeckt  er  in  dicken  Lagen  die  Schichten,  dass  sie,  wenn  man 
nicht  auf  den  Querfcnich  achtet,  wie  Schwarzkohlen  erscheinen  oder  dringt 
in  die  Klüfte  des  Gesteines  Dieser  Asphalt  ist  schwarz,  fettglänzend,  hat 
einen  ausgezeichneten,  muschligen  Bruch  und  lässt  sich  leicht  in  ein  dunkel- 
braunes Pulver  zerreiben.  Der  unverbrennliche  Kückstaud  ist  sehr  gering. 
Solche  Nester  von  Asidialt  eutileckte  ich  auch  im  Hauptdolomit  des  Arz- 
grabens  nördlich  von  telfs  und  auf  der  Lamseii  nördlich  von  Schwaz.  Auch 
bei  Häriug  und  am  Geltenbergel  bei  Wörglündet  sich  Asphalt  in  den 
Drusenräumen  des  grauen  Kalkes,  der  seine  Stellung  noch  zu  den  unteren 
Schichten  der  Cardita  crenata  zählt.  Dieser  Asphalt  hat  eine  geringere  Con- 
fcistenz  und  erweicht  sich  sclion  au  der  Sonne,  ^'o  dass  er  von  den  Felsen  ab- 
rinnt.  Er  muss  ?lso  mehr  Erdöl  enthalten. 


[3']  Beiträge  zur  Geognosie   Tirols.  47 

X   Megalon  triqneter  im  Hauptdolomit 

Bekannt  ist  die  klassische  Stelle  bei  Leibelfmgen,  wo  F.  v.  Hauer  im 
Hauptdolomit  die  Durchschnitte  \on  Megcdoclon  entdeckte.  Es  ist  das  nicht  der 
einzige  Platz,  wo  in  diesem  Dolomit  Meycdodon  vorkommt.  Etwa  dreiviertel 
Stunden  westlich  vom  Zirl  findet  man  ihii  ebenfalls  an  der  Strasse.  Bekannt- 
lich befindet  sich  Megalodus  triqueter  auch  in  den  „oberen  Schichten  der 
Cardita  crenata''y  in  der  Schlucht  hinter  dem  Zirler  Calvarienberg.  Hier  ist 
die  Schale  verschwunden  und  nur  der  Steinkern  erhalten.  Im  Hauptdolomit 
füllt  den  Kaum  der  Schale  späthiger,  weisser  Kalk  aus. 

XI   Fossiles  Harz. 

Von  fossilen  Harzen  wurde  bis  jetzt  in  Tirol,  abgeselien  vom  Asphalt, 
wenig  entdeckt.  Ich  erinnere  an  das  bernsteinälmliche  Harz  in  den  Schiefer- 
thonen  der  Gosauformation,  welches  ich  in  ßrandenberg,  nördlich  von  ßatten- 
berg  entdeckte.  Heuer  im  Herbst  fand  ich  ein  fossiles  Harz  in  den  Tlion- 
mergeln  der  „oberen  Schichten  der  Cardita  crcnata"  im  Kochenthaie  bei 
Telfs.  Diese  Thonmergel  sind  schwärzlichgrau,  sie  eutlialten-viel  weisse  cal- 
cinirte  Schalen.  Hie  und  da  zeigt  sich  ein  Körnchen  oder  Tröplchen  eines 
honiggelben  bis  braunen  Harzes,  freilich  viel  zu  wenig,  um  eine  chemische 
Untersuchung  zu  ermöglichen.  Es  zeigt  Fettglanz,  ist  durchsichtig  bis  durch- 
scheiuend  und  bricht  muschelig,  ist  sehr  spröde  und  lässt  sich  leicht  pulvern, 
Härte  etwas  über  I.  Das  Gewicht  nicht  viel  höher  als  1.  Es  schmilzt  etwa 
bei  löu^J  Gels.  Alkohol  löst  wenig,  Aether  mehr  auf. 

Dieser  lässt  einen  weisslichen  pulvrigen  Kückstand,  der  sich  erst  bei 
grösserer  Hitze  vom  Glase  verflüchtigt.  Wir  haben  es  hier  wohl  mit  einer 
neuen  Art  zu  thun,  deren  genaue  Bestimmung  freilich  erst  dann  möglich 
wird,  wenn  es  geliuüt,  mehr  Material  zu  gewinnen.  Von  welchen  Pflanzen 
dieses  Harz  stamme,  lässt  sich  nicht  sagen,  wir  kennen  aus  dem  Kochenthaie, 
wie  ich  bereits  früher  mitgetheilt,  nur  Pterophylleu,  Equisetites- Arten  und 
eine  Pecopteris.  Von  diesen  ist  kaum  vorauszusetzen,  dass  sie  unsere  Sub- 
stanz lieferten.  Dieses  Harz  gehört  einer  anderen,  geologischeu  Periode  an 
als  der  Bernstein,  es  unterscheidet  sich  von  diesem  auch  in  teinen  Eigen- 
schaften, so  weit  diese  eine  Untersuchung  zulassen.  Nonnen  wir  es  vorläufig, 
um,  wenn  wir  es  bei  anderen  Gelegenheiten  erwähnen,  weitläufige  Um- 
schreibungen zu  ersparen,  Kochenit 

XII   Däe  Trias  des  Stubai. 

Ich  hatte  die  merkwürdigen  Kappen  triadischer  Gesteine  bereits  vor 
zehn  Jahren  untersucht  und  fast  Alle  zum  Theil  auf  das  weniger  zuverläs- 
sige Kennzeichen  der  petrographischen  Bescliafl'enheit  gestützt,  vorzüglich 
aber  aus  einigen  Schalen  der  Cardita  crenata,  welche  mir  einen  sicheren 
Horizont  gaben,  festgestellt.  Heuer  im  Herbste  wollte  ich  die  Erfahrungen, 
welche  ich  indess  auf  andere  Gebiete  gewonnen,  auf  dieses  schwierige  Terrain, 
wo  eine  tiefgreifende  Metamorphose  die  Steine  zum  Theil  umgewandelt,  über- 
tragen. Dass  die  Arbeit  keine  überflüssige  und  unnöthige  war,  möge  die 
folgende  kurze  Skizze  bezeugen. 


48  Adolph  Pichler.  [4] 

Das  Grundgestell  des  ganzen  Gebirges  ist  Glimmerschiefer,  so  zeigt 
die  Karte  des  geognostisch-montanistisclien  Vereines.  Heuer  fand  ich  einen 
mächtigen  Gneissstreifen  eingelagert,  der  in  Stunde  12  ziemlich  steil  westlich 
fallend,  sich  quer  über  die  Schlucht  zieht,  durch  welche  bei  Mieders  der 
Sulzbach  fliesst.  Südöstlich  von  Mieders  wurde  in  diesem  wohlgeschichteten 
Gestein  ein  Bruch  angelegt,  der  eine  nähere  Einsicht  gestattete.  Es  ist  der 
Gn  eiss  des  Glimmerschiefers,  ein  Gneiss  von  dem  Gneisse  des 
T  honglimmerschiefers  ebenso  verschieden,  als  der  echte  Glimmer- 
schiefer vom  Thonglimmer schiefer. 

Quarz  und  Orthoklas,  letzterer  auf  Querbrüchen  die  Zusammensetzung 
zu  Zwillingen  zeigend,  sind  grau  und  zusammen  in  Lagen  und  Bändern  aus- 
geschieden, welche  der  silberweisse  oder  bräunliche  Glimmer  trennt.  Manch- 
mal, wenn  auch  selten,  sind  zolllange  Tafeln  braunen  Glimmers  ausge- 
schieden. Hie  und  da  ist  auch  ein  Körnchen  braunrother  Granat  eingestreut. 
Krystalle  von  schwarzem  Turmalin  in  dem  bekannten  sechs-  und  dreiseitigen 
Prisma  nicht  selten  von  mehr  als  Zolllänge  trifft  man  nicht  oft.  Tritt  der  Glim- 
mer zurück,  so  gleicht  das  Gestein,  wie  z.  B.  auf  dem  Wege  nach  Innsbruck 
jenseits  des  Steinthalerhofes,  einem  Quarzit  um  so  mehr,  da  der  dem  Quarz 
gleichfarbige  Feldspath  nur  in  kleinen,  ziemlich  seltenen  Körnchen  einge- 
wachsen ist.  Durch  die  Zersetzung  von  Kupferkies  sind  manche  Glimmer- 
blättchen  spangrün  gefärbt.  Hie  und  da  trifft  man  auch  eine  kleine  Quarz- 
druse, der  Quarz  weiss,  durchscheinend,  an  der  Oberfläche  mit  einem 
schmutzig  grünen,  dünnen  Häutchen.  Zwischen  Nauders  und  Schönberg  legt 
sich  diesem  Gneiss  ein  Streifen  Hornblendeschiefers  vor,  den  die  Karte  auch 
nicht  angibt. 

Das  Grundgestell  des  ganzen  Gebirges  bildet,  wie  erwähnt,  der  Glim- 
merschiefer. Der  Glimmer  ist  meist  silbergrau ;  eingewachsen  finden  sich  bis- 
weilen schwarze  Turmaiinkrystalle  und  zahlreiche  Oktaederchen  von  Mag- 
netit. 

Wenden  wir  uns  zur  Trias. 

Nicht  überall  beginnt  sie  mit  den  bunten  Sandsteinen,  und  nicht  über- 
all sind  in  der  Gegend  alle  Glieder  vorhanden  oder  gleich  gut  entwickelt. 
Nördlich  von  der  Saile  z.  B.  liegen  unmittelbar  über  dem  Glimmerschiefer 
die  schwarzen  Schiefer,  Schieferthone  und  Sandsteine  von  Schichten  der 
Cardita  crenata;  während  hier  die  ganze  Bildung  mit  den  Schichten  des 
Hauptdolomites  abschliesst,  ist  die  Waldrast  von  den  metamorphen  Schie- 
fern der  Avicula  cow^orto- Schichten  gekrönt. 

Am  Schliggbach  bei  Pleben  zwischen  Telfes  und  Vulpmes  liegt  un- 
mittelbar über  den  Glimmerschiefer  der  bunte  Saud  stein.  Früher  be- 
trachtete ich  als  Vertreter  desselben  ein  Conglomerat  von  violetten  Quarz- 
geschieben, und  ausgezeichnet  spaltbarem  Magnetit  in  Körnern  bis  Erbsen- 
grösse,  wozu  sich  wohl  auch  Haematit  gesellt.  Dieses  Conglomerat  bildet 
im  bunten  Sandstein  nur  ein  untergeordnetes  Vorkommen.  Die  Mannig^ 
faltigkeit  der  Gesteiusarten  des  bunten  Sandsteines  ist  hier  trotz  seiner 
verhältnissmässig  geringen  Mächtigkeit  sehr  gross.  Wir  begegnen  groben 
Conglomeraten,  weissen  Quarziten  und  Quarzschiefern  von  ziemlich  feinem 
Korn,   mitten  darin  liegen   grünlichgraue  Schiefer  mit  Lagen  förmlichen 


|5]  Beiträge  zur  Geognosie  Tirols.  49 

Eisenglimmerschiefers.  Letzterer  besteht  aus  feinschuppigem  Haematit  von 
stahlgrauer  Farbe  mit  eingestreuten  Octaederchen  von  Magnetit.  Dieses  Ge- 
stein mag  man  früher  für  die  Eisengewerke  Stubai's  ausgebeutet  haben.  In 
einem  Stücke  bunten  Sandsteines  fand  ich  Bleiglanz  eingesprengt.  Auch  ein 
schuppiges,  chloritähnliches  Mineral  trifft  man  manchmal  eingestreut. 

Die  Rauchwacke  ist  nicht  überall  und  dann  stets  nur  in  der  geringen 
Mächtigkeit  von  wenigen  Füssen  überdeckt. 

Eben  nicht  sehr  mächtig  sind  auch  die  schwarzen  krystallinischen 
Kalke  mit  rothen  unebenen  Schichtflächen,  sie  gehören  dem  Muschelkalk  an. 

Den  Virgloriakalk  findet  man  stellenweise  mit  den  unebenen  Schicht- 
flächen, welche  manchmal  ein  silberweisses  Glimmerhäutchen  überzieht,  sehr 
gut  entwickelt,  wenn  auch  ohne  Petrefacten. 

Die  „unteren  Schichten  der  Cardita  crenata"  sind  auf  der 
Seite  gegen  das  Innthal,  wo  die  älteren  Schichten  nicht  auftreten,  unmittel- 
bar den  Glimmerschiefer  überlagernd,  sehr  gut  entwickelt,  im  Innern  Stubai 
dürften  ihnen  die  meisten  schwarz  wolkigen  Kalke  angehören,  die  der  unteren 
Trias  auflagern. 

Die  „Schichtlen  der  Chemnitzia  Rosthorni^  entsprechend  den 
Wetter  steinschichten;  hier  zu  schneeweissen  feinkörnigen  Kalken, 
genauer  gesprochen  zu  Doloniiten  splitterigen  Bruches  mit  reichlichem  Gehalt 
an  Kiesel  umgewandelt,  zeigen  im  Gegensatz  zu  den  Nordalpen,  wo  sie  hohe 
Gebirge  zusammensetzen,  eine  verhältnissmässig  geringe  Mächtigkeit.  Man 
möchte  wohl  an  der  Identität  zweifeln,  wenn  man  nur  die  petrographi- 
schen  Merkmale  berücksichtigt,  indess  ist  es  mir  bei  Pleben  gelungen,  die 
für  die  Wettersteindolomite  so  characteristischen  Spongien  und  Korallen  zu 
finden  in  jeder  Beziehung  erkennbar,  wenn  auch  zumTheilder  Umgestaltung 
erliegend,  deren  sich  die  Trias  der  Centralalpen  fügen  musste.  In  der  Rich- 
tung gegen  Seilrain  —  ober  Axams  —  fehlen  auch  die  bunten  Knollen- 
kalke oder  Draxlehnerschichten  nicht,  Sie  gehören  bekanntlich  einem  tieferen 
Niveau  der  Chemnitzienschichten  an  und  werden  manchmal  als  das  Aequi- 
valent  der  Hallstätterschicbten  betrachtet. 

Zu  den  weissen  Chemnitziendolomiten  der  Waldrast  oder  Series-Spitze 
gesellt  sich  stellenweise  ein  sehr  eigenthümlicher  Zellendolomit,  wenn  ich 
diesen  Ausdruck  gebrauchen  darf.  Das  Gestein  ist  in  eckigen  Stücken  und 
Stückchen  zersprengt,  die  oft  gar  nicht  verschoben  sind,  wohl  aber  verkittet, 
die  Fugen  ein  lichtgelbes,  sandig  mergeliges  Cement.  Hie  und  da  ist  ein 
Stückchen  zu  Staub  zerfallen,  und  man  findet  dann  eine  Lücke,  meistens 
sind  jedoch  die  Stückchen  in  ihrem  Aeussern  völlig  unverändert,  was 
Härte,  Bruch  und  Farbe  betrifft;  —  in  der  Mitte  befindet  sich  aber  eine  Höhle, 
die  sich  meistens  nach  der  Form  des  Stückchens  richtet,  sie  ist  mit  kleinen 
Krystallen  von  Calcit  ausgekleidet,  manchmal  enthält  sie  etwas  dolomiti- 
schen Staub.  Die  Wände  der  Höhle  sind  in  der  Regel  ziemlich  dick.  Ob 
und  wie  weit  die  Versuche,  die  man  hie  und  da  gemacht,  solche  Vorkomm- 
nisse zu  erklären,  hier  passen,  lassen  wir  unerörtert. 

Die  „oberen  Schichten  der  Cardita  crenata"  sind  durch  eine 
grosse  Menge  von  Gesteinsarten,  wenn  auch  nicht  gerade  sehr  mächtig  ver- 
treten. Da  begegnen  wir  den  Sandsteinen,  Oolithen,  Mergeln  und  Schiefer- 
thonen,  letztere  auf  den  Kluftflächen  nicht  selten  mit  einem  Anflug  von 
Schwefelkies ;  sie  wurden  alle  von  emer  theilweisen  Pseudomorphose,   wie 

Jahrbuch  der  k.  i.  geologischen  Eeiühsanstalt.^lS68.  18.  Band.  1.  Heft.  • 


so  Adolph  Pichkr.  [6] 

ich  es  bereits  bei  anderen  Anlässen  geschildert,  ergriffen.  Sie  boten  mir  be- 
reits vor  mehr  als  einem  Decenuium  die  sichere  Handhabe,  um  die  triadi- 
sche Formation  in  den  Centralalpen  festzustellen.  Anch  Versteinerungen 
fehlen  nicht,  wenn  sie  auch  schlecht  erhalten  sind,  neuerdings  fand  ich  Car- 
dita crenata  auf  der  Waldrast.  Die  Carditaschichten  ziehen  für  Jeden,  der 
sie  sehen  will,  schon  von  Aveitem  erkennbar,  an  den  schroffen  Wänden  der 
Waldrast  oder  Seriesspitze  hin ;  ober  ihnen  liegt  der  wohlgeschichtete 
Haupt-  oder  Mitteldolomit',  er  ist  krystallinisch,  bricht  muschlig, 
graulich  von  Farbe,  an  der  Oberfläche  weiss  anwitternd  und  verbreitet  an- 
geschlagen einen  sehr  unangenehmen  Geruch  nach  Schwefelwasserstoffgas. 

In  ungeheurer  Mächtigkeit,  Gipfel  und  Grat  krönend,  treten  die 
Schichten  der  Aolcula  contorta  auf.  Auch  die  Mannigfaltigkeit 
der  Gesteinsarten  ist  eine  sehr  grosse :  bunte  Schiefer,  dunkelgrauer  Schie- 
fer im  Aussehen  selbst  Thonglimmerschiefer  nahestehend,  beweisen  neuer- 
dings, wie  voräichtig  man  bei  der  Benützung  petrographischer  Merkmale 
sein  müsse;  schneeweisse  salinische  Marmore  und  graue  wohlgeschichtete 
Marmore  zu  Platten,  werden  beide  bereits  zu  technischen  Zwecken  gebro- 
chen; ferner  gelbliche  Kalke  in  dicken  Bänken,  an  der  Oberfläche  uneben,  mit 
grünlichem,  gelblichem,  röthlichem  thonigen  TJeberzuge,  oft  mit  Würfelchen 
von  Pyrit  bestreut ;  röthliche,  sandige  und  schieferige,  dünngeschichtete  Con- 
glomerate  und  dergleichen  mehr. 

In  den  grauen  Kalken  und  bunten  Schiefern  finden  sich  wohl  auch 
Spuren  von  Versteinerungen;  Pedeu,  Ostrea,  GervUlia  inflata  wohl  erkenn- 
bar. Besonders  wiclitig  war  der  Fund  eines  Zahnes  beim  Anstieg  zur  Ser- 
iesspitze. '     . 

Hermann  v.  Meyer  schreibt  darüber; 

„Mit  mehr  Sicherheit,  als  der  aus  dem  ßonebed  von  Maidring  mitge- 
theilte  Zahn,  glaube  ich  den  grösseren  Zahn  aus  dem  Bonebed  von  Wald- 
rast imStubai  meinem  Belodon  von  der  Grösse  äesBeloclon  Kapfß  Meyer 
beilegen  zu  können,  indem  er  durchaus  den  Anforderungen  an  die  hinteren 
Zähne  dieses  Thieres  entspricht,  wie  sie  in  dem  Stubensandstein  des  Keupers 
bei  Stuttgart  vorkommen  und  von  mir  in  meinen  Paläontographicis  sich  ab- 
gebildet finden.  Es  ist  freilich  immer  gewagt  auf  vereinzelte  Zähne,  zumal 
wenn  sie  nicht  vollständig  sind,  einen  sichern  Ausspruch  zu  thun.  Einen 
ähnlichen  nicht  ganz  so  grossen  Zahn  kenne  ich  auch  aus  dem  echten  Bone- 
bed von  Stuttgart." 

Die  Schichten  der  Avicula  contorta  sind  entwickelt  auf  dem  Grat  von 
der  Waldrastspitze  bis  Pinnis,  imGschnitz,  vom  Trunerjoch  gegen  das  Obern- 
bergerjoch,  wo  sie  der  Steinkohlenformation  auflagern,  am  Tribulaun  zwi- 
schen Pflersch  und  Obernberg.  Auf  dem  Grat  der  Saile  und  des  Burgstall 
zwischen  Innthal  und  Stubai  habe  ich  sie  noch  nicht  beobachtet. 

Wir  haben  also  in  den  Centralalpen  die  Trias  durch  alle  Glieder  vom 
bunten  Sandstein  bis  zu  den  Schichten  der  Avicula  contorta ;  bei  Schönwies 
zwischen  Imst  und  Landeck  habe  ich  auch  die  Adnetherschichten  nachge- 
wiesen ;  die  Schiefer  auf  den  Sarnthaler  Köpfen  im  Navis-Thal  gehören 
wahrscheinlich  zu  den  Schichten  der  Avicula  contorta  und  den  Flecken- 
mergeln. 


r7]  Beiträge  zur  Geognosie  Tirols.  gjl 

Dieses  möge  im  allgemeinen  genügen ;  über  die  kartographische  Be- 
grenzung Hesse  sich  noch  manches  beibringen,  zu  thun  bleibt  wie  in  den 
Alpen  überall  noch  viel  mehr. 

Xül  Bactryllienmergel  von  Arzl. 

Eine  Stunde  östlich  von  Innsbruck  liegt  das  Dorf  Arzl.  Steigt  man 
über  die  Bänke  des  Tertiärconglomerates  zum  Bauernhof,  so  erreicht  man 
bald  den  bunten  Sandstein.  Nun  erhebt  sich  der  Berg  steil  gegen  das  Arzler- 
albl.  Man  klettert  vom  bunten  Sandstein  über  die  Rauchwacken  ;  dunkel- 
graue weissaderige  Kalke,  zum  Theil  mit  Hornsteinconcretionen ;  darüber 
klotzige  Mergel,  wohl  bereits  zum  Complex  der  mannigfach  entwickelten 
unteren  Schichten  der  Cardita  crenata  gehörig.  In  den  grauen  Mergelschie- 
fern findet  man,  wenn  auch  nur  stellenweise  ein  Bactryllium.  In  seiner  Ge- 
sellschaft trifft  man  keine  Versteinerungen,  wohl  aber  in  den  mergeligen 
dünngeschichteten  Kalken  unmittelbar  darüber,  welche  oft  eine  förmliche 
Muschelbreccie  darstellen,  in  der  man  Ostrea  montis  caprilis^  Corhls  Mcllingi, 
Fentacrinus  propinquus,  einen  kleinen,  glatten  Gastropoden  undFischschüpp- 
chen  erkennt.  Jenes  Bactryllium  möchte  man  wohl  für  B.striolatum  erklären. 
Bactryllium  striolatum  wurde  jedoch  bisher  ausschliesslich  den  Schichten 
der  Avicula  contorta  zugeschrieben.  (Heer  in  Escher's  Bemerkungen  über 
das  nördliche  Vorarlberg  p.  118,  1853.  das  dermalige  obere  S.  Cassian  der 
Schweizer,  entspricht  nämlich  den  Schichten  der  Avicula  contorta.)  Hier 
treffen  wir  es  jedoch  in  den  unteren  Schichten  der  Cardita  crenata. 
Es  sind  das  die  ersten  Bactryllien  aus  dem  Innthal. 

XIV.  Zur  Fauna  der  „oberen  Garditaschichten. " 

Zirl  hat  für  die  Kenutniss  der  „oberen  Carditaschichten"  schon  man- 
chen interessanten  Fund  geliefert.  Wir  erinnern  an  die  Pflanzenreste,  anJIfe- 
galodon  triqueter  u.  s.  w.  Heuer  fand  ich  das  Bruchstück  eines  Ammoniten, 
den  Franz  v.  Hauer  unzweifelhaft  als  A.  (Gon.)  Haidmgeri  hezeich- 
net,  der  bisher  nur  aus  dem  rothen  Hallstätter  Marmor  des  Salzkammer- 
gutes bekannt  war.  Cephalopoden  sind  bekanntlich  in  den  „oberen  Schichten 
der  Cardita  crenata"  selten.  Die  Stelle,  wo  ich  ihn  auflas,  befindet  sich  seitlich 
vom  Calvarienkirchlein.  Er  war  in  den  dünngeschichteten  Mergeln  einge- 
bettet, welche  die  in  den  Nordalpen  häufigen  Species  von  Mollusken  bergen 
und  fand  sich  in  ihrer  Gesellschaft. 


XV.  Mineralogisches. 

Bei  diesem  Anlasse  muss  ich  noch  einmal  des  am  gleichen  Orte  vor-- 
kommenden  und  von  mir  bereits  erwähnten  „Thon^erdehydrates"  gedenken. 
Ich  habe  mittlerweile  Bauxit  (Beauxit)  von  Krantz  bestellt.  Das  erhaltene  Stück, 
einem  Erbsensteine,  dessen  Kügelchen  von  Eisen oxydhydrat  überzogen  sind, 
sehr  ähnlich,  trägt  die  Etikette:  „Bauxit  (Berth)  kieselsaure  Thonerde  mit 
Eisen  und  Vanadium.  Loc. :  Valien  el  l'Escaube  zwischen  Aubagne  un,d  Ca- 


gä  Adolph  Pichler.  Beiträge  zur  Geognosie  Tirols.  [gl 

moins  les  Bains  Dept.  Bouches  du  Rhone. "  Das  Zirler  Mineral  ist  —  abge- 
sehen von  dem  verschiedenen  Aeusseren  Tlionerdehydrat,  dem  sich  aus  dem 
mergeligen  Sandstein  der  oberen  Carditaschichten  hie  und  da  etwas  Kiesel- 
sand, Kalk,  Eisenoxydhydrat  beigemengt  haben ;  stellenweise  ist  es  fast 
rein.  Das  specifische  Gewicht  beträgt  2*183  und  nicht  2-ö5  wie  das  Mineral 
von  Herrn  Mertens;  das  Aussehen  stimmtauch  nicht  ganz  zu  demselben, 
auf  die  Härte  3  S  nehmen  vielleicht  eingestreute  Kieselpartickelchen  Ein- 
fluss. 


III.  Zur  Geologie  des  siebenbürgischen  Erzgebirges. 

Von  F,  Püsepny. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  21.  Jänner  1868.) 


Eine  Urlaubsreise  im  vorigen  Spätherbste  gab  mir  die  langersehnte 
Gelegenheit,  den  südlichen  Erzdistrikt  kennen  zu  lernen.  Da  ich  bereits 
früher  einige  Arbeiten  im  nördlichen  Theile  dieses  Gebietes  durchführte,  so 
gelang  es  mir  dabei  ein  klareres  Bild  des  geologisch  zusammengehörenden 
Ganzen  aus  eigener  Anschauung  zu  gewinnen. 

Die  Beziehungen  der  Erzführung  zum  geologischen  Bau  dieses  Di- 
striktes bildeten  das  Hauptobjekt  meiner  Studien. 

Bei  meinen  Keisen  habe  ich  meist  noch  nicht  begangene  Touren  ge- 
wählt. Ich  konnte  daher  auf  meinen  Arbeitskarten  im  Massstabe  1  Zoll  = 
400  Klafter  detaillirtere  Einzeichnungen  machen.  Die  allgemeine  Basis  dieser 
Karten  wurde  durch  eine  Vergrösserung  der  Karten  des  siebenbürgischen 
provisorischen  Katasters,  und  das  Detail  derselben  durch  gleichzeitige  ä  la 
vue-Aufnahme  gewonnen.  Die  ßegränzung  des  Terrains  gegen  Norden  und 
Süden  ist  ungefähr  durch  den  Lauf  des  Aranyos  und  der  Märos  gegeben. 

Die  krystallinischen  Schiefer  liegen  an  zwei  paralellen  in  NO. 
streichenden  Linien.  Aii  der  westlichen  liegt  bei  Offenbdnya  der  Ausläufer 
des  Bihar  und  bei  Solymos  der  Ausläufer  des  Pojana  Ruska-Gebirges.  An 
der  östlichen  liegt  die  Thoroczköer,  die  neu  gefundene  Nuvas  Gyogyer  und 
die  Värmagaer  Partie.  Diese  beiden  Linien  deuten  die  unterirdische  Conti- 
nuität  zwischen  den  beiden  grossen,  metamorphischen  Massen-Linien  an; 
diese  Massive  bestehen  vorwaltend  aus  einer  Gesteinsgruppe,  die  durch  eine 
mächtige  Kalkzone  charakterisirt  wird,  und  ihre  klassische  Entwicklung  an 
den  Eodnaer  Alpen  erlangt.  Sie  ist  wahrscheinlich  das  Kesultat  der  Meta- 
morphose einer  und  derselben  Sedimentärformation,  deren  spezielle  Bezeich- 
nung wünschenswerth  ist.  Es  empfiehlt  sich  für  dieselbe  der  Name  bastur- 
nische  Formation  (nach  dem  ältesten  Namen  der  Rodnaer  Alpen  Alpes 
hasturnicae  der  aus  dem  dritten  Jahrhundert  stammenden  Peutingerischen 
Tafel.  (Geol.  Sitzungsbericht  vom  8.  August  1865,  pag.  183.) 

Das  Juragebirge  habe  ich  weiter  nach  Süden  verfolgen  können,  als 
es  die  üebersichts -Aufnahme  darstellen,  und  es  ergibt  sich  aus  meiner  Karte 
die  Verzweigung  durch  den  ganzen  Berg-Distrikt.  Die  im  Norden  continuir- 
lichen  Züge  zerschlagen  sich  gegen  Süd  in  einzelne  Partien,  die  nur  an  den 
Knotenpunkten  grössere  Complexe  bilden.  Ein  solcher  ist  der  Dimbö,  der  höchste 
Berg  des  Erzdistriktes  nördlich  von  Zalatna,  und  die  früher  bereits  bekannt 
gewesene  grosse  Partie  bei  Cieb.  Der  Hauptzug  streicht  gegen  Mada,  und  zer- 


54  F.  Posepny.  [2] 

splittert  in  der  Nähe  des  Csetra'ser  Dacit-Zuges  in  einzelne  Klippen ,  ohne 
sich  jenseits  desselben  bei  Nagyag  anders  als  durch  Bachgerölle  zu  ver- 
rathen.  Dagegen  setzt  sein  westlicher  Zweig,  der  sich  bei  Annäherung  an 
den  Gebirgszug  bei  Balsa  und  Voja  gleichfalls  in  einzelne  Klippen  autlöst, 
jenseits  desselben  insofern  fort,  als  man  die  einzelnen  Partien  im  Trestia- 
thale,  wie  das  Massiv  des  Boitsaergebirges  und  die  isolirten  Kalkpartien  des 
Kudacs,  und  Karacser-Gebirges  für  seine  Fortsetzung  zu  halten  berechtigt  ist. 

Da  nun  beiderseits  nur  die  Spitzen  der  Kalkberge  aus  den  den  Cset- 
ra'ser Zug  umgebenden,  jüngeren  Sedimenten  hervorragen,  so  kann  man  an- 
nehmen, dass  unter  dieser  Decke  eine  mächtigere  Kalkmasse  an  das  Eruptiv- 
Gestein  tritt.  Ein  zweiter  mehr  verzweigter  Ast  des  Hauptzuges  tritt  bei 
Cierbu,  Dupa  piatra,  Vulcan  und  Strimba  auf  und  weist  somit  auf  eine  Ver- 
bindung mit  dem  Nezbanyer  Gebirge  hin. 

Die  Augit-Porphyre  und  die  sie  begleitenden  Gesteine  treten  haupt- 
sächlich in  Begleitung  des  Hauptkalkzuges  und  seiner  westlichen  Ver- 
zweigung auf,  und  verdrängen  bei  Zalatua  und  Boitsa  ganz  die  den  Kalkstein 
sonst  begleitenden  Sandsteine.  Nur  die  aus  den  Uebersichts-Aufnahmen  be- 
kannte Partie  von  Miheleni,  die  aber  nicht  mit  dem  erst  erwähnten  Com- 
plßxe  zusammenhängt,  .wie  in  den  bisherigen  Karten  verzeichnet  ist,  sowie 
einige  neue  Partien  bei  „Dupa  piatra''  gränzen  nicht  unmittelbar  an  die  Kalk- 
züge,  sondern  sind  von  jenem  von  Dupa  piatra,  Vulkan  und  Strimba  durch 
eine  mächtige  Standsteinzone  getrennt.  Augit-Krystalle  hal)e  ich  ausser  an 
den  zwei  bekannten  Lokalitäten  noch  an  vielen  anderen  Stellen  in  diesen  Ge- 
steinen angetroffen,  so  dass  sich  die  Zugehörigkeit  der  ganzen  Gesteinssuite 
zum  Augit-Porphyr  nicht  bezweifeln   lässt. 

Den  Karpatheusandstein  habe  ich  wegen  Mangel  an  Anhalts- 
punkten nicht  zu  gliedern  versucht.  Da  ich  darin  aber  weder  Numuliten 
noch  Fucoiden  und  keine  petrographische  Analogie  mit  deil  Koclnaer 
Eocengesteinen  entdecken  konnte,  da  ferner  der  in  Verespatak  häufige 
Bronnites  transyhanicus  Ettingsk.  dem  dortigen  Lokalsediraente,  und  nicht 
den  Karpathensandsteinen  angehört,  wie  zuerst  angenommen  wurde,  da  end- 
lich die  innerhalb  des  Terrains  bei  Solymos,  Vidra,  Thoroczkd  auftretenden 
Petrefacten  derGosau  augehören,  so  halte  ich  denselben  für  geologisch  älter,  als 
die  Eocenformation.  In  einigen  Durchschnitten  des  Kalkgebirges  sah  ich  den 
Kalkstein  auf  Sandsteinen  aufliegend,  und  glaube  sogar  dass  einige  Kalk- 
steine älter  sein  können,  als  die  Juraformation,  welche  Ansicht  sich  freilich 
nur  auf  die  verschiedene  petrographische  Beschaffenheit  und  nicht  auf  Petre- 
facten basirt. 

Die  jüngeren  Sedimente  zeigen  durch  ihre  Gesteinselemente  bei- 
nahe überall  die  innigsten  Beziehungen  zu  den  jüngeren  Eruptivgesteinen. 
Sie  füllen  nebst  den  im  Sitzungsbericht  vom  19.  März  1867  erwähnten  zwei 
kleinen  Becken  von  Verespatak-Korna  und  von  Abrudtiell  ein  grösseres 
Becken  Zalatna-Tekerö  aus,  und  finden  sich  zwischen  der  Koros  und  der 
Märos  über  eine  grosse  Fläche  ausgedehnt  vor.  Bei  den  Uebersichts-Auf- 
nahmen ist  das  Zalatnar  Becken  bloss  in  der  Umgebung  des  Ortes  verzeichnet, 
es  reicht  aber  über  dt  n  Andesitzug  Judenberg-Stanicza  westlich  hinaus,  wo  sein 
grösster  und  am  besten  entblösster  Theil  liegt.  Es  kann  wohl  einst  mit  dem 
Körös-Märoser  Becken  zusammengehangen  sein,  wie  dies  einige  Fragmente 
am  Kücken  des  sie  trennenden  Augit-Porphyr-Terrains  andeuten.  Das  letztere 
Becken  umrandet  das  Cseträser-,  Kudaer-,  Boitsaergebirge  u.  s.  w.  und  setzt 
meist    die    höheren  Terraintheile  zusammen,  während  dln   Thalsolen  aus 


13]  Zur  Geologie  des  siebenbürgischeii  Erzgebirges,  ^5 

älteren  Gebilden,  Karpathensandstein,  Jurakalk,  Augitporphyr  etc.  bestehen. 
Es  kann  somit,  wenn  man  sich  bloss  in  den  Tlialsoolen  bewegt,  der  Beob- 
achtung gänzlich  entgehen. 

Diese  Sedimente  werden  häufig  von  den  jüngeren  Eruptivgesteinen 
durchsetzt  und  schliessen  zugleich  Gestemselemente  von  diesen  ein, 
Sie  sind  in  den  letzgenannten  zwei  Complexen  meist  intensiv  roth  ge- 
färbt und  obgleich  ich  keine  Versteinerungen  fand,  so  dürfte  dennoch 
die  Analogie  mit  den  Gesteinen  des  rothen  Berges  bei  Mühlenbacli  ihre  Zu- 
theilung  zu  den  Sc  hyltthaler -Schichten  rechtfertigen.  Diese  Annahme 
wird  durch  die  in  denselben  häufig  vorkommenden  Gypse  und  durch  die 
Ueberlagerung  von  verschiedenen  Miocengebilden  bei  Varmaga  und  Kosing, 
Halmagy  und  Eibicza  unterstützt.  Die  Gleichartigkeit  des  Vorkommens 
macht  es  wahrscheinlich,  dass  die  zwei  kleinen,  isolirten  Becken  von  Veres- 
patak  und  Abrudtiell  derselben  Epoche  angehören ,  und  das  Vorkommen 
von  Bronnites  transylvanicus  steht  nach  der  Deutung  von  Hrn.  F.Etti  ngs- 
hausen  (Jahrbuch  186 i,  Nr.  4,  pag.  74)  dieser  Annahme  durchaus  nicht 
entgegen.  Nebstdem  muss  ich  bemerken,  dass  der  Vulkojer  Hermanni-Erb- 
stollen  eine  Partie  Conglomerate  mit  Dacit-Geröllen  durchfuhr,  welche  so- 
mit auch  hier  als  ähnliche  Gesteine  aufgefasst  werden  müssen. 

Die  junge  renEruptivgesteine  haben  der  Karte  eine  etwas  andere 
Physiognomie  gegeben,  da  ich  denselben  besondere  Aufmerksamkeit  zu- 
wendete, und  so  ihre  ziemlich  regelmässige  Anordnung  in  paralellen  Zügen 
entdeckte.  Ohne  hier  näher  in  die  petrographische  Charakterisirung  einzu- 
gehen, werde  ich  mich  bloss  auf  bereits  näher  bekannte  Gesteine  berufen. 
Falls  man  von  den  isolirten  Kuppen,  NO.  von  Offenbänya  und  Deva  abstra- 
hirt,  kann  man  vier  Gruppen  von  Zügen  unterscheiden. 

1.  Die  Offenbänyer-Gruppe  besteht  aus  wenigstens  zwei,  etwa 
eine  halbe  Meile  langen,  schmalen,  sich  verzweigenden  Zügen.  Der  öst- 
liche, continuirlichere  schliesst  die  Bergbaue  ein,  der  westliche  aus  mehreren 
Partien  bestehende  wird  an  seinem  südlichen  Ende  durch  den  letzterer  Zeit 
häufig  genannten  Coltsu  Csoramuluj  bezeichnet.  Sie  bestehen  aus  Andesiten 
vom  Typus  des  Gesteines  von  den  Ufern  des  Timok  und  von  jenem  von  Deva. 

2.  Die  Verespataker-Gruppe  besteht  wenigstens  aus  zwei  Zügen, 
deren  Gesammtlänge  circa  2  '/o  Meilen  und  deren  grösste  Gesammtbreite  nahezu 

1  Meile  (sammt  den  Zwischenräumen)  beträgt.  Der  Oestliche  besteht  aus 
dem  im  Sitzungsberichte  vom  31.  Juli  ISO?  skizzirten  Cicera-Massiv,  dem 
Doppelkegel  Giamena  und  mehreren  dazwischen  liegenden  Trachytkuppen. 

Derwestliche  Zug  bildet  die  Gesteinsinseln  Verespatak-Kornia,  Abrud- 
trel,  und  einen  continuirlicben  Zug  bis  zum  Vulkoj.  AVährend  der  erste 
Zug  aus  mehr  oder  weniger  rauhen  Andesiten  besteht,  besteht  dieser  bis  zum 
Vulkoj  aus  Dacit.  Das  eigenthümliche  Gestein  von  Verespatak  gibt  sich  als 
eine  gebleichte  Ausbildung  derDacite  mit  dunkler  Grundmasse  zu  erkennen, 
die  sowohl  in  Verespatak  als  auch  in  Abrudtriel  an  einzelnen  Stellen  vor- 
kommen, von  letzterem  Orte  aber  bis  zum  Vulkoj  einen  continuirlicben 
„Contin''  genannten  Zug  zusammensetzen.  Vulkoj  ur|d  der  .1/2  Meile  südlich 
davon  liegende  Berg  Dialu  Sudori  bestehen  aber  aus  Andesit. 

3.  Die  J  uden  berg  Staniza-Gruppe  habe  ich  auf  3  Meilen  Länge 
nachgewiesen,  doch  scheint  sie  noch  weiter  gegen  Norden  fortzusetzen,  wie 
eine  kleine  nur  einige  Klafter  mächtige  Partie  bei  Miheleni  andeutet.  Ein 
Theil  beginnt  mit  den  isolirten  Kuppen  Judenberg,  Magura  Cupului,  Briasa, 
und  setzt  sodann  vom  Grohäs  bis  über  Staniza  als  ein  1  Ya  Meile  breiter 


56  F.  Posepny.  [4] 

continuirlicher  Zug  fort.  An  beiden  Flanken  seines  südlichen  Theiles  lagern 
die  Vorkommen  von  Quarzporphyren,  wovon  einige  alte  Feldsteinporphyre 
dem  Petrosilex  und  der  Hälleflinta  gleichkommen,  und  an  einem  Punkte  am 
Berge  Bodia  als  Ehyolithe  ausgebildet  sind. 

Hieher  gehören  auch  die  früher  mit  dem  Dacit  vereinigten  Gesteine  von 
Petrosan  und  Zalatua,  deren  klastische  Natur  neuerdings  Dr.  Tschermak 
erkannte.  Ich  habe  nun  gefunden,  dass  sie  wahre  Lager  in  den  Sedimenten 
des  Zalatnaer  Beckens  bilden,  und  zwar  viel  regelmässiger,  als  die  Melaphyre 
im  Eothliegenden  von  Starkenbach  und  Semil  in  Böhmen.  Gesteine,  die 
man  mit  dem  Namen  „Palla"  zu  bezeichnen  angefangen  hatte,  finden  sich  bei 
Nadosdia  und  Almas,  ebenso  zwischen  den  beiden  Thälern  von  Herzegany, 
Im  Pereu  Bodi  bei  Tekerö  finden  sich  in  den  Quarzporphyren  Bänke  von 
Pechsteinen,  die  oft  in  einem  Handstücke  in  Feldsteinporphyr  und  in  Obsidian 
übergehen.  Die  Kuppe  und  die  Gehänge  des  benachbarten  Berges  Bodia  be- 
stehen hingegen  aus  ßhyolith  vom  Typus  der  gleichnamigen  Gesteine  des 
Kliniker  Thaies  bei  Schemnitz.  AVeiter  an  der  Westseite  des  Zuges  liegen 
einige  Andesit-Partien  innerhalb  des  Karpathensandsteines. 

4.  Die  Csetras-Piuda-Karäkcser-Gruppe  bildet  den  längsten, 
wichtigsten  und  verzweigtesten  Zug.  Seine  Länge  beträgt  6  Meilen,  seine  grösste 
Breitenausdehnung  zwischen  Toplica  und  Porcura  1  ^/a  Meilen.  Der  Haupt- 
rücken, oder  der  eigentliche  Cseträser  Zug  und  seine  Fortsetzung,  das  Duba- 
und  Cordura-Gebirge  bei  Kureti,  sowie  die  Ausläufer  bei  Herzegany  bestehen 
ausschliesslich  aus  Dacit.  An  seiner  Ostflanke  tritt,  durch  ein  schmales  Band 
von  den  Schylthaler-Schichten  getrennt,  zwischen  Toplica,  Hondel  undTrestia 
ein  grosses  aus  Andesit  bestehendes  Massiv  auf,  in  dessen  Fortsetzung  ein 
zweiter,  von  diesem  aber  isoiirter  Andesit-Zug  liegt,  an  welchem  die  Berg- 
baue von  Kajniel,  Kuda,  Csebi  und  Kovacs  liegen.  Dieser  bildet  somit  einen 
Paralellzug ;  einen  dritten  bilden  nun  mehrere  isolirte  Dacitpartien  zwischen 
Boitsa  und  Füzesd,  wo  sie  den  dort  herrschenden  Augit-Porphyr  und  Jura- 
kalk durchsetzen.  Zu  diesem  vierten  System  gehören  w  .hl  auch  die  grossen  Tra- 
chytpartien  von  Prevaleuy  und  Tuldos  an  der  Koros,  wofür  die  Beobach- 
tung von  Andesit-GeröUen  spricht,  die  Tschermak  und  ich  in  der  Um- 
gegend von  Väcza  bemerkten. 

Diese  Eruptivgesteine  kann  man  durch  ein  Dreieck  eihschliessen, 
dessen  Ecken  nahezu  durch  die  Orte  Offenbänya,  Halmagy  und  Nagyag  be- 
zeichnet werden.  Darin  liegen  die  vier  doppelten  bis  dreifachen  Züge  nahezu 
paralell  der  Basis  Halmagy -Nagyag  und  werden  von  der  Spitze  gegen  diese 
Basis  zu  stets  länger  und  mächtiger. 

Verwerfungen  lassen  sich  sowohl  im  Kleinen  als  auch  im  Grossen 
nachweisen,  und  dieses  mit  der  stufenweisen  Senkung  des  Terrains  bis  zur 
Körös-Maroser  Depressionslinie  im  Zusammenhange  lässt  diese  Züge  als 
vier  Spaltungsgruppen  erkennen ,  durch  welche  die  Eruptivgesteine  bei  der 
stufenweisen  Senkung  bis  auf  die  Oberfläche  herausgepresst  wurden.  An 
einigen  Stellen,  meist  um  die  Eruption  scentren  herum,  entstanden  durch  die 
Senkungsmaxima  Vertiefungen,  die  nach  und  nach  durch  die  klastischen 
Produkte  des  anliegenden  Terrains  ausgefüllt  wurden. 

Sind  nun  die  Lokalsedimente  ein  Aequivalent  der  Schylthaler- 
Schichten,  so  liegt  der  Anfang  dieser  Senkungen,  der  Eruptionen  und  der 
Ausfüllung  der  Becken  an  der  G ranze  zwischen  der  Eocen-  und  Miocen- 
formation. 


IV.   Höhenmessungen    in    Oberungarn. 


Von  Dr.  Karl   Rothe. 


(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  17.  December  1867.) 


In  Verbindung  mit  meinen  meteorologischen  Beobachtungen  in  Leut- 
schau  untersuchte  ich  gleichzeitig  die  Höhenverhältnisse  der  näheren  und 
ferneren  Umgegend  meines  Beobachtungsortes,  und  nahm  barometrische 
Messungen  vor  an  allen  irgendwie  auffallenden  und  aufKarten  bemerklichen 
Punkten,  welche  ich  auf  meinen  Excursionen  berührte.  Hierbei  berücksich- 
tigte ich  zugleich  Standorte  von  Pflanzen,  die  in  geographischer  Beziehung 
wichtig  sind,  und  bestimmte  deren  Seehöhe  Von  diesen  Messungen  konnte 
ich  diejenigen,  welche  Punkte  der  höhern  Zips  berühren,  schon  früher  ver- 
öffentlichen,!) da  ich  sie  auf  einen  correspondirenden  Punkt  beziehen  konnte, 
dessen  Seehöhe  hinreichend  bestimmt  erschien,  auf  Käsmark,  von  welchem 
Orte  die  an  die  k.  k.  Centralanstalt  für  Meteorologie  zu  Wien  eingesendeten 
meteorologischen  Tabellen  mir  die  entsprechenden  Beobachtungen  direkt 
oder  durch  Interpolation  lieferten. 

Die  Höhen  in  der  Nähe  von  Leutschau  wünschte  ich  mit  Leutschau 
selbst  zu  vergleichen,  von  welchem  Orte  jedoch  bisher  sehr  widersprechende 
Angaben  bezüglich  seiner  Seehöhe  vorhanden  sind. 2)  Eine  Höheubestimmung 
dieses  Ortes  mit  Hilfe  von  correspondirenden  Messungen  auf  den  benaf'h- 
barten  trigonometrisch  bestimmten  Bergspitzen  erschien  mir  als  Grundlage 
für  den  Mittelpunkt  eines  Beobachtungssystems  zu  unsicher,  zumal  die 
Messungen  auf  verschiedenen  Punkten  etwas  zu  stark  abweichende  Resultate 
ergaben.  3) 


*)  Blätter  des  Vereines  für  Naturkunde  zu  Pressburg.  VIII.  Jahrgang,  pag. 
4  und  10. 

*)  Schmid  gibt  in  seinem  Lehrbuch  der  Meteorologie,  p.  720,  die  Seehöhe 
von  Leutschau  mit  1015  Par.-Fuss  (=  1043  Wr.-Fuss)  an,  welche  Angabe  wohl 
den  Jahrbüchern  der  k.  k.  Centralanstalt  für  Meteorologie  entnommen  ist,  wo  Kreil 
im  V.  Bande  die  Seehöhe  mit  1692  Toisen  (=  1043  Wr.-Fuss)  angibt.  Im  I.  Bande 
dieses  Jahrbuches  ist  die  Seehöhe  mit  291  Toisen  (=  1794  Wr.-Fuss),  in  den 
üebersichten  der  Centralanstalt  für  1859  mit  272  (=  1675  Wr.Fuss)  angegeben. 
Kornhuber  fand  aus  einer  Beobachtung  im  Juli  1856  mit  Zugrundelegung  der  See- 
höhe von  Pressburg  1744  Puss  (Blätter  des  Vereins  für  Naturkunde  in  Pressburg. 
Band  I),  F.  Fuchs  berechnete  1803  Wr.-Fuss. 

*)  Die  nächsten  Punkte,  welche  trigonometrisch  gemessen  wurden,  und  die 
ich  an  Barometermessungen  vergleichen  konnte,  sind  das  Gehohl,  der  Krivan,  der 
Knollaberg,  der  Buchwald  und  der  Königsberg.  Im  nachfolgenden  Verzeichnisse 
gebe  ich  die  Vergleichung  der  daselbst  ermittelten  Zahlen  mit  den  früheren  Messungen. 

Jakrbuch  der  k.  k.  geologische Beichsanotalt.  18^''.   18.  Band,  1.  Heft.  ^ 


58 


Karl  Rütlie. 


[2J 


Es  blieb  nur  übrig,  die  Höhenbestimmung  von  Leutscliau  mit  Zu- 
grundelegung der  täglichen  Aufzeichnungen  auszuführen,  welche  ich  im 
October  1860  mit  Hilfe  eines  genauen  Heberbarometers  von  Kapeller  be- 
gonnen und  die  seitdem  von  Herrn  med.  Doctor  Aug.  Hlavacsek  dreimal 
täglich  in  ununterbrochener  Keihe  fortgesetzt  wurden.  Diese  Beobachtungs- 
reihe  umfasst  nun  0  Jahre,  eine  hinreichende  Zeit,  um  darauf  eine  genaue 
Berechnung  zu  gründen. 

Leider  konnten  die  täjjlichen  Aufzeichnungen  am  Barometer,  sowie 
die  correspondirenden  Beobachtungen  nicht  sämmtlich  in  demselben  Locale 
angestellt  werden.  Sowohl  ich,  als  mein  Nachfolger  waren  genöthigt,  den 
Standort  des  Barometers  zu  ändern.  Da  auch  noch  andere  Freunde  in  ihren 
Wohnungen  Barometer  zu  correspondirenden  Beobachtungen  mit  den  meini- 
gen vergleichbar  aufhängen  wollten,  suchte  ich  mir  vorerst  über  die  Höhen- 
verschiedenheiten der  Stadt  Leutscliau  Klarheit  zu  verschaffen  und  unter- 
nahm zu  dem  Zwecke  mit  Herrn  Comitats-Ingenieur  G.  Scholz  ein  genaues 
Nivellement  der  Stadt.  Dies  ergab,  dass  das  Pflaster  am  Comitatshause  der 
höchste  Punkt  der  Stadt  ist,  und  aus  dem  Höhenunterschied  der  gemessenen 
Punkte  liess  sich  mit  Hilfe  der  Gaussischen  Formel  die  Beobachtung  an 
irgend  einem  der  verschiedenen  Barometer  auf  ein  anderes  beziehen.  Es  um- 
fasste  in  allen  Theilen  der  Stadt  44  Punkte  und  ergab  hierbei  den  sehr  ge- 
ringen Fehler  von  drei  Zoll  bei  der  Eückkehr  zum  Ausgangspunkt.  Die 
wichtigsten  Punkte  dieser  Nivellirung,  insbesondere  diejenigen,  welche  bei 
den  Barometerbeobachtungen  gebraucht  wurden,  sind  in  der  folgenden  Zu- 
stammenstellung  enthalten 

Tabelle  L  Nivellement  der  Stadt  Leutschau. 


1 

Barometer-Korrektion  auf 

Korrektur  auf 

den  i 

Gemessene       Punkte 

das  Pflaster 
am  Comitats- 
hause 

Nullpunkt  am 
Comitats- 

Normalstand 
des     Barome- 
ters   von    Dr. 
Hlavacsek 

Wr.-Fuss 

hause 

l.  Strassenpflaster    unter    dem    Balkon 

am  Comitatshause,    als    höchster 

Punkt   der  Stadt 

00 

3.  Obere  Fläche  des  Wasserbeckens  am 

Comitatshause 

0-6 

3.  Promenadeplatz,  Ecke  des    Casino- 

gebäudes  

7-7 

4.  Wohnung  des  Herrn  Ingenieurs    Fr. 

Fuchs,  am    Oberring  577,    Pflaster 

am  Thor 

15-6 

Standort  des  Barometers  daselbst  im 

ersten  Stock  ...   

60 

—  0-07 

f-013 

S.  Ecke  des  Hauses    von    Herrn  Victor 

Justus,  am  Eing  S74      ..... 

21-2 

6.  Haus    des   Hrn.    Georg    Czebanyi, 

'       FleischergassH  598      .    .    •  .    .    .    . 

24  0 

Standort  meines  Barometers  daselbst, 

ebener    Erde,    vom  Mai  1861  bis 

Ende  August  1H6?  .        ...... 

210 

—  0-26 

—  0-06 

7.  Bräuhaus,  Fleischergasse  593.    . 

30-3 

8. Oberthor 

14-3 

[3] 


Höhenmessungen   in    Obeningarn. 


59 


Tabelle  1,    Nivellement  der  Stadt  Leutschau, 
(Fortsetzung.) 


Korrektur  auf 

Barometer  Korrektion  auf 
de"  • 

das  Pflaster 

am  Comitats- 

hause 

Gemessene      Punkte 

Nullpunkt  am 
Comitats- 

Normalstand 
des     Barome- 
ters   von    Dr. 
Hlavacsok 

Wr.-Fuss 

hause 

9.  Haus    des    Herrn  Prob stner,    vor 

der  Stadf:  20S 

73- 1 

10.  Mitt€ 

Ithor,    äussere    Ecke    gegen 

den  Frifidhof  zu 1 

831 
111-8 

11.  Anda 

hazischer  Meierhof      .    . 

12.  Unteres  Thor,  Ecke  der  Neugasse 

100-1 

13.  Haus    des    Herrn    Hendel,    Hoch- 

gasse 367      

430 

j       Standort    meines  Barometers  daselbst 

im    ersten     Stock,    von     October 

1860   bis  Ende  April  1861        .        . 

310 

—  0-38 

-0-18 

14.  Haus  des  Herrn  Wagner  am  Unter- 

ring 282 

191) 

15.  Haus    des    Herrn  Andreas    Scholz, 

Klostergasse     

3-2 

16.  Haus  des  Herrn  Kaufmann  Bartsch 

am  Unterring  139 

71 

Standort    des     Barometers    daselbst 

im    ersten    Stock   (Herr    Director 

Schu 

bert, 

—  sa 

006 

026 

17.  Haus 

der   Frau    Bossniach     am 

Oberring 

6-2 

Standort   des  Barometers  im   ersten 

Stock    (Herr    Director    Schubert) 

-2-0 

0'02 

0-22 

18.  Haus    des    Hrn.  Aug.   Hlavacsek, 

Spitalgasse  616,  Beobachter  der  me- 

teorologischen   Station. 

Standort  des  Barometers  zu  ebener 

Erde 



27-8 

—  0-34 

-   014 

Standort    des      Barometers     im    er- 

sten  Stock,    als    Normalstand 

angenommen 

161 

-    0-20 

0  00 

Der  letztere  Punkt  war  beim  Nivelliren  übergangen,  daher  wurde  seine 
Differenz  barometrisch  bestimmt.  Als  Grundlage  diente  die  Vergleichung 
viermonatlicher  Aufzeichnungen  zu  drei  Tagesstunden,  des  Herrn  Direktor 
Schubert  in  seiner  Wohnung  (Punkt  17)  mit  den  Beobachtungen  des 
Herrn  Dr.  Hlavacsek. 

Bei  der  Schwankung  im  Barometerstand  von  305  —  325  Pariserlinieu 
für  die  vorkommenden  geringen  Höhenunterschiede  ist  die  Korrektur  so 
gleichförmig,  dass  man  eine  für  jede  Barometerl^öhe  gültige  Korrektur  aus 
dem  mittleren  Stande  von  315  Pariserlinien  berechnen  kann,  die  auch  bei 
den  wechselnden  Temperaturen  von  —5«  und  -f  15»  R.  nur  unerheblich 
sich  ändert,  also  einfach  proportional  dem  Höhenunterschiede  genommen 
werden  darf,  wie  sich  aus  folgender  Zusammenstellung  ergibt: 

8* 


GO 


Karl  Rotbe. 


[4; 


Tabelle  IL   Korrektur  des  Barometerstandes  auf  andere  Höhen  für  Leut- 

schau. 

(Mittlerer  Luftdruck^)    =    315  Pariserlinien.) 


Höhenunterschied  in  Wiener- 
Fussen   = 


10 


Korrektur  in  Pariserlinien  bei 
—  5oß 

Korrektur  in  Pariserlinien  bei 
-^IS"  R 


0-01 
001 


002 
0  02 


004 
0-04 


005 
005 


0-06 
006 


0-07 
0-07 


009 

0-08 


0-10 
010 


0-12 
O'U 


013 
012 


Die  aus  den  Beobachtungen  der  meteorologischen  Station  unmittelbar 
entnommenen  Barometerstandmittel  für  die  Zeitabschnitte  der  Beobach- 
tung mitzutheilen,  dürfte,  wenn  auch  der  Standort  des  Barometers  einigemal 
wechselte,  überflüssig  sein.  Ich  will  nur  bemerken,  zu  welchen  Zeiten  ein 
Wechsel  eintrat,  und  welche  Korrektur  für  die  einzelnen  Monate  je  nach 
dem  verschiedenen  Aufhängepunkt  des  Instrumentes  sich  nöthig  machte. 
(Siehe  Tab.  I). 

Vom  October  1860  bis  Ende  April  1861  beobachtete  ich  in  meiner 
Wohnung  bei  Herrn  Hendel,  welche  gegen  den  angenommenen  Normal- 
stand 14  9  Wr.-Fuss  tiefer  liegt,  also  eine  Aenderung  im  Barometerstand 
um  —  0  18  Pariserlinien  bedingte.  Von  da  bis  Ende  August  1862  beob- 
achtete ich  im  Hause  des  Herrn  Czebänyi  (Differenz  49  Fuss;  Correktur  — 
0*06  Linien.)  Herr  Dr.  Hlavacsek  beobachtete  im  eigenen  Hause  bis  jetzt 
und  zwar  im  September  und  October  1862  im  ersten  Stock,  welcher  Stand- 
ort als  Normalstand  des  Barometers  angenommen  wurde,  da  es  der  später 
bleibende  Standort  geblieben  ist.  Nur  in  den  Monaten  November  1862  bis 
Ende  Mai  1863  und  Jänner  bis  Mai  1864  hing  das  Instrument  zu  ebener 
Erde.  (Diff".  Iiy4  Fuss,  Corr.  —  0  14  Linien.) 

Die  benützten  Barometer  waren  sämmtlich  Heberbarometer  von  Ka- 
peller. Von  Anfang  bis  Ende  November  1862  wurde  das  Instrument  Nr.  618 
benützt,  dessen  Korrektur  auf  das  Normalbarometer  zu  Wien  =  —  012 
Linien  beträgt.  Später  wurde  ein  Instrument  benützt,  dessen  Korrektur 
gegen  jenes  =»=  -f  0*27  Linien,  was  also  auf  das  Normalbarometer  eine  Kor- 
rektur von  -|-  0-15  Linien  bedingt.  Mit  Berücksichtigung  dieser  verschie- 
denen Korrekturen  wurden  nun  die  Beobachtungen  auf  den  Standort  des 
Barometers  im  ersten  Stock  des  Hauses  von  Dr.  Hlavacsek,  16  Fuss  tie- 
fer, als  der  höchste  Punkt  der  Stadt  berechnet  Um  mich  von  der  Eichtig- 
keit  der  Beobachtungsreihe  zu  überzeugen,  verglich  ich  die  erhaltenen  Mo- 
natsmittel mit  denen  anderer  Orte,  insbesondere  mit  Wien,  Käsmark  und 
Pressburg,  wobei  ich  nur  unbedeutende  Abweichungen  in  den  Differenzen 
der  Barometerstände  der  verglichenen  Orte  fand,  wie  sie  bei  solchen  stets 
vorkommen.  Weit  geringer  sind  natürlich  die  Differenzen  in  den  Jahres- 
mitteln, wie  sich  aus  der  hier  folgenden  Zusammenstellung  ergibt. 


*)  ,\ls  selbstverständlich  ist  unter  Luftdruck  hier  steti»  der  auf  den  Null- 
punkt des  Thermometers  reducirte  Barometerstand  zu  nehmen,  sowie  auch  die 
Korrektur  auf  das  Normalbarometer  der  Centralanstalt  zu  Wien  stets  angebracht 
wurde. 


[S] 


Höhenraessungen    in   Oberungarn. 


Ol 


Tabelle  III.  Jahresmittel  dee  Luftdruckes  zu  Leutschau,  nebst  den  Differen- 
zen gegen  andere  Orte. 


1861 

1862 

1863 

1864 

1865 

1866 

Mittel 

Luftdruck    zu   Leutschau. 

315-57 

315-69 

315-99 

315-62 

315-90 

315-70 

315-74 

Unterschied  gegenK  ä  s  m  a  r  k 

f     2-38 

2-49 

2-50 

2-65 

2-78 

— 

2-58 

„               „     Krakau  .  . 

-  13-39 

13-67 

13-88 

14-23 

14-09 

13  77 

13-84 

»              «     Wien 

-    14-82 

14-41 

14-57 

14-61 

14-19 

14-21 

14-47 

„              „     Pressburg 

-   16-53 

16-24 

16-35 

16-27 

1601 

16-03 

16-24 

,              „    Debreczin 

-  16-71 

16-37 

16  62 

16-48 

16-09 

16-15 

16-41 

»              „     Ofen 

—  17-34 

17-05 

17-02 

17-07 

16-91 

16-70 

16-99 

Von  diesen  Orten  wurde  Käsmark  gewählt,  wegen  seiner  Nähe  und 
ähnlichen  Lage,  die  andern  als  meteorologische  Stationen  mit  genauen  Beob- 
achtungen, welche  Leutschau  in  einem  weiten  Ring  umgeben.  Sie  lieferten 
zugleich  Anhaltspunkte  zur  Berechnung  der  Seehöhe  von  Leutschau,  und 
stellte  ich  die  benutzten  Daten  mit  der  darauf  gegründeten  Berechnung  in 
folgender  üebersicht  zusammen. 

Tabelle  IV.  Berechnung  der  Seehöhe  von  Leutschau  durch  Vergleichung 
von  Barometerständen  nach  der  Gaussischen  Formel. 


Seehöhe 

Luftdruck 

Par.-Lin. 

Mittel 

Wärme 

Reaumur 

Mittel 

Höhen- 
unterschied 

gegen 
Leutschau 

.\bsolute  Höhe  von 
Leutschau 

Standort      Pflaster 
des        am  Corai- 
Barometers    tatshause 

Leutschau   ... 

Käsmark 

Krakau  

Wien 

Pressburg    

Debreczin     .    .    .    .    . 
Ofen 

1978-5 
682-5 
614-7 
465-5 
401-9 
404-4 

315-74 
313-19 
329-47 
330-21 
331-98 
332-15 
332  73 

5-76 

4-84 
6-26 
7-84 
8-28 
8-71 
8-96 

-  210-3 
rll07-8 
hll6&-8 
1-1311-7 
r 1324- 7 
f 1373-0 

1768-2 
1790  3 
1784-5 
1777-2 
1726-6 
1777-4 

1784-3 
1806-4 
1800-6 
1793-3 
1742-7 
1793-5 

Von  den  erhaltenen  Zahlen  der  letzten  Columue  weicht  die  für  Debre- 
czin erhaltene  soweit  ab,  dass  man  zu  der  Annahme  berechtigt  ist,  es  müsse 
die  Seehöhe  dieses  Ortes  nicht  ganz  genau  bestimmt  sein.  Die  Vergleichung 
mit  den  übrigen  Orten  liefert  Zahlen  von  befriedigender  Uebereinstimmung, 
doch  dürfte  es  nicht  gerathen  sein,  als  Seehöhe  für  Leutschau  ein  Mittel  aus 
ihnen  zu  nehmen.  Sie  mögen  nur  als  annähernde  ControUbestimmungen  für 
die  anzunehmende  Seehöhe  gelten.  Als  wirkliche  Seehöhe  für  Leutschau 
nehme  ich  einfach  die  aus  der  Vergleichung  mit  Vi^'ien  entnommene  Zahl. 
Es  wird  dies  um  so  mehr  geboten,  da  ja  die  Höhen  der  andern  Punkte  eben- 
falls erst  durch  Vergleichung  mit  Wien  erhalten  wurden.  Ich  nehme  mithin 
in  runder  Zahl  für  den  höchsten  Punkt  von  Leutschau  als  Seehöhe  die 
Zahl   1800  Wr.-Fuss. 


62  Karl  Rothe.  [6] 

Auf  diese  Zahl  beziehe  ich  nun  die  im  Folgenden  mitzutheilenden 
Höhenmessungen.  Die  correspondirenden  Beobachtungen  verdanke  ich  der 
Güte  mehrerer  Freunde  in  Leutschau,  insbesondere  des  Herrn  Gymnasial- 
directorsW.  Schubert,  der  auch  einige  von  den  Höhenmessungen  ausführte, 
die  ich  mit  den  meinen  hiev  aufführe  und  dem  ich  noch  überdiess  sehr  zu 
Dank  verpflichtet  bin  für  die  Erlaubniss,  von  seinen  Barometern  eines 
durch  eine  Reihe  von  Jahren  fortwährend  benutzen  zu  können.  Einige  corre- 
spondirende  Beobachtungen  notirte  Herr  Civilingenieur  F.  Fuchs,  andere 
Herr  med.  Dr.  A.  Hlavacsek,  welchen  Herren  sämmtlich  ich  hier  meinen 
herzlichen  Dank  ausspreche.  Die  Beobachtungen  zu  Leutschau  wurden 
während  der  Excursionen  mehrmals  täglich  noch  ausser  der  gewöhnlichen 
Beobachtungszeit  notirt,  so  dass  man  für  die  Interpolation  nur  kleine  Zwi- 
schenräume zu  berücksichtigen  hatte.  Wegen  der  verschiedenen  Lage  der 
Wohnungen  meiner  Freunde  benützte  ich  noch  die  in  Tabelle  I.  enthaltenen 
Korrekturen,  wie  aus  der  nun  folgenden  Uebersicht  meiner  Höhenmessungen 
ersichtlicht  ist. 

Einzelne  gelegentliche  Beobachtungen  über  Quellentemperaturen,  über 
besondere  Umstände  bei  den  Messungen  und  anderes  füge  ich  als  Anmer- 
kung bei.  Es  ist  wohl  kaum  nöthig,  daraufhinzuweisen,  dass  die  Barometer 
vor  und  nach  den  Excursionen  öfter  verglichen  wurden,  sowie  dass  auf  den 
Excursionen  selbst  die  möglichste  Sorgfalt  angewendet  wurde,  Fehlerquellen 
auszuschliessen.  Die  gebrauchten  Abkürzungen  sind  wohl  ohne  Erklärung 
verständlich.  Bei  der  Anordnung  bin  ich  von  Leutschau  ausgegangen  und 
nach  den  verschiedenen  Richtungen  wie  bei  den  Excursionen  selbst  vorge- 
gangen. 


[7J 


63 


Höheiimessungen   in   Ober  Ungarn. 

Anmerkung.  Die  Beohachfungsjahre  1860— 1S65  sind  in  der  Colutnne  dps  Datums  durch  einfache 
Ziffern  von  0— "i  bezeichnet ;  Tag  und  Monat  ist  durch  die  nehen  der  Jahreszahl  stehende  Bruchzahl  ange- 
deutet. Von  den  Tageszeiten  ist  Vormittags  durch  m.,  Mittags  durch  mi.,  Nachmittags-Abends  durch  a., 
angemerkt. 


Nr, 


0  r  t 


Beobachtungs-    Leutschau 


Datum 

V.  1861 
b.l865 


Barom    Thm. 


Gemessene 
Höhe 


Barom.   Thm 


5-a' 
W.  F, 


3  -^^ 
o 

W.  F 


W.  F. 


-3  2 
<^ 

W.  F. 
Mittel 


ßäuberwiese     .    .    . 

Knöpfchen,  ein  Fels) 
am  Wege) 

Koller's  Bienenhaus 


Bad  HöUo,  am  Tanz- 
platz 


07i. 

3"Ax 
523/4 

112/ 

Drathfabriki"   2''/4 


Galgenberg 


Marienbersr 


Katschelak    .... 

Brücke  u.  d.  Schiess-) 
platz   zu  Leutschau) 

Brücke     neben     der 


13  JRissdorf,  Pfarrhaus 
j 

14  |Burgerhof     .    .    .    . 
i 

15  Berg  Horbi  .    .    . 


Meierei  auf  d.  Wege! 
zur  Hölle  I 

Gehohi  (als  Kreuzb.] 
auf  Karten  bezeich-> 
net)  an  der  Pyramide) 

Gehohl,    zweite    be-) 
waldete  Spitze 


1  '2  . 
2'% 

1'% 

l'«/5 
1'% 

l'^/4 
l*'/4 

l^^/4 

l^^'8 

113/. 


1  a. 

11»  a. 

4"  5a. 
530  a 

6»«a. 

7  a. 

73»  a. 

3  a. 
S^öa. 
9  m. 

230  a 

l'>30mi 

4  a. 
4  a. 

93"  m. 

9'^  m. 
'•i  a. 

930  m. 
350a. 

3  a. 

4  a. 
41*  a. 

3S5a. 
3**a. 
420  a. 
4  a. 

11-5 

3  a 

lO^Om, 


319.39 

319.38 

319.24 
315.19 

315.57 
315.57 
315.57 

317.10 
309.0Ö 
318.56 

315.10 
313.98 
i{  18.82 
319.30 

3n.90 

317.24 

317.24 
315.04 

316,74 
315.04 

319  26 
315.23 
31566 

319.26 
315.24 
315.19 
315.66 

316.73 

317.61 

316.74 


7.5 

7.5 

6.6 
6.5 

17.0 
17.0 
17.0 

5.2 
6.2 
82 

1.7 
16.3 

6.0 
10.0 

14.8 

15.8 

16.0 
10.5 

16.5 
10.0 

7.0 

6.7 

185 

7.0 

7.0 

6.2 

18.5 

18.0 

-4.0 

17.0 


308.67 

308.80 

313.92 
309.75 

309.  ">  3 
:i09.ö3 
309.57 

314.10 
306.92 
315.48 

307.24 
306.11 
311.10 
31125 

313.47 

318.60 

316.28 
314.24! 

315.13 
313.21 

300.8  i 
296.84 
*i97  64 

300.10 
296.27 
296  21 
297.23 

310.49 

306  17 

309.(|7 


5.9    891 


5.8 

5.0 
6.0 

15.0 
14.0 
13.1 

4.6 
5.0 

8.0 

3-6 
13.8 

7.2 
9.0 

16.6 

15.8 

17.5 
10.8 

16.5 
99 

3.1 

3,0 

150 

4.8 
3.5/ 
3.1} 
150 

16.2 

-7.0 

17.0 


1048 

437 
453 


24ß 
228 
249 

629 
690 
638 
676 

124 

-117 

83 
68 

139 

154 

1.538 
1554 

1608 

1609 
1607 
1646 

545 

900 
613 


i2 

1-3 

-6 

r2 
•> 

r  •' 

:-2 

+  5 
4-2 

+-2 
1-2 

1-2 

-21 

t2 
,  2 


1-2 
+  2 
-6 


1-2 
-6 

-21 

-21 

1-2 


2693 


2850 


2239 
2255 


2048 
2030 
2051 

2434 
2492 
2440 
2478 


1885 
1870 

1941 
1952 

3340 
335K 
3402 

407 
3409 
3452 


2319 


^043 


,  ÜWI 


1926 


1662 


1877 


194C 


3:36t) 


■  3423 
5 

2324 
2679 
2420 


')  Beobachtet  von  Herrn  Direktor  Schubert. 
ä)  Vj  Heile  von  Leutschau.  *)  Trigonometrische  Messung 
obachtet  von  Herrn  Direktor  Schubert. 


2)     Beobachtet    von     Herrn     Direktor     Schubert. 
=    3372'.    ^j    Mittel  aus  5  Beobachtungen.  ')  Be- 


ß4 


[81 


Gemessene 
Höhe  I  s 

I ig  W 


Nr. 


Ort 


Beobachtungs 


Datum- 

V.   1316 

b.  iS6') 


Leutschau 


Barom.  Thm 


Barom. 


ü 

W.  F. 


CO  :o 

W.  F. 


W.F. 
Mittel 


46 

17 
18 

19 
20 

21 
22 

23 

24 
25 

26 

27 

28 

29 
30 


Höchster  Punkt  auf( 
dem  Wege  n.Toriskaf 

Toiiska,  Kirchthor 

Toriska,  Forsthaus 


Lavada      .... 
Gorg  an  der  Strasse 


Kolcs 

Nemessäu     .        .    . 

Kirchdrauf,  Wlrths-| 
haus   n.  d.    Kirche ( 

Kirchdrauf,  KaHeeh. 


Zips.  Schloss  höch-< 
ster  Punkt  des  Hofes) 

Zipser   Schloss,  am 
Hofthor 

Drevenik,  erst.  Gipfel 

„         letzt.     „ 
(vom  Schlosse  aus 

Wallendorf  .    .    .    , 


Dobra-volya      .    . 
Krompach, Eisenwerk 


1  'Ve 
l'Vo 


1»% 

»'% 
1'% 

1'% 

1^77 
41/ 

^  /8 

119/ 

1'% 
1'% 


o^Vx,: 

1^% 

l-^7, 

13«/, 

l*Vr 

IS 

1V8 


1115m. 
1135m 

12'°  mi. 

1  a. 
4'»«  a. 

6  a. 

730  a, 

95"m. 

2  a 

2^0  a, 

lO'V 

11^%. 
3"  a 

123"a. 
5-6  a. 

55'»  a. 

6  a. 

62"  a. 
6«"  a 


12mi. 
22«  a 

2  a. 


Mittel 

5  a 

7  m. 
7-*»  a. 

7-12m 

4  a. 
6-7m. 

5  a. 
630m. 

3  a. 


316.74 

17.3 

303.78 

14  6 

1139 

316.67 

16  7 

308.47 

158 

716 

316.65 

16.6 

308.26 

16.0 

316.64 

16.0 

307.98 

14.0 

744 

316.62 

15.0 

308.00 

13.8 

316.61 

14.6 

308.00 

12.4 

' 

316.61 

13.6 

307.32 

12.0 

800 

313.00 

-0.5 

317.53 

1  0 

-363 

316.73 

19.0 

320.30 

19.6 

-309 

316.66 

19.5 

319.69 

20.2 

-270 

312.95 

-2.5 

317,59 

-1.6 

-368 

312.80 

-0.8 

318.78 

-2.0 

-475 

316.49 

19.0 

321.87 

19  0 

-466 

31520 

28.0 

320.08 

22.0 

-436 

317.48 

18.0 

323.03 

18.0 

-477 

316.78 

19.0 

314  54 

19.0 

197 

316.78 

19.0 

31.5.64 

190 

100 

316.78 

19.0 

315.39 

17.5 

122 

316.78 

19.0 

315.36 

19.0 

127 

312.64 

0.8 

320.40 

-0.4 

-619 

314.80 

24.0 

321.55 

24.0 

-600 

314.90 

24.0 

321.00 

24.0 

-543 

321.23 

-0.4 

319.97 

1.2 

-708 

314.52 

21.0 

320.23 

21.8 

-678 

315.31 

12.3 

323.44 

12.2 

-682 

316.84 

130 

324.89 

14.0 

-676 

317.04 

13.8 

325.38 

11.5 

-697 

316.50 

18.9 

324.57 

18.9 

-696 

317.10 

11.8 

325.00 

11.0 

-683 

316.89 

20  0 

324  70 

20.0 

-676 

317.06 

12.6 

325  33 

114 

-689 

317.38 

19.0 

325.39 

18.8 

689 

+  2 
+  2 

+  2 

+  2 

+  5 
-6 

-6 

4  5 
-6 

t-2 
4-2 


1442 
1425 


1331» 
1328 

1366 
1325 


-6 
-6 


+  5 

+2 

+  2 

+  5 

+  2 
+  2 
+  2 
+  2 
+  2 
-h2 
+  2 
+  2 
+  2 


1916 
1921 


1186 
1202 


1097 

1124 
1120 
1126 
1105 
1106 
1119 
1126 
1113 
1113 


2941 
2518 

2546 

2602 

[u63 

1524 
1437 

>  1329 
>1345 

1991 
1894 

>1918 


1259 


1115 


-> 


')  Gewitter  mit  Regen. 
*J  10  Beobachtungen. 


m 


6S 


Nr. 


0  r  t 


Beobachtiiiigs- 


Datum 

V.  1861 
t.  1865 


Leutschau 


Barom.  Thm 


Gemessene 
Höhe 


Barom,  Thm. 


W.  F 


W.  F. 


W.  F. 


W.  F. 

Mittel 


Ladislaus,  Erbstol- 
len am  Eingange 

Slovinka,  Kirchthür 

Scala  (bei   Slovinka) 

Kapelle  im  Thal  zwi- 
schen der  Scala  u.  d. 
Kalmusgebirge 

Kalmus,  höchst.  Gipf. 

Kalmus  ,  Einsatte- / 
lung  des  Berges       ( 

Kalmus,  zweit,  Gipfel 

Aurelia,  Pochwerk   . 

Kalyava,  obere  sDorf-* 
ende  j 

Kalyava ,  Anhöhe) 
oberhalb  des  Dorfesf 


Szlatvina 

Szlubiza,  Gipfel  .    . 

Szlubiza,  letzte  Höhe) 
geg.  Cserna  Gora  zu) 

Richnau,  Brücke  ne-.' 
ben  der  Kirche        f 

Untere   Meierei  am) 
Wege    n.    Neudorf  / 


Palmsdorf  ,  Briickel 
12'  üb.  d.  Bach-Niv.C 

Neudorf,  Turnplatz 

„  Hernath-1 

brücke  auf  dem  Wege) 
nach  Rosenau  ) 

Schmögen,  ob.  Ende 

Höhe  zw  Neudorf  u. 
Hutta ,  durch  ein 
Thürmchenbezeichn. 


129, 

'      r 
12% 

12% 

129/ 

'      /7 

<  29 

1      /7 

130/^ 

i"v 

13V, 

2"/4 

276 


7  m. 
3*0  a. 

8  m. 
10  m. 

3  a. 

1  mi. 

l"mi. 

22«  a. 

42«  a, 

10^^,. 

IM  Im. 

1  nii. 

2»"a. 

4  a. 
7m 


7**m, 
8  m. 

8«  m. 

7«m 


315.48 
31t).ö8 

31S.54 

316.03 

316.67 

316.50 

316.55 

316.58 
316.69 

317.09 

317.13 

317.27 
317.12 

317.00 

316.89 

S  14.66 
316.20 
313.90 

31462 

314  58 
314.66 

314  51 

317.14 


13.3 

17.5 

13.4 
14.2 

17.9 

17.5 

18.0 

18.0 
16.7 

16.0 

16.4 

17.4 
21.6 

22.2 

2i.O 

7.0 
12.0 
10.0 

7  0 

8.0 
9.2 

8.0 

13.0 


32J.27 
322.50 

321.03 

300.32 

321.46 

303.75 
308  04 

316.21 

322.87 

317.22 

316.40 

321.71 
297.44 

306.01 

325  33 

318.67 

320.73 
318.06 

319.32 

318.92 
319,80 

318.03 

320.87 


13.0 
17.5 

13.0 

12.0 

17.0 

16.2 

14.1 

14,0 
17.0 

16.0 

16.0 

19.9 

20.0 

22.0 

21.0 

8.3 
12.0 

8.7 

9.8 

10  0 
112 

10.0 

15.8 


-489 
-500 

-464 

1372 

-416 

1125 

743 

«08 
-554 

-11.0 

63 

-389 
1767 

990 

-733 

-332 
-381 
-349 

-390 

-362 
-430 

-294 

-316 


r2 
r2 

+  2 

+  2 

+  2 

+  2 

-4-2 

+  2 
+  2 


+  2 

■f-2 
+  2 


-2 

+2 

+  2 

+  2 

•> 

;■   t^ 

-i-2 


1313 
1302 


1470 
1421 
1458 


13(> 

1338 
3174 

1386 

2927 

2545 

2710 
1248 

1791 

1865 

1413 
35(;9 

2792 
1169 


") 

1448 


I41i 


1440 


1472 


1508 


1478 


')  Es  fliesst  30'  tiefer  ein  Bach.  '■')StarkerWestwind,  •*)  3  Beobachtungen, 
beobachtet,  *)  20'  über  dem  Wasserspiegel. 


4)  Von  Herrn  Dir.  Sckubert 

9 


66 


[10] 


Nr. 


0  r  t 


Beobachtimgs- 


Daturo 

V.  1861 
b.  1665 


Leutschaa 


Barora.   Thm. 


Gemessene 
Höhe 


Barora.   Thm 


N    Cl 

W.  F. 


W.  F. 


W.  F. 


:5w 

W,  F 

Mittel 


Iglonutta,Wirthsh) 
zur  Johannisuütte   j 

Iglo  Hutta,  Wirths-* 
Iiaus  zur  Quelle      f 

Grötelberg,  a  Wege^ 
nach  Klcin-Hniletz> 
(Grube  Otto)  j 

Greinarberg,  Kreuz'i 
am  höchsten  Punkte! 
der  Strasse  zwischen( 
Gr.-  und  KL-Hniletz) 

Knollaberg,  Signal  . 

Gross- Hniletz  .    .    . 

Stangenberg.  Gipfel 

Rostockerth.  a.  Mar-< 
kus-Gabrielistolleu  j 

Kl.-Hniletz,  Wirthsh. 


2«V4 

27« 


2224 

2*% 


2'«/4 
223/4 

:2«V4 

022/ 

"      /4 
223/4 

223/4 

2"/4 
223/4 


6  a. 
8"m, 


12  mi 
5  a 


2  a. 
9  m. 


3-4 

6-9  ä. 
6-8  m 

1  mi. 

2  a. 
4^*  a. 


314.69 
314.16 

317.16 


314.72 
314.10 


314.72 
314.31 


314  63 

314.70 
314,39 

314.05 
313.84 
313.52 


10.2 
10.0 

13.1 


10.2 
11.0 


13.2 
10.0 


13.0 

10.0 
8.0 

11.2 
11.5 
12.7 


315.82 
31454 

318.27 


305.44 
304.3'i 


298.23 
297.66 


289.64 

311.42 
311.17 

300.58 
308.49 
305.47 


12.0 
ll.l 

16.9 


9.2 

10.8 


92 
9.0 


7.0 

8.9 
6.5 

9.6 
12,0 
11.0 


■101 
-32 

-95 


792 

842 


1398 
1439 


2194 

277 
269 

1164 
460 
65ß 


+  2 
-21 


+  2 
+-2 


+  2 

i-2 


-h2 

■r2 

+  2 

+  2 
+  2 

+  2 


1701 
1747 


2594 
2644 


3200 
3241 


2079 
2071 


1724 


1699 


■1619 


>3M0 


2 

3996 

>2075 

2966 
2262 

2458 


NB.  Daneben  wurde  noch  am  Eingange  verschiedener  Gruben  gemessen,  und  zwar  : 
Anna  =  2825';  Erailia  =  2717';  Unterer  Martinistollen  =  2626';  Oberer 
Martinistollen  =  2870';  Rinnengangberg  am  Kupferschacht  =  2823'. 


Marksdorf,    unteres» 
Ende  des  Dorfes     j 

Marksdorf,     oberes/ 
Ende,  Wirthshaus   j 

01sa,Einfl.  d.Kotter-) 
bachesi.  dieHemathj 

Kotterbach,  Jägerh. 

Untere  Josephigrube 

Am  Buchwald-Signal 

Bovacs,  Ende  gegen) 
Kotterbach  j 

Grube     Heiliggeist) 
auf  der  Halde         ( 


Kotterbach.Vereini- 
gung  d.  beid. 


Vereini-) 
l.  Thälerf 


i22'/^ 

i 
I2"/, 

2"/4 
2"/4 

22'/, 
2274 

2"/4 
2"/4 


9'öm. 
6«  6  a. 
10  m. 

lO^Om. 

12  mi. 

l»°-3  a. 

42»  a. 
43»  a. 
525  a. 


316.10 
315.36 

316.00 

31590 
315.79 
315.65 

315.53 
315.50 
315.44 


16.0 
15.0 

16.0 

18.0 
18.1 
21.4 

20 
15.8 
15.0 


322.42 
320.S3 

322.29 

318.83 
310.65 
296.06 

309  33 
312.31 

318.88 


16.0 
15.0 

16.8 

20.0 
18.4 
17.8 

20 
15.8 
15.0 


-540 
-441 

-538 

-257 
452 

1776 

551 

277 

-294 


+  2 
+  2 

+  2 

+  2 

+  2 
+  2 

+  2 
+  2 
+  2 


1262 
1361 

1264 

1545 

2254 

*) 
3578 

2353 
2079 
1508 


')  Von    hier   ein    Fussweg    auf  den  Knollaberg.  *)  Trig.  Messung  =  3946'.  *)  Je  .>  Beobachtungen. 
*)  Ausbeissen  des  Erzganges.  *)  Trig.  Mass  ;=  3550'. 


[11] 


67 


Nr. 

0  r  t 

Beobachtungs- 

Leutschau 

Gemessene 

N     0 

S.S 

W.  F. 

0 

0 
W.  F. 

'S  2 
W.  F. 

W.  F. 

Mittel 

Datum 

V.  1861 
b.  1865 

9i 

Höhe 

s 

Barom. 

Thra. 

Barom. 

Ihm. 

68 

Donnersmarkt,    ob.] 
Ende  (an  einer    al-> 
ten  Pappel)             ) 

177 

8ä»m. 
6*»a. 

ll"m. 

313.63 
312.95 
317.22 

16.0 
18.1 
20.0 

314.32 
313.68 
317.85 

15.4 
17.1 
21.4 

-60 
-64 
-55 

+  2 

+  2 

-6 

1742 
1738 
1739 

>1740 

69 

Donnersm ,  Kirche  . 

2Ve 

12  mi. 

317.22 

20.0 

317.33 

20.0 

-9 

-6 

— 

1785 

70 

Donnersm.,  Wirths-i 
hausoberh.  d.  Dorfes) 

l'Vs 

2"/r 

11  ra. 
S"m. 

315.24 
315.67 

14.9 
14.3 

316.28 
316.77 

15.0 
14.2 

-89 
-94 

+  2 
+  2 

1713 

1708 

>1711 

71 

Widernik,  Kirche    . 

27« 

27« 

2  a. 

3  a. 

317.19 
317.19 

20.0 
20.0 

315.98 
316.15 

19.2 
19.2 

106 
91 

-6 
-6 

1900 
1885 

>189« 

72 

Kapsdorf,  Wirthsh.) 

i7, 

1% 

2*V6 

10  m. 
5*0  a. 
2  mi 

313.40 
312.90 
314.32 

14.1 
19.1 
19.6 

314.11 
313.51 
315.42 

18.7 
19.0 
20.0 

-64 
-53 
-97 

+  2 

-r2 

-6 

1738 
1749 

1709 

>n30 

73 

Kapsdorf  a.  d.  Kirche 

218/j, 

9-10  m. 

315.72 

15.2 

317.34 

15.9 

-139 

+  2 

1663 

1663 

74 

Klasstorisko,  Ruine 

17r 

l"mi 

313.10 

21.8 

306,52 

17.0 

589 

+  2 

— 

2391 

75 

dto.   Quelle  daneben 

IVr 

14*  mi 

313.10 

20.7 

306.73 

19.0 

562 

+  2 

— 

2364 

76 

dto.    Berggipfel 

1% 

3^"  a. 

312.81 

20.7 

300.98 

18.3 

1059 

+  2 

— 

2861 

77 

Die  Glatz,  Waldhe-) 
gerhaus                    j 

2«V7 

11  m. 
11  m. 

314.85 
317.50 

15.6 
18.5 

300.17 
303.11 

15.6 
18.5 

1300 
1280 

-6 

4-2 

3094 
3082 

>3088 

78 

Hernathbrücke,    am| 
Eintritt  des  Flusses> 
in  die  Schlucht       ) 

IVr 

1% 

ll*V. 
42«  a. 

313.21 
312.87 

20.0 
19.8 

314.57 
314.21 

19.8 
21.4 

-120 
-119 

+  2 
+  2 

1682 
1683 

>1682 

79 

Bethlenfalu  .... 

2»% 

11  m. 

315.77 

15.2 

317.54 

15.2 

-152 

+  2 

- 

1650 

80 

Kastell  Schawnik    . 

27« 

4  a. 

317.20 

20.0 

318.17 

17.3 

-84 

-6 

— 

1710 

81 

Schawnik,  Kirchhof 

27« 

2% 

420  a. 
11^%. 

317.20 
315.80 

20.0 
15.7 

317.17 
316.39 

20.0 
16.3 

+  3 
-51 

-6 

+  2 

1797 
1751 

>1774 

82 

Drawez,  Kirche   .    . 

17s 
21% 

2"  a. 
8m. 

316.30 
315.64 

24.0 
13.8 

313.65 
313.33 

22.0 
13.0 

237 
215 

+  2 
-J-2 

2039 
2017 

>2028 

83 

Machelsdorf.   unter.) 
Ende  des  Dorfes     ) 

17b 

3=*»  a. 

316.30 

23.8 

316.00 

23.0 

27 

-t-2 

— 

1829 

7 

1929 

84 

St.  Andräs,  Sauerbr. 

1% 

4  a. 

316.31 

23.5 

314.88 

19.8 

127 

+  2 

— 

85 

Kissocz,  Brücke  .    . 

l'Vs 

10  m. 

315.21 

14.2 

314.82 

15.1 

33 

-t-2 

- 

1835 

86 

Ganocz.  Kirche   .    . 

l"/8 

10»%. 

315.23 

14.6 

314.97 

18.6 

22 

+  2 

— 

1824 

87 

Hosselecz     .... 

IVs 

4*5  a. 

316.22 

22.5 

311.91 

18.8 

382 

+  2 

— 

2184 

88 

Teufelskopf,  höchst.) 
Punkt  der  Strasse  ) 

276 

9"m. 

317,24 

14.0 

300,22 

15.2 

1495 

-6 

— 

3289 

')  10'  oberhalb  des  Wasser».  *)  Der  Sauerbrunnen  zeigt  8"  R, 


s» 


68 


\{m 


Nr, 


Ort 


Beobiiclituiigs- 


Datum 

V.   i8i;i 

b.  I8i;5 


Leutsckau 


ßarom. 


Thiu 


Gemessene 
Höhe 


Baroin.   Tliin 


M  ri 

W.  F 


W.  F 


W.  F 


W.  F. 
Mittel 


89 


90 


91 


92 


93 

94 
9ä 

96 
97 

98 

99 

100 

toi 

102 

1(»3 
104 

105 


Hohofen-Dobscliau- 
Göllnitz 


Dobschau,  unt.  Ende» 
der  Stadt  f 


Dobschau,  Stadtb. 
Dobscbau,  Hohofen 


Csuntawa,  höchster/ 
Punkt  der  Strasse  ) 

Csuntawa,  Wirthsb. 

Langenberg,  Was-) 
serscbeide  zwischen) 
Göllnitz  und  Sajo   ] 

Wasserscheide  zw.] 
Göllnitz  und  Gran  j 

iStraczena,  Wirthsb. 


Rabenstein ,    Hütte 
auf  demselben 

Periodische  Quelle  . 

Patzmannshütte  ,    . 

ßabenseifen     .    .    . 

Grenitz,  E.  d.  Dorf./ 
gegen  d.  Königsberg  j 

Grenitz,  M.  d.  Dorfes 

Grenze  der  Zips  aufJ 
der  Strasse  j 

Vertär  .    .    .    ,  j.    . 


2'/« 

919 

*     /7 

2"/6 

2% 

27f. 
2Ve 
2"*e 

2'V6 

2Ve 

2-7, 

2^% 


2".,  8»''m 


12  mi 

9  m. 
75*  m. 

7  m. 

12  mi 

7  m. 
2mi 

b  a. 
Mittel 
3  m. 

10  a. 
Mittel 
()3t>m. 

73'>m. 

7^"  a. 

7  a. 


27b 
2=7, 

29/^ 

227,7 


'>9/ 

"^   /b 

27e 

2^77 

2^7, 

27o 

21»/, 


27« 

277 


3(7.22 
313.00 
316.13 

313.41 

316.03 
3!  6.73 
Si6.03 

317.22 
317.49 
316  66 
313  38 
313.21 
313.41 

316.30 
316.04 

316.04 


315.19 


9^"'ni.  316.40 
316.04 


12  mi 
3*»  a, 
6  m. 
9  m. 

l*"mi 

2-4 

8  m. 

9  m. 

5  a. 
12  mi 

6^'»  a. 
l-2mi 


20.0 
13.6 
14.2 

12.0 

18.0 
13.4 
21.6 

18.0 
19  3 
12.0 
17.0 
13.8 
10.8 

17.1 
16.3 

17.3 


310.02 
307.84 
309.10 

319.72 

320.83 
321.33 
320.49 

318.43 
318.91 
318.02 
316.73 
316.4;^ 
316.80 

295.19 
294.47 

296.78 


«76 
13.6 
(3.0 

13.6 

170 
13.4 
al.6 

17.0 
18.2 
12.0 
140 
16.2 
9.8 

17.1 
13.3 

14.9 


816  r. 
313.60 
316.13 
317.60 

316.00 

315.84 
316.13 
31615 

317.21 

315.83 

317.22 

317.25 
315.90 


14.0 

19.0 
16,3 

20.0 
20.0 
12.0 
17,2 

23.0 

23.2 

4.2 

16.0 

19.0 

17.0 

18.0 

18.0 
17.4 


304.87 

301.72 
300  89 

308.48 
307.64 
308.27 
309.98 

293.52 

30291 
309.6J 
310.23 

315.60 

313.08 

312.20 


13.6 

17.2 
13.2 

20.0 
17.6 
110 
16.2 

18.2 

18.9 
14.2 
16.0 

18.3 

17.0 

15.0 


')  n  Messungen.  *)  5  Messungen.  3)  4.  Beobachtungen. 


210.23  15  6 
3U9.12  13.5 
t 


634 
62ü 
608 

-364 

-414 

-388 
-392 

-106 

-123 

-11 

-116 

-105 

-117 

1911 
1917 

1718 


899 

1308 
1332 

679 
706 
ö59 
665 

1866 

1167 
565 
515 

140 

65 

435 

612 
593 


-6 
-6 

t2 


2428 
2420 
2410 


1430 


1388 
1414 
1410 

1688 
1671 
1679 
1678 
1689 
1679 

3703 
3719 


'1681 


3320 


2693 


-6 

-r2 


3102 
3134 


.^3.1 


-6  2473 


-6 

-T-2 

-6 

-6 

+  2. 
+  2 

-6 

+  2 
-6 


2500 
2461 
:i46; 


3660 

2961 
2367 
2317 

1934 

ise-; 

2229 


2406 
>395 


2400 


[13] 


69 


Nr. 

0  r  t 

Beobiiclituiigs- 

Leutschau 

Gemessene 

ä5 

W.  F. 

Oatiim  ;     -^ 

Höhen 

L/  ll  1 1 1 1 1 1    1           ^^ 

V.  1801  1      5 

b.  ISlJ.^i     55 

Baroia. 

Tlun. 

Barom.    Tlun 

3-; 

W.  F. 

0 

0 

W.  F. 

W.  F. 

106 

Popova,    höchster  ( 

'-iVe 

S* "  a 

31737 

17.0 

30vy.42 

12.0 

1486 

/  -6 

3280 

, 

Puui-.t  der  Strasse  J 

2»^, 

420  a. 

315.88 

iöJ^ 

298.94 

13.2 

1495 

h-^ 

3297 

>  3'i88 

107 

Popova,   Gipfel  desi 
Berges,    nahe    deml 
vorigen  Punkte        j 

2  t«/, 

4  a. 

315.88 

16.0 

298.30 

13.2 

1553 

+  2 

3353 

/ 

2'/6 

Öu.lOii. 

317.45 

16.2 

305.81 

15.2 

1033 

-6 

2827 

i 

'■iVe 

5  m, 

317.93 

12.0 

30536 

8.2 

1087 

-6 

2881 

108 

Pusta  Polya  .    .    .  ) 

27« 

10  m. 

316.30 

19.0 

305.44 

9.0 

9ü6 

-6 

2760 

■  ZSöö 

\ 

2'«, 

5  a. 

315  88 

16.1 

317.71 

15.2 

1065 

-f-2 

2867 

\ 

2^V. 

6*"m. 

317.85 

133 

305.79 

8.0 

lOöti 

r2. 

294ü 

109 

Am  spitzigen  Stein, ) 
Grenze  zwisch.  Doh-i 
schall  und  Vernär    j 

'^"U 

lo^^M. 

316.20 

18.6 

306.39 

18.3 

8{;9 

-6 

2663 

ilO 

Grensp.    zw.     Zips,( 
Liptiiu  und  Gömörj 

•^/. 

7  m. 

317.99 

16.5 

2  7.85 

14.Ü 

2709 

-6 

— 

4503 

111 

Gr.  d.  Baumwuchses,] 

•) 

auf  d.  Wege  v.  I^usta> 

2^'6 

7^0  m. 

317.95 

17.4 

285.10 

13.6 

2967 

-ö 

— 

4761 

Polya  z.  Königsberg) 

Z\ 

112 

llauptqu.  d.  Güllnitz 

2^•o 

83"  m. 

317.85 

18.0 

280.84 

14.0 

3376 

-6 

- 

5170 

113 

Obere    Grenze     des/ 
Krummholzes            ) 

^\ 

9' 5  m. 

317  80 

19.U 

276.48 

14.0 

3807 

-6 

— 

5601 

114 

Königsberg,  felsiger) 
Gipfel                        J 

2»/ 

t0'»,„. 

317.72 

20.4 

270.75 

14.2 

*390 

-0 

6164 

>(;i8i 

2-,, 

2-3mi 

310.80 

163 

408.93 

S.i) 

4387 

1-2 

6189 

115 

Königsb.,  trig.  Sig-( 

276 

10  m. 

317.72 

20.4 

270.82 

12.9 

4370 

-6 

6164 

,     ') 

ual  (Kralowa  hola)  j 

2^^/, 

33"  Uli 

316.80 

16.3 

268.80 

10.0 

4412 

+  2 

6214 

,  618S.I 

116 

Kruramhüiz,  obere  ) 
Grenze  geg.  Zlatno) 

28 

11  m. 

3ir.50 

23.0 

277.15 

15.0 

37b9 

-6 

— 

5563 

117 

Baumgrenze ,    über-( 
halb  Zlatno               ( 

2^/0 

i2  mi 

317.50 

23.0 

289.20 

17.0 

2595 

-ü 

— 

4389 

i 

2^6 

2-6  a. 

317.04 

22.0 

311.31 

20.1 

509 

-6 

2303 

118 

Zlatno     bei     Poho- \ 
rella,  im  Hause  des 
Herrn      Verwalters 
Schab  lik                     j 

2'»/o 

2^'/ 7 

ti^»m 

^'•°-ü   .1. 

Mittel 
Mittel 
Mittel 

316.04 
314.94 
31Ö.75 
;;15  38 
317.60 

19  ö 
17.0 
14.8 
14.3 
14.0 

308.40 
309.35 

310.88 
309.91 
31!, 80 

19.4 
15.0 

14.5 
12.8 
13.4 

511 

488 
507 
472 
497 

-6 

1-2 

1-2 

2303 

2290 
2309 

2274 
2299 

) 

22«,, 

6  a. 

3  i  7.88 

20.8 

312.18 

18.0 

502 

-f2 

2304 

1 

119 

Pohorella    .    ,    .    .  ^^ 

2^V. 
22% 

2  mi 
6*"  m. 

315.37 
316.57 

20.2 
1O.4 

311.15 
312.26 

17.4 
9.6 

372 
321 

+  2 

r2 

2174 
2123 

>:i148 

120 

ßothenstein    •    •    •  ] 

220/e 

8^0ni. 
7  a 

31640 
317.87 

19.0 

18.4 

308.41 
309.78 

19.4 
18.4 

708 
711 

-6 

r2 

2502 
2513 

/-2508 

')  Gemessen    aix    eiuer  verkrüppelten   Fichte.  -)  Eine  kleinere  Quelle  uock  etwa  30'  hölier.  *)  Trigo- 
nometrische Messung  =  6144. 


70 


[14] 


Nr. 

0  r  t 

jßeohachtungs- 

Leutschau 

Gemessene 

W.  F. 

U     Vi 

O 
W.  F. 

-4  <p 

W.  K. 

W.  F. 

Mittel 

Ddtuin 

V.  1861 

b.  18^-1 

Höhe 

Barom.   Thra. 

ßarom. 

Thra. 

121 

Teigart  ,    Wirthsh.) 
im  oberen  Dorfe     ) 

2«e 

9  m. 
8  a. 

316.36 
317.87 

19.4 
18.0 

305.25 
306,60 

18.8 
16.0 

989 

984 

-6 

+2 

2783 
2786 

>2785 

i22 

Quelle  der  Gran     . 

276 

Q^^m. 

316.40 

19.4 

303.68 

18.8 

1135 

-6 

— 

2929 

123 

Baumgrenze,  ober-  ) 
halb  Pehorella         ] 

2-^% 

9*0  m 

316.70 

12.0 

282.90 

7.2 

2985 

^2 

— 

4787 

124 

Noch  eine  1 2' h. Pichte 

Ä»% 

10  m. 

316.75 

12.0 

280.53 

8,0 

3219 

+2 

— 

5021 

125 

Vereinzelte  strauch-; 
artige  Fichte           J 

22- 

lO^m. 

316.75 

12.0 

278.55 

8.0 

3407 

-j-2 

— 

5209 

126 

Adlerspitze  .... 

2'% 

12  mi 

316.80 

14.0 

272.47 

11.0 

4043 

+  2 

— 

5845 

127 

Krummholz ,    obere) 
Gr.  oberh.  Sumjär  ) 

2^V. 

3*0  a. 

316.80 

16,0 

276.10 

lO.O 

3697 

+  2 

— 

5499 

128 

Obere    Baumgrenze) 
daselbst                    f 

2^% 

4  a. 

316.80 

16.0 

281.81 

11.4 

3157 

+  2 

— 

4959 

129 

Sumjär,    Wirthshaus 

2^% 

6-7  a. 

316.80 

14.0 

305.46 

12.3 

981 

+  2 

— 

2783 

130 

Murany,  Schlossruine 

225/7 

11-1  mi 

317.35 

16.0 

304.18 

133 

1148 

+  2 

— 

2950 

131 

Waldhüterwohnung ) 
daneben                    ) 

2"/7 

2^0  mi 

317.50 

174 

307.56 

15.5 

869 

+  2 

— 

2671 

132 

Meierei  z wisch.  Mu-( 
rany  und  Zlatno      ( 

2";'7 

3  a. 

317.50 

17.4 

306-36 

14.0 

973 

+  2 

2775 

')  Meist  schon  strauchartige  bäume. 


V.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  geologischen  Verhält- 
nisse der  Umgegend  von  Raibl  und  Kaltwasser. 

Von  D.  Stur. 

Mit  einer  geologischt-n  Karte  und  mehreren  Durclisohnitten.  (Taf.  I.  n.  II.) 

(Vorgelegt  in   der  Sitzung  am  4.  Februar  1868.) 


So  oft  ich  an  irgend  eine  noch  so  kleine,  die  Gliederung  unserer  Trias- 
gebilde betreffende  Arbeit  schreite,  erinnere  ich  mich  stets  dankbar  und  mit 
vielem  Vergnügen  an  die  im  Sommer  1865  ausgeführte  Reise  in  die  angrän- 
zenden  deutschen  Länder,  während  welcher  ich  vielfach  Gelegenheit  hatte, 
unter  andern  Studien,  auch  mehrere  die  Feststellung  des  Horizontes  unseres 
Lunzersandsteins  bestimmende  Daten,  insbesondere  zu  Basel,  Stuttgart  und 
Würzburg  zu  sammeln. 

Die  örtlich  so  verschiedene  und  mannigfaltige  Entwicklung  unserer 
Trias  bringt  es  mit  sich,  dass  nur  in  einem  sehr  kleinen  Theile  unseres  Ge- 
bietes der  Lunzersandstein  vorhanden  ist:  in  den  nordöstlichen  Alpen.  An  vielen 
anderen  Punkten  ist  dieser  Horizont  wegen  etwas  abweichender  Entwicklung 
nur  schwierig  nachzuweisen  und  sicherzustellen,  oder  er  fehlt  als  solcher 
ganz,  und  es  treten  an  seiner  Stelle  Ablagerungen  auf,  die  petrographisch  und 
in  Bezug  auf  Führung  von  Versteinerungen  gänzlich  verschieden  sind.  So 
grosse  Hilfe  daher  wohl  der  Horizont  des  Lunzersandsteins  bei  der  Gliede- 
rung der  alpinen  Trias  und  der  Vergleichung  dieser  mit  ausseralpinen  Trias- 
gebilden leistet,  ist  doch  das  Gebiet  desselben  verhältnissmässig  so  klein, 
dass  der  Wunsch,  diesen  Horizont  auch  für  andere  Gegenden  auszubeuten, 
sehr  natürlich  erscheint.  In  dieser  Richtung  hat  man  wohl  das  Hangende  des 
Lunzersandsteins  zunächst  als  werthvoll  erkannt  Ich  habe  vorzüglich  auf 
die  Liegendschichten  des  Lunzersandsteins  meine  Hoffnung  gestellt,  weil  die- 
selben bei  ganz  gleicher  petrographischer  Entwicklung  in  den  Südalpen  so- 
wohl, als  in  den  Nordalpen,  als  Weijgerschiefer  auftreten  und  dieselben  Pe- 
trefacten  führen  —  und  überdiess  an  den  Orten  der  verschiedensten  Entwick- 
lung unserer  Trias  wie  in  St.  Cassian,  zu  Raibl  und  auch  in  den  nordöstlichen 
Kalkalpen  vorhanden  sind. 

Der  innige  Zusammenhang  der  Wengerschiefer  mit  den  weiter  im  Lie- 
genden vorkommenden  Reiflingerkalken,  deren  Ammonitenfauna  ebenfalls 
im  Norden  und  Süden  der  Centralkette  erwiesen  ist,  das  Mitvorkommen  der 
Betzia  trigonella  in  den  Reiflingerkalken,  wie  aus  der  schönen  Suite  der 
Reiflingerkalke  im  Züricher-Museum  hervorgeht  —  hat  die  Wichtigkeit 
des  Horizontes  von  Wengen  nur  noch  vermehrt. 


72  D.  Stur.  [2] 

Es  war  daher  natürlich,  tlass  ich  nach  meiner  Eückkehr  von  der  Reise 
sehnlich  wünschte,  auch  das  mir  bis  dahin  noch  nicht  näher  bekannt  gewe- 
sene Raibl  zu  sehen.  Herr  Hotrath  Ritter  v.  Haidinger,  damals  Direk- 
tor unserer  Anstalt,  wusste  die  nöthigen  Mittel  herbeizuschaffen  und  ich 
ging  mit  frohem  Muthe  neuen  Studien  entgegen:  über  das  Hangende  des 
Lunzersandsteins,  die  Eaiblerschichten  und  über  das  Liegende  desselben,  den 
Wengerschiefer  von  Raibl,  welche  beide  hier  einen  Reichthum  an  Fossilien 
darbieten,  wie  an  keiner  andern  Stelle. 

Da  schon  damals  die  zwei  verschiedenen  Niveaux:  der  Myophoria 
Kefersteini  und  der  Corhula  RostJwrni,  durch  Bergrath  Fötterle  festge- 
stellt waren,  aus  dem  Wengerschiefer  ein  prachtvolles  Material  in  unserem 
Museum  vorlag,  konnten  es  nicht  die  stratigraphischen  Verhältnisse  allein 
sein,  die  meine  ganze  Aufmerksamkeit  in  Anspruch  nahmen.  Allerdings 
waren  die  Faunen  der  ersterwähnten  zwei  Horizonte  nicht  mit  wünschens- 
werther  Genauigkeit  getrennt  worden,  und  lagen  insbesondere  über  die, 
zwischen  dem  Wengerschiefer  und  den  Raiblerschichten  gelagerten  Schichten 
keine  eingehenderen  Daten  vor.  Was  mich  nebstdem  insbesondere  interes- 
sirte,  war  vorzüglich  das  Lagerungsverhältniss  des  Wengerschiefers  zu 
dem  erzführenden  Kalke  von  Raibl,  und  ferner  das  des  erzführenden  Kalkes 
zu  jenen  Gebilden,  die  als  schwarze  Kalke  und  Werfenerschiefer  nördlich 
von  Kaltwasser  angegeben  wurden. 

Ich  konnte  nämlich  die  palaeoutologischen  Daten  über  den  Wenger- 
schiefer von  Raibl  nicht  in  Einklang  bringen  mit  den  Daten  über  dessen 
Lagerungsverliältuisse  zum  erzführenden  Kalke  des  Königsberges.  Es  war 
mir  damals  schon  klar,  dass  nach  den  Angaben  von  v.  Richthofen's  aus 
der  Umgegend  von  St.  Cassian,  unter  dem  Wengerschiefer  kein  so  mäch- 
tiges Kalklager  zu  erwarten  sei,  wie  das  des  erzführenden  Kalkes  von  Raibl," 
welches  von  älteren  Beobachtern  auf  iSOO  Klafter  Mächtigkeit  geschätzt 
wurde,  und  dass  somit  auch  hier  eine  Täuschung  vorliegen  müsse,  wie  die  es 
war,  welche  dieGosaugebilde  in  der  neuen  Welt  als  älter  erscheinen  Hess  als 
den  Alpenkalk,  wie  jene  Lagerung  bei  Lienz,  welche  den  Glimmerschiefer 
von  den  Adnetherschichten  und  Fleckenmergela  unterlagert  darstellt  und 
andere,  ohne  dass  desswegen  die  unterlagernden  Schichten  auch  in  der  That 
älter  wären  als  die  überlagerten. 

Es  kostet  keine  besondere  Mühe  über  die  stratigraphischen  Verhält- 
nisse der  Umgegend  von  Raibl  in  kürzester  Zeit  hinreichende  Klarheit  zu 
erlangen  —  man  hat  eben  Aufschlüsse  ganzer  Gehänge  und  Gebirgsrücken, 
nackt  vor  sich.  Auch  gelingt  es.  insbesondere,  wenn  auf  den  Hauptpunkten 
lange  nicht  gesammelt  worden  war,  ein  Material  aus  jeder  einzelnen  Schichte 
bald  zusammzutragen,  welches  lünreicht,  die  Fauna  derselben  ganz  ein- 
gehend zu  gliedern,  denn  das  rauhe  Klima  der  Gegend  erhält  die  Aufschlüsse 
stets  offen  und  nagt  beständig  an  ihnen.  Doch  überzeugt  man  sich  sehr  bald, 
dass  eben  in  Bezug  auf  die  Lagerungsverhältnisse  der  grossen  Gruppen,  die 
Aufschlüsse  bei  Raibl  selbst  nicht  hinreichen  um  vollständige  Klarheit  zu 
bieten.  Obwohl  beladen  mit  einer  Sammlung  von  Petrefacten,  die  manches  Neue 
enthielt  und  vereinigt  mit  der  alten  Sammlung,  gewiss  eine  der  schönsten  und 
vollständigsten  über  Raibl  ist,  kehrte  ich  doch  unbefriedigt  am  Ib.  September 
vonRaibl  zurück,  nachdemich  die  Tage  vom  7.  — 13.  September  1865  zu  Ex- 
cursionen  daselbst  verwendet  hatte, stets  die  Hoffnung  nährend,  wieder  nach 


[3j  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol.  Verhältn.  der  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.  7S 

Kaibl  und  in  die  Gegend  westlich  davon  kommen  und  meine  Beobachtungen 
vervollständigen  zu  können. 

Die  Sammlung  wurde  allsogleich  geordnet  und  die  Bestimmung  jener 
Arten,  die  gemeinschaftlich  sind  mit  St.  Cassian,  von  Herrn  Dr.  Laube,  dem 
genauen  Kenner  der  Fauna  dieser  Localität,  freundlichst  vorgenommen. 
Dann  wurden  das  höhere  Niveau  der  Raiblerschichten  als:  „Opponitzer- 
schichten,  Niveau  der  Corhula  Bosthonii,  Keuper,  (Corbulaschichten  v. 
Alberti's)*'  —  das  tiefere  Niveau  als:  „Raiblerschichten,  Niveau  der  Myo- 
phoria  Kefersteini,  Lettenkohle  (Grenzdolomit)"  mit  gesonderten  Faunen 
zur  Schau  in  unserem  Museum  ausgestellt  und  die  übrigen  Funde  in  der 
Schubladensammlung  der  Benützung  übergeben. 

Im  Herbste  1 867  war  Herr  Prof.  S  u  e  s  s  in  Raibl  und  die  Resultate 
seiner  Untersuchungen  daselbst  sind  im  XVIL  Bd.  1867,  p.  553  unseres 
Jahrbuches  niedergelegt.  Es  ist  meiner  Saumseligkeit  zuzuschreiben,  dass 
in  dieser,  wie  gewöhnlich  glänzenden  und  gewiss  sehr  hoch  anzuschlagenden 
Arbeit,  die  Hauptfrage  von  Raibl,  nämlich  das  Verhältniss  des  Wenger- 
schiefers  zum  erzführenden  Kalke  und  zu  den  Tuffschichten  von  Kaltwasser 
keine  weitere  Fortschritte  gemacht  hat;  dameine  Zweifel  über  die  übliche  Auf- 
fassung dieses  Lagerungsverhältnisses  nicht  veröffentlicht  wurden.  Ich  will  den 
begangenen  Fehler  hiemit  nachholen  und  auch  die  übrigen  Daten,  die  ich 
sammeln  konnte,  dem  wissenschaftlichen  Publikum  übergeben,  hoffend,  dass 
dieselben,  gestützt  auf  eine  reiche  und  sorgfältige  Aufsammlung  der  Vor- 
kommnisse von  Raibl,  auch  heute  nicht  veraltet  sind  und  beim  Wiedorbe- 
suche  von  Raibl  sowohl,  als  auch  bei  vergleichenden  Studien  über  die  Trias 
in  und  ausser  den  Alpen  als  brauchbare  Zugabe  benutzt  werden  können. 

Da  die  Literatur  über  Raibl  in  oben  citirter  Arbeit  ausführlich  be- 
handelt ist,  kann  ich  unmittelbar  zur  Sache  schreiten,  und  erwähne  nur  noch 
der  verdienstlichen  Arbeit  von  Dr.  Gustav  Tscher mak^)  über  den  Raibler 
Porphyr,  in  welcher  in  sieben  verschiedeneu  Abtheilungen  die  porphyrischen 
Gesteine  des  Raiblerthales  gebracht  und  beschrieben  sind.  Dieselben  sind 
sämmtlich  der  Kaltwasserer  Tuffschichtengruppe  entnommen. 

l.    Umgegeod  von  RaibL 

1.  Schichtenfolge  im  Durchschnitte  vom  Königsberg  durch 

die  Schartenklamm,  den  Rinngraben  oder  Kempferbach  zum 

oberen  Loch  und  aufs  Alpl,  im  Westen  bei  Raibl. 

(Siehe  den  Durchschnitt  auf  Taf.  I.) 
Da  in  Raibl  nur  ein  einziger  Fundort  der  Myophoria  Kefersteini  auf 
der  Scharte  nämlich  bekannt  ist,  so  ist  es  natürlich,  dass  auch  ich  zuerst 
dem  Westgehänge  des  Raiblerthales  meine  Aufmerksamkeit  zugewendet  habe. 
Gerade  im  Orte  Raibl  mündet  von  Westen  her  in  das  Hauptthal  ein  Seiten- 
thal, der  Rinngraben  oder  der  Kempferbach.  Etwa  300  Klafter  von  seiner 
Mündung  gabelt  sich  dieser  Bach  in  zwei  Arme.  Der  eine,  die  Schartenklamm 
ist  tief  in  das  Südgehänge  des  Königsberges  eingerissen,  mit  einer  nordsüdlichen 
Richtung ;  der  andere  Arm  bildet  die  Fortsetzung  des  Kempferbaches  zur  Scharte 
hinauf  und  erhält  einen  ebenfalls  sehr  tief  eingerissenen  Zufluss  von  Süden  her, 
von  den  Gehängen  des  Alpls.  Der  letzterwähnte  ZuHuss  mit  seiner  südnörd- 
lichen Richtung,  und  die  Schartenklamm,  bilden  zusammen  einen  natürlichen 


*)  Sitzangsbcr.  d.  k.  Akademie.  Sitzung  am  19.  Oct.  18ÖS. 

Jaarbuch  der  k.  k.  geologischeu  ReicliBanstalt .  1868,  18.  Band  1.  Heft.  ^" 


74  D.  Stur.  [4] 

Durchschnitt,  der  fast  Schritt  für   Schritt  alle  Schichten  des  Gebirges 
entblösst. 

Der  Lehrer  Tronegger  führte  mich  zum  Fundorte  der  MyopJtoria 
Kefersteini,  und  wir  schlugen  den  Fussweg  ein,  bei  der  Oberhutmannswoh- 
nung  vorüber,  auf  das  rechte  Gehänge  des  Kempferbaches,  steil  aufwärts,  über 
zwei  kleine  Wiesflächen  hinauf,  in  die  Gegend  des  unteren  Loches.  Unmittel- 
bar hinter  der  Wohnung  des  Oberhutmanns  am  Südfuss  des  Königsberges, 
sind  die  obersten  Schichten  des  Wengerschiefers  entblösst,  darin  eine 
auffallende  breccienartige  Schichte,  ausgezeichnet  durch  weisse  Reste  von 
Schnecken,  Muscheln  und  Korallen.  Darüber  folgen  in  der  Bachsohle  und 
steil  aufwärts  bis  zum  ersten  Wiesfleck,  mit  südlichem  Einfallen  schwarze, 
plattige  Kalke  ohne  Versteinerungen.  Von  da  aufwärts,  mit  gleichem  Ein- 
falleu,  sind  dunkelgraue  plattige  Kalkmergel  mit  Zwischenlagerungeu  von 
grauem  Mergelschiefer,  ebenfalls  ohne  Versteinerungen  anstehend.  Bald 
darauf  wird  das  Ersteigen  des  Gehänges  sehr  mühsam,  indem  man  auf  einer 
wandartigen,  sehr  steilen  nackten  Fläche,  nur  in  den  hier  und  da  mehr  her- 
vortretenden Köpfen  der  einzelnen  Schichten,  Stützpunkte  zum  Aufwärts- 
schreiten findet. 

Das  steile  Gehänge  wird  gebildet  von  dünnschichtigen,  aussen  gelblich- 
grauen, innen  bläulichgrauen  Mergeln  und  Mergelschiefern  Einige  Schichten 
derselben  zeigen  eine  auffallende  Aehnlichkeit  mit  dem  Weugerschiefer.  Ich 
bemerkte  in  diesem  Schichtencomplexe  wiederholt  dünne  Mergelschichten 
mit  Sphaerosideritknollen,  die  sich  an  der  Luft  okergelb  färben  und  dann 
häufig  herausfallen.  In  der  hängendsten  Partie  dieses  Mergelschiefers  sind 
ziemlich  vollständig  erhaltene  Fische  nicht  selten  in  einem  Schiefer,  der  von 
dem  Wengerschiefer  nur  mit  Mühe  unterschieden  werden  kann.  Auch  eine 
Voltgia  fand  ich  als  seltene  Erscheinung  in  einer  sandigeren  Schichte. 

Nach  oben  wird  dieser  Mergelschiefer  begränzt  von  einer  etwa  fuss- 
mächtigen  Kalkraergellage,  die  das  unmittelbare  Liegende  jener  Schichten- 
reihe bildet,  die  durch  das  Vorkommen  der  Myophoria  Keferstelni  ausge- 
zeichnet ist.  Es  sind  diess  dickschichtige,  bläuliche,  gelbverwitternde,  feste, 
sehr  trockene,  4 — 5  Schuh  mächtige  Mergelbänke,  aus  welchen  die  genannte 
Myophoria  sehr  vollständig  und  mit  beiden  Klappen,  die  nur  selten  geöffnet 
sind,  herauswittert. 

Wenn  man  an  der  Basis  der  Myophorienbänke  stehend,  die  steile 
Waudfläche  aufwärts  blickt,  bemerkt  man  einen  kleinen  Vorsprung,  der  von 
härteren  und  festeren  Bänken  gebildet  wird.  Hat  man  auf  gefährlichen  Um- 
wegen diesen  Vorsprung  erreicht,  so  bemerkt  man  unmittelbar  unter  dem- 
selben eine  graue  schiefrige  Mergelschichte,  die  durch  die  weissen  oder  perl- 
mutterglänzenden Schalen,  der  darin  enthaltenen  Muschelreste  auffällt.  Das 
häufigste  Petrefact  dieser  Schichte  ist  der  Solen  caudatus  v.  H.  Nur  selten 
ist  die  Myophoria  Kefersteini,  und  auch  diese  zeigt  eine  sehr  wohlerhaltene 
weisse  Schale. 

Ueber  der  Solenschichte  folgt  der  schon  erwähnte  gesimseartige  Vor- 
sprung, gebildet  aus  härteren  Gesteinen,  die  der  Verwitterung  besser  als  die 
Darunterliegenden,  wiederstehen.  Die  unterste  Partie  des  Vorsprunges  be- 
steht aus  dickeren,  bis  ein  Fuss  mächtigen  Kalkmergelbänken,  die  mit  leicht- 
verwitternden Zwischenlagen  von  Mergelschiefer  wechseln.  Erklettert  man 
auf  den  einzelnen,  gesims^artig  vorspringenden  Schichtköpfen  die  Wand  des 
Vorsprunges,  so  wird  man  reichlich  belohnt  durch  zahlreiche  Funde  an  lose 


[Sj    Beiträge  z  Kenntniss  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.  75' 

ausgewitterten,  auf  den  Schichtenvorsprüngen  herumliegenden  Petrefacten,  die 
wohl  häufiger  als  Steinkerne,  nur  selten  mit  Schale,  aber  dann  sehr  schön 
erhalten  sind.  Zunächst  sind  darunter  zahlreiche  Steinkerne  von  Gastero- 
poden,  und  zwar  von  sehr  grossen  Chemnitzien  auffallend.  Dann  bemerkt 
man  eine  meist  kleine,  höchstens  Zollgrösse  erreichende  Megalodonart,  ferner 
zahlreiche  Exemplare  der  Myophoria  Kefersteini,  die  sich  von  den  in  tie- 
feren Schichten  vorkommenden  dadurch  auszeichnen,  dass  sie  eigentlich 
Steinkerne  sind,  die  nur  mit  einer  sehr  dünnen  Schale,  wie  mit  einem  Schleier 
eingehüllt  sind,  der  oft  Falten  bildet  and  zu  schlottern  scheint,  während  die 
Schalen  dieser  Muschel  aus  den  tiefereu  Lagen  dick  und  sehr  kräftig  ist. 

Dass  diese  erwähnten  Fossilien  nicht  den  Zwischenschichten  vom  Mer- 
gelschiefer, sondern  den  dickschichtigen  Kalkmergelbäuken  angehören,  über- 
zeugt man  sich  an  Ort  und  Stelle  dadurch,  dass  man  letztere  Bänke  mit  den 
halbausgewitterton  genannten  Schnecken  und  Muscheln  bedeckt  findet.  Am 
häufigsten  ist  der  Megalodon  und  die  Schnecken,  ziemlich  häufig  ist  die 
MyopJioria.  Nur  ein  einziges  Exemplar  fand  ich  ausgewittert  von  Solen  cau- 
datus  V.  H.  in  einer  Kalkmergelbank. 

Nach  oben  hin  werden  die  Zwischenschichten  von  Mergelschiefer 
dünner  und  verschwinden  endlich  ganz,  zugleich  bemerkt  man,  dass  die 
Bänke  eine  lichtere,  lichtgraue,  endlich  fast  rein  weisse  Farbe  annehmen, 
erst  in  einen  weissen  dolomitischen  Kalk  und  noch  höher  in  Dolomit  über- 
gehen. Die  untersten  Bänke  dieses  Niveau's  enthalten  wo  möglich  noch  zahl- 
reichere Megalodon-^ievakQXXiQ^  die  die  Schichtköpfe  dicht  bedecken.  Ein 
Stück  dieser  an  Ort  und  Stelle  gesammelten  Mergelbank,  von  etwa  4  Qua- 
dratzoll Fläche  enthält  10  Steinkerne  von  Megalodon  ausgewittert. 

Der  gesimseartige  Vorsprung  der  Megalodonbänke  endet  hier  mit  einer 
Wand,  deren  oberste  Partie  schon  von  den  weissen  dolomitischen  Kalk-  und 
Dolomitbänken  gebildet  wird,  und  dieser  Theil  ist  hier  allerdings  unersteig- 
lich.  Doch  liess  sich  diese  Wand  von  der  Scharte  aus  umgehen,  und  ich 
fand  auf  dem  allerdings  sehr  selten  nur  von  Schafliirten  betretenen  Fuss- 
steige  in's  obere  Loch  die  direkte  Fortsetzung  des  Durchschnittes.  Die  Linie 
der  direkten  Beobachtung  des  Durchschnittes  ist  von  da  an  somit  um  einige 
Klafter  westlicher  verlegt,  doch  bin  ich  überzeugt,  dass  hierdurch  kein  Glied 
der  Schichtenreihe  der  Beobachtung  entzogen  wurde;  denn  ich  hatte  auf  der 
Scharte  die  Sohlenschichte  und  die  Megalodonkalkmergel,  wenn  auch  weniger 
vollkommen  aufgeschlossen,  bis  an  den  Fuss  jener  Wand,  ununterbrochen 
beobachtet,  über  welche  nun  der  Fusssteig  in's  obere  Loch  führt. 

Die  Wand  besteht  aus  weissem  oder  lichtgrauem  Dolomit.  In  dem- 
selben bemerkt  man  wiederholt  Bänke,  die  eben  so  voll  sind  von  Durch- 
schnitten von  Megcdodon  wie  die  tiefereu  Kalkbäuke.  Nach  oben  hin,  bevor 
man  die  oberste  Kaute  der  Wand  erstiegen  hat,  stellen  sich  graue  Kalkmergel- 
bänke ein,  dieje  höher  hin  auf,  häufiger  mit  dem  weissen  Dolomit  wechsellagern, 
endlich  allein  vorhanden  sind  und  der  Dolomit  ganz  ausbleibt.  Die  Basis 
des  oberen  Loches,  eines  kleinen  Kaar's,  welches  mit  dem  Kalk  und  Dolomit- 
schutt der  Alplwände  fast  ganz  ausgefüllt  ist,  wird  gebildet  von  den  obersten 
Kalkmergellagern,  deren  Flächen  Durchschnitte  des  Megalodon  zeigen. 

Der  erste  Anblick  des  Kaar's  verspricht  wenig  Lohn  für  die  Mühe  des 
Ersteigens  der  Wand.  Doch  noch  einige  Schritte  in  südöstlicher  Kichtung 
unter  die  Wände  des  Alpls,  und  man  findet  hier  zwar  nicht  vollständig  klar 
aufgeschlossen,  aber  immerhin  zweifellos  das  höhere  Niveau  der  Eaibler- 

10* 


76  D.  Stur.  [6] 

schichten  anstehen,  das  so  sehr  charakteristische  Gestein  mit  der  Corhula 
Bosthorni  JBoue,  (Mergelkalken  eingelagert,  wie  am  Torersattel). 

Wenn  auch  der  Complex  der  Corbnlaschichten  hier  nicht  klar  offen 
steht,  so  gewinnt  man  doch  mit  dem  einen  Gang  zum  Myophoria-Fund- 
orte  und  ins  obere  Loch,  die  unzweifelhafte  Thatsache,  dass  das  Niveau 
der  Corhula  Bosthorni.  hoch  über  dem  Niveau  der  MyopJtoria  Kefersteini 
liegt,  getrennt  durch  eine  sehr  milchtige  Schichtenreihe  von  Kalkmergeln 
und  Dolomiten. 

Sehr  schön  aufgeschlossen  findet  man  im  oberen  Loch  die  Basis  der 
mächtigen,  weissen,  zackigen  Dolomitmassen  des  Alpls  und  der  Kaltwasser- 
spitze, die  auf  den  beiden  Kaibierschichten  lagern.  Erst  eine  Bank  von  dolo- 
mitischem, grauen  Kalk,  darauf  folgen  mehrere  lichtgraue  Dolomitbänke, 
wechselnd  mit  etwa  3  —  4  Zoll  dicken  Zwischenlagen  von  einem  lichtgrün- 
lich grauen  dolomitischen  Kalkmergel,  der  mit  Säuren  in  Berührung  ge- 
bracht erst  nachträglich  schwach  aufbraust.  Weiter  im  Hangenden  ist  der 
Dolomit  in  deutliche  Bänke  gesondert  und  ziemlich  reich  an  Versteinerungen  ; 
doch  ist  die  Erhaltung  derselben  leider  eine  sehr  missliche.  Sehr  häufig 
sind  Durchnitte  von  Schnecken,  theils  Chemnitzien,  theils  .  Natica,  Turbo 
und  Trochus  angehörig.  Die  Schale  ist  überall  durch  Kalkspathkrystalle 
ersetzt  und  man  erhält  entweder  die  Steinkerne  oder  die  Hohldrücke  der 
Schnecken,  die  letzteren  mit  Kry  st  allen  überzogen,  so  dass  die  Schalenober- 
fläche an  Abgüssen  rauh  erscheint. 

Zwei  Formen  dieser  Schnecken  erwähne  ich  als  solche,  die  noch  am 
besten  erhalten  sind.  Die  eine  ähnelt  als  Steinkern  dem  Turho  Stahilei  v.  H. 
vom  Monte  Salvatore  bei  Lugano.  Doch  ist  kaum  ein  Umgang  vollkommen 
erhalten,  die  Spitze  des  Gewindes  fehlt.  Die  andere  Form  ist  ein  Hohldruck, 
dessen  Abguss  an  Turbo  subcoronatus  Hörnes.  entfernt  erinnert,  doch  ist 
keine  Spur  der  Ornamentik  der  letzteren  Art  an  dem  Exemplar  von  Raibl 
zu  sehen,  indem  die  Fläche  des  Hohldruckes  rauh  erscheint.  Auch  ist  das 
Raiblerstück  viel  kleiner  als  die  gewöhnlichen  Exemplare  von  der  Unter- 
Petzen,  Am  häufigsten  erscheint  in  den  Dolomitbänken,  und  bedeckt  die 
ganze  Oberfläche  der  Gesteinsstücke  jenes  Fossil,  das  Stoppani  Evinospongia 
vesiculosa  genannt  hat.  Mehrere  mitgebrachte  Stücke  von  Kaibl  sind  so 
vollkommen  ident  mit  der  Abbildung  Stoppani's,  *)  dass  sie  als  Originalien 
zu  derselben  gelten  könnten. 

Ueber  dem  geschichteten  Dolomite  folgt  die  grosse,  sehr  mächtige 
Masse  des  ungeschichteten  Dolomites  des  Alpl's  und  der  Kaltwasser  Spitz. 
Mehrere  Gesteinsriesen,  die  jede  für  sich  aus  einem  anderen  Niveau  des  Dolo- 
mites die  Blöcke  in's  Kaar'  des  oberen  Loches  herabführen,  erlauben  die  Ueber- 
zeugung  zu  gewinnen,  dass  auch  die  höhereu,  ungeschichteten  Dolomitmas- 
sen, am  häufigsten  die  oben  erwähnte  Evinospingia  und  auch  wohl  diesel- 
ben Schnecken  führen,  wie  die  vom  Beobachter  erreichbaren  unteren  Theile 
des  Dolomites. 

Stellt  man  das  Resultat  der  ersten  Begehung  von  Raibl  zum  Alpl 
kurz  zusammen,  so  ist  es  folgendes: 

Ungeschichtete  Dolomitmasse  des  Alpl's. 

Geschichteter  Dolomit  mit  Evinospingien. 


*)  Petrif.  d'Esino.  '1'.  31.  F.  1     nd  2. 


[7]     Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol.  Vi-rhältn.  d.  llmgegend  v.  Raibl  u,  Kaltwasser.     77 

Dolomitplatten,  wechselnd  mit  lichtgrünlichgrauen  dolomitischen 
Kalkmergeln. 

Die  Schichtenreihe  der  Corhula  Rosthorni. 
Ife^a^o^öw-Kalkmergelplatten,  im  Wechsel  mit  Dolomit. 
Dolomit  mit  Megalodon. 
iüfe^aZot/ow-Kalkmergelplatten. 

Kalkmergelplatten,  im  Wechsel  mit  Mergelschiefer;  Niveau  der  losen 
Petrefacte. 

&?m-Schichte. 

MyopJioria  jöTe/ersfemM-Hauptbänke. 

Düunschiel'rige  Mergel  und  Mergelschiefer  oben  mit  Fischen  und 
Pflanzen,  tiefer  mit  Sphaerosiderit  führenden  okerigen  Lagen. 

Dunkler  Kalkmergel  mit  Zwischenlagen  von  Mergelschiefer. 

Schwarzer  plattiger  Kalk. 

Wengerschiefer  und  die  Korallenschichte. 

In  den  höheren  Schichten  von  der  ilf^op/^orict-Bank  aufwärts,  habe  ich 
eine  reichliche  Ausbeute  au  Petrefacten  gemacht.  Die  tieferen  bis  zur 
Korallenschichte  hinab,  habe  ich  allerdings  nur  ein  einzigesmal  auf  dem  be- 
zeichneten Wege  verquert,  und  kaum  mehr  Aufmerksamkeit  denselben  zu- 
gewendet, als  es  bei  flüchtigem  Bergsteigen  möglich  ist.  Sie  sind  daher 
möglicher  Weise  nicht  ganz  frei  von  Versteinerungen ;  insbesondere  dürfte 
ein  sorgfältiges  Suchen  in  den  Rutschen  des  vom  unteren  Loch  herabkom- 
menden steilen,  ganz  vollständig  entblössten  Zuflusses  des  Kempferbaches 
lohnend  werden.  Ich  habe  die  nöthige  Zeit  hierzu  nicht  mehr  erübri- 
gen können. 

Die  nächste  Excursion  in  die  Schartenklamm,  um  den  nördlichen 
Theil  des  Durchschnittes  zu  vervollständigen,  habe  ich  mit  dem  Lehrerssohn 
JosefTronegger,  absolvirten  k.  k.  Bergschüler,  ausgeführt. 

Wir  schlugen  einen  Fusssteig  beim  oberen  Berghaus  vorüber  ein,  erst 
nördlich  aufwärts,  dann  westlich  in  horizontaler  Kichtung  meist  durch 
Wald,  und  gelangten  an  das  linke  Gehänge  der  Schartenklamm  hoch  oben 
gerade  über  jener  Stelle,  an  welcher  sich  mehrere  felsige  Zuflüsse  der  Klamm 
in  einer  Kinne  vereinigen.  Es  ist  dies  die  einzige  Stelle,  an  welcher  im 
Wengerschiefer  bei  Raibl  gesammelt  wird.  Alle  unsere  Schätze  an  den  wun- 
dervollen Pflanzen  und  Thierresten  aus  diesem  Schiefer  wurden  hier  gefun- 
den. Eine  etwa  unter  30  Graden  geneigte  Felsenplatte,  oben  gegen  den 
Königsberg  und  östlich  vom  hohen  Walde  umsäumt,  nach  Westen  und 
Süden  von  steilem  Abfalle  in  die  Klamm  umgeben,  ist  der  lebensgefährlichste 
Fundort  von  Versteinerungen  unter  allen  die  ich  kenne.  Jedes  dem  Samm- 
ler aus  der  Hand  gefallene  Stück  fällt  über  die  Platte  in  den  tiefen  Abgrund, 
der  zum  Theil  schon  von  einer  kolossalen  Halde  des  Schiefers  ausgefüllt  ist. 

Das  steile  linke  Gehänge  der  Klamm  entblösst  dürftig  die  Schichten 
des  Wengerschiefers.  Die  hängendsten  Schichten  desselben  zeigen  eine  Ein- 
lagerung von  einer  breccien-  oder  conglomeratartigen,  bituminösen,  dunkeln 
Kalkschichte.  Wir  fanden  Stücke  dieser  Schichte  auf  dem  ganzen  Wege 
von  den  Bergbauen  bis  zur  Stelle  zerstreut  herumliegen,  die  durch  weisse 
Schalen  der  darin  enthaltenen  Petrefacten :  Schnecken,  Muscheln  und  insbe- 
sondere sehr  häufigen  Korallen  sehr  in  die  Augen  fallen.  In  dem  über  der 
Korallenschichte  lagernden  Wengerschiefer  fand  ich  keine  Petrefacte.  Unter 


Tg  D.  stur.  j-gj 

der  Korallenschichte  wurde  gewöhnlich  erst  der  Schiefer  Petretacten  führend 
bemerkt.  Mir  wurde  keine  Erfahrung  der  Sammler  über  einzelne  Vorkom- 
men mitgetheilt,  auch  war  zur  Zeit  der  Fundort  länger  brach  gelegen  — 
daraus  geht  die  Wichtigkeit  der  Angaben  des  Prof.  S  u  e  s  s  über  die  einzel- 
nen Lagen  des  Schiefers  hervor. 

Im  Liegenden  der  Korallenschichte  folgen  mehrere  dicke  Bänke  von 
düunschiefrigem  Wengerschiefer  —  wie  gesagt  jener  Horizont,  in  welchem 
gesammelt  wird.  Tiefer  im  Liegenden  stellt  sich  eine  Wechsellagerung  des 
2  —  3  Zoll  dickschichtigen  Wengerschiefers  mit  einem  porösen  Dolomit  ein, 
der  in  dicken  Bänken  auftritt,  üeberraschend  ist  der  Einblick  in  die  Riesen, 
die  vom  Königsberg  der  Klamm  zugehen.  Die  Riesen  sind  im  erzführenden 
Kalke  des  Königsberges  eingeschnitten  und  schliessen  die  Grenze  desselben 
gegen  den  Wengerschiefer  ganz  auf.  Man  sieht  insbesondere  an  einer  Stelle 
des  westlichen  Gehänges  der  Klamm,  die  von  der  Raibler  Scharte  hierher 
reichenden  Wengerschiefer  unter  fast  senkrechter  Aufrichtung  der  Schichten 
an  den  Königsberger  Kalk  angelehnt,  dabei  sieht  man  die  Schichten  des 
Wengerschiefers  gewunden  und  in  Zickzack  gefaltet. 

Der  poröse  Dolomit  zwischen  den  Wengerschieferschichten  macht  alle 
die  Knickungen  der  Schichten  mit  und  ersichtlicher,  indem  dieselben  als 
schwarze  Zeichnung  auf  weissem  Grunde  besser  hervortreten.  An  einer 
Stelle  des  westlichen  Gehänges  bemerkt  man  eine  vollständige  Umbiegung 
der  Schichten,  wobei  der  Bug  nach  oben  convex  ist,  und  man  von  dem  Ge- 
danken nicht  los  werden  kann,  es  sei  hier  eine  Antiklinallinie  zerstört  und 
in  eine  scheinbar  einfache  Verweriungslinie  gewaltthätig  umgestaltet  worden. 

Mühsam  ist  der  Weg  von  der  Platte  über  die  äusserst  rutschige  Halde 
des  Wengerschiefers  hinab  an  die  Sohle  der  Klamm.  Diese  ist  ganz  nackt 
wie  gewaschen  und  die  Felsen,  von  dem  sparsamen  Wasser  angefeuchtet, 
glänzen  wie  polirt.  Im  weiteren  Abwärtsgehen  durch  die  Klamm  geht  man 
bald  auf  horizontalen  Platten,  bald  auf  den  Köpfen  senkrecht  gestellter 
Schichten  des  Wergerschiefers  und  hat  fortwährend  vielfache  Biegungen 
und  Knickungen  der  Schichten,  und  plötzliche  Veränderungen  im  Schichten- 
falle, von  der  horizontalen  bis  zur  senkrechten  Lage  oft  innerhalb  einer  oder 
weniger  Klafter  vor  den  Augen.  Selbst  die  Thalsohle  der  Klamm  fällt  im 
Zickzack  tiefer  hinab,  und  der  Wanderer  hat  wiederholt  klafterhohe  und 
höhere,  sehr  steile  oder  senkrechte  Stellen  zu  passiren,  die  wegen  der 
ganz  abgeschliffenen  Bachsohle,  entweder  nur  als  Sprung-  oder  Rutschpar- 
tien zu  passiren  sind,  wobei  einigemale  das  frische  Wasser  der  Klamm  als 
Reibungs  -  Verminderungsmittel  sich  unwiederstehlich  aufdringt.  Ganz 
ermattet,  mit  vor  Anstrengung  schlotternden  Knieen,  verschafft  man 
sich  am  W^ege  durch  die  Klamm  abwärts  ins  Kempferthal  hinaus  die  Ueber- 
zeugung,  dass  es  mindestens  den  gegebenen  Thatsachen  Gewalt  anthun 
heisst,  anzunehmen,  dass  die  Lagerung  des  Wengerschiefers  zum  Königs- 
berger erzführenden  Kalk  nur  als  eine  einfache  Auflagerung  betrachtet  wer- 
den dürfe. 

Diese  merkwürden  Knickungen  des  Wengerschiefers  nehmen  an  200 
Klafter  der  Klammlänge  ein.  ' 

Am  Rückwege  suchten  wir  im  Liegenden  der  Korallenschichte  bei 
der  Wohnung  des  Oberhutmanns  vergebens  nach  den  Pflanzen  und  Thier- 
resten  des  Wengerschiefers,  Es  ist  dies  zugleich  die  östlichste  Partie  des 


[9]    Beiträge  z.  Kenntaiss  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.       79 

Wengerschiefers  im  Raibler  Thale,  unter  welcher  im  Liegenden  unmittelbar 
der  erzführende  Kalk  von  Raibl  ansteht. 

2.   Der    Schichtencomplei     der    Corbula  -  Bosthorni    Boue, 
im    Durchschnitte     des     Torer-     und    Thörler-Sattels    im 

Osten  von  Raibl. 
(Siehe  das  Profil  auf  Taf.  IL) 

Von  Raibl  in  Ost  und  Südost  ist,  seit  den  Aufnahmen  von  Bergrath 
Foetterle,  eine  Reihe  von  Aufschlüssen  der  Raiblerschichten  bekannt,  die 
sich  bis  in  die  Coritenza,  östlich  bei  Ober-Preth  erstrecken.  Unter  diesen 
Aufschlüssen  ist,  insbesondere  in  den  Sammlungen,  durch  die  sehr  schön 
erhaltene  Gorhula  Bostliomi  Boue,  der  Aufschluss  der  Raiblerschichten  am 
Torersattel  bestens  bekannt.  Um  wo  möglich  die  ganze  Reihe  der  Auf- 
schlüsse kennen  zu  lernen,  ging  ich  mit  dem  Lehrerssohn  zu  Raibl,  längs 
der  Strasse  von  Raibl  nach  Prodil,  Ober-Preth,  bis  in  die  Coritenza,  von 
da  nördlich  zur  Zlavaalpe  und  nordwestlich  über  einen  Sattel  zur  Mangert- 
alpe  (Maugert  SW.)  hinab,  dann  abermals  steil  aufwärts  in  nordwestlicher 
Richtung  auf  den  Torersattel  (Sattel  zwischen  der  Mangertalpe  und  dem 
Torer  Graben  —  einem  Zuflüsse  desWeissenbach).  Vom  Torersattel  westlich 
führt  ein  nur  selten  betretener  Fusssteig,  am  Fusse  der  Carnitza  und  der 
Wände  der  Predilspitzen,  zum  Thörlsattel  (Sattel  zwischen  dem  Torerbach 
und  den  bei  Raibl  östlich  mündenden  Kunzen-  und  Rauschengraben)  umi 
von  da  über  die  Thörleralpe  (Raibl  0.)  herab  durch  den  Rauschengraben 
nach  Raibl. 

Längs  der  sogenannten  ;,  Sommerstrasse ''  von  Raibl,  eine  bedeutende 
Strecke  hindurch,  deckt  der  Lawinenschutt  der  Lahnwände  und  des  Predil 
das  anstehende  Gebirge  vollständig.  Endlich,  hoch  östlich  über  dem  Raibl- 
See  erreicht  man  eine  Entblössung  des  anstehenden  Dolomits,  der  geschich- 
tet ist  und  mit  lichtgrünlichgrauen  dolomitischeu  Kalkmergeln  wechsel- 
lagert. Die  Schichten  fallen  flach  südlich  und  bilden  offenbar  die  Fortsetzung 
der  tiefsten  Dolomitbänke,  die  man  im  oberen  Loch  über  den  Corbulaschichten 
anstehend  findet.  Diese  Entblössung  liegt  somit  schon  über  den  Raibler- 
schichten, die  in  dem  bisher  verquerten  Gehänge  vom  Lawinenschutt  bedeckt 
sind.  Der  anstehende  Dolomit  zeigt  auch  hier  reichliche  Auswitterungen 
der  Evlnospongia  vesiculosa  Sto2)p.  Auf  der  weiteren  Strecke  der  Strasse 
sind,  je  weiter  südlich,  immer  hängendere  Massen  des  ungeschichteten  Dolo- 
mites aufgeschlossen,  bis  auf  den  Predil,  wo  die.flacheren  Gehänge  des  Sat- 
tels mit  Kalk  und  Dolomitschutt  bedeckt  erscheinen,  der  theilweise  voll- 
kommen abgerollte  Gerolle  enthält.  Von  Predil  zieht  die  Poststrasse  in 
nordöstlicher  Richtung  und  führt  den  Beobachter  wieder  in  die  liegenden 
Theile  des  Dolomites.  Dort  wo  sie  das  Thälchen  der  Mangertalpe  verquert, 
schliesst  sie  zum  zweitenmale  die  tiefsten  Dolomitschichten  vom  oberen 
Loch  auf.  Die  Zwischenschichten  von  grünlichem  dolomitischen  Kalkmergel 
sind  hier  bedeutender,  auch  fussdicke  Bände  bildend,  und  enthalten  linsen- 
förmige flache  Einlagerungen  eines  dunkleren  Kalkmergels,  ähnlich  den  ge- 
wöhnlichen Gesteinen  der  Raiblerschichten. 

Vom  Mangertgrabeu  über  Ober-Preth  bis  zur  Coritenza  bewegt  man 
sich  meist  im  Dolomitschutt.  Sobald  man  von  der  Strasse  den  Fussweg  zur 
Zlavaalpe  in  das  Liegende  des  Dolomites  eingelenkt  hat,  findet  man  im  Ge- 
hänge zwar  anstehend  aber  nicht  hinreichend   aufgeschlossen   das  charak- 


80  D.  Stur.  flO] 

teristische  Gestein  der  Corbulaschichte,  in  der  Nähe  einer  Kalkofenruine. 
Gleichzeitig  bemerkt  man  in  einiger  Entfernung  thalaufwärts  einen  bedeu- 
tenden Steinbruch,  in  welchem  dicke  Kalkmergelbänke  als  Platten,  und 
überhaupt  als  Baumateriale  gebrochen  werden.  Diese  Kalkmergelbänke 
zeigen  eine  Menge  Durchschnitte  und  ausgewitterte  Steinkerne  von  Mega- 
lodon.  Zwischen  den  einzelnen  Kalkmergelbänken  sieht  man  Einlagerungen 
von  dunklem  an  der  Luft  zerbröckelndem  Mergelschiefer,  der  sehr  zahlreiche 
Schalen  des  Peden  ßosus  v.  H.  enthält.  Der  ganze  aufgeschlossene  Schich- 
tencomplex  fällt  flach  südwestlich,  unter  die  Eingangs  des  Thälchens  an- 
stehenden Corbulaschichten.  Die  neben  dem  Steinbruch  östlich  vorüber 
fliessende,  stellenweise  tief  eingeschnittene  Zläva  schliesst  das  weitere  Lie- 
gende, einen  plattigen  weissen  Dolomit  auf,  in  welchem  auch  noch  Durch- 
schnitte von  Megalodon  bemerkbar  sind.  Ueber  die  Deutung  dieses  Auf- 
schlusses kann  man  wohl  kaum  Zweifel  haben ;  es  sind  off'enbar  hier  die 
Schichten,  ähnlich  jenen  im  Oberen  Loch  gegliedert,  nur  mit  dem  Unter- 
schiede, dass  an  der  Zläva  die  Megalodon  führenden  Kalkmergelbänke  Ein- 
lagerungen von  Mergelschiefern  mit  Peden  filosus  v.  H.  zeigen,  die  in  jenen 
am  Grunde  des  Kaar's  im  Oberen  Loch  nicht  bemerkt  wurden. 

Vom  Steinbruch  am  Eingange  der  Zläva,  zur  Alpe  hinauf,  sind  die 
Aufschlüsse  nirgends  bedeutend,  man  sieht  nur  stellenweise  unter  Schutt 
und  Waldbedeckung  die  Corbulaschichten  anstehen,  zum  Beweise,  dass  die- 
selben hier  durchziehen.  Die  Uebergangsstelle  in  den  Mangertgrabeu  wird 
vom  hangenden  Dolomit  gebildet.  Das  steile  Gehänge  hinab  zur  Mangert- 
alpe  entblösst  sehr  dürftig  denselben  Dolomit. 

Auch  der  Weg  von  der  Mangertalpe  aufwärts  zum  Torersattel  bietet 
nur  mangelhafte  Aufschlüsse  der  Corbulaschichten.  Erst  gegen  die  höchste 
Partie  des  Sattels  hin,  dort  wo  zwischen  Krummholzpartien  der  spärliche 
Wiesengrund  beginnt,  sieht  man  an  einer  Stelle  die  Mergelkalkbänke  mit 
Mergelschiefer-Zwischenlagen,  genau  in  derselben  Form,  wie  im  Steinbruch 
an  der  Zläva,  entblösst.  Von  der  Quelle  aufwärts  zum  Sattel  sieht  man  den 
Boden  dicht  belegt  mit  Stücken  der  verschiedenen  Gesteine  der  Corbula- 
schichten. Am  häufigsten  und  auffälligsten  durch  wohl  erhaltene  Petrefacte, 
sind  Plattenstücke,  dicht  belegt  mit  Myophorienschalen.  Dieselben  gehören 
nach  der  Bestimmung  des  Herrn  Dr.  Laube  zwei  Arten  an:  Myophoria 
inaequicostata  Klipst.  und  der  Myoph.  Chenopus  Laube. 

Bald  darauf  erreicht  man  am  nordöstlichen  Fusse  der  Carnitza  (siehe 
T.  II)  den  höchsten  Punkt  des  Torersattels,  und  befindet  sich  im  Augenblicke 
mitten  in  einem  der  schönsten  Aufschlüsse  der  Alpen. 

Der  nur  selten  betretene  FussAveg  am  Torersattel  führt  den  Wanderer 
gerade  über  die  Avichtigste  Schichte  des  Aufschlusses,  die  Corbulaschichte. 
Der  Boden  ist  hier  geschottert  mit  einer  Unzahl  wohlerhaltener,  vollständig 
ausgewitterter  Exemplare  der  Corhula  Rosthorni  Bouc,  und  ebenso  häufigem 
Ptychostoma Sandae  Crucis  Wissm.  6p.,  neben  einer  Auswahl  der  schönsten 
Stücke  des  Corbulagesteins.  Jedes  dieser  Stücke  enthält,  ausser  der  genannten 
Muschel,  ein  oder  das  andere  Stück  der  wichtigst  gewordenen  Leitpetrefacte 
unserer  oberen  Trias:  Corhis  MelUngi  v.  H.,  Penia  Boiici  v.  H.,  liörnesia 
Johannis  Äustriae  Klipst.  Es  dauert  wohl  erst  eine  Weile  bis  man  sich  an 
diesem  kostbaren  Schotter  sattgesammelt  bat,  und  man  den  entfernter  ste- 
henden Dingen  der  prachtvollen  Hochalpen-Gegend  seine  Aufmerksamkeit 
zuwenden  kann. 


j 


[1 1]    Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  ßaibl  u.  Kaltwasser.   81 

In  nördlicher  Richtung  ist  im  sanfteren  Gehänge  des  Sattels  das  Lie- 
gende der  Corbulaschichten  aufgeschlossen  in  der  Form  von  Kalkmergel- 
bänken mit  Mergelschiefer-Zwischenlagen,  ähnlich  jenen  im  Zläva-Steinbruch. 
Die  ersteren  enthalten,  wie  an  allen  Punkten  wo  sie  aufgeschlossen  sind, 
jene  Durchschnitte  und  Steinkerne  ausgewittert,  die  theils  Gasteropoden  an- 
gehören, theils  unter  dem  Namen  vonMegalodon  wiederholt  erwähnt  wurden. 
Die  Mergelschiefer  enthalten  nicht  selten  den  Pecten  ßosus  v.  H.,  doch  sind 
davon  nur  selten  brauchbare  Stücke,  wegen  tiefer  Verwitterung  des  Gesteins, 
zu  sammeln.  Das  sanftere  Gehänge  des  Sattels  endet  weiter  nördlich  mit 
einer  steilen  Wand,  die  in  den  Torergraben  abfällt.  Der  obere  Theil  dieser 
Wand  besteht  aus  dünnschichtigem  Dolomit.  Der  tiefere  Theil  der  Dolomit- 
wand zeigt  keine  Schichtung. 

Nach  Süden  hin,  im  Hangenden  der  Corbulaschichte,  zeigt  das  steil 
zur  Carnitza  sich  erhebende  Gehänge  eine  reichgegliederte  Folge  von  Kalk- 
mergeln und  Mergelschiefern,  lieber  der  Corbulaschichte  folgt  zunächst 
Kalkmergel,  dann  eine  grössere  Partie  von  dünnschiefrigem  Mergelschiefer 
und  wieder  Kalkmergelbänke  mit  Mergelscliiefer  wechselnd.  Erst  im  oberen 
Theile  dieser  letzteren  bemerkt  man  eine  durch  wohlerhaltene  Petrefacte 
auffallende  Schichte,  die  man  als  jene  wieder  erkennt,  die  so  häufig,  im  süd- 
lichen Gehänge  des  Torersattels  den  Boden  bedeckend  gefunden  wird,  und 
die  ausser  einigen  Cidaritenstacheln  nur  äieMijopJioria  inaequicostata  Klipst, 
und  M.  Chenopus  Laube  enthält.  Zu  oberst  lagern  düanplattige ,  dunkel- 
graue Kalke,  die  unmittelbare  Unterlage  des  Dolomites  der  Carnitza  bildend, 
der  im  unteren  Theile  deutliche  Schichtung  zeigt,  in  der  höheren  Masse  aber 
ungeschichtet  erscheint,  ähnlich,  wie  dies  im  oberen  Loch  deutlich  zu  beob- 
achten ist. 

Am  Torersattel,  auf  der  Corbulaschichte  stehend,  bemerkt  man  im 
Westen  in  einer  Entfernung  von  etwas  3 — 400  Klaftern,  einen  zweiten  Auf- 
schluss  im  nördlichen  Gehänge  der  Predilspitzen,  der  ebenso  vollständig  ent- 
blösst  erscheint;  während  das  Gehänge  vom  Torersattel  bis  dahin,  mehr 
oder  minder  vollständig  vom  Schutt  der  Dolomitwände  bedeckt  ist.  Doch 
sieht  man  zugleich,  dass  sowohl  der  hangende  Dolomit  der  Carnitza  unun- 
terbrochen westlich  fortsetzt,  als  auch  der  liegende,  düunschichtige  Dolomit 
vom  Torersattel,  durch  dasKaar  des  Torerbaches  bis  zum  westlicheren  Auf- 
schluss  zu  verfolgen  ist,  und  auch  hier  das  Liegende  der  aufgeschlossenen 
Schichtenreihe  bildet.  Man  hat  somit  volle  Sicherheit  vor  sich,  dass  der 
zweite  Aufschluss,  Schichten  von  demselben  Horizont  der  Beobachtung 
zugänglich  macht,  wie  der  Torersattel.  Diesen  zweiten,  westlich  vom 
Torersattel,  auf  der  Wasserscheide,  zwischen  dem  Torerbach  und  dem 
Eauschenbach  liegenden  Sattel,  hat  der  Volksmund  „Thörlsattel"  benannt, 
da  derselbe  über  der  Thörleralpe  östlich  bei  Eaibl  aufragt. 

Am  Thörlsattel  wird  man  überrascht  durch  die  Thatsache,  dass  hier 
die  reichliche  Entwicklung  der  Corbulaschichte,  vom  Torersattel  nicht  vor- 
handen sei.  Man  bemerkt  rechts  (nördlich)  vom  Fusssteige,  etwa  zolldicke 
Platten  eines  gelblich  verwitternden  Kalkmergels,  deren  eine  Fläche  stellen- 
weise dicht  besetzt  ist,  mit  sehr  gut  erhaltenen  Bactryllien.  Es  ist  wohl 
zweifelsohne  das  Bactryllium  canalicidatum  Heer  so  schön  erhalten,  wie 
auf  keinem  andern  Fundorte  in  unseren  Alpen.  Die  Kehrseite  dieser  Platten 
ist  bedeckt  mit,  meist  als  Steinkerne  erhaltenen  Exemplaren  der  Corhula 
BostJiorni  Boue.  Ausserdem  bemerkte  ich  darauf  nur  noch  die  Hörnesia  Joh, 

11 

Jahrbuch  der  k.  k.  ijKologiscIlen  lleichsanstalt.  lJ>ii8    18    Haud.   1.  Helt  *  *■ 


82  L>.  Stur.  [12] 

Austritte  Klipst.  Ist  schon  diese  erste  beobachtete  Schichte  abweichend  von 
der  gleichen  Schichte  des  Torer  satteis,  so  ist  dies  noch  mehr  auffallend  in 
der  Entwickl  ung  und  reichlicheren  Gliederung  der  übrigen  Schichtenreihe. 
Insbesondere  fällt  uns  eine  bedeutend  mächtige  Bank  eines  zerklüfteten 
weissen  Dolomites  in  die  Augen,  die  sich  westlich  eine  Strecke  hindurch 
im  Gehänge  verfolgen  lässt,  etwa  im  oberen  Drittel  des  Aufschlusses,  den 
dunkleren  Bänken  der  Corbulaschichtenreihe  eingelagert  ist,  und  im  Durch- 
schnitt des  Torersattels  gänzlich  fehlt.  Nicht  minder  ist  eine  Verschieden- 
heit in  den  einzelnen  hervorragenderen  Bänken,  von  jenen  am  Torersattel, 
zu  bemerken. 

Im  Liegenden  der  Bactryllienbank  folgt  eine  reichliche  Entwicklung 
der. schon  wiederholt  erwähnten  Megalodonbänke  mit  ihren  Zwischenschich- 
ten von  Mergelschiefer,  die  auch  am  Torersattel  das  Liegende  der  Corbula- 
schichte  bilden.  In  einiger  Entfernung  von  der  Bactryllienschichte  bemerkte 
ich  eine  kaum  einen  halben  Zoll  dicke  Schichte  dem  Mergelschieter  einge- 
lagert, deren  eine  Fläche  bedeckt  ist  mit  sehr  kleinen,  3  Linien  im  Durch- 
messer messenden  Exemplaren  der  Myophoria  inaequicostata  Klipst.  Der 
liegendere  Theil  der  Megalodonbänke  ist  nicht  vollständig  entblösst ;  tiefer 
folgt  erst  eine  Wechsellagerung  von  Kalkmergelplatten,  mit  Dolomit,  einen 
ähnlichen  Uebergang  in  den  liegenden  Dolomit  vermittelnd,  wie  im  oberen 
Loch.  Endlich  folgt  der  Liegend-Dolomit  oben  geschichtet,  tiefer  unge- 
schichtet. 

Zwischen  der  Bactryllienbank  und  der  eingelagerten  Dolomitbank  sind 
mir  vorzüglich  zwei  Schichten  aufgefallen  die  reichlich  Petrefacte  enthalten, 
und  leicht  wieder  erkennbar  sind.  Die  tiefere  davon  ist  ausgezeichnet  durch 
häufiges  Vorkommen  derAvicula  Gea  Orb.,  nach  Dr.Lau  b  e's  Bestimmung.  Sie 
wird  gebildet  von  einer  etwa  zolldicken,  innen  dunkelgrauen,  aussen  gelblich- 
grauen oder  röthlichen  manchmal  fast  ziegelrothen  Kalkplatte,  die  dicht,  fein 
und  dunkel  puuktirt  ist,  von  den  kleinen  Schalen  einer  Bairdia,  die  nach 
der  Angabe  des  Fundortes  zu  schliesseu  wohl  die  Bairdia  suhcylindrica 
Sandb.  sein  dürfte.  Die  grauen  oder  röthlichen  Platten  zeigen  ausser  der 
häufigen  schwarzschaligen  Ävicula  Gea.  nur  sehr  selten  hier  und  da  ein 
mittolmässig  grosses  Exemplar  der  Myophoria  inaequicostata  Klipt. 

Die  weiter  oben  im  Liegenden  des  Dolomites  auftretende  zweite  Kalk- 
bank ist  etwa  zolldick,  innen  dunkelgrau,  aussen  grau  und  gelblichröthlich 
gefleckt,  und  enthält  kleine  Exemplare  der  Myophoria  inaequicostata  Klipst. 
in  Form  von  Steinkernen,  indem  die  Schalen,  sowie  die  Oberfläche  der  Platten 
überhaupt  stark  abgewittert  erscheinen. 

Ueber  der  weissen  zerklüfteten  Dolomitbank  folgen  erst  Mergelkalke 
mit  Mergelschiefer  wechselnd,  endlich  die  obersten  dünnplattigen  dunkel- 
grauen Kalke  beschliessen  wie  am  Torersattel  die  Schichtenreihe  nach  oben 
und  bilden  wie  dort  das  unmittelbare  Liegende  des  unten  geschichteten, 
oben  massigen  Dolomites  der  Predilspitzen. 

Während  ich  nördlich  vom  Thörlsattel,  auf  der  Gräthe,  die  von  da 
zum  Schober  und  Füufspitz  hinzieht,  und  die  Wasserscheide  zwischen  dem 
Torergrabeu  und  dem  Eauschengraben  bildet,  etwa  über  dem  hintersten 
Theile  des  Kunzengrabens  (Kaibl.  0.)  meine  Beobachtungen  skizzirte,  war 
Tronegger,  Östlich  von  mir  auf  den  Gehängen  zum  Torergraben  hinab,  ab- 
wärts gestiegen  und  brachte  mir  nach  einigem  Suchen  zwei  lose  Stücke  eines 
blaugrauen  Kalkmergels,  dessen  eine  Fläche  dicht  bedeckt  ist  mit  zahlrei- 
chen Exemplaren  der  Ostrea  montis  caprilis  Klipst.  und  einem  Stachel  der 


ri3]  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol.  Verhältii.  d. Umgegend  v.  Raibl  u.KaltwaRser.   83 

Cidaris  Braunii  Desor.  Ausserdem  fand  er  zwei  sehr  vollständig  erhaltene 
Exemplare  einer  Terebratel,  die  wohl  die  Waldheimia  Stoppanii  Suess  *) 
sein  dürfte.  Der  Abend  war  bereits  so  nahe  und  wir  noch  so  hoch  über  Raibl, 
dass  ich  es  nicht  mehr  unternehmen  konnte,  diesen  Funden  weiter  nachzu- 
gehen. Da  wir  ziemlich  entfernt,  etwa  400  Klafter  vom  Thörlsattel  gegen 
Norden  uns  befanden,  ist  es  anzunehmen,  dass  die  erwähnten  Funde  Tron- 
egg er's  nur  aus  den  tiefsten  bis  hierher  reichenden  Lagen  der  Schichten- 
reihe der  Corbula  Bosthorni  stammen  können. 

Die  Gesteine  und  die  Petrefacte  zum  Theil,  die  man  im  Thörlsattel 
zu  sammeln  Gelegenheit  hat,  machen  auf  den  Beobachter,  auch  noch  in  der 
Sammlung  geordnet,  einen  so  ganz  verschiedenen  Eindruck  von  jenen  im 
Torrersattel  gewonnenen,  dass  man,  wenn  die  Aufschlüsse  nicht  genügende 
Sicherheit  bieten  würden,  vollständig  in  Zweifel  bleiben  müsste,  ob  man  es 
in  diesen  beiden  Satteln  mit  Schichten  eines  und  desselben  Niveaus  zu  thun 
hatte.  Nicht  besser  ergeht  es,  wenn  man  die  gewonnene  Schichtenreihe  der 
beiden  Sättel  mit  einander  vergleicht. 

Torersattel.  Thörlsattel. 

Ungeschichteter  Dolomit.  Ungeschichteter  Dolomit. 

Geschichteter  Dolomit,  Geschichteter  Dolomit. 

Dunkelgraue  plattige  Kalke.  Dunkelgraue  plattige  Kalke. 

Kalkmergel  mit  Mergelschiefer.  Kalkmergel  mit  Mergelschiefer. 

Bank  mit  Myophoria  Chenopus  und     Dolomit. 

M.  inaequicostata.  Bank   mit  kleinen  Exemplaren   der 

Kalkmergel  mit  Mergelschiefer.  Myopli.  inaequicostata. 

Mergelschiefer.  Bank  mit  Avicula  Gea  und  Bairdia. 

Kalkmergel.  Schichte     mit     Corbula    Bosthorni 

Corbulaschichte,  reich  an  Versteine-         und  Bactryllien. 

rungen.  Kalkmergel  und  Mergelschiefer. 

Bank  mit   kleinen  Exemplaren  der 

MyopJi.  inaequicostata. 
(Hierher  wahrscheinlich  die  Funde 
von   Ostrea  montis  caprilis  und 
der  Waldheimia  Stoppanii. 
Megalodon  Kalkbänke  und  Mergel-     Megalodon  Kalkmergel  und  Mergel- 
schiefer mit  Beeten  ßosus  v.  U.         schiefer. 
Geschichteter  Dolomit.  Geschichteter  Dolomit. 

Ungeschichteter  Dolomit.  Ungeschichteter  Dolomit. 

Die  reiche  Entwicklung  der  Corbulaschichte,  und  der  Schichte  mit 
Myophoria  Chenopus  Laube  und  M.  inaequicostata  am  Torersattel,  —  die 
Dolomit-Einlagerung,  die  Schichte  der  Avicula  Gea.,  die  Bactryllienschichte 
am  Thörlsattel,  —  sind  so  auffallend  von  einander  verschieden,  dass,  wenn 
man  diese  Daten  aus  zwei  verschiedenen  Gebirgen  von  getrennten  Fundorten 
gesammelt  hätte,  man  es  kaum  je  wagen  könnte,  diese  beiden  Bildungen  in 
eine  Parallele  zu  stellen. 

Vervollständigt  man  nach  den  Daten,  die  auf  dem  Wege  von  der 
Coritenza  über  die  Zlava-  und  Mangertalpe,  zum  Torer-  und  Thörlsattel 
gesammelt  wurden,  die  im  westlichen  Gehänge  bei  Raibl  gewonnene  Schich- 
tenreihe, so  lautet  sie  wie  folgt. 

Ungeschichtete  Dolomitmasse  des  Alpl's,  der  Predilspitzen  und  der 
Carnitza,  sehr  mächtig. 


1)  Stopp.  Petrif.  d'Esino  T.  23.  f.  12—16.  11^ 


D.    Stur. 


[16] 


schichten  vomFusse  des  Torersattels  auf  den  Rücken  des  Thörlsattels,  Von  da 
bildet  der  Zug  die  felsigen  Partien  im  Süden  über  dem  Kunzengraben  und 
Eauschengraben,  am  Thörlalplkopf,  und  am  Wasserfall  des  Fallbaches,  und 
ist  quer  über  die  Sommerstrasse  bis  zum  See  unter  dem  Schutt  der  Lahn- 
spitzen sicher  zu  vermuthen. 

Im  westlichen  Gehänge  des  Raiblerthales  sind  diese Megalodonschich- 
ten  am  Alten  Ofen  von  Prof  S  u  e  s  s  nachgewiesen  und  von  da  in  felsigen 
Partien  bis  in  die  Scharte,  und  an  die  Wand  unter  dem  Oberen  Loch  un- 
unterbrochen zu  verfolgen.  Sehr  kenntlich  ist  der  weitere  Verlauf  derMega- 
lodonschichten  von  der  Scharte  westlich  durch  die  Kaare  des  Kaltwasser- 
thales  bis  unter  den  Schwalbenspitz.  Der  die  Mitte  der  Megalodonschichten 
einnehmende  Dolomit  scheint  vom  Torersattel  an,  wo  er  am  mächtigsten  ist, 
in  westlicher  Richtung  langsam  an  Mächtigkeit  abzunehmen,  und  in  den 
Wänden  unter  dem  Schwalbenkopf,  von  Ferne  gesehen,  sich  endlich  ganz 
auszukeilen.  Wenigstens  erlaubt  das  Verschwinden  der  weissen  Farbe  in 
dem  Felszuge  diese  Annahme  zu  machen  und  sie  zur  weiteren  Beobachtung 
zu  empfehlen. 

Bis  zu  diesem  Niveau  der  Megalodonbänke  herab  ist  die  Entwicklung 
der  genannten  Gebilde  eine  ganz  regelmässige,  die  durch  gleiche  geographi- 
sche Verbreitung,  gleichen  Verlauf  der  Züge  offenbar  zu  einer  Gruppe  ver- 
bunden sind  —  und  bietet  in  Bezug  auf  Lagerung  und  Verbreitung  kaum 
irgend  einen  Zweifel.  Diese  beginnen  erst  mit  dem  nächst  tieferen  Horizont. 

Bei  der  Untersuchung  der  Corbulaschichten  am  Torer-  und  Thörl- 
sattel  übersieht  man  sehr  deutlich  das  ganze  Kaar  des  Torergrabens  bis  tief 
hinab  in  die  Sohle  des  Weissenbach's,  ebenso  hat  man,  insbesondere  in  den 
späteren  Nachmittagsstunden  die  Wände  der  östlichen  Gehänge  des  Römer- 
thales,  vom  Mittagkogel  bis  tief  hinab  fast  an  die  Thalsohle,  prachtvoll  be- 
leuchtet vor  sich  —  und  vergebens  sucht  man  auch  nur  eine  Spur  der  tieferen 
Etage  der  Raiblerschichten  mit  Myoplwria  Kefersteini  und  der  Liegend- 
schichten derselben  zu  entdecken,  die  doch  hier,  bei  regelmässiger  Entwick- 
lung der  Schichten,  unter  den  Megalodonbänken  sich  in's  Torerthal  fort- 
setzten sollten.  Auch  die  Begehung  des  Weissenbach  von  unten  aufwärts, 
lässt  keine  Spur  der  Mijophoria  Äe/ers^emi-Schichten  entdecken.  Unsere 
alten  Karten  enthalten  ebenfalls  in  den  genannten  Thälern  die  Raibler- 
schichten nicht  verzeichnet,  sondern  deuten  nur  den  Verlauf  der  Corbula- 
schichten vom  Torersattel  bis  in  die  Coritenza  an. 

Es  drängt  den  Beobachter,  vom  Thörlsattel  nördlich  auf  der  Wasser- 
scheide zwischen  dem  Torergraben  und  dem  Kunzengraben  weiter  zu  schrei- 
ten bis  an  die  untere  Grenze  des  Megalodondolomits,  um  hier  irgend  eine  Ver- 
anlassung oder  Erklärung  für  diese  Erscheinung,  etwa  eine  Verwerfung  oder 
Verschiebung  des  Gebirges  zu  endecken.  Doch  vergebens,  Unter  den  Mega- 
lodon- Kalkmergelbänken  folgt  der  geschichtete,  endlich  der  ungeschichtete 
Megalodondolomit,  und  dieser  lagert  mit  der  grösst  möglichen  Regelmässig- 
keit auf  dem  völlig  ungeschichteten  weissen  erzführenden  Kalke  des  Schobers, 
der  seinerseits  die  ununterbrochene  Fortsetzung  bildet,  vom  erzführenden  Fünf- 
spitzkalk. Weiters  sieht  man  vom  Schober  ebenfalls  ganz  deutlich,  dass  die 
Megalodonschichten  in  einiger  Entfernung  vom  Sattel  nach  West,  die  im 
Kunzengraben  anstehende,  in  steilen  Wänden  vollkommen  aufgeschlossene 
Fortsetzung  der  Raiblerschichten  von  der  Scharte,  mit  deutlichem  conformen 
Fallen  der  Schichten  nach  Süd  überlagert.  Auf  dem  Wege  vom  Thörlsattel 


[171     Beiträge  %.  Kemitniss  d,  geol.  Verhältu.  d.  Uiugegend  v.  ßaibl  u.  Kaltwasser.      87 

durch  den  Rauschengrabeü  hinab  übersieht  man  dieses  Verhältniss  ebenfalls 
sehr  gut,  indem  der  auf  den  Raiblerschichten  lagernde  Megalodondolomit 
und  Kalk  desThörlalplkopfes,  quer  über  den  Rauscheugraben  in  denKunzen- 
bach  streicht  und  auf  dieser  ganzen  Strecke  stets  unter  den  weissen  Wänden 
des  Dolomitzuges  die  braungefärbten  Schichtenköpfe  der  Raiblerschichten 
hervorragen,  bis  an  die  Thallinie  des  Kunzerbaches,  längs  welcher  rechts 
(südlich)  die  Raiblerschichten,  links  (nördlich)  der  erzführende  Kalk  an- 
einander stossen,  und  weiter  oben  beide  gleichförmig  von  Megalodondolomit 
überlagert  werden. 

Mir  war  diese  wunderbare  Erscheinung  nicht  mehr  neu,  denn  v.  M  e  1- 
1  i  n  g  0  hatte  schon  in  einer  sehr  wahren  aber  nicht  richtig  erklärten  Zeich- 
nung auf  dieselbe  aufmerksam  gemacht,  und  ich  konnte  mir  schon  auf  der 
Scharte  nicht  versagen,  von  der  zu  begehenden  Durchschnittslinie  rechts 
und  links  zu  blicken,  und  hat  mich  das  prachtvoll  entfaltete  Bild  des  öst- 
lichen rechten  Gehänges  des  Raiblerthales  mächtig  angezogen,  durch  den 
klaren  Aufschluss  der  eben  auseinander  gesetzten  Lagerungsverhältnisse.  Die 
an  Ort  und  Stelle  gemachte  Skizze  dieses  wunderbaren  Bildes  ziehe  ich  zu- 
rück, weil  dieselbe  in  künstlerischer  Beziehung  weit  nachsteht  hinter  der  von 
Prof.  S  u  e  s  s  gegebenen  prachtvollen  Copie,  die  als  T.  XIII  im  vorjährigen 
Jahrgange  1867  unseres  Jahrbuches  gedruckt,  vorliegt  —  obwohl  meine 
Skizze  von  einem  südlicheren  Punkte  aufgenommen,  insbesondere  den  An- 
stoss  der  Raiblerschichten  an  den  erzführenden  Kalk  im  Kunzergraben 
schärfer  ausdrückt,  und  den  regelmässigen  Verlauf  der  Megalodonbänke  vom 
Fallbachthal  an,  bis  auf  die  Wasserscheide  in  den  Torergraben  übersehen 
lässt. 

Natürlicher  Weise  folgte  auf  die  Kenntnissnahme  von  diesen  Verhält- 
nissen unmittelbar  die  Begehung  des  östlichen  Gehänges  des  Raiblerthales 
im  Fallbach,  im  Rauschen-  und  Kunzenbach  und  weiter  nördlich  längs  dem 
Westfuss  des  Fünfspitz. 

Der  Fallbach  mündet  südlich  bei  Raibl  in  das  Hauptthal.  Derselbe 
hat  in  den  Gehängen  der  Thörlalpe  sein  spärliches  Quellengebiet,  und  führt 
seine  Wässer  in  WNW.  Richtung  steil  herab,  und  bildet,  bevor  er  die  Tiefe 
der  Thalsohle  erreicht,  einen  kleinen  Wasserfall.  In  jenem  tiefsten  Theile, 
von  der  Wand,  über  welche  der  Bach  herabfällt,  bis  zur  Poststrasse  ist  der-- 
selbe  in  schiefrige  Gesteine  eingeschnitten,  die  offenbar  die  Fortsetzung  der 
Raiblerschichten  von  der  jenseitigen  Seite  des  Hauptthaies  darstellen.  Leider 
suchte  ich  vergebens  nach  den  Beweisen  dazu.    (Fig.  1,  siehe  S.  18.) 

Die  liegendsten  Schichten  sind  petrographisch  jenen  düunschiefrigen 
Mergelschieferu  mit  okerigen  Einlagerungen,  die  unter  der  Myo2)horiaKefer-' 
steini  auf  der  Scharte  liegen,  ähnlich.  Im  Hangenden  folgt  fester  Mergel, 
ähnlich  dem  Gestein  der  Myophoriabank.  Doch  auch  hier  keine  Spur  von  der 
grossen  Menge  von  Versteinerungen,  die  diesem  Niveau  auf  der  Scharte  an- 
gehören. Auf  eine  schmale,  darüber  liegende  Schichtenfolge  vom  Mergel- 
schiefer folgen  dünne,  graue  Kalkmergelbänke,  die  man  als  das  petrographi- 
sche  Aequivalent  der  Megalodonbänke  auf  der  Scharte  betrachten  kann. 
Ausser  einer  Mergelplatte  mit  ganz  undeutlichen  Gastropoden,  ferner  drei 
Schieferstücken  mit  schlecht  erhaltenen,  ganz  unbestimmbaren  Bruchstücken 


')  Haiding.  Berichte  V.  p.  33, 


88 


D.    Stur. 


[18] 


von  Bivalven,  fand  ich  nach  langem  Suchen  im  unteren Theile  des  Fallbaches 
nur  noch  einige  Platten  mit  Fischresten.  Diese  Platten  sind  petrographisch 
ebenso  schwierig  zu  unterscheiden  vom  Wengerschief er,  wie  jene  aus  gleichem 
Niveau  auf  der  Scharte.  Ich  kletterte  einer  Ideinen  Kiese  in  die  Höhe  nach, 
welche  die  i'ischreste  zahlreicher  enthielt,  und  fand  dass  diese  Fischschiefer 
unmittelbar  unter  der  Lage  des  festen  Mergels  anstehen,  folglich  fast  das- 
selbe Niveau  einnehmen,  wie  auf  der  Scharte. 

Fig.  1 

An  der  Wand  des  Fallhaches.  RaiU  0. 


li.  Uiigescliicliteter  doloinitischer  Kalk.     g.  Geschichteter  dolomitischer  Kalk.     r.  Raiblerschiefer. 
Mergel,    ms.  Mergelschiefer,    k.  Geschichtete  Kallcniergelbänke. 


m.  Fester 


Von  diesem  hohen  Standpunkte  übersah  ich  im  Fallbach  die  Wand  des 
Wasserfalls  und  sah  im  Südgehänge  des  Fallbaches  das  oben  skizzirte  Ver- 
hältniss  der  Kaibierschiefer  zur  Wand.  Die  letztere  besteht  oben  aus  ge- 
schichtetem, unten  aus  schichtungslosem,  dolomitischen  Kalk,  der  dem  Niveau 
der  Megalodonschichten  angehört.  Die  Wand  fällt  fast  senkrecht  ab, 
und  entspricht  der  östlichen  Fläche  einer  Verwerfungskluft,  die  etwa  h. 
3 — 4  nordsüdlich  streicht.  An  diese  Wand  stossen  die  Kaibierschiefer  mit 
flachem  SU.  Fallen  an.  An  der  Verwerfungsfläche,  dort  wo  die  Schiefer  die 
Wand  berühren,  zeigen  sie  eine  steilere  Neigung  des  Fallens  unter  die 
Wand,  und  sind  die  der  Berührungsfläche  entnommenen  Schiefer  theils 
deutlich  geglättet,  oder  zerdrückt  und  zu  einem  Lehm  zermalmt.  Die  Ein- 
sichtnahme in  dieses  Verhältniss  verdankt  man  der  langjährigen  Arbeit  des 
Fallbaches,  welcher  die  vor  der  Wand  lehnenden,  in  die  Höhe  etwa  50  Fuss 
hoch  verworfenen  Kaibierschiefer  weggewaschen  und  die  Wand  entblösst 
hat.  Ohne  dieser  Entblössung  wäre  man  genöthigt  anzunehmen,  dass  die 
höchsten  hier  vorkommenden  entblössten  Kaibierschichten,  nämlich  jene, 
Megalodonbänken  ähnlichen  geschichteten  Kalkmergel,  unter  den  obersten 
geschichten  Theil  der  Wand  einfallen. 


j  1 9]  Beiträge  z.  Kenntniss  d,  g"o\.  Verhä' '  n.  d.  Umgegend  ▼.  Eaibl  u.  Kaltwasser      89 

Bei  der  Verfolgung  der  Eaiblerschiefer  des  Fallbaches  dem  Streichen 
Qach  unter  dem  Thörlalplkopf  vorüber,  in  das  Gebiet  des  Rauschen-  und 
Kunzengrabens,  wird  man  durch  die  Halde  eines  Stollens  im  Ostgebänge, 
nördlich  von  der  Mündung  des  Fallbaches  und  östlich  an  den  südlichsten 
Häusern  von  Raibl,  aufmerksam  gemacht  auf  eine  Reihe  niederer  Kalkberge, 
die  im  Osten  von  Raibl  längs  der  Poststrasse  thalabwärts,  den  Mündungen 
des  Rauschen-  und  Kunzengrabens  vorliegen.  Im  ganzen  bemerkt  man  darin 
vier  Stollen;  den  erwähnten,  dann  einen  zweiten  südlich  von  der  Mündung 
des  Rauschengrabens  und  zwei  andere  zwischen  den  Mündungen  des  Rauschen- 
und  Kunzengrabens.  Die  erwähnten  Vorhügel  sind  daher  dem  erzführenden 
Kalke  angehörig,  in  welchem  man  auf  zwei  Gängen,  dem  Rauschenbachgang 
(IL  zwischen  dem  Fall-  und  Rauschenbach)  und  demLuscharigang  (I.  zwischen 
dem  Kunzen-  und  Rauschenbach),  die  beide  dem  Hauptthale  etwa  parallel 
streichen,  vor  etwa  50  Jahren  Bleierze  gefunden  hat.  Man  muss  die  niedere, 
vom  Fallbach  an  beginnende  und  nördlich  verlaufende  Bergkette  vom  erz- 
führenden Kalk,  die  endlich  im  Westfusse  des  Fünfspitz  mit  diesem  ver- 
fliesst,  verqueren,  bis  man  an  den  Zug  des  Raiblerschiefers  in  den  hinteren 
Theilen  des  Rauschen-  und  Kunzengrabens  gelangt. 

Der  Rauschengraben  ist  wenig  aufgeschlossen  und  verschüttet.  Was 
man  anstehend  findet,  scheint  denselben  Schiefem  zu  entsprechen,  die  der 
Fallbach  aufschliesst.  Erst  die  rechte  Seite  des  Rauschenbachs  zeigt  felsige 
Stellen  entblösster  Raiblerschichten,  die  sich  dann  südlich  vom  Kunzenbach 
bis  in  den  hintersten  Theil  dieses  Grabens  fortsetzen  und  gute  Aufschlüsse 
bieten. 

Im  untersten  Theil  des  Kunzengrabens  sucht  man  die  tiefsten  Schichten 
des  Aufschlusses.  Es  sind  dies  dunkelgraue  oder  schwarze  Schieferplatten, 
die  mit  grauen  Kalkmergeln  abwechseln.  Weder  die  schwarzen  plattigen 
Kalke,  noch  die  Wengerschiefer  und  die  Korallenschichte,  konnte  ich  irgendwo 
entdecken.  Diese  beiden  tiefsten  Niveau's  des  Schartendurchschnittes  fehlen 
hier  somit  ganz,  und  nur  die  dunklen  Kalkmergel  mit  Schieferzwischenlagen, 
und  die  oberen  fischführenden  Mergelschiefer  mit  okerigen  Zwischenlagen  sind 
im  Ostgehänge  des  Raiblerthales  mit  grösserer  Sicherheit  wieder  zu  erkennen. 

Man  ersteigt,  in  der  Hoffnung,  im  linken,  steilen,  sehr  schön  enblössten 
Gehänge  die  Myophoria  Kefersteini  zu  entdecken,  sehr  rasch  den  obersten 
Rand  der  Raibler schiefer,  wo  die  Megalodonschichten  auf  den  Schiefern  auf- 
lagern. Hier  müssten,  wie  auf  der  Scharte  bekannt,  unter  dem  Megalodon- 
dolomite,  unmittelber  die  Solen- Schichte  und  die  Myophoria  Kefersteini- 
Hauptbänke  folgen.  Doch  umsonst.  Man  sieht  in  der  That  petrographisch 
dieselben  Mergelbänke,  überlagert  vom  plattigen  Dolomit  wie  auf  der 
Scharte,  (mit  Ausnahme  der  losen  Petrefacte)  aber  die  Mergelbänke  sind 
leer  und  baar  aller  Versteinerungen.  Und  so  ersteigt  man  einen  Aufschluss 
nach  dem  andern  westlich  ins  Thal  hinein,  und  stets  ohne  Erfolg  an  Petre- 
factenfunden. 

Im  hintersten  Theile  des  Kunzengrabens  sieht  man  genau  die  Thal- 
linie die  Grenze  bilden  zwischen  den  hier  aneinander  stossenden  Raibler- 
schichten und  dem  erzführenden  Kalk. 

Von  da  hinab  bis  zu  der  grossen  Biegung,  die  der  Kunzengraben  in 
seinem  unteren  Theile  ausführt,  fallen  die  Raiblerschichten  S.  oder  SO.  Im 
Buge  selbst  fallen  sie  flach  nach  Ost  und  unterteufen  ganz  evident  den  erz- 
führenden Kalk.  Das  Ostfallen  dauert  fort  an,  bis  zum  Zusammenfluss  des 

Jaferbnck  der  k.  i.  geologischen  ßeiohsanstalt.  1868.  18.  Band  I.  Heft.  1*^ 


90  D.  Stur.  [20] 

KuDzengrabens  mit  dem  Schlizagraben,  welcher  in  der  Gamsenklamm,  am 
Fünfspitz  seinen  Ursprung  nimmt.  Nördlich  vom  Zusammenfluss,  am  rechten 
Gehänge  des  Schlizabaches  fallen  die  Schichten  nach  NO.  und  N.  und  ist 
dieses  Fallen  von  da  nördlich  so  lange  zu  beobachten,  als  noch  die  ßaibler- 
schiefer  anstehend  zu  sehen  sind,  nämlich  bis  zur  Vereinigung  der  Vorhügel 
des  erzführenden  Kalkes  mit  dem  Fünfspitz,  (siehe  die  geol.  Karte),  gerade 
im  Westen  von  der  höchsten  Spitze  dieses  Felsenkolosses. 

Während  somit  im  hinteren  Theile  des  Kunzengrabens  der  oberste 
Theil  der  Raiblerschiefer  an  den  obersten  Theil  des  erzführenden  Kalkes  als 
anstossend  beobachtet  wird,  fallen  die  liegenderen  Schichten  des  ßaiblerschie- 
fers  unter  die  tieferen  Horizonte  des  erzführenden  Kalkes.  Woraus  derSchluss 
natürlich  zu  folgen  scheint,  dass  erstens  der  oberste  Theil  des  erzführenden 
Kalkes  als  gleichzeitig  mit  dem  oberen  Theile  des  Raiblerschiefers  zu  be- 
trachten sei  —  dafür  spricht  das  deutlich  aufgeschlossene  Hangende,  welches 
beide  neben  einander  vorkommende  Gesteine  gleichmässig,  wie  einen  ein- 
zigen Schichtencomple  überlagert,  —  und  dass  zweitens  die  untersten 
Raiblerschiefer  des  Kunzengrabens  älter  seien  als  der  ganze  erzführende 
Kalk  des  Fünfspitz,  indem  dieselben  noch  den  centralsten  Theil  dieser  Kalk- 
masse deutlich  sichtbar  unterteufen. 

Auch  die  oft  erwähnten  Vorhügel  des  erzführenden  Kalkes  lagern  auf 
den  Raiblerschiefern  des  Kunzengrabens. 

Unter  solchen  wohl  höchst  merkwürdigen  Verhältnissen  erreicht  der 
Zug  der  Raiblerschichten  der  westlichen  Thalseite,  auf  dem  östlichen  Ge- 
hänge sein  Ende.  Es  liegt  kaum  ein  wichtiger  Grund  vor  zu  zweifeln,  dass 
die  Raiblerschiefer  des  östlichen  Gehänges  die  wirkliche  Fortsetzung  der  in 
der  Scharte  aufgeschlossenen  Schichten  darstellen.  Doch  den  directen  Be- 
weis durch  Funde  von  Petrefacten  gelang  es  mir  nicht  zu  liefern,  trotzdem 
ich  selbst  alle,  irgend  welche  Hoffnung  oder  Berechtigung  bietenden  Stellen 
fleissig  abgestiegen  habe.  Was  ich  von  Sammlern  aus  dem  Kunzengraben 
zu  sehen  bekam,  waren  Stücke  der  Gesteine  der  Corbulaschichten,  die  in 
den  obersten  Theil  dieses  Grabens  direkt  und  durch  den  Rauschenbach  vom 
Thörlsattel  her  eingeschleppt  sein  konnten.  Allerdings  ist  es  sehr  auf- 
fallend, dass  an  dem  Petrefacten-Reichthume  der  Scharte  das  östliche 
Gehänge  auch  nicht  im  geringsten  Maasse  participirt. 

Die  Westseite  des  Raiblerthales,  die  Scharte  und  der  Abfall 
der  letzteren  in  das  Kaltwasserthal  sind  von  der  Ostseite  dadurch  ausge- 
zeichnet, dass  hier  zwei  tiefere  Glieder,  die  schwarzen  plattigen  Kalke  und 
die  Wengerschiefer  aufgeschlossen  sind,  die  der  Ostseite  fehlen. 

Bei  der  Begehung  des  Durchschnittes  der  Scharte  ist  mir  der  Zug  der 
Wengerschiefer  von  der  Wohnung  des  Oberhutmanns  in  Raibl,  westlich  bis 
auf  die  Scharte  bekannt  geworden.  Seine  Configuration  ist  eigen thümlich. 
Von  der  Oberhutmannswohnung  zieht  der  Wengerschiefer  hoch  hinauf  am 
südlichen  Gehänge  des  Königsberges  etwa  zu  dessen  halber  Höhe,  (hier 
der  berühmte  Fundort  der  Pflanzen,  Krebse,  Fische).  Von  da  zieht  seine 
Nordgreuze  tief  südwestlich  hinab  in  die  Klamm,  und  von  da  wieder  steil 
aufwärts  zur  Scharte,  wo  der  Wengerschiefer  etwa  bis  zu  zwei  Drittel  der  Höhe 
des  Königsberges  hinauf  reicht.  Der  Wengerschiefer  reicht  somit  in  zwei 
zungenförmigen  Vorsprüngen  links  und  rechts  von  der  Schartenklamm  auf 
die  Gehänge  des  Königsberges  liinauf.  Die  östlich  von  der  Klamm  liegende 
Partie  des  Wengerschiefer«  reicht  weniger  hoch  hinauf  und  ist  auch  viel 


[2  1 1   Beiträge  z.  Kenntn.  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raibl  n.  Kaltwasser        9 1 

flacher  gelagert.  Die  schon  besprochene  Platte  am  Fundorte  der  Petrefacte 
mag  etwa  30 — 40  Grade  südlich  geneigt  sein,  üebrigens  ist  diese  Partie 
des  Wengerschiefers  mit  hohem  Wald  bedeckt,  und  nur  wenig  zugänglich, 
so  dass  ich  ausser  den  schon  erwähnten  Funden  an  Korallenblöcken  kaum 
irgend  Erwähnenswerthes  bemerkt  habe. 

An  die  Knickungen  des  Wengerschiefers  in  der  Klamm  und  an  die- 
selbe Erscheinung  in  dem  von  der  Klamm  sichtbaren  Ostrande  des  auf  die 
Scharte  hinaufreichenden  Wengerschiefers  brauche  ich  nur  zu  erinnern.  Viel 
steiler  ist  die  Schichtenstellung  des  Wengerschiefers  zur  Scharte  hinauf, 
durchschnittlich  kaum  unter  7ö  Graden  in  Süd;  und  es  reichen  die  Schichten 
des  Wengerschiefers  viel  höher  in  die  Gehänge  des  Königsberges  hinauf. 

Diese  verschiedene  Stellung  der  beiden  Vorsprünge  des  Wengerschiefers 
lässt  mich  im  Zweifel  darüber,  ob  die  Korallenblöcke,  die  man  am  Fuss- 
steige  von  der  Klamm  zur  Scharte  hinauf,  mitten  im  hohen  Walde  ohne 
irgend  namhaften  Aufschluss  herumliegend,  findet,  demselben  Niveau  ange- 
hören wie  die  an  der  Oberhutmannswohnung  und  am  Wege  zum  Fundort 
gefundenen.  Das  petrographisch  und  im  Inhalte  kaum  verschiedene  Gestein 
und  die  steilere  Stellung  des  Wengerschiefers  auf  der  Scharte,  seheinen 
dafür  zu  sprechen,  dass  die  scheinbar  in  zwei  Linien:  (am  Wege  zum 
Fundort  und  am  Wege  zur  Scharte)  gefundenen  Korallenstücke  einer  ein- 
zigen Korallenbank  entstammen,  die  das  oberste  Niveau  des  Wengerschiefers 
auszeichnet. 

Den  eigentlichen  Sattel  der  Scharte  habe  ich  sehr  schlecht,  nur  stück- 
weise aufgeschlossen,  und  daher  zu  detaillirteren  Beobachtungen  nicht  ge- 
eignet gefunden.  Trotzdem  scheint  es  unzweifelhaft  zu  sein,  dass  auf  dem 
Sattel  der  Scharte  nicht  alle  Glieder  des  oben  besprochenen  Durchschnittes 
des  Kempferbaches  aufgeschlossen  sind.  Denn  kaum  hat  man  die  Gegend  der 
Korallenblöcke  passirt,  als  auch  schon  in  einigen  Einrissen  und  am  Fuss- 
steige  die  dünnschiefrigen  Mergelschiefer  (aus  dem  Niveau  unter  der  Bank 
mit  Myoph.  Kefersteinii),  sogenannter  tauber  Schiefer,  anstehend  gefunden 
werden,  daher  sowohl  der  schwarze  p^a^iige  Kalk,  als  auch  das  nächstfol- 
gende höhere  Glied  des  Durchschni'^Les  zu  fehlen  scheint. 

Das  Stück  des  Wen^erschierers  von  der  Scnaita  hinab  ins  Kaltwasser- 
thal ist  mir  nicht  in  der  gün.eii  Ersurec^iun-^  bekmnt  geworden.  Der  ausser- 
ordentlich steile  und  ruischice  Fusss'jeig  an  der  Scharte  hinab  in's  Kalt- 
wasserthal führt  durch  Kiesen-  und  Schuuigräben  so  ziemlich  in  der  Mitte 
zwischen  dem  Hangenden  und  Liegenden  der  ßaiblerschichten  in  der  Region 
der  okerigen  Mergelschie/er.  Auch  eaauben  Gebüsch  und  dichter  Wald 
kaum  einen  einzigen  Blick  zu  machen  auf  dej  Verlauf  des  Wengerschiefer. 
Ich  mussto  bis  in's  Kaltwasser l:hal  hinab,  und  erst  von  da  bewegte  ich  mich 
auf  dem  Schuttkegel  eines  Grabens  im  Norden  des  Schartengrabens  an  die 
südwestlichen  Wände  des  Köniccberges. 

Endlich  gelangt  man  in  den  anstehenden  Wengerschiefer  mit  An- 
fangs flach  südlich  fallenden  Schieb ^en.  Dann  folgt  eine  Wendung  des 
Grabens  und  zugleich  eine  Socile  Entblössung,  in  welcher  alle  Schichten  nach 
Norden,  unter  die  hoch  aufragenden  Wände  des  Königsteins  einfallen.  Kurz 
vor  dieser  Wendung  des  Grabens  fand  icn  in  der  Grabensohle  Stücke  eines 
schwarzen  Kalkes,  der  durch  weisse  Schalen  von  glatten  Brachiopoden  auf- 
fiel. In  der  That  waren  diese  ziemlich  häufig,  doch  meist  zerdrückt.  Nach 
der  Grösse  und  Form,  dürften  sie  der  Terehratula  vulgaris  Schi.  sp.  ange- 
lt* 


92  1>.  Stur.  [22] 

hören.  Ausserdem  wurde  ein  zweiter,  kleiner  Brachiopode  von  der  Form  der 
Terehratula  angusta  Schi  in  einem  Exemplare  gefunden.  Eine  kleine  Platte 
enthält  nebst  der  ersten  Terebratel  ein  ausgewittertes  Bruchstück  eines  Am- 
moniten,  der  wohl  der  Ämmonites  hinodosus  v.  H.  sein  dürfte.  Ein  zweites 
Gesteinstück  enthält  von  diesem  Ammoniten  ein  etwas  kleineres  junges 
Exemplar,  alsjenes von Bey rieh  abgebildete/)  und  deniKücken  eines  zweiten 
ebenfalls  kleinen  Exemplares.  Ferner  fanden  sich  Gesteinsplatten,  bedeckt 
von  jungen  Exemplaren  einer  Halohia,  die  solchen  der  H.  Moussoni  sehr 
ähnlich  sind.  Die  Erhaltung  aller  dieser  Funde  lässt  manches  zu  wünschen 
übrig,  und  mag,  der  grossen  Wichtigkeit  wegen,  zur  Feststellung  der  That- 
sache,  dass  hier  ßeiflingerkalk  vorliegt,  nicht  genügend  erscheinen.  Trotz- 
dem verdienen  diese  Funde  alle  Beachtung,  umsomehr  als,  nach  den  mitge- 
theilten  Thatsachen,  längs  dem  Nordrande  der  Raiblerschichten  von  Kunzen- 
bach  an,  immer  ältere  und  ältere  Schichten  zum  Vorschein  treten,  so  dass 
endlich  hier  am  südwestlichen  Fusse  des  Königsberges  auch  das  Liegende 
des  Wengerschiefers:  der  ßeiflingerkalk  an  den  Tag  träte  Aus  den,  über 
diesem  Reiflingerkalke  lagernden  Wengerschiefern  erwähne  ich  eine  Schichte, 
die  ich  bei  Raibl  nicht  bemerkt  hatte,  und  die  aus  grauem  Kalk  besteht,  in 
welcliem  kleine  Kügelchen,  wie  Oolithkörner,  eingebacken  sind,  die  durch- 
sichtig erscheinen  und  aus  krystallinischem  Kalkspath  bestehen.  Dieses 
eigenthümliche  Gestein  ist  voll  eines  Aon  ähnlichen  Ammoniten,  den  Dr. 
Laube  aus  dem  Wengerschiefer  von  St.  Cassian,  unter  den  Namen  Ä.  Ar- 
chelaus,  nächstens  beschreiben  und  abbilden  wird.  Pflanzenreste  führt  der 
Wengerschiefer  im  Kaltwassergraben  selten,  in  nicht  besonders  guter  Erhal- 
tung. Unter  andern  nicht  näher  bestimmbaren  Stücken,  liegt  insbesondere 
Pterophyllum  Sandbergeri  Schi,  von  da  vor. 

Es  ist  hervorzuheben,  dass  ich  weder  auf  dem  Schuttkegel  des  Grabens, 
noch  weiter  oben,  irgend  eine  Spur  von  Gesteinen  aus  den  höheren  Schichten 
getroffen  habe,  dass  hier  somit  nur  die  Wengerschiefer  und  die  Reiflinger- 
Kalke  den  westlichen  Theil  der  Wände  des  Königsberger  erzführenden 
Kalkes  unterteufen. 

U eberblickt  man  diese  Studien  längs  der  Nordgrenze  der  Raibler- 
schichten gegen  den  sogenannten,  erzführenden  Kalk  des  Fünfspitz  und 
Königsberges,  so  treten  vor  Allem  folgende  Thatsachen  in  den  Vordergrund  : 
erstens  das  Erscheinen  immer  tieferer  und  älterer  Schichten  von  Ost  nach 
West,  zweitens  dass  diese  verschieden  alten  Schichten  den  erzführenden 
Kalk  bald  unterteufeU;  bald  überlagern,  oder  endlich  an  ihn  anstossen.  In 
ersterer  Beziehung  erinnere  ich,  dass  im  östlichsten  Theile  des  Kunzen- 
grabens  nur  die  obersten  Theile  der  Raiblerschichten  vom  Niveau  der  Myo- 
phoria  Kefersteini  und  die  zunächst  darunter  liegenden  Schichten  aufge- 
schlossen sind,  gegen  die  Mündung  des  Grabens  tiefere  Schichten  folgen; 
dass  im  Westgehänge  des  Raiblertliales,  die  Wengerschiefer,  im  Kalt- 
wasserthal auch  die  Reiflingerkalke  unter  den  Wengerschiefern  erscheinen. 

Wenn  auch  in  dieser  Richtung  unsere  älteren  Angaben  auf  den  Karten 
nicht  mehr  mit  hinreichender  Genauigkeit  zu  verwenden  sind,  so  darf  ich 
nicht  unbeachtet  lassen,  dass  die  Wengerschiefer  überhaupt  die  tieferen 
Schichten  der  Raiblerscharte  auf  unseren  Karten  nur  noch  bis  an  die  Ost- 
seite des  Wolfsbacherthaies  angegeben  sind,  während  der  weitere  Verlauf 
durch  das  Dognathal  mit  der  Farbe  bezeichnet  wird,  die  für  die  Andeutung  des 


1)  Ceplialopoden  aus  dem  Musch(4kalk  der  Alpen.  T.  i.  F.  2. 


[231  Beiträge  z.  Kenntn.  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  ßaibl  u.  Kaltwasser.       93 

Verlaufes  der  Corbulaschichten  vom  Torersattel  bis  in  die  Coritenza  ver- 
wendet wurde.  Nach  diesen  Angaben  hat  der  Beobachter  zu  erwarten,  dass 
im  Wolfsbacherthale  ein  ähnliches  Verschwinden  der  tieferen  Raiblerschichten 
eintritt,  begleitet  von  einer  ähnlichen  Ausbuchtung  der  Schiefer  nach 
Norden  >),  wie  im  Ostgehänge  des  Raiblerthales. 

Diese  eine  Reihe  von  Erscheinungen  würde  die  Linie,  auf  welcher  die 
Eaiblerschichten,  von  Raibl  westlich  bis  Dogna  auftreten,  als  eine  Verwer- 
fungs-  oder  Antiklinallinie  und  die  Strecke  von  Raibl  in's  Wolfsbacherthal 
als  die  meist  verworfene  Stelle  derselben  kennzeichnen. 

In  Bezug  auf  die  zweite  Reihe  von  Thatsachen  erinnere  ich,  dass  der 
erzführende  Kalk  des  Fünfspitz,  nördlich  vom  Torersattel  von  den  Megalo- 
donkalken  sehr  regelmässig  überlagert,  im  Kunzengraben  von  den  tieferen 
Raiblerschiefern  unterlagert,  von  den  beiden  Vorsprüngen  des  Wenger- 
schiefers  überlagert  —  wobei  die  vielfachen  Knickungen  und  Windungen  in 
der  Schartenklamm  nicht  ausser  Acht  zu  lassen  sind  —  endlich  im  Kalt- 
wasserthale  von  den  Wengerschiefern  und  Reiflingerkalkeu  unterlagert  wird. 

Wenn  das  Vorkommen  der  vielen  Knickungen  und  Windungen  des 
Wengerschiefers  bei  der  Auflagerung  desselben  auf  den  Königsberger  erz- 
führenden Kalk  berücksichtigt  wird,  wenn  mau  insbesondere  die  regelmässige 
Auflagerung  der  viel  jünger  als  Wengerschiefer  scheinenden  Megalodonschichten 
auf  dem  erzführenden  Kalk  des  Fünfspitz  im  Auge  behält,  so  neigt  sich  auch 
diese  Reihe  von  Thatsachen  zur  Annahme,  dass  die  Linie  von  Eaibl  als  eine 
Verwerfungslinie  zu  betrachten  sei. 

Sehr  auflallend  ist  dagegen  der  sehr  unregelmässige  Verlauf  dieser 
Linie.  Aus  dem  Kaltwasserthal  verfolgt  sie  bis  auf  die  Scharte  eine  östliche, 
von  da  nach  Raibl  eine  südöstliche  Richtung.  Von  Raibl  in  Ost  ist  sie  erst 
längs  der  niederen  Hügelreihe  vom  erzführenden  Kalk  nach  Nord  unter  den 
Fünfspitz,  parallel  dem  Hauptthale  (und  dem  sogenannten  Morgenblatt), 
von  da  weiter  in  südöstlicher  Richtung  geknickt  (etwa  dem  Abendblatte  parallel) 
und  erst  im  obersten  Theile  des  Kunzenbaches  zeigt  sie  einen  rein  östlichen 
Verlauf.  Wenn  man  unsere  Karten  zu  Rathe  zieht,  scheint  die  Linie  von 
Raibl  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  solchen  Knickungen  unterworfen  zu  sein. 

Eine  weitere  Thatsache,  die,  wie  die  oben  erwähnten  Unregelmässig- 
keiten gegen  die  Erklärung  der  Linie  von  Raibl  als  einer  einfachen  Verwer- 
fungslinie spricht,  ist  der  Mangel  einer  jeden  Spur  von  einer  Verwerfung  an 
der  üeberlagerungsstelle  der  Megalodonschichten  in  der  Fortsetzung  der 
Thallinie  des  Kunzenbaches.  Gegen  die  Annahme  einer  einfachen  Verwer- 
fungslinie spricht  endlich  der  von  Megalodonschichten  überlagerte  Anstoss 
der  Raiblerschiefer  au  den  erzführenden  Kalk,  die  Ünterlagerung  des  erz- 
führenden Kalkes  im  Kunzenbach  von  den  Raiblerschichten  und  im  Kalt- 
wasserthale  von  den  Wengerschiefern  und  Reiflingerkalkeu,  welche  letzteren 
Thatsachen  mehr  für  die  Gleichzeitigkeit  der  Bildung  des  erzführenden 
Kalkes  und  der  Raiblerschichten  zeugen. 

Jedes  weitere  Eingehen  in  dieses  Verhältniss  wäre  vorzeitig  bei  der 
UnVollständigkeit  der  vorläufig  gemachten  Erhebungen.  Entschieden  darf 
man  jetzt  schon  die  Meinung  in  den  Vordergrund  stellen,  dass  die  Ueberla- 
geruug  des  erzführenden  Kalkes  durch  den  Wengerschiefer  in  Raibl  als  eine 
zufällige  und  abnorme  zu  betrachten  sei. 

1)  Siehe  die  geologische  Karte  vou  Kaibl  von  A.  v-  Morlot:  Jahrb.  d.  g 
K.  A,  I.  T.  IV.  (südlich  von  Wolfsback). 


94  I>.  Stur.  £24] 

4.    Gliederung   der   Fauna  und   Flora    der    bei   Raibl   aufge- 
schlossenen Schiebten. 

Ich  beginne  mit  der  jüngsten  beachteten  Schichtenreihe;  mit  dem  auf 
den  Corbulaschichten  lagernden  Hange nddolomit. 

Derselbe  führt  reichlich  Schnecken  und  Evinospongieu,  Durchschnitte 
und  Auswitterungen.  Die  schlechte  Erhaltung  dieser  Versteinerungen  er- 
laubt mir  hier  nur  drei  Namen,  mit  beizufügenden  Zweifeln,  anzuführen : 

Evinospongia  vesiculosa  Sfovp. 

Turbo  conf.  Stahüei  v.  H. 

Turho  conf.  suhcoronatus.  Hörnes. 

In  bestimmter  Weise  darf  ich  angeben  das  Fehlen  aller  jener  Petre- 
facte  in  diesem  Dolomit  von  Kaibl,  die  in  neuester  Zeit  von  ßeneke,  ') 
mit  dem  Turbo  solitarius  als  Leitmuscheln  des  sogenannten  Hauptdolomit 
angeführt  werden ;  wovon  ich  den  genannten  Turbo  solitarius  iu  Schichten 
mit  Gardium  austriacum,  die  ISatica  incerta,  die  wohl  eine  Pleurotoma  sein 
dürfte  und  Avicula  exilis  Stopp,  aus  dem  Dachsteinkalke  mit  Starhemberger- 
Zwischenschichten,  bei  der  eben  fertig  gewordenen  Aufstellung  der  Petre- 
facte  der  rhätischen  Formation  der  Nordalpen,  nachzuweisen  Gelegenheit 
hatte.  Ich  halte  diesen  Dolomit  in  Kaibl  noch  für  obertriadisch  und  werde 
unten  auf  diese  Behauptung  zurückkommen. 

In  den  Corbulaschichten  habe  ich  auf  fünf  verschiedenen  Fund- 
orten gesammelt :  in  der  Coritenza  bei  Preth,  am  Torersattel,  am  Thörl- 
sattel,  in  den  Riesen  des  Eisengrabens  und  anderen  Gräben  am  Raiblsee 
und  im  oberen  Loch  über  der  Scharte  von  Raibl.  Von  den  genannten  wurde 
schon  als  abweichend  bezeichnet  das  gesammelte  Materiale  vom  Thörlsattel. 
Es  liegt  mir  von  der  Schichte  mit  den  Bactryllien  und  von  der  Avicula- 
schichte  eine  grössere  Anzahl  von  Stücken  vor.  Die  erstere  enthält : 

Bactryllium  canaliculatum  Heer. 

Corbula  RostJiorni  Boue. 

Hörnesia  Joannis  Austritte.  Klipst.  sp. 

Pecten  sp. 

Die  letztgenannten  Arten  je  in  einem,  die  Corbula  in  mehreren,  das 
Bactryllium  in  zahlreichen  Exemplaren. 

Die  Aviculaschichte  enthält  in  Unzahl  die  Bairdia  subcylindrica 
Sandb.  und  die  Avicula  Gea  Orb.  Selten  die  Myoplioria  inaequicostata  Klipst. 
Dieser  Schichte  dürfte  ein  Ammonites  Gaytani  Klipst..,  jenseits  der  Thörl- 
alpe  gefunden,  angehören,  nach  der  röthlichen  fast  ziegelrothen  Farbe  des, 
die  Kammern  des  Ammoniten  ausfüllenden  Mergels  zu  urtheilen.  Jedenfalls 
gehört  derselbe  nach  der  Angabe  des  Fundortes  .dem  Corbulaschichtencom- 
plexe  an.  Ferner  gehören  diesem  Schichtencomplexe  unzweifelhaft  an  die 
Ostrea  Montis  caprilis  Klipst..,  Waldheimia  Stoppanii  Sss.  und  Cidaris 
Braunii  Desor.,  ohne  dass  es  mir  gelungen  wäre  das  Niveau  dieser  Petrefacte 
festzustellen. 

Am  Torersattel  habe  ich  vorzüglich  zweierlei  Platten  mit  Petrefacten 
gesammelt.  Die  Platten  mit  Myoplioria  Chenopus  Laube  und  M.  inaequicos- 
tata Klipst.,  die  beide  v.  Morlot  unter  dem  Namen  der  M  Whatleyae 
von  Raibl  erwähnt,  die  sich  aber  nach  Fr.  v.  Hauer  durch  die  dünne  Schale 
und  die  auf  der  Innenseite  der  Muschel  deutlich  ausgeprägten  Rippen  von 
der  echten  M.  Whatleyae  unterscheiden,  enthalten  ausser  den  genannten  nur 

1)  Dr.  E.  W.  Benecke:  geogn.  pal.  Beitr.  1.  Heft.  1866.  T.  II. 


[25]  Beiträge  z.  Kenntn.d.  geol.  Verhält«,  d.  Umhegend  v.  Raibl  und  Kaltwasser.    ÖS 


noch  schlecht  erhaltene  Bair dienschalen,  wahrscheinlich  von  der  Bairda  suh- 
cijlindrica  Sandh. 

Bei  weitem  reichhaltiger  an  Fossilien  sind  die  Platten  des  Corbulage- 
steins,  welche  in  einer  grossen  Anzahl  vom  Torersattel  und  von  anderen  ge- 
nannten Fundorten  in  unserer  Sammlang  vorliegen.  Zweierlei  Stücke  von 
diesem  Gestein  liegen  fast  von  allen  Fundorten  vor.  Die  einen  enthalten  die 
Corbula  mit  kreideweissen,  die  andern  mit  a^chgraugefärbten  Schalen.  Es 
ist  zu  bemerken,  dass  die  am  Torersattel  neben  dem  Ttychostoma  Sandae 
Crucis  Wissm.  sp.  lose  ausgewittert,  sehr  zahlreich  gefundenen  Exemplare 
der  Corhula  Bosthorni  aschgrau  gefärbt  und  zweiklappig  sind,  während  man 
sonst  sowohl  auf  den  aschgraugefärbten,  als  auch  kreideweissen  Platten  des 
Corbulagesteins  diese  Art  nur  in  einklappigen,  die  Platten  dicht  be- 
deckenden Stücken  bemerkt. 

Fast  der  sämmtliche  Reichthum  an  Fossilien  der  Corbulaschichten  ist 
in  dem  Corbulagestein  concentrirt  Die  wichtigsten  Arten  darunter,  wie  die 
Tema  Bouei  v.  H.  sitzen  auf  den  Platten  wie  angeklebt  auf.    Es  folgt  eine 


Fossilien  der  Corbula-Schichten 

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Corbula  Rothorni  Boue. 

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st.     .    •  .    .    . 
icis   Wissm.    . 
issm.  sp.     .    , 

-i- 

+ 
+ 

-t- 

T 
+ 
+ 
+ 

+ 
T 

4- 

+ 

+ 
+ 
i 

+ 

+ 

4- 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 
+ 

_L 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

-f 

+ 

+ 

+• 
+ 

-r 

+ 
+ 

+ 

+ 

Corbis  Mellingi  v.  H 

Pachyrisma  rostratum   Münst.    ,    .    .    , 

sp 

Myophoria  inaequicostata  Münst.    .    .    . 

„          Chenopus  Laube     

„          lineata  Münst 

Area  sp.  . 

Macrodon   strigillatum  M 
SP 

ünst      .... 

+ 

CucuUea  impressa  Münst 
Avicula  Gea  d'Orb.    .    . 

Gervillia  angulata  Münst 

SD 

Hörnesia  Joannis  Austria 
Perna  Bouei  v.  H.     .    , 
Pecten  filosus  v.  H.  .    . ' 

e  Klipst  sp. 

Pecten  sp.   (gefältelt) 

„     sp.  (abwechselnd  stärkere  Rippen) 
Ostrea  Montis  caprilis  Klipst     .... 

Waldheimia  Stoppanii  Suess 

Pentacrinus  propinquus  Münst 

Cidaris  dorsata  Braun  .        

alata  Aar.       . 

decorata  Münst. 
„       Wissmanni  DeSoi 
„      linearis    Münst. 
„      triserrata  Laube 
„      Braunii  Des.     . 
Bactryllium  canaliculatur 

Q  Heer.    .    .    . 

96 


D.  Stur. 


[26] 


Uebersichtstabelle  der  Fossilien  der  Corbulaschichte.  Diejenigen  Arten  der 
Tabelle,  über  die  in  obigen  Zeilen  nicht  anderweitige  Angaben  vorliegen, 
stammen  aus  dem  Corbulagestein  selbst.  Die  Bestimmungen  der  mit  St. 
Cassian  gemeinschaftlichen  Arten  in  diesem  und  in  den  folgenden  Verzeich- 
nissen sind  von  Herrn  Dr.  Laube  vorgenommen  worden,  wofür  ich  ihm 
meinen  besten  Dank  ausspreche. 

In  dem  nächst  tieferen  Niveau  der  Megalodonschichten  habe 
ich  von  den  Fundorten  Coritenza,  Eisengraben  und  Scharte  grössere  Suiten 
von  Petrefacten  gesammelt. 

Der  Steinbruch  an  der  Zlava  bei  Coritenza  bewegt  sich  wohl  nur  in  den 
Hangendschichten  dieses  Schichtencomplexes,  nämlich  in  den  Mergelkalken 
über  dem  Megalodondolomit  und  unter  den  Corbulaschichten.  Die  Mergel- 
kalke selbst  enthielten  im  Zlava-Steinbruch; 

Megalodon  sp. 

Pachyrisma  sp. 

Pecten  füosus  v.  H. 

Die  Mergelschiefer-Zwischenschichten  enthalten  zahlreich  : 


Fossilien   der  Megalodonschichten 


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a 

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bO 

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a 

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m 

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M 

O 

w 

Wfq 
o  .1^ 


Flossenstachel  von  Hybodus  sp 

Ämmonites  Joannis  Austriae  Klipst  *).... 

Natica  sp. 

Chemnitzia  gradata  Börnes 

»  eximia  Hörnes 

„  Rosthorni  Hörnes  .    .        

„           sp.   gross,    schwarzschalig   conf.  Ch. 
princeps  Stopp 

„  sp.    mit    starken    dreieckigen   Dornen 

an  der  Nath 

Solen  caudatus  v.  H 

Corbis  Mellingi  v.  H 

Pachyrisma  sp 

Megalodon  sp 

Cardinia  problematica  Klipst.  sp 

Myophoria  Kefersteinii  Münst.  sp 

„  inaequicostata  Münst 

Nucula  strigillata  Münst.      

Macrodon  sp 

Avicula  Gea  Orb 

Hörnesia  Joannis  Austriae  Klipst.  sp 

Pecten  conf.  discites  Schloth 

„        filosus  V.  H 

„        sp.  gefältelt 

Waldheimia  Stoppanii  Suess 

Spiriferina  gregaria  Suess*) 

Encrinus  cassianus  Laube 

Pentacrinus  conf.  Fuchsii   Laube 

Bactryllium  Schmidt!  ?  Heer 


+ 


+ 


+ 


+ 


Nach  Angaben  von  Prof.  Suess  am  .Alten  Ofen"  gefunden. 


\Z7]    Beiträge  Z.Kenntnisse  fl.  geol.  Verhält. d.  Umgegend  V.  Haibl  u  Kaltwasser.      97 

Corbis  Mellingi  v.  H.  ?  kleio,  flachgedrückt. 

Peden  ßosus  v.  H. 

Pecten  sp.  gefältelt,  ähnlich  P.  acuteauritus  Schaß,  aus  den  Kös- 
senerschichten. 

Die  beiden  andern  Fundorte,  Eisengraben  und  Scharte,  haben  aus  dem 
Liegenden  der  Megalodonschichten,  aus  den  Mergelkalken  unter  dem  Me- 
galodondolomit  und  über  der  Solenschichte,  d.  h.  aus  dem  schon  erwähnten 
Niveau  der  losen  Petrefacte  auf  der  Scharte  reiche  Suiten  von  Petrefacten 
geliefert. 

Im  Eisengraben  sind  auch  die  Mergelschiefer-Zwischenschichten  voll 
Versteinerungen  und  enthält  unsere  Sammlung  von  da : 

Baetryllium  Schmidtii  Heer?  Abdrücke. 

Corbis  Mellingi  v.  H?  klein  und  flachgedrückt. 

Pachyrisma  sp.  ebenso.  Pecten  conf.  discites  Schi. 

Macrodon  sp.  „      ßosus  v.  IL 

Pecten  sp.  gefältelt  wie  im  Zlava-Steinbruch. 

Vom  Eisengraben  besitzt  unsere  Sammlung  ferner  von  Tronegger 
gesammelte  Kalkmergelstücke  mit  Fucoiden  ähnlichen  Pflanzenresten  und 
eines  dieser  Stücke  enthält  die  Spiriferina  gregaria  Suess. 

Auf  der  Scharte  selbst  habe  ich  den  Mergelschieferzwischenlagen  keine 
Aufmerksamkeit  geschenkt  und  keine  Angaben  über  Vorkommen  von  Ver- 
steinerungen darin  gesammelt. 

Die  obige  Tabelle  enthält  das  Verzeichniss  der  vorkommenden  Arten 
der  Megalodonschichten  in  den  drei  Lokalitäten.  (Siehe  Seite  96  [26J). 

Nach  den  Funden  von  Prof.  Suess  gehören  in  dieses  Niveau  noch 
Ammonites  Johannis  Äustriae  Klipst.  und  Spiriferina  gregaria  Sss.  vom 
alten  Ofen. 

Die  nächstfolgende  Solenschichte  ist  mir  eigentlich  nur  auf  der 
Scharte  anstehend  bekannt,  wo  ich  einige  Stücke  des  Gesteins  gesammelt 
habe  und  andere  in  unserer  Sammlung  vorfand.  In  derselben  Sammlung 
fand  ich  auch  vom  Schwalbenspitz  im  Kaltwasserthale,  Stücke  eines  ganz 
ähnlichen  Gesteins,  in  welchem  ich  jedoch  nur  folgende  zwei  Arten  er- 
halten finde: 


Fossilien   der    Sohlenschichte 


a-^ 


a 

S 

o 

CD 

TS 
O 

-tJ 

rr^ 

U2 

Ammonites  Johannis  Äustriae  Klipst. 
Loxonema  lateplicata  Klipst.  sp.    .    . 

Solen  caudatus  v.  H 

Corbula  Eosthorni  Boue 

Corbis  Mellingi  v.  H 

Cardinia  problematica  Klipstein  sp.  . 
Myophoria  Kefersteini  Münst.  sp. 

„  Chenopus  Laube     .... 

Myoconcha?  sp. 


Avicula  Gea  Orb 

Hörnesia  Johannis  Äustriae  Klipst.  sp. 
Perna  Bouei  v.  H 


+ 


+ 
+ 
+ 

+ 


Jahrbiu'h  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt.  1S68.  18.  Band.  1.  Heft. 


+ 

+ 
+ 
+ 


13 


+ 


+ 


98         .  ^  D-  Stur.  \2S] 

Corlula  Brnfhorni  Boue,  Corhis  Mellingi  v.  H. 

Die  letztere  ist  allerdings  auch  in  der  Solenschichte  auf  der  Scharte 
häufig,  doch  habe  ich  die  erstere  auf  den  mitgebrachten  Stücken  von  der 
Scharte  nicht  entdecken  können.  Trotzdem  glaube  ich  das  Gestein  vom 
Schwalbenspitz  bis  auf  weitere  Bestätigung  hierher  einreihen  zu  müssen, 
da  mir  im  Comp] exe  der  Corbulaschichten  kein  auch  entfernt  ähnliches  Ge- 
stein bekannt  geworden  ist. 

Von  Ämmonites  Johannis  Äustriae  Klipst.  liegt  in  unserer  Sammlung 
nur  ein  einziges,  uns  vom  Prof.  Escher  von  der  L in th  geschenktes  sehr 
schönes  Exemplar,  welches  nach  dem,  die  Kammern  ausfüllenden  Gestein, 
wohl  dieser  Schichte  entnommen  sein  dürfte. 

Die  Bänke  der  MyopJioria  Kefersteini  fand  ich  nur  auf  der  Scharte 
anstehend.  Sie  sind  sonst  sehr  arm  an  andern  Versteinerungen,  In  meinen 
an  Ort  und  Stelle  gemachten  Notizen  finde  ich  in  diesen  Bänken  beobachtet, 
verzeichnet: 

Hörnesia  Johannis  Äustriae  Klipst.  sp. 

Beden  flosus  v.  H. 

Professor  Sandberger  gibt  an  mit  der  Myophoria  Kefersteini  in  Kaibl 
vorkommend  seine  Bairdia  subcylindrica.  Unsere  Sammlung  enthält  ein 
Exemplar  der  genannten  Myophoria  (aus  der  Myophoria  Kefersteini-^2i\iY), 
worauf  ich  einige  Schalen  dieses  Ostracoden  bemerkte. 

In  den  dünnschief r igen  Mergeln,  unmittelbar  unter  den  vorigen 
Bänken,  fand  ich  auf  der  Scharte  eine  Zahnplatte  eines  Blacoiden  und 
den  hinteren  Theil  eines  Beltopleurus  gracilis  Kner,  der  sich  nach  der 
Untersuchung  des  Herrn  Prof.  Kner  wesentlich  unterscheidet  von  dem  in 
dem  Wengerschief  er  vorkommenden  Beltopleurus  splendens.  Dann  ein  Bruch- 
stück einer  Voltzia  sp.  Auch  im  Fallbach  führen  dieselben  Schichten 
nicht  selten  Fischreste,  doch  in  sehr  mangelhafter  Erhaltung. 

Die  zwei  nächstfolgenden  Schichtengruppen :  Die  Mergelkalke  und 
schwarze  plattige  Kalke  haben  mir  keine  Petrefacte  geliefert. 

Die  nächst  tiefere  Schichte,  die  reich  an  Petrefacten  erscheint,  ist  die 
Korallenschichte  des  Wengerschiefers.  Ich  rechne  sie  noch  zum 
Wengerschiefer,  weil  auch  im  Hangenden  desselben  ein  dem  Wengerschiefer 
ähnliches  Gestein  lagert. 

An  der  Wohnung  des  Oberhutmanns  in  Raibl  fand  sich  in  der  breccien- 
artigen  Schichte  mit  weissen  Schalen: 

Myoconcha  Maximiliani  Klipst.,  junges  Exemplar. 

Beeten  sp.,  gross,  radialgerippt. 

Ferner  in  Stücken  der  Korallenschichte,  die  theils  jjiuf  dem  Wege 
zum  Fundort  der  Wengerpetrefacte,  theils  südlich  von  da  im  mittleren  Theile 
des  Rinngrabens  (Kempfer  B)  herumliegend  gefunden  wurden,  bestimmte 
Herr  Dr.  Laube  folgende  Arten : 

Holopella  punctata  Münster,  sp.  Cladophyllia  gracilis  Münst. 

Cidaris  semicostata  Münst.  Mlcrosolena  plana  Laube. 

Unter  diesen  ist  die  Cladophyllia  gracilis  am  besten  und  häufigsten 
erhalten. 

Der  Wengerschiefer  von  Raibl  hat  an  dem  wiederholt  er- 
wähnten Fundorte  im  Osten  über  der  Scliartenklamm,  nach  und  nach  einen 
ausserordentlichen  Reichthum  an  prachtvollen  Thier-  und  Pflanzenresten 
geliefert,   die  Gegenstand  vielseitiger    Bearbeitung  geworden   sind.     Der 


1291      Beiträgez.  Kenntniss  d.  geol.  Verhält,  d.  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.      09 

Wengerschiefer  von  Raibl  besitzt  eine  so  ausgebreitete  Literatur,  wie  nur 
wenige  Schiebten  unserer  alpinen  Trias.  Trotzdem  harren  noch  einige  Cepha- 
lopoden,  die  bisher  unter  dem  Namen  Ämmonites  Aon  Mimst,  zusammen- 
gefasst  werden,  einige  Schnecken,  mehrere  Bivalven,  der  Bearbeitung  ent- 
gegen. Auch  über  Krebse  dürfte  in  nächster  Zeit  von  Prof.  Dr.  R  e  u  s  s  eine 
neue  Arbeit,  auf  Grund  der  in  neuerer  Zeit  gesammelten  Stücke  zu  erwarten 
sein.  Unvergleichlich  schön  und  reich  an  wohlerhaltenen  Stücken  ist  die  Samm- 
lung fossiler  Pflanzen  aus  dem  Wengerschiefer  von  Eaibl  in  unserem  Museum. 

Neuerdings  wurden  Zweifel  laut  darüber,  ob  der  Fischschiefer  von  Raibl 
mit  dem  Wengerschiefer  wirklich  ident  sei.  Die  für  den  Wengerschiefer  charak- 
teristischen Petrefacte :  Der  sogenannte  JLwjmom^es  ÄonMünst.,  Posidonomya 
Wengensis  Wissm.,  und  die  kleine  Ävicula  glohulus  Wissm.  sind  im  Raibler 
Fischschiefer  gar  nicht  selten,  und  zwar  die  beiden  letzten  sowohl  auf  Stücken 
mit  Pflanzeuresten,  als  auch  mit  der  Acanthoteuthis  beisammen. 

Die  Ilalohia  Lommeli  Wissm.  ist  im  Wengerschiefer  von  Raibl  wirk- 
lich selten,  doch  habe  ich  auch  von  dieser  ein  unzweifelhaftes  Bruchstück 
von  Raibl,  mit  einem  Blattrest  des  prachtvollen  Pterophyllum  Bronnii 
Schenk  i)eisammen,  somit  ein  Stück,  welches  in  Bezug  auf  den  Fundort 
Raibl,  und  zwar  die  Pflanzenschiefer  von  da  keinen  Zweifel  zulässt.  Es  han- 
delt sich  hier  darum,  sicher  festzustellen  ob  der  Raibler  Pischschiefer  ident 
ist  mit  dem  unter  dem  Lunzersandstein  in  den  Nordalpen  liegenden  Schiefer, 
den  ich  ebenfalls  Wengerschiefer  schon  seit  dem  Sommer  1863  wiederholt 
genannt  habe.  Und  diese  Indentität  ist  wohl  ausser  Zweifel  gestellt  durch 
das  Vorkommendes  Wengerschiefers  an  der  Mündung  des  Steinbaches  unweit 
Gössling  an  der  Strasse  nach  Lunz  im  Liegenden  des  dortigen  Lunzersand- 
steins,  in  welchem  ersteren  ebenfalls  Halohia  Lommeli  selten,  Ämmonites 
Äon^  Posidonomya  Wengensis  und  Ävicula  glohulus  häufig  vorkommen 
und  in  diesem  petrographisch  dem  Fischschiefer  von  Raibl  völlig  identischen 
Schiefer  nebst  diesen  genannten  Petrefacten  auch  noch  die  weiter  unten  zu 
erwähnende  Voltzia  Foetterlei  n.  sp.,  ferner  ein  Stück  des  Pterophyllum 
Bronnii  gefunden  wurden,  trotzdem  wir  von  diesem  vielversprechenden 
Fundort  kaum  mehr  als  etliche  Bruchstücke  der  Platten  mitgenommen  haben. 

Mit  diesem  Wengerschiefer  der  Nordalpen,  der  auch  an  manchen 
Orten  viel  reicher  ist  an  Halohia  Lommeli  als  zu  Gössling  und  Raibl,  kann 
der  Fischschiefer  von  Raibl  vorläufig  mit  aller  Beruhigung  als  ident  betrach- 
tet werden,  und  es  ist  gewiss  eine  Bestätigung  dieser  Annahme  darin  jetzt 
schon  vorhanden,  dass  auch  im  Liegenden  des  Wengerschiefers  von  Raibl, 
wie  in  den  Nordalpen,   der  Reiflinger  Kalk  sicher  vermuthet  werden  darf. 

Es  folgt  eine  flüchtige  Skizze  der  Vorkommnisse  jener  Petrefacte  des 
Wengerschiefers  von  Raibl,  die  irgendwie  genauer  bekannt  geworden  sind. 
Das  Materiale  ist  bei  weitem  nicht  erschöpft  und  nicht  hinlänglich  gewürdigt. 

Fische. 

Grapliiurus  callopterus  Kner:  Die  Fische  der  bituminösen  Schiefer 
von  Raibl  in  Kärnthen.  Sitzungsb.  der  k.  Akademie  'd.  W.  LUX,  p.  4.  T.  I. 

Orthurus  Sturii  Kner.  ibidem  p.  12.  T.  IL  F.  1. 

Ptycholepis  Baihlensis  Bronn.  Leonh.  u.  Br.  Jahrb.  1859.  p.  iO , 
T.  L  F.  4.  4a. 

Ptycholepis  avus  Kner.  1.  c.  p.  IG.  T,  II.  F.  2. 

Thoracopterus  Niederristi  Bronn.  Beitr.   zur  Trias.  Fauna  und  Flora 

13* 


100  D.   Stur.  [30j 

der  bituminösen  Schiefer  von  Eaibl.  Leonh.  u.  Br.  18S8.  p.  25.  T.  III. 
F.  1,  2  und  3.  —  Kner:  1.  c.  p.  19.  T.  III.  T.  1  —  3. 

Megalopterus  raiblanus  Kner.  1.  c.  p.  23.  T.  IV.  F.  1. 

Fterygopterus  apus  Kner.  Nachtr.  Sitzungsb.  d.  k.  Akad.  d.  W.  LV. 
Abth.  I.  p.  718.  T.  I. 

Pholidopleurus  iypus  Bronn.  Beitr.  1858.  p.  17  T.  I.  F.  11  —  15.  16. 
T.  II.  F.  2.  —  Kner:  Die  Fische  etc.  Sitzungsb.  der  k.  Akad.  d.  W.  LIII. 
p.  25.  T.  IV.  F.  2. 

Peltopleurus  splendens  Kner:  1.  c.  p.  29.  T.  IV.  F.  3. 

Pholidophorus  microlepidotus  Kner:  1.  c.  p.  32,  T.  II.  F.  3. 

PhoUdophorus  Bronnii  Kner:  1.  c.  p.  34.  T.  V.  F.  1. 

Lepidotus  ornatus.  Äg.  Kner:  1.  c.  p.  36.  T.  VI.  F.  1.  —  Ganz  das- 
selbe Gestein,  wie  jenes  Stück,  worauf  das  Originale  sich  befindet,  habe  ich 
wiederholt  in  der  Schartenklamm  selbst  gesammelt  und  auch  in  der  Samm- 
lung aufbewahrt,  daher  glaube  ich,  dass  dasselbe  dem  Wengersshiefer  ange- 
höre. Ident  mit  diesem  dürfte  Bronn's  Lepidotus  sp.  von  Eaibl:  Leonh.  u. 
Bronn.  Jahrb.  1859.  p.  43.  F.  5,  5a  u.  5b  sein.  —  Die  Stücke  dagegen, 
welche  Heckel  als  Lepidotus  sideatus  beschrieben  hat  (Denkschr.  d.  k.  Akad. 
I),  dürften  von  Bleyberg  stammen,  wenigstens  liegen  in  unserer  Sammlung 
aus  dem  Muschelmarmor  von  Bleyberg  ganz  idente  Reste  vor. 

Belonorhynchus  striolatus  Bronn:  Beitr.  p.  10.  T.  I.  F.  1  -  10,  T.  IL 
F.  1.  —  Kner:  L  c.  p.  38.  T.  VL  F.  2. 

Krebse. 

StenocJielus  triasicus  Bss :  lieber  fossile  Krebse  aus  den  Raiblerschich- 
ten  —  V.  Hauer's  Beitr.  zur  Palaeont  Oesterr.  1.  Heft  p.  2  T.  I.  F.  I. 

Tetrachela  Raihlana  Bronn  sp.  Reuss:  1.  c.  p.  5.  T.  I.  F.  2 — 7.  — 
Bolina  Raihlana  Bronn.  1.  c.  p.  30.  T.  IV.  F.  1 — 3.  —  Eryon  Raihlanus 
H.  V.  M.  Leonh.  u.  Br.  1858.  p.  206. 

Aeger  crassipes  Br.  1.  c.  p.  35.  T.  V.  F.  1-2,  T.  IV.  F.  5. 

Bombur  Äonis  Br.  1.  c.  p.  40.  T.  IV.  F.  4. 
Insekten. 

Blattina  n.  sp.  Bisher  ein  einziges  Exemplar  von  der  Bauchseite  er- 
halten, und  nur  bei  einer  Wendung  der  Platte  gegen  das  Licht  bemerkbar.  Das 
Geäder  der  Flügel  erlaubt  den  Rest  vorläufig  im  obigen  Genus  unterzubringen. 

Cephalopoden. 

ÄcanthoteutJiis  hisinuata  Br.  sp.  Ed.  Suess:  Sitzungsb,  d.  k.  Akad.  d. 
W.  LI.  Abth.  1.  p.  225  T.  I — IV.  —  Belemnoteuthis  hisinuata,  Bronn: 
Nachtr.  1859.  p.  43.  T.  I.  f.  1—3. 

Nautilus  rectangularis  v.  Hauer:  Beitr.  zur  Kenntn.  der  Cephalop. 
Fauna  der  Hallstädter  Seh.  Denkschr.  d.  k.  Akad.  d.  W.  Bd.  IX.  p.  145.  T. 
I.  f.  1--4.  Nach  dem,  an  diesem  Nautilus  noch  klebenden  Gestein,  gehört 
derselbe  entweder  ebenfalls  dem  Wengerschiefer  an,  oder  den  schwarzen  plat- 
tigen Kalken ,  die  über  der  Korallenschichte  folgen  und  mag  wie  andere 
Stücke  des  Wengerschiefers  vom  Kempferbach  in  das  Raibler  Hauptthal: 
Schlizabach,  hinaus  getragen  und  dort  gefunden  worden  sein. 

Ammonites  Archelaus  Laube.  Mehrere  Stücke  dieser  Art,  die  dem- 
nächst beschrieben  und  abgebildet  wird,  habe  ich  im  Kaltwasser  Thale  in 
einem  eigenthümlichen  oolithischen  Gestein  gesammelt.  Auch  in  der  Schar- 
tenklamm ist  diese  Art  im  Wengerschiefer  von  Raibl  vorhanden. 


[31]  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol  Verhältn.  d.  Umgegend  t.  Raibl.  u.  Kaltwasser.       |  ()  1 

Ammonites  Aon  Münst  und  zwar  höcht  wahrscheinlich  die  echte  Form 
sehr  zahlreich  im  Wengerschiefer  von  Raibl. 

Bivalven. 

Avicula  glohulus  Wissm.  Münst.  Beitr.  zur  Petr.  1841  IV  p.  21. 
T.  XVI.  F.  13. 

Halohia  Lommeli  W issm.  ibidem  T.  XVI.  F.  11. 

Posiäonomya  Wengensis  Wissm.  ibidem  T.  XVI.  F.  12.  —  G.  C. 
Laube:  die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  II.  p.  76.  T.  XX.  F.  12. 

Pflanzen. 

Equisetites  arenaceus  Schenh.  Bisher  eine  einzige  Scheide,  mit  nicht  voll- 
ständig entblössten  Zähnen,  .doch  höchst  wahrscheinlich  dieser  Art  angehörig. 

Equisetites  strigatus  Br  s^).  Philadelphia  strigata  Bronn. :  Beitr.  zur 
trias.  Fauna  und  Flora  der  bituminösen  Schiefer  von  Kaibl.  Leonh.  und  Br. 
Jahrb.  18S8  p.  49.  T.^  VIIF.  2.  3.  Calamites  Raihelianus Schenh :  Ueber  die 
Flora  der  schwarzen  Schiefer  von  Raibl.  Würzb.  naturw.  Zeitschr.  VI.  p.  14. 
15.  T.  II.  F.  1.  Equisetites  sp.  Schenk,  ibidem  p.  14.  15. 

Mehrere  möglichst  wohlerhaltene  Exemplare  diesgs  Fossils  sprechen 
dafür,  dass  die  Auffassung  der  Form  und  der  Zusammgehörigkeit  der  Fi- 
guren 2  und  o  auf  T.  VII  von  Bronn  richtig  war.  Die  Annahme  des  Herrn 
Hofrathes  Schenk,  dass  die  citirte  Figur  2  ein  Fragment  einer  Equisetiten- 
Scheide  sei,  wird  durch  ein  in  unserer  Sammlung  befindliches  Stück  unter- 
stützt, an  dem  man  deutlich  vier  verschiedene  Scheidezähne  durch  eine  kurze 
dicke  Scheide  verbunden  sehen  kann.  Das  von  Schenk  dargestellte  Stück  des 
Calamites  Raihelianus  zeigt  in  ähnlicher  Weise  zwei  solche  verwachsene 
Scheidezähne,  von  welchen  die  Abbildung  die  beiden  Mittelnerven  ganz  gut 
wiedergibt,  während  die  Spitzen  der  Scheidezähne  nicht  erhalten  sind. 

Neuropteris  conf.  Rütimeyeri  Heer.  Schenk.  1.  c.  p.  11.  15.  16.  T.  I. 
F.  2.— Es  wird  gewiss  stets  schwerfallen,  die  sehr  wohl  erhaltenen  Bruchstücke 
dieser  Pflanze  von  Raibl,  mit  jener  aus  dem  groben  Sandsteine  von  Ilemiken 
(Heer:  Urwelt  der  Schweiz.  T.  IL  F.  0)  zu  identificireu,  umsomehr  als  die 
betreffenden  Lagerstätten  sehr  verschiedenen  Horizonten  augehören.  Unsere 
Pflanze  ist  stets  nur  in  kleinen  Fetzen  vorgekommen  und  mag  bis  auf  weiteres 
unter  obigem  Namen  Verwendung  finden. 

CJiiropteris  sp.  Ein  einziges  Stück  eines  Lappens  von  ovaler  nach  unten 
verschmälerter  Form  mit  unten  deutlichem  nach  oben  verschwindendem  Mit- 
telnerv und  einer  vollständig  der  Chiropteris  cUgitata  Kurr.  (Schönlein  und 
Schenk  fossile  Pflanzen  des  Keupers  Frankens  T.  XI  F.  1  a.  b)  entsprechen- 
den Nervation.  Das  Raibler  Exemplar  ist  l^/a  Zoll  lang,  V4  Zoll  breit. 

Aneimia?  sp.  Vorläufig  auch  nur  einmal  vorgekommen,  in  beiden 
Platten  vorhanden,  erinnert  in  der  Form  und  Nervation  der  Blättchen  am 
meisten  an  Aneimia. 

Clathropteris  sp.  Ebenfalls  nur  ein  kleiner  Fetzen  eines  Farrens,  des- 
sen Nervation  an  Clathropteris  erinnert. 

Danaeopsis  conf.  marantacea  Presl.  sp.  Bron  n. :  Beitr.  p.  58.  T.  IX. 
F.  3.  —  Schenk  1.  c.  p.  16.  —  In  unserer  Sammlung  bisher  ein  einziges 
Bruchstück  eines  Segments  mit  für  die  genannte  Art  etwa  normaler  Breite, 
welches  die  ursprüngliche  Broun'sche  Bestimmung  nicht  sicherer  stellt,  da 
es  immer  möglich  ist,  dass  diese  Pflanze  in  Raibl  nicht  gefiedert,  und  mit 
der  D.  simplex  Stur  aus  dem  Lunzersandstein  verwandt  oder  ident  war. 


102  D-  Stur.  |-32] 

Cycadites  Suessi  n.  sp.  Bisher  ein  einziges  Stück,  an  welchem  der 
mittlere  Theil  des  Blattes  erhalten  ist.  Sowohl  die  Spitze,  als  auch  der  unterste 
Theil  des  Blattes  fehlen.  Zunächst  dem  Cycadites  rectangularis  Brauns 
(Schenk:  Flora  der  Grenzschichten,  p.  157,  T.  XXXV.  F.  11)  verwandt,  doch 
durch  die  schiefabstehenden  Segmente  verschieden.  Die  Segmeute  sind  linear, 
ganzrandig,  sitzend,  an  der  Spitze  abgerundet,  einnervig ;  die  obersten  erhal- 
tenen sind  am  längsten,  etwa  1^/^  Zoll  lang,  und  schliessen  mit  dem  Blatt- 
stiel einen  Winkel  von  etAva  50  Graden  ein,  die  untersten  sind  viel  kürzer,  etwa 
zolllang,  und  schliessen  mit  dem  Blattstiel  einen  Winkel  von  etwa  40  Graden  ein. 

l)ioonites  pachyrrhacJds  Schenk,  sp.  —  Fillcum  genus  indeterminatum 
Bronn.  1.  c.  p.  59.  T.  IX.  F.  4.  —  Cyatheites  pachyrrhackis  Schenk.  Bei- 
trag zur  Flora  des  Keupers  und  der  rhätischen  Formation.  VII.  Bericht  der 
naturf  Gesellsch.  zu  Bamberg p.  43.—  Cyatheites  pachyrrhachis  Schenk.  Flora 
.  der  schwarzen  Schiefer  von  Eaibl  p.  15.  T.  I.  F.  3.  Calamites  arenaceus 
Schenk  ibidem  T.  IL  F.  1.  —  Bronn.  T.  VII  F.  4.  —  Taeniopteris  sp.  Braun 
in  Leonh.  und  Bronn.  1850.  p,  45.  —  Die  ausserordentliche  Aehnlichkeit 
der  primären  Segmeute  dieser  Pflanze,  die  auch  einzeln  im  Wengerschiefer 
von  Kaibigefunden  werden,  mit  dem  Dioonites  pcnnaeformis  Schenk.  (Beitr. 
p.  64.  T.  V.  F.  2—4.  Schenk:  Bemerk,  über  einige  Pfl.  der  Lettenkohle 
und  des  Schiifsandsteines,  Würzb.naturw.  Zeitsch.  VI  p.  54)  und  der  ausser- 
ordentlich dicke  Stiel  derselben  veranlassen  mich  diese  Pflanze  hier  einzu- 
reihen. Die  secundären  Segmente  sind  nicht  ganzrandig,  sondern  gekerbt, 
wie  dies  mehrere  Stücke  unserer  Sammlung  deutlich  zeigen.  Bei  gut  er- 
haltenen Exemplaren  sieht  man,  dass  der  Stiel  gestreift  ist;  es  dürften  da- 
her wohl  die  citirten  Figuren  von  Schenk  und  Bronn,  Stücke  der  Stiele 
dieses  Dioonites  sein-  Ob  diese  Reste  mit  dem.  Pterophyllum  Bronnii  Schenk 
in  Verbindung  zu  bringen  sind,   muss  die  Zeit  lehren. 

Bterophyllwn  Brontiii  Schenk.  Kaibl  p.  18.  —  Noeggerathia  vogesiaca 
Bronn.  Beitr.  p.  44.  T.  VI.  —  Gewiss  ist  dies  das  schönste  bisher  bekannt 
gewordene  Pterophyllum,  von  dessen  häufig  sehr  vollständigen  Erhaltung 
die  bisherigen  Abbildungen  keine  Ahnung  geben.  Unsere  Sammlung  besitzt 
eine  bedeutende  ßeihe  sehr  vollständiger  Blätter  dieser  Art  Der  Blattstiel 
ist  unten  etwa  zollbreit,  und  verschmälert  sich  sehr  langsam  nach  oben, 
wo  er  etwa  einen  halben  Zoll  Breite  zeigt.  Am  oberen  Ende  des  etwa  14  bis 
15  zölligen  Blattstiels,  durch  eine  deutliche  Abschnürung  gesondert,  sitzt 
das  gewöhnlich  unpaare  Endsegment  des  Blattes,  bisher  nur  auf  einem 
Exemplare  ein  paar  gleicher  Segmente  ;  dann  folgen  in  ungleichen,  nach 
unten  an  Länge  zunehmenden.  1/2 — 1  Zoll  langen  Abständen  noch  3 — 4 
Paare  von  Segmenten ;  die  einander  entgegengesetzten  sind,  gleich  und 
unsymmetrisch  entwickelt.  Die  Stellung  der  einzelnen  Segmente  ist  radial,  ■ 
so  dass  die  des  untersten  Paares,  mit  ihren  untern  Rändern  au  den  Blatt- 
stiel fast  anstossen,  die  mittleren  schief  abstehen  und  die  des  obersten 
Paares  schief  nach  aufwärts  gestellt,  an  das  Endsegment  anschliessen. 

Die  einzelnen  Segmente  sind  6 — 8  Zoll  lang,  am  oberen  Ende  2—4 
Zoll  breit,  je  nach  ihrer  Stellung  gerade  oder  schief  abgerundet,  abgestutzt, 
an  der  Basis  in  einen  etwa  halb  Zoll  breiten  kurzen. Ansatz  verschmälert, 
welcher  immer  mehr  Kohle  enthält,  als  der  übrige  Theil  des  Segmentes. 
Die  Segmente  sind  häufig  ganz  vollständig  erhalten,  an  andern  Exemplaren 
sind  sie  bis  an  die  Basis  drei-  und  mehrmal  geschlitzt,  aufgerissen,  und 
diese  Risse  in  der  Contur  am  Blattende  deutlich  sichtbar,  indem  sie  manch- 


[33]     Beiträge  z.Kenntnissd.geol.Verhältn.d.Um^ei^eTul  v.  Raiblu.  Kaltwasser.     103 

mal  bis  einen  halben  Zoll  breit  klaffen.  Solche  zerrissene  und  vielfach 
ledirte  Blätter  scheinen  aus  einer  grösseren  Anzahl  von  Segmenten  zu  be- 
stehen, und  sind  im  übel  zugerichteten  Zustande,  in  Folge  von  Maceration, 
wohl  nur  mit  Mühe  zu  unterscheiden  von  der  folgenden  Art. 

Pterophyllum  gigantemn  Schenk,  1.  c.  p.  19.  T.  II.  F.  2.  Diese  Pflanze 
ist  bisher  noch  nicht  in  so  vollständigen  Exemplaren  bekannt  wie  die  vor- 
angehende Art.  Ausser  dorn  abgebildeten  Exemplar  kenne  ich  nur  noch  ein 
zweites  erwäbnenswerthes  Bruckstück  dieser  Pflanze,  welches  fünf  Paare 
schmaler  linearer,  etwa  halben  Zoll  breiter  Segmente  zeigt.  Diese  sind  am 
untern  Ende  ebenfalls  etwas  abgeschnürt,  und  etwa  fünf  Zoll  lang  erhalten, 
ohne  dass  das  obere  Ende  vorhanden  wäre.  Die  benachbarten  Segmente  be- 
rühren sich  an  ihren  Rändern  nicht. 

Pterophyllum  conf.  JaegerlBr.  Ein  einziges  unvollständiges  Exemplar 
in  der  Sammlung  des  k.  k.  Hof-Mineralieu-Kabinetes. 

Pterophjllum  Sandhergeri  Schenk  1.  c.  p.  17,  T.  IF.9.  —  Ptero- 
pJiyllum  minus  Bronn:  Beitr.  p.  57.  T.  IX,  F.  2.  —  Auch  von  dieser  Pflanze 
liegen  in  unserer  Sammlung  weit  vollständigere  Stücke  vor,  als  die  bisher 
abgebildeten  sind.  Das  breiteste  Blattfragment  zeigt  an  der  breitesten  Stelle 
9  Linien  lange,  und  5  Linien  breite  Segmente,  während  an  dem  schmälsten 
Fragment  die  Segmente  4  Linien  lang  und  2  Linien  breit  sind.  Nach  oben 
und  unten  sind  die  Blätter  allmählig  verschmälert  und  es  sind  die  unter- 
sten Segmente  bei  fast  gleicher  durchschnittlicher  Breite,  kaum  eine  halbe 
Linie  lang.  Der  dicke  Blattstiel  ist  2~'d  Zoll  lang;  das  grösste  Blatt  mag 
sammt  Blattstiel  wenigstens  einen  Fuss  in  der  Länge  erlangt  haben.  Bei 
einem  kleinen  Stücke,  an  welchem  die  Nerven  kaum  merklich  sind,  finde 
ich  die  Abdrücke  der  Segmente  im  Gestein  fein  vertieft  punktirt.  Diese  Art 
wurde  auch  im  Kaltwasserthale  im  Wengerschiefer  gefunden. 

Voltzia  raiUensis  n.  sp.  —  Voltzia  heterophylla  Bronn.  Beiträge  p. 
äl.  (pars.)  T.  VIII  F.  1,  ~  VoU^ia  cohurgensis  Schenk:  Raibl.  p.  lö.  (pars). 
T.  I.  F.  6.  —  Hierher  zähle  ich  die  mit  langen  Blättern  versehenen,  in 
ßaibl  sehr  häufig  vorkommenden  Reste  von  Voltzien.  Ein  Stück  dieser  Pflanze 
liegt  vor,  an  welchem  im  Zusammenhange  mit  dem  Aste  grosse  Zapfen- 
Schuppen  vorkommen.  Die  Schuppen  sind  zolllang,  oben  5  Linien  breit, 
tief  dreitheilig,  der  mittlere  Lappen  etwas  breiter  und  länger  als  die  Neben-, 
läppen,  nach  unten  in  einen  5  Linien  langen  Stiel  ausgezogen.  In  der  Tracht 
und  Beblätterung  sehr  ähnlich  der  VolUia  heterophylla  und  von  dieser  sehr 
nahe  verwandten  Art  durch  die  tief  dreitheiligen  Zapfen-Schuppen  ver- 
schieden. 

Voltzia?  Haueri  n.  sp.  —  Voltzia  heterophylla  Bronn.  Beitr.  p.  öl 
(pars)  T.  VI.  F.  2—3.  -  Voltzia  cohurgensis Schenk.  ^^M.  p.  16ipars)T.L 
F.  4.  Sund  7  ?  Hierher  zähle  ich  die  auffallend  kräftigeren,  selten  verzweigten, 
viel  kürzer  als  bei  voriger  Art  beblätterten  Zweige  und  Aeste  von  Raibl, 
die  Bronn  ebenfalls  zu  seiner  Volizia  heterophylla  stellt.  Mit  diesen  Zwei- 
gen bringe  ich  in  Verbindung  einen  prachtvollen,  leider  sehr  stark  zer- 
drückten Zapfen,  der  8  Zoll  lang,  2  Zoll  breit,  und  gewiss  eines  der  werth- 
vollsten  Stücke  aus  dem  Wengerschiefer  von  Raibl  igt.  An  den  Rändern  des 
Zapfens  sind  Reste  von  lanzettlichen,  zugespitzten  Schuppen  des  Zapfens  mehr- 
fach, doch  nur  an  zweien  davon  die  Spitzen  der  Schuppen  erliiilten.  Die 
besser  erhaltene  Schuppenspitze  zeigt  eine  knieförmige  Biegung  derselben, 
so  dass  die  Spitze  von  dem  geraden  Theile   der  Schuppe  fast  unter  einem 


104  D     Stur.  [34] 

rechten  Winkel  absteht.  Eine  zweite  Schuppe  des  Zapfens  zeigt  das  Knie 
dieser  Biegung  wohlerhalten.  Die  Schuppen  sind  überdies  mit  feinen,  nach 
oben  und  unten  convergierenden  Linien  bedeckt,  und  sind  durchscheinend, 
daher  wohl  häutig  und  nicht  verholzt  gewesen.  Bisher  gelang  es  nur  eine 
einzige  freie  Schuppe  zu  sammeln,  und  auch  diese  zeigt  die  Schuppenspitzen 
nicht  erhalten.  Die  feine  Streifung,  und  die  lanzettlich  zugespitzte  Form  der- 
selben lässt  kaum  einen  Zweifel  darüber,  dass  die  Schuppe  und  der  erwähnte 
Zapfen  einer  Pflanzenart  angehören.  Die  Schuppe  ist  etwa  Zoll  lang  und 
bis  zum  untern  Drittel  ihrer  Länge  gespalten,  somit  aus  zwei  lanzettlich  zu- 
gespitzten Lappen  bestehend,  die  ganz  symmetrisch  entwickelt  und  gestellt 
sind,  und  kaum  eine  Vermuthung  zulassen,  dass  etwa  ein  dritter  Lappen  an 
derselben  fehle.  Die  Spitzen  der  Lappen  sind  leider  nicht  bis  zur  knieförmi- 
gen  Biegung  derselben  erhalten.  Volle  Klarheit  muss  man  von  besser  er- 
haltenen Stücken  erwarten.  Daher  reihe  ich  vorläufig  diese  höchst  merkwür- 
dige Pflanze  bei  Voltsia  und  nicht  bei  ScJiizolepis  ein,  mit  welcher  unsere 
Pflanze  ebenfalls  vielfache  Verwandschaft  zeigt,  bis  es  gelingt  über  die  gene- 
rische  Stellung  derselben  vollständigere  Daten  zu  erhalten. 

Voltsia  Foetterlei  n.  sp.  —  Voltzia  heteropJiylla  Bronn,  ^  c.  p.  Sl. 
(pars)  T.  VIII,  F.  4,  5.  —  Voltda  cöburgensls  Schenk,  l.  c.  p.  16  (pars) 
Taf.  I,  Fig.  8.  —  Die  Zweige  dieser  Pflanze  zeichnen  sich  durch  ihre  schlanke 
Form  und  wiederholte  dichotome  Verästelung  von  allen  mitvorkommenden 
aus.  Es  sind  zweierlei  Formen,  die  geschlechtlich  verschieden  sein  dürften, 
zu  unterscheiden.  Die  einen  zeigen  an  den  Spitzen  der  schlanken  unver- 
zweigten Aeste  mehrere  kurze  Aestchen,  die  für  sich  abermals  dünnere  sehr 
verkürzte  Aestchen  absenden,  die  rundlich  enden.  Die  citirte  Bronnische 
Figur  4  stellt  diese  eine  Form  dar,  doch  sind  die  äussersten  kleinen  Aestchen 
an  dem  abgebildeten  Exemplar  nicht  erhalten. 

Die  andere  Form,  die  übrigens  nur  äusserst  selten  wohlerhalten  vor- 
kommt, trägt  an  dem  unverzweigten  Ende  des  schlanken  Astes  einen  sehr 
lockeren  Fruchtzapfen,  der  im  ganzen  etwa  aus  5—7  lockergestellten 
Schuppen  zusammengesetzt  ist.  Diese  Schuppen  sind  etwa  3  Linien  lang, 
gestielt,  auf  einem  Exemplar  tief,  dreitheilig,  auf  einem  zweiten  fünftheilig. 
Im  letzteren  Falle  scheinen  die  zwei  seitlichsten  Lappen  weniger  tief  von 
den  nächstfolgenden  Lappen  getrennt,  als  diese  von  dem  mittleren  oder  End- 
lappen der  Schuppe.  Die  kurzen,  an  der  Basis  abgerundeten,  zugespitzten, 
am  Eücken  mit  einem  Kiel  versehenen  Blätter  sind  nur  selten  erhalten  und 
zeigen  eine  unebene,  dicht  unregelmässig-grubige  Oberfläche.  Diese  Art 
auch  in  dem  Wengerschiefer  der  Nordkalkalpen  auf  dem  Wege  von  Gössling  nach 
Lunz  gefunden,  unterscheidet  sich,  wie  erwähnt,  sowohl  durch  die  Tracht  der 
Aeste  und  Zweige,  als  auch  durch  die  ungewöhnliche  Kleinheit  der  Schuppen 
ihrer  lockeren  Fruchtzapfen,  von  allen  verwandten  Arten  ganz  ausgezeichnet. 

Carpolithes  sp.  Schenk.  1.  c.  p.  19,  T.  1,  Fig.  10,  11. 

Mit  diesem  Prodromus  der  Flora  des  Wengerschiefers  von  Eaibl  ist 
der  ganze  Keichthum  der  Flora  dieses  Pflanzenlagers  noch  immer  nicht  erschöpft. 
Es  liegt  eine  beträchtliche  Anzahl  von  unvollständig  erhaltenen  und  trotz  guter 
Erhaltung  noch  nicht  erklärbaren  Pflanzenresten  vor.  Erst  vor  Kurzem  erhiel- 
ten wir  von  Eaibl  einen  Ast  einer  an  Cephalotaxus  erinnernden  Conifere.  i) 

Eine  grosse  geflügelte  Frucht,  3  Zoll  lang,  2  Zoll  breit,  nach  unten 
verschmälert,  eine  rhombische,  in  der  Mitte  verdickte  Schuppe  und  mehrere 

1)  Verhandl,  der  k.  k.  geol.  R.  -A.  1867.   Nr.  15.  p.  339. 


[3H]  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol,  Verliältn.  d.  Umg»^geiul  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.  i05 

andere,  dürften  bei  fortgesetztem  Sammeln  durch  ergänzende  Stücke  einer 
genaueren  Bestimmung  zugeführt  werden. 

Zu  den  früher  bekannt  gewesenen  Arten  des  Wengerschiefers  von 
ßaibl:  Halohia  Lommeli,  Posidonomya  Wengensis^  Avicula  glohulus,  Am- 
monites  Aon  Münst.  —  tritt  noch  hinzu  der  Ammonites  Archelaus  Laube 
aus  dem  Wengerschiefer  von  Wengen,  als  weiterer  Beweis  für  die  Identität 
des  Kaibier  Fischschiefers  nicht  nur  mit  dem  Wengerschiefer  der  Nordalpen, 
sondern  auch  mit  jenem  von  Wengen.  Von  PÖÄnzenarten  sind  die  bekannten ; 
Equisetites  arenaceus  Schenk,  Danaeopsis  conf.  marantacea  Presl  sp. 
Pterophyllum  conf.  Jaegeri  Brongn.  ident  oder  doch  nahe  verwandt  mit 
Pflanzen,  die  im  Lunzersandstein  oder  in  der  Lettenkohle  gefunden  werden. 
Während  die  genannten  Arten  als  Seltenheiten,  bisher  nur  in  Bruchstücken 
vorgekommen  sind,  findet  man  die  dem  Wengerschiefer  von  Eaibl  eigen- 
thümlichen  Arten  insbesondere  aus  dem  Genus  Voltzia  reichlich  vorkom- 
mend, und  die  Hauptmasse  der  Vegetation  dieser  Schichten  bildend.Dieseeigen- 
thümlichen  Arten  der  Flora  des  Wengerschiefers  insbesondere  die  Voltzia 
raihlensis,  erinnern  sehr  lebhaft  an  die  fossilen  Pflanzenarten  des  bunten 
Sandsteins  der  Vogesen  und  prägen  ihr  den  Typus  einer  älteren  Flora  auf, 
womit  das  Vorkommen  des  Pflanzenlagers  im  Liegenden  des  Lunzersand- 
steins  oder  der  Lettenkohle,  sehr  wohl  übereinstimmt. 

11.  Imgegend  von  Kaltwasser. 

1.  Schichtenfolge. 

Der  Umgegend  von  Kaltwasser  konnte  ich  im  Ganzen  nur  zwei  Ex- 
cursions-Tage  widmen.  Am  ersten  Tage  ging  ich  von  Kaibl  über  die  Scharte 
hinab  ins  Kaltwasser-Thal,  untersuchte  den  Südfuss  des  Königsberges, 
worüber  im  früheren  schon  berichtet  ist ,  und  von  da  das  Kaltwasser-Thal 
abwärts  bis  zu  dessen  Vereinigung  mit  dem  Raibler-Thal.  Am  zweiten  Tage 
untersuchte  ich  den  nordwestlichen  Fuss  des  Fünfspitz  im  Osten  bei  Kalt- 
wasser, dann  das  Raibler-Thal  hinab  bis  zu  den  Vorkommnissen  des  Werfe- 
nerschiefers vor  Flitschl. 

Von  jener  Stelle,  wo  die  Wengerschiefer  und  der  muthmassliche  Kei- 
flingerkalk  den  südwestlichen  Fuss  des  Königsberges  unterteufen,  thalab- 
wärts,  zeigt  der  erzführende  Kalk  wie  an  allen  seinen  Wänden  die  Schich- 
tung nirgends  deutlich;  nur  gegen  die  Spitze  hin  scheint  eine  deutlichere 
Schichtung  einzutreten,  und  zwar  eine  flach  in  Norden  fallende  Neigung  dqr 
Schichten  bemerklich  zu  werden.  Der  Kalk  des  Königsberges  verwittert  viel 
dunkler  als  die  im  Süden  über  den  Corbulaschichten  lagernden  Kalke  und 
Dolomite,  doch  ist  er  im  frischen  Bruche  ebenso  lichtgrau  wie  die  erwähnten. 
Auch  seine  Schichtflächen  sind  stellenweise  bedeckt  von  denselben  Auswitte- 
rungen von  Evinospongien,  wie  die  der  hangenden  Dolomite,  doch  sind  in  dem 
erzführenden  Kalke  einige  der  concentrischen  Schalen  der  einzelnen  Evi- 
nospongien  in  üornstein  versteint,  und  ragen  die  Durchschnitte  derselben 
aus  der  Gesteinfläche,  sehr  zierliche  Zeichnungen  bildend,  empor,  und  geben 
dem  Gestein  ein  eigenthümliches  Ansehen. 

Tiefer  im  Thale  findet  man  grosse  Schuttmassen  angehäuft,  und  nach- 
dem man  den  erzführenden  Kalk  in  seiner  ganzen  Mächtigkeit  verquert  hat, 
erscheinen  plötzlich  im  linken  (westlichen)  Gehänge,  in  einer  Kiese  herab- 
kommend, grosse,  vollständig  abgerundete  Gerolle  des  rothen  Felsitporhyr's  *) 

*)  L>r.  G.  Tschermak.  1.  c.  p  2. 
Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt.  1868.  18.  Band.  1.  Heft.  1« 


106 


D.  Stur. 


[36] 


von  Kaltwasser ,  die  offenbar  von  einem  im  NW,  liegenden  Puncte  stam- 
men. Kurz  darauf  findet  man  im  östlichen  Gehänge  des  Kaltwasser-Thales, 
in  einem  kleinen  Seitenthälchen,  am  Nordfusse  des  Königsberges,  folgende 
Schichtenreihe  entblösst. 

Fig.  2. 
An  der  Wthre  öherhaTb  Kaltwasser. 


a  ab  bcdc  deek 

a.  Aphanitiache  grüne  Schiefer  und  Sandsteine,  wechselnd  mit  Hornsteinkalken. 
h.  Unterer  Kalk,  unten  mit  Mergelschiefer,  oben  mit  aphanitischem  Schiefer  wechselnd. 

c.  Pflanzenlagen. 

d.  Grobe  grünliche  Tuffsandsteine  und  Conglomerate. 

e.  Oberer  Kalk.  —  k.  Erzführender  Kalk  des  Königsberges. 

Die  ersten  Schichten,  die  unter  dem  erzführenden  Kalke  des  Königs- 
berges am  Nordfusse  desselben  entblösst  erscheinen,  bestehen  aus  schwarzem 
Kalk,derknotig-knollig,schwarzbraun  verwitternd  und  bedeckt  ist  von  lichtbrau- 
nen Stellen,  die,  so  wie  die  liauchwacken  pulverig  überzogen  erscheinen.  Dieser 
Kalk  wechselt  in  3  — ö  Zoll  dicken  Schichten  mit  braunschwarzen,  schiefri- 
gen  Mergelzwischenlagen,  die  glänzende  Flächen  zeigen.  Bei  genauerer  Un- 
tersuchung bemerkt  man,  dass  die  lichtbraunen  Stellen  des  Kalks  rundliche, 
concentrisch  schalige  Formen  zeigen,  die  sehr  an  die  oolithischen  Gesteine 
der  Cardita- Schichten  erinnern.  Auf  der  Kehrseite  eines  mitgebrachten 
Stückes  tritt  die  oolithische  Structur  des  Gesteins  besser  hervor,  und  man 
sieht  in  einem  dieser  Oolithkörper  auch  einen  allerdings  unvollständigen 
Rest,  wohl  von  einer  Cardita  crenata  Münst.  Die  andere  Seite  desselben 
Stückes  enthält  eine  vollständiger  ausgewitterte  Bivalve,  die  Dr.  Laube 
als  Myophoria  decussata  Münst.  bestimmt  hat.  Ausserdem  fand  ich  an  andern 
Stücken  des  Kalkes  zwei  Gasteropoden,  die  leider  keine  genaue  Bestimmung 
zulassen. 

Unter  diesem  Kalke  folgt  eine  bedeutende  Masse  von  Tuffbildungen, 
die  grünlich-bräunlich,  überhaupt  dunkel  gefärbt  sind,  und  an  ähnliche 
Bildungen  in  den  tiroler  und  venezianischen  Alpen  lebhaft  erinnern.  Die* 
selben  wechseln  in  verschieden  mächtigen  Schichten  und  in  verschiedener 
Beschaffenheit,  untereinander  und  mit  Kalkzwischenlagen  ab.  Die  einen  ent- 
halten grosse  GeröUe  von  rothem  Felsitporphyr,  von  rothen  und  grünen 
Breccien  und  Sandsteinen  und  von  grauen  Kalken.  Die  anderen  sind  grüne 
Tuffsandsteine  oder    fast   schwarze    aphanitische  Tuffschiefer.   Die   Kalk- 


[37]  Beiträge  z.  Kenntniss  d,  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.  107 

zwischenlagen  sind  dünn  und  ebenfalls  dunkel.  Die  obere  Hälfte  der  Mäch- 
tigkeit dieser  Schichten  enthält  mehr  Conglomerate ,  dem  liegenderen 
Schichtencomplex  mangeln  diese  groben,  roh  zusammengesetzten  Gebilde 
und  sind^Sandsteine  und  Schiefer  vorherrschend.  Drei  Schichten  bemerkte 
ich  Petrefacten  führend.  Die  oberste  (mit  einem  f  bezeichnete)  Schichte,  die 
Petrefacten  geliefert  hat,  ist  ein  schwarzer  Kalk,  in  welchem  ich  einen  gan- 
zen Knäuel  Petrefacte  beisammen  bemerkte,  die  so  dicht  aneinander  gedrükt 
lagen,  wie  diess  von  den  Petrefacten  der  Taclujcardia  rw^osa-Schicht  bei 
Naplanina,  bei  Medvedie  Brdu,  Loitsch  NW.,  mir  bekannt  war.  An  diesem 
Knäuel  von  Petrefacten  liess  sich  ganz  bestimmt  die  Pachycardia  rugosa  v. 
H.  an  dem  charakteristischen  vertieften  Mondchen  vor  den  Buckeln,  wieder 
erkennen.  Die  zweite  Muschel  entspricht  möglichst  genau  der  Cardinia  pro- 
blematica  KUpst. 

Die  zwei  anderen  Schichten  führen  Pflanzenreste,  doch  sind  die  re- 
spectiven  Schichten  ein  so  sehr  fester  Tuffsandstein,  dass  es  mir  mit  den 
gewöhnlichen  Hilfsmitteln  kaum  einige  Ecken  abzuschlagen  gelang,  mit 
unbestimmbaren  Pflanzenresten. 

Unter  der  tieferen  pflanzenführenden  Schichte  folgt  erst  Tuifschiefer, 
dann  aber  eine  zweite  Schichtenreihe  von  einem,  dem  oberen  sehr  ähnlichen 
schwarzen  Kalk,  der  im  oberen  Theile  seiner  Mächtigkeit  mit  Tuffschiefer 
wechselt,  im  liegenderen  Theile  aber  braun-schwarze  Megelschiefer  einge- 
lagert enthält.  Auch  dieser  Kalk  zeigt  wo  möglich  noch  häufiger  Reste  von 
Petrefacten,  doch  sind  sie  sehr  schlecht  erhalten.  Ein  gefältelter  Pecten  mag 
Erwähnung  finden.  Dieser  zweite  Schichtencomplex  von  schwarzem  Kalk  ist  leicht 
wieder  zu  finden,  indem  derselbe  zu  einer  Wasserwehre  oberhalb  Kaltwasser 
Veranlassung  gegeben  hat  und  dadurch  wohl  als  Orientirungspunct  für  die 
ganze  Schichtenreihe  verwendbar  ist. 

Die  Liegendschichten  des  unteren  Zuges  des  schwarzen  Kalks  sind  in  der 
hier  sehr  breiten  Sohle  des  Kaltwasser-Thales,  thalabwärts  sehr  vollständig 
entblösst,  indem  über  die  Schichtenköpfe  derselben  der  von  Zeit  zu  Zeit 
wilde  Bach  dahiaströmt  und  mit  den  mitgeführten  Gerollen,  dieselben  sorg- 
fältig abv/äscht  und  polirt.  Zugänglich  sind  die  Schichten  allerdings  nicht, 
es  gelingt  nur  selten  von  einzelnen  mehr  hervorragenden,  sehr  harten  Schich- 
ten, ein  Gesteinstück  mit  grosser  Mühe  abzuschlagen.  Dieser  Schichten- 
complex besteht  aus  grünen,  sehr  festen  Tuffsandsteinen  und  Schiefern,  die 
vorherrschend  feinkörnig, dünnplattig,  sehr  fest  sind  und  mit  kalkigen  Schich- 
ten wechseln,  die  reich  sind  an  Hornstein  Der  letztere  erscheint  theils  in 
Knollen,  theils  dem  Gestein  innig  verbunden  Ich  bemerkte  erst  unterhalb 
des  Zusammenflusses  des  Kaltwassers  mit  dem  Eaibler-Thale,  dort  wo  sich 
unterhalb  des  Amtgebäudes  der  Fusssteig  auf  den  Luschari-Berg  hinauf- 
windet, undeutliche  Durchschnitte  von  Petrefacten,  in  ganz  ähnlichem  Apha- 
sitischen  Gestein.  Mir  schien  dieser  ganze  Schichtencomplex  sehr  ähnlich 
jenen  Halohia-Lommeli  führenden  Gesteinen,  die  ich  in  Comelico  im  obersten 
Theile  der  Piave,  in  den  venez.  Alpen  kennen  gelernt  hatte.  Prof.  Suess 
erwähnt  einen  zweifelhaften  Fund  von  Halohia-Lommeli  aus  dieser  Gegend. 

Sämmtliche  Schichten  dieses  Durchschnittes  s,treichen  in  Ost  und  fallen 
ziemlich  steil  unter  den  Königsberg.  Mau  sieht  sie  das  Raibler-Thal  ver- 
queren und  am  Nordfusse  des  Fünfspitz  weiter  in  Ost  streichen. 

Ein  Graben,  der  im  Osten  des  Wirthsbau  ses  von  Kaltwasser  am  rech- 
ten Gehänge  des  Thaies  einmündet  und  erst  in  Süd,  dann  in  Ost  auf  die  Ge- 


i08  D-  ^ti)r.  [38] 

hänge  des  Nordfusses  des  Fflcfspitz  sich  hinaufwindet,  schliesst  die  Fort- 
setzung der  eben  untersuchten  Schichten  des  Kaltwasser-Thales,  in  ganz 
geringer  Entfernung  östlich  von  der  Strasse  auf 

Ersteigt  man  den  mit  einem  tüchtigen  Schuttkegel  versehenen  Graben 
aufwärts,  so  verdeckt  der  Schutt  die  liegenderen  Schichten  fast  vollständig. 
Man  sieht  nur  hier  und  da  die  Tulfschiefer  aus  der  Thalsohle  des  Kaltwassers 
anstehend.  Kurz  vor  der  Wendung  des  Grabens  in  Ost  erreicht  man  den 
unteren  Zug  des  Kaltwasserer  schwarzen  Kalkes,  erst  mit  Mergelschiefer,  später 
mit  Tuffschiefer  wechselnd.  Auf  dem  unteren  Kalkzuge  lagert  der  petrefac- 
tenführende  Schichten complex  der  Tuffsandsteine  und  Conglomerate.  In  diesen 
Schichten  ist  der  Bach  eine  lange  Strecke  hinauf  eingerissen  und  schliesst 
sie  sehr  vollständig  auf,  wie  auch  der  zweite  hängendere  Zug  von  schwar- 
zem Kalk  die  linken  Gehänge  des  Baches  krönt ,  höher  vom  erzführenden 
Kalke  überlagert. 

Ich  hatte  sehr  bald,  kaum  10  Klafter  vom  Umbug  des  Baches  in  Ost, 
die  gleich  im  Hangenden  des  unteren  Kalkzuges  folgende  pflanzenführende 
Schichte  entdeckt,  die  der  unteren  in  obiger  Schichtenreihe  entsprechen 
dürfte.  Auf  der  Schichtfläche  entblösst  lag  offen  ein  ziemlich  wohlerhaltenes 
Stück  des  PteropJiyllum  Gümbeli  Stur.  Im  Gestein  selbst  fand  sich  Equise- 
tites  arenaceus  Schenk  und  Pterophyllum  Jaegeri  Br.,  nebst  andern  Pflan- 
zenresten vor.  Fast  gleichzeitig  bemerkte  ich,  dass  die  nächste  im  Liegenden 
der  Pflanzenreste  folgende  Tuffschichte  eine  bedeutende  Menge  von  Thier- 
resten  enthielt:  den  Encrinus  Gassianus  Lauhe,  Holopella,  Loxonema,  Bi- 
valven.  Eine  reichliche  Ausbeute  aus  diesen  Schichten  war  der  Lohn  für  die  Mühe 
des  Ersteigens  dieser  sehr  interessanten  Stelle.  Soweit  meine  Zeit  gestattete, 
ging  ich  aufwärts  im  Bache  und  fand  bis  hochhinauf  dieselbe  Schichten- 
reihe aufgeschlossen. 

Dann  wurde  von  Kaltwasser  abwärts  bis  Flitschl  das  Hauptthal  unter- 
sucht Meine  Untersuchung  beschränkte  sich  hier  ausschliesslich  auf  die 
Aufschlüsse  der  Thalsohle,  Die  Begehung  von  da  in  Ost  bis  in's  Weiss- 
wasserthal  gestattete  in  dem  mit  Schutt  überdeckten  bewaldeten  und  schlecht 
aufgeschlossenen  Terrain  kaum  eine  andere  Beobachtung  als  die  That- 
sache  festzustellen,  dass  die  Schichtenfolge  von  Kaltwasser  bis  in's  Weiss- 
wasserthal  fortsetzt.  Diesen  Umständen  mögen  daher  wohl  die  spärlich 
erl  angten  und  nicht  vollständig  sicher  gestellten  Daten  zugeschrieben  werden. 

Von  Kaltwasser  abwärts  eine  Strecke  hindurch,  bis  vor  den  ersten 
alten  Steg  über  das  Thalwasser,  ist,  am  rechten  Gehänge  deutlicher,  ent- 
blösst ein  Conglomerat  von  tertiärem  Aussehen,  dass  mit  einem  rothen,  dem 
Werfe  nerschiefer  ähnlichen  Schiefer  wechselt.  Am  Steg  (erster  Steg  im  Ab- 
wärtsgehen) stehen  am  rechten  Gehänge  dickschichtige  Breccienkalke  an, 
mit  fast  senkrechter  Schichtenstellung.  In  der  Mitte  der  Mächtigkeit  dieses 
Aufschlusses  steht  zwischen  den  Breccien  ein  gelblicher,  plattiger,  innen 
grauer  Sandstein  an,  der  Pflanzenreste  ziemlich  reichlich  führt.  Das  Gestein 
hat  viele  Aehnlichkeit  mit  den  die  NaticeUa  costata  häufig  führenden  Ge- 
steinen mancher  Werfenerschiefer  und  braust  mit  Säuren  sehr  lebhaft.  Ich 
habe  ein  langes  Stück  eines  Calamiten  und  mehrere  Aststücke  einer  Voltzia 
darin  gefunden.  Die  Breccienkalke  führen  keine  Spur  von  einem  Petrefacte. 

Beim  zweiten  Steg  über  d?s  Thalwasser  sieht  man  graue  Kalkschiefer 
und  tief  rothen  Sandstein  entblösst.  Dieser  Entblössung  gegenüber  auf  der 
linken  Seite  ist  in  einer  steilen  Wand  der  Werfenerschiefer  anstehend,  in 


[391     B^it*'^?^  z.Kenntnissd.  geol.Verhältn.d. Umgegend  v.Raiblu.  Kaltwasser.      109 

welchem  ich  eine  hinlänglich  sicher  bestimmbare  Ävicula  venetiana  be- 
merkte. Die  zwischen  diesen,  genauere  Beobachtung  zulassenden  Stellen, 
befindlichen  Strecken  des  Thaies,  fand  ich  nicht  hinreichend  aufgeschlossen, 
und  so  viel  Fremdartiges  an  einzelnen  Punkten  bietend,  dass  die  hier  vor- 
kommenden Gesteine  wohl  erst  aus  einem  andern  besser  aufgeschlossenen 
Durchschnitte  sichere  Deutung  erhalten  können.  Der  Durchschnitt  des 
Weisswasserthales  eignet  sich  zu  diesen  Studien  nicht.  Westlich  vom  Raibler- 
thal,  die  Gegend  von  Luschariberg,  habe  ich  nicht  kennen  gelernt. 

Endlich  habe  ich  noch  das  im  linken  Gehänge  des  Raiblerthales  in  der 
Thalsohle,  dann  im  rechten  Gehänge  an  der  Strasse  oberhalb  Kaltwasser 
dürftig  aufgeschlossene  Vorkommen  des  rothen  Felsitporphyrs  zu  erwäh- 
nen. Dasselbe  ist  schon  auf  unserer  alten  Karte  richtig  eingetragen,  fällt 
ganz  in  das  Gebiet  des  untersten  Theiles  des  erzführenden  Kalkes  und  sind 
die  Schichten  von  Kaltwasser  im  Liegenden  davon  gelegen.  Ich  habe  weder 
im  Gehänge  des  Nordfusses  des  Königssteins,  noch  in  der  rein  gewaschenen 
Thalsohle  des  Kaltwasserthales  eine  Fortsetzung,  respektive  Verbindung  die- 
ses Porphyrs  mit  dem  am  Luschariberge  angegebenen  Porphyr  gesehen,  welche 
nur  quer  durch  die  Schichtenreihe  von  Kaltwasser  statthaben  könnte. 

So  weit  ich  nachsehen  konnte,  fand  ich  den  Kaltwasserer-Felsitporphyr 
rundherum  ohne  Aufschluss,  mit  Schutt  bedeckt,  doch  scheint  mir  die  Art 
und  Weise  der  Begränzung  desselben  nicht  leicht  vereinbar  mit  der  Vorstel- 
lung, als  bilde  derselbe  hier  eine  schichtlörmige  Lage,  sondern  mehr  für  ein 
stockförmiges  Vorkommen  desselben  zu  sprechen. 

2.  Die  Fauna  und  Flora  der  SchichtenfoLge  bei  Kaltwasser. 

Der  hangende  Zug  des  schwarzen  Kalks  von  Kalkwasser  hat  nur  die 
schon  erwähnten  Muscheln  in  bestimmbarem  Zustande  geliefert : 

MyopJioria  decussata  Mimst. 

Cardita  crenata?  Münst. 
und  zwei  Gasteropoden,  eine  Chemnitsia  und  Turho  sp.  Ausserdem  zeigt 
das  Gestein  jene  den  Carditaschichten  eigenthümliche  oolithische  Structur. 

Die  Tuffsandsteine  und  Conglomerate  haben  in  einer  Zwischenschichte 
von  Kalk  im  Kaltwasserthale  enthalten : 

Pachycardia  rugosa  v.  H. 

Cardinia  prohlematica  Klipst. 

Die  erstere  gehört  zu  den  glatteren  Formen  dieser  Art.  Doch  muss 
ich  erwähnen,  dass  in  Naplanina  mit  den  glatten  auch  gerunzelte  Formen 
der  Pachycardia  rugosa  v.  H.  vorkommen,  die  sich  von  der  von  Agordo  ab- 
gebildeten gerunzelten  Form  wohl  nur  durch  die  etwas  geringere  Grösse 
unterscheiden. 

In  denselben  Tuffsandsteinen  und  Conglomeraten,  aber  in  einer  etwas 
tieferen  wie  der  eben  erwähnten  Schichte  sammelte  ich  am  Nordfuss  des 
Fünfspitz  nach  einer  Bestimmung  des  Herrn  Dr.  Laube  die  folgenden 
Petrefacten : 

Chemnitzia  conf.  Nympha  Münst.  i 

Holopella  Lommelii  Münst. 

Loxonenia  subornata  Münst. 

Myophoria  ornata  Münst. 

Cardinia  prohlematica  Klipst.  ?  Steinkerfl 

Encrinus  cassianus  Laube. 


110  D.  Stur.  [40] 

Die  beiden  Turritellen,  die  Myophoria  und  der  Encrinus  sind  in  Hohl- 
drück en  in  einem  feinkörnigen  Tuffe  erhalten,  welcher  ausserordentlich 
schöne  und  gut  bestimmbare  Abdrücke  der  Petrefacte  abnehmen  lässt.  Dort 
wo  dieser  Tuff  mehr  Kalk  enthält,  sind  auch  die  Schalen  insbesondere  von 
der  Holopella  Lommelii  Münst.  sp.  sehr  häufig  enthalten.  Ausserdem  enthält 
das  Gestein  unvollständige  Hohldrücke  zweier  nicht  bestimmbarer  Ämmo- 
nifen  und  mit  Schalen  erhaltene,  leider  zerdrückte  Gasteropoden  und 
Bivalven. 

Das  Gestein  selbst  ist  mürbe  so  weit  es  verwittert  ist;  der  unverwit- 
terte kalkreiche  Kern  desselben  zeigt  eme  ausserordentliche  Zähigkeit  und 
sind  aus  seiner  Mitte  die  Petrefacten  sehr  schwierig  und  sehr  unvollkommen 
erhalten,  zu  bekommen,  was  insbesondere  von  den  nicht  seltenen  Ammo- 
niten  gilt. 

Die  im  Hangenden  der  Turritellenschichte  unmittelbar  folgende  Tuff- 
schichte hat  folgende  Pöanzenarten  geliefert. 

Equisetites  arenaceus  Schenk :  Die  Normalform  des  Lunzersandsteines, 
mit  sehr  schön  erhaltener  Scheide. 

Dioonites  conf.  pennaeformis  SchenJc.  Viel  schlanker,  länger  und 
schmäler  als  die  Normaliorm,  doch  unvollständig  erhalten.  Die  Segmente 
sind  viel  kürzer,  aber  soweit  es  der  versteinende  Tuffsandstein  zu  entnehmen 
erlaubt,  ganzrandig,  somit  nicht  die  Art  aus  dem  Wengerschiefer. 

Pterophyllum  Jaegeri  Brong.  und  zwar  die  Form  mit  sehr  entfernt 
stehenden  schmalen  Segmenten,  in  mehreren  ganz  sicher  bestimmbaren 
Stücken. 

Pterophyllum  Gümheli  Stur.  Der  Blattstiel  ist  etwa  6  Linien  breit, 
ebenso  breit  sind  die  Segmente,  die  etwa  unter  rechtem  Winkel  abstehend 
sich  fast  berühren,  und  4  Zoll  lang  sind,  ohne  dass  ihr  oberes  Ende  erhalten 
wäre.   Sie  sind  von  feinen  parallelen  Nerven  dicht  bedeckt. 

Pterophyllum  Haidingeri  Goepp.  Nicht  ganz  sicherzustellen,  da  nur 
ein  unvollständiges  Stück  erhalten  ist,  welches  aber  nur  diese  Deutung 
zulässt. 

Endlich  Zweige,  die  zahlreich  das  Gestein  durchziehen  und  die  ent-' 
weder  einer  Äraucaria  oder  Voltzia  angehören  mögen,  ohne  dass  ich  ge- 
nauere Angaben  darüber  zu  machen  im  Stande  bin. 

In  den  Breccienkalken  tief  im  Liegenden  der  Tuffe,  fand  ich  in  den 
Sandsteinschichten  Pflanzenreste  mehrerer  Arten,  doch  erlaubt  die  unvoll- 
kommene Erhaltung  nur  zwei  davon  näher  zu  bestimmen. 

Die  wichtigere  Art  ist  ein  Equisetites  der  in  der  Weise  wie  es  am 
Equisetites  Mougeoti,  und  am  Holzkörper  des  Calamites  Meriani  bekannt 
ist,  mit  starken  Rippen  versehen  ist.  Das  Exemplar  von  Kaltwasser  ist  flach 
zusammengedrückt,  und  ich  bin  nicht  im  Stande  zu  unterscheiden,  ob  ich 
einen  Holzkörper,  oder  den  Eindenabdruck  vor  mir  habe.  Es  erübrigt  daher 
nur  die  Berippung  des  fossilen  ßestes  in  die  Betrachtung  zu  ziehen,  und  da 
treten  die  breiten  flachen  Zwischenräume  zwischen  den  schmalen  kantigen 
Rippen  sehr  bestimmend  hervor  für  die  Annahme,  dass  hier  der  Equise- 
tites Mougeoti  Schimp.  sp.  (conf.  Schenk  Beitr.  1.  c.  p.  12)  aus  den  Breccien- 
kalken vorliegt. 

Die  zweite  Pflanze  dürfte  eine  Voltzia  sein,  und  sieht  in  den  verschie- 
den gut  erhaltenen  Stücken  sehr  ähnlich  manchen  von  den  gegebenen  Ab- 
bildungen  der    Voltzia  heterophylla  Schimp.  et  Moug. 


[41 1   Beiträgez.Kenntnissd.geol.Verhältn.d.  Umgegend T.ßaibl.u. Kaltwasser.      Hl 

111.  S  c  h  1  Q  s  s. 

Es  ist  wiederholt  von  verschiedenen  Autoren  auf  die  Thatsache  hinge- 
wiesen worden,  dass  die  Pachycardia  rugosa  v.  II.,  eine  der  eigenthüralich- 
sten  Muscheln  der  Raiblerschichten,  auf  der  Scharte  bei  Raibl  selbst  fehle. 
Ich  habe  sie  an  diesem  Fundorte  auch  nicht  bemerken  können.  Doch  war 
mir  schon  bei  der  Begehung  der  Scharte,  die  ausserordentliche  Aehnlichkeit 
der  Reihenfolge  auf  der  Scharte  und  bei  Naplanina  i)  aufgefallen,  wo  ganz 
ähnliche  dunkle  Mergelkalkbänke  mit  Zwischenschichten  von  Mergelschiefer, 
einen  Megalodon  in  unzähligen  Individuen  enthaltend,  von  einer  ausschliess- 
lich aus  Solen  caudatus  v.  H.  bestehenden  Schichte,  und  von  Schichten  mit 
Myophoria  Kefersteini  Klipst.  unterlagert  werden.  Im  Liegenden  davon 
kommt  die  Bank  vor,  welche  die  Paclvycardia  rugosa  massenhaft  enthält. 
Nach  dieser  ausserordentlichen  Aehnlichkeit  der  Schichtenfolgen  bei  ßaibl 
und  Naplanina  wäre  das  Niveau,  welches  die  Pachycardia  rugosa  in  Na- 
planina einnimmt ,  auf  der  Raiblerscharte  ins  Liegende  der  Myophoria 
Kefersteini-BsiJike  zu  verlegen.  Ich  gestehe,  dass  ich  in  diesem  muthmass- 
lichen  Niveau  der  Pachycardia  mich  nur  sehr  flüchtig  umgesehen  habe, 
und  es  ist  immer  noch  möglich,  dass  sie  bei  fleissigem  Suchen  hier  entdeckt 
werden  wird. 

Es  liegt  bisher  keine  Andeutung  vor,  dass  die  Pachycardia  rugosa 
in  einem  noch  tieferen  Horizonte  gefunden  worden  wäre. 

Beiläufig  in  demselben  Horizonte  wie  in  Naplanina  dürfte  die  Pachy- 
cardia rugosa  zwischen  dem  Frombach  und  Cipitbach  nordwestlich  am 
Schiern  auf  der  Seisser  Alpe  auftreten,  wo  sie  v.  Richtho  fen^)  in  seinen 
regenerirten  Tuffen  gefunden  hat.  Diese  regenerirteu  Tuffe  eigentlich  Tuff- 
conglomerate,  lagern  auf  den  höchsten  Tuffschichten  von  St.  Cassian.  > 

In  unmittelbarer  Nachbarschaft  erhebt  sich  der  Dolomit  des  Schiern 
3—4000  Fuss  mächtig,  und  trägt  auf  dem  niederen  Theile  seines  Plateau 
über  der  Seisser  Alpe  die  bekannte  rothe  Facies  der  Raiblerschichten,  mit 
Myophoria  Kefersteini  Klipst ,  Cardinia  proUetnatica  Klipst.  sp.,  Pachy- 
cardia rugosa  v.  H.  und  einer  an  Individuen  reichen  Gasteropodenfauna, 
aus  welcher  in  neuester  Zeit  Prof.  S  u  e  s  s  die  Chemnitzia  Bosthorni  Hörn. 
nennt. 

Wenn  man  die  Reihe  der  Schichten  in  der  Scharte  bei  Raibl,  mit  den 
Angaben  über  die  rothe  Facies  der  Raiblerschichten  am  Schiern  vergleicht, 
so  stellt  sich  eine  ausserordentliche  Aehnlichkeit  heraus,  zwischen  der  Fauna 
der  genannten  Schichten  am  Schiern,  und  jener  im  Niveau  der  losen  Petre- 
facte  in  Raibl,  wo  nebst  einer  vorherrschenden  Menge  von  Gasteropoden, 
darunter  Chemnitzia  Bosthorni  Hörnes,  —  Myophoria  Kefersteini  Klipst. 
und  Cardinia  proUematica  Klipst  sp.  vorkommen.  Doch  auch  hier  habe 
ich  ziemlich  reichlich  gesammelt  und  von  der  Pachycardia  rugosa  auch 
nicht  eine  Spur  gefunden 

üeber  Gesteinen,  die  v.  Richthofens)  mit  den  Raiblerschichten  von 
Pordoi  und  Set  Sass  vergleicht,  folgen  bei  Heiligenkreuz  unweit  von  St. 
Leonhard,   die  Wissmann'schen  „Schichten   von  Hßiligenkreuz."    Darüber 


»)  Jahrb.  der  geol.  ß.-A.  IX.  i858.  p.  340  und  360. 

2)  Perd.  Freiherr  v.  Richthof en:  Geogn.  Beschreibung  der  Umgegend  voii 
Predazzo,  St.  Gassian  und  der  Seisser  Alpe  in  Südtirol.   1860.    p.  91  und  96. 
»)  1.  c.  p.  99. 


il2  D.    Stur.  [42] 

beschreibt  V.  Ki cht b  ofen  unter  5)  einen  Schichtencomplex,  dessen  Zwi- 
schenschichten sehr  reich  an  Muschelschalen,  ihn  an  den  Bleiberger  Muschel- 
marmor erinnerten,  und  Trümmer  von  Glanzkohle  enthielten.  Diese  Gesteine 
von  Herrn  v.  Kichthofen  gesammelt,  sind  in  unseremMuseum  aufbewahrt, 
und  enthalten  Ostrea  montis  caprilis,  Perna  Bouei  und  die  Corhis  Mellingi. 
Zwei  Stücke  Gestein  der  Heiligenkreuzer  Schichten  enthalten  nebst  der 
häufigsten  Muschel  dieses  Niveau:  der  Änoplophora  Münsteri  Wissm.  das 
Badryllium  canaliculatum  iZeer,  zwei  andere  Stücke  die  Avicula  Gea  Orb. 
vom  Thörlsattel,  und  die  Änoplophora  Münsteri  Wissm.  ist  im  Bisengraben 
am  Raiblersee  in  dem  Corbulagestein  vorhanden,  sowie  das  Ptychostoma 
Santae  Crucis  Wissm.  sp.  am  Torersattel  sehr  häufig  lose  neben  der  Corhu- 
la  Rosthorni  Boue  zu  finden  ist. 

Hiernach  dürfte  wohl  ausser  Zweifel  sein,  dass  das  Niveau,  welchem 
die  Heiligenkreuzer- Schichten  (Schichte  3)  v.Richthofen's)  eingeschaltet 
sind,  den  Corbulaschichten  vom  Torer-  und  Thörlsattel  entsprechen.  Beide 
sind  von  einer  mächtigen  Dolomit-Ablagerung  bedeckt. 

Die  Eeihenfolge  der  Schichten  vom  Kreuzkofel  über  Heiligenkreuz 
herab  nach  Wengen,  zeigt  somit  die  grösstmöglichste  Aehnlichkeit  mit  der 
Lagerung  auf  der  Scharte. 

Kreuzkofel.  Scharte  bei  Raibl. 

1.  Dolomit  des  Kreuzkofels.  1.  Dolomit  des  Alpls. 

2.  Schichienm. Ostreamontis caprilis,     2.  Corbulaschichten. 

Perna  Bouei,    Corbis  Mellingi, 
Änoplophora   und    Bactryllium. 

3.  Raiblerschichten.  3.  Megalodonschichten  und  Myopho- 

ria  Kefersteini-Bäiiike. 

4.  Sedimentäre  Tuffe  von  St,  Cassian,     4.  Mergelschiefer,         Mergelkalke, 
sehr  mächtig.  schwarze  plattige  Kalke. 

ö.  Wengerschiefer,  ö.  Wengerschiefer. 

An  beiden  Orten  fehlt  der,  den  Raiblerschichten  nach  Herrn  v.  Richt- 
hofe n  parallele  Schierndolomit,  der  im  Durchschnitte  der  Scharte  unter 
dem  Niveau  der  losen  Petrefacte  eingeschaltet  sein  sollte. 

Doch  schon  jenseits  des  Thaies  von  St.  Leonhard  im  Westen,  findet 
man  im  Gerdenazza-Gebirge  den  Schierndolomit  in  bedeutender  Mächtigkeit 
über  den  Tuffen  aufragend,  und  bedeckt  von  der  rothen  Facies  der  Raibler- 
schichten. Aehnlich  ist  das  Verhältniss  im  Pordoi-Gebirge.  Am  Schiern  er- 
langt dieser  Dolomit  seine  bedeutendste  Entwicklung.  Am  West-  und  Süd- 
rande dieses  Gebirges  fehlen  die  Tuffe  von  St.  Cassian  und  der  Schlern- 
Dolomit  lagert  hier  auf  den  Schichten  der  untern  Trias, 

Eine  sehr  ähnliche  Rolle  spielt  der  erzführende  Kalk  bei  Raibl  wie 
der  Schierndolomit  in  der  Umgegend  von  St.  Cassian  und  der  Seisseralpe. 

Im  Norden  wird  sowohl  die  Kalkmasse  des  Fünfspitz,  als  auch  die 
des  Königsberges,  von  ganz  gleichartigen  Tuffschichten  unterteuft.  Diese 
enthalten  in  einem  höheren  Niveau  die  Pachycardia  rugosa  v.  H.,  und 
die  Cardinia  prohlematica  Klipst.  sp. ;  in  einem  tieferen  Niveau  eine  Reihe 
von  St.  Cassianer  Petrefacten  wie  Holopella  Lommellii  Münst.  sp.,  Loxone- 
ma  subornata  Münst.  sp.,  Myophoria  ornata  Münst,  Encrinus  cassianus 
Laube.  Diese  Gesteine  sind  Tuffe,  die  auch  petrographisch  den  St.  Cassianer 
Tuffen  ähnlich  smd. 


1431     Beiträge  z.  Keuutniss  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  ßaibl  u.  Kaltwasser.     1  \  3 

Im  Süden  lagern  auf  dem  erzführenden  Kalke  des  Fünfspitz,  auf  dem 
T  hörlsattel,  die  Gesteine  der  an  Gastoropoden  reichen  Megalodouschichten. 
Est  ist  somit  der  erzführende  Kalk  genau  zwischen  denselben  Schichten  wie 
der  Schlern-Dolomit  gelagert  und  vertritt  dessen  Stelle  hei  Kaibl.  Die  Er- 
scheinung, dass  der  oberste  Theil  des  erzführenden  Kalkes  im  Kunzenbach 
an  einen  Theil  der  ßaiblerschiefer  unmittelbar  anstösst,  ist  nur  ein  Beweis 
für  die  Anschauungen  v.  Richthofens.  Die  weiteren  Thatsachen,  dass  der 
erzführende  Kalk  am  Westfuss  des  Fünfspitz,  auf  den  tieferen  Horizonten 
der  ßaiblerschichteu,  im  Kaltwasserthale  aber  auf  dem  Wengerschiefer  und 
Reiflingerkalk  auflagert,  scheint  das  Lageruugsverhältniss  des  Scblern-Dolo- 
mites  an  dessen  West-  und  Südrande,  wo  derselbe  unmittelbar  auf  den  ober- 
sten Gliedern  der  unteren  Trias  liegt,  dahin  bestimmen  zu  wollen,  dass 
hier  schon  in  der  ersten  obertriassischen  Zeit  die  Ablagerung  des  Schiern- 
dolomites, respective  das  Wachsthum  der  Korallenriffe  eingeleitet  wurde 
und  fortgedauert  hat,  bis  zum  Schluss  dieser  Periode. 

Auf  der  Scharte  bei  Raibl  sind  die  tieferen  Niveaux  unter  den  Myo- 
phoria  Kefersteini-Bäjoiken  versteinerungslos  gefunden  worden  und  lassen 
keinen  weiteren  Vergleich  mit  den  St.  Cassianer  Tuffen  zu.  Erst  in  der  Ko- 
rallen-Schichte scheint  mir  wieder  ein  Horizont  geboten  zu  sein,  der  unsere 
Aufmerksamkeit  verdient. 

V.  ßichthofen  beschreibt  über  dem  Wengerschiefer,  gleich  an  der  Basis 
der  Tuffbildungen,  einen  Korallenkalksteiu,  den  er  den  Kalkstein  von  Cipit 
nennt,  als  reich  an  grossen  Korallenstöcken  wie  auch  an  Cidariten- Stacheln 
und  Encrinus-Stielgliedern.  Die  einzelnen  Arten  sind  nicht  bestimmt  wor- 
den ,  auch  ist  kein  sicheres  Stück  dieses  Kalkes  in  unserer  Sammlung 
vorhanden.  Dennoch  glaube  ich  die  Aehnlichkeit  zwischen  diesem  Cipit- 
Kalk  und  unserer  Korallenschichte  des  Wengerschiefers  hervorheben  zu 
müssen.  Die  aus  derselben  vorläufig  bestimmten  Korallen  sind  allerdings 
keine  besonders  grossen  Arten,  doch  enthält  unsere  Korallenschichte  auch 
grosse  Korallenstöcke  bis  3  Zoll  im  Durchmesser,  welche  die  ganze  Mächtig- 
keit der  Schichte  verqueren.  Die  Bestimmung  derselben  ist  vorläufig  nicht 
möglich  geworden,  vielleicht  aus  der  Ursacüe,  dass  sie  in  diesem  Niveau  allein 
vorkommen  und  von  den  Sammlern  in  St.  Cassian  nicht  mitgenommen  werden 
können,  weil  der  Cipit-Kalk  daselbst  eine  grosse  Zähigkeit  besitzt,  die  auch 
V.  Richthofe n  hervorhebt.  Auch  in  unserer  Korallenschichte  sind  nur  die 
ausgewitterten  Stücke  bestimmbar;  durch  Zerschlagen  des  Kalkes  würde 
man  kaum  eine  Koralle  in  bestimmbarem  Zustande  heraus  bekommen. 

Im  Liegenden  des  Cipit-Kalkes  folgt  der  Wengerschiefer,  wie  in  der 
Raibler  Scharte.  Allenthalben  fand  v.  Richthof  enden  Wengerschiefer  voll 
von  Pflanzenresten.  Leider  ist  bisher  nur  ein  einziges  besseres  Stück  davon 
in  unserem  Museum  vorhanden  und  dieses  enthält  einen  dem  Genus  Tliinn- 
feldia  angehörigen  Farn  *),  dessen  Nervation  leider  nur  spärlich  erhalten 
ist.  Die  andern  kleinen  Bruchstücke  deuten  auf  das  Vorkommen  der  Voltzia 
Raiblensis  n.  sp.  im  Wengerschiefer  von  Wengen. 

Die  Wengerschichten  der  Umgegend  von  St.  Cassian  sind  nicht  an 
allen  Orten  vollkommen  gleichgestaltet.  Bald  sind  es  dünnplattige,  fast 
schiefrige,  spröde  Tuffschichten,  bald  kieselige,  stark  verunreinigte  Kalke, 
oder  thonschieferähnlich.  Die  Verschiedenheit  zwischen  der  petrographischeu 


*)  Es  ist  kein  2amii6s  wie  es  v.  Eichthofen  angibt. 

Jahrbuch   der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1868.  18    Band  1.  Heft 


114  D.  Stur.  [44] 

Beschaffenheit  des  Raibler  Wengerschiefers  und  den  dünnplattigen,  von 
Hornstein  imprägnirten  Tuifschichten  in  der  Sohle  des  Kaltwasser-Thales 
steht  somit  der  Annahme,  dass  beide  Schichtencomplexe  gleichzeitig  sind, 
nicht  im  Wege. 

Im  Liegenden  der  Wengerschiefer  folgt  in  Wengen  und  in  anderen 
Orten  der  „Buchensteinerkalk,"  ein  dünnplattiger,  knorriger,  an  Hornstein- 
Ausscheidungen  sehr  reicher  Kalk.  v.  Rieht  ho  fen  citirt  daraus  einen  Glo- 
bosen  Ammoniten,  stellenweise  die  Halohia  Lommeli.  Die  Beschreibung 
gibt  vollständig  das  Bild  von  dem  gewöhnlichen  Aussehen  des  Reiflingerkalkes, 
und  mögen  sich  die  Angaben  über  die  darin  vorkommenden  Petrefacten 
wohl  genau  so  verhalten,  wie  die  über  den  Reiflingerkalk  von  Kerschbuchhof. 
—  Die  wenigen,  den  Reiflingerkalk  andeutenden  Funde  aus  dem  Kaltwasser- 
Thale  scheinen  vorläufig  in  der  Reihenfolge  der  Schichten  von  St.  Cassian 
ebenfalls  Bestätigung  zu  finden. 

Diesen  Thatsachen  und  Vergleichungen  gegenüber  hat  wohl  die  locale 
Störung  in  der  Schartenklamm  im  Wengerschiefer  ihre  Schärfe  vollends  ver- 
loren und  erscheint  die  Lagerung  des  Wengerschiefers  auf  dem  erzführenden 
Kalk  als  eine  rein  zufällige.  Denn  wäre  diese  Lagerung  richtig,  so  könnte 
der  erzführende  Kalk  nur  dem  unter  dem  Wengerschiefer  und  Buchensteiner- 
kalk folgenden  Mendola-Dolomit  entsprechen ;  dann  wäre  es  aber  nicht  mög- 
lich unter  diesem  Muschelkalk-Dolomit  am  Nordfusse  des  Königsberges  und 
Fünfspitzes  die  Tuffe  von  St.  Cassian  lagernd  zu  sehen. 

Bei  der  Vergleichung  der  Durchschnitte  von  Raibl  und  Kaltwasser  mit 
den  Verhältnissen  im  triadischen  Kohlengebiete  der  nordöstlichen  Alpen, 
darf  ich  die  Thatsache  nicht  verhehlen,  dass  die  bei  Raibl  aufgeschlossenen 
Myophoria-Kefersteini-Bänke,  die  Solen-Schicht,  die  Megalodon-  und  Corbula- 
Schichten,  eine  Anzahl  von  Fossilien  untereinander  gemeinschaftlich  besitzen. 
Solche  sind :  Ammonites  Johannis  Äustriae  Klipst. 

Solen  caudatus  v.  H 

Corhula  BostJiorni  Boue 

Corbis  Mellingi  v.  H. 

Pachyrisma  sp. 

Cardinia  proUematica  Klipst.  sp. 

Myoplioria  Kefersteini  Münst. 
„  Ghenopus  Laube 

„  inaequicostata  Münst. 

Ävicula  Gea  Orb. 

Hörnesia  Johannis  Äustriae  Klipst.  sp. 

Tema  Bouei  v.  H. 

Pecten  filosus  v.  H. 

Waldheimia  Stoppanii  Suess. 
Von  den  aufgezählten,  mehreren  der  genannten  Schichtencomplexe  ge- 
meinschaftlichen Arten  ist  hier  die  Corbula  Bosthorni  Boue  allerdings  nur 
zweifelhaft  angeführt,  da  es  nicht  sicher  festgestellt  ist,  ob  sie  am  Fuss  des 
Schwalbenkopfs  in  der  That  in  der  Soleuschichte  auftritt  und  hier  möglicher 
Weise  das  Corbula-Gesteiu  petrographisch  anders  aussehen  könnte,  als  an 
den  übrigen  Fundorten  bei  Raibl. 

Diese  Reihe  enthält  fast  sämmtliche  wichtige  Arten  der  Raibler  Schich- 
ten; und  es  wird  wohl  sehr  gewagt  sein,  nach  diesen  genannten  Arten  allein 
sich  zu  entschliessen,  eine  gegebene  Schichte  in  das  höhere  oder  tiefere 


[45]  Beiträge  z.  Kenntniss  d.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raibl  u.  Kaltwasser.  1  \  5 

Niveau  von  Eaibl  einzureihen.  Hier  wird  man  sich  nur  einigermassen  dadurch 
behelfen  können,  dass  die  Corbula  Rosthorni  Boue^ 

Corhis  Mellingi  v.  H., 
Myophoria  Chenopus  Laube, 
Hörnesia  Johannis  Äustriae  Klipst., 
Perna  Bouei  v.  H, 
nur  in  jenem  Niveau  häufig  und  gross  entwickelt  zu  finden  sind,  in  welchem 
die  Myophoria  Kefersteini  fehlt,  die  ihrerseits  von 
Solen  caudatus  v  H., 
Cardinia  prohlematica  Klipst.  sp., 
Beden  ßlosus  v.  H.  vorzüglich  häufig  begleitet  wird. 

Diess  vorausgesetzt,  wird  man  nicht  anstehen,  vorerst  jene  Schichten, 
die  ich  unter  dem  Namen  der  Opponitzer-Kalke  zusammengefasst  habe,  für 
das  obere  Niveau  von  Kaibl  zu  erklären.  Die  Schichten  enthalten  in  einer 
ganzen  Keihe  von  Fundorten:  Corhis  Mellingi  v.  H., 

Perna  Bouei  v.  H.^ 
Ostrea  montis  caprilis  Klipst. 

Bei  Meyerling  im  Helenenthaie,  ferner  in  einem  Seitengraben  des 
Sulzbaches  bei  Keichraming  fand  ich  darin  auch  die  Corhida  Rosthorni Boue. 

Wenn  auch  in  diesem  Kohlengebiete  die  Myophoria  Kefersteini  noch 
nicht  entdeckt  ist,  so  deuten  doch  Vorkommnisse  des  Peden  ßosus  v.  H. 
an  vielen  Puncten,  des  Solen  caudatus  v.  U.  nach  Funden  im  Feilbachgraben 
östlich  hei  Weyer,  an,  dass,  wenn  auch  sehr  unvollständig  entwickelt,  doch, 
an  der  Grenze  zwischen  dem  Kohlen  führenden  Lunzersandstein  und  den 
Opponitzer  Kalken,  das  tiefere  Niveau  von  Raibl  hier  und  da  auftritt.  Schon 
innerhalb  der  Kohlenschiefer  des  Lunzersandsteins  ist  eine  Myoconcha- Art, 
wohl  ident  mit  Myoconcha  Curionii  v.  Hauer  an  mehreren  Stellen  insbe- 
sondere im  Soisgraben  bei  Kirchberg  a.  P.  beobachtet  worden,  die  in  der 
Lombardie  und  höchst  wahrscheinlich  auch  in  Raibl  (bisher  nur  unvollstän- 
dig erhalten  in  der  Solenschichte)  gewöhnlich  die  Myophoria  Kefersteini 
begleitet. 

Es  ist  daher  wohl  anzunehmen,  dass  die  Opponitzer-Schichten  den 
Corhula-SchJchten  von  Raibl  entsprechen,  dass  die,  unmittelbar  über  dem 
Lunzersandstein  stellenweise  entwickelten  Mergelkalke  und  Mergelschiefer 
mit  Pecten  ßlosus  v.  H  auch  in  petrographischer  Beziehung  die  unterste  Partie 
der  Megalodon  -  Schichten  vertreten ,  dass  endlich  die  oberste  Partie 
des  Lunzersandsteins  schon  in  das  Niveau  der  Myophoria  Kefersteini-Bdinke 
{Myoconcha  Curionii  v.  H.)  falle. 

Was  tiefer  folgt  ist  der  kohlenführende  Lunzersandstein,  der  petro- 
graphisch  allerdings  wenig  Aehnlichkeit  zeigt  mit  den  Mergelschiefern  und 
Mergelkalken  auf  der  Scharte.  Doch,  wir  sehen  die  petrographische  Be- 
schaffenheit sich  in  kürzesten  Strecken  so  ändern,  dass  man  darüber  hin- 
aussehen kann,  umsomehr  als  im  Liegenden  des  Lunzersandsteins  endlich 
der  Wengerschiefer  folgt,  auf  dessen  Identität  mit  dem  zu  Raibl  ich  schon 
zu  sprechen  kam. 

Im  Lunzersandstein  ist  aber  stellenweise  über  dem  Wengerschiefer 
der  eigenthümliche  Schichtencomplex  der  Reingrabner-Schiefer  mit  Halohia 
Haueri  Stur  und  Ämmonites  floridus  Wulf  sp.  entwickelt.  In  diesem  Rein- 
grabner  Schiefer  treten  an  der  Enns  nördlich  bei  Hieflau  schwarze,  sehr 
feste,  von  Schwefelkies  stellenweise  imprägnirte  Kalkbänke  auf,  in  welchen  ich 


116  D.  Stur.  [46] 

nebst  der  Halöbia  Haueri  einen  Nautilus  fand,  der  Nautilus  redangularis 
V.  H.  sein  könnte.  Möglich  wäre  es  somit,  wenn  diese  Nautilus- Art  wie  ich 
vermuthe,  ursprünglich  den  schwarzen  plattigen  Kalken  im  Kempferbache  bei 
Eaibl  (über  der  Korallenschichte)  entnommen  ist,  dass  in  diesen  Kalken 
ein  Aequivalent  der  Reingrabner  Schiefer  vorliegt,  welches  auch  petrogra- 
phisch  viele  Aehnlichkeit  damit  zeigt. 

Auf  die  Vergleichung  der  durch  die  verdienstvollen  Arbeiten  von 
Prof.  Pichler  bekannten  Carditaschichten  mit  den  Eaibl erschichten  gehe 
ich  nicht  näher  ein,  aus  der  Ursache,  weil  es,  wie  ich  glaube,  bisher 
nicht  gelungen  ist,  dieselben  auf  den  Horizont  der  Wengerschiefer  zu  be- 
ziehen und  zu  Orientiren,  —und  die  Darstellung  der  schwierigen  Lagerungs- 
verhältnisse mehr  Raum  erfordern  würde,  als  mir  hier  geboten  ist.  Die 
Möglichkeit  zweier  Horizonte  der  Carditaschichten  ist  bei  Raibl  und  Kalt- 
wasser gegeben.  Die  Schichten  von  Kaltwasser  als  der  tiefere  Horizont  be- 
trachtet, führen  in  der  That  Gesteine,  die  an  die  Carditaschichten  sehr  er- 
innern. Es  ist  dies  vorzüglich  das  oolithische  Gestein  des  oberen  Kalkzuges 
mit  den  angegebenen  Petrefacten.  Dieses  Carditagestein  tritt  hier  im  Han- 
genden eines  Tufifcomplexes  auf,  welchen  vorzüglich  eine  Landflora  auszeich- 
net, die  ganz  diejenige  unseres  Lunzersandsteines  ist.  Dieses  Verhältniss 
erinnert  lebhaft  an  Klein  Zell,  wo  zwischen  dem  Lunzersandstein  und  den 
Opponitzerschichten  ebenfalls  das  Carditagestein  mit  einer  Anzahl  Cassianer- 
Petrefacte  gefunden  wurde.*)  lieber  den  TuflTschichten  von  Kaltwasser  folgt 
der  erzführende  Kalk  (Schierndolomit)  und  auf  diesen  lagern  die  Megalo- 
don-,  dann  die  Corbulaschichten.  Die  letzteren  erinnern  durch  die  Ostrea 
montis  caprilis  an  die  Carditaschichten  mancher  Localitäten. 

Bei  der  Anwendung  der  Raibler- Durchschnitte  auf  die  Verhältnisse 
der  Carditaschichten  erscheint  es  sehr  störend,  dass  die  Faunen  der  einzel- 
nen Schichten  in  Raibl  nicht  vollkommen  getrennt  sind,  und  gemeinschaft- 
liche Arten  enthalten,  die  die  Feststellung  der  einzelnen  Horizonte  sehr 
erschweren.  So  findet  man  insbesondere  am  Mitterberg  des  Haller-Salzberges 
mit: 

Ämmonites  floridus  Wulf  sp. 

Pecten  ßosus  v.  H. 

Cardinia  prohlematica  Klipst. 

Myocöncha  conf.  Curionii.  v.  H. 
lauter  solchen  Petrefacten,  die  man  gerne  in  das  Niveau  der  Myophoria 
Kefersteini-Bsirike  verlegt,  in  einer  und  derselben  Gesteinschichte : 

1.  Corhula  Bosthorni  Boue? 

2.  Corhis  Mellingi  v.  H. 

3.  Perna  Bouei  v.  H. 

4.  Avicula  Gea  Orh. 

5.  Myophoria'  lineata  Münst. 

die  hier  sehr  häufig  und  vollkommen  in  Grösse  und  Form  so  entwickelt 
sind,  wie  ausschliesslich  nur  in  den  Corbulaschichten  bei  Raibl. 

"Wenn  man  den  Wengerschiefern  und  den  Kalken  von  Kerschbuchhof 
die  verdiente  Aufmerksamkeit  schenken  und  beachten  wird,  dass  grosse 
Kalkmassen  unmittelbar  über  den  Wengerschiefern,  wie  am  südwestlichen 
Fusse  des  Königsberges,  eingeschaltet  sein  können,  dass  über  den  Cardita- 


>)  Jahrbuch  der  geol.  R.-A.  XV.  1865.  p.  45. 


r4'<l     Beiträge  /..Kenntnissd  geol.  Verhältn  d.  Umgegend v.  Raiblu. Kaltwasser.      i  1  7 

schichten  wie  in  Kaltwasser,  ebenfalls  eine  grosse  Masse  weissen  Kalks 
folgen  kann,  dass  ferner  auch  der  Megalodondolomit  vomThörlsattel  stellen- 
weise zu  sehr  grossen  Massen  anwachsen,  auch  gänzlich  fehlen  kann  —  und 
dass  endlich  sowohl  in  den  Corbulaschichten  am  Thörlsattel  ein  Dolomit 
auftritt,  der  ebenso  gut  zu  einer  mächtigen  Masse  anschwellen  kann,  wie  er 
am  Torersattel  ganz  fehlt  —  wie  auch  über  den  Corbulaschichten  Dolomit 
folgt  —  wird  es  auch  hier  gelingen,  trotz  grosser  Schwierigkeiten  die  Wahr- 
heit herauszufinden. 

Für  den  Vergleich  der  Verhältnisse  der  Raiblerschichten  mit  der 
ausseralpinen  Trias  findet  man  die  Untersuchungen  so  weit  vorgeschritten, 
dass  jicht  nur  die  detaillirtesten  Durchschnitte  und  eingehendsten  Schilde- 
rungen über  die  Petrographie  und  die  Petrefacten  der  einzelnen  Schichten 
vorliegen,  wie  für  Franken  in  den  Arbeiten  der  Herren  F.  Sandbergeri) 
und  des  Fr.  N  i  e  s  2)  —  sondern  dass  auch  schon  sehr  beachtenswerthe  Ver- 
suche publicirt  sind  3)  über  die  wahrscheinlichen  Aequivalente  unserer  alpi- 
nen Triasschichten  in  der  ausseralpinen  Trias. 

Ich  darf  hier  meine  Bemühungen  um  die  Parallelisirung  des  Lun- 
zersandsteines  mit  der  Lettenkohle,  des  Wengerschiefers  mit  den  Bair- 
dienschichten  bei  Würzburg  u.  s.  f.  voraussetzen.  —  Es  sei  mir  erlaubt 
hier  nur  auf  die  Vergleichung  unserer  MyopJioria  Kefersteini-B'ä,nke,  mit 
der  von  Prof.  F.  Sandberger  entdeckten  und  beschriebenen  Bleiglanz- 
Bank  mit  Myophoria  Raibliana  näher  einzugehen. 

Bei  der  so  ausserordentlichen  Wichtigkeit  dieses  ,  Vergleiches ,  für 
die  Erkenntniss  unserer  eigenen  Verhältnisse,  ist  es  zu  rechtfertigen, 
wenn  man  bis  auf  die  unansehnlichsten  Merkmale  zurückgeht,  die  zur  Er- 
kenntniss der  Gleichartigkeit  oder  Verschiedenheit  der  beiden  so  wichtig 
gewordenen  Muscheln,  nämlich  jener  von  Raibl  und  jener  von  Hüttenheim 
führen  können,  eingeht. 

Ich  habe  zu  diesem  Zwecke  7S  Stücke  der  schönsten  und  besten  Exem- 
plare der  Myophoria  Kefersteini  vonEaibl  vor  mir,  und  finde  sie  folgender- 
massen  gestaltet.  Die  Diagnose,  die  Abbildung  und  Beschreibung  dieser 
Muschel  wolle  der  freundliche  Leser  in  F.  Ritter  v.  Haue  r's  Beiträgen  zur 
Kenntniss  der  Fauna  der  Raiblerschichten*)  nachsehen. 

Die  linke  Schale.  Die  Ausbildung  der  drei  Kiele  auf  dieser 
Schale  ist  die  Regel.  Der  hinterste  Hauptkiel  ist  breit  und  abgerun- 
det (auf  der  rechten  Schale  ist  derselbe  scharfkantig),  und  nimmt  in  radialer 
Richtung  an  Dicke  zu.  Der  zweite  Kiel  ist  viel  schwächer,  am  Wirbel 
fast  ohne  Ausnahme  scharfkantig  —  leistenartig  hervortretend,  verliert  sich 
seine  Schärfe  nach  dem  Rande  der  Schale  hin  nach  und  nach  ganz,  und  wird 
daselbst  nur  noch  durch  eine  schwache  Erhöhung  angedeutet  oder  verschwin- 
det auch  ganz,  ohne  den  Rand  der  Schale  vollständig  erreicht  zu  haben.  Der 
dritte  Kiel  ist  in  allem  schwächer  als  der  zweite. 


^)  Die  Gliederung  der  Würzburger  Trias  und  ihrer  Aequivalente.  I.  Würz- 
burger naturw.  Zeitschr.  VI.  1866  p.  128.  —  II.  Der  Muschelkalk. :  ibidem  p.  1S8. 
—  III.  Lettenkohlengruppe:  ibidem  p.  192. 

ä)  Beiträge  zur  Kenntniss  des  Keupers  im  Steigerwald.    Würzburg  1868. 

')  Dr.  F.  Sandberger:  Die  Stellung  der  Eaiblerschichten  in  dem  fränki-. 
sehen  und  schwäbischen  Keuper.   Ibidem  p.  34. 

»)  Sitzungsb.  der  k.  Akad.  d.  Wissensch.  1857.  XXIV.  p.  SSO.  T,  IV. 


118  D.  Stur.  [48] 

Unter  den  75  ausgewählten  Exemplaren  sind  mir  nur  zwei  Indi- 
viduen bekannt,  die  eine  Ausnahme  bilden  und  vier  Kiele  besitzen.  Da- 
von ist  der  vierte  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  Kiele  so  eingeschaltet, 
dass  bei  einem  Stück  derselbe  Kiel  am  Wirbel  beginnt,  und  bis  an  den 
Eand  der  Schale  gut  ausgebildet  ist,  bei  dem  zweiten  kleineren  Exemplar 
derselbe  Kiel  (als  Radialstreifen)  erst  in  einiger  Entfernung  vom  Wirbel 
beginnt  und  noch  vor  dem  unteren  Eande  der  Schale  endet. 

Nur  ein  Exemplar  ist  in  derselben  Menge  von  Individuen,  an  wel- 
chem der  dritte  vorderste  Kiel  vom  Wirbel  an  durch  zwei  Drittel  der 
Schalenbreite  nur  schwach  (nicht kantig)  augedeutet  ist.  Ich  finde  kein 
Exemplar  unter  den  verwendeten,  au  welchem  nur  der  Haupt-  und  der 
erste  Nebenkiel  (somit  nur  zwei  Kiele)  ausgebildet  Avären. 

Die  rechte  Schale.  Auch  auf  dieser  Schale  sind  drei  Kiele  deut- 
lich ausgebildet.  Von  diesen  ist  der  Hauptkiel  in  der  Eegel  (im  Gegensatze 
zum  breiten  abgerundeten  Hauptkiele  der  linken  Schale)  schmal  und  scharf- 
kantig. Die  beiden  ebenfalls  am  Wirbel  beginnenden  Nebenkiele  sind  denen 
der  linken  Schale  gleich,  nur  in  der  Regel  schwächer  ausgebildet. 

Unter  den  75  verwendeten  Exemplaren  finden  sich  16  Individuen,  die 
neben  den  drei  Kielen  keine  deutlich  ausgebildeten  Radialstreifen  be- 
sitzen, die  übrige  bedeutende  Zahl  hat  deren  aber  mehrere,  deren  Anzahl 
bis  zu  sechs,  selten  bis  zu  zehn  variirt.  DieRadialstreifen  beginnen  erst 
in  einiger  Entfernung  vom  Wirbel  und  erreichen  auch  in  den  meisten  Fällen 
den  Rand  der  Schale  nicht.  Sie  sind  seltener  zwischen  dem  Hauptkiel  und 
dem  ersten  Nebenkiel,  und  bedecken  häufiger  den  vorderen  Theil  der  Schale 
vom  ersten  Nebenkiel  an,  so  dass  derselbe  in  seltenen  Fällen  dicht  radial 
gestreift  erscheint. 

Nur  ein  Exemplar  liegt  mir  vor,  an  welchem  neben  dem  Haupt- 
kiel nur  ein  Nebenkiel  ausgebildet  zu  bemerken  ist.  Zwei  andere 
haben  nur  an  den  Wirbeln  die  beiden  Nebenkiele  angedeutet  und  ist  die 
übrige  vordere  Fläche  derselben  glatt,  ohne  Radialstreifen  und  ungekielt. 

Die  Oberfläche  beider  Schalen  ist  gewöhnlich  mit  concentrischen, 
dicht  nacheinander  folgenden  Zuwachsstreifen  bedeckt.  Diese  sind  an  den 
Wirbeln  sehr  fein  wulstförmig,  sehr  regelmässig  unter  sich  und  mit  dem 
Eande  der  Muschel  parallel  verlaufend.  Sie  erleiden  auf  den  Nebenkielen 
eine  Brechung  unter  einem  stumpfen  Winkel,  und  wohl  seltener  eine  Ver- 
dickung, so  dass  der  Nebenkiel  dann  eine  schwache  Knotenreihe  trägt.  Auf 
dem  Hauptkiel  der  linken  Schale  biegen  sie  allmälig  um,  ohne 
einer  deutlichen  Ausschweifung  gegen  den  Aussenrand  der  Schale,  und  ver- 
laufen auf  der  Hinterfläche  in  der  Richtung  nach  den  Wirbeln.  Auf  dem 
Hauptkiel  der  rechten  Schale  dagegen  sieht  man  die  Zuwachsstreifen 
bedeutend  nach  Aussen  hin  abgelenkt,  ausgeschweift  und  dann  unter  einem 
scharfen  Winkel  gebrochen.  Entfernter  von  den  Wirbeln  wurden  die  Zu- 
wachsstreifen in  der  Eegel  je  weiter  zum  Eande  der  Schale  stärker  und  un- 
regelmässiger, so  dass  hier  die  Schale  mit  unregelmässig  blätterigen,  con- 
centrischen Eippen  bedeckt  erscheint,  die  ohne  bemerkbare  Brechung  über 
die  Nebenkiele  hinwegsetzen. 

Nur  selten  trifft  man  die  Exemplare  so  vollständig,  dass  auch  noch 
die  oberste  Schichte  der  Schale  wohlerhalten  ist.  Diese  besteht  aus  einem 
sehr  dünnen  Kalkhäutchen,  welches  mit  sehr  feinen  leistenartigen  concen- 
trisch  verlaufenden  Streifen  bedeckt  erscheint,   die  wohl  in   den  meisten 


[49]     Beiträge  z.Kenntnissd.geoI.  Verbältn.d.  Umgegend  v.Raib!  u.  Kaltwasser.     119 

Fällen  parallel  sind  mit  denZuwachsstreifen,  doch  sieht  man  sie  nicht  selten 
auch  einen  von  der  Zuwachsstreifung  abweichenden  Verlauf  nehmen.  Diese 
Streifen,  deren  9—10  auf  einer  Breite  von  3  Millimeter  zu  zählen  sind, 
anastomosiren  sowohl  auf  der  vorderen  Fläche  der  Schale,  wenn  auch 
seltener,  als  auch  auf  dem  Hauptkiele  untereinander,  und  werden  so  wie  die 
Zuwachsstreifen  in  der  Nähe  der  Wirbel  auf  den  Nebenkielen  gebrochen, 
während  sie  am  Rande   der  Schalen   ungebrochen  über  diese  hinwegsetzen. 

Sowohl  die  concentrischen  Zuwachsstreifen,  als  auch  die  Streifung 
der  obersten  Schalenschichte  ist  in  allen  mir  vorgekommenen  Fällen 
schöner  und  regelmässiger  auf  der  rechten  als  auf  der  linken 
Schale  ausgebildet. 

Von  jener  Myophoria  aus  der  Bleiglanzbank  von  Hütten- 
heim (Unterfranken)  habe  ich  durch  die  Güte  des  Herrn  Prof.  F.  San db  er- 
ger 8  Stück  Kittabdrücke  zur  Vergleichung  vor  mir.  Dieselben  sind  ge- 
fertigt nach  drei  verschiedenen  Exemplaren.  Das  grösste  Exemplar, 
32  Millimeter  lang,  ist  eine  linke  Schale.  Der  Hauptkiel  ist  stark  und 
breit  abgerundet.  Der  erste  Nebenkiel  reicht  von  den  Buckeln  bis  zum  Rande 
der  Schale,  ist  oben  ziemlich  scharfkantig,  nach  dem  Rande  zu  weniger  mar- 
kirt.  Der  zweite  Nebenkiel  ist  von  den  Wirbeln  an  auf  eine  Länge  von  12 
Millimeter  deutlich  zu  verfolgen  und  verschwindet  somit  beiläufig  in  der 
Mitte  der  Schalenfläche.  Die  Zuwachsstreifung  ist  eine  ziemlich  regelmässig 
entwickelte  zu  nennen,  auch  glaube  ich  Spuren  von  der  feinen  Streifung  der 
obersten  Schalenschichte  an  den  Abdrücken  zu  bemerken.  Diese  eine  Schale 
stimmt  in  der  That  möglichst  genau  mit  einigen  seltenen  Exemplaren  von 
linken  Schalen  der  Myophoria  Kefersteini  von  Raibl  übereiu,  und  weicht 
nur  darin  ab,  dass  der  zweite  Nebenkiel  viel  früher  (in  der  Mitte  der 
Schalenbreite)  aufhört,  überhaupt  nur  angedeutet  erscheint. 

Das  zweite  Exemplar,  ebenfalls  einer  linken  Schale  angehörig, 
i  2  Millimeter  lang,  und  in  allem  vollkommen  das  erste  grössere  Exemplar 
in  verkleinertem  Maassstabe  darstellend,  unterscheidet  sich  vom  gleich  alten 
von  Raibl  ebenfalls  dadurch,  dass  der  zweite  Nebenkiel  nur  in  der  Wirbel- 
gegend angedeutet  erscheint. 

Das  dritte  Exemplar  ist  der  Abdruck  einer  rechten  Schale  von 
22  Millimeter  Länge.  Der  Hauptkiel  ist  schärfer,  als  an  den  beiden  erst  be* 
schriebenen  linken  Schalen,  wie  dies  auch  an  den  Raiblerexemplaren 
gewöhnlich  ist.  Zwichen  diesem  und  dem  ersten  Nebenkiel  ist  ein  Radial- 
streifen vorhanden,  der  in  einer  Entfernung  von  12  Millimeter  Länge  vom 
Wirbel  beginnt  und  dem  Nebenkiele  genähert  verlauft,  gleichsam  diesen 
Verdoppelnd.  Der  zweite  Nebenkiel  ist  auf  dem  Abdrucke  nur  auf  12  Milli- 
meter Länge  vom  Wirbel  zu  verfolgen.  Statt  einer  Fortsetzung  desselben  er- 
blickt man  einen  Radialstreifen,  der  ihn  gleichsam  vertritt  und  etwas  nähei' 
zum  ersten  Nebenkiel  gestellt,  bis  zum  Schalenrande  sichtbar  ist. 

Unter  den  vielen  Raibler  Exemplaren  finden  sich  zwei  Individuen,  an 
denen  eine  ganz  gleiche  Verdopplung  des  ersten  Nebenkieles,  wie  auf  dem 
Exemplare  von  Hüttenheim  zu  bemerken  ist 

üeberhaupt  scheinen  diese  drei  Exemplare  dei'  Myophoria  von  Hütten- 
heim in  der  That  dem  Formenkreise  der  Myophoria  Kefersteini  anzuge* 
hören.  Doch  dürfte  die  Identität  erst  dann  volle  Sicherheit  erlangt  haben, 
wenn  auch  jene  häufigen  und  an  allen  bekannten  Fundorten  gleichhäufig  vor- 
kommenden Formen  mit  drei  vollständig  ausgebildeten  Kielen  auf  der  linken, 


i20  D.  Stur.  [50] 

ferner  mit  drei  Kielen  und  6 — 10  Radialstreifen  auf  der  rechten  Schale, 
von  Hüttenheim  oder  überhaupt  aus  dem  ausseralpinen  Keuper  vorliegen 
werden. 

Die  Vergleichung  der  Myophoria  Kefersteini  mit  der  Myophoria 
transversa  aus  dem  Grenzdolomit  der  Lettenkohle  ist  ebenso  erforderlich, 
da  beide  einem  nicht  wesentlich  verschiedenen  Niveau  angehören  dürften. 

Die  M.  transversa  ist  nach  Herrn  v.  Schauroth  vorzüglich  ausge- 
zeichnet durch  ihre  nach  hinten  oder  quer  verlängerte  Gestalt.  Doch  scheint 
dieses  Merkmal  kein  allgemein  giltiges  zu  sein,  indem  ich  unter  10  zu 
Beuerfeld  gesammelten  Exemplaren  nur  eines  finde,  welches  der  von  Herrn 
V.  S  ch  au  roth  gegebenen  Figur  vollkommen  entspricht.  Die  übrigen  Stücke 
zeigen  genau  den  Umriss  der  Myoplioria  Kefersteini,  und  ist  der  vordere 
Theil  der  Schalen  derselben  vom  Nebenkiel  an  viel  breiter,  als  bei  der  als 
normal  angenommenen  Form. 

An  den,  mir  von  Beuerfeld  vorliegenden  erwachsenen  Exemplaren  sehe 
ich  neben  dem  Hauptkiele  nur  einen  Nebenkiel,  und  finde  an  keinem  Exem- 
plare einen  zweiten  Nebenkiel  auch  nur  angedeutet.  Auch  auf  der  linken 
Schale  eines  5  Millimeter  langen  jungen  Exemplares,  ist  neben  dem  Haupt- 
kiele nur  ein  Nebenkiel  zu  beobachten.  Auf  der  rechten  Schale  eines 
zweiten  jungen  Exemplares  von  2  i/g  Millimeter  Länge  schiebt  sich,  wie  auch 
schon  Herr  V  Schauroth  beobachtet  hat,  zwischen  dem  Hauptkiel  und 
dem  Nebenkiel  ein  ßadialstreifen  ein,  der  erst  in  einiger  Entfernung  vom 
Wirbel  beginnt  und  bis  zum  Schalenrande  an  Stärke  zunimmt.  Ausserdem 
ist  noch  ein  zweiter  Kadialstreifen  auf  der  vorderen  Fläche  der  Schale  neben 
dem  Nebenkiele  zu  bemerken,  der  gleichsam  einen  zweiten  Nebenkiel  vertritt 
und  fast  vom  Wirbel  an  bis  zum  Schalenrande  deutlich  zu  verfolgen  ist. 

Die  Ornamentik  der  Schalenoberfläche  zeigt  keine  grossen  Verschie- 
denheiten von  denen  der  Myoplioria  Kefersteini,  da  sowohl  die  Zuwachs- 
streifen eine  grosse  Aehnlichkeit  zeigen,  als  auch  die  Streifung  der  obersten 
Schalenschichte  eine  analoge  ist  Doch  ist  zu  bemerken,  dass  die  Streifung 
der  obersten  Schalenschichte  bei  der  Myophoria  Kefersteini  eine  viel  feinere 
und  zartere  ist.  Auch  darf  ich  nicht  verschweigen,  dass  die  analoge  Streifung 
bei  der  Myophoria  transversa  an  dem  mir  vorliegenden  Exemplare  erst  dann 
sichtbar  wird,  wenn  man  ein  äusserst  feines,  mit  dendritischen  Zeichnungen 
versehenes  Kalkhäutchen,  das  die  ganze  Schale  gleichmässig  (an  einigen 
Stellen  in  einer  doppelten  Schichte)  bedeckt,  weggesprengt  hat. 

Die  Brechung  der  concentrischen  Streifung  an  dem  Nebenkiele  scheint 
bei  der  Myophoria  transversa,  bis  zum  Rande  der  Schale  in  der  Regel  deut- 
lich ausgesprochen  zu  sein,  während  sie  bei  Myophoria  Kefersteini,  nur 
näher  zu  den  Wirbeln  gewöhnlich  ist.  Doch  die  Verdickung  der  Streifen  zu 
einer  Schuppenreihe  auf  den  Kielen,  die  Professor  Sandberger  erwähnt, 
scheint  nur  ausnahmsweise,   wie  auch  bei  M.  Kefersteini  vorzukommen. 

Diese  drei  Formen  von  Myophoria  zeigen  in  ihren  Merkmalen  eine 
vielfache  Analogie  und  grosse  Aehnlichkeit.  Sie  gehören  gewiss  einer  Grund- 
form an.  Das  fast  gänzliche  Fehlen  der  Radiälstreifen  auf  der  linken,  und 
deren  gewöhnliches  Vorkommen  auf  der  rechten  Schale,  die  Ornamentik, 
die  Form  des  Hauptkiels  der  rechten  und  der  linken  Schale  und  die  der 
Nebenkiele  ist  bei  allen  dreien  eine  fast  gleiche. 

Was  bei  der  einen  im  Jugendzustande  bemerkt  wird,  findet  man  bei 
der  zweiten  Form  im  vorgerückten  Alter  noch  erhalten,  und  ist  bei  der 


rSl]     Beiträge  z.  Kenntnissd.  geol.  Verhältn.  d.  Umgegend  v.  Raiblu.  Kaltwasser.     1 21 

dritten  Form  in  allen  Lebensstadien  deutlich  ausgedrückt.  So  die  Einschie- 
bung  der  Kadialstreifen  zwischen  die  Kiele  ist  bei  M.  transversa  nur  bei 
jungen  Exemplaren  von  2—3  Millimeter  Länge  auf  den  rechten  Schalen 
beobachtet,  und  fehlt  auf  den  älteren  Individuen.  DieMyophoria  von  Hütten- 
heim zeigt  auf  der  mir  bekannten  rechten  Schale  von  22  Millimeter  Länge 
die  Radialstreifen  noch  deutlich  Bei  M.  Kefersteini  erscheinen  die  zahl- 
reichen Radialstreifen  in  allen  Altersstufen  nicht  nur  auf  der  rechten  son- 
dern zuweilen  auch  auf  der  linken  8chale.  Der  zweite  Nebenkiel  ist  bei  der 
M.  transversa  nicht  vorhanden,  auch  auf  jungen  Exemplaren  soweit  bekannt 
nicht  angedeutet.  Derselbe  ist  bei  der  Myophoria  von  Hüttenheim  nur  in 
der  Wirbelgegend  vorhanden,  und  erlangt  bei  der  M.  Kefersteini  von  Raibl 
seine  volle  Entwicklung.  Die  Myophoria  von  Hüttenheim  scheint  nach  den 
mir  bekannten  Exemplaren  eine  Mittelform,  ein  Verbindungsglied  zwischen 
der  M.  Kefersteini  von  Raibl  und  der  M.  transversa  von  Beuerfeld  zu  sein, 
und  da  es  vortheilhafter  ist  alle  drei  Formen  zu  unterscheiden,  als  sie  au 
einer  sogenannten  Art  zu  verbinden,  schlage  ich  vor  die  Form  von  Hütten- 
heim Myophoria  Sanäbergeri  zu  nennen. 

Ausser  der  Verschiedenheit  der  M.  Sandhergeri  von  der  M.  Kefer- 
steini habe  ich  noch  folgenden  Grund,  nicht  anzunehmen,  dass  die  Blei- 
glanzbank von  Hüttenheim  ein  Aequivalent  der  M.  Kefersteini-B'Anke  in 
Raibl  sei.  Dieser  Grund  ist  oben  theilweise  angedeutet,  dass  nämlich  schon 
innerhalb  des  Lunzersaudsteines  bei  den  Kohlenflötzen,  Kohlenschiefer  vor- 
kommen, in  denen  die  Mtjoconcha  conf.  Ciirionü  v.  H.  auftritt,  eine  Be- 
gleiterin der  M.  Kefersteini  in  den  lombardischen  Raibler schichten.  Diesem 
Niveau  *des  Lunzersaudsteines  entspricht  beiläufig  die  Bank  der  M.  Kefer- 
steini in  Raibl.  Auf  der  Scharte  daselbst  folgt  aber  die  M.  Kefersteini 
durch  zwei  aufeinander  folgende  Horizonte;  die  Solenschichte  und  das  Ni- 
veau der  losen  Petrefacte  der  Megalodonschichten. 

Aehnlich  ist  das  Auftreten  der  Myophoria  transversa^  die  sowohl  in 
der  Lettenkohle,  als  in  dem  darauf  lagernden  Grenzdolomit  vorkommt. 

Die  Gründe,  dass  man  im  Grenzdolomit  eine  Reihe  von  St.  Cassianer 
Arten  gefunden  hat,  können  für  die  gegentheilige  Meinung  nicht  ins  Ge- 
wicht fallen,  da  ja  auch  noch  die  Corbulaschichten  eine  ganze  Reihe  von 
St.  Cassianerarten  enthalten,  und  leider  bis  heute  noch  in  St.  Cassian 
selbst  eine  Schichtenweise  Gliederung  der  reichen  Fauna  nicht  vorgenommen 
werden  konnte.  Und  wie  verschieden  die  Fauna  der  einzelnen  Horizonte 
sein  muss,  und  wie  viel  verschiedene  Horizonte  in  St.  Cassian  auftreten, 
geht  aus  den  v.  Rieh thofen'schen  Arbeiten,  und  aus  den  hier  vorlie- 
genden Mittheilungen  über  Raibl  und  Kaltwasser  hervor.  Dies  waren  die 
Gründe  zugleich,  die  mich  schon  im  Herbst  1865  bewogen  haben,  in  der 
Aufstellung  unseres  Museums,  das  Niveau  der  Myophoria  Kefersteini,  als 
solches  zu  bezeichnen,  welches  dem  oberen  Theile  der  Lettenkohle,  und  dem 
Grenzdolomit,  beiläufig  entspricht. 

Wenn  man  auch  annimmt,  dass  die  höher  liegenden  Corbulaschichten 
schon  dem  untersten  Niveau  der  bunten  Mergel  des  Keupers  angehören, 
also  beiläufig  in  ein  Niveau  mit  den  Corbulaschichten  v.  Alber ti's  zu 
stellen  sind,  so  wie  ich  dies  schon  im  Herbst  1865  angenommen  hatte,  so 
sind  wir  mit  unseren  Corbulaschichten  noch  sehr  tief  unter  der  oberen 
Grenze  des  deutschen  Keupers,  und  haben  noch  dieAequivalente  des  Schilf- 
sandsteines und  Semionotus-Sandsteins  nebst  den  zugehörigen  Gypsmergeln, 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  lieichsanstalt.  1868    18.  Baud.  1.  Heft-  *■" 


i22       D-     Stur.    Geol.  Verhältnisse  d.  Umgegend  von  Raibl  u.  Kaltwasser.      \^2^ 

somit  fast  den  ganzen  sehr  mächtigen  Keuper  in  unseren  Alpen  nach- 
zuweisen. 

Der  Hangenddolomit  in  Kaibl  ist  den  Corbulaschichten  ganz  conform 
und  ohne  irgend  einer  Spur  von  Störungen  aufgelagert,  und  durch  die  in 
ihm  eingelagerten  dolomitischen  Kalkmergelbänke  auch  petrographisch 
ebenso  mit  den  liegenden  Schichten  verbunden,  wie  der  Opponitzerdolomit 
in  den  nordöstlichen  Alpen  mit  den  Opponitzerkalken.  Einlagerungen  ähn- 
licher Kalkmergel  wie  die  mit  Corhis  Mellingi  und  Perna  Bouei,  trifft  man 
noch  hoch  über  demLunzersandstein  in  dem  Opponitzerdolomit.  Es  ist  daher 
wohl  anzunehmen,  dass  dieser  Hangenddolomit  —  Opponitzerdolomit  — 
noch  triadisch  sei,  und  den  gesammten  Keuper  repräsentire,  da  weder 
Störungen  in  der  Lagerung  vorhanden  sind,  noch  irgend  andere  Ursachen 
vorliegen,  anzunehmen,  dass  hier  die  Ablagerungen  der  obersten  Trias  nicht 
stattfanden  und  fehlen. 

Soweit  die  Fauna  des  Hangenddolomites  einer  genaueren  Bestimmung 
unterzogen  werden  konnte,  stimmen  die  Arten  nicht  mit  jenen  des  soge- 
nannten Hauptdolomites,  wie  ich  schon  oben  erwähnt  habe. 

Die  Trias  in  den  Karpathen  bietet  ebenfalls  Gelegenheit  hierher  zu 
beziehende  Thatsachen  zu  beobachten,  über  welche  ich  in  einem  nächsten 
Aufsatze  ausführlicher  zu  berichten  haben  werde.  Hier  sei  nur  soviel  vor- 
läufig erwähnt,  dass  in  den  Karpathen  über  den  Aequivalenten  des  Lunzer- 
sandsteines  ein  stellenweise  sehr  mächtiger  Dolomit  auftritt,  und  erst  über 
diesem  jene  rothen  Mergel  in  Wechsellagerung  mit  eigenthümlichoD  Dolo- 
miten folgen,  die  unter  der  rhätischen  Formation  gelagert,  von  Dr.  Stäche 
zuerst  als  dem  Keuper  angehörig  erwiesen  wurden  —  dass  somit  auch  hier 
ein  dem  Hangenddolomite  äquivalenter  Dolomit  vorhanden  ist,  der  unter 
den  Keupermergeln  gelagert,  nothwendig  noch  der  Trias  angehören  muss. 

Dies  sind  die  Beobachtungen,  die  ich  in  Kaibl  gemacht  habe,  oder 
durch  diese  Keise  zu  machen  veranlasst  worden  bin.  Sie  sind  leider  nur  un- 
vollständig, und  solange  unvollendet,  bis  es  gelingt  auch  den  westlich  an- 
stossenden  Theil  des  Zuges  der  Kaibler-Schichten  in  gleicher  Eichtung  neu 
zu  begehen.  Aber  trotzdem  dürften  sie  hinreichen  um  begründete  Zweifel 
zu  erheben,  gegen  die  einseitige  Deutung  der  Lagerungsverhältnisse  auf  der 
Scharte,  so  wie  sie  sich  bei  einer  Durchschnitts-Begehung  ergeben. 

Es  bleibt  noch  vieles  zu  thun  übrig.  Sehr  wünschenswerth  wäre,  bevor 
ein  weiterer  Schritt  in  der  Aufnahme  der  westlichen  Partie  gemacht  wird, 
erst  jene  von  mir  neu  entdeckten  Fundorte  von  Petrefacten  in  den  Tuffen 
und  Breccien  von  Kaltwasser  so  sorgfältig  auszubeuten,  wie  dies  verhält- 
nissmässig  sehr  vollständig  mit  den  Fundorten  um  Raibl  geschehen  ist. 
Dies  würde  schon  manche  nicht  hinreichend  sichergestellte  Thatsache 
festigen,  und  die  Anhaltspunkte  auch  zur  Deutung  der  merkwürdigen  Ver- 
hältnisse im  Lahnthale,  vermehren. 


VI.  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien. 
Von  Karl  Griesbach. 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  4.  Februar  1868. 

(Mit  Taf.  m  und  IV.) 


Zwischen  dem  Dorfe  Lainz,  den  Orten  St.  Veit  und  Hietzing  erhebt 
sich  eine  Hügelkette,  die  schon  durch  ihre  Form  von  dem  niedern  Hügellande 
deutlich  zu  unterscheiden  ist.  Dieser  kleine  Complex  von  Hügeln  umfasst 
Schichten,  welche  von  der  rhätischen  bis  in  die  Neocomformation  reichen. 
Doppelt  interessant  wird  diese  Lokalität  dadurch,  dass  sie  so  nahe  bei  Wien 
liegt  und  so  leicht  zu  erreichen  ist.  Zudem  ist  bis  jetzt  kein  Punct  in  den 
Nordalpen  bekannt,  ausser  dieser  einzelnen  Insel,  wo  die  Juraschichten  so 
typisch  entwickelt  sind.  Eine  wirkliche  Lücke  und  daher  Discordanz 
zwischen  den  Schichten  tritt  eigentlich  nur  zwischen  oberstem  Dogger  und 
oberem  Malm  ein;  der  untere  und  mittlere  Malm  fehlt.  Ob  der  unterste 
Dogger  fehlt,  kann  nicht  bestimmt  behauptet  werden,  vielleicht  wird  es  ge- 
lingen, auch  diese  Schichten  noch  nachzuweisen. 

1 .  Rössener  Schichteo.  Zur  ausgezeichneten  Entwickelung  gelangen  die 
Kössener  Schichten,  welche  an  mehreren  Puncten  aufgeschlossen  sind. 

Von  dem  Wege,  der  von  Lainz  nach  Ober  St.  Veit  führt,  biegt  ein 
Fusssteig  ab,  der  bis  zur  Thiergartenmauer,  zum  Gemeindewalde  führt. 
Dieser  Fusssteig  zieht  sich  zwischen  Weingärten  hin,  rechts  gehören  sie  zum 
Bereiche  der  interessanten  Lokalität,  links  liegen  dieselben  auf  einem  Ter- 
tiär- und  Sandsteinterrain. 

Längs  dieses  Weges  findet  man  die  Gesteine  der  Kössener  Schichten. 
Sie  sind  an  den  braungelben  Verwitterungsflächen  und  zahlreichen  Petrefac- 
ten-Durchschnitten,  so  leicht  zu  erkennen,  dass  man  sie,  einmal  gesehen,  augen- 
blicklich wieder  erkennt. 

Herr  Bergrath  S  t  u  r,  der  dieses  Vorkommen  schon  lange  kannte,  unter- 
scheidet zwei  Ausbildungsformen.  Ein  braunes  Gestein  mit  Petrefacten  in  Horn- 
stein  findet  sich  östlich  von  der  Einsiedelei;  es  enthält: 

GhemniUia  Quenstedti  Stopp.  Area  havarica  Winkt. 

Turritella  Stoppanii  Winkl.  Myophoria  inflata  Emmr.  (Neoschir 
Turho  alpinus  Winkl.  zodus  posterus  Qu.) 

Ävicula  contorta  Porti.  Cardium  austriacum  Hauer. 

Gervillia  praecursor  Qu.  Leda  percaudata  Gümbel. 
„        inflata  Schafh. 

16* 


124  K,  (iriesbach.  m 

Die  graue  Schichte  mit  verkalkten  Petrefakten  enthält: 
Chemnitsia  Quenstedti  Stopp.  Pecten  acuteauritus  Schaf h. 

2  Gastropodenspecies .  Plicatula  intusstriata  Emmr. 

Ostrea  rhätica  Quenst.  Gervillia  inflata  Schafh. 

Änomia  fissistriata  Winkl.  Mijtilus  minutus  Gf. 

„       alpina   Wink.  Cardimn  austriacum  Hauer. 

„       sp.  Pholadomya  lagenalis  Schafh. 

Wir  haben  somit  hier  ausgezeichnet  entwickelte  Kössener-Schichten 
vor  uns,  an  deren  Bestimmung  nicht  im  Mindesten  gezweifelt  werden  kann. 

2.  Grestener  Ealke.  Ungefähr  50  Schritte  von  der  Abzweigung  des 
Weges  zur  Einsiedelei,  bei  einem  Kreuze,  an  der  Strasse  nach  Ober  St.  Veit 
eröffnete  man  einen  kleinen  Steinbruch,  wie  ich  glaube,  der  Strassen- 
beschotterung  wegen.  DieserBruch  befindet  sich  in  einem  festen,  grauen  Cri- 
noidenkalke,  der  etwas  ins  Grünliche  spielt.  Zahlreiche  Exemplare  eines 
glatten  Pecten,  Pecten  liasinus  Nyst. 

„      lugdunensis  Mer. , 
Pentacrinus  sp. 
machen  es  wahrscheinlich,    dass  wir  es  hier  mit  den  Grestener  Kalken  zu 
thun  haben.  —  Auch  zeigen  die  Lias-Schichten  mit  vortrefflichen  Petrefak- 
ten bei  der  Einsiedelei  grosse  Aehnlichkeit  in  Betreff  der  Gesteine. 

Die  Schichten  dieses  Steinbruches  (Taf.  III,  Fig.  3,)  fallen  nach  N.  ein 
und  liegen  auf  einem  braunen  Sandstein,  der  zum  Theil  grünlich-schwarz 
wird.  Er  enthält  Eisenoxyd-Knollen,  —  Petrefakte  habe  ich  noch  nicht  in 
demselben  gefunden. 

3.  liiss  oc.  Bevor  man,  von  Lainz  kommend,  zu  der  eben  beschriebenen 
Lokalität  gelangt,  zweigt  ein  Fahrweg  zur  Einsiedelei  ab,  auf  welchem  an- 
dere Liasgesteine  aufgeschlossen  sind. 

Man  sieht  dunkelgraue,  ausserordentlich  feste  Kalke  mit  Crinoiden- 
Durchschnitten  anstehen,  die  sehr  schöne  Petrefakten  aus  dem  Lias  a.  ent- 
halten. 1) 

Ämmonites  Conyheari  Sow.  Cardinia  Listen  Agass. 

Pleurotomaria  anglica  Sow.  „         gigantea  Qu. 

Lima  Deslongchampsi  Stol.  Fragment  einer  Saurier  Pha  lange. 

Kurz  bevor  man  zur  Einsiedelei  kommt,  geht  der  leste  Kalk  in  einen 
lichteren  Fleckenmergel  über,  der  viele  Hornsteine  führt. 

Vor  Kurzem  brachte  man  aus  dem  Bruunen  des  Abdeckers  von  Ober 
St.  Veit  den  Abdruck  eines  grossen  evoluten  Ammoniten  ins  Hofmineralien- 
kabinet.  Er  befindet  sich  in  einem  grauen  Gesteine  und  dürfte  einem  grossen 
Capricornier  angehören.  Es  scheint,  dass  man  in  diesem  Brunnen  alle  Jura- 
schichten durchteuft  hat  und  in  dieser  sehr  bedeutenden  Tiefe  auf  die  Lias- 
gesteine gekommen  ist.  Wenn  der  genannte  Abdruck  wirklich  einem  Capri- 
cornier augehört,  so  hätten  wir  auch  den  mittlem  Lias  in  St.  Veit  ent- 
wickelt. Vielleicht  dass  auch  jener  Fleckenmergel  vor  der  Einsiedelei  dazu 
gehört. 

4.  „Der  Jara  von  St.  Veit.'^  Unter  diesem  Namen  begriff  man  bis  jetzt 
alle  dichten  Kalke  mit  Hornsteinen  und  alle  weichen  mergeligen  Kalke 
von  St.  Veit,  bei  denen  man  aber  sehr  wohl  verschiedene  Zonen  unterschei- 
den kann. 


1)  Siehe  Jahrbucli  der  k.  k.  g.  E.-A.  1859  pag.  259,    K.  M.  Paul,  „Ein  geologi- 
sches Profil  aus  dem  Eandgebirge  des  Wiener  Beckens." 


r31  Der  Jura  von  Ober  St.  Veit  bei  Wien.  125 

Jeder,  der  als  Geologe  St.  Veit  besucht  hat,  wird  wohl  die  grosse 
Schichtfläche  von  weissem,  weichem,  mergeligem  Kalk  hinter  dem  letzten 
Hause  von  Ober  St.  Veit  an  der  Strasse  zur  Einsiedelei  kennen.  Diese 
Schichte  kann  man  in  ihrem  Streichen  an  der  Strasse  bis  hinter  die  Einsie- 
delei verfolgen,  wo  sie  in  bedeutender  Mächtigkeit  entwickelt  ist.  Unmittel- 
bar im  Liegenden  dieser  weissen  Schichte  steht  im  Garten  der  Einsiedelei 
ein  etwas  dunkler  gefärbter,  schieferiger  Kalk  an,  der  ziemlich  viele  Petre- 
fakten  enthält,  deren  Erhaltungszustand  indessen  sehr  viel  zu  wünschen 
übrig  lässt.  Im  verflossenen  Spätherbst  wurde  in  der  Einsiedelei  beim  Gra- 
ben eines  Kellers  das  Gestein  entblösst,  welches  leider  bald  darauf  wieder 
vermauert  wurde.  Ich  konnte  jedoch  beobachten,  dass  der  dunkle  Schiefer 
eine  Einlagerung  zwischen  dem  mergeligen  weissen  Kalke  ist.  Die  schiefrige 
Schicht  ist  nicht  genau  begrenzt,  sondern  geht  langsam  in  die  darauf  liegen- 
den festeren  Kalkbänke  über,  die  in  der  That  dieselben  Fetrefacten  zu 
führen  scheinen.  Beide  Schichten,  besonders  aber  der  Schiefer,  besitzen 
gelbe  Verwitterungsflächen.  Die  Bank  von  dünngeschichtetem,  schiefrigem 
Kalk  steht  noch  an  einer  andern  Stelle  an,  nämlich  im  Garten  der  Einsiede- 
lei an  einem  tiefer  gelegenen  Punkte ;  ■ —  endlich  findet  man  den  Schiefer 
noch  beim  Ackern  auf  den  anstosseuden  Feldern. 

Zone  des  ÄmWi.  Sauzei  d'Orh.  Petrographisch  kann  man  den 
Kalk  im  Liegenden  des  Schiefers  von  dem  Hangenden  kaum  unterscheiden. 
Beide  zeigen  die  graue  Farbe,  sind  ziemlich  weich  und  wechseln  mit  härteren 
Kalken.  Es  liegen  jedoch  Petrefacte  vor,  von  denen  es  theils  sicher,  theils 
wahrscheinlich  ist,  dass  sie  aus  diesen  Kalken  des  Hangenden  vom  Schiefer 
stammen.  Eine  kleine  Bivalve  stammt  aus  dem  Liegenden,  —  sie  hat  die 
meiste  Aehnlichkeit  mit  Cardium  cognatum  Phill.  Sie  zeigt  feine  gestreifte 
Schalen,  sehr  gewölbten  Wirbel  und  eine  mehr  oblonge  Form.  —  Im  k.  k. 
Hofmineralieukabinete  in  Wien  befindet  sich  ein  ausgezeichnetes  Exemplar 
eines  Ämmonites  mcsacanthus  Waagen,  eines  Falciferen,  der  in  der  Schichte 
des  Ämmonites  Sausei  in  Gingen  vorkommt.  Dieses  Exemplar  zeigt  eine 
so  vollkommene  Uebereinstimmung  mit  der  Abbildung  von  Waagen,  dass 
es  fast  scheinen  könnte,  als  wenn  letztere  nach  demselben  gemacht  worden 
wäre.  Derbe  Knoten  sitzen  auf  einer  schwachen  Kippe  in  der  Mitte  der  Höhe 
der  Umgänge,  und  nehmen  an  Deutlichkeit  gegen  die  altern  Windungen  zu, 
wo  sie  zu  förmlichen  Stacheln  werden.  In  den  Innern  Windungen  beginnen 
die  Knoten  mit  groben  Kippen  abzuwechseln.  Der  Kiel  ist  sehr  deutlich  zu 
sehen.  Durch  diesen  Ammoniten  ist  das  Vorhandensein  einer  Zone  des  Äm- 
monites Sausei  ganz  ausser  Zweifel  gesetzt,  leider  ist  es  jedoch  nicht  mög- 
lich zu  erfahren,  ob  derselbe  aus  dem  Gestein  unter  dem  Schiefer  stammt, 
da  letzterer  bis  jetzt  gar  keine  Beachtung  gefunden  hat.  Jedenfalls  haben 
sich  die  darunterliegenden  Kalke  zuerst  abgelagert,  und  durch  die  Bivalve 
(Cardium  cognatum  PJilU.),  welche  etwas  älter  ist,  als  die  Zone  des  Ämm. 
Humphriesianus,  Avird  es  wahrscheinlich,  dass  dieser  Kalk  die  wirkliche 
Lagerstätte  des  sichern  Ämm.  mcsacanthus  Waag  ist.  Die  hierdurch  cha- 
rakterisirte  Zone  des  J.m»<.  Sausei  in  St.  Veit  muss  nothwendig  tiefer  liegen 
als  dieser  Schieter,  da  letzterer  offenbar  dieselben  l*etrefacten  führt  wie  der 
darauf  liegende  Kalk. 

In  diese  Schichte  gehört  oÖenbar  auch  ein  schöner  Ammonit  von  Ober 
St.  Veit,  in  der  Nähe  des  Abdeckerhauses  gefunden.  Waagen  beschreibt 
in   seinem   letzten  Werke    (Zone    des  Ämmonites  Sowei-hgi)  nahestehende 


126  K.  Griesbach.  [4] 

Formen,  jedoch  stimmt  der  unserige  mit  keinem  vollkommen  überein;  ich 
nenne  ihn  ddher  Änmi.Vindohonensis  (Siehe  Tsui.IY).  Es  ist  eine  sehr  evolute 
Species,  welche  den  Humphriesiani  sehr  nahe  steht,  und  zwar  jenen,  welche 
so  zu  sagen  den  üebergang  der  Coronaten  zu  den  Planulaten  vermitteln.  Mit 
Ämmonites  Bayleanus  Opp.  ist  er  nicht  zu  verwechseln,  da  dieser  regel- 
mässig in  die  Dicke  zunehmende  Windungen  besitzt,  bei  dem  unserigeu  da- 
gegen die  letzte  Windung  enger  wird.  Auch  stimmen  die  Verhältnisse  nicht. 
Man  kann  vielmehr  sagen,  dass  dieser  Ammonit  die  Mitte  hält  zwischen 
Amm,HumpJiriesianus  plicatissimus  unäp)ol'ymerus  Waag.,  im  Allgemeinen 
aber  den  Charakter  des  letzteren  zeigt,  welcher  ebenfalls  in  die  Zone  des 
Amm.  Sauzei  gehört.  Die  Wohnkammer  umiasst  genau  einen  Umgang,  — 
der  Querschnitt  eines  solchen  ist  hoch  halbmondförmig,  an  beiden  Seiten 
massig  stark  gewölbt. 

Die  Maass- Verhältnisse  dieser  Species  sind  am  meisten  ähnlich  denen 
des  Amm.  polymerus  Waagen,  namentlich  ist  die  Ausschnürung  der  Wohn- 
kammer charakteristisch  für  diesen,  obwohl  unsere  Species  das  Merkmal 
noch  in  erhöhtem  Grade  zeigt.  Die  gekammerten  Windungen  sind  bedeutend 
aufgebläht,  während  die  Wohnkammer  flache  Seiten  '  zeigt.  Gänzlich  ver- 
schieden von  Amm.  polymerus  zeigt  Amm.  Vindohonensis  eine  ausgezeich- 
nete Knotenreihe,  welche  letztere  er  mit  Amm.  Humphr.  plicatissimus  Qu. 
gemein  hat.  Der  letztere  besitzt  jedoch  nicht  jene  aufgeblähten  Innern  Win- 
dungen und  die  ausgeschnürte  Wohnkammer.  Die  Hippen  sind  ungefähr  bis 
in  ein  Drittel  der  Ilöhe  der  Seiten  ungetheilt,  ganz  wenig  nach  hinten  ge- 
bogen und  tragen,  bevor  sie  sich  in  zwei  Eippen  theilen,  einen  Knoten;  die 
Gabelrippen  wenden  sich  am  Rücken  etwas  nach  hinten,  und  zwischen  je 
zwei  Paaren  liegt  noch  eine  einzelne,  welche  erst  in  der  Mitte  der  Seite  be- 
ginnt. Zuweilen,  besonders  bei  den  inneren  Windungen  sieht  es  so  aus,  als 
ob  vom  Knoten  drei  Kippen  ausgehen  würden.  —  Der  Verlauf  der  Loben- 
linie  ist  nur  zum  Theil  zu  beobachten,  da  der  Eücken  von  der  Wohnkammer 
bedeckt  ist.  Der  Scheibendurchmesser  beträgt  125  Millimeter,  die  Höhe 
der  vorletzten  Windung  von  der  Naht  bis  zum  Rücken  24  Millim.,  die  der 
Mündung  34  Millim.,  vom  Kücken  der  vorletzten  ab  27  Millim.,  die  Höhe 
der  letzten  Windung  diametral  gegenüber  der  Müs^dung  33  Millimeter.  Im 
ganzen  zeigt  jene  Species  den  Habitus  der  Formen  aus  der  Schichte  des 
Amm.  Sauzei. 

Zone  des  Amm.  Humphriesianus  Sow.  Aus  den  grauen  Schiefern 
habe  ich  ein  verdrücktes  Exemplar  eines  Ammoniten,  der  offenbar  zu  den  Hum- 
phriesiani gehört,  ferner  verschiedene  Ammoniten,  die  sich  ihres  schlechten  Er- 
haltungszustandes wegen  nicht  bestimmen  lassen,  einen  Belemniten  und 
einen  Aptychus.  In  diesem  Schiefer  und  dem  darauf  lagernden  Kalk  kommt 
in  Menge  eine  Posidonia  vor,  welche  fast  kreisrund,  mit  vielen  feinen  Kun- 
zein versehen,  an  die  Posidonia  Bronni  erinnert.  In  den  festen  Kalkbänken 
findet  sich  noch  die  feinrunzlige  Posidonia  mit  vielen  Ammoniten^  deren 
Erhaltung  viel  vorzüglicher  ist.  Es  folgen  darauf  die  Ablagerungen  der  Zone 
des  Ammonites  Humphriesianus.  Weisse,  weiche  mergelige  Kalke  wechseln 
mit  festern  grauen  Kalken. 

Die  häufigste  Form  ist  die  des  Ammonites  Humphriesianus  plicatissi- 
mus Qu.  Es  ist  eine  evolute  Form  mit  immer  gleichmässig  in  die  Dicke  an- 
nehmenden Windungen.  Mit  demselben  kommt  eine  mehr  feinrippige  Art 
vor,  welche  ich  aber  leider  nur  in  verdrückten  Exemplaren  besitze.    Es   ist 


[5]  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien.  127 

ein  Planulat,  der  grosse  Aehnlichkeit  mit  Ammonites  frcqucns  Opp.  aus  dem 
schwarzen  jurassischen  Geodengestein  vonShangra  in  Tibet  hat  2  —  3  feinere 
Eippen  gehen  von  einer  schwach  sichelförmig  gebogenen  Rippe  aus,  unge- 
fähr in  der  Höhe  der  stark  ausgeprägten  Naht.  —  Nördlich  der  Einsidelei, 
südlich  von  Ober  St.  Veit  habe  ich  in  petrographisch  mit  dem  vorigen  voll- 
kommen gleichem  Gesteine  eine  Form  gefunden,  die  ganz  charakteristisch, 
nicht  den  geringsten  Zweifel  hinsichtlich  ihrer  Bestimmung  als  Ammonites 
haculatus  Qu.  zulässt.  Es  ist  ein  blosses  Bruchstück,  welches  aber  auf  einen 
Scheibeudurchmesser  von  li/g  Zollen  schliessen  lässt.  Die  innere  Windung 
hat  ausgezeichnet  dichotome  Rippen,  die  bei  der  Gabelung  feine  Knoten 
zeigen.  Am  Rücken  sind  sie  unterbrochen,  die  Rippenenden,  die  Knoten  be- 
sitzen, verlaufen  ganz  schwach  nach  hinten.  Die  äussere  Windung,  von  der 
ein  blosser  Abdruck  vorliegt,  zeigt  keine  Knotenreihe.  —  Mit  Am^n  Garan- 
tianus cfOrh.  kann  man  ihn  nicht  verwechseln,  da  das  nicht  gerippte  Band 
am  Rücken  breiter  und  nicht  so  vertieft  ist,  wie  bei  der  französischen  Art, 
Mit  demselben  kommen  zahlreiche  Hamitenbruchstücke  vor,  unter  denen 
Hamites  haculatus  Qu.  ziemlich  sicher  ist.  Zahlreiche,  jedoch  nicht  näher 
zu  bestimmende  Ammoniteh-Bruchstücke,  die  sehr  involuten  Exemplaren 
angehören,  und  kleine  Heterophylleu  sind  häufig,  geben  jedoch  keine  An- 
haltspunkte für  die  Altersbestimmung. 

Das  Vorkommen  dieser  Formen  ist  ein  begrenztes  und  beinahe  der 
Art,  dassmanein  eigenes  Baculatenlager  annehmen  möchte,  —  es  ist  jedoch 
nicht  leicht  möglich  diese  Schichte  kartographisch  auszuscheiden,  da  der 
petro graphische  Charakter  des  Gesteines  so  vollkommen  gleich  ist  mit  dem 
frühern,  dass  eine  Trennung  nicht  möglich  ist.  Nach  allem  dem  möchte 
ich  denSchluss  ziehen,  dass  wir  sonach  über  der  Sauzei-Zone  einen  Schichten- 
complex  besitzen,  in  dem  wir  zwei  Horizonte  unterscheiden  können  Einen 
tieferen  mit  dem  Amm.  Humph.  plicatissimus  Qu.  und  einen  höheren,  mit 
Amm.  haculatus  Qu.  und  Hamites  haculatus  Qu.  Die  wirkliche  Ueberein- 
stimmung  dieser  Formen  mit  denen  des  braunen  Jura  (^  von  Schwaben  kann 
nicht  angezweifelt  Averden 

Zone  des  Amm.  Parkinsoni  Sotv.  Noch  mehr  Sicherheit  ge- 
winnt man  bei  Bestimmung  der  vorigen  Schichte  durch  Betrachtung  des  cou- 
cordant  darauf  liegenden  Kalkes.  Wenn  man,  um  zum  Gemeindewalde  von 
Ober  St.  Veit  zu  gelangen,  den  Fusssteig  hinter  der  Einsiedelei  am  Kamme  der 
Hügelreihe  benützt,  so  erreicht  man  nach  Ueberschreitung  des  ersten  Hügels 
eine  tiefere  Partie  der  Hügelkette.  Man  bemerkt  augenblicklich,  dass  man 
sich  in  einer  andern  Schichte,  mit  vollkommen  verschiedenem  petrographi- 
schen  Aussehen,  befindet  Statt  des  grauen  weichen  Kalkes  steht  hier  ein 
fester  röthlichgrauer  Kalk  an,  mit  stark  muschligem Bruche  und  zahlreichen 
Hornstein-Einlagerungen.  —  Die  Petrefacte  wittern  sehr  schön  an  der  Ober- 
fläche des  Gesteines  aus  und  sind  ziemlich  häufig.  Das  erste,  was  in  die 
Augen  fällt  ist  Amm.  polymorphus  d'Orh.  Das  vorliegende  Exemplar  wird 
ebenso  plötzlich  evolut,  wie  die  schwäbischen  von  Quenstedt  als  Amm. 
Parkinsoni  m//a^tts  bezeichneten  Individuen,  andeutend,  dass  es  vollkommen 
ausgewachsen  war.  Es  zeigt  vier  tiefe  Einschnürungen,  welche  die  Rippen 
schief  durchschneiden.  Die  Theilungsliuie  am  Rücken  ist  sehr  deutlich,  und 
sowohl  der  enge  Nabel,  wie  die  Kleinheit  des  ausgewachsenen  Exemplares 
lassen  nicht  den  geringsten  Zweifel,  dass  wir  es  mit  einem  Amm.  Parkin- 
soni inflatus  zu  thun  haben.    —   Eine  andere  Art,   von   der   auch  nur  ein 


128  K.  Griesbach.  [6] 

Bruchstück  vorliegt,  ist  doch  nach  Quenstedt's  Abbildungen  als  J.Mm. 
anceps  zu  erkennen.  Es  ist  eine  feinrippige  Varietät  mit  einigen  Ein- 
schnürungen. Der  Nabel  ist  tief,  alle  Windungen  aber  zu  sehen.  Diese 
Schichte  führt  auch  Posiäonien,  die  in  dem  harten  Gesteine  mit  verkalkt 
sind.  Es  ist  offenbar  die  Posidonia  alpina  Gras.,  dieselbe,  die  auch  neuer- 
dings in  den  echten  Vilserkalkeu  gefunden  wurde.  Mir  scheint  dieselbe 
identisch  zu  sein  mit  der  von  Queuste  dt  i)  als  Posidonia  ornati  abge- 
bildeten. Auch  stimmt  sie  vollkommen  mit  der  Schichte.  —  Ämm.  tripartitus 
Basp.  ist  häufig  und  gut  bestimmbar  in  dieser  Schichte.—  Ämm.  haloricus 
Hauer.  Schale  vollkommen  involut,  nicht  eine  Spur  von  Kippung  oder  von 
Zuwachsstreifen  bemerklich.  Der  Rücken  ist  ein  wenig  gerundet,  die  Schale 
erreicht  in  dessen  Nähe  ihre  grösste  Breite,  die  Seiten  sind  etwas  abgeflacht 
und  verlauten  gleichmässig  bis  nahe  zum  Nabel.  Mein  grösstes  Exemplar 
ist  I  Vi  Zoll  im  Durchmesser.  Zu  erwähnen  ist  noch,  dass  dasselbe  in  seinem 
Habitus  und  Lobenbau  noch  besser  mit  dem  Originalexemplar  aus  denKlaus- 
schicliten  stimmt,  als  mit  der  Abbildung. 

Diese  erwälmten  Petrefacte  nebst  Bruchstücken  von  Belemniten 
und  schlecht  erhaltenen  Terebrateln  bilden  so  ziemlich  alles,  was  bis  jetzt 
in  dieser  Schichte  gefunden  wurde.  Wir  sehen  also  in  der  Hornstein  führen- 
den Kalkschichte  mitten  unter  ausgezeichneten  schwäbischen  Formen  einen 
echten  Klaus-Amraoniten,  welcher  die  Zusammengehörigkeit  der  Klaus- 
schichten mit  dem  echten  braunen  Jura  von  Schwaben  bestätigt. 

Die  Kalkbänke  der  Zone  des  Amin.  Hiimphriesianus  Sow.  haben 
überall  dasselbe  Streichen,  nämlich  von  NO  nachSW.  und  fallen  nach  NW. 
—  Der  feste  Kalk  der  Zone  des  Amm.  Parhinsoni  liey,t  concordant  auf 
demselben,  wie  überhaupt  der  ganze  Complex  von  Schichten,  der  dem  Dogger 
angehört;  eine  wirkliche -Zusammengehörigkeit  zeigt. 

Aus  dem  Brunnen  des  Abdeckerhauses  hat  man  blauschwarze  Thone 
lind  Mergel  gebracht,  welche  die  Petrefacten  verkiest  enthalten.  Hetero- 
phyllen-Bruchstücke  sind  daraus  bekannt,  können  jedoch  nicht  zur  Bestim- 
mung benützt  werden.  —  Am  häufigsten  sind  darin  Posidonien,  welche  der 
Posidonia  ornati  Qu.  sehr  gleichen  und  kleine  Zweischaler,  die  als  Astarte 
depressa  Gif.  nicht  zu  verkennen  sind.  Die  Thonstücke  sind  ganz  erfüllt  von 
den  verkiesten  Schalen  dieser  kleinen  Muschel.  Letztere,  sowie  die  Gesteins- 
beschaffenheit dieser  Schichte  scheinen  dafür  zu  sprechen,  dass  wir  in  Ober 
St.  Veit  noch  eine  weitere  dem  schwäbischen  t  entsprechende  Schichte 
unterscheiden  können,  da  das  Auftreten  vollkommen  dem  der  Dentalienthone 
von  Schwaben  gleicht.  Indess  lässt  sich  nichts  bestimmtes  darüber  sagen, 
da  die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Thone  zu  unklar  sind. 

Rother  Crinoidenkalk  von  St.  Veit,  An  einem  Feldwege,  südöst- 
lich von  der  Einsidelei  und  rechts  an  der  Strasse  vonLainz  nach  Ober  St.  Veit 
stehen  rothe  schöne  Crinoidenkalke  an.  Das  Gestein  besteht  fast  allein  aus  den 
Trümmern  der  Stielglieder  von  einem  Crinoiden  und  enthält  nicht  besonders 
häufig  Petrefacten.  Die  räumliche  Ausdehnung  des  Gesteines  ist  ausseror- 
dentlich gering,  und  die  Lagerungsverhältnisse  nicht  besonders  deutlich. 
Nur  so  viel  ist  zu  beobachten,  dass  das  Streichen  beinahe  senkrecht  gegen 
das  des  mittern  und  obern  Doggers  steht,  lieber  das  Verflachen  lässt  sich 
gar  nichts  sagen,  da  die  Schichtflächen  im  Boden  verschwinden. 


')  Quenstedt,  Jura  pag.    oOl. 


[7]  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien.  129 

Ich  habe  bis  jetzt  durch  eifrigstes  Suchen  zwei  unbestimmbare  Ce- 
phalopodenreste  und  einige  Brachiopodenarten  gefunden.  Auch  ein  Fischzahn 
kommt  vor.  Am  häufigsten  ist  eine  Art  von  Terebratula,  welche  sich  der 
Terebratula  bifrons  Opp.  aus  den  Vilserschichten  nähert.  Sie  zeigt  die 
Haupteigenthümlichkeiten  dieser  Art,  —  die  Ausbauchung  an  der  Stirne 
mit  dem  gewölbten  Wirbel  und  ganz  glatter  Schale.  Diese  Terebratel  hat 
aber  andererseits  auch  grosse  Verwandtschaft  mit  Terebratula  Roveredana 
Ben.  aus  den  Klausschichten  der  Südalpen.  Auch  das  Gestein  stimmt  mit 
dem  von  Koveredo  vollkommen,  während  es  von  den  echten  Vilserschichten 
sehr  verschieden  ist.  Jedoch  ist  die  Terebratula  von  St.  Veit,  von  Terebra- 
tula Boveredana  meiner  Ansicht  nach  specifisch  zu  trennen,  da  letztere  viel 
ausgeprägtere  Falten  besitzt  und  viel  breiter  im  Verhältniss  zur  Höhe  ist. 
Dagegen  hat  sie  eine  Eigenschaft  mit  der  Klauser  Terebratel  gemein,  welche 
der  Vilser  Art  nicht  zukommt.  Sie  besitzt  nämlich  wie  die  Ter.  Boveredana 
an  beiden  Seiten  der  Stirn  kleine  Ansätze  zu  weitem  Falten,  wodurch  ihre 
Seitenansicht  von  der  von  Vils  etwas  verschieden  wird. 

Ueber  die  übrigen  Keste,  die  nur  in  Bruchstücken  erhalten  sind,  lässt 
sich  nichts  Bestimmtes  sagen,  und  es  muss  noch  glücklicheren  Findern  vor- 
behalten bleiben,  Sicherheit  in  dieser  Beziehung  zu  geben.  Nach  einer 
früheren  Beobachtung  i)  stehen  ähnliche  Crinoidenkalke  im  Thiergarten  an, 
also  nicht  weit  von  der  beschriebenen  Localität.  Im  Thiergarten  stehen  die 
Crinoidenkalke  in  Verbindung  mit  den  Aptychenschiefern.  Merkwürdig  ist 
der  Umstand,  dass  auch  bei  der  Einsiedelei  das  Streichen  der  rothen  Crino- 
idenkalkn  dasselbe  ist,  wie  das  des  Aptychenkalkes,  welcher  dem  obern 
Malm  angehört. 

Es  wäre  wohl  sehr  gewagt,  aus  den  Lagerungsverhältnissen,  welchen 
eine  locale  Störung  zu  Grunde  liegen  kann,  und  aus  den  halb  zweifelhaften 
Funden,  dieser  Schichte  ein  bestimmtes  Alter  zuzuerkennen. 

Der  ganze  Schichtencomplex  von  der  Zone  des  Ammonites  Sauzei 
d'Orb.  bis  in  die  Parkinsonischichte  —  Posidonomyen-Gestein  der  Südalpen 
—  zeigt  ein  Streichen  von  NO.  nach  SW.  und  ein  Verflachen  nach  NW.  und 
zwar  ist  das  letztere  ziemlich  steil.  —  Die  Bildungen  des  obern  Malm's 
streichen  von  NW.  nach  SO.  und  fallen  überall  nach  Süden.  Wir  stehen  also 
vor  der  letzten  Schichte  wirklich  am  Abschlüsse  des  Doggers. 

5.  Malm.  Während  der  ganzen  Zeit  des  untern  und  mittlem  Malm's 
muss  die  Localität  St.  Veit  so  weit  gehoben  worden  sein,  dass  sie  trockenes 
Land  darstellte.  Erst  später  trat  eine  Senkung  des  Terrains  ein,  die  dann 
die  üeberfluthung  durch  das  Meer  des  oberen  Malm  und  die  Ablagerung 
der  rothen  Aptychenkalke  zur  Folge  hatte.  In  dieser  Periode  ragten  die 
Schichten  des  Doggers  als  Insel  aus  dem  Meere,  um  welche  sich  zonenförmig 
der  rothe  Schiefer  ablagerte.  Er  kann  als  Zone  um  die  ganze  Localität  ver- 
folgt werden,  —  nur  an  der  Stelle  NW.  von  der  Einsiedelei  wird  derselbe 
zum  Theil  von  dem  Sandsteine  des  Thiergartens  bedeckt.  Auch  bildet  der 
Bach  von  Ober  St.  Veit  ein  schmales  Alluvium,  das  aber  durch  Wegnahme 
aller  jurassischen  Gesteine  die  Grestenerschichten  entblösste.  —  Die  rothen 
Aptychenkalke  von  St.  Veit  gehören  denselben  mäbhtig  auftretenden  Apty- 
chenzügen  an,   welche  in  den  Alpen  eine  grosse  Verbreitung  haben.    —   Es 


*)  J.  Czjzek,    Aptychenschiefer    in    Nieder- Oesterreich.    Jahrbuch  der  k.  k. 
geol.  E.-A.  1852.  Heft  3.  p.  4. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Beichsamstalt.  1868.  18.  Band  1.  Heft  *■  * 


130  K.  Griesbach.  Der  Jura  von  St.  Veit  bei  Wien.  [8^ 

sind  rothe,  matte  Kalke,  oft  mit  grünen  Flecken,  vielHornsteineinlagerungen 
und  wechsellagernd  mit  dunklern  weichen  Schiefern.  Im  letztern  kann  man 
die  meisten  Petrefacte  sammeln.  Auch  hat  Herr  Karr  er ')  in  denselben 
eine  grosse  Menge  von  Foraminiferen  gefunden. 

Besonders  häufig  sind  schön  erhaltene  Belemniten  und  Aptychen.  Die 
häufigsten  unter  letzteren  sind : 

Aptychus  laevis  latus  Qu.  Äptychus  profundus  Volts. 

„       laevis  gibbosus  Qu.  Belemnites  canaliculatus 

„       lamellosus  Park.  „         hastatus. 

„       crassicauda  Qu. 

Wie  schon  erwähnt,  liegen  die  Aptychenkalke  discordant  auf  den 
Doggerschichten,  dagegen  lässt  sich  nirgends  eine  Discordanz  zwischen 
Malm  und  Neocom  beobachten.  —  Die  Neocom- Ablagerungen  fallen  überall 
continuirlich  nach  Süd  mit  den  Malmschichten,  daher  kann  man  sie  auch 
rings  um  die  Localität  von  St.  Veit  als  Zone  wahrnehmen.  Diese  Neocom- 
fleckenmergel  und  Aptyclienkalke  sind  repräsentirt  durch  weisse,  weiche 
Mergel  mit  dunklen,  von  Fucoiden  herrührenden  Flecken,  wechselnd  mit 
festern  weissen  Kalken.  Sie  führen  ausser  schlecht  erhaltenen  Ammoniten 
den  Äptychus  Didayi  Coq. 

Wir  haben  also,  unter  dem  altern  Gestein  des  Liegenden  zwei  Haupt- 
gruppen von  Formationen  in  St.  Veit,  die  durch  eine  Discordanz  von  einan- 
der getrennt  sind,  den  Dogger  und  den  oberen  Malm  nebst  dem  Neocom. 
Der  Dogger  ist  nicht  nur  petrographisch,  sondern  auch  paläontologisch  in 
zweiNiveaux  zu  trennen,  in  mittlem  Dogger,  repräsentirt  durch  einen  Com- 
plex  von  grauen  mergeligen  Kalken  (^Zone  d.  Amm.  Sauzei,  Zone  d.  Amm. 
Humphries.)  und  oberen  Dogger,  einen  festen  röthlich  grauen  Kalk  (Parkin- 
sonischichten.) 


*■)  Karrer,  zur  Poraminiferenfauna  in  Oesterreich.    Sitzgsber.  der  k.  Akad., 
55.  Bd.,  I.  Abth.    April  1867. 


VII.  Fossile  Pflanzenreste    aus    dem  Sehiefergebirge 
von  Tergove  in  Croatien. 

Von  D.  Stur. 

(Vorgelegt   in  der   Sitzung  am  17.  März  1867.) 


Während  der  geologischen  Uebersichts-Aufnabme  im  mittleren  Theile 
Croatiens  im  Sommer  1:62  hatte  ich  die  Kerne  des  Samoborer  Ge- 
birges, der  Petrovagora  und  des  Gebirges  westlich  bei  Ter- 
gove, aus  Sandsteinen,  Conglomeraten  und  schriefrigen  Gesteinen  zusam- 
mengesetzt gefunden,  die  ich  unter  dem  üblichen  Namen  der  Gailthaler- 
Schichten,  als  der  Steinkohlenformation  angehörig  hinstellte.  Die  wenigen 
Funde  von  Pflanzenresten,  "die  ich  in  diesen  Gesteinen  gemacht  hatte,  i) 
Hessen  kaum  eine  sichere  generische  Bestimmung  zu,  und  ich  blieb  im  Un- 
sicheren über  die  genauere  Stellung  dieser  Gesteine  in  der  Schichtenreihe 
der  Steinkohlenformation,  und  habe  die  Hoffnung  ausgesprochen,  dass  es 
Beobachtern,  die  über  mehr  Zeit  zu  disponiren  haben,  als  mir  bei  dieser 
Uebersichtsaufnahme  erübrigte,  bei  weiterem  Nachsuchen  gewiss  gelingen 
wird,  Lagerstätten  mit  sicher  bestimmbaren  Pflanzenresten  in  diesen  Gebir- 
gen zu  entdecken. 

Diese  Hoffnung  ist  in  der  That  schon  erfüllt.  Prof.  Suess  hat  im 
vorigen  Sommer  auch  die  Gegend  von  Tergove  besucht,  und  es  ist  ihm  ge- 
lungen, .  zwischen  den  Erzlagern  von  Tergove  in  der  Nähe  von  Gvozdansko 
fossile  Pflanzen  aufzufinden,  von  denen  nach  den  Untersuchungen  des  Herrn 
G  e  i  n  i  t  z  Odontopteris  obtusilöba  Naum.  und  Calamites  gigas  JBrgn.  dem 
unteren  Theile  des  Kothliegenden  entsprechen,  während  die  dritte  Art, 
Älethopteris  aquiUnaScJil.,  sonst  den  höchsten  Lagen  der  Steinkohlenforma- 
tion angehört."  2j  Gleichzeitig  werden  die  Schiefer,  in  denen  die  Erzlager- 
stätten von  Tergove  vorkommen,  für  Casanna-Schiefer  erklärt,  und  die  den 
Casanna- Schiefern  in  den  Südalpen  eingelagerten  Lagermassen  von  Grauit 


*)  Jahrbuch    der   k     k.    geologischen  Reichs- Anstalt.    XIII.    1863,  pag,  491 
und  499. 

^)  Anzeiger  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften.   Sitzung  am  16.  Jänner 
1868,  pak.  9. 

17* 


132  D    Stur  [2] 

und  Syenit,  auch  die  der  Cima  d'Asta,  als  „Lager  im  Rothliegenden"  hin- 
gestellt. 

Schon  Anfangs  Jänner  d.  J.  erhielt  unsere  Anstalt  von  Herrn  Prof. 
S  u  e  s  s  zwei  Stücke  des  Tergovaner  Casanna-Schiefers,  nach  einer  Original- 
Bestimmung  des  Herrn  Geinitz  ,  mit  der  Odontopteris  öhtusüoha  Naum. 
sp.  Diese  Stücke  brachten  mir  die  erste  Kunde  von  dem  hochwichtigen 
Funde. 

Der  Wunsch,  von  diesem  pflanzenführenden  Schiefer  für  unser  Mu- 
seum mehr  Materiale  zu  erhalten,  war  um  so  natürlicher,  als  die  erwähnten 
Stücke  mir  bei  weitem  nicht  hinreichend  schienen,  eine  Thatsache  von  so 
ausserordentlicher  Tragweite  festzustellen  —  indem  an  denselben  ich  die 
Odontopteris  ohtusiloha  mit  voller  Sicherheit  nicht  zu  erkennen  ver- 
mochte. 

Alsogleich  schrieb  ich  an  unseren  hochverehrten  Correspondenten  und 
Freund,  Herrn  Director  Alexander  Schönbucher  inBrslinacbeiTer- 
g  0  V  e,  eine  Bitte  um  Zusendung  von  möglichst  viel  Material  aus  dem  pflan- 
zenführenden Schiefer  von  Gvozdansko.  Auf  sein  freundliches  Versprechen, 
trotz  Winter  und  Schnee  das  Möglichste  leisten  zu  wollen,  folgte  eine  über 
anderthalb  Centner  schwere  Kiste  voll  des  pflanzenführenden  Schiefers,  die 
wir  vor  einigen  Tagen  erhalten  haben. 

In  dem  Begleitschreiben  erwähnt  Herr  Dir.  Schönbucher,  „dass 
diese  pflanzenführenden  Schiefer  im  Maidaner-Thale  vorkommen,  circa 
1000  Schritte  vom  Zusammenflusse  der  Gvozdna  und  Zirovnica,  süd- 
lich bei  Gvozdansko  im  NW.  von  Tergove.  Diese  Schiefer  lagern  zwi- 
schen den  Erzlagerstätten,  und  zwar  gehören  die  Kupferlager  von  Gradski- 
potok,  Bunasevac  und  Katarina,  dann  die  Bleiiager :  Franz  und  Zrini,  end- 
lich ein  mächtiges  Eisensteinlager  in  das  Hangende,  mehrere  mächtige 
Eisensteinlager,  zwei  untergeordnete  Kupferkies-  und  zwei  Bleilager  in  das 
Liegende  der  pflanzenführenden  Schichten.'' 

„Nach  neuester  Erfahrung  besitzt  das  pflanzenführende  Gestein  eine 
grössere  Mächtigkeit,  als  bei  der  raschen  Begehung  ursprünglich  ermittelt 
werden  konnte.  Die  vorwaltend  thonigen  Schichten,  in  welchen  die  Pflanzen- 
abdrücke häufiger  vorkommen,  gehören  in  das  Liegende.  Weiter  im  Han- 
genden ist  das  Gestein  gröber,  ein  glimmeriger  feinkörniger  Sandstein,  in 
welchem  die  zarten  Abdrücke  fehlen,  dagegen  Galamiten  in  demselben  häu- 
figer sind.  Nach  Thunlichkeit  werden  wir  diese  Schichten  in  ihrem  südöst- 
lichen Streichen  weiter  verfolgen,  und  seinerzeit  Bericht  erstatten." 

Der  erste  Anblick  des  eingelangten  Materials  war  sehr  wenig  ver- 
sprechend. Eine  sorgfältigere  Behandlung  und  Bearbeitung  des  Gesteines 
zeigte  mir  jedoch,  dass  in  demselben  die  wenigen  enthaltenen  Pflanzenarten, 
zwar  eigenthümlich,  aber  insbesondere  in  dem  schiefrigen  Gesteine  sehr 
wohl  erhalten  sind. 

Vorerst  erwähne  ich  aus  der  hängenderen  Sandstein-Schichte  die 
darin  vorkommenden  Calamiten- Reste.  Unter  den  drei  Stammstücken  und 
den  drei  zugehörigen  Abdrücken  von  Calamiten  dieser  Schichte  ist  nur  ein 
Stück  sicher  zu  bestimmen,  da  es  jene  Reihe  von  Höckerchen  wahrnehmen 
lässt,  mit  welchen  die  Rippen  des  Calamites  Suckowi  Brongn.  an  der  Glie- 
derung des  Stammes  versehen  sind.   Die  Form  der  Rippen  entspricht  eben- 


[3]       Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Schiefergebirge  von  Tergove  in  Croatien.     133 

falls  dieser  Art.  Es  dürfte  kaum  einem  Zweifel  unterliegen,  dass  sämmtliche 
mir  vorliegende  Calamiten-Keste,  nach  der  Form  ihrer  Kippen,  ebenfalls 
dem  Calamites  Suckowi  Brongn.  angehören.  Jenes  Stück  eines  Calamiten, 
das  dem  Herrn  Prof.  Geinitz  zur  Bestimmung  vorlag,  ist  ungenügend 
erhalten,  zeigt  keine  Articulation,  und  jene  Zickzacklinie  welche  die  Veran- 
lassung sein  konnte,  denselben  für  Calamites  gigas  Brongn.  zu  halten,  ist 
eigentlich  ein  zufälliger  Kiss  in  den,  die  Oberfläche  des  Calamiten  über- 
deckenden Glimmerblättchen. 

Unter  der  grossen  Menge  von  Gesteinsstücken  des  Schiefers,  die  dicht 
bedeckt  sind  von  Pflanzenresten,  fand  ich  nur  ein  ganz  kleines  Stückchen 
einer  Sphenopteris,  welches  nicht  sicher  zu  bestimmen  ist,  das  ich  aber  vor- 
läufig für  Sph.  Haidingeri  Ett.    halten  zu  dürfen  glaube. 

Die  häufigsten  Petrefacte  des  Schiefers  sind  entschieden  Reste  eines 
Farn,  die  wohl  ausser  allem  Zweifel  der  Neuropteris  auriculata  Brongn.  an- 
gehören (Siehe  Geinitz  H.  Br. :  Die  Verstein.  der  Steinkohlenformation  in 
Sachsen,  p.  21.  Taf.  27.  F.  4—7.)  Die  Flächen  des  Schiefers  sind  nämlich 
stellenweise  dicht  belegt  mit  den,  verschiedene  Form  und  sehr  verschiedene 
Grösse  zeigenden  einzelnen  Segmenten  dieses  Farnes,  die  der  Stiele  beraubt, 
gross  und  klein  durcheinander  liegen.  Nur  ein  einziges  Stück  des  Farnes 
liegt  vor,  an  welchem  die  Segmente  noch  an  dem  Stiel  befestigt  in  der  na- 
türlichen Lage  sich  befinden,  und  diese  sind  genau  von  der  Form  der  Figur 
4  und  6  h  auf  der  eben  citirten  Tafel  27,  somit  etwa  8  Linien  lang  und 
4  Linien  breit.  Die  grössten  erreichen  2  Zoll  Länge  und  1  Zoll  Breite.  Die 
zwischen  die  angegebenen  hineinfallenden  Grössen  sind  in  reichlicher  Aus- 
wahl vorhanden.  Die  Segmente  sind  länglich-eirund  an  der  Spitze  abgerun- 
det, an  der  Basis  herzförmig.  Die  an  allen  Stücken  ausserordentlich  gut 
erhaltene  Nervation  entspricht  genau  der  Abbildung  Brongniart's  von 
Neuropteris  auriculata  Unter  andern  Segmenten,  die  vollkommen  den 
citirten  Abbildungen  von  Geinitz  entsprechen,  sei  nur  noch  eines  erwähnt, 
welches  ganz  die  Cyclojoteris  auriculata  Gutb.  (Zwickauer  Schwarzk.  T.  VI. 
F.  8)  wiedergibt.  Doch  nur  in  jenen  Gesteinsstücken  findet  man  die  Seg- 
mente der  Neuropteris  auriculata  wohl  erhalten,  die  vollkommen  eben  sind. 
Viel  häufiger  ist  jedoch  das  Gestein  wellig  gebogen  und  zeigt  in  dieser  Er- 
haltung unsere  Pflanzenreste  mit  verzerrter  Form.  Bald  sieht  man  nämlich 
die  Segmente  bei  gleichbleibender  Länge  sehr  verschmälert,  oder  bei  nor- 
mal gebliebener  Breite  sehr  bedeutend  verkürzt.  Beide  Fälle  sind  umso 
auffallender,  als  sie  gewöhnlich  auf  einem  und  demselben  Gesteinsstücke 
nebeneinander  zu  sehen  sind,  und  auf  eine  starke  seitliche  Compression  des 
Gesteines  hinweisen.  Solche  verzerrte,  überdies  an  ihrer  Basis  nicht  hin- 
reichend gut  erhaltene  Segmente  dieser  Pflanze  mögen  dem  Herrn  Prof. 
Geinitz  zur  Bestimmung  vorgelegen  sein,  wie  dies  die  uns  von  Prof. 
Suess  geschenkten  Stücke  beweisen,  und  ihn  veranlasst  haben,  anzunehmen, 
dass  in  diesen  Schiefern  von  Tergove  die  Odontopteris  ohtusiloha  Naum. 
vorkomme.  Es  liegt  unter  hunderten  von  wohlerhaltenen  Segmenten  unserer 
Neuropteris  nicht  ein  einziges  Stück  vor,  welches  einer  Odontopteris  über- 
haupt angehören  könnte,  und  fehlt  umsomehr  gänzlich  jede  Spur  von  der 
obgenannten  Art  im  Schiefer  von  Tergove. 

Trotz  der  grossen  Menge  der  Schiefer  stücke,  die  ich  sorgfältig  unter- 
sucht habe,  und  trotz  der  noch  grösseren  Zahl  jener,  die  ganz  zertrümmert 


134  D.  Stur. 


[*] 


wurden,  fand  ich  unter  unserem  Materiale,  die  von  Herrn  Prof.  Geinitz 
angegebene  ÄletJiopteris  aquilina  ScMoth.  nicht  wieder.  Es  liegt  somit  vor- 
läufig nur  ein  einziges  Bruchstück  von  dieser  Pflanze  aus  dem  Schiefer  von 
Tergove  vor,  wie  dieses  auch  mit  der  obenerwähnten  SpJienopteris  der  Fall 
ist.  Soweit  das  Bruchstück  eine  Bestimmung  zulässt,  gehört  es  in  der  That 
der  Älethopteris  aquilina  SchlotJi.  an,  und  ich  halte  diese  Bestimmung 
für  richtig. 

In  einem  Gesteinsstücke,  welches  zwischen  dem  Calamiten  führenden 
Sandstein  und  dem  gewöhnlichen  Schiefer  beiläufig  die  Mitte  hält,  und  ein 
sehr  feinkörniger,  schiefriger,  glimmriger  Sandstein  ist,  fand  ich  auch  einen 
weiteren  Pfianzenrest  von  grosser  Wichtigkeit  für  uns.  Es  ist  diess  ein  etwa 
4  Zoll  langes  Stück  einer  Stigmaria  ßcoides  Brongn.,  dessen  obere  Fläche 
mit  den  charakteristischen  Narben  bedeckt  ist.  An  den  beiden  Seiten  des 
Stückes  sind  die  Wurzeln  der  Pflanze  auf  zwei  bis  drei  Zoll  Länge  zahlreich 
erhalten.  Da  das  Stück  ebenfalls  dem  seitlichen  Drucke  des  Gesteins  aus- 
gesetzt war,  erscheinen  die  Narben  in  vertiefte  Grübchen  versenkt,  sind  rund- 
lich, und  die  Rinde  ist  gerunzelt.  Von  einer  Wurzel  ist  das  untere  Ende, 
dort,  wo  sie  dem  Stamme  eingefügt  war  (siehe  Goeppert:  Gatt,  foss, 
Pfl.  Lief.  1,2,  Taf  X,  Fig.  IS)  sehr  wohl  erhalten.  Ich  darf  nicht  uner- 
wähnt lassen,  dass  in  dem  Gesteinsstücke  mit  der  Stigmaria  ßcoides  auch 
Segmente  der  Neuropteris  auriculata  zahlreich  zu  sehen  sind ,  und  somit 
diese  beiden  Arten  nicht  in  wesentlich  verschiedenen  Schichten  getrennt 
voneinander,  sondern  beisammen  vorkommen. 

Die  kleine  aber  höchst  wichtige  Flora  des  Schiefergebirges  von  Tergove 
besteht  somit  aus  folgenden  Pflanzenarten: 

Calamites  Suckowi  Brongn.  ' 

Sphenopderis  conf.  Haidingeri  Mt. 
yenropteris  auriculata  Brongn. 
ÄletJiopteris  aquilina  ScMoth. 
Stigmaria  ftcoides  Brongn. 

Der  Calamites  Suchowi  Brongn.  wird  von  Goeppert  (Fl,  d.  perm. 
Form.  pag.  34,  Taf  I,  Fig.  3,  4),  aus  der  permischen  Formation  angege- 
ben, doch  entsprechen  die  citirten  Abbildungen  nicht  der  Normalform  dieser 
Pflanze,  da  die  Figur  3  über  und  unter  der  Articulation  Höckerchen  zeigt. 
Auch  wird  diese  Art  von  Geinitz  unter  den  Leitpflanzen  als  in  der  per- 
mischen Formation  vorkommend,  nicht  aufgezählt.  Somit  darf  man  vorläufig 
den  echten  Calamites  Suchowi  Brongn  als  eine  Pflanze  der  Stein- 
kohlenformation   gelten  lassen. 

Die  Splienopteris  conf.  Haidingeri  Ett.  ist  nicht  sicher  bestimmbar, 
aber  mit  einer  echten  Steinkohlenpflanze  (Stradonitz)  vergleichbar. 

Die  Neuropteris  auriculata  Brongn.  wird  von  Goeppert  in  der  per- 
mischen Formation  auf  denselben  Fundorten  mit  dem  oben  erwähnten  Cala- 
mites SucJcowi  Brongn  angegeben.  Ich  selbst  habe  erst  neuerlichst  diese 
Pflanze  vom  Rossitz-Oslawaner  Becken  aus  echten  dyadischen  Schichten  an- 
gegeben. Immerhin  ist  es  noch  möglich,  dass  wohlerhaltene  Exemplare  uns 
eine  andere  Meinung  aufdringen  werden,  umsomehr,  als  die  Neuropteris 
auriculata  Brongn.  von  Geinitz  unter  den  Leitpflanzen  der  permischen 


rgl       Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Schiefergebirge  von  Tergove  in  Croatien.     135 

Formation  nicht  aufgezählt  wird.  Diese  Art  ist  durch  die  sämmtlichen  Vege- 
tationsgürtel der  produktiven  Steinkohlenformation  verbreitet. 

Endlich  die  Älethopteris  aquülna  Schloth.  und  Stigmaria  ficoides 
Brongn.  sind  unzweifelhafte  Pflanzenreste  der  Steinkohlenformation.  Die 
erstere  bezeichnet  vorzüglich  die  drei  obersten  Vegetationsgürtel  der  pro- 
duktiven Steinkohlenformation:  die  Stigmaria  ficoides  Brongn.  wird  durch 
die  ganze  produktive  Steinkohlenformation  verbreitet  gefunden 

Die  Flora  des  Schiefergebirges  von  Tergove  enthält  somit  echte  Stein- 
kohlenpflanzen und  solche,  die  zwar  mit  beizufügenden  Zweifeln  auch  in  der 
permischen  Formation  angegeben  werden,  deren  Hauptvorkommen  jedoch 
entschieden  in  die  Steinkohlenformation  fällt. 

Nicht  eine  einzige  Ä.rt  liegt  aus  dieser  Flora  vor,  welche  eine  aus- 
schliessliche LeitpÜanze  der  Dyas  wäre. 

Es  ist  vorzüglich  darauf  Gewicht  zu  legen,  das^  die  Walchia  pinifor- 
mis  St.,  die  in  allen  mir  bekannten  Fundorten  der  permischen  Pflanzen 
häufig  vorkommt ,  und  gewöhnlich  als  erster  Andeuter  dieser  Schichten  bei 
uns  zuerst  gefunden  und  bemerkt  wird,  hier  gänzlich  fehlt 

Wie  aus  der  bisherigen  Auseinandersetzung  hervorgeht,  halte  ich  da- 
für, dass  die  pf lanzenführendeu  Schiefer  von  Tergove  als 
Schichten  der  produktiven  Steinkohlenformation  aufzufas- 
sen sind. 

Allerdings  ist  die  Flora  des  Schiefergebirges  von  Tergove,  wenn  auch 
durch  die  vorliegende  Einsendung  wesentlich  bereichert,  noch  immer  sehr 
arm  an  Arten,  um  zu  Niveau-Studien  eine  hinreichende  Basis  zu  biethen. 
Doch  hat  es  stets  zu  meinen  Lieblingsstudien  gehört,  nachzuforschen,  bis 
zu  welchem  von  den  von  Geinitz  charakterisirten  Vegetationsgürteln  der 
Steinkohlenformation,  die  Ablagerungen  unserer  sogenannten  Gailthaler 
Schichten  in  den  Alpen  hinaufreichen. 

Aus  den  wenigen  in  den  Productenschiefern  von  Bleiberg  gefundenen 
Pflanzenresten : 

Calamites  transitionis  Goepp. 

„  tenuissimus  Goepp.  -~  Calamites  interlinearis  de  Kon, 

Sagenaria  Veltheimiana  Schi. 
Stigmaria  inaequalis  Goepp. 
Chondrites  tenellus  Goepp. 

geht  mit  Bestimmtheit  hervor,  dass  diese  Schiefer  von  Bleiberg  den  ersten 
Vegetationsgürtel  repräsentiren.  Dem  gleichen  Niveau  gehören  an,  die 
Schiefer  vom  Rio  Tamai  (Germula  S.,  Paularo  N.)  und  die  Schiefer  von 
Podberdaam  Südfuss  des  Wocheiuer  Gebirges. 

Aus  der  Flora  der  Stangalpe,  namentlich  aus  clem  ausserordentlichen 
Reichthum  des  geringmächtigen  Pflanzenschiefers  an  Sigillarien  geht  nur 
soviel  hervor,  dass  diese  Lagerstätte  dem  zweiten  Vegetationsgürtel  ange- 
hört und  die  sogenannte  Sigillarienzone  repräsentire.  Wie  hoch  jedoch  die 
jüngeren  darüber  lagernden  Schiefer  und  Dolomite  mit  Flinzen  und  Roh- 
wänden hinaufreichen,  ist  wegen  dem  Mangel  dieser  Hangendschichten  an 
Petrefacten  nicht  festzustellen 


136  D.    Stur.  [6] 

Schon  V.  Morlot  entdeckte  über  den  Bleiberger  Productenschiefern 
nördlich  von  Jauerburg  am  Wege  zur  Pristawa,  eine  pflanzenfüh- 
rende Schichte  der  produktiven  Steinkohlenformation,  aus  welcher  in  unse- 
rem Museum  die  Älethopteris  aquilina  Schi,  vorliegt. 

Auf  dem  Schuttkegel  des  Osselitzerbaches  bei  Tröpellach  0. 
im  Gailthale,  fand  ich  Scliieferstücke  herum  liegen,  die  folgende  Pflanzen 
enthalten : 

Cyatheites  unitus  Brongn.  sp. 

AletJwpteris  Defrancei  Brongn.  sp. 

Dictyopteris  Brongniarti  Guth. 

Ueber  dieser  pflanzenführenden  Schichte ,  die  auch  von  Anthrazit  be- 
gleitet wird,  liegen  in  dem  südlich  von  Osselitz  sich  erhebenden  Gebirge, 
nach  Bergrath  Foetterle,  lichte  und  dunkelgraue,  häufig  dolomitische 
Kalke ,  die  Cyathophyllen  und  Crinoiden  enthaltenden  Gailthaler 
Kalke  —  die  hiernach  bestimmt  in  die  oberen  Horizonte  der  produktiven 
Steinkohlenformation  hinaufreichen. 

Beide  letzterwähnte  Vorkommnisse  von  Steinkohlenpflanzen  scheinen 
einem  höheren  Niveau  als  die  Stangalpener  Schiefer  anzugehören.  Ein  noch 
höheres  Niveau  der  produktiven  Steinkohlenformation  dürften  die  pflanzen- 
führenden Schichteu  von  Tergove  bezeichnen.  Darauf  scheint  vorzüglich  die 
Älethopteris  aquilina  und  das  Mitvorkommen  solcher  Arten  hinzudeuten, 
die  auch  noch  in  die  permische  Formation  hinaufreichend  vermuthet  werden. 

Es  ist  daher  wohl  mit  Bestimmtheit  zu  erwarten,  dass  wir  in  unseren 
Gailthaler  Schichten  nicht  nur  die  untersten  Horizonte  der  Steinkohlenfor- 
mation sondern  sämmtliche  Niveaux  dieser  Formation  mit  der  Zeit  nach- 
zuweisen im  Stande  sein  dürften,  —  mit  dem  grossen  Unterschiede  in  Hin- 
sicht auf  die  ausseralpinen  Ablagerungen,  dass  in  den  Alpen  nicht  nur  in 
den  unteren  Horizonten,  sondern  durch  die  ganze  Formation  hindurch,  die 
mehr  oder  minder  rein  pelagischen  Ablagerungen  vorherrschten  und  limni- 
sche  Bildungen  nur  sehr  untergeordnet  an  den  Bändern  der  Ablagerungs- 
gebiete so  wie  auf  der  Stangalpe ,  statthatten ;  woraus  zugleich  der  fast 
gänzliche  Mangel  an  Kohlenflötzen  in  unserer  alpinen  Steinkohlenformation 
natürlich  erklärt  wird. 

Prof.  G.  Theobald  beschreibt  seine  Casanna-Schiefer  als  kry- 
stallinische  und  halbkrystallinische  schiefrige  Gesteine,  die  Prof.  A.  Favre 
kurzweg  krystallinische  Schiefer  genannt  hat 

Die  Schiefer  von  Tergove  sind  nur  in  wenigen  selteneren  Fällen  von 
der  Form  der  Kulm-Dachschiefer.  Die  Hauptmasse  besteht  aus  grobem 
Schiefer  der,  wie  dies  alle  die  vorliegenden  Stücke  mit  Pflanzen  nachwei- 
sen sehr  häufig  in  einen  sandigen  Schiefer  übergeht,  in  welchem  man  die 
sandsteinartige  Beschaffenheit  stets,  auch  ohne  Loupe  wahrnimmt.  Grosse 
Glimmerblättchen  sind  in  den  gröberen  Varietäten  des  Gesteins,  kleinere  in 
den  schiefrigeren  stets  zu  beobachten.  Die  Pflanzensubstanz  ist  durch  Glim- 
mer ersetzt,  wie  in  den  Pflanzenschiefern  der  Stangalpe.  Niemanden  sollte 
es  ie  einfallen  die  Schiefer  von  Tergove  auch  nur  halbkrystallinisch  zu  nen- 
nen ausser  man  wollte  diese  Bezeichnung  auf  alle  Sedimentgesteine  ausdeh- 
nen   die  Glimmer  enthalten. 

'    Wenn  ich  irgend  ein  Aequivalent  der  Casanna-Schiefer  bei  uns  ange- 
ben wollte    so  wäre  es  der  von  mir  namentlich   im  Ennsthale  beobachtete 


[7]       Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Schieferget)irg'e  von  Tergove  in  Croatien.     131 

und  hervorgehobene  Thonglimmerschiefer,  dessen  Beschaffenheit  den  Be- 
schreibungen von  Casanna-Schiefer  bestens  entspricht ,  dessen  Gebiete 
Gneisse,  körnige  Kalke,  Serpentine ,  Chloritschiefer  und  Talkschiefer 
und  auch  Granite  angehören.  Dieser  Thonglimmerschiefer  gehört  aber 
noch  sicher  der  eozoischen  Formation  an,  da  auf  demselben  aufgelagert 
die  nun  hinlänglich  sicher  erwiesene  Silurformation  der  nordöstlichen  Alpen 
beobachtet  wird. 

An  dieser  Altersbestimmung  festzuhalten  ist  man  trotzdem  gezwun- 
gen, als  über  diesem  Thonglimmerschiefer,  in  der  Gegend  der  Stangalpe, 
unmittelbar  die  Gesteine  der  Steinkohleuformation,  an  anderen  Stellen  ebenso 
unmittelbar  die  Ablagerungen  der  Trias  folgen. 

Dass  dieser  Thonglimmerschiefer  weit  hinaus  in  die  westlichen  Alpen 
hineinreicht  und  dort  dieselbe  Stellung  einnimmt,  wie  in  den  nordwestlichen 
Alpen,  dies  beweist  nicht  nur  das  gänzlich  gleichgeartete  Auftreten  des- 
selben, sondern  auch  die  Thatsache,  dass  über  demselben  nach  Unter- 
suchungen von  Prof.  A.  Pichler  im  Gebiete  der  Sill  (Innsbruck  Süd) 
am  Steinacher  Joch,  südlich  von  Matrey  auch  die  Steinkohlen- 
formation genau  so  entwickelt  vorkommt  wie  auf  der  Stangalpe.  Zu  unterst 
eine  Bank  Kalk  mit  Ankerit  und  Spatheisenstein,  darüber  eine  mäch- 
tige Conglomeratbildung  aus  Quarzgerölleu  mit  Blättchen  von  silber- 
weissem  Glimmer.  Das  Conglomerat  geht  stellenweise  allmählig  in  Sand- 
stein und  Schiefer  über,  der  letztere  oft  pechschwarz  und  glänzend,  enthält 
in  Menge  folgende  Pflanzenreste: 

Ännularia  longifolia  Brongn. 

Sphenophyllum  emarginatum  Brongn. 

Neuropteris  flexuosa  Brongn. 

Odontopteris  alpina  Strnhg.  sp. 

Cyatheites  arhorescens  Schloth.  sp. 
„         Oreopteridis  Brongn.  sp. 

Alethopteris  Defranci  Brongn.  sp. 

Stigmaria  fbcoides  Brongn. 

Diese  Thatsache  beweist  hinlänglich,  dass  in  diesem  westlichen  Ge- 
biete unserer  Alpen,  die  Gesteine  der  Steinkohlenformation  trotz  der  näch- 
sten Nähe  des  Centralgneises  nicht  wesentlich  verändert  sind,  und  dass  es 
höchst  unwahrscheinlich  erscheint  anzunehmen,  dass  die  sogenannten  Ca- 
sanna-Schiefer dieser  unserer  westlicheren  Gegenden  auch  die  Gesteine  der 
Steinkohlenformation  mit  umfassen  und  um  so  weniger  die  Aequivalente  des 
Kothliegenden  bilden  können. 

Aus  alledem  geht  endlich  hervor,  dass  die  Speculation  nach  den 
Aequivalenten  des  Rothliegenden  vorläufig  angewiesen  ist,  in  den  Alpen 
auf  jene  Partie  von  rothen  Schiefern  und  Sandsteinen,  die  unter  dem  petre- 
factenführenden  Werfener  Schiefer  mitunter  in  sehr  bedeutender  Mächtig- 
keit folgen.  In  der  That  findet  man  —  namentlich  im  Gailthale  in  der  Nähe 
der  dortigen  Porphyre,  Sandsteine  und  Schiefer,  die  sehr  zahlreiche  stengel- 
artige Reste  enthalten,  die  mit  Kernen  von  Pflanzensteugeln  einige  Aehn- 
lichkeit  zeigen  und  gewöhnlich  mehrere  Schichten  der  Sandsteine  und 
Schiefer  verqueren.  Aehnliche  Funde  habe  ich  auf  mehreren  Stellen  in  den 
Südalpen  in  demselben  Niveau  gemacht,  an  die  ich  mich  stets  erinnere,  so 
oft  ich  die  Abbildung  des  Palaeophycus  Hoeianus  Geinitz  vor  mir  habe. 

Jahrbuch  der  V.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1868.  18.  Band.  1.  Heft.  lo 


138        D-  Stur. —  Fossile  Pflanzenreste  a.  d.  Schiefergebirge  v.  Tergove  etc.  [81 

In  den  Nordalpen  findet  sich  in  der  weiten  nach  Norden  vorspringen- 
den Bucht  des  Knappendorfes  GoUrad,  südlich  von  Mariazell,  eine  etwa 
1500  Fuss  mächtige  Ablagerung  eines  rothen  Sandsteines  mit  stellenweise 
eingelagerten  Bänken  eines  verrucanoartigen  Quarz-Conglomerats.  Der 
Sandstein  ist  in  Handstücken  vollkommen  ähnlich  manchen  Werfener-Schie- 
fern. Doch  sucht  man  in  der  ganzen  Mächtigkeit  dieses  Sandsteins  vergebens 
Dach  anderen  Versteinerungen  als  den  eben  erwähnten  Pflanzenstengeln. 
Diesem  rothen  Sandsteine  gehört  an,  die  Gollrader  Eisenerzlagerstätte,  und 
das  Gypslager  daselbst,  welches  ohne  von  dem  für  die  Triasformation 
charakteristischen  Gypsthone  begleitet  zu  sein,  den  Sandsteinschichten 
regelmässig  eingelagert  ist. 

Erst  hoch  im  Hangenden  dieses  Sandsteines  folgen  endlich  die  Petre- 
facte  reichlich  führenden  Werfener  Schichten,  in  vollkommen  concordanter 
Lagerung,  so  dass  eine  Grenze  zwischen  beiden  Ablagerungen  zu  ziehen 
stets  eine  missliche  Sache  bleiben  wird. 

Sowohl  dieser  unmerkliche  Uebergang  des  rothen  GoUrader-Sand- 
steins  in  den  Werfener- Schiefer,  als  auch  die  petrographische  Aehnlichkeit 
dieses  Sandsteines  mit  den  dyadischen  Gesteinen  des  südlichen  Böhmens, 
und  die  Thatsache,  dass  die  Mächtigkeit  des  rothen  Sandsteins  in  süd- 
licher Richtung  sehr  schnell  abnimmt,  so  wie  sie  im  nördlichen  Theile  der 
Bucht  grosse  Dimensionen  aufgeschlossen  zeigt,  veranlassen  zu  vermuthen, 
dass   man   in  demselben   ein  Aequivalent  der  Dyas  zu  suchen  habe. 

Hier  wären  in  der  That  Funde  zu  vermuthen,  die  sicherer  zurNachweisung 
der  Aequivalente  des  Rothliegenden  in  den  Alpen  führen  würden,  als  die 
bisher  gepflogenen  Bemühungen. 

Schliesslich  habe  ich  dem  Herrn  Direktor  Alexander  Schönbuch  er 
unseren  freundlichsten  Dank  auszusprechen  für  die  so  schnell  erfolgte 
Einsendung  des  pflanzenführenden  Materiales,  das  hinreichende  Veranlas- 
sung gab  zur  Erweiterung  unserer  Kenntnisse  über  das  Schiefergebirge  von 
Tergove.  Aus  der  Wichtigkeit  dieser  Funde  ist  es  einleuchtend,  dass  wir 
weitere  Berichte  und  Untersuchungen  stets  dankbar  entgegennehmen  und 
benützen  werden. 


VIII.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen 
von  Dr.  ü.  Schloenbach, 

Hiezu  Tafel  V. 

III.  Die    Brachiopoden    der    böbniischen    Kreide. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  3.  März  1868.) 


Stratigraphische  Einleitung. 

Die  folgenden  Bemerkungen  über  die  Gliederung  und  genauere  Alters- 
bestimmung der  verschiedenen  Schichten  der  böhmischen  Kreideformation 
sind  hauptsächlich  das  Resultat  zweier  in  den  Spätsommern  der  Jahre  1864 
und  1865  in  Begleitung  meines  Onkels,  des  Forstmeisters  F.  v.  ünger  zu 
Seesen  (Herzogthum  Braunschweig),  ausgeführten  Reisen  in  das  Kreide- 
gebiet des  nördlichen  Böhmens  sowie  der  bei  diesen  Gelegenheiten,  resp. 
später  bei  einem  1  Va  tägigen  Aufenthalte  in  Prag  (am  ^0.  und  21.  März 
1867),  vorgenommenen  Durchsicht  des  fürstlich  Lobkowitz'schen  Mineralien- 
Cabinetes  zu  Bilin  und  des  betreffenden  Theiles  des  böhmischen  National- 
Museums  zu  Prag.  Als  Basis  bei  diesen  Studien  dienten  mir  die  auf  zahl- 
reichen Excursionen  in  meiner  Heimat  und  durch  das  Studium  der  einschlä- 
gigen Literatur,  namentlich  der  vortrefflichen  Arbeiten  A.  v.  Strombeck's, 
ßey rieh's  und  F.  Römer's,  erworbene  genauere  Kenntniss  der  norddeut- 
schen und  die  bei  meinem  längeren  Aufenthalte  in  Frankreich  im  Jahre 
1864  gewonnene  Einsicht  in  die  Verhältnisse  der  französischen  Kreidebil- 
dungen, 

Namentlich  diese  französische  Reise  und  das  auf  derselben  gesam- 
melte Material,  sowie  meine  specielleren  Studien  über  die  reichen  Faunen 
der  westfranzösischen  Kreideschichten  in  den  grossen  Sammlungen  zu  Paris 
und  le  Maus  waren  es,  die  mich  in  den  Stand  setzten  die  böhmischen  Kreide- 
bildungen, unbeirrt  durch  manche  in  der  älteren  Literatur  verbreitete,  bis 
dahin  gewissermassen  als  Dogmen  angesehene  Annahmen,  mit  unbefange- 
nerem Auge  zu  betrachten.  So  bildete  sich  denn  schon  bald  nach  meiner 
Rückkehr  aus  Paris  und  vor  Antritt  meiner  zweiten  Reise  nach  Böhmen 
(Sommer  1865)  in  mir  die  Ansicht,  dass  ein  grosser  Theil  derjenigen  Glie- 
der der  böhmischen  Kreide,  die  man  früher  als  Aequivalente  der  Cenoman- 
Bildungen  betrachtet  und  der  Tourtia  Belgiens  und  Westphalens  paralleli- 
sirt  oder  wohl  gar  noch  unterhalb  derselben  eingereiht  hatte,  viel  jünger 
sei  und  jenen  Bildungen  zugerechnet  werden  müsse,  für  die  Orbigny  sein 
gäage  turonien''   aufgestellt  hatte,  das   heisst  also:    der  Unterregioi!   der 

18* 


140  Dr-  ü.  Sehloenbach.  [2] 

„craie  marneuse"'  der  Franzosen  und  des  ^oberen   Pläners"  der  Nord- 
deutschen. 

Diese  Ansicht,  welche  ich  zunächst  nicht  ganz  ohne  Mistrauen  gegen 
die  Richtigkeit  der  aus  meinen  Beobachtungen  gezogenen,  mit  den  bisherigen 
Annahmen  im  Widerspruch  stehenden  Schlüsse  nur  in  Privatbriefen,  z.  B. 
gegen  Herrn  Dr.  G.  Laube  und  Herrn  Prof.  Geinitz,  zu  äussern  wagte, 
von  der  aber  bereits  in  der  im  17.  Bande  der  Zeitschr.  der  geol.  Gesell. 
1.  H,,  p.  24  flf.  abgedruckten  Mittheiluug  an  Prof.  Beyrich  (Februar 
1865)  Andeutungen  zu  finden  sind,  wurde  bei  meinem  zweiten  Aufenthalte 
in  Böhmen  (August  1865)  zur  Ueberzeugung.  Diese  üeberzeugung  sprach 
ich  auf  der  Eückreise  aus  Böhmen  in  Dresden  auch  mündlich  gegen  Herrn 
Prof.  Geinitz  aus,  indem  ich  denselben  zugleich  darauf  aufmerksam 
machte,  dass  die  in  den  tieferen  Partien  der  Strehlener  Steinbrüche  bei 
Dresden  in  früherer  Zeit  gesammelten  und  im  Dresdener  Museum  unter  der 
Bezeichnung  als  „Ämnt  Botomagensis"  aufbewahrten  grossen  Ammoniten 
genau  mit  der  in  dem  böhmischen  Grünsandsteine  ziemlich  häufig  vorkom  • 
menden  Ammonitenart  übereinstimmten,  welche  —  meiner  Ansicht  nach 
mit  Unrecht  —  ebenfalls  von  den  bisherigen  Autoren  als  Am.  Botomagensis 
bestimmt  wordeuseiundauf  deren  Vorkommen  hauptsächlich  die  Annahme  des 
cenomanen  Alters  jener  Grüusandsteine  beruhe  Eine  genauere  Untersuchung 
einer  grösseren  Anzahl  von  Exemplaren  dieses  Ammoniten  hatte  mich  näm- 
lich belehrt,  dass  derselbe  sich  durch  eine  Reihe  abweichender  Kennzeichen 
von  Ämm  Botomagensis  Defr.  unterscheide  und  vielmehr  mit  der  von 
Sharp e  als  Ämm.  WooUgarei  Mant.  bestimmter  festgestellten  Art  identi- 
ficirt  werden  müsse ;  letzteren  kannte  ich  auch  aus  dem  westlichen  Frank- 
reich, wo  er  in  der  „sione  de  VÄmmonites  per amplus"  (Tiiger)  in  Gesell- 
schaft des  Ämm.  peramplus  selbst,  der  Osfrea(Exogyra)  columba  etc.  ganz 
wie  in  Böhmen  sich  findet  Die  Anomalie,  dass  Ämm.  peramplus  in  Böhmen 
in  cenomanen  Schichten  mit  Ämm.  Botomagensis  vorkommen  sollte,  während 
er  sonst  überall  und  stets  nur  in  jüngeren  Schichten  sich  gefunden  hatte, 
war  hiemit  ebenfalls  beseitigt.  Auch  die  in  diesem  Horizonte,  namentlich 
aber  in  den  Exogyren-Sandsteinen  so  häufige  Ostrea  columha,  die  man  trotz 
mehrseitigem  Widerspruche  meistens  als  ein  Leitfossil  der  Cenoman-Bil- 
dungen  betrachtete,  konnte  mir  bei  dieser  Deutung  nicht  mehr  im  Wege 
stehen,  seitdem  ich  im  Sarthe-Departement  auf's  Evidenteste  gesehen  hatte, 
dass  diese  Auster  von  den  tiefsten  Cenoman-  bis  zu  den  jüngsten  Turon- 
Bildungen  aufwärts  durch  alle  Schichten  hindurchgeht. 

Nachdem  diese  Deutung  einmal  als  richtig  erkannt  war,  erklärte  sich 
auch  leicht  und  natürlich  das  Vorkommen  des  Inoceramus  lahiatus  (myti- 
loides)  in  den  Pläuersandsteinen,  welche  nach  der  zuerst  von  Rominger 
veröfientlichteu  und  —  wie  ich  mich  durch  eigene  Anschauung  überzeugt 
hatte  —  durchaus  correcten  Beobachtung  unzweifelhaft  unter  dem  Com- 
plex  desExogyren-  und  Grüusandsteines  liegen 1 1)  denn  in  derThat  musste 
auch  nach  Analogie  des  Vorkommens  in  Frankreich  und  Norddeutschland 
die  Schicht,  für  welche  Inoceramus  lahiatus  charakteristisch  ist,  diejenigen 
Schichten  unterteufen,  welche  Ämmonites  WooUgarei  und  peramplus  ent- 
halten. 


*)  Zeitschrift  der  deutsch,  geolog.  Gesellsch.  XVII.  i,  pag.  2S.  IS'ä. 


jg-j  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.    III.  I4I 

Die  Entdeckung,  dass  Herr  F.  Beckmann  in  Braunschweig  in 
dem  Strombeck' sehen  ;, weissen Brongniarti-Pläner,"  welcher  nach  diesen 
meinen  neuen  Ansichten  das  Aequivalent  des  böhmischen  Exogyren-  und 
Gründsandsteines  bildete,  bei  Wolfenbüttel  einen  Ammoniten  aufgefunden 
hatte,  der  mit  meinen  böhmischen  Exemplaren  des  Ämm.  Woollgarei  sich  als 
ident  erwies,  erhob  endlich  meine  Ueberzeugung,  bezüglich  der  Deutung 
dieser  Schichtengruppe  zur  Gewissheit.  Aus  diesem  Grunde  geschah  es  auch, 
dass  ich  in  meinem  Vortrage  vor  der  Naturforscher-Versammlung  zu  Han- 
nover 1)  auf  das  Vorkommen  des  Ämm.  Woollgarei  im  „weissen  Brongniarti- 
Pläner*  besonderes  Gewicht  legte,  obgleich  ich  dasselbe  nur  mit  einem  ein- 
zigen Funde  belegen  konnte ;  mündlich  wies  ich  auch  bei  jener  Gelegenheit 
auf  das  Vorkommen  derselben  Art  im  böhmischen  Grünsandsteine  hin. 

Diese  Ansichten  hatte  ich  seitdem  wiederholentlich  in  meinen  wissen- 
schaftlichen Correspondenzen,  namentlich  z.B.  gegen  Forstmeister  F.  v.Un  ge  r, 
gegen  Dr.  A.  Fritsch,  gegen  L.  Saemann,  gegen Bergrath  Gümbel  und 
Prof.  Geinitz,  sowie  mündlich  gegen  Dr.  A.  Kunth  in  Berlin,  Prof. 
Hebert  in  Paris  und  Cammerrath  von  Strombeck  in  Braunschweig  aus- 
gesprochen und  theilweise  specieller  auseinandergesetzt.  Zu  einer  Publica- 
tion  derselben  schritt  ich  deshalb  noch  nicht,  weil  ich  die  Absicht  hatte, 
zuvor  noch  einen  längeren  Aufenthalt  im  böhmischen  Kreidegebiete  zu 
machen,  um  auch  die  übrigen  Glieder  der  Formation  möglichst  genau  zu 
studiren  ;  erst  wenn  dies  geschehen  wäre,  beabsichtigte  ich  mit  einer  grösseren 
stratigraphischen  Arbeit  über  die  böhmische  Kreide  hervorzutreten. 

Nachdem  meine  Hoffnung,  diese  Absicht  im  Jahre  18G6  auszuführen, 
durch  den  Ausbruch  des  Krieges  vereitelt  war,  glaubte  ich  dieselbe  im  Jahre 
1867  verwirklichen  zu  können  und  hielt  mich,  um  auch  von  den  Arbeiten 
der  Prager  Geologen  genauere  Kenntuiss  zu  nehmen  und  deren  Auf  Samm- 
lungen zu  besichtigen,  bei  Gelegenheit  meiner  Durchreise  nach  Oberitalien 
und  Südtirol  auf  Einladung  meines  verehrten  Freundes,  des  Herrn  Dr.  A. 
Fritsch,  1  Va  Tage  in  Prag  auf.  Während  dieser  Zeit  sah  ich  mit  dem 
genannten  Herrn,  sowie  auch  gelegentlich  mit  Herrn  Prof.  Krejci,  nicht 
nur  den  betreffenden  Theil  der  Sammlungen  im  Landes-Museum  genauer 
durch,  sondern  hatte  auch  eingehende  Besprechungen  über  die  Deutung  der 
von  Herrn  Dr.  Fritsch  beobachteten  Profile.  Das  Eesultat  dieser  Bespre- 
chungen war  die  vorläufige  Feststellung  einer  Reihenfolge  der  verschiedenen 
bis  dahin  beobachteten  Schichten  der  böhmischen  Kreide ;  diese  Reihenfolge 
wich  in  verschiedenen  wesentlichen  Punkten  von  derjenigen  ab,  welche  die 
genannten  Herren  unmittelbar  vorher  in  dem  in  böhmischer  Sprache  ge- 
druckten Berichte  über  ihre  bisherigen  Arbeiten  veröffentlicht  hatten,  «j  und 
sie  beschlossen  daher,  diese  nach  meinen  Andeutungen  veränderte  Auffas- 
sung in  der  deutschen  Ausgabe,  mit  deren  Ausarbeitung  sie  eben  beschäftigt 
waren,  anzunehmen.  Gleichzeitig  theilte  ich  Herrn  Dr.  Fritsch  auf  seine 
Bitte  rückhaltslos  meine- Ansichten  über  die  Deutung  der  betreffenden  Glie- 
der dieser  Schichtenfolge  und  deren  Parallelisirung  mit  der  Kreide  Nord- 
deutschlands und  Frankreichs  mit,  wie  sie  theils  aus  meinen  früheren  Beob- 
achtungen, theils  aus  der  Durchsicht  der  betreffenden  Faunen  im  Prager 
Museum  sich  mir  ergeben  hatten. 

')  Amtlicher  Bericht  über  die  40.  Versammlung  der  Naturf  etc.,  Sitzuug  v. 
22.  Sept.  1865,  pag.  161;  und  neues  Jahi'b.   1866,  pag.  311. 

2)  Vergl.  Verhandl.  der  k.  k.  geol.  E. -A.  1867.   Nr.  3.  pag.  67. 


142  Dr.  U.  Schloenbach.  ([4] 

Für  mich  waren  die  Kesultate  dieses  Besuches  in  Prag  in  mehren  Bezie- 
hungen wichtig.  Vor  Allem  lernte  ich  bei  dieser  Gelegenheit  die  ungemein  reiche 
Fauna  der  wirklich  und  unbestreitbar  cenomanenBildungenBöhmens,  namentlich 
des  Kudistenkalkes  von  Korycan,  welcher  eine  so  überraschende  Aehnlich- 
keit  mit  den  gleichaltrigen  Bildungen  des  belgisch-französischen  Grenz-Ge- 
bietes  und  des  westlichen  Frankreichs  zeigt,  genauer  kennen.  Sodann  über- 
zeugte ich  mich,  dass  von  den  jüngeren  cenomanen  Bildungen,  nach  denen 
ich  bis  dahin  in  Böhmen  ebenso  wie  in  Sachsen  vergeblich  gesucht  hatte, 
wirklich  noch  keinerlei  sichere  Spuren  bekannt  seien.  Auch  für  das  turone 
Alter  der  Pläner-,  Exogyren-  und  Grünsandsteine  enthielten  die  paläontologi- 
schen Aufsammlungen  der  Herren  Fritsch  und  Krej  ci  eine  Keihe  weiterer 
Belege,  Endlich  aber  erhielt  ich,  ebenfalls  durch  diese  Aufsammlungen,  be- 
stimmtere Aufschlüsse  über  das  Alter  der  jüngeren  Quader-Bildungen 
Böhmens,  über  welche  ich  mir  früher  kein  rechtes  ürtheil  hatte  bilden 
können.  Herr  Dr.  Fritsch  zeigte  mir  nämlich  eine  Suite  Petretacten,  wel- 
che er  in  den  Quaderschichten  des  Chlomek  bei  Jungbunzlau  gesammelt 
hatte ;  diese  zeigten  in  jeder  Beziehung  eine  ganz  frappante  üebereinstim- 
mung  mit  der  Fauna  der  Sandsteine,  welche  in  der  Gegend  zwichen  Reck- 
linghausen und  Coesfeld  (Westphalen)  die  Zone  des  Micr.  cor  anguinum 
repräsentiren,  sowie  mit  derjenigen  des  sandigen  Mergels  von  Gehrden  bei 
Hannover;  es  waren  namentlich  zahlreiche  Bryozoen,  Ostrea  (Exogyra) 
laciniata^  Janira  quadricostata,  Pecten-  und  Lima-Arten  etc.  Ich  glaubte 
daher  unbedingt  diese  Quader  als  in  die  Zone  des  Micr.  cor  anguinum  und 
Bei.  Merceyi  gehörig  betrachten  zu  dürfen.  Da  nun  aber  nachDr.Fritsch's 
Versicherung  diesem  Quader  nach  seinen  Lagerungsverhältnissen  ein  jüngeres 
Alter,  als  den  Baculitenschichten  (oder  oberen  Plänermergeln),  zugeschrieben 
werden  müsste,  und  letztere  ihrerseits  die  Repräsentanten  der  Zone  des  Sca- 
pfiites  Ge'mitsi  und  Spondylus  spinosus  unzweifelhaft  überlagerten,  so  hielt 
ich  die  Aequivalenz  der  Baculitenschichten  mit  dem  „Cuvieri-Pläner",  der 
in  Norddeutschland  dieselbe  Stelle  einnimmt,  für  in  hohem  Grade  wahr- 
scheinlich, obgleich  vom  paläontologischen  Standpunkte  aus  in  Folge  der 
Facies- Verschiedenheiten  dieser  beiden  Horizonte  sich  nur  wenige  Anhalts- 
punkte zu  einer  directen  Vergieichung  boten. 

Diese  meine  Ansichten  über  die  Gliederung  und  Altersbestimmung 
der  böhmischen  Kreideschichten  theilte  ich  im  Frühling  vorigen  Jahres 
während  meines  Aufenthaltes  in  München  auch  Herrn  Bergrath  Gümbel 
mit,  der  vor  seiner  beabsichtigten  und  bald  nachher  auch  ausgeführten 
Reise  nach  Böhmen  meine  Auffassung  der  Verhältnisse  der  böhmischen,  so- 
wie derjenigen  der  sächsischen,  norddeutschen  und  französischen  Kreide- 
bildungen genauer,  als  es  bereits  in  unserer  Correspondenz  über  diesen 
Gegenstand  geschehen  war,  kennen  zu  lerneu  wünschte.  Zugleich  legte  ich  ihm 
auch  eine  bereits  in  Prag  im  Beisein  Dr.  Fritsch's  entworfene  Tabelle  vor, 
auf  der  meine  Ansichten  über  den  wahrscheinlichen  Synchronismus  der 
böhmischen  Kreideschichten  mit  den  norddeutschen  zur  Darstellung  ge- 
bracht werden.  Bei  derselben  Gelegenheit  besichtig-ten  wir  auch  die  von 
Bergrath  G  ü  m  b  e  1  im  östlichen  Bayern  in  den  Umgebungen  von  Regens- 
burg und  Passau  gesammelten  Kreidepetrefacten  und  kamen  zu  dem  Re- 
sultate, dass  auch  auf  diese  Vorkommnisse  eine  ähnliche  Gliederung  sich 
anwenden  lasse,  wie  die  für  Böhmen  festgestellte.  Namentlich  aber  war  es 
mir  eine  Genugthuung ,    auch   einen  so   ausgezeichneten   Geologen ,   wie 


[5]  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.   III.  143 

Bergrath  Gümbel  es  ist,  von  der  Richtigkeit  meiner  Deutung  des  Pläner-, 
Exogyren-  und  Grünsandsteins  überzeugt  zu  sehen. 


Vorstehende  Bemerkungen  ,  welche  die  allmählige  Entstehung 
meiner  Auffassung  der  Verhältnisse  der  böhmischen  Kreide  darlegen, 
glaubte  ich  der  nun  folgenden  kurzen ,  übersichtlichen  Darstellung 
der  Verhältnisse  selbst  voranschicken  zu  müssen  ,  um  von  vorn 
herein  dem  Vorwurfe  zu  begegnen,  den  man  mir  sonst  —  scheinbar 
mit  Recht  —  machen  könnte,  dem  Vorwurfe  nämlich,  als  mache 
ich  mich  eines  Plagiats  schuldig,  indem  ich  Ansichten  als  die  meinigen 
hinstelle,  welche  schon  in  den  in  neuerer  Zeit  erschienenen  Publikationen, 
namentlich  in  jenen  der  Prager  Geologen ,  ausgesprochen  sind.  Nach- 
dem der  Antheil,  den  ich  an  der  Feststellung  der  Reihenfolge  und  an  der 
Altersbestimmung  der  böhmischen  Kreideschichten,  gehabt  habe,  wie  solche 
in  dem  „zweiten  Jahresberichte  über  die  Wirksamkeit  der  beiden  Comite's  für 
die  naturwissenschaftliche  Durchforschung  Böhmens''  (Prag  1867)  veröffent- 
licht wurde,  durch  ein  Versehen  unerwähnt  geblieben  ist,  könnte  ein  der- 
artiger Vorwurf  in  der  That  begründet  erscheinen,  wenn  nicht  Herr  Prof. 
Krejci  mit  dankenswertliem  Freimuth  den  Thatbestand  eines  solchen 
Versehens  sichergestellt  hätte  i). 


Die  nachstehenden  Zeilen  bitte  ich  nur  als  eine  vorläufige  Skizze 
meiner  jetzigen  Auffassung  der  Verhältnisse  der  Kreide-Formation  zu  be- 
trachten, deren  specielle  Begründung  und  Ausführung  ich  um  so  mehr  auf 
spätere  Zeit  verschieben  zu  müssen  glaube,  als  ein  Specialstudium  des  böh- 
mischen Kreide-Gebietes  mir  für  die  nächsten  Jahre  als  Aufgabe  übertragen 
worden  ist  und  ich  nach  Beendigung  dieser  Aufgabe  Veranlassung  haben 
werde,  die  Resultate  meiner  Beobachtungen  in  ausführlicherer  Weise  den 
Fachgenossen  vorzulegen. 

Es  ist  bekannt,  dass  in  der  böhmischen  Kreideformation  Repräsen- 
tanten der  unteren  Abtheilungen,  der  Neocom-  und  Gaultgruppe,  gänzlich 
fehlen  und  dass  die  ältesten  in  Böhmen  vertretenen  Glieder  der  Formation 
der  Cenomangruppe  angehören ;  dieselben  erscheinen  unmittelbar  entweder 
den  älteren  Flötzformationen  oder  dem  krystallinischen  Gebirge  aufgelagert. 
Andererseits  scheinen  auch  die  jüngsten  Glieder  der  Kreidegruppe,  welche 
im  nördlichen  Deutschland,  in  Frankreich  und  England  in  grosser  Verbrei- 
tung vorhanden  sind,  in  Böhmen  eben  so  wie  in  dem  angrenzenden  Sachsen 
gänzlich  zu  fehlen;  denn  die  bis  jetzt  bekannten  obersten  Ablagerungen  der 
Reihenfolge,  deren  Alter  sich  mit  einiger  Sicherheit  bestimmen  lässt,  ent- 
sprechen der  unteren  Abtheilung  jenes  Niveaus,  das  man  in  Norddeutsch- 
land als  „Quadratenkreide",  in  Frankreich  als  Horizont  oder  Zone  des  Micr. 
cor  anguifium  zu  bezeichnen  gewohnt  ist  und  welches  auch  in  einem  ziem- 
lich grossen  Theile  Norddeutschlands,  wo  keine  dem  Horizont  des  Belem- 
nites  mucronatus  entsprechende  Schichten  entwickelt  sind,  das  jüngste  Glied 
der  vorkommenden  Kreideablagerungen  bildet. 

Es  würde  also  hiernach  in  Böhmen  nur  die  Plänergruppe  in  dem 
Sinne,  welchen  Gümbel  in  seiner  neuesten  Publication   diesem  Namen 


1)  Vergl.  Verh.  d.  k.  k.  geol.  E.-A.  1867,  Nr.  12,  pag.  251. 


144  Dr.  U.  Schloenbacli.  [6] 

beizulegen  vorgeschlagen  hat  i)  zur  Entwickelung  gekommen  sein,  und  auch 
diese  nur  in  beschränkter  Weise,  indem  die  jüngsten  in  anderen  Kreide- 
gebieten entwickelten  Glieder  derselben  nicht  vertreten  sind.  Die  in  Böh- 
men nachgewiesenen  Glieder  des  Pläners  in  diesem  Sinne  sind  aber  von 
unten  nach  oben  folgende: 

1.  Die  Zone  der  Trigonia  sulcataria  und  des  Gato- 
py  gus  carinatus  ^)  (III.  8,  7  bei  Gümbel  im  neuen  Jahrbuch  1867, 
p.  798)  ist  in  sehr  verschiedenen  Formen  entwickelt.  Bald  sind  es  Sand- 
steine mit  eingelagerten  Thonen  und  Schiefern  (Perutz,  Mseno,  Kaunitz) 
mit  Pflanzen  und  Süsswasser-Muscheln,  hie  und  da  auch  mit  Kohlenflötzen, 
bald  mergelige  Lumachellen  mit  zahlreichen  Petrefacten,  unter  denen 
namentlich  Einmuskler,  Brachiopoden,  Echinodermen,  Bryozoen  und  Spon- 
gitarien  sich  befinden  (Schillinge  bei  Bilin,  Kamajk,  Kuttenberg).  An  ande- 
ren Lokalitäten  findet  sich  diese  Zone  als  ein  späthiger  Kalk  mit  einem 
ausserordentlichen  Reichthum  an  sehr  mannigfaltigen  und  wohl  erhaltenen 
Petrefacten,  namentlich  Gastropoden,  Bivalven,  einzelnen  Kudisten-  und 
Brachiopodenarten  (Korycan).  Eine  vierte  Ausbildungsform  endlich  ist  die- 
jenige als  feinkörniger  mürber  Sandstein  mit  zahlreichen  wohl  erhaltenen 
Gastropoden-  und  ßivalven-Steinkernen  (Tisa  oder  Tyssa),  welche  entweder  als 
blosse  innere  Ausfüllungen  der  Hohlräume  der  Muscheln  erscheinen  oder 
auch  die  Schale  vollständig  mit  ersetzt  haben,  so  dass  deren  Ornamentirung 
oft  bis  in  feine  Details  sichtbar  geblieben  ist ;  ersterer  Fall  findet  beson- 
ders bei  den  Austern,  Pecten-  und  Lima-Arten,  letzterer  bei  den  meisten 
zweimuskeligen  Bivalven  statt.  Diese  vier  Facies,  welche  in  der  Regel  an 
verschiedenen  Lokalitäten  vorkommen  und  nur  selten  einander  überlagern  ") 
werden  im  Allgemeinen  als  einander  äquivalent  betrachtet  werden  müssen ; 
während  die  erste  als  eine  Süsswasserbildung  zu  betrachten  ist,  dürfte  die 
zweite  als  Bildung  eines  flachen,  steinigen,  dem  Wellenschlage  stark  aus- 
gesetzten Strandes,  die  dritte  als  Ablagerung  auf  zerklüftetem,  felsigem 
Boden,  der  von  einem  wohl  ziemlich  hohen  Meere  bespült  und  überflutet 
wurde,  die  vierte  endlich  als  Niederschlag  eines  ruhigen  Beckens,  dessen 
Fauna  nicht  durch  Einmündung  grösserer  Süsswassermassen  beeinflusst 
wurde  und  daher  eine  rein  marine  blieb,  zu  erklären  sein. 

In  diesen  Horizont  gehören  die  meisten  der  von  den  bisherigen  Au- 
toren als  „unterer  Quader"  und  „Pflanzen-Quader"  bezeichneten  Schichten, 
ferner  fast  alle  als  „unterer  Pläner''  bezeichneten,  sodann  die  „ Conglomerat- 
Schichten",  die  „Hippuriten-Kalke.* 

Die  ausserböhmischen  Aequivalente  dieser  Abtheilung  ergeben  sich 
aus  der  stratigraphischen  Einleitung,  welche  ich  meiner  oben  citirten 
Schrift  über  die  norddeutschen  Cenoman-Brachiopoden  vorangeschickt  habe. 

Für  die  Ablagerungen  der  beiden  in  der  vollständigen  Reihe  nun 
folgenden  paläontologischen  Horizonte,  nämlich:  die  Zone  des  Sca- 
phites  aequalis  und  die  Zone  des  Ämmo  nites  Rotomagensis 
konnten  sichere  Vertreter  in   der    Reihenfolge    der  böhmischen   Kreide- 


^)  Vergl.  Schloenbach  über  die  Brachiopoden  der  norddeutschen  Cenoman- 
Bildungen,  pag.  32,  (Geogn.-pal.  Beitr.  1,3.) 

^)  iSTur  die  zuerst  genannte  Facies  des  eigentlichen  unteren  Quaders  tritt  nach 
mündlicher  Mittheilung  des  Herrn  Dr.  F  ritsch  ähnlich  wie  in  Sachsen  öfter  un- 
ter einer  der  anderen  auf,  in  welche  sie  dann  bei  stetiger  Concordanz  der  Schich- 
tung allmählich  überzugehen    pflegt 


r71  Kleine  paläontologische  Mittheilungen,  III.  148 

schichten  noch  nicht  nachgewiesen  worden.  Es  m  uss  daher  für  jetzt  noch 
zweifelhaft  bleiben,  ob  in  dieser  Zeit  in  Böhmen  üb  erhaupt  keine  Gesteins- 
Ablagerungen  stattgefunden  haben,  oder  ob  man  etwa  annehmen  muss, 
dass  die  oben  beschriebenen  Bildungen  auch  die  Ablagerungen  derjenigen 
Zeit  mit  einschliessen,  in  welcher  sich  in  den  meisten  übrigen  Kreide- 
gebieten Niederschläge  mit  veränderten,  neuen  Faunen  gebildet  haben. 
Gümbel  hat  zwar  i)  in  den  oberen  Regionen  des  vorigen  Horizontes  das 
Vorhandensein  einer  etwas  abweichenden  Fauna  betont,  welche  möglicher- 
weise die  Deutung  dieser  oberen  Schichten  als  Aequivalente  der  jüngeren 
Cenoman-Zonen  befürworten  könnten ;  indessen  liegen  über  dies  Vorkommen 
noch  zu  wenige  sichere  Beobachtungen  vor,  um  diese  Möglichkeit  schon  jetzt 
als  wahrscheinlich  hinstellen  zu  können ;  ich  selbst  kenne  dasselbe  weder 
aus  eigener  Anschauung  noch  habe  ich  Petrefacten  daraus  gesehen  Erst 
für  den  hierauf  folgenden  Horizont : 

2.  Die  Zone  des  Inoceramus  lahiatus  (II  ob  bei  Güm- 
bel im  neuen  Jahrb  1867,  pag  798)  sind  wieder  sichere  Repräsentanten 
in  Böhmen  vorhanden.  Auch  diese  sind  wieder  etwas  verschieden  ausge- 
bildet, aber  doch  bei  Weitem  nicht  so  mannigfaltig,  wie  die  der  ersten  Zone 
Es  gehören  hieher  namentlich  die  mürben,  grobkörniofen  Sandsteine,  welche 
die  imposanten  Felsenpartien  der  Tisa'er  Wände  westlich  von  Tetschen  bil- 
den und  die  sich  in  einzelnen  Lagen  durch  die  Häufigkeit  des  darin  vorkom- 
menden typischen  Inoceramus  labiatus  auszeichnen;  andere  Petrefacten 
sind  darin  äusserst  selten.  Die  Prager  Geologen  haben  dieses  Vorkommen 
als  „Königswalder  Schichten"  bezeichnet.  Eine  etwas  abweichende  Facies 
desselben  Horizontes  ist  der  an  Bivalven-  und  Crustaceen-Resten  (Callia- 
nassa  bohemica  Fritsch )  reiche,  graue  oder  gelbe,  beim  Verwittern  eine 
rothe  Farbe  annehmende,  feinkörnige,  kalkige  Sandstein,  welcher  nament- 
lich in  der  Gegend  von  Postelberg  und  Laun  ausserordentlich  verbreitet  ist 
und  in  der  Regel  als  „Plänersandstein",  „gelber  Bausandstein"  ,  auch 
als  „grauer  Sandstein  von  Lippenz"  etc.  bezeichnet  wird.  In  der  Gegend 
von  Prag  wird  dieser  Horizont  durch  ein  mehr  sandig-kalkiges  Gebilde 
vertreten,  das  übrigens  durch  seine  Petrefactenführung  sich  aufs  Engste  an  den 
oben  beschriebenen  Plänersandstein  anschliesst ;  es  ist  dies  der  „Plan er  des 
Weissenberges",  oder  vielmehr,  wie  Gümbel  gezeigt  hat,  ein  Glied  des 
von  den  Prager  Geologen  mit  diesem  Namen  bezeichneten  Schichtencom- 
plexes,  für  welches  er  selbst  den  Localnamen  „Melniker  Schichten"  vorschlägt. 
Die  in  diesem  Niveau  vorkommenden  Petrefacten,  namentlich  der  be- 
sonders charakteristische  Inoc.  labiatus,  den  ich  nie  in  einem  anderen  Hori- 
zonte gefunden  und  auf  den  ich  daher  schon  1865  (Zeitschr.  der  deutsch, 
geol.  Gesellsch.  XVII.  pag.  25)  besonderesGewicht  gelegt  habe,  lassen  nicht  be- 
zweifeln, dass  wir  diese  Schichten  als  Aequivalente  des  „rothen  Pläners" 
der  norddeutschen,  der  untersten  Abtheilung  des  Taronien  und  der  Zone 
des  Inoc.  labiatus  (proUematicus)  der  französischen  Geologen  zu  betrachten 
haben. 

Während  dieser  Horizont  in  Böhmen  in  Bezug  auf  seine  Petrefacten- 
führung stets  nur  sehr  schwache  Beziehungen  zu  den  ihn  zunächt  unter- 
lagernden Cenoman-Schichten  zeigt,  schliesst  er  sich  sowohl  in  dieser  Bezie- 


»)  N.  Jahrb.  i867,  pag.  798  (III.  6)  und  799. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologische  Reichsanstalt.  1868.  18.  Band,  1.  Heft.  1" 


146  Dr.  U.  Schloenbach.  [8] 

hung  als  auch  in  der  Regel  hinsichtlich  seiner  Gesteinsbeschaffenheit  sehr 
enge  an 

3.  die  Zone  des  Ämmonites  Woollgarei  und  Inoceramus 
Brongniarti?Ln^{U..  5a und  II.4  beiGümbel  1.  c.  p.  797).  Unter  diesem 
Namen  fasse  ich  zwei  an  manchen  Localitäten  auf  den  ersten  Blick  leicht  zu 
unterscheidende  Formations-Glieder,  den  ,,Exogyren- Sandstein"  und  den 
„Grünsandstein"  zusammen,  weil  dieselben  bei  genauerer  Untersuchung  so- 
wohl petrographisch  als  paläontographisch  vollständig  in  einander  übergehen 
und  vielen  Gegenden  überhaupt  nur  ein  Gebilde  deren  Stelle  vertritt,  in 
Bezug  auf  welches  man  in  Verlegenheit  sein  würde,  welchem  von  diesen 
beiden  Gesteinen  man  es  zurechnen  sollte.  Der  Exogyren-Sandstein,  welcher 
überall,  wo  beide  Glieder  entwickelt  sind,  eine  tiefere  Stelle  einnimmt,  ist  in 
seiner  typischen  Ausbildung  ein  hell-gelbgrauer,  fast  weisser,  feinkörniger 
Sandstein  von  geringer  Festigkeit  mit  sehr  sparsam  eingestreuten  feinen 
Glauconitkörnchen,  welcher  in  gewissen  Schichten  ungemein  reich  ist  an 
ziemlich  wohlerhaltenen  Petrefacten,  namentlich  Austern  (besonders  Ostrea 
columba  von  den  riesigsten  bis  zu  den  kleinsten  Formen),  Inoceramen-, 
Janira-,  Pecten-  und  Lima- Alten ,  ferner  einigen  Brachiopoden  -  Arten, 
Nucleoliten  (selten) ;  Cephalopoden  und  zweimuskeligeBivalven  sind  seltener 
und  stellen  sich  besonders  an  solchen  Localitäten  ein,  wo  die  Beimengung 
von  Grünsand  stärker  wird.  Wo  diese  endlich  ihr  Maximum  erreicht,  wie 
in  den  obersten  Schichten  des  typischen  festeren  Grünsandsteins  der  Hügel- 
kette zwischen  Laun  und  Malnitz,  gewinnen  die  Ammoniten,  Gastropoden, 
Cardien,  Protocardien  u.  s.  w.  weitaus  die  Oberhand  über  die  Austern  und 
Brachiopoden,  während  Pecten-  und  Lima- Arten  noch  immer  selten  bleiben. 
Dieser  Zone  gehören  endlich  auch  noch  die  Mergelkalke  des  Eger-Ufers  un- 
mittelbar unterhalb  Laun  an,  welche  in  ihrer  Petrefactenführung  ganz  mit 
den  Grünsandsteinen,  aus  denen  sie  durch  Aufnahme  von  mehr  Thon  und 
Kalk  entstanden  sind,  übereinstimmen.  Reuss  hat  dieselben  zu  seinem 
„unteren  Plänerkalk"*  gerechnet.  —  Ueber  die  ausserböhmischen  Aequiva- 
lente  dieses  Horizontes  habe  ich  mich  schon  oben  ausführlicher  ausge- 
sprochen. 

4.  Die  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  und  Spondylus  spi- 
nosus  (IL  3  bei  Gümb.  1.  c.  p.  797)  ist  in  ihrer  typischen  Entwicklung 
ein  vorwiegend  mergelig-kalkiges  oder  thonig-mergeliges,  rein  marines  Ge- 
bilde. Fischreste,  Crustaceen,  Cephalopoden,  Inoceramen,  Spondylon,  Lima- 
Arten,  Brachiopoden  und  Seeigel  (besonders  ilficr.  iHfic/^eZmi)  sind  es,  die 
vorwiegend  die  Fauna  dieser  Bildungen  ausmachen,  wo  dieselben  mehr  kal- 
kiger Beschaffenheit  sind ;  in  den  thouigeren  Schlammbildungen  gewinnen 
die  Fischreste,  Austern,  Brachiopoden,  Seeigel  und  Spongitarien  so  wie  eine 
sehr  mannigfaltige  Foramiferenfauna  ganz  die  Oberhand  und  verdrängen 
alles  Andere.  In  dieses  Niveau  gehören  der  eigentliche  „obere  Plänerkalk" 
und  wahrscheinlich  auch  der  grösste  Theil  des  „oberen  Plänermergels"  (mit 
Ausschluss  der  Baculiten- Schichten)  ,  welcher  erstere  z.  B.  in  den  Umge- 
bungen von  Teplitz,  letzterer  bei  Bilin  und  namentlich  in  der  Gegend  von 
Laun  entwickelt  ist.  Nach  G  um  bei  reicht  der  Pläner  des  Weissenberges 
bei  Prag  mit  seinen  oberen  mergeligen  Lagen  bis  in  diesen  Horizont  hinein. 
Der  Plänerkalk  pflegt  überhaupt  nach  oben  zu  etwas  thonig-mergeliger 
zu  werden.  —  Diese  Zone  entspricht  unzweifelhaft  den  norddeutschen 
Scaphiten-Schichten. 


r^l  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.   Hl.  ]  47 

In  Betreff  der  Einreihung  der  „Iser-San  dsteine"  der  Prager 
Geologen,  die  ich  nicht  selbst  aus  eigener  Anschauung  kennen  gelernt,  und 
aus  denen  ich  im  Prager  Museum  keine  zu  einer  sicheren  Altersbestimmung 
genügende  Petrefactenvorräthe  gesehen  habe,  bin  ich  —  oifen  gestanden  — 
in  einiger  Verlegenheit,  wo  dieselben  am  richtigsten  einzuordnen  sein  mögen. 
Die  Prager  Geologen  betrachten  dieselben  als  genaue  Aequivalente  der 
petrefactenreichen  Schichten  von  Kieslingswalde  und  geben  ihnen  in  ihrem 
3.  Jahresberichte  in  der  Schichtenfolge  eine  Stelle  über  dem  „Plänerkalk 
vonTeplitz"  und  unter  den  ,,Baculiten-Schichten  von  Priesen*.  Ich  konnte 
mich  über  diesen  Punkt  bei  meiner  Anwesenheit  in  Prag  vor  einem  Jahre 
nicht  ganz  mit  Herrn  Dr.  Pritsch  einigen,  da  ich  jedoch  positive  strati- 
graphische  und  paläontologische  Gründe  für  meine  Idee,  dass  diese  Sand- 
steine nur  eine  veränderte  Facies  der  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  darstellen 
und  daher  als  Aequivalente  des  „oberen  Plänerkalks  von  Teplitz"  anzusehen 
sein  dürften,  noch  nicht  vorzubringen  vermochte,  so  wagte  ich  nicht  auf  der- 
selben bestimmter  zu  bestehen.  Auf  demselben  Standpunkte  stehe  ich  auch 
jetzt  noch,  und  kann  auch  jetzt  meine  Annahme  nur  als  Hypothese  hinstellen, 
die  indessen  durch  den  Umstand,  dass  der  an  vielen  Localitäten  direct  vom 
Plänerkalk  überlagerte  Grünsandstein  an  anderen  Orten,  wo  kein  Pläner- 
kalk vorkommt,  die  Basis  des  concordant  darauf  liegenden  Iser-Sandsteins 
bildet,  (vergl.  den  2.  Prager  Jahresber.,  pag.  S4)  wohl  einigermassen  unter- 
stützt wird.  Auch  dürfte  es  etwas  unwahrscheinlich  sein,  dass  Plänerkalk 
und  Iser-Sandstein,  wenn  sie  wirklich  zwei  dem  Alter  nach  verschiedene 
Formationsglieder  darstellen,  bei  ihrer  grossen  Verbreitung  nicht  irgendwo 
in  directer  Ueberlagerung  übereinander  zu  beobachten  sein  sollten.  Aehn- 
lich  ist  die  Ansicht,  welche  Gümbel  in  seiner  oft  citirten  neuesten  Schrift 
vertritt ;  er  bezeichnet  das  hauptsächlichste  petrefactenführende  Niveau  der 
Iser-Sandsteine  als  ;, glaukonitische  Gesteinsbank*  (1.  c.  p.  805)  und  be- 
trachtet diese  als  eine  „obere  Abtheilung  des  Hundorfer  Schichten- 
complexes*,  welchem  sich  auch  die  versteinerungsreichen  „Kreibitzer  Schich- 
ten* unmittelbar  anschliessen. 

Die  beiden  letzten  Horizonte  der  böhmischen  Kreide  kommen  hier 
für  uns  weniger  in  Betracht,  da  sie  in  ihren  bis  jetzt  nachgewiesenen  Aus- 
bildungsformen an  Brachiopoden  sehr  arm  sind.  Ich  führe  sie  deshalb  nur 
kurz  an.  Es  sind  der  „Cuvieri-Pläner"  und  die  untere  Eegion  der  „Quadra- 
ten-Kreide"  der  norddeutschen  Geologen. 

ö.  Die  Zone  des  Inoceramus  Cuvieri  und  Micraster  cor 
testudinarium  scheint  mir  in  Böhmen  durch  die  bekannten  petrefacten- 
reichen Baculiten-Mergel  von  Priesen,  Postelberg,  Luschitz  etc.  repräsen- 
tirt  zu  werden;  Gümbel  hingegen  stellt  letztere  bereits  in  die  folgende 
höhere  Zone  Der  Raum  gestattet  mir  nicht  auf  diese  Frage,  deren  Erör- 
terung ich  mir  für  spätere  Zeit  vorbehalte,  hier  näher  einzugehen,  als  ich 
es  schon  oben  im  Vorwort  gethan  habe ;  auch  dürften  in  diesem  Augen- 
blicke die  Materialien  zur  Entscheidung  derselben  noch  nicht  genügend 
sichergestellt  sein,  indem  dazu  namentlich  eine  s^orgfältige  Revision  der 
Bestimmungen  der  zahlreichen  aus  diesen  Schichten  angeführten  Petrefacten 
durchaus  erforderlich  ist. 

6.  Die  Zone  des  Micraster  cor  anguinum  und  Belemni- 
tes  Merceyi^  welche  in  Westphalen  in  Form  von  mergelig-saudigen,  in 
der  Gegend  von  Hannover  und  im  Vorlande  des  Harzes  in  Form  von  merge- 

19* 


148  Dr.  U.  Schloenbach.  [iO] 

ligen  und  mergelig-thonigen  Schichten,  im  Harz  selbst  und  in  Schlesien  als 
^oberer  Quader"  weite  Verbreitung  gefunden  hat,  ist  es  endlich,  welcher 
meiner  Ansicht  nach  die  jüngsten  Quaderbildungen  Böhmens  angehören. 
Diese  Deutung  stützt  sich  hauptsächlich  auf  die  Petrefactenfunde,  welche 
Herr  Dr.  Fritschin  diesem  Horizonte  am  Chlomeker  Berge  unweit  Jung- 
bunzlau  gemacht  hat  und  unter  denen  ich  einige  für  die  genannte  Zone 
charakteristische  Arten  bestimmen  konnte.  Ob  in  diesem  Niveau  auch  noch 
andere  Facies  im  böhmischen  Kreidegebiete  sich  beobachten  lassen,  ist  bis 
jetzt  nicht  sicher  bekannt ;  indessen  dürfte  Gümbel's  Ansicht,  dass  die 
petrefactenleeren  Quader  von  Gross-Skal  denen  von  Chlomek  äquivalent 
seien,  grosse  Wahrscheinlichkeit  haben,  während  ich  seiner  früher  ausge- 
sprochenen, neuerdings  aber  nicht  bestimmt  wiederholten  Annahme,  dass 
dieser  Horizont  „dem  Schichtencomplex  der  Schreibkreide  mit  Belemnitel- 
len  gleichgestellt  werden  müsse",  nicht  beistimmen  möchte  ^).  Hiermit 
schliesst  die  Schichtenfolge  der  böhmischen  Kreideformation 

Kritisches  Verzeichniss  der  Brachiopoden  der  böhmischen 

Kreide. 

Zur  Aufstellung   des  nachstehenden  Verzeichnisses  haben  mir  theils 
die  Materialien  der  ausserordentlich  reichen  Brachiopoden-Abtheilung  des 
k.  k.  Hof-Mineralien-Kabinetes,    dessen  unumschränkte  Benützung  mir  von 
Herrn  Direktor  Dr.  M.  Börnes  mit  bekannter  Liberalität  gestattet  wurde, 
theils    wiederholte  Sendungen   der  interessantesten  Arten  des   böhmischen 
National-Museums  zu  Prag   durch  meinen  Freund,   Herrn  Custos  Dr.   A. 
F  ritsch,  theils   endlich   die  in  meiner  eigenen  Sammlung  befindlichen 
böhmischen  Brachiopoden  gedient.  Die  im  hiesigen  Hof-Mineralien-Kabinete 
vorhandenen  Stücke  stammen  grösstentheils   aus  der  von  diesem  Institute 
acquirirten  Sammlung  böhmischer  Kreidepetrefacten  von  Prof.  E  e  u  s  s   her 
und  sind  daher  als  die  Originalien  der  in  dessen  Werke:    „Die  Versteine- 
rungen der  böhmischen  Kreide"  angeführten  Arten  von  besonderem  Werthe 
und  Interesse;  nur  durch  sie  ist  es  mir  möglich  geworden,  über  viele  der  in 
jenem  Werke  enthaltenen  Brachiopodenarten,  welche  nur  mit  kurzen  Bemer- 
kungen ohne    speciellere   Beschreibungen  und  Abbildungen    citirt  sind, 
mir  ein  sicheres  ürtheil  zu  bilden  und  so  die  Synonymik,   welche  wie  bei 
allen  paläontologischen  Arbeiten   über  Kreide-Versteinerungen  aus  älterer 
Zeit,  natürlich  dem  jetzigen  Stande  unserer  Kenntniss  in  vielen  Fällen  nicht 
mehr  entsprechen  konnte,   bestimmter  festzustellen.   Die  Sendungen  des 
Herrn  Dr.  Fritsch,  welche  fast  ausschliesslich  von  ihm  selbst  unter  sorg-- 
fältigster  Feststellung  der  Lagerstätten  gesammelte  Exemplare  enthielten, 
haben  namentlich  für  die  Brachiopoden-Fauna  der  untersten  Zone  der  böhmi- 
schen Kreide  interessante  Beiträge  geliefert.   Meine  eigene  Sammlung  end- 
lich enthält   namentlich  aus   den  mittleren  und  oberen  Abtheilungen  der 
Formation  sehr  zahlreiches  Material,    welches  theils   von  meinem  Vater, 
theils  von  mir  selbst  bei  Gelegenheit  unserer  geognostischen  Ausflüge  nach 
Böhmen  gesammelt  wurde. 

Ausser  den  nachstehend  besprochenen  Arten  liegen  mir  noch  einige 
offenbar  mit  keiner  derselben  übereinstimmende  Brachiopodenreste  vor,  die 
ich  indessen,  bis  zahlreichere  oder  besser  erhaltene  Exemplare  davon  vor- 

*)  Siehe  Neues  Jahrbuch  1867,  p.  668  und  Verhandl.  der  k.  k.  geol.  E.-A. 
1867,  Nr.  13    p    299. 


N-|]  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.   III.  140 

banden  sind,   nicht  zu  bestimmen  wage  und  deshalb   bei  der  Aufzählung 
übergehe. 

1.  Terehratulina  chrysalis  SchlotJi.  sp.  1813. 

1798.  Faujas  St.  Fond,  St.  Pierre,   T.  26,  F.  7-9. 

1813.  Terehratulites  chrysalis  Schloth.,  Leonh.  Taschenb.  VlI,  p.  113. 

184t).  Terebratula  striatula  Reuss,  Verst.  böhm.  Kr.  11,  p.  49, 
T.  26,  F.  2. 

1846.  Terebratula  chrysalis  Beuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  49, 
T.  26,  F.  3. 

1846.  Terebratula  Faujasi  Beuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  50. 
T.  26,  F.  4. 

1866.  Terebratulina  chrysalis  Schloenb.  Krit.  Stud.  p.  11,  T.  I, 
F.  3,  4. 

Wenn  auch  seltener,  als  die  folgende  Art,  so  ist  doch  auch 
Terebratulina  chrysalis  in  der  böhmischen  Kreide  ungemein  verbreitet,  Sie 
beginnt,  wie  diese,  zuerst  in  der  Zone  der  Trigonia  sulcataria  und  des 
Catopygus  carinatus,  in  der  sie  z.  B.  in  den  Mergeln  bei  Zbyslav  und  Ka- 
majk,  sowie  bei  Weissldrchlitz  nicht  selten  vorkommt.  Die  von  Kamajk  mir 
vorliegenden  Exemplare  stimmen  besonders  mit  jenen  Formen  überein,  die 
A.  Köm  er  (Nordd.  Kreid.)  als  T.  auriculata  und  Faujasi  beschrieben  hat. 
Zu  den  grössten  Seltenheiten  dagegen  gehört  T.  chrysalis  in  der  Reihenfolge 
der  Sandsteinschichten,  die  man  als  Plänersandstein,  Exogyren-Sandstein 
und  Grünsandstein  zu  bezeichnen  pflegt;  sie  liegt  mir  aus  solchen  nur  im 
Hof-Mineralien-Kabinet  vom  Weissen  Berge  bei  Prag  vor,  scheint  aber  der 
Gesteinsbeschaffenheit  nach  aus  mehr  mergeligen  Schichten  zu  stammen, 
die  vielleicht  nach  Gümbel's  Untersuchungen  schon  einem  höheren  Niveau 
angehören,  als  die  übrigen  Vorkommnisse  des  Plänersandsteines ;  die  drei 
Exemplare  von  dort  gehören  derselben  Varietät  an,  welche  auch  im  oberen 
Plänerkalk  Böhmens,  d  h.  also  in  der  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  und 
Spondylus  spinosus  besonders  häufig  ist  und  die  sich  durch  ihre  flache, 
breite,  nach  dem  Schnabel  hin  schlank  zugespitzte  Gestalt  und  massig  dichte 
Berippung  auszeichnet.  Zu  einer  ähnlichen  Varietät,  die  aber  feinere  und 
dichtere  Rippen  besitzt,  gehört  das  einzige  mir  aus  dem  Baculiteiithone  von 
Luschitz  vorliegende  Exemplar  im  Hof-Mineralien-Kabinet. 

2.    Terebratulina    rigida  Sow.  sp.  1829. 

1829.   Terebratula  rigida  Soiv.,  Min.  Conch.  VI,  p.  &^:i,  T.  536,  F.  2. 

1846.  „  gracilis  Beuss,    Ver^t.  böhm.  Kr.  II,  p.  49,  T.  26, 

F.  1,T.  42,  F.  24. 

1866.  Terebratulina  rigida  Schloenb.,  Krit.  Stud.  p.  17,  T.  I, 
F.   10—17. 

Terebratulina  rigida  findet  sich  in  vielen  Schiebten  der  böhmischen 
Kreide,  darunter  in  einigen  in  erstaunlicher  Häufigkeit.  Als  ihr  erstes  Auf- 
treten in  diesem  Getiiete  muss  das  Vorkommen  in  der  Zone  oes  Catopygus 
carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria  von  Kamajk  bei  Le'imeritz  bezeich- 
net werden,  welches  ich  durch  eine  Anzahl  von  Herrn  Dr.  A.  Frit  seh  zur 
Bestimmung  eingesendeter  Exemplare  kennen  gelernt  habe.  Dieselben  sind 
namentlich  auch  dadurch  interessant,  dass  sie  der  von  mir  am  oben  citirten 
Orte  beschriebenen  Varietät  d  angehören,  welche  ich  bisher  noch  nicht  aus 


150  Dr.  IT.  Schloenbach,  j-|2] 

SO  tiefen  Schichten  gekannt  hatte;  sie  sind  ausserordentlich  gut  erhalten 
und  stimmen  in  allen  Punkten  ganz  mit  dieser  sonst  vorzugsweise  in  der 
Oberregion  der  Zone  des  Scaphites  GeiniUi  mit  Spondylus  spinosus  häufig 
vorkommenden  grossen  Varietät  überein.  In  den  nächstjüngeren  Gliedern 
der  böhmischen  Kreide,  namentlich  in  dem  Pläner-  oder  gelben  Bausand- 
stein, dem  Exogyrensandstein  und  Gründsandstein,  d.  h.  also  in  den  Zonen 
des  Inoceramus  lahiatus  und  des  Amm.  Woollgarei  und  Inoc.  Brongniarti, 
ist  unsere  Art  noch  nicht  nachgewiesen,  was  wohl  hauptsächlich  in  den  Fa- 
cies-Verhältnissen  seinen  Grund  hat,  da  in  diesen  Bildungen  die  Gattung 
Terebratulina  an  den  bekannten  böhmischen  Fundorten  kaum  vorkommt. 
Dagegen  tritt  sie  in  dem  hierauf  folgenden  Schichtencomplexe,  in  der  Zone 
des  Scaphites  Geinitsi  und  Spondijliis  spinosus^  d.  h.  also  in  dem  „oberen 
Plänerkalke ''  und  in  den  Schichten,  welche  den  üebergang  von  diesem  zu 
dem  Baculitenthone  z.  B.  in  der  Gegend  zwischen  Laun  und  Postelberg  bil- 
den, in  grosser  Häufigkeit,  und  zwar  in  der  ünterregion  dieser  Bildungen 
vorzugsweise  in  kleinen,  in  der  Oberregion  fast  nur  in  grossen  Exemplaren 
auf.  Von  den  Fundorten  der  letzteren  Form  muss  besonders  der  Abhang  des 
Rannay-Berges  bei  Laun,  unmittelbar  oberhalb  der  zum  Dorfe  Leneschitz 
gehörigen  Ziegelei  hervorgehoben  werden,  wo  man  schöne  Exemplare  der- 
selben gemengt  mit  den  aus  etwas  höheren  Schichten  herabgeschwemmten, 
zahlreichen  verkiesten  Petrefacten  der  Baculithenthone  zu  Hunderten  auf- 
lesen kann.  Die  kleinere  Form  dagegen  findet  sich  ausser  in  den  Umgebun- 
gen von  Bilin  ganz  besonders  häufig  in  den  ein  wahres  Petrefacten-Conglo- 
merat  bildenden,  namentlich  auch  an  grossen  Foraminiferen  (Nodosarien, 
Dentalincn,  etc.)  reichen  Mergelkalkplatten  bei  Kostic  an  derEger  und  süd- 
lich von  Laun  gegen  Cencic  zu. 

8.  Terehratulaphaseolina  Lam.  1819. 
Taf.  V,  Fig.  1. 

1819.    Terehratulaphaseolina  Lam.,  Anim.  s.  Vert.  VI,  p.  25t. 

1846.  ?  „  hiangularis  Reuss,  Verst.  II,  p.  51. 

„  „  ovo'ides  Reuss,  Verst.  II,  p.  52. 

„  „  lentoidea  Reuss,  Verst.  II,  p.  53,  z.  Th. 

1866.  „         phaseolina  Schloenh.,  Brach,  nordd.  Genom.,  p.  42. 

In  ungemeiner  Häufigkeit  findet  sich  an  vielen  Lokalitäten  in  den  un- 
tersten Schichten  der  böhmischen  Kreideformation  die  schöne  biplicate 
Terebratel,  deren  Identität  mit  Lamarck's  T.  phaseolina,  wie  dieselbe  von 
Davidson  1)  festgestellt  ist,  ich  a.  o.  a.  0.  nachzuweisen  gesucht  habe. 
Während  dieselbe  aber  an  ihren  sächsischen  Fundorten,  namentlich  bei 
Plauen,  unweit  Dresden  gewöhnlich  eine  ziemlich  bedeutende  Grösse  er- 
reicht, bleiben  die  meisten  böhmischen  Exemplare  ungleich  kleiner  und 
schlanker,  indem  ihre  durchschnittliche  Grösse  etwa  16  Millimeter  Länge, 
131/2  Millimeter  Breite  und  8V2  Millimeter  Dicke  beträgt.  Der  Erhaltungs- 
zustand ist  meistens  ein  sehr  schöner  und  zarter,  indem  nicht  nur  die  Form 
ganz  unverletzt,  sondern  auch  die  Schalenoberfläche  so  intact  geblieben  ist, 
dass  die  feinen  radialen  Linien,  welche  namentlich  gegen  die  Seitenränder 
bemerkbar  werden,  sehr  deutlich  erhalten  sind,  in  ganz  ähnlicher  Weise, 
wie  man  diese  Erscheinung  bei  den  prachtvollen  Exemplaren  von  le  Maus 


»;  Ann.  and  Mag.  nat.  Hist.  2,  V.,  pag.  439,  Taf.  13,  Fig.  29. 


Mgi  Kleine  paläontologische  Mittheilungeii.   111.  löl 

im  Sarthe-Departement  sieht,  üebrigens  zeigen  sich  die  böhmischen  Exem- 
plare ebenso  veränderlich  in  ihren  Formverhältnissen,  wie  ich  es  bei  den 
übrigen  beschrieben  habe. 

Die  Fundorte,  von  denen  mir  aus  Böhmen  Exemplare  dieser  Art  zur 
Untersuchung  vorgelegen  haben,  sind  Korycan  (Prager  Museum  und  meine 
Sammlung)  Holubitz  (P.  M.),  Kuezivka,  Nebovid  bei  Kollin  (meine  Samml ) 
Tuchomieritz,  Deberno  (k.  k.  Hof-Min.-Kabinet).  Dieselben  gehören  alle  der 
Zone  der  Trigonia  sulcataria  und  des  Catopygus  carinatus  an  und  über- 
haupt ist  mir  Ter.  phaseolma  in  Böhmen  nicht  aus  jüngeren  Schichten 
bekannt  geworden.  Die  von  Keuss  an  den  oben  citirten  Stellen  angeführ- 
ten Fundorte  stimmen  ganz  hiermit  überein. 

4.  Terehratula  suhrotunda  Soiv.  1813. 

1813.  Terehratula  suhrotunda  Sow.,  M.  Co.  I,  p.  47z.Th.,T.  15,F.  1,2. 

„  „  suhundata  Sow.,    „     „     „    „  47,  T.  15,  F.  7. 

„  „  semiglohosa  Soiv.^  „     „    „    „  48,  T.  Ib,  F.  9. 

1846.  „  carnea  Beuss,  Verst.  böhm.  Kr.,  II,  p.  50  z.  Th 

T.  26,  F.  9—11. 

1846.  Terehratula  suhrotunda    Beuss,    Verst.  böhm.  Kr.,  II,  p.  50. 

»  „  punctata  „  „         „        „       „    „  51. 

„  „  elongata  „  „         „        „       „    „  51. 

„  „  semiglohosa      „  „  „         „       »    »  ^^i 

z.  Th.,  T.  26,   F.  5—8. 

iSA^J.  Terehratula  suhundata   Beuss,    Verst.  böhm.  Kr,  II.  p.  51. 

„  ohesa  y,  „  -       „      «     „   51. 

„  „  acuta  „  „  „       „       „    ^  51. 

1867.  „  semiglohosa    „         Gegend    zwischen    Komotau, 

Saaz,  Raudnitz  etc.,  p.  4«. 

Ich  habe  die  Gründe,  weshalb  ich  für  diese  Art  statt  des  von  David- 
son und  Orbigny  gebrauchten  Namens  T.  semiglohosa  den  ebenfalls  von 
Sowerby  herrührenden  T.  suhrotunda  vorgezogen  habe,  in  einer  kürzlich 
der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  vorgelegten  Abhandlung  über  die 
Brachiopoden  der  norddeutschen  Galeriten-Schichten,  welche  im  Januar- 
heft der  Sitzungsberichte  der  math.-naturw.  Classe  zum  Abdruck  kommen 
wird,  erörtert  und  dort  diese  Art  überhaupt  ausführlicher  besprochen,  so 
dass  ich  hier  auf  jene  Schrift  einfach  verweisen  kann.  Ich  beschränke  mich 
daher  darauf,  die  Verbreitung  der  in  ihren  Formverhältnissen  ausserordent- 
lich variablen  und  deshalb  von  vielen  Autoren  mit  einer  Menge  verschie- 
dener Namen  belegten  Ter.  suhrotunda  in  Böhmen  kurz  anzudeuten.  Nach 
den  bisherigen  Beobachtungen  erscheint  sie  hier  ausschliesslich  auf  die 
Zone  des  Scaphites  aequaUs  und  Spondylus  sp'mosus  beschränkt ;  denn  die 
wenigen  aus  den  „Baculiten-Schichten"  und  deren  Aequivalenten  bekannten 
Eeste  echter  Terebrateln  könnten  zwar  vielleicht  ebenfalls  auf  unsere  Art 
bezogen  werden,  sind  aber  zu  schlecht  erhalten,  um  eine  genauere  Bestim- 
mung zu  gestatten.  Die  Angaben  aus  anderen  Schichten  dagegen,  wie  z.  B. 
ein  Citat  der  carnea  und  semiglohosa  von  den  Schillingen  und  aus  dem 
Zizkathale  bei  Bilin  und  von  Weisskirchlitz  (Zone  der  Trigonia  sulcataria 
und  des  Catop.  carinatus)  beiReuss,  beruhen,  wie  ich  mich  an  vorliegenden 
Exemplaren  aus  jenen  Schichten  überzeugen  konnte,  wohl  ziemlich  unzwei- 


1Ö2  Dr.  ü.  Schloenbach.  [14] 

felhaft  auf  irrthümlicher  Auffassung  und  Bestimmung  ziemlich  schlecht  er- 
haltener Exemplare  einer  anderen  Art,  der  Ter.  phaseolina. 

Die  in  grosser  Häufigkeit  in  verschiedenen  Entwickelungsformen  der  Zone 
des  Scaphites  Geinüzi  und  Spondylusspinosus,  namentlich  im  „oberen  Pläner- 
kalk"  sowie  in  den  mergeligeren  Schichten,  welche  denselben  z.  B.  in  der 
Gegend  von  Laun  ucd  Postelberg  ersetzen  und  dort  meistens  schon  als  ein 
unmittelbar  unter  den  Baculitenschichten  befindliches  Glied  zum  sogenann- 
ten „Plänermergel"  gerechnet  wurden,  vorkommenden  Exemplare  der  T. 
subrotunda  stellen  alle  die  zahlreichen  Varietäten  dar,  in  welchen  diese 
Art  in  anderen  Gegenden  auftritt  •,  indessen  haben  unter  diesen  die  grossen 
gerundeten  Formen  mit  verhältnissmässig  feinem  Schnabel,  wie  sie  in. 
Norddeutschland  vorzugsweise  in  der  Oberregion  derselben  Zone  (z.  B.  in 
der  Gegend  von  Quedlinburg  am  Harz)  häufig  sind,  das  Uebergewicht ;  da- 
gegen sind  die  kleinen,  stark  gewölbten,  eckigeren  Formen,  welche  im  nord- 
deutschen Galeriten-Pläner  so  massenhaft  vorkommen,  verhältnissmässig 
Seltenheiten.  Eine  Aufzählung  der  Fundorte  der  Ter.  subrotunda  darf  ich 
mir  ersparen :  sie  fehlt  nirgends,  wo  der  Horizont,  dem  sie  angehört,  auf- 
geschlossen ist. 

5.   Mege  rleia  lima  Defr.  sp.  1828. 

1828.  Terebratula  lima  Defr.,  Dict.  LIII,  p.  156. 

1846.  ?  Terebratula  pedoralis  Reuss,  Verst  II,  p.  S2,  T.  26,  F.  12. 

18(;7.  Megerleia  lima  Schloenb.,  Brach,  nordd.  Genom.  (Geogn.-pal. 
Beitr.  I,  ;i),  p  69. 

Nach  der  Beschreibung,  die  Prof.  Reuss  an  der  oben  citirten  Stelle 
gegeben  hat,  kann  nicht  sicher  beurtheilt  werden,  ob  das  von  ihm  abge- 
bildete Exemplar  seiner  Terebratula  pedoralis  wirklich  zu  derjenigen  Art 
gehört,  welche  A.  Roemer  mit  diesem  Namen  bezeichnet  hat,  d.  h.  zu 
Megerleia  lima.  Dagegen  liegen  mir  einige  kleine  Brachiopoden  aus  dem 
oberen  Pläner,(Zone  des  Scaphites  aequalis  und  Spond.  spinosus)  von  Bilin  ' 
vor,  welche  ziemlich  sicher  als  Meg.  lima  gedeutet  werden  dürfen,  so  dass 
also  das  Vorkommen  dieser  so  ungemein  verbreiteten  Art  auch  in  Böhmen 
constatirt  erscheint;  jedenfalls  aber  ist  sie  hier  ungleich  seltener,  als 
in  Norddeutschland. 

6.    Morrisia    cf.  Suessi  Bosq. 
Taf.V,  Fig.  6,  7. 

1846.  Terebratida  lentoidea  Beuss,  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  53  z. 
Th.  (non  Leym.) 

1867.  Morrisia  sp.  Schloenb.,  Brachiop.  d.  nordd.  Genom.  (Geog.-pal. 
Beitr.  1,  3),  p.  44  Anm. 

Im  k.  k.  Hof-Mineralien-Kabinet  befinden  sich  unter  der  Etikette: 
„  Terebratida  lentoidea  Leym.  Unterer  Pläner,  Weisskirchlitz "  eine  Anzahl 
kleiner  Brachiopoden-Exemplare  vereinigt,  welche  aus  der  ßeuss'schen 
Original-Sammlung  stammen,  und  dem  Verfasser  bei  dem  obigen  Citate 
aus  den  „Versteinerungen  der  böhmischen  Kreide**  vorgelegen  haben.  Unter 
diesen  befinden  sich  ausser  .lugendformen  von  Terebratula  phaseolina  auch 
einige  winzige  otfenbar  -m  Morrisia  gehörige  Formen,  von  denen  ich  die  bei- 
den besterhaltenen  Exemplare  abgebildet  habe.  Dieselben  schliessen  sich  in 
ihren  Merkmalen  so  eng  an  die  von  Bosquet  zuerst  als  Morrisia  Suessi  aus 


Mg]  Kleine  paläontologische  Mittheilungen    III.  -153 

der  obersten  Kreide  mit  Bei.  inucronatus  von  Mae s  triebt  beschriebene 
und  nachher  auch  von  mir  aus  ähnlichen  Schichten  bei  Ahlten  in  Hannover 
nachgewiesene  Art  i)  an,  dass  ich  aus  dem  wenigen  mir  augenblicklich  zu 
Gebote  stehenden  Materiale  keine  Unterscheidungs-Merkmale  abzuleiten 
weiss;  denn  dass  die  Exemplare  der  böhmischen  Tourtia  (Zone  des  Catopy- 
gus  carinatus  und  der  Trig.  sulcataria)  die  bei  dem  jüngeren  Vorkommen 
häufig  zu  beobachtenden  ausserordentlich  zarten  Kadialreifen  nicht  erkennen 
lassen,  erklärt  sich  aus  dem  weniger  feinen  Erhaltungszustande.  Ebenso 
wenig  aber  möchte  ich  bei  der  noch  ungenügenden  Kenntniss  der  cenomanen 
Art  es  wagen,  dieselbe  ohne  Weiteres  mit  der  obersenonen  zu  identificiren 
und  lasse  daher  einstweilen  die  Species-Bezeichnung  offen,  indem  ich  hoffe, 
dass,  nachdem  einmal  auf  das  Vorkommen  aufmerksam  gemacht  ist,  weitere 
Funde  nähere  Aufklärung  darüber  geben  werden.  Auf  alle  Fälle  sind  die 
Exemplare  von  Weisskirchlitz  schon  dadurch  in  hohem  Grade  interessant, 
dass  sie  das  Vorkommen  dieser  merkwürdigen  und  seltenen  Gattung,  deren 
Auftreten  bisher  nur  bis  in  die  jüngsten  Schichten  der  Kreideformation  her- 
ab verfolgt  worden  war,  in  den  weit  älteren  tiefsten  Cenoman-Schichten 
beweisen. 

Ich  erlaube  mir,  bei  dieser  Gelegenheit  einen  Lapsus  calami  zu  be- 
richtigen, der  sich  in  der  oben  citirten,  während  meiner  Durchreise  durch 
Wien  im  März  vorigen  Jahres  nachgefügten  Anmerkung  in  den  „Brachio- 
poden  der  norddeutschen  Genom."  findet;  es  sollte  dort  nämlich  statt: 
„mit  der  von  Davidson  aus  dem  englischen  oberen  Grünsande  beschrie- 
benen'' heissen:  „mit  der  von  Davidson  aus  der  englischen  oberen  Kreide 
von  Grave send  beschriebenen."  Indesseh  scheint  Davids on's  Angabe 
(Classif.  of  Brach,  p.  72)  sich  eher  auf  eine  Form,  wie  meine  Morr.  antiqua 
(Krit.  Stud.  p.  42,  T.  2,  F.  17)  zu  beziehen,  während  die  böhmische  Art 
jener  Gruppe  angehört,  bei  welcher  der  Wirbel  der  kleinen  Klappe  keinen 
Ausschnitt  zeigt. 

7.  Magas  Geinitzi  ScJiloenhach  1866. 

1846.  Terehratula  hippopus  Beuss,  Verst.  IL  p.  52,  T.  26,  F.  14. 

1866.  Magas  Geinitzi  Schloenh.,  N.  Jahrb.  p.  575  und  Krit.  Stud., 
p.  32,  T.  2,  F.  4—8.     , 

1867.  Megerlea  lima  Reuss^  Gegend  zwischen  Komotau,  Saaz  etc., 
p.   33. 

1867.  Magas  Geinitzi  Schloenh,,  Brachiop.  Genom.  (Geogn.-pal. 
Beitr.  I,  3)  p.  74. 

Die  Verbreitung  dieser  von  mir  früher  ausführlich  besprochenen  Art 
in  der  böhmischen  Kreide  ist  eine  grosse.  Auffallend  ist  es,  dass  sie  dort  in 
Schichten  von  entschieden  cenomanem  Alter,  in  denen  sie  im  nordwest- 
lichen Deutschland  ihr  Hauptlager  hat,  nur  als  Seltenheit,  und  zwar  bei 
Klein-Herrendorf  (Knezivka)  und  in  einem  sehr  zweifelhaften  Exemplare 
bei  Kamajk  nachgewiesen  werden  konnte.  Dagegen  ist  sie  in  den  jüngeren 
Schichten  überall  verbreitet;  so  tritt  sie  namentlich  im  Plänersandstein 
(Zone  des  Inoc.  lahiatus  und  dem  diesem  äquivalenten  grauen  Kalkstein 
ßeussl   bei  Cencic,  bei  Hradek,  Tfiblitz  und  Opocna  auf,   im  Exogyren- 


^)  Bosquet,  Monogr.    d.  Brach.   Foss.    d.    terr.  Cret.   d.   Limb.,  \i.  49,   T.  V, 
F.  13—18  und  Schloenh.,  Krit.  Stud.  p.  41,  T.  II,  F.  14-16. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  lleichaanstalt.  1868  18.  Band.  I.Heft-  '^^ 


154  Dr.  U.  Schloenbach.  ijlßj 

Sandstein  und  Grünsandstein  (Zone  des  Amm.  Woollgarei),  namentlich  im 
ersteren,  bei  Lobkowitz,  Malnitz,  Laun,  Neuschloss,  Drahomischl ;  im  oberen 
Plänei*  (Zone  des  Scaph.  Geinitzi)  von  Kutschlin,  von  Vehlovice  und  vom 
Hoblik  bei  Laun  ;  auf  secundärer  Lagerstätte  in  dem  tertiären  Pyropen- 
Conglomerate  von  Meronitz;  sowie  endlich  in  dem  jüngsten  Horizonte 
der  böhmischen  Kreide,  dem  oberen  Quader  von  Chlomek  bei  Jungbunzlau 
(Zone  des  Micr.  cor  anguinum). 

Die  sonstige,  ebenfalls  sehr  grosse  verticale  und  horizontale  Ver- 
breitung des  Magas  GeiniUi  habe  ich  an  den  oben  citirten  Stellen  genauer 
angegeben. 

8.  Magas  striolaris  Scliloenb.  sp.  nov.  1868. 
Taf.  V,  Fig.  2—5. 

Diese  kleine  mit  Magas  spathulatus  Wahl.  sp.  9,  Magas  orthiformis 
Ärch.  sp.  ^)  und  Magas  Davidsoni  Bosq.  ^)  nahe  verwandte  Art  unterschei- 
det sich  gleichwohl  von  allen  diesen  dreien  durch  wohl  erkennbare  Merk- 
male, obgleich  aus  der  wenn  auch  nur  geringen  Anzahl  vorhandener  Exem- 
plare eine  nicht  unbedeutende  Variabilität  derselben  hervorgeht.  Eben 
wegen  dieser  Veränderlichkeit  ist  aber  die  Aufstellung  einer  guten  Diagnose 
ziemlich  schwierig.  Halten  wir  uns  zunächst  an  die  Form,  welche  die  Mehr- 
zahl der  vorhandenen  Exemplare  zeigt,  so  muss  Magas  striolaris  als  eine 
kleine  Art  v«n  eckigem  Umriss  bezeichnet  werden,  deren  Breite  der  Länge 
nahezu  gleichkommt  oder  dieselbe  etwas  übertrifft ;  nur  selten  tritt  der  um- 
gekehrte Fall  ein.  Die  Gestalt  nähert  sich  derjenigen  eines  Paralleltrapezes, 
dessen  kleinere  parallele  Seite  dem  Stirnrande  der  Muschel,  die  grössere 
dem  Schlossrande  derselben  entspricht,  während  die  nicht  parallelen  Seiten 
die  Seitenkanten  darstellen  ;  Stirnrand  und  Seitenkanten  gehen  gerundet 
in  einander  über,  während  der  gerade  Schlossrand  mit  den  Seitenkanten 
scharfe  Ecken  bildet.  Die  Schalenoberfläche  ist  fast  glatt  und  nur  mit 
äusserst  zarten,  symmetrisch  zu  beiden  Seiten  des  glatten  Medianraumes  ge- 
ordneten Radiallinien  geziert,  deren  Zahl  auf  jeder  Seite  etwa  3 — 5  beträgt. 
Die  Perforation  der  Schale  ist  ähnlich  wie  bei  Magas  spathulatus^  also  ver- 
hältnissmässig  dichter,  als  bei  M.pumilus. 

Die  kleinere  ßückenklappe  ist  fast  ganz  flach  und  zeigt  nur  eine 
schwache,  wellige  Längserhöhung  in  der  Mittellinie.  Die  grössere  Klappe 
dagegen  ist  hoch  gewölbt  und  steht  mit  ihrem  Schnabelrande  weit  von  der 
Schlosslinie  der  kleinen  ab.  Die  grosse  Area  des  Schnabels,  welcher  nur 
ganz  rudimentäre  Deltidialplatten  besitzt,  wird  in  noch  höherem  Grade,  als 
bei  Magas  spathulatus,  fast  ganz  von  dem  ausserordentlich  grossen  Foramen 
eingenommen. 

Das  Innere  beider  Klappen  ist  sehr  bemerkenswevth.  Die  kleinere  be- 
sitzt einen  breiten  stark  entwickelten  Schlossapparat,  dessen  Zahngruben 
ganz  am  Rande  stehen  und  der  demjenigen  von  Magas  spathulatus  und 


^)  Anomiles  spathulatus  Wahl.,  Nov.  Act.  Upsal.  VIII,  p  62,  T.  4.  F.  10,  11; 
Vergl.  auch  Schloeiib.,  Krit.  Stud.  p.  3S. 

^)  Tereiratula  orthiformis  Arch.,  in  Mem.  Soc.  geol.  Fr.  2,  II,  p.  333,  T,  22, 
F.  4;  Vergl.  auch  Davidson,  Cret.  Brach.,  p.  23,  Nute  1,  und  Schloenbach,  Krit. 
Stud.,  p.  29. 

^)  Magas  Davidsoni  Bosq.,  Nouv.  Brach.  Cret.,  p.  5  (199),  F.  3,  4  (unter  dem 
Namen  Arg,  Davidsoni)  und  Ann.  and  Mag.  Nat    Hist.,  Dec.  1855. 


r|71  •  Kleine  p.iläontologischp  Mittheilungen.  III.  15JJ 

Davidsoni  ungemein  ähnlich  ist;  von  ihm  geht  ein  äusserst  kräftiges  Dor- 
salseptum  aus,  welches  sich  bis  über  die  Mitte  der  Länge  hinaus  erstreckt 
und  senkrecht  über  dem  Endpunkte  am  höchsten  ist,  so  dass  es  die  Form 
eines  rechtwinkeligen  Dreieckes  hat,  dessen  längere  Kathete  die  Berührungs- 
linie mit  dem  Boden  der  Klappe  ist,  während  die  Hypothenuse  eine  etwas 
concav  ausgeschweifte  Linie  bildet.  Die  oberen  Lamellen,  welche  sich  bei 
den  verwandten  Arten  an  der  Spitze  dieses  Septums  befinden,  sind  bei  allen 
vorhandenen  Exemplaren  des  Mayas  striolaris  abgebrochen.  Die  unteren 
Lamellen  sind  sehr  massiv ;  sie  gehen  in  schwacher  Krümmung  zu  beiden 
Seiten  des  Septums  ziemlich  nahe  bei  einander  von  der  Schlossplatte  aus 
und  sind  mit  ihren  vorderen  Enden  unmittelbar  unter  der  Spitze  des  Sep- 
tums befestigt;  dornartige  Fortsätze,  wie  sie  z.  B.  an  der  Zeichnung  bei 
Suess,  (Classific.  der  Brachiopoden  von  Davidson,  T.  2,  F,  17  b)  in  nächster 
Nähe  des  Anheftungspunktes  an  der  Schlossplatte  zu  bemerken  sind,  sind 
an  unserer  Art  nicht  wahrzunehmen.  Die  grössere  Klappe  besitzt  an  ihren 
Schlossrändern  zwei  ziemlich  kräftige  Zähne,  vermittelst  deren  die  Einlen- 
kung  in  die  kleine  Klappe  bewirkt  wird;  zwischen  diesen  zieht  sich  am 
ganzen  Schnabelrande  entlang  eine  breite  wulstartige  Verdickung,  welche 
namentlich  in  der  Mitte  am  stärksten  ist,  von  wo  aus  sich  gegen  die  Stirn 
hin  eine  bis  über  die  Mitte  der  Länge  hinaus  reichende  feine  Erhöhung 
hinabzieht,  zu  deren  Seiten  sich  die  undeutlichen  Muskeleindrücke  be- 
finden. 

Die  äusserst  zarten  Präparate,  welche  alle  diese  eben  beschriebenen 
Merkmale  erkennen  lassen,  verdanke  ich,  wie  überhaupt  alle  mir  zur  Un- 
tersuchung vorliegenden  Exemplare  dieser  interessanten  Art,  der  gefälligen 
Mittheilung  des  Herrn  Dr.  A.  F ritsch;  sie  gehören  dem  böhmischen 
National-Museum  zu  Prag  an. 

Die  Unterscheidungs-Merkmale  des  M.  striolaris  ergeben  sich 
grösstentheils  wohl  schon  aus  der  obigen  Beschreibung,  M.  spathulatus  zu- 
nächst, welcher  seinem  inneren  Bau  nach  weniger  genau  bekannt  ist,  lässt  sich 
mit  unserer  Art,  wegen  seiner  abweichenden,  rundlicheren  Umrisse  und 
wegen  des  Mangels  der  feinen  Radiallinien,  um  deren  Willen  ich  für  die  böh- 
mischen Vorkommnisse  die  Species-Bezeichnung  striolaris  vorgeschlagen 
habe,  nicht  leicht  verwechseln.  Magas  orthiformis  besitzt  viel  grössere  Del- 
tidial-Platten  und  ein  viel  kleineres  Foramen  sowie  einen  der  böhmischen 
Art  fehlenden  Sinus  der  grösseren  Klappe ;  letzterer  Charakter  kommt  eben- 
falls der  Maestrichter  Art  M.  Davidsoni  zu,  deren  Dorsalseptum  überdiess 
ganz  verschieden  von  dem  der  unserigen  geformt  ist. 

Die  Zahl  der  mir  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Exemplare  von  Magas 
striolaris  beträgt  nur  7. 

9.    Thecidium  vermiculare  Schloth.  sp.  1813. 
Taf.  V,  Fig.  8. 

i798.  Terebratule  quiparaU  inedite  Faujas,  Mont.  St.  Pierre,  p.  160, 
T.  26,  F.  12. 

1813.  Terebratulites  vermicularis  Schloth.,  Leonh.  Min.  Taschenb.  VII, 
p.  113. 

1867.  Thecidium  vermiculare  Schloenh.,  Brach,  nordd.  Genom.,  p.  82 

Herrn  Dr.  Ant.  Fritsch's  Verdienst  ist  es,  das  Vorkommen  dieser 
in  den  verschiedenen  Kreidegebieten  so  ausserordentlich  verbreiteten  Art 

20* 


156  Dr.  U.  Schloenbach.  [18] 

zuerst  auch  für  Böhmen  nachgewiesen  zu  haben.  Er  entdeckte  dieselbe  in 
der  Zone  des  Catopygus  carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria  bei  Kamajk 
unweit  Leitmeritz.  Unter  den  mir  gütigst  übersendeten  Exemplaren,  die 
sämmtlich  sehr  junge  noch  nicht  zur  gehörigen  Reife  entwickelte  Individuen 
darstellen,  befinden  sich  zwei  kleinere  und  zwei  grössere  Klappen,  letztere 
sind  mit  dem  grössten  Theile  ihrer  Aussenseite  auf  Oberklappen  von  Crania 
gracilis  aufgewachsen.  Beide  Klappen  stimmen  in  allen  ihren  Merkmalen 
vortrefflich  namentlich  mit  den  von  mir  untersuchten  kleinen  Exemplaren 
aus  den  äquivalenten  Schichten  von  Plauen  bei  Dresden  überein  und  ich 
zweifle  daher  nicht  an  der  specifischen  Identität  mit  denselben. 

10.  Thecidium  sp. 
Taf.  V,  Fig.  9. 

Offenbar  einer  anderen,  als  der  eben  besprochenen  Art,  gehört  eine 
dritte  kleinere  Klappe  eines  Thecidium  aus  der  Tourtia  von  Kamajk  an, 
welche  ich  gleichfalls  der  Güte  des  Herrn  Dr.  A.  Fritsch  verdanke  und 
von  der  ich  in  Fig.  9  meiner  Tafel  eine  Abbildung  gegeben  habe.  Wenn 
auch  dieses  Exemplar  sich  ebenfalls  als  ein  noch  nicht  vollständig  ent- 
wickeltes zu  erkennen  gibt,  so  sind  doch  die  Unterschiede  von  TJiecidium 
vermiculare  bei  gleicher  Altersstufe  so  grosse,  dass  ein  Uebergehen  der 
einen  Form  in  die  andere  wohl  nicht  gut  denkbar  ist.  Die  abweichenden 
Merkmale  der  in  Rede  stehenden  Art  von  den  damit  vorkommenden  Exem- 
plaren des  TJiec.  vermiculare,  sehe  ich  namentlich  zuerst  in  dem  viel  feiner 
gekörnten  Limbus ;  während  sodann  der  Brachialapparat  bei  TJi.  vermiculare 
einen  von  der  Stirn  ausgehenden  breiten,  längs  seiner  Mitte  sehr  vertieften 
Hauptstamm  zeigt,  der  selbst  bei  dieser  geringen  Grösse  bereits  die  An- 
deutungen der  seitlichen  Digitationen  erkennen  lässt,  besitzt  unsere  Art 
einen  sehr  schmalen  leistenartigen  Hauptstamm  ohne  Vertiefung  in  der 
Mitte  und  ohne  Digitationen,  ähnlich  wie  wir  ihn  namentlich  bei  vielen 
jurassischen  Thecidien  kennen.  Auch  die  Gestalt  ist  verschieden :  bei  Thec. 
vermiculare  mehr  viereckig,  bei  der  anderen  Art  mehr  dreieckig. 

Ich  wüsste  hiernach  die  Art  von  Kamajk  nicht  mit  irgend  einer  be- 
kannten Art  zu  identificiren,  möchte  aber  noch  weniger  auf  so  geringes 
Material  hin  dieselbe  mit  einem  neuen  Namen  belegen.  Indessen  glaubte  ich 
doch  bei  der  Seltenheit  der  Thecidien  in  der  böhmischen  Kreide  das  Vor- 
kommen nicht  unerwähnt  lassen  zu  dürfen. 

11.  Rhynchonella  dimidiata  Sow.  sp.  1821. 

1821.   Terelratula  dimidiata  Sow.,  M.  C.  III.,  p.  138,  T.  277,  F.  S. 
1846.         „         depressa  Beuss,  Verst.  II.  p.  46  z.  Th.  (non  T.  25,  F.  9.) 
„  „         rostrata Reuss ,        „  p.  46,  T.  42,  F.  25. 

„  „         latissima  Beuss ,      „         p.  47. 

„  „         gallina  Beuss,         „         p.  47,  T.  25,  F.  1. 

1867.  Bhynchonella  ala  Beuss,       „  (yQg.  zw.  Komotau  etc.  p.  35. 
„        Bhynchonella  dimidiata  Schloenh.,  Brach,  nordd.  Genom  (Geogn.- 
pal.  Beitr.  I,  3)  p.  86,  T.  3,  F.  1—3. 

Professor  Reuss  erkannte  schon  1846  sehr  richtig  das  Wesen  dieser 
ausserordentlich  veränderlichen  Form  ,  insofern  er  seine  T.  depressa,  ro- 
strata, latissima  und  gallina  als  in  einander  übergehend  und  daher  als 
Unterarten   zu  einer  und  derselben  Species  gehörig  betrachtete ;   nur  darin 


Mgi  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  III.  1S7 

möchteich  mich  ihm  nicht  anschliessen,  dass  er  auch  seine  stets  mir  in  höheren 
Schichten,  d.  h.  in  den  Aequivalenten  der  Zonen  des  Inoceramus  labiatus 
und  des  Ämm.  Woollgarei  vorkommende  alata  ebenfalls  mit  zu  derselben 
Art  rechnete.  Letztere,  die  ich  nachstehend  als  Khynchonella  hohemica  be- 
sprochen habe,  möchte  ich  für  eine  besondere  Art  halten. 

Ehynchonella  dimidiata  kommt  nach  meinen  Erfahr  ungen  in  Böhmen 
gerade  so  wie  in  Sachsen  nur  in  dem  unteren  Horizonte  der  dortigen  Kreide- 
formation und  zwar  ziemlich  häufig  und  ausserordentlich  verbreitet  und  in 
allen  jenen  zahlreichen  Varietäten  vor,  die  ich  von  Plauen  bei  Dresden  be- 
schrieben habe ;   sie  characterisirt  also  hier  wie  dort  in    ausgezeichneter 
Weise  die  Zone   der  Trigonia  sulcataria  und  des  Catopygus  carinaUis  bei 
Deberno  ,  Hollubitz,  Wodolka,  Kutschlin,  Bilin,  Grossdorf,  Klein  -  Herren- 
dorf, Zbyslav,  Kamajk,  Korycan,  etc.  Besonders  schön  und  gross,  ganz  an 
die  prachtvollen,  als  T.  gallina  und  latissima  von  Tournay  und  Essen  aus 
dem  gleichen  Horizonte  beschriebenen  Formen  erinnernde  Exemplare  finden 
sich  an  den   „Schillingen"   bei  Bilin,  sowie  bei  Zbyslav  und  Kamajk;    bei 
Klein -Herrendorf  lassen  sich  namentlich  schöne  Uebergangsstufen  zwischen 
den  fein-  und  grob  -  gerippten  Varietäten  sammeln,  welche  letzteren  vorzugs- 
weise in  den  Hippuriten  -  Conglomeraten  bei  Korycan  vertreten  sind. 

12.  Rhynchonella  Mantellana  Sow.  sp.  1825. 

1825.  Terebratula  Mantelliana  Soiv.,  M.  C  VI,  p.  72,  T.  537,  F.  5. 

1846?  Terebratula  Mantelliana  Reuss,  Verst.  IL,  p,  47  z.  Th. 

1867.  RhyncJhonella  MaiiteUana  Schloenh.,  Bmch.  nordd  Genom.  (Geogn.- 
pal.  Beitr.  I.  3)  p.  94,  T.  3,  F.  1 1 . 

Ich  konnte  nur  wenige  sehr  schlecht  erhaltene  Ehynchonellen  aus  der 
Zone  des  Catopygus  carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria  Böhmens  unter- 
suchen, welche  wahrscheinlich  dieser  Art  angehören.  Ebenso  dürfte  das  von 
R  e  u  s  s  am  angeführten  Orte  citirte  Vorkommen  in  den  untersten  Pläner- 
Schichten  vom  Boren  und  den  Schillingen  bei  Bilin  sowie  in  den  Conglo- 
merat- Schichten  von  Teplitz  —  Bildungen  vom  Alter  der  Zone  des  Catopygus 
carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria  —  hieher  zu  rechnen  sein,  während  die 
übrigen  dort  genannten  Fundorte  sich  wohl  eher  auf  eine  Varietät  der  Rhyn- 
chonella Cuvieri  beziehen  möchten. 

13.  Rhynchonella  hohemica  Schloenh.  sp.  nov,  1868. 
Taf.  V,  Fig.  JO. 

1846.  Terebratula  alata  Reuss,  Verst.  II,  p.  45,  T.  25,  F.  3"-8  ; 
T.  42,  f.  26. 

1867.  Rhynchonella  ala  Reuss,  Gegend  zwischen  Kommotau,  Saaz 
etc.  p.  33. 

1867.  Rhynchonella  vespertilio Krejci,yerla.  der  geologischen  Reichs- 
anstalt, Nr.  10,  pag.  207. 

1867.   Rhynchonella  vespertilio  Gümb.,  Neues  Jahrbuch,  p.  666. 

1867.  Rhynchonella  alata  Gümb..,  Neues  Jahrbuch,  p.  797,  801, 
803,  804. 

Diese  in  Böhmen  in  ausserordentlicher  Häufigkeit,  namentlich  im 
Exogyren-Sandstein,  aber  auch  bereits  nicht  selten  im  Plänersandstein  und 
zuweilen  auch  noch  im  Grünsandstein  (z.  B.  bei  Laun)  auftretende  Art 
scheint  mir  noch  von  keinem  der  bisherigen  Autoren  richtig  erkannt  zu  sein. 


158  ^  Dt.  U.  Schloenbach. 


[2Ö] 


Sie  vereinigt  in  sich  gewisse  Merkmale  von  allen  jenen  Arten,  mit  deren 
Namen  man  sie  der  Reihe  nach  belegt  hat,  ohne  jedoch  in  ihrem  ganzen 
Charakter  mit  einer  derselben  vollständig  übereinzustimmen. 

Die  Beschreibung  dieser  Art,  welche  E  e  u  s  s  in  seinem  grossen  Werke 
über  die  Versteineruno:en  der  böhmischen  Kreideformation  veröffentlicht 
hat,  ist  vortrefflich;  ich  habe  derselben  Nichts  hinzuzufügen,  und  muss  nur 
die  Gründe  darlegen,  welche  mich  gezwungen  haben,  der  Art  —  abweichend 
von  den  bisherigen  Autoren  —  einen  neuen  Namen  zu  geben.  Wenn  ich  als 
solchen  den  Namen  Bhynchonella  hohemica  in  Vorschlag  bringe,  so  ge- 
schieht dies  deshalb,  weil  unsere  Art  für  die  böhmische  Entwickelungsform 
der  Zonen  des  Inoceranms  labiatus  und  besonders  des  Ämmonites  Woollgarei 
und  Inoceramus  Brongniarti  selir  charakteristisch  ist,  nicht  aber  will  ich 
damit  andeuten,  BhynchoneUa  hohemica  sei  nach  den  bisherigen  Beobach- 
tungen auf  die  Kreide  Böhmens  beschränkt. 

Terebratula  alata  Lam.  i ),  mit  welcher  unsere  in  Rede  stehende  böh- 
mische Art  zuvörderst  identificirt  worden  ist,  stimmt  nach  Davidson  »), 
welcher  Gelegenheit  hatte,  die  Originale  der  Lamarck'schen  Arten  zu 
untersuchen,  specifisch  mit  der  schon  vorher  als  Anomia  vespertilio  von 
Brocchi  beschriebenen  Bhynchonella  üh&vQm.  Wenn  nun  auch  eine  nahe 
Verwandtschaft  der  böhmischen  Art  mit  der  in  Frankreich  etwas  jüngeren 
Schichten  angehörigen  Bhynchonella  vespertilio  nicht  zweifelhaft  sein  kann, 
so  scheint  mir  doch  die  ausgezeiciinet  dreilappige  Gestalt  der  letzteren  mit 
ihren  scharf  ausgeprägten  Flügeln  ein  bei  Bhynchonella  hohemica  nie  vor- 
kommendes, so  auffallendes  und  constantes  Merkmal,  dass  ich  die  Ver- 
einigung mit  dieser  Art  nicht  thunlich  halten  möchte.  Es  erhellt  hieraus, 
dass  weder  der  Name  Bhynchonella  alata  Lam.  sp.,  noch  Bhynchonella  ve- 
sjjertilio  Brocchi  s}).  für  unsere  Art  in  Anwendung  gebracht  werden  kann. 
Eben  so  wenig  halte  ich  aber  die  Wahl  des  Namens  Bhynchonella  ala  MarJd. 
s/;.  für  zulässig.  Terebratula  ala  MarJcL  wurde  zuerst  von  Bronn  s)  mit 
ausdrücklicher  Bezugnahme  auf  Exemplare  aus  der  Kreide  von  Mörby  in 
Blekinge  (Scandinavien)  veröffentlicht,  welche  er  durch  Mar  kl  in  unter 
diesem  Namen  erhalten  hatte  und  die  mit  Nilsso  n's  Abbildung  von  T. 
alata  (non  T.  alata  Lam.)  übereinstimmten.  Durch  die  Gefälligkeit  des 
Herrn  Cammerraths  v.  Strombeck  in  ßraunschweig  habeich  Gelegenheit 
gehabt,  einige  den  Nilsson'schen  Figuren  genau  entsprechende  Exemplare 
zu  vergleichen,  und  mich  zu  überzeugen,  dass  diese  der  jüngsten  Kreide  der 
Ostseeländer  —  also  ungleich  jüngeren  Schichten  als  unsere  Art  der  Zone 
des  Amm.  Woollgarei  —  angehörige  Form  der  Bhynchonella  octoplicata 
weit  näher  steht  und  jedenfalls  schon  wegen  ihrer  viel  flacheren  und  breiteren 
Rippen  nicht  mit  Bhynch.  hohemica  identificirt  werden  kann ;  auch  erreicht 
die  böhmische  Art  bei  Weitem  nicht  so  bedeutende  Grösse,  wie  die  bal- 
tische. Von  anderen  bekannten  Bhynchonellen  der  Kreideformation  wären 
wohl  besonders  Bh.  Lamarekana  Orh.,  Bhynch.  Cuvieri  Orh.,  Bhynch. 
octoplicata  Soiv.  sp.,  Bh.  Eudesi  Coq.'*)  mit  unserer  Art  zu  vergleichen. 
Bhynchonella  Lamarekana,  eine  in  den  jüngeren  Cenoman-Schichten  des 
westlichen   Frankreichs   verbreitete  und  häufig   vorkommende  Art,  zeichnet 


')  Lam.  An.  s.  Vert.  VI,  p.  254;  1819. 

-)  Ann.  and  Mag.  Nat.  Eist.,  2,  V,  p.  443,  T.   i4,  P.  43;  1850. 

')  Leth.  geogn.,  1.  Aufl.  1837,  II,  p.  64.d. 

*)  Coquand,  Synopsis,  p.  89. 


\*li]  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  III.  1  Ö9 

sich  durch  ihren  wenig  gekrümmten,  spitzen  Schnabel,  durch  die  Feinheit 
ihres  Foramens  und  durch  ihre  länglich-dreieckige  Gestalt  in  leicht  erkenn- 
barer Weise  aus,  lauter  Eigenschaften,  in  Bezug  auf  welche  die  böhmische 
Art  sich  sehr  constant  abweichend  zeigt.  Die  Unterschiede  der  Letzteren 
von  BJi.  Cuvieri  liegen  namentlich  in  der  weit  kräftigeren  Entwickelung 
des  Schnabels  und  in  der  starken  Ausbildung  und  gleichmässigen  Vertiefung 
des  Sinus,  welcher  letztere  überhaupt  ein  sehr  charakteristisches  Merkmal 
der  Bhynchonella  boTiemica  ist.  In  dieser  Beziehung  zeigt  Rh.  odoplicata 
mit  derselben  grosse  Aehnlichkeit;  indessen  lässt  sich  letztere  durch  ihre 
flacheren  Eippen  und  gerundeten  Arealkanten  leicht  unterscheiden.  Rhyn- 
chonella  Eudesi  endlich  besitzt  ungleich  zahlreichere  Rippen  und  ist  in  der 
Regel  weit  stärker  gewölbt;  sie  wird  von  vielen  Geologen  nur  als  Varietät 
von  Rh.  vespertilio  betrachtet,  in  deren  Begleitung  sie  sich  im  westlichen 
Frankreich  findet. 

Obgleich  also  meiner  Ansicht  nach  ein  verwendbarer  Name  für  unsere 
Gattung  noch  nicht  vorhanden  ist,  scheint  mir  die  Verbreitung  derselben  doch 
eine  nicht  so  geringe  zu  sein,  als  man  hiernach  fast  anzunehmen  geneigt  sein 
möchte.  Es  liegen  mir  nämlich  eine  Anzahl  von  Exemplaren  einer  Rhynclio- 
nella  aus  der  Zone  des  Amm.  Wollgarei  von  St.  Saturnin  (Sarthe-Depart.) 
vor,  welche  in  jeder  Beziehung  vortrefflich  mit  den  böhmischen  Exemplaren 
übereinstimmen;  ich  verdanke  dieselben  L.  Saemann,  der  sie  mir  s.  Z. 
ohne  Spezies-Bestimmung  zusendete.  Ich  zweifle  nicht,  dass  es,  wenn  man 
einmal  auf  die  Merkmale  dieser  Art  aufmerksam  geworden  ist,  ohne  Mühe 
gelingen  wird,  sie  auch  von  anderen  analogen  Localitäten  Frankreichs  nach- 
zuweisen ;  in  Deutschland  habe  ich  sie  dagegen  trotz  meinen  eifrigsten  Nach- 
forschungen nur  aus  den  genannten  Bildungen  Böhmens,  sowie  der  Gegend 
von  Regensburg  kennen  gelernt. 

14.  Rhynchonella  Cuvieri   Orb.  1847. 

1846.  Terehrahda  pisum  Reuss,  Verst.  II,  p.  48,  T.  25,  F.  17—20. 
{non  Lam.) 

1846.  Terebratula  Mantelliana  Reuss,  Verst.  II,  p.  48  z.  Th., 
T.  25,  F.  21,  22.  (non  Sotv.) 

1847.  Rhynchonella  Cuvieri  Orb.,  Cret.  IV.  p.  39,  T.  497,  F.  12-15. 

15.  Rhynchonella  plicatilis  Sow.sp.  1816. 

1816.  Terebratula  plicatilis  Sow.,  M.  C.  II,  p.  37,  T.  1 18,  F.  !. 

1846.  „  „         Reuss,  Verst.  II,  p.  47,  T.  25,  F.  10—13. 

w  „  octoplicata    Reuss ,    Verst.    II,    p     48 ,    T.    25, 

F.  14-16. 

Nachdem  ich  mich  über  die  Auffassung  dieser  beiden  Arten,  über  ihre 
Begrenzung  gegen  einander  und  gegen  andere  verwandte  Formen,  über  ihre 
Verbreitung  und  ihre  Synonymik  in  einem  kürzlich  der  kais.  Academie  der 
Wissenschaften  überreichten  Aufsatze  „über  die  norddeutschen  Galeriten- 
Schichten  und  ihre  Brachiopoden-Fauua"  ausführlicher  ausgesprochen  habe, 
kann  ich  mich  hier  wie  bei  der  Ter.  subrotunda  auf  eine  kurze  Angabe  der 
Verbreitung  derselben  im  Gebiete  der  böhmischen  Kreide  beschränken. 

Beide  Arten  treten  mit  Sicherheit  zuerst  auf  in  dem  oberen  Pläner- 
kalk  und  dessen  Aequivalenten,  d.  h.  also  in  der  Zone  des  Scaphites  Geinitd 
und  Spond.  sp'mosus;   sie  finden  sich  hier  in  ausserordentlicher  Häufigkeit, 


160  l^r.  ü.  Schloenbach,  |22| 

variiren  aber  trotzdem  nicht  sehr,  sondern  gehören  weitaus  der  Mehrzahl 
nach  den  typischen  Formen  an ;  indessen  bekommt  Rh.  Cuvieri  zuweilen 
etwas  gröbere  Rippen  und  solche  Exemplare  sind  es,  welche  gewöhnlich  als 
„Ter.  ilfaw^e^^mwa"  bezeichnet  wurden.  Von  Rhynchonella  plicatüis  sind  es 
besonders  die  bei  Davidson,  Cret.  Brach.,  T.  10,  F.  1  —  10  dargestellten 
Formen,  welche  in  Böhmen  auftreten. 

Auffallend  ist  es,  dass  beide  Arten,  welche  in  anderen  Gegenden  eine 
sehr  grosse  verticale  Verbreitung  besitzen,  in  Böhmen  fast  ausschliesslich 
auf  das  oben  bezeichnete  Niveau  der  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  beschränkt 
erscheinen;  für  Bh.  Cuvieri  wenigstens  konnte  bisher  nocli  kein  anderes  Vor- 
kommen nachgewiesen  werden,  während  allerdings  Bh.  plicatilis  nach  vor- 
liegenden Steinkernen  im  oberen  Quader  des  hohen  Schneeberges  bei 
Tetschen  und  von  Kreibitz  vorzukommen  scheint,  welche  möglicher  Weise  dem 
Niveau  des  Micr.  cor  anguiuum  äquivalent  zu  setzen  sind.  Eine  Aufzählung 
der  Fundorte  dürfte  überflüssig  sem ;  beide  Arten  finden  sich  überall,  wo 
die  Zone  des  Scaph.  Geinitzi  entwickelt  ist. 

16.  Crania  Parisiensis  Defr.   1818. 
Taf.  V,  Fig.  11. 

1818,  Crania  Parisiensis  Defr..,  Dict.  II,  p.  313,  no.  3. 

1846.       „       Parisiensis  Beuss,  Verst.  II,  p.  53. 

1866.  „  Parisiensis  ScMoenh.,  Krit.  Stud.,  p.  57,  T.  3,  Fig. 
18—22. 

Von  dieser  in  der  obern  Kreideformation  so  sehr  verbreiteten  Art, 
welche  ich  selbst  1866  aus  allen  Schichten  vom  Galeriten -Pläner  (Zone 
des  Ämm.  WooUyarei  und  Inoc.  Brongn'mrti)  aufwärts  bis  in  die  jüngsten 
Kreide -Ablagerungen  nachweisen  konnte,  befindet  sich  im  k.  k.  Hof -Mine- 
ralien -  Kabinet  eine  wohl  mit  genügender  Sicherheit  bestimmbare ,  auf  eine 
Austernschale  festgewachsene  Unterklappe ,  welche  von  Herrn  Professor 
Reuss  an  der  Localität  „Schillinge"  bei  Bilin  in  dem  dortigen  „unteren 
Plänerkalk"  (Zone  des  Catopygus  carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria) 
gesammelt  wurde.  Es  ist  dies  Exemplar  eins  von  jenen,  welche  demselben  bei 
seinem  obigen  Citat  dieser  Art  vorgelegen  haben ;  die  übrigen  dort  citirten 
Exemplare  scheinen  sich  in  andern  Sammlungen  zu  befinden.  Das  dort 
gleichfalls  citirte  Vorkommen  von  Grossdorf  entspricht  demselben  geolo- 
gischen Horizonte. 

Die  mir  vorliegende  Unterklappe  ist  18  Millim.  breit  und  14  Millim. 
lang ;  der  granulirte  und  von  ziemlich  groben  Poren  durchbohrte  Saum  (lim- 
hus)  ist  namentlich  an  der  Stirn  sehr  breit  und  der  Durchmesser  der  ver- 
vertieften inneren  Fläche  (cUscus)  beträgt  daher  nur  1 2  Millim.  Breite  bei 
9  Millim.  Länge,  üebrigens  stimmen  alle  Merkmale  sehr  genau  mit  dem 
Von  Eug.  Deslongchamps  aus  viel  jüngeren  Schichten,  nämlich  aus  der 
Zone  des  Micraster  cor  testudinarium  von  la  Faloize  (Somme),  beschrie- 
benen und  abgebildeten  Vorkommen  ')  überein  und  kann  ich  mir  daher  er- 
sparen, [hier  in  eine  genauere  Beschreibung  des  böhmischen  Exemplars  ein- 
zugehen. 


*)  Etudes  critiques  sur  d.  Brach,  nouv.  ou  peu  conn.,  1.  et  2.  fasc,  pag.  44, 
Taf.  8,  Fig.  3,  4;  1862. 


[23"!  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  lU.  161 

Crania  Parisiensis  ist  somit  sowohl  aus  den  untersten  Cenoman- 
Schichten,  als  aus  den  jüngeren  Zonen  der  Kreide -Formation,  welche  Or- 
bigny"s  Turon-  und  Senon -Etage  zusammensetzen,  nachgewiesen;  ich 
zweifle  nicht,  dass  es  mit  der  Zeit  gelingen  wird,  die  bis  jetzt  noch  vor- 
handenen Lücken  im  Vorkommen  dieser  Art  durch  ihren  Nachweis  auch  in 
den  Zonen  des  Scaphites  aequalis,  des  Ämmonites  Botomagensis  und  des 
Inoceramus  lahiatus  auszufüllen. 

17.  Crania  yracilis  Mü.  1833. 
Taf.  V,  Fig.  i2— 15. 

1833.  Crania  gracüis  Mü.  in  Goldf.  II,  T.  163,  F.  2. 

1846.       „      irregularis  Beuss,  Verst.  II,  p.  53,  T.  42,  F.  27,  28. 

1866.  „      gr acilis  ScJdoenh.,  Knt.  Stud.,  p.  56. 

„  „      eximia  Schloenb..,  Krit.  Stud.,  p.  57,  T.  3,  F.  17. 

1867.  „       gracilis  Schloenb., IBrSiCh.  nordd.  Genom.,  p.  102. 
„          „       eximia  „  n  »  »       „   103. 

Ausser  den  zahlreichen  Exemplaren  von  Korycan,  welche  ich  durch 
die  Gefälligkeit  des  Herrn  Dr.  A.  Fritsch  im  Museum  zu  Prag  zu  unter- 
suchen Gelegenheit  hatte  und  den  6  Exemplaren  von  den  Schillingen  bei 
Bilin,  welche,  aus  der  Keuss'schen  Sammlung  stammend,  in  den  Besitz 
des  k.  k.  Hof- Mineralien-Cabinets  übergegangen  sind,  liegen  mir  10  neuer- 
dings von  Herrn  Dr.  Fritsch  bei  Kamajk  unweit  Leitmeritz  gesammelte 
Exemplare  (Oberklappen)  dieser  Art  aus  Böhmen  vor,  welche  sämmtlich 
die  Innenseite  sowohl  wie  die  Aussenseite  der  Schale  in  vortrefflichstem  Er- 
haltungszustande zeigen.  Die  kleinsten  darunter,  aber  gleichwohl  schon 
vollkommen  characterisirt,  haben  nicht  mehr  als  21/2  Millimeter  Durch- 
messer. Fast  alle  diese  Exemplare  weichen  ein  wenig  von  einander  ab  und 
beweisen  dadurch,  dass  die  Veränderlichkeit  der  Art  eine  ausserordentlich 
grosse  ist.  Während  einige  Exemplare  sehr  hoch  gewölbt  sind,  sind  andere 
fast  ganz  flach,  und  zwischen  diesen  beiden  extremen  Formen  sind  alle 
Uebergangsstufen  vorhanden,  ganz  analog  wie  ich  bei  der  norddeutschen 
Crania  irregularis  aus  den  Neocombildungen  nachweisen  konnte.  Ebenso 
zeigt  die  Sculptur  der  Schalenoberfläche  dieselbe  Variabilität,  wie  bei  der 
letzgenannten  Art ;  hieraus  erklärt  sich  ganz  natürlich,  dass  Prof.  R  e  u  s  s, 
der  bei  dem  Erhaltungszustande  der  ihm  vorliegenden  Exemplare  von  den 
Schillingen  bei  Bilin  das  Innere  nicht  untersuchen  konnte,  die  böhmische 
Art  nicht  von  der  norddeutschen  Cr.  irregularis  trennen  konnte.  Denn  es 
befinden  sich  unter  den  mir  jetzt  vorliegenden  böhmischen  Exemplaren 
nicht  nur  solche,  welche  dieselbe  Oberflächensculptur  besitzen,  wie  das  bei 
Goldfuss  abgebildete  Exemplar  aus  der  Zone  des  Catopygus  carinatus 
(Tourtia)  von  Essen  (Westphalen),  sondern  auch  solche,  welche  sich  m 
ihren  Umrissen  und  ihrer  Ornamentiruug  nicht  von  meinen  Abbildungen  der 
verschiedenen  Varietäten  von  Cr.  irregularis  (Krit.  Stud.  T.  IH,  F.  13 
bis  15)  unterscheiden  lassen;  ausserdem  sind  auch  mit  den  citirten  Reuss- 
schen  Figuren  übereinstimmende  Formen  vorhanden.  Alle  diese,  die  zudem 
durch  deutliche  Uebergangsstufen  mit  einander  verbunden  sind,  stimmen  in 
ihrem  inneren  Bau  so  vollständig  überein,  dass  eine  Trennung  in  mehrere 
Arten  durchaus  unthunlich  ist,  ja  selbst  nicht  emmal  einigermassen  con- 
stante  Varietäten  sich  festhalten  lassen.  Dagegen  zeigen  dieselben  bei  deut- 
licher Erhaltung  sämmtlich  ein  gemeinsames  constantes  Merkmal,  welches 

Jakrbuch  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt.  I8ßä.  18.  Band  1.  Heft.  ^  1 


162  I^r-  U.  Schloenbach.  [24] 

die  specifische  Verschiedenheit  von  Crania  irregularis  beweist,  nämlich  die 
sich  stets  mehr  oder  weniger  hoch  von  dem  Grunde  der  Schale  abhebenden 
vorderen  Occlussor-Male,  welche  bei  Crania  irregularis  ganz  flach  sind 
und  sich  gar  nicht  oder  doch  nur  äusserst  wenig  als  schwache  Unebenheiten 
über  die  Innenfläche  der  Schale  erheben. 

Auch  von  jener  grossen  Crania,  welche  ich  früher  i)  als  Crania  exi- 
mia  bezeichnete,  befinden  sich  unter  der  neuen  Sendung  des  Herrn  Dr. 
Fritsch  einige  Exemplare  (Oberklappen),  deren  Schalenoberfläche  gut  er- 
halten ist.  Nachdem  ich  jetzt  die  ausserordentliche  Variabilität  der  Cr. 
gracilis  an  so  zahlreichen  gut  erhaltenen  Exemplaren  kennen  gelernt  und 
mich  überzeugt  habe,  dass  mehrere  der  ursprünglich  nach  dem  mir  früher 
vorgelegenen  geringeren  Materiale  für  charakteristisch  gehaltenen  Merk- 
male inconstant  sind,  erscheint  mir  die  specifische  Selbstständigkeit  jener 
Art  zweifelhaft;  denn  namentlich  die  flachere  Wölbung  der  Oberklappe  und 
die  ausserordentlich  stark  entwickelten  Fortsätze  in  derselben,  welche  die 
Occlusor-Male  tragen  —  Merkmale,  die  mir  hauptsächlich  die  Verschieden- 
heit, der  Cr.  eximia  zu  begründen  schienen  —  ,  kommen  auch  ganz  entsprechend 
bei  Exemplaren  vor,  die  ich  nach  allen  ihren  sonstigen  Kennzeichen  und 
wegen  des  Vorhandenseins  von  Mittelformen  zu  Crania  gracilis  rechnen 
muss.  Auch  die  bedeutendere  Grösse  der  Cr.  eximia  kann  ich  nach  dem 
neuerdings  von  mir  untersuchten  Materiale  nicht  mehr  für  ein  specifisches 
Unterscheidungs-Merkmal  halten,  ebensowenig  wie  die  bei  Crania  gracilis 
oft  ausserordentlich  stark  entwickelten  schmalen  leistenartigen,  radialen 
Erhöhungen,  welche  durch  die  Begrenzungslinien  der  Ovarien-Eindrücke  her- 
vorgebracht werden  und  die  namentlich  an  dem  von  Goldfus  s  abgebildeten 
Exemplare  stark  ausgeprägt  sind ;  denn  dass  dies  Merkmal  wohl  nur  als  ein 
individuelles  zu  betrachten  sei,  habe  ich  schon  in  meiner  zuletzt  citirten 
Schrift  angeführt. 

Die  neuen  von  mir  untersuchten  Exemplare  der  Crania  gracilis 
stammen  sämmtlich  aus  der  Zone  des  Catop.  carinatus  und  der  Trig.  sulca- 
taria  von  Kamajk  bei  Leitmeritz,  so  dass  also  diese  auch  aus  Frankreich, 
"Westphalen  und  Sachsen  im  gleichen  Niveau  bekannte  Art  nunmehr  an 
drei  böhmischen  Fundorten  (Korycan,  Bilinj  nachgewiesen  ist. 

18.  Crania    Ignahergensis   Reiz  1781. 

1781.  Crania  Ignahergensis  Betz,  Schrift,  d.  Berl.  Gesellsch.  naturf. 
Fr.  II,  p.  75,  T.  1,  F.  4-7. 

1866.  Crania  Ignahergensis  Schloenhach,  Krit.  Stud.,  p.  60,  T.  3, 
F.  23—25. 

Das  Vorkommen  dieser  vertical  und  horizontal  sehr  verbreiteten  Art 
in  Böhmen  habe  ich  schon  in  meiner  oben  citirten  Arbeit  erwähnt,  dort  auch 
bereits  eine  Abbildung  des  in  der  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  und  Sponäylus 
spinosus  bei  Hundorf  gefundenen  zweiklappigen,  wohlerhaltenen  Exemplars 
(T.  3,  F.  25)  raitgetheilt.  Prof.  Keuss  hatte  Crania  Ignahergensis  früher  ^) 
als  bei  Wunitz  vorkommend  angeführt ,  änderte  diese  Bestimmung  jedoch 
später  3)  selbst  in  Cr  spinulosa  um. 


1)  Krit.  Stud.  1866,   p.  56,  T.  8,  F.  17,  und  Brach,  d.  nordd.  Cenom.  p.  103. 
5*)  Geogn.  Skizzen,  p.  29  und  142, 
3)  Verst.  böhm.  Kr.  II,  p.  53. 


[25J  Kleine  paläontologische  Mittbeilungen.  III.  Jlßg, 

Weitere  Vorkommnisse   der   Crania  Ignabergemis  in   Böhmen  sind 
mir  nicht  bekannt  geworden. 

19.  Crania   sp. 

1846,  Crania  spinulosa  Beuss,  Verst.  II.  p   53. 

Ausser  obigen  3  Arten,  die  ich  untersuchen  konnte,  führt  Prof.  Reu ss 
noch  Crania  spinulosa  an,  von  der  er  ein  Exemplar  im  „oberen  Plänerkalk'' 
von  Wunitz,  in  Gesellschaft  von  Ehijnchonella  plicatilis,  Cuvieri  und  Tereb. 
sulrotunda  gesammelt  hat.  Eine  Abbildung  ist  nicht  beigefügt,  doch  wird 
ausdrücklich  hervorgehoben,  dass  das  Exemplar  die  Speciesmerkmale  deut- 
lich zeige.  Prof.  Keuss  bezieht  sich  dabei  auf  die  Abbildungen  beiNilsson 
und  G  0 1  d  f  u  s  s,  welche  erstere  nach  einem  Exemplare  aus  der  baltischen 
jüngsten  Kreide,  letztere  nach  einem  Maestrichter-Exemplare  gezeichnet  sind. 
Seitdem  ist  jedoch,  namentlich  durch  Bosquet,  nachgewiesen,  dass  diese 
beiden  Abbildungen  sich  auf  zwei  von  einander  verschiedene  Arten  beziehen, 
von  denen  die  Maestrichter  Form  den  Namen  Crania  Hagenowi  Kon.  er- 
halten hat.  Da  ich  aber  leider  keine  Gelegenheit  gehabt  habe,  das  einzige 
aus  Böhmen  bekannte  Exemplar  zu  vergleichen,  so  ist  es  bei  dem  Mangel 
einer  Beschreibung  und  Abbildung  desselben  nicht  möglich  zu  entscheiden, 
ob  dasselbe  zu  der  echten  Crania  spinulosa  Nilss.  oder  zu  Cr.  Hagenoivi 
Kon.  gehört;  in  Bezug  auf  seine  Lagerstätte  ist  dasselbe  ungleich  älter  als 
die  beiden  letztgenannten,  den  jüngsten  Kreidebildungen  angehörenden,  und 
es  würde  deshalb  eine  sichere  specifische  Bestimmung  von  um  so  grösserem 
Interesse  sein,  als  jene  beiden  Arten  bisher  weder  aus  älteren  Schichten, 
noch  horizontal  in  grösserer  Verbreitung  bekannt  waren. 

Rückblick 

Aus  Obigem  ergibt  sich  das  Vorhandensein  von  19  von  einander  ver- 
schiedenen Brachiopoden-Arten  in  der  böhmischen  Kreide,  von  denen  in- 
dessen drei  nicht  specifisch,  sondern  nur  generisch  sicher  bestimmbar  waren. 
Von  diesen  19  Arten  ist  nur  eine,  nämlich  Magas  striolaris,  nach  den  bis- 
herigen Erfahrungen  ausschliesslich  auf  Böhmen  beschränkt;  dieselbe  ge- 
hört den  untersten  Schichten  der  böhmischen  Kreide,  der  Zone  des  Cato- 
pygus  carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria  an ;  die  anderen  kommen  zwar 
zum  Theil  (z.  B.  Magas  Geinitisi,  RJmjncJionella  hohemica,  Crania  gracilis) 
in  Böhmen  besonders  häufig  vor,  finden  sich  aber  auch  —  und  zwar  zum 
Theil  noch  häufiger  und  verbreiteter  (z.  B.  Terehratulina  cJmjsalis,  Crania 
Pa/nsiensis  und  Ignabergensis)  in  anderen  Kreidegebieten.  Vereinzelt  steht 
das  Vorkommen  von  Crania  Parisiensis  in  so  tiefen,  cenomanen  Schichten, 
aus  denen  sie  anderwärts  bisher  noch  nicht  bekannt  war ;  auch  das  Vor- 
kommen von  Morrisia  cf.  Suessi,  wenn  sich  wirklich  die  Identität  der  böh- 
mischen Exemplare  mit  der  von  Bosquet  beschriebenen  Art  herausstellen 
sollte,  würde  auf  so  tiefer  Lagerstätte  als  eine  Anomalie  betrachtet 
werden  müssen. 

Die  aufgezählten  19  Arten  vertheilen  sich  in  Bezug  auf  ihre  verticale 
Verbreitung  in  der  Weise,  dass  12  von  ihnen  bereits  in  dem  untersten  Hori- 
zonte, der  Zone  des  Catopygus  carinatus  und  der  Trigonia 
sulcataria  vorkommen,  nämlich: 


164  Dr.  U.  Schloenbach.  [26  | 

Terebratulina  rigida.  Thecidium  vermiculare. 

„  chrysälis.  „         sp.  ind. 

Terehratula  phaseolina.  Rhynefionella  dimidiata. 

Morrisia  cf.  Suessi.  „  Mantellana. 

Magas  Geinitzi.  Crania  Parisiensis, 

„       striolaris.  „       gracilis. 

Von  diesen  sind  nur  drei,  nämlich  Terebratulina  rigida,  chrysälis  und 
Magas  GeiniUi  in  Bölimen  auch  aus  jüngeren  Schichten  bekannt,  während 
nach  den  Untersuchungen  in  anderen  Kreidegebieten  auch  Morrisia  Suessi, 
Thecidium  vermiculare  und  Crania  Parisiensis  noch  in  jüngeren,  als  ceno- 
manen  Schichten  vorkommen. 

In  der  Zone  des  Inoceramus  lahiatus  sind  nur  Terebratulina 
chrysälis^  Magas  Geinitsi  und  Wiynchonella  bohemica  mit  Sicherheit  nach- 
gewiesen, von  denen  die  letztere  hier  zum  ersten  Male  auftritt ;  keine  von 
ihnen  hat  hier  ihre  Hauptlagerstätte. 

In  der  Zone  des  Ammonites  Wollgarei  und  Inoceramus 
Brongniarti  finden  sich  ebenfalls  nm  Terebratulina  chrysälis,  Magas 
Geinitsi  und  Bhynchonella  bohemica;  beide  letztere  Arten  erreichen  hier  das 
Maximum  ihrer  Häufigkeit  und  Bh.  bohemica  wird  in  höheren  Schichten 
nicht  mehr  gefunden. 

Die  Zone  des  Scaphites  Geinitzi  und  Spondylus   spinosus 
führt  folgende  9  Arten : 
TerebratuUna  rigida  Bhynchonella  Cuvieri. 

„  chrysälis.  „  plicatilis. 

Terehratula  subrotunda.  Crania  Ignabergensis. 

Megerleia  lima.  „      sp.  (spinulosa  Beuss ) 

Magas  Geinitsi. 

Von  diesen  traten  Ter.  subrotunda^  Megerleia  lima,  Bhynchonella 
Cuvieri^  plicatilis,  Crania  Ignabergensis,  Cr.  sp.  in  Böhmen  in  diesem  Hori- 
zonte zum  ersten  Male  auf,  während  in  anderen  Kreidegebieten  T.  subro- 
tunda, Meg.  lima,  Bh.  Cuvieri,  Bh.  plicatilis  schon  in  tieferen  Schichten 
vorkommen.  Die  beiden  Terebratuliuen  und  die  beiden  Khynchouellen  finden 
sich  hier  in  grösster  Häufigkeit. 

In  den  beiden  folgenden,  jüngeren  Horizonten  der  böhmischen  Kreide, 
d.  h.  in  der  Zone  des  Micraster  cor  testudinariuin  nndlno- 
ceramus  Cuvieri,  sowie  in  der  Zone  des  Micr.  cor  anguinum 
treten  Brachiopoden  nur  ganz  vereinzelt  auf;  so  findet  sich  Terebratulina 
chrysälis  in  der  ersteren  Zone  in  den  Plänermergeln,  und  Magas  Geinitzi 
in  der  zweiten  Zone,  im  sogenannten  oberen  Quader;  im  letzteren  kommt 
ausserdem  auch,  wenn  man  nach  Steinkernen  von  ziemlich  mangelhafter 
Erhaltung  urtheilen  darf,  Bhynchonella  plicatilis  vor. 

Es  ergeben  sich  also  hieraus  für  die  böhmische  Kreide  drei  Haupt- 
Horizonte,  in  denen  Brachiopoden  in  grösserer  Häufigkeit  auftreten.  Die 
Zone  des  Catopygus  carinatus  und  der  Trigonia  sulcataria ,  die  Zone  des 
Ämm.  Wollgarei  und  des  Inoceramus  Brongniarti  und  die  Zone  des  Sca- 
phites Geinitzi  und  Spondylus  spinosus ;  von  diesen  sind  nur  die  erste  und 
die  letzte  neben  der  Häutigkeit  der  Individuen  zugleich  durch  Mannigfal- 
tigkeit der  Formen  ausgezeichnet. 

Im  erstgenannten  Horizonte  kommen  die  Brachiopoden  in  zweierlei 
etwas  verschiedenen  Facies  vor,  welche  durch  die  Mergel  der  „  öchillinge " 


[27]  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  III.  165 

bei  Bilin  einerseits  und  durch  den  Eudistenkalk  von  Korycan  andererseits 
repräsentirt  werden.  Auch  in  Bezug  auf  ihre  Brachiopoden  -  Führung  sind 
die  genannten  beiden  Ausbildungs  -  Formen  dieses  Horizontes  etwas  ver- 
schieden, indem  die  Mannigfaltigkeit  der  Arten  in  der  Facies  des  Eudisten- 
kalkes  eine  bei  Weitem  nicht  so  grosse  ist,  wie  in  der  andern.  Denn  wäh- 
rend aus  den  Kalken  bis  jetzt  nur  Terehratula  phaseoUna^  Rhyndwnella 
dimidiata,  Jih.  Mantellana  und  Crcmia  gracilis  nachgewiesen  sind,  kom- 
men ausser  diesen  in  den  petrefactenreichen Mergeln  alle  anderen  oben  aus 
dieser  Zone  citirten  Brachiopoden- Arten  vor;  die  petrefactenreichen  Sandsteine 
aber,  welche  demselben  Niveau  als  eine  dritte  abweichende  Facies  angehören, 
z.  B.  die  von  Tisa,  scheinen  von  Brachiopodenresten  ganz  frei  zu  sein. 

Der  zweite  Haupt-Horizont  sind  die  Exogyren  -  Saudsteine  der  Zone 
des  Ämm.  T^oo%am,  eine  locale  Ausbildungsform  der  tieferen  Lagen  dieser 
Zone.  Magas  Geinitsi  und  Hhynchonella  bohemica  bilden  mit  Ostrea  (Exo- 
gyra)  columha  Lam.  und  cf.  vesicularis  die  häufigsten  Petrefacten  dieses  Ge- 
steins, welches  stellenweise  ein  förmiges  Muschelconglomerat  ist ;  alle  an- 
deren darin  vorkommenden  Arten  (z.  B.  Limapseudocardium,  Peden,  Ino- 
ceramus  etc.^  stehen  an  Häufigkeit  weit  hinter  jenen  zurück.  Schon  der 
Grünsandstein,  in  welchen  der  Exogyren  -  Sandstein  in  der  ßegel  nach  oben 
hin  unmerklich  übergeht,  oder  durch  den  er  an  vielen  Localitäten  ganz  er- 
setzt wird,  ist  ungleich  ärmer  an  Brachiopoden,  enthält  aber  viel  zahlrei- 
chere Bivalven  und  Cephalopoden. 

Der  dritte  Horizont,  in  welchem  Brachiopoden  eine  grössere  Kolle 
spielen,  ist  die  Zone  des  ScapJiites  Geinitzi  und  Spondylus  spinosus.  Wo 
diese  Zone  als  fester  Mergelkalk  mit  Cephalopoden,  Inoceramen,  Limen, 
Spondylon  etc.  auftritt,  wie  z.  B  bei  Hundorf  und  anderen  Orten  in  der 
nächsten  Umgebung  von  Teplitz,  sind  es  besonders  Terehratula  suhrotunda, 
Jthynchonella  Cuvieri  und  pUcatilis,  welche  die  Mehrzahl  der  vorkom- 
menden Brachiopoden  ausmachen.  Daneben  müssen  als  nicht  selten  Tere- 
bratuUna  rigida,  als  seltener  Terebratulma  chrysalis  und  geradezu  als  Sel- 
tenheiten Megerleia  lima,  Magas  Geinitsi  und  Crania  Ignabergensis  ge- 
genannt  werden.  An  anderen  Localitäten,  wo  diese  Schichten  mehr  thonig- 
mergelig  sind,  wie  z.  B.  am  Fusse  des  Hoblik  bei  Laun,  spielen  die  kleinen 
Terebratulinen  eine  grössere  Rolle;  letztere  gewinnen  endlich  dort,  wo  in 
den  Mergelplatten  dieses  Horizontes  die  Spongitarien  häufig  werden,  wie 
z.  B.  am  nördlichen  Abhänge  des  Hügelzuges  zwischen  Laun  und  Malnitz, 
nebst  Ostrea  sulcata  und  lateralis  ganz  die  Oberhand. 


22 


166  Dr.  U.  Schloenbach.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  III.  [28] 


Erklärung  der  Abbildungen  auf  Tafel  V. 


Seite. 


1.  Terebratula  phaseolina  Lam.  Zone  d.Trig.  sulc.  u.  d.  Catop. 
carinatus.  Tuchomefitz.  Original  im  k.  k.  Hof-Mio. -Cabinet 
zu  Wien , ISO  [12] 

2 — 5.  Magas  striolaris  Schloenh.  sp.  nov.  Aus  derselben  Zone  von 
Kamajk  bei  Leitmeritz ;  2 — 4.  Dorsal-,  S.  Ventral-Klappe 
verschiedener  Individuen.  Sämmtliche  Originale  im  böh- 
mischen National-Museum  zu  Prag .    .    .  154  [16] 

6 — 7.  Morrisia  cf.  Suessi  Bosq.  Aus  f derselben  Zone  von  Weiss- 

kirchlitz.  Originale  im  k.  k.  Hof-Min.-Cab lo2  [14] 

8.  Thecidium  vermiculare  Schloth.  sp.  Aus  derselben  Zone  von 

Kamajk    bei     Leitmeritz.    Original    in    meiner    eigenen 
Sammlung 155  [17] 

9.  Thecidium  sp.  Ebendaher.  Original  in  meiner  Sammlung    .  156  [18 1 

10.  Rhynchonella  hohemica  Schloenh.  sp.  nov.  Aus  der  Zone  des 

Ämm.  Woollgarei  und  Inoc.  Brongniarti  von  Drahomischl. 

Orig.  im  Museum  der  k.  k.  geolog.  ßeichsanstalt  ....  IST  [19] 

11.  Crania  Parisiensis  Defr.  Aus  der  Zone  der  Trig.  sulc.  und 

des  Catop.  carinatus   von   den    „Schillingen*   bei   Bilin. 

Original  im  k.  k.  Hof-Min. -Cabinet 160  [22J 

12 — 15.  Crania  gracilis  Münst.  Verschiedene  Varietäten  aus  der 
Zone  der  Trig.  sulc.  und  des  Catop.  carinatus.  12 — 14.  von 
Kamajk,  aus  dem  böhmischen  National-Museum  zu  Prag«, 
15.  von  den  „Schillingen"  bei  Bilin,  aus  dem  k.  k.  Hof- 
Min.-Cabinet  zu  Wien 161  [23] 


S.      M^ 


Jt^4V«4li  ^J.     bO'rb 


«V.ju  f.  r.Wri'ii"    »071  Hain  ssss' 


Durchschnitt  vorn  Königs  Berg  durch  den  Kempfer  Bach  zum  Alpl,  RaibI  W. 


iHDIliuiiirml-Duluiiiil 
'  C.  l'oi'liiila  .Schnlili'ii 
M.  Meo'nlodoii  ■  Sdiicliten 

iR.nnibler.Srliirlilrii 
.EIC.Ei-tfiilinrn<lrrk'alli 

T.  H/n'i-  vonKiUwassei- 
I  Wg.ll'eiigersFlürA;!' 


M  JüBophi^aitK 
ir  Sli-i.iiglirKliri 
C  Jl.irtl"criljbll 
Iff  Ä.'iiillilidl 
iSS.Tprtiam  '.SiLoUrr  und  .Si'liiill  M^JiiluiiiiiUiin 
/  I.iisilun^aiii;  VKlunaiiilHiliriiRiTii: 

//Rausrhi-iibjdi-iall!;'  +  Kniiloi«  von  Mrcliulpri 


J(ihi'baJt,derk.k  ffeuloi^isc/wrvJUi4:h^'ui3taU.  tS6'8  Md-  XyST. 


D.Stur.   RaibI  und    KaltwaFser. 


Tafel  N°ll. 


Jr«cll6         Spit 


Jnanatxt' 
8^62' 


Ansicht  des  Torer-  und  Thörler  -  Sattels. 

Standpunct;  Wasserscheide  zwischen  dem  Kunzen  -  und  Torer  Graben, siidh'ch  v.fünfspitz. 

Jahrbuch  der  ](l<.<)eoloffisc?ien,ReLchsansta2t  1868  Jd.XyiU. 


Schloenbach,  k!.  pulaeont  Mitlliellungen  111 

u.  u. 


Taf.  V. 


Auturdül,  otrohmaver  lith. 


Druck  V.  F  Kbkfi  in  W  len 


I.  Terebratula  phaseolina  Lam.,  1_S  Magas  striolaris  Schloenb  sp.  nov.; 
ejJlornsiacf.Suessi  Bosq.,  8    Thecidiuin  vermiculare  Schloth.. 

9  Thecidium  sp.,  10.  flhynchonella  bohemici  Sr.hloenb.  sp.  nov. 

II.  Crania  Psrlsiensis  Oefn.;  ILlS.Crania    gracilis  Nlunst. 

Jtthrhux;h  der  kk  i^rolBeu-hsimstalt  IHOffUdim.. 


Preisverzelchniss  der  von  der  k.  k.  geolo^.  Heichsanstalt  geologisch  colorirten  Karten. 


(In  östeiTeichisclier  Währung.) 
A.  Specialkarten  im  Maasse  von  idM.OOO  der  Natur.  2000  Klafter 


i  Zoll. 


Nr. 


1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 
10 
U 
12 
13  a 
13bi  s-o 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
28 
!29 


3/ 


I.  Oesterreich  ob  Uüd 
uuter  der  Enns. 

/  Kuscliwarta 
/    Krumau 

Weitra 

Göifritz 

Znaiui 

Holitscli 

Scbärding 

Freistadt 

Zwettel 

Krems 

Stockerau 

Malaczka 

Braunau 

Ried 

Linz  .    .    , 

Amstätteu 

St.  Polten 

Wien 

Pressburg 

Gmunden 

Windiscligarsten 

Waidliofen 

Maria-Zeil 
I  Wiener-Neustadt 
I  Wieselturg 

Hallstatt 
I  Spital  am  Pyhrn 
I  Mürzzusclilag 
\  Aspang     .    . 


II.  Sahburg. 

Dittmoning     .   .   , 

Ried 

Salzburg 

Thalgau 

Hopfgarten  .  .  .  , 
Saalfelden   .    .   .   , 

Radstadt 

Zell  im  Zillerthale 
Zell  im  Pinzgau  . 
ßadstädter  Tauem 
St.  Leonhard  .  .  . 
Tefferecken  .  .  . 
Gmünd 


III.  Steiermark  und 
Illyricn. 

Schladming  .  .  . 
Rottenmann  .  .  . 
Brück  u.  Eisenerz  . 
Mürzzuschlag  .  .  , 
Grossglockner  .    .    . 

Ankogel 

Oher-Wölz  .... 
Jndenhurg   .... 

Gratz 

Ober-Drauhurg  .  . 
Gmünd  ...... 

Friesach 

Wolfsherg    .... 

Wildon 

Villach  u.  Tarvis  . 
Klagenfurt  .... 
Windischgratz     .    . 

Marburg 

Friedau 

Caporetto  u.  Canale 
Krainburg  .... 
Möttnig  u.  Cilli  .  . 
Windisch-Feistritz 

Görz 

Laibach 

Weixelburg  .... 
Landstrass   .   .   .   • 

Triest 

Laas  u.  Pinguente  . 

Möttling 

Cittanuova  u.  Pisino 
Fianona  u.  Fiume 
Novi  u.  Fuscine 
Dignano    .... 
Veglia  u.  Cherso 
Ossero 


Sckw.   Color 


Karle 


fl.ikr:  fl.  Ikr 


IV.  Roliuieii. 

Schluckenau 
/  Hainspacli    . 

Tetschen  .   . 

Reichenberg 

Neustadtl     . 

Neudek  .  . 
' J  Komotau  .  . 
\  Leitnieritz  . 
§j  I  Jungbunzlau 
S  /  Jicin  .  .  . 
/  Braunau  .  . 
'  Eger  .... 
'   Lubenz     .   . 

Prag,  ... 


1  40 

1  40 

lUo 

1  40 

40 

85 

40 

40 

40 

,  |85 

1  40 

1  40 


1  40 
.    85 

•  185 
.  ;85 
140 
1  40 
1  40 
.  85 
l'40 
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T,40 
l'40 
l!40 
140 
1  40 
l'40 


4 
4 
4 
6 
6 
4 
1 
3 
5 
6 
6 
3 
5 
5 
2 
2 
5 
4 
3 
3 
3 
1 
2 
1 
137 
1 
1 
6 
6 
4 
2 
6 
6 
6 
7 
4 
5 
5 
6 


25 


Brandeis 

Königgrätz  .  .  .  . 
Reichenau    .    .    .    . 

Plan 

Pilsen 

Beraun 

Beneschau  .  .  .  . 
Chrudim  u.  Czaslan 
Leitomischel   .   .  , 

Klentsch 

/  Klattau 


Mirotitz    .    .  . 

Tabor 

Deutschbrod  . 

a    I  Bistrau     .    .  . 
Schüttenhofen 

Wodnian  .   .  . 

Neuhaus  .   .  . 

Zerekwe   .   .  . 

Kusch  warda  . 

Krumau    .    .  . 

Wittingau    .  . 

Rosenberg    .  . 

Puchers    .   .  . 


Ungarn. 


V. 

Caca 

Trstjenna  u.  Nämestö 

Lednitz 

Sillein 

Rosenberg  u.  Kubin 

Käsmark  u.  Foprad  . 

Holitsch 

Trentschin  .... 

Kremnitz     .... 

NeuBohl  ...... 

Dobschau  u.  TisoTec 
Malaczka     .   .   , 
Tyrnau     .... 

Schemnitz    .    .    . 
Altsohl     .... 

Rima  Szombath  . 
Pressburg     .   .    . 

Neutra 

Bars  u.  Verebely 
Balassa-Gyärmath 

Fülek 

Miskolcz  .... 

Gran 

Waitzen   .... 

Erlau 

\  Mezö  Kövesd  .   . 


Sehw.I   Color 
Karte 


kri  fl. 


1|40 
lUo 
1|40 
.  85 
1140 
1  40 
l  40 
140 
.85 
1  40 


B.  Generalkarten  im  Maasse  von  1  :  288.000  der  Natur.  4000  Klafter  =  1  Zoll.    etc. 


VI.  IdmuiistraÜT-Karte 
von  Ungarn. 

,  Skalitz 

/  Neusohl 

Schmölnitz  u.  Epe- 

ries 

Unghvär 

Neusiedler-See    .   . 

Gran 

Miskolcz  u.  Erlau  . 
Szathmar-Nemethy 

Szigeth     

Steinamanger  .  ,  . 
Stuhlweissenburg  . 
Szolnok  ..... 
Grosswardein  bis  zur 

Grenze  .... 
—  über  die  Grenze 

bis  Klausenbnrg  . 
Warasdin  .... 
Fünfkirchen  .  .  . 
Szegedin  u.  Arad    . 


16 

25 

1 

75 

25 

5 

75 

17 

25 

5 

25 

25 

1 

75 

25 

5 

75 

25 

5 

25 

25 

5 

25 

25 

3 

25 

25 

2 

25 

25 

6 

25 

6 

25 

1 

50 

25 

3 

25 

25 

5 

75 

25 

4 

25 

3 

50 

25 

1 

75 

Umgebung  von 

Lugos  bis  zur  Grenze 

—  über   die   Grenze 
bis  Karlsburg 

Innerhalb  der  Grenze 

VII.  Salibarg;  l  Blatt  . 

VIII.  Kärnthen,  Krain  und 
Istrien  in  4  Blättern 

IX.  Iiombardie  und  Vene- 
dig in  4  Blättern 

—  bis  zur  Landes- 
grenze   .... 

—  über  die  Landes- 
grenze    .    .    . 

X.  Tirol  und  Vorarlberg 
in  2  Blättern  .    . 
Xi.  Siebenbürgen ;  Stras- 
senkarte  in  2    Blät- 
tern, eooo»  =  1  Zoll, 
bis  z.   Landesgrenze 

—  über  die    Grenze 


1 

25 

3 

25 

1 

25 

4 
65 

50 
50 

3 

30 

. 

4 

60 

8 

20 

8 

84 

• 

6 

30 

1 
1 

9 
10 

XII.  Banat   in  4  Blättern 

XIII.  Galiiien,  Lodomerien 
und  Bukowina;  Stra:- 
senkarte  in  3  Blät- 
tern, 6000»=  1  Zoll 

—  bis  zur  Landes- 
grenze    .... 

—  über  die  Landes- 
grenze    .... 

XIV.  Steiermark  in  4  Bl. 
XV.  Slawonien  u.  Militär- 

grenie;!  Bl.  6000" 
=  1  Zoll     .... 

XVI.  Croatten  u.  Mililär- 
grenze ;    1    Blatt 
6000"    =     1  Zoll, 
bis  zur  Grenze   .   . 

—  über  die  Grenze 

XVII.  Valmatien  in  2  Bl., 
6000»  =  1  Zoll  .   . 


4  20      8 


!50| 


Sämintliche  Karten  durch  das  k.  k.  militärisch-geographische  Institut  herausgegeben  und  in 
dem  Verlage  desselben,  wie  auch  in  der  Kunsthandlung  bei  A.  Artaria,  I.  Kohlmarkt  Nr.  9,  zu  haben. 
Die  Karte  XL,  Banat,  bei  Artaria  erschienen. 

Die  geologisch  colorirten  Karten  werden  von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  und  der  Kunst- 
nwidhng  von  A.  Artaria  auf  Bestellung  geliefert;  auch  werden  schwarze  Karten  geologisch  colorirt. 


Inhalt. 


I.  Geologische    ^Jebersichtskarte    der   österreichischen    Monarchie.    Von 
Franz  Ritter  von  Hauer.  Blatt  Nr.  VI.  Oestliche  Alpenländer  .... 
II.   Beiträge  zur  Geognosie  Tirols.  Von  Adolph  Pichler iU  ^ 

III.  Zur  Geologie  des  siebenbürgischen  Erzgebirges.»  Von  F.  Posepny,        53 

IV.  Höheninessungen  in  Oberungarn.  Von  Dr.  Karl  ßothe 57 

V.'ßeiträge  zur  Kenntniss  der  geologischen  Verhältnisse  der  Umgegend 

von  Raibl  und  Kaltwasser.  Von  D.  Stur.   Mit  Tafel  T  u.  II 71 

VI.  Der  Jura  tön   St.    Veit  bei    Wien.     Von    Karl    Griesbach.     Mit 

Tafel  III  u.  IV..  ....... .., 123 

VII.  Fossile    Pflanzenreste    ätfs    dem    Schiefergebirge    von   Tergove    in 

Croatien.  Von  D.  Stur 131 

VIII.  Kleine  paläontologische  Mittheilungen.  IIL  Von  Dr.  U.  Schloenbach. 

Mit  Tafel  V 139 


Unter   der  Presse: 
JAHRBUCH  DER  K.  K.  GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 

1868.  XVIII.  Band. 
Nr,  X.    April.  Jllai.  Juni. 


Ausgegeben  am  30*  Juni  1S0§* 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEIV  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1868.  XVIH.  BAND. 

NRO    2.  APKIL,  MAI,  JUNI. 
Mit  Tafel  VI.— X. 


WIEN. 


DRUCK   VONX  B.  GEITLEK. 


m  COMMJSPION 


BEI  WILHELM   BRAUMÜLLBR,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES,  FÜR  DAS  INLAND, — 
BEI  F.  A.  BROCK  HAUS  IN  LEIPZIG  FÜR  DAS  AUSLAND. 


23  fl. 

12  NV 

36  „ 

80     , 

31  » 

52     „ 

Bei  der  Directioa  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Wien,  Landstrasse,  im 
fürstlich  Liechtensteinischen  Palaste,  dann  bei  W.  Braumüller,  Buchhändler  des  k.  k. 
Hofes,  Wien,  Graben  Nr.  572,  sind  zu  haben: 

Abhandlangren  der  k-  k.  geologischen  Reichsanstalt-  Band    I.  Mit   48  lithographirteu  Tafeln 

.  „  „  n  r,  „       II.       „         78  , 

n    in.      „52 

Der  dritte  Band  der  Abhandlungen  enthält  ausschliesslich  das  folgende  Werk: 

Hömes,    Dr.    HI-    Die  fossilen  Mollusken  des  Tertiärbeckens  von  Wien.  Unter   der  Mit- 
wirkung von  P.  Partsch,  Vorsteher  des  k.  k.  Hof-Mineralien-CaMuetes.  Nr.  1 — 10. 
Abhandluniren  der  k.  k.  geolog.  Reiohsanstalt.    Band  IV,  Nr.  11—16.    Mit  44  lithogr.  Tafeln. 
Enthält :  HÖmes,  Dr.II.  Dif  fossilen  Mollusken  d.  Tertiärbeckens  v.  Wien.  Nr,  11  &  12.  M.  11  T.     6  ,  —     „ 

„       n        „    13  „  14.  „  20  ,     10  ,  —     „ 

-,  r  «  n  n  „  „  «  n  „15,16.    „13,  8,—       , 

V         «  r  «       »         „    17  „  18.   „  83  „     18  „  —     „ 

Andrae,    C.  J-  Dr.    Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Flora  Siebenbürgens  und    des  Banates. 

Mit  12  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanatalt  .      5  „  84     „ 
Stttngrshausen,  Dr.  Const.  V.  Beitrag  zur  Flora  der  Wealdenperiode.  Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Mit  5  lithographirten  Tafeln 2  ,  64     „ 

„     Ueber  Palaeobromelia;  ein  neues  fossiles  Pflauzengeschlecht.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k. 

geologischen  Reichsanstalt.  Mit  2  lithographirten  Tafeln 1„     6     „ 

„     Begründung  einiger  neuen  oder  nicht  genau  bekannten  Arten  der  Lias-    und  Oolithflora.    Mit 

3  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsaastalt    ...      1   „  60     „ 
,    Die  Steinkohlenflora  von  Stradonitz.  Mit  6  lithographirten  Tafeln.  Aus   den  Abhandlungen  der 

k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 2  „  84     , 

„    Pflanzenreste  aus  dem  trachytischen  Mergel  von  H-eiligeukreuz  bei  Kremnitz.    Mit  2  lithogra- 
phirten Tafeln.  Aus  den  Abliandlungeii  der  k.   k.  geologischen  Reichsanstalt 1„6», 

y,     Die  tertiäre  Flora  von  Haring  in  Tirol.  Mit  31  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Reiclisanstalt 14  «  72     .. 

„     Die  Steinkohlenflora  von  Radnitz  in  Böhmen.  Mit  29  lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Abhand- 
lungen der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt 13  ,  18     - 

Haiding'er,    'W-    Naturwissenschaftl.  Abhandl.  Gesammelt  und  durch  Subscript.  herausgegeben 

U.  Band  1848,  in  2  Abth.  m,  30  lith.Taf.  18  fl.  92  Nkr.  III.  Band  1850,  in  2  Abth.  ra.  lith.  33  Taf.  21  „  —     , 

rV,     ,       1-851.   .   ■■       ~       .     W 24  „  16     , 

Berichte  über  die  Mittheiluugen  von  Freunden  der  Naturwissenschaften  in  Wien.    Gesammelt 
und  durch  Subscript  ion  herausgegeben 

I.  Band  1847 1  fl.  60  Nkr.  V.  Band  1849 1  „  60     , 

n.      „      1847 3  ,  52     „  VI.      „     1850 1  „  60     „ 

m.       r.      1848 .i   .  52     .  Vn.      ,     1851 2,  42, 

IV.      ,      1848 .    2  ,  80     , 

Jabrbuch  der  k.  k.  geologfischen  Beichsanstalt,  1850,  1852      10  «  SO     » 

X-XVI,  1859— 186(; 36  ,    75     , 

,       ,  „  .         XVII,  1867 8,—     „ 

,,  ,       „  „  „  General-Register  der  ersten  zehn  Bände,  Nr.  1  von 

1860  bis  Nr.  10  von  1859,  des  Jahrbuches  der  k.  k.  geologischen    Reichsanstalt.  Von  A.    F. 

Grafen  Marschall   ..   .' 1  >,  50     „ 

Verhandluugren  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Jahrgang  1867 3  „  —     , 

Kenng^Ott,    Dr.    G.   A.    Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forscliungen   in    den   Jahren 

1844 — 1849.  Herausgegeben  von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 3  „  72     „ 

,     Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forschungen  in  den  Jahren   1850    und    1851.    Bei- 
lage zum  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 2  „  64    „ 

„     Uebersicht  der  Resultate  mineralogischer  Forschungen  in  dem  Jahre  1852-  Beilage  zum  Jahr- 
buche der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt      ■ 2,18     „ 

Kndematsch,  Job.  Die  Anrmoniten  von  Swinitza.  Mit  4   lithographirten  Tafeln.  Aus  den  Ab- 

handlungen  der  k.  k.   geologischen  Beichsanstalt        2»  18     „ 

Blorlot,  A.  V.  Geologische  Karte  der  Umgebung  von  Leoben  und  Judenburg 2  „  18     „ 

Partsch,  P.  Katalog  der  Bibliothek  des  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinetes.  Herausgegeben  von   der 

k.  k.  geologischen  Reichsanstalt ' 2  „  12     , 

Peters,    Dr-    K-  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Lagerungsverhältnisse  der  oberen  Kreideschichten  an 
einigen  Locälitäten  der  östlichen  Alpen.    Mit  1  litliographirten  Tafel.    Aus  den  Abhandlungen 

der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt —  „92     „ 

Pettfco,  Job.  V.     Die  geologische  Karte  der  Gegend  von  Sclieranitz.    Mit  1  lithographirten  Tafel. 

Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt —  „54     „ 

Keuss,  Dr.  A.  E.  Die  geognostisclien  Verliältnisse  des  Egerer  Bezirkes  und  des  Aschergebietes  in 

Böhmen.  Aus  den  Abhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Mit  1  lithogr.  Karte  .      1  „  60     „ 
Zekeli,  Di*.  P.  Die  Gastropoden  der  Gosaugebilde.     Mit  24  lithographirten  Tafeln.    Aus  den  Ab- 
handlungen der  k.  k.  geologischen  Reiclisanstalt 12  „  60     , 

Uebersicht,  allgemeine,  der  Wirksamkeit  der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt.    Bericht  über 

die  Jahre  ISf.O— 1S52 —  „  28     „ 


Im  Verlage   der   Beck'schen  Univer  ai  tat  s-Buch  handlung    (A.  Höldei-; 
in  Wien  ist  erschienen: 

Oeologrische  Uebersichtakarte  der  Oesterreichischen  Monarchie,  nach  den  Aufnahmen  der  k.  i{. 
g«o!ogi.schen  Reichsanstalt  bearbeitet   von   Franz  Ritter  v.  Hauer.    Blatt  Nr,  V.     Westliche  Alpen- 

lind-^r.    Subscriptionspreis  für  die  ganze  Karte  (12  Blätter) 40  fl,  —  kr 

Blatt  V  für  die  Subacribenten  auf  die  ganze  Karte 5  ,,    — 

Blatt  V  im  Einzelverkauf 6  „    25 

Blütt  VI.  Oestliche  Alpenländer  für  die  Subscribenten 5  „    — 

BVjH  vi  im  E'nrelnverkanf C  „    25 


JAHRBUCH 


DEB 


KAISEKLICH-KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT 


JAHRGANG  1868.  XVIII.  BAND. 

NBO    2,  APEIL,  MAI,  JUNI. 
Mit  Tafel  VI.— X. 


•WIEN. 


DRÜCK   VON  F.  B.  GEITLER. 


IN  COMMISSION 

BEI    W  I  L  H  K  I.  M    B  K  A  ü  M  Ü  L  L  K  R ,  BUCHHÄNDLKR  DES  K.  K.  HOFES,  FÜR  BAS  INLAND, 
BEI   F.  A.   BROCKHAUS  IN  LEIPZIG   FÜR    DAS  AUSLAJSD. 


18.  Band.  1868.  JAHRBUCH  "•  «^«- 


DER 


KAIS.  KÖN.    GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 

I.  Studien  über   die  Gliederung  der  Trias-  und 
Jurabildungen  in  den  östlichen  Alpen. 

Von  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Moisisovics. 


Nv.  II.  Die  Oebirgs^rnppe  des  Osterhornes. 

Von  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics. 

(Mit  Taf.  VI— VIII.) 

Einleitung. 

Im  Westen  des  zwischen  Salzburg  und  Golling  befindlichen  Ab- 
schnittes des  Salzachthales  scheidet  sich  aus  den  so  mannigfaltig  geglie- 
derten nordöstlichen  Alpen  eine  wohlabgegrenzte  Höhongruppe  aus,  welche 
wir  nach  einem  ihrer  bedeutenderen  Gipfel  unter  der  Bezeichnung  „Gruppe 
des  Osterhornes''  zusammenfassen,  Ihre  Südgrenze  fällt  bis  über  die  Gegend 
von  Abtenau  hinaus  mit  der  breiten  Thalfurche  der  Lammer  zusammen. 
Gegen  Osten  setzt  die  Begrenzungslinie  über  die  Almmatten  des  Einberges 
in  das  Thal  des  Strobl-Weissenbaches  über;  die  Scheide  gegen  Norden  ver- 
läuft von  Strobl  bis  St.  Gilgen  der  Längsrichtung  des  Wolfgangsees  parallel 
und  stimmt  zwischen  letzterem  Orte  und  der  Gegend  von  Salzburg  mit 
einer  Linie  überein,  welche  durch  das  Thal  der  Faistenau  und  im  Süden 
des  Gaisberges  gezogen  wird. 

Die  angedeutete  Umfassungslinie  bildet  nahezu  ein  Parallelepiped, 
welches  durch  je  zwei  parallele  Bruchlinien  gebildet  wird.  Der  südlichen 
Lammerlinie,  welche  durch  das  Auftreten  von  Werfener  Schiefern  und  Gosau- 
Schichten  gekennzeichnet  ist  und  die  über  den  Pass  Gschütt  durch  die 
Gosau  bis  auf  den  Hallstätter  Salzberg  verfolgt  werden  kann,  steht  auf  der 
Nordseite  die  gleichfalls  dem  Streichen  der  Alpenkette  folgende  und  durch 
das  Erscheinen  von  Werfener  Schiefern  und  Kreidegebilden  charakterisirte 
Linie  St.Gilgen-Ischl  gegenüber.  Dieselben  bezeichnenden  Schichtengruppen 
gehen  im  Salzachthaie  zu  Tage,  und  in  der  parallelen  Querspalte  des  Strobl- 
Weissenbachthales  ziehen  sich  eingekeilte  Fragmente  verschiedenen  Kreide- 
Stufen  angehöriger  Glieder  bis  zu  den  Höhen  des  Einberges  hinauf,  eine 
bedeutsame  Scheidungslinie  i)  verrathend. 

Schon  die  Physiognomie  des  Gebirges  lässt  auffallende  Unterscheidungs- 
merkmale erkennen,  welche  diese  Gruppe  vor  allen  benachbarten  auszeichnen. 

*)  Die  im  Osten  sich  erhebende  Gebirgsgruppe    des  Katters    und   des  Haber- 
feldes ist  zum  grössten  Theile  aus  älteren  Formationen  zusammengesetzt, 
Jahrbuch  der  k.  k,  geolegischen  Reichsiinstalt.  1868,  lö.  Band.  2.  Heft.  23 


168  Eduard  Suess  und  Edmund  von  MojsisovicB.  [2] 

Lange  scharfe  Kücken  und  Grate,  welche  sich  zu  gleichmässig  abfallenden 
Gipfelhörnern  von  ziemlich  gleicher  Höhe  (5—6000')  zuspitzen,  erheben 
sich  über  die  tafelartige  Hauptmasse,  welche  durch  zahlreiche  Gräben  und 
Wasserrisse  zerschnitten  ist.  Die  Abhänge  sind  meist  steil  und  kahl  und 
über  das  ganze  Gebiet  zieht  ein  äusserst  eintöniger  Charakter,  während  die 
benachbarten  zumeist  aus  Sedimenten  der  Trias  aufgebauten  Gebirgsgruppen 
Gegenden  einschliessen,  welche  wegen  ihrer  hohen  landschaftlichen  Schön- 
heit mit  Eecht  einen  ausgebreiteten  Ruf  geniessen.  Es  theilen  die  Berge 
dieser  Gruppe  insoferne  das  äussere  Gepräge  mit  den  Höhen  der  Schieferzonen, 
welche  die  formenreichen  krystallini sehen  Centralkerne  umgeben.  Und  in  der 
That  besteht  eine  zufällige  Analogie  in  den  tektonischen  Elementen  zwischen 
beiden,  so  dass  der  physiognomische  Gesammteffect  ein  ähnlicher  werden 
muss.  Eine  ausserordentlich  grosse  Reihe  von  dünnen  Bänken  folgt  hier  oft 
regelmässig  übereinander,  und  man  kann  auf  grosse  Entfernungen  hin  die 
an  den  steilen  Abhängen  fortlaufenden  Lager  verfolgen. 

Dem  Alter  nach  vertheilt  sich  diese  bei  4500  Fuss  mächtige  Schichten- 
masse auf  sämmtliche  in  diesem  Theile  der  Alpen  auftretende  Sediment- 
bildungen von  den  obersten  Stufen  der  Trias  bis  zu  den  höchsten  Gliedern 
des  Jura,  welche  hier  in  ungestörter  Reihe  über  einander  folgen.  Da  und 
dort  wölben  sich  wohl  in  der  Thalsohle  die  tiefsten  Bänke  zu  einer  leichten 
Anticlinale,  aber  das  kahle  Gehänge  gestattet  zu  erkennen,  wie  gegen  oben 
die  Wölbung  flacher  wird  oder  gar  verschwindet.  An  anderen  Punkten  sieht 
man  an  den  nackten  Wänden  Vertical- Brüche  und  Verwerfungen  von  der 
Tiefe  des  Thaies  gegen  oben  in  eine  scharfe  S-förmige  Beugung  der  Schichten 
übergehen,  und  es  bleibt  Regel,  dass  in  der  Tiefe  der  Thäler  diese  unterge- 
ordneten Störungen  heftiger  sind,  als  auf  den  Höhen. 

Dieser  Gebirgsgruppe  gehören  die  grossen  Steinbrüche  von  Adneth 
und  Oberalm  an.  Zwei  im  Alter  weit  von  einander  getrennte  Schichten- 
gruppen, welche  in  grosser  Verbreitung  in  den  Alpen  auftreten,  führen  die 
Namen  dieser  Localitäten.  Ausserdem  weisen  Literatur  und  Sammlungen 
von  einer  grossen  Anzahl  von  Punkten  Fossilien  auf,  welche  theils  den 
Adnether  Schichten,  theils  der  rhätischen  Stufe  angehören. 

Mit  dieser  Hinweisung,  welche  nur  zur  allgemeinsten  Orientirung 
dienen  soll,  müssen  wir  uns  genügen  lassen;  es  liegt  unserer  Aufgabe  ferne, 
hieran,  wenn  auch  nur  in  chronistischer  Weise  eine  Geschichte  der  Strati- 
graphie  der  mittleren  Secundärbildungen  der  Alpen  zu  knüpfen. 

Unser  Vorsatz  ging,  wie  in  der  Einleitung  zum  ersten  Stücke  dieser 
Studien  gezeigt  wurde,  dahin,  „möglichst  einfach  gebaute  und  durch  grösseren 
Petrefactenreichthum  ausgezeichnete  Theile  des  Gebirges  zu  wählen,  und 
an  diesen,  während  eines  längeren  Aufenthaltes  an  Ort  und  Stelle,  die  Un- 
terabtheilung der  Schichten  so  weit  als  möglich  zu  treiben,  um  nicht  nur 
die  grossen  Gesammtzüge,  sondern  auch  die  Einzelheiten  des  Charakters 
dieser  merkwürdigen  Flötzbildungen  kennen  zu  lernen.  '^  Dieser  Aufgabe 
folgend,  wählten  wir  einen  sehr  beschränkten  Theil  der  nördlichen  Hälfte 
dieser,  durch  ihre  normale  Lagerung  ausgezeichneten  Gebirgsgruppe  und 
widmeten  der  Untersuchung  derselben  im  Laufe  des  Jahres  1866  mehrere 
Wochen,  welche  noch  dazu  fast  ausschliesslich  dem  Studium  des  oberen 
Theiles  einer  einzigen  Thalfurche  zufielen.  Wir  gehen  unmittelbar  zur 
Schilderung  dieser  Stelle  über. 


rß]       Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes     IßQ 

Der  durch  seine  grosse  Holztriftung  bekannte  Zinkenbach,  welcher 
aus  Südwest  in  den  Wolfgangsee  mündet,  erhält  die  grössere  Menge  seiner 
Wässer  vom  Königsbache,  dessen  langes  und  tief  eingeschnittenes  Thal  bis 
hart  an  den  Fuss  der  höchsten  und  beträchtlichsten  Massen  der  Gebirgs- 
gruppe des  Osterhornes  zurückgreift.  In  einer  kleinen  Weitung  des  obersten 
Theiles  dieses  Thaies  befindet  sich  die  Königsbach-Alm,  amphitheatralisch 
von  hohen  Bergen  umgeben,  und  zwar  im  Osten  von  den  langen  Rücken  des 
Zinkeneck's  und  des  Osterhorn's,  gegen  Südosten  vom  Hochzinken,  gegen 
Südwest  vom  Genner-Horn  und  gegen  West  und  Nordwest  vom  Königsberge 
und  vom  Königsbergschlage.  Alle  diese  Berge  fallen  mit  sehr  steilem  Ge- 
hänge, an  vielen  Punkten  mit  jähen  Wänden  gegen  den  kesseiförmigen 
Abschluss  des  grossen  Thaies  ab.  Zahlreiche  kleinere  Wasserfäden  und 
grössere  Bäche  kommen  in  radialen  Richtungen  herab,  und  die  Entblössung 
der  Abhänge  ist  eine  so  beträchtliche,  dass  man  die  durchaus  in  regelmäs- 
sige Bänke  gesonderten  Ablagerungen  von  einer  Bergmasse  zur  anderen  zu 
verfolgen  und  ihre  Neigungsverhältnisse  so  wie  ihre  Aufeinanderfolge  sehr 
deutlich  zu  sehen  im  Stande  ist. 

Die  wichtigsten  von  den  radial  gegen  den  Thalboden  der  Königsbach- 
Alm  zusammenlaufenden  tieferen  Einrisse  sind :  der  von  SO.  zwischen  dem 
Zinkeneck  und  Osterhorn  herabkommende  Kendelbach,  der  von  SW.  kom- 
mende Hauptstamm  des  Königsbaches,  welcher  am  Fusse  des  Osterhornes 
und  des  Genner's  in  den  unersteiglichen  Wänden  des  Dachsfelder  Kessels 
und  des  Gennerkessels  seinen  Ursprung  hat,  endlich  der  Schwarzbach- 
graben, welcher  aus  NW.  vom  Königsbergschlage  herabläuft.  Diese  Ein- 
risse, welche  eben  so  viele  deutliche  Profillinien  bieten,  vereinigen  sich  wie 
gesagt  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Königsbach- Alm ,  und  wir  haben 
zweimal  einen  längeren  Aufenthalt  an  dieser  Stelle  genommen,  um  uns  ein 
Bild  von  der  Schichtenfolge  in  diesem  Gebirge  zu  schaffen. 

Der  Bau  dieser  Berge  ist  wie  gesagt  ein  sehr  einfacher.  Etwa  eine 
halbe  Stunde  unterhalb  der  Königsbach-Alm  trifft  man  in  der  Tiefe  des 
Thaies,  welches  sich  an  dieser  Stelle  zu  einer  felsigen  Schlucht  verengt,  eine 
anticlinale  Beugung  der  Schichten,  welche  ziemlich  steil  nach  WNW.  und 
OSO.  von  einander  fallen.  Es  befindet  sich  diese  schwer  zugängliche  Stelle  am 
Fusse  des  Zinkeneck's,  dessen  südliche  Hälfte  sammt  der  ganzen  Masse  des 
Osterhornes  von  diesem  Sattel  abfällt.  Allmählig  wendet  sich  gegen  den 
Hintergrund  des  Thaies  das  Fallen  nach  Süden ;  am  Ausgange  des  Kendel- 
baches  sind  die  Bänke  mit  15  Grad  S.  etwas  in  W.  geneigt,  und  die  ein- 
zelnen Lagen,  welche  den  Rücken  des  Zinkeneck's  bilden,  kommen  auf  diese 
Weise  nacheinander  zum  Thale  herab,  so  dass  im  Dachsfelder  Kessel,  wo 
dasselbe  seinen  Abschluss  findet,  Schichten  anstehen,  welche  einem  ziemlich 
hohen  Niveau  angehören. 

Die  linke  Seite  des  Thaies  ist  nicht  ganz  so  einfach  gebaut.  Man  sieht 
nämlich  in  dem  vom  Königsbergschlage  aus  NW.  herabkommenden  Schwarz- 
bachgraben alle  die  tieferen  Bänke  des  jenseitigen  Abhanges  sich  mit  zu- 
weilen wellenförmig  gebogenen  Schichtflächen  ziemlich  steil  aufrichten 
(St.  NNW,,  Fall.  WSW.)  und  beiläufig  in  der  Hälfte  des  Abhanges  ein 
Gewölbe  bilden,  so  dass  über  demselben  bis  zur  Höhe  des  Königsbach- 
schlages in  normaler  Folge  ein  Theil  der  tieferen  Bänke  des  jenseitigen 
Gehänges  wieder   erscheint,   die   höheren  jedoch   erst  in  grösserer  Ent- 

23* 


170  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  r41 

fernung,  gegen  den  Breitenberg  hin,   sich   auf  diesen  oberen   Schenkel  der 
Wölbung  legen. 

Die  Schichten,  welche  an  diesen  beiden  Anticliualeu  sichtbar  sind, 
bilden  die  tiefsten  an  der  Königsbach- Alm  zu  Tage  tretenden  Ablagerungen 
und  sind  an  beiden  Stellen  gleich.  Wir  stellen  sie  nach  ihren  organischen 
Besten  in  das  Niveau  des  Plattenkalkes.  Die  höchsten  hier  vertretenen 
Lagen  bilden  die  Gipfel  des  Osterhornes  und  gehören  den  oberen  Lagen  des 
Weissen  Jura  an.  Die  Gesammtmächtigkeit  der  aufgeschlossenen  Sediment- 
bildungen beträgt  mehrere  Tausend  Fuss. 

Um  uns  eine  möglichst  treue  Vorstellung  von  der  Gliederung,  nament- 
lich ihrer  tieferen  Theile,  zu  schaffen,  haben  wir  den  Versuch  gemacht,  bis 
in  den  unteren  Lias  hinauf  jede  einzelne  Bank,  sei  sie  nun  viele  Klafter 
mächtig  oder  nur  ein  Band  von  weniger  als  einem  Zoll,  für  sich  abzumessen 
und  zu  beobachten.  Am  rechten  Ufer  des  Königsbaches  beginnen  unsere 
Beobachtungen  an  der  früher  erwähnten  Anticlinallinie  am  Fusse  des 
Zinkenecks.  Das  felsige  Gerinne  des  Königsbaches  gestattete  hier  eine  Bank 
nach  der  anderen  in  der  Reihenfolge  zu  beobachten,  m  welcher  sie  die  Thalfurche 
erreichen.  Wir  konnten  jedoch  auf  diese  Weise  nicht  bis  an  den  Fuss  des 
grossen  und  prachtvollen  Aufschlusses  im  Kendelbachgraben  vordringen,  da 
dieser  durch  vorgelagerten  Schutt  verdeckt  ist.  Das  Bett  oder  vielmehr  die 
Anprallungslinie  eines  dem  Kendelbache  parallelen  Giessbaches,  der  in  ge- 
ringer Entfernung  vom  Zinkeneck  herabstürzt,  Hess  uns  jedoch  die  Schicht- 
folge des  Bachbettes  an  der  Wand  aufwärts  verfolgen,  bis  zu  einem  Niveau, 
das,  nach  den  da  und  dort  durch  das  Gehölz  blickenden  Schieb tenköpfeu 
zu  urtheilen ,  den  tiefsten  im  Kendelbachgraben  entblössten  Schichten 
entspricht. 

Wir  glauben  daher  die  von  der  AnticlinaL  Wölbung  längs  dem  Königs- 
bache, dann  an  der  jähen  Wand  des  Zinkenecks  vorgenommenen  Messungen 
unmittelbar  an  jene  im  Kendelbachgraben  anschliessen  zu  dürfen,  und  zwar 
um  so  mehr,  als  alle  diese  tieferen  Lagen,  so  wie  die  tiefsten  Lagen  des 
Kendelbaches,  dem  Plattenkalke  zufallen  und  höhere  Ablagerungen  erst  in 
dem  höheren  Theile  des  Kendelbachgraben  erscheinen. 

In  ähnlicher  Weise  schliessen  sich  die  Beobachtungen  im  Dachsfelder 
Kessel  an  das  Ende  der  hier  im  Kendelbache  gemachten  Aulzeichnungen, 
indem  sie  hauptsächlich  Juraschichten  betreffen.  Die  im  Schwarzbach- 
graben aufgeschlossenen  Bänke  aber  lassen  uns  das  Bild  des  Platteu- 
kalkes  wesentlich  vervollständigen,  und  wir  werden  aus  der  Fortsetzung 
der  Profillinie  des  Schwarzbachgrabens  hier  noch  ein  Detail-Profil  der  Lias- 
Ablagerungen  am  Breitenberge  beifügen,  welches  die  im  Kendelbachgraben 
und  Dachsfelder  Kessel  in  Bezug  auf  die  Gliederung  des  Lias  gemachten 
Beobachtungen  bestätigt. 

1.  ImGerinne  des  Königsbaches   und    an    der  Wand  im 
Zinkeneck  -  Schlag. 

Es  ist  bereits  erwähnt  worden,  dass  etwa  eine  halbe  Stunde  ausser- 
halb der  Königsbach-Alm  die  Schichten  sich  in  einer  Wölbung  nach  OSO. 
und  WNW.  von  einander  neigen;  hier  beginnen  unsere  Messungen,  und 
zwar  unter  einem  verlassenen  Holzstege.  Die  Beschaffenheit  der  überall 
deutlich  und  scharf  in  Bänke  von  wechselnder  Mächtigkeit  gesonderten  Ab- 


[5]       Stud,  ü.  d,  Glieder,  d.  Täas  it-'..  I[.  Dii  Gebirgsgnippe  d.  Osterhoriies.       171 

lagerungen  ist  eine  höchst  eigenthümliche.  Die  unterste  Bank,  welche  den 
Sattel  des  Gewölbes  bildet  und  deren  Mächtigkeit  nicht  erkennbar  ist,  besteht 
aus  licht-rehbraunem  Kalkstein  von  etwas  dolomitischem  Aussehen,  der  von 
zahlreichen,  offenbar  von  einer  Koralle  herrührenden,  cylindrischen  Gängen 
durchsetzt  ist,  welche  mit  durchsichtigem  Kälkspath  erfüllt  sind  und  auf 
der  Bruchfläche  die  spiegelnden  Spaltungsflächen  desselben  sichtbar  werden 
lassen.  Die  nächstfolgende  Bank,  welche  die  ungewölmliche  Mächtigkeit 
von  15  Fuss  besitzt,  besteht  aus  grauem  Kalkstein  und  über  dieser  wieder- 
holt sich  mehrere  Male  eine  Erscheinung,  welche  durch  ihre  Fremdartigkeit 
diese  Schichtengruppe  vor  den  meisten  uns  in  den  Alpen  bekannten  Ablag- 
erungen auszeichnet.  Es  treten  nämlich  zwei  wesentlich  verschiedene  Bil- 
dungen mit  einander  in  Verbindung,  der  rehbraune  Kalkstein  mit  den  zahl- 
reichen mit  krystalliuischem  Kalkspath  ausgefüllten  Hohlräumen  organi- 
scher Beste  und  der  graue,  petrefactenarme  Kalkstein,  und  diese  beiden 
Gesteine  bilden  nicht  etwa  je  einen  Schiclitenverband,  sondern  sind  in  den  mei- 
sten Fällen  rehbraune  und  graue  Kalksteine  in  eine  einzige  Bank  vereinigt, 
wobei  eine  zackige,  einer  Schäduluaht  vergleiclibare  Linie  die  Grenze  der 
beiden  Gesteine  bildet.  Trennt  man  nach  der  Nalitlinie  beide  Gesteine,  so 
zeigt  sich,  dass  zahlreiche,  vertical  gestriemte  und  den  Stylolithen  ver- 
gleichbare Zapfen  des  einen  Gesteins  in  das  andere  voi 'Iringen,  welche  an 
ihrer  Oberfläche  mit  einer  dunklen  thonigen  Masse  in  ähnlicher  Weise  be- 
deckt sind,  wie  die  Stylolithen.  Es  tritt  also  hier  der  sonderbare  Fall  ein, 
dassdie  Scheidung  der  Bänke  nicht  zusammenfällt  mit  der 
Scheidung  der  verschiedenen  Gesteine,  sondern  dass  mehrere 
aufeinanderfolgende  Bänke  aus  demselben  Gestein  bestehen  mögen,  während 
in  einer  und  derselben  Bank  der  Charakter  der  Ablagerungen  zweimal,  ja 
auch  dreimal,  wechselt  und  die  eben  erwähnteji  Öchädelnälite  es  sind, 
welche  die  Gesteinsgrenzen  bilden. 

Ausser  diesen  beiden  wichtigsten  Gesteinen,  dem  rehbraunen,  petre- 
factenreicheu  und  dem  grauen  Kalkstein,  gibt  es  auch  lichte  Lagen  von 
mehr  dolomitischem  Charakter  und  dunkle  Zwischenlagen,  welche  Pflanzen- 
trümmer enthalten  und  bituminös  sind.  Diese  letzteren  treten  jedoch  erst 
in  einiger  Entlernung  über  der  Aiiticlinal-Linie  auf  Wir  halten  es  für  über- 
flüssig, die  Einzelangaben  über  die  tiefsten  Bänke  im  Bette  des  Königs- 
baches hier  anzuführen,  welche  in  einer  aus  der  Summirung  der  Einzel- 
mächtigkeiten sich  ergebenden  Gesamratstärke  von  176  Fuss  hier  nacheinan- 
der sichtbar  werden ,  da  dieselbfMi  einen  ziemlich  gleichförmigen  Wechsel 
von  rehbraunem  und  grauem  liäufig  durch  Nähte  vereiuig-ten  Kalk  und  da 
und  dort  eine  Einschaltung  von  lichteren  mehr  splittrigen  Bänken  zeigen, 
und  beginnen  mit  der  Aufzählung  der  Bänke  im  Bachbette  unter  dem 
Zinkeneckschlage,  gegenüber  der  Holzriese 
üebertrag : 

Fuss  Zoll 

176  — 

2     1       licht-rehbrauner  Kalk  mit  üahlreiclieu ,   krystalliiiisch  ausgelullten  Resten 
von  Gastropodeu. 

—  2       dunkelgraue  Kalkplatte. 

—  Va  i^öl»i"  dunkle,    bituminöse  Lage    mit  Koh leusplittern    und  Pflanz  en- 

f  ragmcnten. 
2  10       lichtgrauer,  splittriger  Kalk  ohne  Fossilien. 

2     9       ebenso,  zwei-  bis  dreimal  in  unregelmässige  Bänke  untergetheilt. 
2     9       splittriger,  mehr  lichtbrauner  Kalk. 

—  4      lichtgrauer  Kalk,  sehr  splittrig. 


Fuss 

Zoll 

2 

3 

3 

4 

— 

10 

_ 

8 

13 

— 

2 

2 

— 

2 

1 

1 

1 

1 

— 

7 

2 

9 

2 

2 

5 

— 

2 

— 

3 

9 

172  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [61 

lichtgrauer,  splittriger  Kalk, 
ebenso,  etwas  dunkler, 
rehbrauner  Kalkstein, 
lichtgrauer  Kalk. 

massige  Bank  von  festem,  lichtgrauen  Kalk, 
ebenso. 

etwas  dunklere  Zwischenlage, 
lichtgrauer  Kalk, 
ebenso. 

rehbrauner  Kalkstein,  hier  mit  etwas  splittrigem  Bruche  ;    zahlreiche    mit 
krystallinischem  Kalkspath  ausgefüllte  Höhlungen  von  Korallen. 
starke  Bank,  rehbraun,  gleich  der  vorhergehenden, 
grauer,  homogener  Kalkstein. 

sechs  Bänke  von  grauem  Kalkstein,  von  ziemlich  gleicher  Stärke, 
grauer  Kalk. 

eine  zusammenhängende  Bank,  bestehend  unten  aus  1'  10"  von  rehbrau- 
nem homogenem  Kalkstein  mit  Megalodus  und  Turbo  solitarius?,  durch 
eine  Schädelnaht  getrennt  von  1'  11"  grauem  Kalkstein  von  auffallend 
verschiedener  Färbung,  mit  sehr  wenig  Spuren  von  Versteinerungen. 
Handstücke  zeigen  das  Hinabdrängen  der  thonig  bekleideten  und  aus 
grauem  Kalk  bestehenden  Zapfen  in  den  braunen  Kalkstein. 
1     4      grauer,  stark  bituminös  riechender  Kalkstein. 

1  5       ebenso. 

3  2  drei  durch  Schädelnähte  vereinigte  Lagen,  und  zwar:  unten  a)  i'  7"  reh- 
brauner Kalk  mit  Versteinerungen,  etwas  splittrig,  darüber  b)  i'  5" 
ähnlicher  rehbrauner  Kalk  mit  Versteinerungen,  minder  splittrig ;  oben  a) 
2",  Platte  von  grauem  Kalk.  Die  beiden  hier  sichtbaren  Nahtiinien  liegen 
also  im  ersten  Falle  zwischen  gleichartigen,  rehbraunen  Lagen,  im  zwei- 
ten zwischen  rehbraunem  und  grauem  Kalk. 

2  —       ziemlich  dunkelgrauer  Kalk. 

2  4  zwei  gleichstarke  Bänke  vom  selben.  Die  Profillinie,  bisher  knapp  an  dem 
Königsbache  hinlaufend,  wendet  sich  jetzt  an  dem  steilen  Gehänge  des  Zinken- 
eckschlages nach  aufwärts. 

1  10       grauer  Kalk  wie  zuvor. 

2  —       grauer  Kalk. 

3  1       zwei  etwas  schwächere  Bänke  vom  selben. 

2  10       etwas  stärkere  Bank  von  grauem  Kalk. 

4  4      vereinigte  Bänke  und  zwar  unten  eine  in  zwei  gleich  starke  Lagen  geson- 

derte 3'  starke  Masse  von  rehbraunem  Kalk  mit  Korallen,  oben  von   einer 
Schädelnaht  begrenzt,  über  welcher  1'  4"  grauer  Kalk. 

5  9       und  zwar  unten  5'  2"    vielfach  vertical  zerklüftete  Bank  von  rehbraunem 

Kalk  mit  Gastropoden,  oben  eine  Schädelnaht  und  über  derselben  eine 
nur  7"  starke  Platte  von  grauem  Kalk. 

6  7       grauer,  dolomitischer  Kalk. 

11  9  zu  einem  starken  Absätze  vereinigte  Bänke,  und  zwar:  a)  1'  4"  rehbrau- 
ner Kalk  mit  Gastropoden;  b)  —  11"  rehbrauner  Kalk;  c)  i'  4" 
derselbe  mit  Versteinerungen:  d)  6'  4"  dem  vorhergehenden  sehr  ähnlich, 
doch  sehr  splittrig,  ohne  Versteinerungen;  e)  1'  1"  grauer  Kalk;  /)  —  4" 
Platte  von  festem  grauem  Kalk;  g)  —  S"  ebenso,  von  stark  bituminösem 
Gerüche.  Es  ist  schwer  an  der  abgewitterten  Felswand  die  Existenz  der 
Schädelnähte  nachzuweisen. 
t  9  und  zwar  a)  1'  —  rehbrauner  Kalk;  6)  6'  9"  derselbe,  dolomitisch,  mit 
Höhlungen  von  Versteinerungen. 

3  5       zwei  gleich  starke  Bänke  von  lichtem,  etwas  dolomitischem  Kalk. 
6     2       lichtgrauer,  splittriger  Kalk. 

2     2      Bank,    bestehend    aus  a)  \'  11"    rehbraunem   Kalk    mit   Versteinerungen,  - 
durch  eine  Schädelnaht  getrennt    von  b)  —  2"  Platte    von   sehr    lichtem 
dolomitischem  Kalk;   c)  —  3"  lichtgrauer,  sehr  dolomitischer  Kalk. 
19     5       verticaler  Absatz,    bestehend    aus    grauem   Kalkstein;    die   Bänke    sind: 
a)  —  7";  b)  2'  10";  c)  —  9";  d)  —  18";  e)  6'  6";/)  3'  6";    g)   —  6"; 
h)  —  10";  i)  —  7";  k)  i'  10". 
—      S      und  zwar  o)  —  1"  und  b)  —  4"  Platten  von  lichtgrauem  Kalk. 


[7]      Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.    II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes.     173 

Fn»8  Zoll 

3     3      rehbrauner  Kalk  mit  Versteinerungen. 

5  2       grauer    Kalk,     und    zwar    a)    %'  —  splittrige   Lage;    b)  —  8"  ebenso; 

c)  1'  6"  fest;  d)  i'  —  fest. 

3  3      und  zwar:    a)  2'  5"  rehbrauner  Kalk;    b)  \'  9"    grünlichgraue  Kalkbank 

von  fremdartigem  Aussehen  und  dunkleren  Fragmenten  von  organischen 
Kesten;  c)  1'  1"  rehbrauner  Kalk  mit  Versteinerungen. 

6  2       und  zwar :    a)  4'  —  grauer  Kalk ;     b)  —  4"  Platte  vom  selben ;     c)  V  — 

etwas  lichter;  d)  —  10"  wie  c). 
2  11       und  zwar:    a)  \'  \"  rehbrauner  Kalk,    verbunden    mit    b)  i'  10"  dunkel - 
grauer  Kalk. 

4  9       und  zwar:  a)  —  i"  lichter,  gebänderter  Kalkstein,  ähnlich  dem  rehbrau- 

nen, darüber  nur  Lagen  von  grauem  Kalk  in  der  Stärke  von  1'  8",  —  6", 
—  4",   1'  — ,  -  4"  und  —  4". 

5  10      und  zwar:     a)  1'  —  rehbrauner  Kalkstein,    etwas   dolomitisch,    mit  Ver- 

steinerungen, innig  verbunden  mit  b)  —  8",  einer  aufliegenden  Platte 
von  grauem  Kalkstein;  die  Schädelnaht,  an  einzelnen  Stellen  deutlich 
zwischen  a)  und  b)  sichtbar,  verschwindet  an  anderen  Stellen;  endlich  c) 

4'  2"  lichtgrauer,  splittriger  Kalkstein. 

349     IV2 

Mit  diesen  etwa  350  Fuss  starken  Bänken  ist  die  Mächtigkeit  dieses 
Schichtencomplexes  weder  nach  unten  noch  nach  oben  erschöpft  und  obwohl 
es  möglich  wäre,  an  den  Wänden  des  Zinkeneck  die  Messungen  noch  in 
höhere  Bänke  fortzuführen,  liessen  wir  sie  darum  hier  enden,  weil  die  am 
Abhänge  in  geneigter  Richtung  fortlaufenden  Schichtenköpfe  uns  lehrten, 
dass  mit  hinreichender  Genauigkeit  das  Niveau  erreicht  sei,  in  welchem 
der  grosse  Aufschluss  des  ganz  nahen  Kendelbachgrabens  beginnt.  Wir  hal- 
ten uns  in  der  That  für  berechtigt,  die  eben  angeführten  Beobachtungen 
unmittelbar  an  die  tiefsten  Daten  der  folgenden  Reihe  anzuschliessen. 

2.  Der  Kendelbachgraben. 

Dieser  Aufriss  dürfte  durch  die  grosse  Mannigfaltigkeit  und  die  sehr 
regelmässige  Lagerung  der  Bänke,  welche  er  blosslegt,  kaum  von  irgend 
einem  Aufschlüsse  in  unseren  Kalkalpen  übertroffen  werden.  Einen  beson- 
deren Werth  glauben  wir  auf  den  Umstand  legen  zu  müssen,  dass  hier  auch 
eine  grosse  Anzahl  schiefriger  und  thoniger  Lagen  zwischen  den  massigen 
Kalkbänken  sichtbar  wird,  welche  sonst  durch  die  Vegetation  oder  durch 
das  Nachsinken  und  Abbrechen  der  hangenden  Kalksteine  verdeckt  bleiben. 
Es  ist  die  Aufmerksamkeit  unserer  Fachgenossen  vor  Kurzem  durch  die 
Entdeckung  eines  merkwürdigen  Cephalopoden  {Choristoceras Marshi  Hau.) 
in  den  rhätischen  Schiefern  des  Kendelgrabens  zuerst  hieher  gelenkt  wor- 
den i)  und  hat  Herr  Hinter  huber  einige  Na^iricht  über  das  Auftreten 
rhätischer  Gebilde  in  demselben  gegeben  2).  Wir  lassen  im  nachfolgenden 
unsere  Einzelmessungen  in  diesem  Graben  folgen,  welche,  in  der  Gruppe 
des  Hauptdolomites  beginnend,  bis  in  die  Fleckenmergel  des  oberen  Lias 
reichen  und  folglich  die  gesammte  Mächtigkeit  sowohl  der  rhätischen  Stufe 
als  auch  der  verschiedenen  Abtheilungen  des  unteren  Lias  umfassen. 

Der  Kendel-  (Quendel-)  Graben  besteht  aus  zwei  wesentlich  verschie- 
denen Hälften,  einer  oberen,  mehr  kesseiförmigen,  mit  steilen,  bewaldeten 
Lehnen,  hauptsächlich  von  den  Fleckenmergeln  gebildet,  und  einer  unteren, 

*)  F.  V.  Hauer,    Choristoceras,   eine  neue  Cephalop.-Sipp«  aus  den   Kösaeuer 
Schichten,  Sitzungsber.  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften.   1865.  Band  LH. 
2)  Ebenda,  Seite  6  (Sep.) 


174  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  Tg] 

in  welcher  der  Bach  in  wiederholten  Cascaden  über  die  Kalkbänke  des  un- 
teren Lias  und  der  rhätischen  Stufe  herabstürzt  und  sich  eben  so  oft  grös- 
sere Kammern  oder  „Stuben"  in  den  weniger  widerstandsfähigen  Bänken 
aushöhlt.  Auf  den  rothen  Adiiether-Schichten,  an  der  Basis  der  Flecken- 
mergel, ist  eine  Klause  errichtet,  mittelst  welcher  man  zeitweise,  insbeson- 
dere im  Frühjahre  zum  Zwecke  der  Triftung,  die  Wässer  in  dem  oberen 
Kessel  staut,  um  denn  Wasser  und  Holzstämrae  plötzlich  und  mit  grosser 
Gewalt  durch  den  unteren  Theil  des  Grabens  herabschiessen  zu  lassen.  Die- 
sem Umstände  hat  man  eine  jälirliche  Erneuerung  vieler  Aufschlüsse  in  den 
weicheren  Schichten  und  das  frische  Aussehen  dersell)en  zu  verdanken. 

Die  tiefsten,  durchaus  kalkigen  Lagen  bilden  eben   so  viele  klei  ere  ' 
Stufen  und  sind  1S<>  Süd  etwas  in  West  geneigt. 

Fuss  Zoll 

i.  7  —  (wobei  jedoch  die  Basis  der  ychichte  nicht  eiitblösst  ist)  rehbrauner 
Kulk  mit  kleinen,  von  organischen  Resten  herrührenden  Hohlräumen, 
welche  genau  wie  am  nahen  Zinkcneckschlage  mit  hellem  krystallini- 
schem  Kalkspathc  ausgefüllt  sind;  im  oberen  Theil  ist  die  Farbe  des 
Kalkes  dunkelgrau,  doch  enthält  derselbe  auch  hier  organische  Ein- 
schlüsse. 

2.  d  —       licht  bräunlichgrauor  Knik;    beiläufig  in  der  Mitte  der  Bank  mehrere 

Fragmente  von  Gianzkolile,  von  zerdrückten  Pflanzenstämmen 
herrührend. 

3.  6  —       schwarzgraucr  Kalk  mit  Durchschnitten  von  g):ossen  llJegalodonten  an  der 

oberen  Fläche. 

4.  —     3       schwaches  Band  von    schwarzgrauem,    auch    schwarzem    bituminösem 

Kalkstein  mit  kleineu  Ganoidenschuppen,  Fragmenten  und 
Schuppen  von  Araucarites  alpinus  (entsprechend  den  später  zu  be- 
schreibenden Bänken  des  Schvvarzbachgrabens). 

5.  H     9       rehbrauner  Kalk  mit  Durchschnitten  eines  grossen  J/e^fn/otZifs;  im  ober- 
sten Theile  häufige  Kohlenspuren,  auch  Schuppen  des  Arancarites. 
Platte,  oben  breccienartig-,  grauer  Kalk  in  lichtgrauem  Bindemittel, 
drei  ähnliche  breccienartige  Lagen. 
lichtgrau<.-r  Kalk,  starke  Bank. 

und  zwar  durch  beiläufig  2'  polyedrisch  zerbröckelnder  Kalkstein, 
darüber  drei  unvollkommen  getrennte  Kalkbänke;  im  oberen  Theile 
Durchschnitte  eines  grossen  Megalodus.  Von  hier  an  wiederholt  sich 
oft  die  Erscheinung,  dass  der  untisre  Theil  jeder  einzelnen  Stufe 
polyedrisch  zerbröckelt,  während  der  obere  Theil  fest  ist;  bald  ist 
die  zerbröckelnde  Masse  als  eine  selbständige  Bank  von  dem  aufla- 
gernden festen  Kalkstein  getrennt,  bald  lässt  sich  eine  scharfe  Grenze 
nicht  erkennen. 

unten  zeibröckelnd,  oben  fester  weissgrauer  Kalkstein. 
fester  Kalkstein,  weissgrau. 

unten  polyedrisch  zerbröckelnd,  oben  fest,  mit  Megaludüntcn-'QMXc]x- 
schnitten. 

unten  zerbröckelnd,  oben  drei  unvollkommen  getrennte  Kalkbänke, 
unten  zerbröckelnd,  darauf  zwei  feste  Kalkbänke, 
eine  feste  Kalkbank,  etwas  lichter  grau  als  die  vorhergehenden, 
unten  zerbröckelnd,  darauf  feste  Kalkbank, 
zwei  unvollkommen  getrennte  Bänke  von  festem  grauem  Kalk. 
Kalkbank;  in  der  Mitte  läuft  eine  polyedrisch  zerbröckelnde  Lage  durch, 
stark  ausgewaschene  Bank  von  grauem,  zerbröckelndem  Kalk, 
vorspringende  Stufe,  von  mehreren  Lagen  eines  etwas  dünner  geschich- 
teten, grauen  Kalksteins  gebildet. 

21.  6  —  unten  bröckelnd,  darauf  etwa  sechs  unvollkommen  geschiedene  Lagen 
von  verschiedener  Mächtigkeit;  zahlreiche  Durchschnitte  kleinerer 
Megalodonten  in  vereinzelten  Klappen.  Durch  die  Witte  der  zweithöch- 
sten Lage  läuft  ein  etwa  einen  Zoll  starker  Streifen,  der  sich  durch 
die  grosse  Menge  der  eingeschwemmten  Muschelschalen    auszeichnet. 


6'. 

— 

5 

7. 

2 

3 

8. 

7 

6 

9. 

5 

6 

10. 

2 

2 

11. 

1 

6 

12. 

ä 

6 

13. 

2 

6 

14. 

2 

— 

15. 

2 

S 

16. 

2 

— 

17. 

2 

3 

18. 

2 

— 

19. 

3 

6 

20. 

5 

— 

24. 

2  — 

2S, 

12  - 

26. 

1     6 

27. 

4  - 

28. 

5  — 

[9]       Stud.  ü.  d.  Glieder  d  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes.      17S 

Fuss  Zoll 

Die  nächst  höhere,  oberste  Bank  enthält  lichtrothe  Flecken  und  zahl- 
reiche Spuren  von  sogenannten  Lithodendren. 

22.  3     6      drei  Lagen  von  dunklem,  schwarzgrauem  Kalkstein;   erstes  Auftreten 

eines  an  die  dunkleren  Lagen  der  rhätischen  Stufe  erinnernden  Gesteins. 

23.  6     6       unten  durch  1'  bröckelnd,  dann  fest,  grau. —Die  fünffolgenden ßänke, 

welche  den  oberen  Theil  einer  überhängenden  Stufe  des  Wasserfalles 
ausmachen,  konnten  nicht  ganz  erreicht  werden;  sie  verrathen  den 
Charakter  der  vorhergehenden  grauen  Kalksteine  ;  wir  mussten  uns 
damit  begnügen,  ihre  Mächtigkeit  aus  geringer  Entfernung  abzu- 
schätzen, 
feste  Kalkbank. 

davon  2'  unten  bröckelnd,  darauf  zwei  massige  Bänke,  oben  wieder 
3'  zerbröckelnd. 

ausgewaschene,  bröckelnde  Bank. 
fester  Kalkstein,  in  vier  regelmässige  Lagen  gethcilt. 
unten  eine  9"  starke  Lage,    darauf  eine   sehr   starke  Kalkbank,    oben 
zwei  Platten,   jede  6"  stark.    Mit    diesen    ist    die    obere  Fläche    des 
Absturzes  erreicht.    Die  Neigung  der  Schichten  ist  hier  22"  S.  etwas 
in  W.,  also  etwas  steiler  als  unten. 
2!).     1     3       vier  Lagen  von  dunklem,  schwarzgrauem  Kalk:    a)  —  5";    6)  —  2"; 

c)  —  4"  mit  MytU.  minutus,  Anomia  alpina  und  Querschnitt  eines 
Turho     von    der    Gestalt    des    T.    capitaneus ,     keine     Brachiopoden ; 

d)  —  4". 

30.  3     4       drei  vereinigte  Bänke  von  schwarzgrauem  Kalk  mit  einzelnen  weissen 

Kalkspathadern;  die  obere  Fläche  der  obersten  Bank  aulfallend  eben. 

31.  —     1  '/o  dunkles,  braungraues,  etwas  thoniges  Zwischenmittel. 

32.  1     3      Kalkbank,    unten  gegen  das  thoiiige  Mittel    ebenfiächig,    dann    durch 

etwa  2V2"  gebändert  durch  dunklere,  thonige  Streifen,  oben  fest  und 
lichter  grau ;  der  gebänderte  untere  Theil  scheidet  sich  nicht  als 
selbständige  Bank  aus. 

33.  3     6       vier  untereinander  mehrfach  abgetheilte  Lagen  von  etwas  mehr  licht- 

grauem Kalkstein  von  reinerem  Bruche,  ohne  Versteinerungen. 

34.  —     0       Kalk,  in  mehrere  dünne  Platten  getheilt. 

35.  3     3       vier  lichtgraue   Kalkbänkc ,    in    der    zweitobersten   Querschnitte    von 

Bivalven. 

36.  2     472  vier  Bänke,  und  zwar  -—9",     •    3",    —  IV2"  und  1'  3"  von  grauem, 

thonigem  Kalkstein  mit  grossmuschligem  Bruche,  an  den  Aussen- 
flächen  röthlich  beschlagen.  Dieses  Gestein,  welches  an  viele  hydrau- 
lische Kalksteine  erinnert,  entspricht  wohl  Gümbel's  Lebermergel 
und  wird  fortan  als  solcher  bezeichnet  werden;  die  grelle  Färbung 
des  rothen  oder  rothgelben  Beschlages  zeichnet  es  immer  in  besonde- 
rer Weise  aus. 

37.  —     2      verwitterndes,    thoniges,    bräunliches  Zwischenmittel,   darauf  ein  sehr 

dünnes  Blatt  von  Kalkstein,  welches  sich  von  der  nächsthöheren 
Schichte  regelmässig  ablöst. 

38.  4    9      vier  Bänke  von  dunklem,  schwarzgrauem  Kalkstein;  Spuren  von  zwei- 

schaligen  Muscheln. 

39.  1     7       mehrere  dünne  Bänke  von  schwarzgrauem  Kalk  mit  knotigen  Schicht- 

oberflächen, Anomia  alpioia  und  unzähligen  kleinen,  lumachellartig 
eine  der  Bänke  erfüllenden  Schalen,  welche  hauptsächlich  zu  Taenio- 
don  oder  einer  nahestehenden  Form  gehören  dürften. 

40.  1     8       dünnbankiger,    dunkler  Kalkstein    mit    knotiger    Oberfläche,    ähnlich 

dem  Gervillien-Kalkstein. 

41.  3     6      lichtgrauer  Kalk,    unten    in    mehrere  dünne  Platten  gesondert,    oben 

mehr  massig.  Neigung  der  Schichten  hier  18 — 20" ;  bildet  die  Basis 
eines  grösseren  Absturzes. 

42.  —     2       unregelmässiges,  thoniges  Zwischenmittel. 

43.  2     3       dunkler,     knotiger    Kalkstein,     in   viele    Platten    gesondert;     Pinna, 

Mytilus. 

44.  2     4       vier  Lagen,    und  zwar:    a)  —  6"  feste  Kalkbank;    b)  —  11'^   einige 

knotige,  dunkle  Platten;  c)  —  9"  feste,  dunkle  Kalkbank;  d)  —  2" 
thoniges,  dunkles  Zwischenmittel. 

Jahrbuch  der  k.  t.  geologischen  liuichsa.iistalt.  1868  18.  Band.  ?.  Hett  ^* 


176  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics,  [101 

Fnss  Zoll 

45.  3    6      sieben  Lagen  von    schwarzgrauem  Kalk,    in   der   zweiten    von   unten 

Querschnitte  von  Megalodus. 

46.  —     3       thoniges  Zwischenmittel. 

47.  —     5       schwarzer  Kalkstein. 

48.  —    9      wechselnde  Lagen  von  dunklem,  knotigem  Kalkstein  und  etwas  Schiefer. 

49.  3  —       fester,    lichtgrauer  Kalkstein,    unten    in    mehrere  Platten    gesondert, 

oben  massig;  bildet  den  oberen  Band  eines  Absturzes. 

60.  7    6      zusammen  etwa  dreizehn  Bänke  von  grauem  Kalkstein;    in   der  ober- 

sten Spuren  von  kleinen  Bivalven. 

61.  —    9      zwei  Bänke  von  grauem  Kalk;    auf  der  Oberfläche   der   oberen  Bank 

Cardium  austriacum. 

62.  1     8      massige  Bank  von  grauem  Kalkstein,    erfüllt   mit  Querschnitten   von 

Megalodus;  auch  Mytilus  minutus. 

53.  6  —  schwarzgrauer  Kalk,  unten  unregelmässig  in  einige  Platten  geson- 
dert, oben  massig. 

64.  4  —  ähnlicher  Kalk,  in  sechs  Bänke  getheilt.  Gegen  die  rechte  Seite  des 
Grabens  stellen  sich  einige  thonig-schiefrige  Zwischenmittel  ein, 
welche  auf  der  linken  Seite  verdrückt  sind.  Während  die  Bänke  bis 
hieher  noch  ganz  normal  liegen,  stellen  sich  in  den  nächstfolgenden 
leichte  S-förmige  Krümmungen  ein,  als  Folge  eines  localen  Einsin- 
kens  in  die  Zwischenmittel. 

55.  14  —  acht  ähnliche  Kalkbänke,  die  obersten  nur  abgeschätzt,  bilden  den 
oberen  Rand  eines  Absturzes. 

dunkler  Kalk  mit  weissen  Adern,  in  dünneu  Platten, 
vier  Bänke  von  schwarzgrauem,  dunklem  Kalkstein, 
fester,  lichtgrauer  Kalkstein. 

wechselnde,    dünne  Lagen  von  Lebermergel    und   knotigem,    dunklem 
Kalkstein.  Ohne  Versteinerungen. 

schwarzer,  knotiger  Kalkstein  in  mehreren  Lagen,   die  oberste  Schicht- 
fläche mit  unzähligen  Schalen  von  Myt.  minutus  bedeckt, 
schwarzer  Schiefer  voll  Rutschflächen,  auf  einer  Seite  verdruckt. 
Lebermergel,  weich,  braungrau. 

fester,  lichtgrauer  Kalkstein,  ziemlich  dünn  geschichtet, 
schwarzer  Schiefer  als  Zwischenmittel. 

starkes  Lager  von  lichtgrauem  Kalkstein  in  mehrere  Lagen  gesondert, 
schwarzer  Schiefer. 

lichtgrauer,    etwas    breccienartiger  Kalkstein,    grau    in    grauweissem 
Bindemittel,  massig, 
zwei  starke  Bänke  desselben. 

schwarzer  Schiefer,  von  einer  Kalkplatte  durchzogen, 
drei  Bänke  von  grauem  Kalkstein,  mit  thonigen,  wulstigen  Ablösun- 
gen auf  den  Schichtflächen, 
schwarzer  Schiefer. 

schwarzer  Kalk  mit  vielen  Durchschnitten  von  Megalodus. 
massige  Kalkbank,  lichtgrau  mit  weissen  Adern, 
lichtgrauer  Kalkstein  in  fünf  Lagen. 

wiederholter  Wechsel  von  dunklem,  knotigem  Kalk  in  dünnen  Platten 
mit  schwarzem  Schiefer ;  Myt.  minutus  auf  den  Kalkplatten, 
schwarzer  Schiefer. 

Wechsel  von  knotigem  Kalkstein,  einzelnen  Kalkknauern  und  unregel- 
mässigen Flasern  von  dunklem  Schiefer.  In  dem  Schiefer  finden  sich 
einzelne  wohlerhaltene  Muscheln  mit  vereinigten  Klappen ;  sie  stehen 
alle  quer  auf  die  Schichtflächen,  vielleicht  in  natürlicher  Lage, 
fester,  lichtgrauer  Kalkstein,  in  vierzehn  dünne  Bänke  gesondert. 
Wechsel  von  eilf  Lagen  von  Lebermergcl  mit  Myt.  minutus  und  von 
schwarzem  Schiefer;  unten  überwiegt  der  Lebermergel,  oben  nimmt 
die  Mächtigkeit  des  Schiefers  zu. 

fester,  grauweisser  Kalkstein,  oben  in  dünneren  Bänken» 
zusammen    siebzehn    Bänke    von    knotigem ,    dunklem    Kalkstein   mit 
Myt.    minutus;    auf  der   obersten   Bank   erstes   Erscheinen   der  Gerv. 
inflata. 


56. 

1 

6 

57. 

2 

6 

58. 

— 

6 

69. 

2 

8 

60. 

5 

6 

61. 

,^_ 

8 

62. 

— 

9 

63. 

5 

— 

64. 

— 

6 

65. 

4 

— 

66. 

— 

4 

67. 

3 

— 

68. 

2 

5 

69. 

— 

8 

70. 

3 

— 

71. 

1 



72. 

— 

8 

73. 

2 

— 

74. 

5 

— 

75. 

3 

— 

76. 



8 

77. 

4 

— 

78. 

3 

6 

79. 

12 

6 

80. 

S 

81. 

8 

— 

r-H]      Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d,  Osterhornes.      177 

Fuss  Zoll 

82.  57  —  anhaltender  Wechsel  von  dunklem  Kalkstein  und  schwarzem  Schiefer, 
und  zwar:  a)  — 3"  Kalk  mit  Gew.  inflata,  welche  hier  6"  lang  wird; 
5)  —  4"  Schiefer ;  c)  —  3"  schwarzer  Kalk,  Gerv.  inflata ;  d)  —  4" 
Schiefer ;  e)  —  3"  Kalk  mit  Gerv.  inflata  in  besonderer  Menge  an 
der  oberen  Fläche;/)  — l*/«"  Schiefer;  g)  — 3"  dunkelgrauer  Kalk ; 
mitten  durch  zieht  ein  eingeschwemmtes  Band  von  kleinen  Bivalven 
( ?  Taeniodon) ,  auf  der  oberen  Fläche  erstes  Erscheinen  von  einzel- 
nen Exemplaren  der  Ävicula  comorta;  h)  — •  4"  schwarzer  Schiefer; 
i)  —  3"  Kalkstein;  k)  —  IVa"  Schiefer;  l)  \'  —  mehrere  Lagen 
von  knotigen  Kalkplatten ,  deren  dritte  voll  von  Myt.  mimitus,  die 
fünfte  lumachellartig,  die  sechste  und  siebente  (oberste)  thonig  und 
ohne  Petrefacten;  m)  1'  —  bräunlicher,  tlioniger  Schiefer ,  n)  —2" 
Kalk  mit  Myt.  miniäus ;  o)  —  4"  knotiger  Kalkstein ;  p)  —  3" 
schwarzer  Schiefer;  q)  —  4"  Kalkstein;  r)  —  3"  Kalk  mit  Myt. 
minutus;  s)  —  1"  Kalkplatte,  ganz  erfüllt  mit  Myt.  minuius;  t)  —  8" 
bräunlicher  Thonschiefer;  u)  —  11"  fester  schwarzer  Kalkstein; 
»)  7'  —  zusammen  18  Bänke  von  dünngeschichtetem  Kalkstein;  auf 
der  zweiten  Avicula  contorta;  auf  der  dritten  Card,  austriacum, 
Taeniodon;  auf  der  sechsten  Myf.  minutus;  auf  der  neunten  Avic.  con- 
torta ;  auf  der  vierzehnten  zahlreiche  Exemplare  von  Myt.  minutus  und 
Card,  austriacum ;  die  oberste  Bank  ist  eine  Lumachelle ;  w)  2'  6" 
braungrauer,  thoniger  Schiefer  mit  einer  schlecht  erhaltenen  Bivalve, 
ähnlich  Lima;  x)  3'  9"  zusammen  eilt  Lagen  von  knotigem,  dunklem 
Kalkstein;  auf  der  dritten  Tae^iiodon;  auf  der  siebenten  Myt,  minutus 
und  Avic.  contorta;  auf  der  achten  Taeniodon;  auf  der  obersten  Myt, 
minuius;  y)  —  4"  schwarzer  Schiefer;  z)  2'  '6"  zwei  Bänke  von 
schwarzem  Kalkstein;  aa)  — 2"  Schiefer;  bh)  —  4"  Kalk;  ca)  —  3" 
Schiefer;  dd)  -  7"  Kalk;  ee)  —  7"  Kalk;  //)  4'  —  zusammen 
sieben  verdrückte  Bänke  von  Kalk  mit  Zwischenmitteln  von  Schiefer; 
es  folgt  noch  ein  Schichtencomplex  von  etwa  30'  Höhe,  in  welchem 
man  noch  25-  30  Kalkbänke  von  ähnlichem  Charakter  wie  bisher 
unterscheidet,  welche  mit  schwarzem  Schiefer  wechseln.  Der  Schiefer 
ist  dünnblättrig  und  dem  höheren  cephalopodcnführeuden  Schiefer 
vollkommen  gleich;  in  seineu  obersten  Lagen  sind  verdrückte  Schalen 
des  Card,  austriacum  ziemlich  häufig.  Die  Kalkbänke  zeigen  einzelne 
S-förmige  Biegungen;  sie  enthalten  Myt.  minutus;  in  ihnen  tritt  zum 
ersten  Male  Plicatula  intusstriata  auf. 

83.  12  —  fester,  grauer  Kalkstein  in  einigen  starken  Bänken,  bildet  den  weit 
überhängenden  oberen  Eand  eines  Absturzes,  und  sein  oberster  Theil 
blieb  uns  unzugänglich.  Er  ist  zugleich  die  Basis  einer  kleinen,  rings 
von  steilen  Wänden  begränzten  „Stube"  des  Wasserfalles,  in  welche 
wir  nicht  vorzudringen  vermochten;  es  entstand  dieselbe  durch  Aus- 
waschung eines  etwa 

84:.  12  —  mächtigen  Wechsels  von  Schiefer  und  dunklem  Kalkstein,  welcher  ganz 
dem  zweitvorhergehenden  Complexe  ähnlich  zu  sein  scheint.  An 
dieser  Stelle  schneidet  der  Graben  das  Streichen  der  Schichten  unter 
einem  spitzen  Winkel. 

85.  16  —  (sehr  annähernd)  dunkel  blaugrauer,  von  Korallen  durchzogener,  soge- 
nannter Lithodendronkalk,  in  fünf  starke  Bänke  getheilt ;  nur 
die  oberste  ist  etwas  schwächer  (1'  —  stark). 

66'.     4  —      massige  Bank  von  grauem  Kalk  ohne  Korallen. 

87.  32  3  Wechsel  von  Schiefer  und  Kalk,  und  zwar:  a)  —  3"  schwarzer 
Schiefer;  h)  —  4"  dunkler  Kalk;  e)  —  3"  Schiefer;  d)  —  7"  bläu- 
licher, thoniger  Kalkstein  (zum  Lebermergel  gehörig),  erstes  Auf- 
treten von  einzelnen  Klappen  der  Terehrattda  gregaria  und  einer  Avi- 
cula; e)  —  2"  thoniges  Zwischenmittel;  /)  —  3"  Kalk;  g)  —  6" 
Schiefer;  h)  —4"  Kalk;  i)  —3"  Kalk;  *)  -3"  Kalk;  die  beiden  letzten 
Bänke  enthalten  in  Menge  Ter.  gregaria,  Plicat.  intusstriata,  Qervillea, 
selten  die  ersten  Exemplare  von  Pecten  acuteauritus  und  einer  Avi- 
cula; die  Schalen  sind  meistens  lumachellartig  dem  obersten  Theile 
der  Kalklagen  eingeschwemmt ;  /)  —  1"  thoniger  Schiefer ;  m)  1'  4" 
eine  einzige  stärkere  Kalkbauk;  an  der  Oberfläche  Pecte7i  acuteauritut, 

24* 


88. 

—     8 

89. 

—     9 

90. 

i  10 

91. 

16  li 

]78  Eduard  Supss  und  Edmund  von  Mojsisovics.  M-^l 

Fuss  Zoll 

Ävic.  contorta,  Plicat.  intusstrinta,  lumachellartig ;  n)  —  2"  Kalk  mit 
denselben  Conchylien,  auch  Taeniodon ;  o)  2'  —  vier  unregelmässige, 
knotige  Kalkbänke  mit  thonigen  Mitteln  ;  ^)  4'  —  eilf  Kalkbänke 
ohne  Zwischenmittel;  q)  15'  —  zweiundzwanzig  Bänke  von  Kalk  in 
regelmässigem  Wechsel  mit  Schiefer;  die  zweite  mit  Avic  contorta 
in  zahlreichen  Exemplaren  bedeckt,  dazwischen  einzelne  Schalen  der 
Oerv.  inflata  ;  in  den  oberen  Schiefermittelu  selten  vereinzelte  Klap- 
pen einer  kleinen  Avicula;  r)  4'  —  wiederholter  Wechsel  von  dünn- 
geschichtetem knotigem  Kalk  und  thonigen  Mitteln;  s)  %'  —  zwei 
starke  Kalkbänke,  auf  der  unteren  Ter.  gregaria-,  auf  der  oberen  Oerv. 
inflata. 

schwarze  Kalkbank. 

mehrere  Platten  von"  lichtgrauem  Kalkstein. 

eine  starke  Kalkbank  ;  Ter.  gregaria ;  Versteinerungen  im  Querbruche, 
wechselnde  Bänke  von  Kalk  und  Schiefer,  und  zwar  a)  —  3"  Schie- 
fer; h)  —  IV2"  Platte  mit  Myt.  minutus;  c)  1'  —  vier  Kalkbänke, 
erfüllt  mit  Tausenden  von  Schalen  der  Ter.  gregaria,  dazwischen  PHcat . 
intusstrinta  und  Cidaris  Falgeri;  d)  —  4"  Schiefer;  e)  —  6"  drei 
Platten  erfüllt  mit  Ter.  gregaria,  dabei  seltene  Schalen  von  Qerv.  in- 
flata, Plicat.  intusstriata  und  Avicula;  f)  —  7"  thonige  Platten  mit 
sehr  vereinzelten  Schalen  von  Ter.  gregaria  und  Myt.  minutus;  wurra- 
förmige  Ablösungen  auf  den  Schichtflächen;  g)  —  IVa"  Kalkplatte; 
Conchylien  wie  früher;  es  folgt  durch  14'  ein  ähnlicher  Wechsel  und 
zwar  unterscheidet  man  zuerst  23  dünne  Kalkplatten  zwischen  Schiefer- 
"  bändern,  dann  11  Kalkplatten,  welche  ohne  Zwischenmittel  aufein- 
anderfolgen; eine  der  unteren  Kalkplatten  führt  Gerv.  inflata  in 
grosser  Menge,  doch  ist  es  in  den  oberen  Bänken  nicht  möglich,  das 
Auftreten  der  Versteinerungen  zu  verfolgen,  da  der  Fels  von  dem 
tosenden  Wasserfalle  glatt  abgeschliffen  ist. 

92.  5  —       eine  massige  Bank    von  lichtgrau(!m    Kalk,    welche    vorspringend  den 

oberen  Eand  eines  Absturzes  bildet;  auf  ihrer  knolligen  Oberfläche 
Megalodns  in  grosser  Menge. 

93.  1     4       drei    knotige    Bänke  von    dunkclgrauem  Kalk ;    vereinzelte  Exemplare 

von  Ter.  gregaria,  Plicat.  inlnsstriata  und   Card,  aiisiriacam. 

94.  ii     3       wechselnde    Bänke    von    Kalk    und    Schiefer,    uud    zwar:    a)    —  3" 

schwarzer  Schiefer;  b)  —  3"  Kalkplatte,  zahlreiche  Bivalven ;  e) 
—  10"  lichter  thoniger  Schiefer;  d)  1'  4"  fünf  unregelmässig  ge- 
theilte  Kalkbänke,  auf  welchen  Avic.  contorta,  Card,  austriacum  und 
wurmförmige  Wülste  ;  e)  -  8"  thoniger  Schiefer ;  /)  —  5" 
knotige,  unregelmässige  Kalkbank  mit  Avic.  contorta  und  Pect,  acu- 
teauritus;  g)  \'  11"  thoniger  Schiefer  mit  einzelnen  ellipsoidischen 
Knauern  von  Lebermergel,  an  der  Luft  rothgelb  beschlagen  ;  /*)  —  4" 
dunkle  Kalkplatte,  oben  bedeckt  mit  Gerv.  inflata;  i)  —  3"  schwarzer 
Schiefer;  k)  —  3''  Kalkplatte,  Gerv.  inflata;  l)  —  S"  Schiefer; 
m)  —  3"  Lumachellen-Kalk,  Avic  contorta,  Cidaris  Falgeri  (?) ; 
n)  T  —  (beiläufig)  weiterer  Wechsel  von  Schiefer  und  Kalk ,  wovon 
jedoch  nur  die  unteren  l'^'  gut  entblösst,  die  oberen  Lagen  aber 
meist  verstürzt  und  durch  das  Nachsinken  der  mäclitigen  auflagernden 
Kalkbänke  an  einer  Seite  des  Grabens  verquetscht  sind.  Vielleicht  ist 
die  Mächtigkeit  noch  etwas  grösser  anzunehmen ;  man  erkennt  im 
oberen  Theile  eine  mit  Gerv.  inflata  bedeckte  Kalkplatte  und  eine  an- 
dere mit  Ohemniizia,  Card,  austriacum,  Myt.  minutus  und  Anomia 
alpin  a. 

massige  Bank  von  blauscliwarzeni    Litli  odendronkalk. 
drei  Kalkbänke  ohne  Versteinerungen, 
massige  Bank  von  blaugrauem    Li  th  0 d e  n  d  r  o  n  kalk, 
zwei  Bänke    mit  seltener    eingestreutem   Lithode  n  dron,    die  obere 
fast  frei  davon. 

(beiläufig)  wechselnde  Bänke ;  etwa  4'  an  der  Sohle  durch  Scliutt 
verdeckt  und  16'  sichtbar,  schräge  von  einer  leichten  Verwerfung 
durchsetzt.  Der  Schiefer  ist  vorwaltend  und  nur  von  4  dünnen 
Platten  durchsetzt.    Die  erste,    dritte    und  vierte  Platte  bestehen  aus 


95. 

4 

6 

96. 

1 

6 

97. 

4 

6 

98. 

2 

— 

99. 

20 



\n) 


Stiid.  ii.  cl.  Glieder,  d.  Trias  etc.  IL  Die  Gebirgsi^ruppe  d  Osterhornes.       j  79 


Fii<;s  Zoll 

grell  gelb  besclilagcnom  Lcbermcrgel,  die  zweiti>  aber,  welche  bei- 
läufig 4'  über  der  sichtbaren  Basis  durchläuft,  aus  einer  harten  Kalk- 
lumachelle, insbesondere  mit  I'-;/-  (jrcgariu.  Die  tiefsten  sichtbaren 
Schieferlagen  enthalten  zahlreiche,  doch  durchaus  kleine  Exemplare 
von  Taeniudon,  Avic.  eonlorln  und    yTyl.  ni/'mUus. 

100.  6  —       zehn    Platten    von  festem  Kalk,  voll  Versteinerungen;    Gerv.    inßata, 

My!.  minulus. 

101.  —     3       Lebermergel    mit    einzelnen    Exemplaren    von  Ter.    gregaria  und  Tae- 

nioioH. 

102.  14  —       Lebermergel  im  Wechsel  mit   bläulich  thouigem    Schiefer;  man  zählt 

22  härtere  Lagou.  welche  oben  und  unten  auffallend  ebenüächig  sind, 
nur  die  obere  Fläche  der  obersten  Bank  ist  knotig;  wahi scheinlich 
zur  Cement -Erzeugung  geignet. 

103.  4  —       schwarzer  Schiefev,  in  seiner  oberen  Hälfte  von  3  Eeihen   von  Knoten 

von  Lebcrmergcl  durchzogen. 
104:.     2     6       massige    Kalkbank;    bildet    den    oberen    Eand    eines    kleineren    Ab- 
sturzes. 

105.  —     H       dunkler  Kalk  mit  Ter.  gregaria,  Avic.  corUorta  und  Nulliporen  ähn- 

lichen Bildungen  auf  der  Schichtoberfläche.  Das  Profil  ist  jetzt 
durch  beiläufig 

106.  20  —       von  riesigen  Blöcken  bedeckt,    welche    sich  von  der  mächtigen,    höher 

folgenden  Kalkmasse  abgelöst  haben;  über  diesem  Versturzc  sieht 
man  nur  durch 

107.  S   —       die  Unterlage,  bestehend  aus  dünngeschichtetem,  blaugrauem  Kalk  mit 

Avic.  contorta ;  hierauf  folgt  wieder  ein  Versturz,  entsprechend  einer 
verdeckten  Mächtigkeit  von  etwa 

108.  35  —       und  hervorgebracht  durch  das  Abbrechen  der  unterwaschenen  riesigen 

Bänke,  welche  darüber  anstehen. 

109.  60  —       (beiläufig)     grosse    Masse    von     grauweissem    Lithodendro  nkalk, 

eine  verticale  Wand  bildend,  welche  vom  Bache  mitten  durchnagt  ist, 
der  zahlreiche  Eiesentöpfe  ausgewaschen  hat.  Diese  Masse  ist  nur  in 
der  Mitte  durch  eine  Fuge  in  zwei  ziemlich  gleichstarke  Bänke  ge- 
sondert. 

110.  S     6       drei  bis  fünf  unvollkommen  gctheilte  Bänke  von  ähnlichem,    bläulich- 

weissem,  harten  Kalkstein;  in  der  obersten  einzelne  mit  Kalkspath 
erfüllte  Durchschnitte  von  Brachiop  od  en. 

111.  41  —       zusammenhängender  Schichtencomplex  von  dunkler    Farbe,    und  zwar; 

n)  5'  3"  schwarzgrauer,  kootiger  Kalk  in  acht  unregelmässigen  Bänken 
mit  Brachiopoden ;  in  der  obersten  Bank  Terebratidapgriformiö,  ükyn- 
clionella  ßssicostata,     lUignclionella    suhrimosa,    Spirigera    oxycolpos,  alle 
mit  geschlossenen  Gehäusen.    Spirigera  oxycolpos    ist  besonders  häufig; 
diese   Bank    steht  mit  grossem  Petrefactenreichthum  im  rechtseitigen 
Walde  an;  6)  2'  3"  zwei  etwas  dunklere    Bänke;    c)  i'  1"  Kalkbank; 
ü!)  —  5"    Kalkbank;     c)    —  8"    etwas    lichtere    Kalkbank;    /')   1'  — 
zwei  ähnliche  Bänke,    unrcgelmässig  von  einander  getheilt;    g)  —  9" 
zwei  Bänke  mit  Spirigera   oxycolpos;    h)  —  6"  etwas  dunklere  Bank; 
i)  —  3"  Schiefer;    k)    —  9"  Kalkbank;    l)  —  %"  Schiefer;    m)  1'  5" 
stärkere  Kalkbank,  etwas  lichter,  mit  knotiger  Oberfläche;    n)    —  4" 
Schiefer;  o)  —  9"  Kalkbank;    p)  2'  8"  sechs  Bänke  von  Lebermergel, 
in  der  obereu  härteren  Bank  Spirigera   oxycolpos,    riHua  &p.]  q)  —    3' 
uchiefer;    r)  5'  —  neun  Kalkbänke;    s)  5'  —  sechs  Bänke,    durchaus 
schwarzgrauer    brachiopodenführender    Kalk  ;     <;)    3'  —    vier    Bänke; 
u)  —  8"    eine    Bank;    diese    letzteren  20  Bänke,     zusammen   13'  8", 
sind  sich  durchaus  ähnlich;  z-)  schwaches  Schieferband;  w)  8'  6"  fünf- 
•    zehn  Bänke  von  dunkclgrauem  brachiopodenführenden  Kalk,  wie  früher ; 
in  der  achten  Bank  licgan  lihynchoneUa  suhrimosa,  Avicula  Koessen^nisis, 
Pecfen    arutenuritm^,      in    der    neunten  Finna     sp.,    in     der     obersten 
Bliynchonella  fifisicostafa.   Es  scheint  keine  dieser  Bänke  ohne    Verstei- 
nerungen zu  sein. 
112.  27     4       Eine  Schichtengruppc,  bestehend  aus  den  folgenden  Bänken:     a)  9'  — 
schwarzer,    dünnblättriger  Schiefer    mit  zahlreich  eingestreuten,  sehr 


i80  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [14] 

FUES  Zoll 

kleinen  Scliwefelkieskügclchen  ;  Choristoceras  Marshi  in  Menge 
als  Scliwefelkieskerne;  ferner  Avicula  Koessenensis,  Taeniodon  (?) 
sp.  Diese  Schiefermasse  bescUägt  sich  an  der  Luft  gelb  in  ähnlicher 
"Weise,  wie  die  Lebermergel;  b)  —  5"  mit  grosser  Eegelmässigkeit 
durchsetzende  Bank  von  hartem,  blaugrauem  Lebermergel,  rothgelb 
beschlagen,  in  würfelförmige  Stücke  brechend;  diese  Bank  lässt  das 
Vorhandensein  mehrerer  kleiner  Verwerfungen  erkennen ;  c)  8'  — 
zweite  Hauptmasse  von  schwarzem  Schiefer;  in  der  unteren  Hälfte 
dieser  zweiten  Masse  findet  sich  der  grösste  Reichthurn  an  Choristoceras 
Marshi;  d)  8'  11"  wechselnde  Bänke  und  zwar  10"  Kalkplatten, 
'  V  Schiefer,  7"  Kalkband  mit  einzelnen  grossen  Exemplaren  der 
Avicula  Escheri,  5'  6''  weiterer  Wechsel  von  Schiefer  und  etwa  12 
■  Platten  von  dunklem  knotigen  Kalkstein;  in  einer  der  mittleren  Kalk- 
steinplatten Mhynchonella  fissicostata. 

113.  6     6       Neun    Bänke    von  lichtgrauem  Kalkstein  mit  knotigen  Schichtflächen 

und  mit  unregelmässigen  Zwischenmitteln  von  Schiefer,  aussen  röthlich 
beschlagen;  diese  Gruppe  scheidet  sich  treppenförmig  von  den 
übrigen  aus.  In  der  vierten  Bank:  Avicula  Escheri,  Avicula  Koes- 
senensis, Terehratula  pyriformis,  Waldheimia  noriaa,  Mhynchonella  sp. , 
Piiina  sp. 

114.  1     6      Wechsel    von    schwarzem    Schiefer    und    sieben  Bänken    von  hartem, 

gelbbeschlagenera  Lebermergel.  Sowohl  die  Lagen  von  Schiefer  als 
auch  die  harten  Lebermergel  nehmen  nach  oben  an  Mächtigkeit  zu. 
Die  fünf  tiefsten  Lagen  von  Lebermergel  sind  sammt  den  Schiefer- 
mitteln nur  von  geringer  Stärke;  die  sechste  harte  Bank  misst  —  6", 
darauf  1'  i"  Schiefer,  —  7"  Lebermergel,  endlich  als  oberste  Lage 
2'  9"  Schiefer. 

115.  3     6      Fünf  unregelmässige  Bänke  von  grauschwarzem   Kalk;  Pecten  acuteau- 
ritus,  Pinna  sp. 

Schiefer,  darin  eine  schwache  Lage  von  Lebermergel, 
zwölf  Bänke  von  hartem  lichtgrauen  Kalkstein. 
Wechsel  von  blauem  thonigen    Schiefer  und  zehn  harten  Bänken  von 

Lebermergel.  Diese  Gruppe  geht  durch  das  Uebergreifen  von  ganz 
ähnlichen,  thonig  schiefiigen  Zwischenmitteln  zwischen  die  untersten 
Bänke  über  in  eine  mächtige  wohlgeschichtete  dunkle  Kalkmasse,  welche 
eine  senkrechte  Wand  bildet.  Die  mittlere  Region  dieser  Wand  blieb 
uns  unzugänglich;  durch  theilweise  Messungen  glauben  wir  jedoch 
die  Mächtigkeit  dieser  Ablagerung  sehr  annähernd  mit 

119.  53  —       angeben  zu  können;  die  Zahl  der  Bänke  ist  beiläufig  67.     Die  oberen 

zeigen  einen  durchaus  einheitlichen  Charakter ;  sie  bestehen  aus  festen 
dunkelgrauen  knolligen  Kalken.  Zwischen  die  57.  und  58.,  dann  die 
58.  und  59.  Bank  schalten  sich  Knauer  von  schwarzem  Hornstein  ein. 
Die  61.  Bank  ist  bräunlich  gefärbt.  Die  oberste  Kalkbank  endet  mit 
einer  bituminösen  Rinde,  welche  Fucoiden,  Schuppen  von  Ganoiden, 
Plicatula  sp.  (ähnlich  intusstriata)  ,  Avicula  Koessenensis,  Cardinia  (?) 
sp.  (sehr  klein),  Bhynchonella  sp.  *)  einschliesst. 

120.  —     6^2  Blauschwarzer     Kalkstein    mit     vielen     weissen    Kalkspathlinien.     In 

seinem  oberen  Theile,  beiläufig  ^'^  Zoll  tief,  wird  er  durch  Auf- 
nahme von  Bitumen  schwarz  und  braun  gebändert  und  führt  dann 
zahlreiche  kleine  GanoaZ-Schuppen.  Im  unteren  kalkigen  Theile  trifft 
löan  Schwefelkiesknollen  und  fucoidenartige  schwarze  Bänder.  Zu  den 
Petrefacten  der  vorhergehenden  Lage  kommen  hier  hinzu:  Lima  suc- 
cincta,  Ostrea  arietis.  Der  bituminöse  Streifen  bildet  nicht  eine 
Schichte  für  sich,  sondern  stellt  nur  den  obersten  Theil  der  einzigen 
ungetrennten  Kalkbank  dar. 

121.  i9     5       Wechsel    von    mergeligen    Schiefern  und  Kalkbänkchen.     Die  ersteren 

sind  von  anderem  Charakter,  als  die  rhätischen  Lebermergel,  blaugrau 
statt  schwarz,  nicht  fett,  und  zeichnen  sich  insbesondere  durch  starken 


116. 

i  — 

117. 

9  — 

118 

6  - 

*)  Die  Fossilreste    der  rhätischen    Formation   wurden  von    E.    Suess,    die 
der  Jura-Periode  von  Edm.  v.  Mojsisovics  bestimmt. 


[15j     Stud,  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  IL  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes.       181 

Fuss  Zoll 

Gehalt  au  Sand  aus.  Sie  verwittern  braun.  Die  Kalke  sind  von 
blauer  Farbe,  an  der  Luft  braun,  klotzig  an  ihrer  Oberfläche.  Man 
unterscheidet  folgende  Lagen:  a)  i'  .-  mergeliger  Schiefer;  b)  — 6" 
Kalk;  c)  —  21/3"  Kalk;  d)  3'  —  mergeliger  Schiefer  mit  kohligen 
Pflanzenspuren,  kleinen  GanoidScha^^en,  Astarte  'psilonoti  Qu.,  Gxicul- 
laea  psilonoti  Qu.,  Area  ap.;  e)  V —  Kalk;  /)  — S"  sandiger  Schiefer; 
g)  —  4"  Kalk;  h)  —  1"  Schiefer;  i)  —  3''  Kalk;  k)  —  6V2" 
Schiefer  mit  unregelmässiger  Oberfläche;  /)  —  7"  (im  Mittel)  Kalk  ; 
m)  —  6"  Schiefer;  n)  —  10''  zwei  Kalkbänke  mit  unbedeutendem 
Schiefermittel;  o)  —  3"  Schiefer;  p)  —  6"  Kalk.  In  seinem  Fort- 
streichen wird  dieser  Complex  noch  mächtiger,  indem  auf  p)  ein 
grösserer  Wechsel  von  sandigem  Mergel  und  Kalk  folgt:  Avtcula 
Koessenensis ,  gegen  oben :  Terebratula  cf.  punctata,  TJnicardium  car- 
dioides,  Pecten  sccuris  ,  öawoiVZ-Schuppen,  Fucoiden.  Am  Schlüsse 
der  „Stube"  beträgt  in  Folge  dieses  Anwachsens  die  volle  Stärke 
19'  5". 

122.  7     3      Neun  Bänke  von  hartem  dunkelgrauem  Kalk;  einige  führen  zahlreiche 

Crinoiden-Fragmente.  Die  siebente  Bank  umschliesst;  Spiriferina  Wal- 
cotti  (häufig),  Ter.  cf.  punctata,  Ter.  pp.rforata  Piette,  Terebratula 
sp.  ,  Bhynchonella  sp. ,  Lima  gigantea  (häufig),  Pinna  semistriata 
Terq.  Die  oberste  Bank  ist  an  ihrer  Unterseite  erfüllt  mit  Ostrea 
arietia-  Bis  in  dieses  Niveau  reichen  die  bituminösen  Zwischenmittel 
mit  den  fucoidenartigen  Streifen;  die  Auster  selbst  liegt  vorherrschend 
in  einem  solchen.  Auch  die  kleinen  Öawoaii-Schuppen  steigen  bis 
hierher. 

123.  4    6       Drei    Bänke    grauen    Kalkes  ,     welche    uns     keine     Versteinerungen 

gaben. 

124.  1     6      knotige    Kalkbank    mit    unregelmässigen    thonigen  Ablösungen :  Am- 

monites  anguJalus  (häufig),  Amm.  longipontinus,  Amm.  laqiietos,  Amm.  cf. 
Kridion,  Orthoceras  sp.,  Nautilus  sp.,  Terebratula  cf.  punctata,  Chem- 
nitzia  Zinhmi,  Lima  gigantea.  Das  Gestein  ist  grau,  hart  und 
in  der  Eegel  durch  seinen  Gehalt  an  Crinoiden-Fragmenten  grob- 
brüchig. Die  petrographische  Grenze  gegen  die  auflagernden  gelben 
Kalke  ist  sehr  scharf. 

125.  3     2       Vier  ziemlich  gleich  starke  Bänke  von  gelbem  Kalk,  Durch  die  beiden 

unteren  ziehen  knotige  Massen  von  wachsgelbem  Hornstein  Die  oberen 
Bänke  haben  eine  etwas  in  das  Leberbraune  hinüberspielendo  Färbung 
und  sind  weiss  geädert.'  „Enzesfelder  Kalk," 

126.  5     6      fester  Adnether  Marmor  mit   wenig  Schichttheilungen,  dunkelroth,  zU' 

weilen  an  den  Rändern  grünlich. 

127.  2ä  —       rothe  dünnplattige    Kalke    mit    sehr  knotigen    Schichtflächen,  welche 

thonig  belegt  sind.  Typische  Adnether-Schichten.  Viele  Ammoniten, 
Orthoceras. 

Ueber  den  Adnether  Schichten  folgen  in  grosser  Mächtigkeit 
die  sogenannten  „Fleckenmergel"  des  oberen  Lias,  begleitet  von 
bunten  Breccien-  und  Pentacriniten-Bänken.  Es  wurde  jedoch  die 
Fortsetzung  des  Profils  auf  dieser  Linie  aufgegeben  ,  weil  die 
Aufschlüsse  \i\  den  höheren  Schichtengruppen  nicht  ausreichend  waren. 
Der  nächste  Parallelgraben  des  Kendelbachgrabens,  der  sogenannte 
„Dachsfelderkessel"^  bot  uns  hingegen  ausgezeichnete  Gelegenheit, 
das  Profil  nach  oben  fortzusetzen,  indem  dort  die  Risse  tief  in 
das  Felsgerüste  des  Osterhornes  und  Hohen  Zinken  einschneiden. 

3.  Genner klause  — Dachs felderkesseL 

Steigt  man  von  der  Königsbachalm  das  Königsbachthal  aufwärts,  so 
bietet  sich  die  Gelegenheit  dar,  die  ganze  Schichtenfolge  des  Kendelbach- 
grabens  zu  beobachten,  indem  die  Schichten  in  ihrem  Herüberstreichen  sich 
flacher  neigen  und  der  Keihe  nach  das  felsige  Gerinne  des  Königsbaches  er- 
reichen. Häufig  sind  jedoch  die  weicheren  Lagen  der  rhätischen  Formation 


182  Eduard  Siiess  und  Edinund  von  Mojsisovics.  ijß] 

von  den  Gewässern  des  Königsbaches  ausgewaschen  und  in  Folge  dessen 
sind  die  Einstürze  bedeutender.  Die  Gennerklause  wird  von  Kalk- 
felsen getragen,  welche  weit  über  ausgespülte  schwarze  Schiefer  _empor- 
ragen  und  wohl  der  Wand  des  Hauptlithodeudronkalkes  im  Kendelbache 
entsprechen  werden.  An  dieser  Stelle  mündet  von  der  rechten  Seite  her  ein 
tief  ausgefurchter  Wasserl,auf,  welcher  im  Dachsfelder  Kessel  am  Fusse  des 
Hohen  Zinken  und  des  Osterhorues  seinen  Anfang  nimmt  und  parallel  dem 
Gerinne  des  Kendelbaches  streicht.  Er  bietet  namentlich  in  den  höheren 
Schichtengruppen  ausgezeichnete  Aufschlüsse  dar,  so  dass  das  Profil  des 
Kendelbachgrabens  am  zweckmässigsten  hier  fortgesetzt  wird  Zunächst 
über  der  Geunerklause  folgt  verstürztes  Terrain.  Eis  wird  dasselbe  dem 
Complexe  mit  Cltoristoceras  Marshi  entsprechen,  welcher  jenseits  im  Hasel- 
graben wieder  anzutreffen  ist  und  hier  durclistreichen  muss.  Dem  Bache 
aufwärts  folgend,  gelangt  man  über  ein  grosses  Haufwerk  von  Felstrümmern 
zu  jener  grossen  Aufeinanderfolge  von  Kalkbänken,  an  der  Grenze  zwischen 
der  rhätisclien  und  der  Lias-Forraation,  weiche  im  Profile  des  Kendelbaches 
die  steile  Wand  unter  der  Kendelklause  bildet  und  uns  dort  in  ihrem 
mittleren  Theiie  unzugänglich  blieb  (Schicht  Nr.  119.),  Man  bemerkt  auch 
hier  grosse  Knollen  von  dunklem  Hornstein  zwischen  die  einzelnen  Bänke 
wie  eingeschoben.  Höher  oben  in  den  fossilienreichen  Schichten  des  unteren 
Lias  erscheinen  Hornsteine  häufig  i  n  den  Kalkbänken,  während  sie  den  Ge- 
steinen der  rhätischen  Formation  überhaupt  fremd  sind.  Von  Petrefacten 
lieferten  uns  diese  Schichten  nur  einzelne  verstreute  Spuren.  Eine  Kalkbank, 
deren  oberer  Theil  in  eine  bituminöse  Rinde  mit  Pucoiden-  und  Ganoid- 
schuppen  übergeht,  entblösst  ihre  Schichtiiäche  im  Bette  des  Baches.  Dar- 
über erscheint  der  Wechsel  von  dunklen  Kalkbänken  und  schiefrigen  Zw  ischen- 
mitteln  mit  Ostrea  arietis.  In  den  tiefer  liegenden  Theilen  der  letzteren 
findet  man  die  silbern  blinkenden  Schalen  einer  neuen  Art  -von  Rhynchonella 
häufiger,  als  in  den  entsprechenden  Schichten  des  Kendelbaches  Ausserdem 
sammelten  wir  hier :  Lima  gigantea,  Pinna  semistriata,  Terehratula  per- 
forata,    Terehratula  cf.  punctata,    Terebratiäa  cf.  cor  Lamk. 

Eine  kleine  Verwerfung  bringt  die  Enzesfelderkalke  sofort  in 
das  Niveau  des  Baches.  Auf  die  graue  knotige  Bank  des  Ämmonites 
angulatus,  deren  Knollen  in  Vertiefungen  der  auflagernden  Schichte 
passen,  folgen: 

a)  7  Zoll  im  Mittel.  Gelbbrauner  Kalk,  welcher  durch  eine  durch- 
ziehende Lage  von  grossen  wachsgelben  Hornsteinnieren  in  gleiche  Hälften 
getheilt  wird. 

h)  7  Zoll,  Der  vorhergehenden  ähnliche  Kalkbank,  im  allgemeinen  von 
gelber  Farbe.  An  einzelnen  Stellen  erscheint  sie  jedoch  blaugrün  mit  blau- 
grünen Hornsteinen 

c)  2  bis  3  Zoll.  Mehrere  unregelmässige  Platten  von  wachsgelbem  Kalk. 

Darüber  liegen  ohne  weitere  Zwischenlage  sofort  die  plattigen  rothen 
Adnetherkalke,  deren  Mächtigkeit  36  -  40  Fuss  betragen  dürfte.  In  die 
obersten  Bänke  schalten  sich  Lagen  von  rothem  Hornstein  ein. 

lieber  den  Adnether  Schichten  erscheint  sofort  eine  beiläufig  1  Fuss 
starke  Bank  von  Conglomerat  mit  lichter  grauweisser  Grundmasse,  Gerollen 
von  verschiedenen  bunten  Varietäten  von  Alpenkalk,  Hornsteinknollen  und 
eiuzelnen  Crinoidenstielen. 


[17]    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II    Die  Gebirg^ssfruppe  d.  Osterhornos      183 

Auf  die  Conglomeratlage  folgt  sodann  ein  Wechsel  von  lichtgrauen 
plattigen  Kalken  und  Fucoiden-führenden  Schiefern,  sogenannte  „Flecken- 
mergel," in  welchen  wir  ausser  einigen  unbestimmbaren  f>rachiopodenschalen 
keine  Petrefacten  sahen.  Diese  Fleckenmergel  bilden  am  Eingange  in  den 
eigentlichen  Dachsfelderkessel  jähe  Wände,  welche  die  von  uns  auf  240  bis 
260  Fuss  geschätzte  Gesammtstärke  in  vielen  Hunderten  von  Platten  und 
schiefrigen  Zwischenmitteln  erkennen  lassen, 

üeber  den  Fleckenmergeln  lagert  ein  sehr  bemerkenswerthes  Gebilde, 
nämlich  eine  grosse  ungeschichtete  Masse  von  Conglomerat  mit  röthlicher, 
innen  grünlicher  Grundmasse,  welche  stellenweise  roth  übergössen  ist.  Es 
sind  alle  Anzeichen  einer  stürmischen  Bildung  vorhanden.  Nicht  weit  von 
der  unteren  Grenze  schalten  sich  dem  Conglomerate  dunkelrothe  eisenreiche 
Bänke  von  Kalkstein  ein.  Dieser  umschliesst  Knauer  und  concentrisch  sich 
abschälende  Bohnen  von  Kotheisensteiu,  welche  im  Durchmesser  gewöhnlich 
i/a — 3/4  Zoll  messen  aber  auch  mehrere  Zoll  Grösse  erreichen  und  zerstreut 
und  vereinzelt  im  Kalke  liegen.  In  petrographischer  Beziehung  ist  die  Aehu- 
lichkeit  mit  den  Schichten  von  Swinitza  im  Banat  und"  der  Klaus- Alm  bei 
Hallßtatt  eine  auffallende.  Von  den  Versteinerungen,  welche  wir  hier  sam- 
melten, nämlich: 

Ammonites  polyscJiides  Waag., 

Ämnionites  subcoronatus  Opp.  , 

Ammonites  cf.  HmnpJiriesianus  Sow., 

Ammonites  subradiatus  Sow.  (?)., 

Nautilus  sp., 

JBelemnites  sp 
deuten  jedoch   die   drei  zuerst  angeführten  Ammoniten  auf  einen  tieferen 
Horizont,   welchem  ausserhalb  der  Alpen  die  Zone  des  Ammonites  Sausei 
entspricht. 

Das  Conglomerat  hält  in  grosser  Mächtigkeit  an.  Da  und  dort  wieder- 
holen sich  schieferige  Zwischenlagen,  und  gequälte  Scherben  des  Scliiefers 
finden  sich  eingebettet  in  das  Conglomerat  selbst,  so  dass  die  Erhärtung, 
Beugung  und  das  Zerbrechen  dieser  Schiefermassen  ohne  Zweifel  der  Ab- 
lagerung des  Conglomerates  vorausgegangen  ist.  Etwa  150  Fuss  über 
dem  Lager  des  Ammonites  polyschides  an  der  Stelle,  wo  der  Bach  sich  theilt, 
schalten  sich  vier,  zusammen  drei  Fuss  starke  Bänke  von  roth  und  lichtgrün 
gebändertem,  kieselreichem  Kalkschiefer  ein,  welche  stellenweise  in  Bänke 
von  rothem  Hornstein  übergehen.  Das  Conglomerat  nimmt  nun  etwas  mehr 
Schichtung  au,  enthält  aber  auch  hier  noch  gebogene  Einschlüsse.  Es  folgen 
wiederholte  schiefrige  Zwischenlagen,  von  denen  die  rothen  und  thonigen 
einige  petrographische  üebereinstimmung  mit  den  Aptychenschiefern 
von  St.  Veit  bei  Wien  zeigen.  Beiläufig  300  Fuss  über  der  Schichte  mit 
Ammonites  polyschides  schiebt  sich  ein  grösserer,  zusammen  etwa  8  Fuss 
starker  Complex  von  grauem  Kalkschiefer  ein,  zwischen  welchem  eine  Horn- 
steinbank  liegt.  Auf  weitere  Congiomerat-Schichten  folgen  neuerdings  liorn- 
steinreiche  Schiefer  und  röthlich  gefleckeBreccieukalke  von  sehr  auffallendem 
Aussehen.  Endlich  überwiegen  die  Kalkschiefer  und  Kalkbänke  mit  grauem 
und  rothem  Hornstein  über  das  Conglomerat  und  sind  am  Ende  des  Dachs- 
feldorkessels  in  mehr  als  1000  Fuss  hohen,  unersteiglichen  Wänden  aufge- 
schlossen,  welche   von  hier  aus  etwa  zur  halben  Höhe  des  Osterhornes  und 

Jahrbuch  der  k,  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1868.  18    Bund.  %  Heft.  ^^ 


184  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [ig] 

Hohen  Zinken   reichen.   Es  fallen  jedoch  auch   hier  noch  von  den  Wänden 
vereinzelte  Trümmer  von  bunten  Breccien  herab. 

4.  Dachsfelderkessel  —  Osterhorn-Gipfel. 

Die  zuletzt  erwähnten  hornsteinreichen  Kalkschiefer  gehören  bereits 
zu  den  Oberalm-Schichten  Lipold's  oder  Ammergauer  Wetzstein-Schichten 
Gümbel's,  welche  auch  schlechtweg  als  Jura-Aptychenschiefer  bezeichnet 
worden  sind.  Um  auch  die  oberen  Theile  beobachten  zu  können  und  das 
Hangende  derselben  kenneu  zu  lernen,  hat  einer  von  uns  i)  aus  der  Gegend 
des  Dachsfelderkessels  die  Spitze  des  Osterhornes  erstiegen. 

In  einer  staunenswerthen  Mächtigkeit,  welche  mit  2000  —  2500  Fuss 
nicht  zu  hoch  angeschlagen  sein  dürfte,  reichen  die  Oberalm-Schichten  bis 
zu  den  Hörnern  und  Zinken  des  bei  5600  Fuss  hohen  Gebirges  und  werden 
daselbst  von  keinem  weiteren  Gebilde  überlagert.  Es  ist  ein  gewaltiger,  oifen- 
bar  zuzammengehöriger  Complex,  welchen  man  nicht  leicht  in  Unterabth  ei- 
lungen zerlegen  kann.  Völlig  gleich  bleibt  der  Charakter  bis  zu  zwei  Dritt- 
theilen  der  Gesammtstärke.  Tausende  von  dünnen  Kalksteinbänken  wechseln 
mit  schieferigen  Kalkschichten  und  mit  Hornsteinlagen.  Höh  er  oben  werden 
die  Kalke  dickbankiger,  die  Farbe  wird  lichtgrau  oder  röthlichgrau,  der 
Bruch  muschelig.  Dünne  Platten  von  dunklem  Hornstein  bilden  die  Zwi- 
schenmittel der  bis  über  einen  Fuss  starken  Bänke.  Der  Gehalt  an  Hornstein 
ist  jedoch  im  Ganzen  ein  geringerer,  als  in  den  tieferen  Schichten,  und 
zeigt  sich  meist  in  concretionären  Knauern  und  Bingen. 

In  diese  oberste  Abtheilung  sind  drei  auffallend  starke  Bänke  einge- 
lagert, welche  das  Auge  schon  aus  grösserer  Entfernung  wahrnehmen  und 
von  Grat  zu  Grat,  von  Hörn  zu  Hörn  verfolgen  kann.  Die  unterste  bildet 
über  der  Saurückenalm  eine  2 — 3  Klafter  hohe  Wand  und  hat  ein  sehr 
massiges  dolomitisches  Gepräge.  Sie  besteht  aus  lichtem,  graugrünen, 
stellenweise  breccieuartigen  Kalk,  welcher  senkrecht  auf  die  Schichtung 
splittert  und  Hornsteinknöllchen  von  Linsengrösse  einschliesst.  Das  Gestein 
ist  von  zahlreichen  Kalkspathadern  durchsetzt  und  enthält  viele  von  orga- 
nischen Besten  herrührende  krystallinische  Flimmer.  Schon  petrographisch 
ist  die  Analogie  mit  vielen  Abänderungen  des  Strambergerkalkes  eine  grosse. 
Leider  ist  der  Erhaltungszustand  der  seltenen  Petrefacte  kein  günstiger, 
doch  tragen  die  Einschlüsse  den  Typus  der  Strambergerfauna.  Es  kommen 
vor :  theilweise  in  Hornstein  verwandelte  Korallen  (G  ü  m  b  e  l's  Barmstein- 
kalk?), CicZaWs- Stacheln,  Crinoiden-Stielglioder,  Beste  won  Diceras,  Austern 
und  andere  Bivalven.  Darüber  folgen  wieder  Oberalm-Schichten.  Die  beiden 
oberen  Wände  lieferten  keine  Spur  von  Versteinerungen ;  das  Gestein  unter- 
scheidet sich  in  nichts  von  den  Kalken  der  Oberalm-Schichten,  welche  hier 
mit  grösserer  Beinheit  und  Dichte  Neigung  zur  Plattenbildung  im  Grossen 
verbinden,  beim  Anschlagen  hell  klingen  und  nur  selten  mehr  Hornsteine 
führen.  Auf  der  Spitze  des  Osterhornes  richtet  sich  die  Neigung  der  Schichten 
unter  flachem  Winkel  nach  SW. 

Die  Oberalm-Schichten  bilden  grosse  plateauartige  Stufen,  welche  sich 
zwischen  die  höheren  Kämme  spannen  und  vortreffliche  Almweiden  tragen. 


1)  E,  V.  Mojsisovics. 


[191    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  IL  Die  Gebirgsgruppe  d,  Osterhornes.     185 

Es  wiederholen  sich  im  Kleinen  alle  Erscheinungen  der  Hochgebirgsplateaux. 
Klüfte  und  tiefe  Sturzlöcher  unterbrechen  die  Flächen  des  von  zahlreichen 
messerschneidigen  Karren  zerschrundenen  Gesteines. 

5.  Der  Breitenberg.    , 

Zur  linken  Seite  des  oberen  Königsbachthaies  erhebt  sich  der  hohe 
kammartige  Grat  des  Königsberges,  welchem  gegen  Osten  eine  tafelförmige 
niedrigere  Masse  folgt,  die  unter  dem  Collectivnamen  „Breitenberg"  ver- 
standen wird  und  die  Alm  gleichen  Namens  trägt.  Im  Osten  reicht  der 
Fuss  des  Breitenberges  bis  zum  Haupteinschnitte  des  Zinkenbaches.  Es  ist 
daher  unter  Breitenberg  jene  Bergmasse  gemeint,  welche  den  Raum  zwischen 
dem  Königsbachthale  und  dem  Wolfgangsee  im  Süden  und  Norden  und  zwi- 
schen dem  Königsberge  und  dem  Zinkenbachthale  im  Westen  und  Osten  aus- 
füllt. Wie  schon  am  Eingange  dieser  Darstellung  erwähnt  worden  ist,  haben 
wir  durch  den  bei  der  Königsbachalm  mündenden  Schwarzbachgraben  unsere 
Arbeit  auf  die  Höhe  des  Breitenberges  ausgedehnt,  und  es  bot  sich  hiedurch 
die  Gelegenheit  dar,  in  einigen  Gliedern  unseres  Osterhornprofiles  Beob- 
achtungen anzustellen,  welche  die  Charakteristik  derselben  wesentlich 
ergänzen. 

Die  Gehänge  der  linkem  Thalseite  sind  in  der  Nähe  der  Mündung  des 
Schwarzbachgrabens  durch  grosse  Schuttmassen  verdeckt,  so  dass  eine 
directe  Verbindung  der  zunächst  entblössten  Schichten  mit  der  Profillinie 
des  Kendelbachgrabens  nicht  herzustellen  ist.  Die  ersten  Schichten,  auf 
welche  wir  trafen,  bildeten  dünngeschichtete  graue  Kalkbänke,  welche  bei 
einem  Streichen  nach  NNW.  ein  Einschiessen  der  wellenförmig  gebogenen 
Schichten  mit  wechselnder  Steilheit  gegen  WSW.  erkennen  liessen.  Man  be- 
gibt sich  daher,  aufwärts  steigend,  in  immer  tiefer  liegende  Bänke.  Die  grauen 
Kalke  halten  an,  und  Zwischenlagen  von  schwarzem  Schiefer  schalten  sich 
zwischen  dieselben.  Weiterhin  ist  das  Streichen  mehr  gegen  NW.  gerichtet, 
das  Verflachen  gegen  SW.,  jedoch  noch  steiler  als  früher.  Es  folgt  eine  dunkle 
Kalkplatte,  welche  mit  Dachsteinbivalven  ganz  und  gar  erfüllt  ist.  Bald 
ändert  sich  das  Fallen  von  neuem,  denn  bei  der  Schwarzbachklause  notirten 
wir:  Streichen  WNW.,  Fallen  SSW.  Hier  fällt  eine  grosse  Holzrinne  ein. 
Durch  das  Abschiessen  der  Holzblöcke  von  derselben  ist  am  linken  Gehänge 
des  Grabens  der  steile  Abhang  auf  grössere  Strecken  aufgestossen  worden 
und  es  werden  wohlgeschichtete  Bänke  sichtbar,  welche  das  gleiche  Ver- 
flachen zeigen  wie  ^ie  Bänke  in  der  Nähe  der  Klause.  Zu  oberst  hoch  am  Ab- 
hänge liegen  dicke  Bänke,  deren  jede  in  der  unteren  Hälfte  polyedrisch  zer- 
bröckelt. Es  folgt  sodann  eine  stark  krystallinische  Bank  mit  Änatina 
Suessi  Opp.,  Änatina  praecursor  Qu,,  Cardium  austriacum  (das  häufigste 
Petrefact),  Leda(?)  sp.,  Fragmenten  von  Zähnen.  Die  vierttiefere  dunklere 
Bank  umschliesst  grosse  Megalodonten,  darunter  liegen  zwei  Bänke  lichten 
dolomitischen  Kalkes  mit  zahlreichen  kleinen  Gastropoden  {Rissoa  (?)  alpina 
Gümh.)  und  unter  diesen  noch  eine  Bivalvenbank.  Nun  erscheinen,  entspre- 
chend den  Lagen  mit  Kohlenschmitzen  im  Profile  des  Kendelbaches,  zwei 
zusammen  13  Zoll  starke  Schichten  von  milderem,  etwas  mehr  plattigem 
blaugrauem  Kalk,  überstreut  mit  unzähligen  Schuppen  und  Aestchen  von 
Äraucarites  alpinus.  Nebstbei  kommen  Reste  anderer  Pflanzen  und  kohlige 
Streifen  und  Schuppen,   sowie  vollständige   Abdrücke  einer  Art  von  Semio- 

26* 


186  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [201 

notus  vor.  Unter  diese  Lagen  neigt  sich  zunächst  ein  3 — 4  Zoll  starkes 
Lager  von  Schiefer,  worunter  neuerdings  dolomitische  weisse  und  po- 
lyedrisch  bröckelnde  Bänke  erscheinen.  Etwas  tiefer  in  der  Sohle 
des  Grabens  erreicht  man  sodann  klüftigen  bräunlichgrauen  Kalk  mit 
zahlreich  ausgewitterten  Gastropodenresten ;  kantiger  Turho^  Rissoa  (?) 
alpina  Günib.  und  grössere  an  ChemniUia  erinnernde  Formen.  Im  Bruche 
ist  dieser  bräunliche  Kalk  von  krystallinischen  Flimmern  bedeckt,  was 
daher  rührt,  dass  zahlreiche,  meist  sehr  kleine  Fossilien  von  hellem  krystal- 
linischen Kalkspath  erfüllt  sind,  welcher  die  rhomboedrischen  Flächen  dar- 
bietet. Bei  dem  nun  eintretenden  flacheren  Fallen  der  Sphichten  gelangt  man 
in  der  Grabensohle,  ohne  dass  noch  eine  Wölbung  gebildet  wird,  wieder 
in  höhere  Schichten.  Bevor  man  den  Schluss  des  Grabens  erreicht,  passirt 
man  mehrere  Bänke  mit  Gastropodenspuren  und  weisse  zuckerkörnige  dolo- 
mitische Kalke  von  gering  aufgeschlossener  Mächtigkeit,  welche  das  tiefste 
Glied  darstellen.  Die  Wand  am  halbkreisförmigen,  mauerartigen  Schlüsse 
des  Grabens  besteht  an  ihrem  Fusse  aus  lichtgrauem,  petrefactenleerem, 
wohlgeschichtetem,  zum  Theile  dolomitischem  Kalke  und  liegt  den  Gastro- 
podenkalken  nahezu  horizontal  auf.  Von  oben  herabfallende  Blöcke  ent- 
halten Dachsteinbivalven.  üeber  der  beiläufig  160  Fuss  hohen  Wand  trifft 
man  im  Königsbergschlage  auf  eine  dunkelgraue  Kalkbank  mit  Dachstein- 
bivalven, Streichen  NW.,  Fallen  massig  NO.  Es  hat  eine  ümwölbung  der 
Schichten  aus  SW.  Fallen  in  NO.  Fallen  stattgefunden.  Im  Schlage 
lassen  sich  bei  lückenhaftem  Aufschlüsse  doch  die  mittleren  Glieder  der 
rhätischen  Stufe  erkennen :  Dachsteinkalk,  Lebermergel,  an  einer  Quelle 
Lumachelle  mit  Mytllus  m'mutus,  etwas  höher  Blöcke  von  Lumachellen  mit 
Terebratula  gregaria.  Die  Höhe  des  Ueberganges  bildet  in  ziemlicher 
Ausdehnung  der  Hauptlithodendronkalk,  Der  Aveitere  Weg' bis  zur  Brei- 
tenbergalm führt  über  bedecktes  Wald-  und  Wiesen-Terrain  und  erst 
m  der  unmittelbaren  Umgebung  dieser  Alm  sind  grössere  Aufschlüsse 
vorhanden. 

Im  Südosten  des  Scheitels  des  Breitenberges  unter  den  Almhütten 
trifft  man  die  Schichten  des  unteren  Lias  in  vortrefflicher  Weise  entblösst. 
Von  hier  stammten  die  unterliasischen  Fossilien,  darunter  Amm.  planorhis^ 
welche  Herr  Hofrath  Dr.  v.  Fischer  in  München  bereits  vor  einigen  Jahren 
aufgefunden  und  uns  zur  Kenntuissnahme  mitgetheilt  hatte, 

Die  Liasschichten  bilden  eine  niedrige  fortlaufende  Wand,  auf  welcher 
die  die  Weidenflächen  der  Alm  tragenden  höheren  Etagen  des  Lias  auf- 
lagern. Zu  Unterst  liegt  Lithodeudronkalk  und  nur  durch  eine  kurze 
verdeckte  Strecke  getrennt  folgen  darüber: 

1.  o'  11".  Feste  graue  Kalksteine  mit  mürben  Zwischenmitteln  und 
zAvar:  a)  ■-- 12"  Kalkbank,  an  deren  Unterseite  eine  mürbe  braune  Fucoiden 
führende  Lage  befindlich  ist,  entsprechend  den  Austernlagen  im  Kendel- 
bachgraben;  h)  —  11"  Kalkbank;  c)  —  15"  Kalk,  mit  einer  mürben  Lage 
oben;  d)  -  ■  9"  Kalk  mit 

Lima  gigantea  Soiü 
Pinna  semistriata  Terq. 

2.  2-  2".  Sieben  schwache  Bänke  von  iichtgrauem  Kalk,  überladen 
mit  Schalen  von 

Terebratula  cf.  punctata  Sow. 
Lima  gigantea  Soro. 


rSll    Stud.  n.  fl.  Glieder,   d.  Trias  otc.  II.  Die  Gebirgsijruppe   d.  Üsterhornes.       187 

Ferner  ziemlich  häufig,  besonders  an  der  Unterseite  der  obersten  Bank 
Ammonites  planorhis  Sow. 
„  Johnstoni  Sow. 

„         Hagenowi  Dunk, 
sodann  einzelne  Exemplare  von 

Ostrea  arietis  Qu. 
und  sehr  selten 

Terehratula  perforata  Piette 
RhjncJionella  sp. 

3.  3'  3".  Drei  Bänke  von  hartem  grauen  Kalk.  Die  unterste  enthält 
noch  sehr  zahlreich 

lÄmagigantea  Soiv., 
und  könnte  noch  dem  vorhergehenden  Complexe  zugerechnet  werden,  obwohl 
sie  bedeutend   stärker   ist.    Die  mittlereist  10— 12"  mächtig,  knotig  und 
bildet  das  Lager  von 

Ammonites  angulatus  Schloth. 
Die  oberste  Bank  misst   nur  etwa  6".    Sie   birgt  zahlreiche  Individuen  des 

Ammonites  Moreanus  Orh., 
welche  bis  14"  Durchmesser  erreichen.  Ferner  findet  sich  hier; 

Pecten  Valoniensis  De  fr. 

4.  18".  Drei  Bänke  von  gelbem  und  rothgelbem  Kalkstein.  Die 
unterste  zeichnet  sich  allerdings,  wie  die  ihr  entsprechende  des  Kendelbacli- 
grabens,  durch  fortziehende  Nieren  von  gelbem  Hornstein  schon  von  ferne 
aus,  doch  ist  der  Kalk  selbst  statt  gelb  und  muschlig  brechend  meist  bräun- 
lich und  von  unregelraässigem  Bruche,  voll  kleiner  Criuoidenflimmer,  mit 
eingeschlossenen  Partien  des  gelben,  crinoidenlosen  Kalkes.  In  dieser  Bank 
lijegen  eingehüllt  in  Einden  und  Knoten  von  Braunoisen,  wie  alle  Am- 
moniten  dieses  Complexes: 

Ammonites  Moreanus  Orh. 
„  hisulcatus  Brug. 

Ammonites  Moreanus  wurde  jedoch  nur  an  der  Unterseite  der  unteren 
Bank  beobachtet.  Die  oberen  Bänke  umschliessen : 
Ammonites  hisulcatus  Brug. 
„         Charmassei  Orh. 
Orthoceras  sp. 
Rhynchonella  sp. 
0.  6".  Bank  von  dunkelrothem  Crinoidenkalk  mit  zahlreichen  Schalen- 
trümmeru  von  Brachiopoden.   Dieselbe  wurde  weder  im  Kendelbachgraben 
noch  im  Dachsfelderkessel  angetroffen. 

6".  Kother  Adnether  Marmor.  Dieser  tritt  hier  auch  in  den  unteren 
.Theilen  ziemlich  plattig  auf.  Darüber  folgen  dann,  wie  gewöhnlich,  die  knol- 
ligen Lagen  der  Adnether  Schichten  und  auf  diese  die  grosse  Masse  der 
Fleckenmergel,  welche  die  Kuppe  des  Breitenberges  bilden. 

In  dem  hier  mitgetheilten  Profile  muss  es  auffallen,  dass  der  Haupt- 
Lithodendronkalk  bis  auf  wenige  Klafter  an  die  der  Zone  des  Ammonites 
planorhis  angehörigen  Gesteine  herantritt.  In  der  That  läuft  in  der  Uicli- 
tung  der  Wand  eine  Verwerfungsliuie  durch.  Schreitet  man  nämlich 
zur  Rechten  fort,  so  sieht  man  bald  die  aus  dem  Käsen  hervorstechenden 
Adnether  Schichten  in  die  Nähe  des  Lithodendronkalkes  rücken     während 


I  88  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  r22"I 

der  ganze  tiefere  Theil  des  Lias  verschwindet.  Andererseits  steigen  die 
Adnether  Schichten  so  rasch  auf,  dass  sie  am  Wege  zur  Alm  im  W. 
des  hier  beschriebenen  Punktes  bei  200  Fuss  höher  liegen.  Das  Streichen 
der  Schichten  ist  nach  WNW.,  ihr  Verflachen  gegen  NNO. 


6,  Bemerkungen    über    den  Plattenkalk  und  die  rhätische 

Stufe. 
Von   Eduard  Suess. 

Die  lange  Reihe  von  Schichten,  welche  von  der  Anticlinale  am  Fusse 
des  Zinkeneckschlages  durch  den  Kendelgraben  aufwärts  bis  zu  dem  Fusse 
der  Wand  (Schicht  Nr.  1 1 9)  entblösst  ist,  welche  wahrscheinlich  als  der 
Beginn  des  Lias  anzusehen  ist,  erreicht  eine  Gesammtmächtigkeit  von 
1077  Fuss  Ji  Zoll  und  umfasst  den  oberen  Theil  des  Plattenkalkes  und  die 
gesammte  rhätische  Stufe.  Gewiss  sind  dabei  z.  B.  die  Zwischenlagen  mit 
Äraucarites  alpimis  und  Semionotus  (z.  B.  Schicht  Nr.  4)  ganz  wesentlich 
verschieden  etwa  von  dem  brachiopodenreichen  schwarzen  Kalkstein 
(Nr.  tll)  und  auch  innerhalb  der  gewiss  der  rhätiachen  Stufe  zufallenden 
Bänke  beobachtet  man  ansehnliche  Abänderungen  im  Gestein  wie  in  der 
Natur  der  organischen  Reste.  Versucht  man  jedoch  in  der  vorangeschickten 
Schichtenfolge  ganz  genau  die  Grenze  anzugeben,  an  welcher  eine  Stufe 
endigt  und  eine  nächste  beginnt,  so  gelangt  man  an  eigenthümliche  Schwie- 
rigkeiten, deren  Wesen  zu  erläutern  für  uns  um  so  wichtiger  ist,  als  einer- 
seits die  vorliegenden  Aufnahmen  die  in  der  Natur  vorhandene  Sachlage  so 
genau  darstellen,  als  die  äusseren  Umstände  uns  bei  allem  Aufwände  an 
Zeit  und  Aufmerksamkeit  dieselben  zu  erkennen  gestatteten  und  als  anderer- 
seits mit  dieser  Frage  eine  Reihe  von  anderen  und  zum  Theile  sehr  weittra- 
genden Fragen  in  engster  Verbindung  steht.  Zu  diesem  Ende  ist  eine  kurze  , 
Abschweifung  von  dem  engeren  Gebiete  dieser  Studien  nöthig. 

Das  Verschwinden  einer  und  das  Erscheinen  einer  folgenden  Fauna, 
wie  sie  bei  der  gegenwärtig  angestrebten  schärferen  Erfassung  der  Unter- 
abtheilungen  des  mesozoischen  Gebirges  für  die  Trennung  der  soge- 
nannten Stufen,  Zonen,  Lager  oder  Horizonte  als  bezeichnend  angenom- 
men werden,  bilden  'eine  Erscheinung,  reiche  fast  niemals  selbstän- 
dig auftritt.  Man  sieht  im  Gegentheile  die  neue  Fauna  fast  immer  in  einem 
Gestein  von  etwas  verschiedener  Zusammensetzung  begraben,  sei  es  dass 
diese  Verschiedenheit  gegenüber  der  vorhergegangenen  Ablagerung  nur 
durch  eine  etwas  andere  Färbung  des  Kalksteins,  durch  seinen  grösseren 
oder  geringeren  Thongehalt,  oder  durch  häufigere  Einschaltung  von  Schiefer 
zum  Ausdrucke  gelangt,  oder  sei  es  auch,  dass  sie  sich  in  viel  auffallenderer 
Weise  durch  eine  gänzliche  Aenderung  des  Sedimentes  ausprägt,  indem  z.  B. 
statt  Schiefer  Sandstein,  statt  Kalkstein  Thon  die  neue  Schichte  bildet. 
Auf  diese  Weise  erkennt  man  immer,  dass  die  Veränderung  in  der  organi- 
schen Welt  begleitet  gewesen  sei  von  enier  Veränderung  der  physischen  Er- 
scheinungen und  kann  füglich  kein  Zweifel  darüber  bleiben,  dass  diese 
letztere  wohl  Ursache  aber  nicht  Wirkung  sein  konnte. 

Welcher  Art  nun  auch  diese  veranlassenden  Ereignisse  sein  mögen,  ob  sie 
inOscillationen  des  Bodens,  des  Clima's,  inVeränderungen  der  Flussläufe  u.  s.  f. 
bestehen  mögen,  so  kann  man  doch  annehmen,  dass  sie  unter  verschiedenen 


[23]     Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes.     189 

Verhältnissen    mit   sehr  verschiedener    Intensität    ihre  Wirkung  äussern 
werden. 

Die  auffallendste  Veränderung  wird,  insoferne  wir  uns  auf  Meeresbil- 
dungen beschränken  wollen,  dort  eintreten,  wo  durch  andauernde  Erhebung 
ein  Gebiet  ganz  vom  Meere  abgetrennt  und  in  einen  Binnensee  verwandelt 
wird,  wie  etwa  im  nördlichen  Mittel-Europa  zwischen  Jura  und  Kreide- 
Periode. 

Wo  die  Veränderung  nicht  so  weit  geht,  dass  eine  gänzliche  Verdrän- 
gung alles  marinen  Lebens  folgen  muss,  wird  sie  am  stärksten  sich  in  den 
littoralen  und  sublittoralen  Gebieten  äussern,  welche  den  grössten  Theil 
mechanisch  herbeigetragenen  Sedimentes  enthalten,  deren  Bewohner  die  ge- 
ringste Verticalhöhe  der  bathymetrischen  Zonen  aufweisen,  jeder  climati- 
schen  Aenderung  und  jeder  Aeuderung  des  Salzgehaltes  am  leichtesten 
ausgesetzt  sind  und  bei  jeder  Oscillation  des  Bodens,  je  nach  dem  Vorrücken 
oder  Zurücktreten  der  Strandlinie  ihren  Wohnort  zu  verschieben  oder  auf 
weite  Strecken  hin  gänzlich  aufzugeben  genöthiget  sind. 

Die  geringste  Aeusseruug  ist  dagegen  dort  zu  erwarten,  wo  in  pela- 
gischen  Kegionen  in  grosser  Tiefe  eine  gleiche  und  unveränderliche  Tem- 
peratur herrscht,  wo  nie  oder  nur  selten  das  Sediment  anders  als  in  der 
Form  chemischer  Lösung  anlangt  und  wo  die  Fauna  eben  wegen  der  Gleich- 
förmigkeit der  abyssischen  Verhältnisse,  wenn  auch  ärmer  an  Formen, 
doch  eine  Verticalverbreitung  besitzt,  welche  ausserordentlich  viel  ausge- 
dehnter ist,  als  jene  der  Bewohner  des  Strandes  oder  demselben  näher 
gelegener  Theile  des  Meeresgrundes. 

Unter  diesen  Voraussetzungen  begreift  man  die  Möglichkeit,  dass 
grosse  Veränderungen  an  den  Rändern  eines  Meeres  vor  sich  gehen,  wäh- 
rend in  den  abyssischenRegionen  desselben  die  nämlichen  reineren  Sedimente 
ungestört  fortfahren  sich  zu  bilden,  ja  vielleicht  dieselben  Thiere  fortleben, 
während  nur  von  Zeit  zu  Zeit  erfolgende  Einschwemmungen  von  littoralem 
oder  sublittoralem  Sediment  gleichsam  Nachricht  bringen  mögen  von  den 
Ereignissen,  welche  seither  dort  eingetreten  sind.  Die  vorliegenden  Anga- 
ben scheinen  allerdings  auf  ein  solches  Verhältniss  hinzudeuten ;  um  einen 
Ueberblick  derselben  zu  schaffen,  mag  die  nachfolgende  Gruppirung  dienen. 

L  Die  Schichten  von  der  Anticlinalc  über  den  Zinkeneckschlag  bis 
zum  Fusse  des  Kendelgrabons,  zusammen  349'  1 "  sammt  den  untersten 
Lagen  im  Kendelgraben  (Nr.  1  -  ö)  mit  34'  und  den  zwei  breccienartigen 
Bänken  (Nr.  6  und  7)  mit  2'  8";  zusammen  385'  9". 

Diese  Schichten  gehören  sicher  jener  Abtheilung  an ,  für  welche 
G  um  bei  den  Namen  Platten  kalk  in  Anwendung  gebracht  hat.  Es  sind 
drei  verschiedene  Elemente,  aus  welchen  sich  diese  Öchichtengruppe  auf- 
baut, und  zwar  : 

a)  Der  lichtgraue,  zuweilen  splittrige  und  dolomitische  Kalkstein  ; 

h)  der  lichte  rehbraune  Kalkstein  mit  Turbo  soUtarius  und  anderen 
Gastropoden,  Megalodua  und  den  Resten  stengeliger  Korallen,  und 

c)  die  mehr  bituminösen  und  dunkleren  Lagen  mit  Araucarites  alpi- 
nus  und  Semionotus. 

Von  diesen  erscheint  a)  häufig  in  selbständigen  Bänken,  h)  in  der 
Kegel  durch  die  Schädelnähte  mit  aj  verbunden,  c)  dagegen  selbständiger 
in  der  Gestalt  von  dünneren  Zwischeumitteln,  welche  jedoch  auch  in  soierne 


196  Eduard   ^niess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [24] 

mit  a)  und  h)  vereinigt  sind ,  als  in  diesen  zuweilen  lose  Araucariten- 
Schuppen  und  Stücke  von  Glanzkohle  getroffen  werden,  i)  Ebenso  enthält  a) 
wenn  auch  nur  seltener  die  herzförmigen  Durchschnitte  des  Megalodus, 
dessen  Schale  in  dem  rehbraunen  Kalkstein  h)  durch  weissen  oder  durch- 
sichtigen Kalkspath  ersetzt  ist. 

Von  diesen  drei  Elementen  ist  offenbar  c)  dasjenige,  welches  die  mei- 
sten Beziehungen  zum  Strande,  ja  sogar  zum  Festlande  zeigt,  während  der 
petrefactenarme  Kalkstein  a)  als  jenes  angesehen  werden  muss,  in  welchem 
die  pelagische  Bildungsweise  am  deutlichsten  hervortritt, 

II.  Gruppe  von  lichtgrauen,  an  ihrer  Unterseite  in  der  ßegel  polyedrisch 
zerbröckelnden  Kalksteiubänkeu  (Schicht  Nr.  8—19).  zusammen  38'  10". 

Diese  Bänke  entsprechen  ganz  und  gar  dem  Kalkstein,  welcher  das 
Element  a)  der  Gruppe  /.  ausmacht,  in  zweien  die'serBänke  (Nr.  9  und  12) 
ist  Megalodus  zu  sehen. 

III.  Gruppe  von  ähnlichen  lichtgrauen  Kalksteinbänken,  zwischen 
welchen  die  ersten  schwarzgrauen  Kalksteinlagen  auftreten;  im  unteren 
Theile  auch  Durchschnitte  von  kleinen  Bivalven  und  darüber  (Schicht  Nr.  21) 
Spuren  von  stengeligen  Korallen  (Lithodendron?).  Diese  Gruppe  (Nr.  20 
bis  28)  misst  45'  6''. 

Hier  konnten  einzelne  Lagen,  insbesondere  Nr.  23,  nicht  genau  genug 
beobachtet  werden ;  der  Charakter  der  nächstfolgenden  Bänke  ist  ein  so 
eigenthümlicher  und  wiederholt  sich  in  so  auffallender  Weise  im  Schwarz- 
bachgraben, dass  man  annehmen  muss,  dass  die  höchsten  Zwischenlagen 
mit  Semionotus  und  Äraucarites  dieser  Gruppe  zufallen,  welche  somit 
sammt  der  vorhergehenden  dem  Plattenkalke  zufallen  muss^  dessen  gesammte 
hier  entblösste  Mächtigkeit  daher  470'  1 "  beträgt. 

IV.  Ein  Wechsel  von  dunkelgrauem  bis  schwarzem  Kalk,  oft  dünn- 
geschichtet und  knotig,  mit  Schiefer,  etwas  Lebermergel  und  eingeschalteten, 
meist  stärkeren  Bänken  von  lichtgrauweissem  Kalkstein  (Schicht  Nr.  29 
bis  81),  zusammen  152'  4". 

Schon  in  den  tiefsten  Lagen  dieser  Gruppe  erscheint  im  Kendelgraben 
Mytil.  minutus  und  Änomia  alpina ;  die  Schalen  der  Conchylien  sind  hier 
auf  eigenthümliche  Weise  durch  Kalkspath  zum  Theile  ersetzt ;  man  erkennt 
die  Bank  deutlich  im  Schwarzbachgraben,  nicht  hoch  über  den  semionotus- 
führenden  Lagen  wieder  und  sie  enthält  dort  auch  einen  Fischzahn,  Anat. 
praecursor,  Anat.  Suessi  und  Card,  austriaatm.  Ausser  diesen  Fossilien, 
von  denen  die  Anatinen  nur  aus  der  tiefsten  Bank  bekannt  sind,  führt  diese 
Grupp"»  auch  in  grosser  Menge  Reste  von  Taeniodon,  selten  von  einer  Pinna. 
Megalodus  ist  auf  die  massigen  Kalksteinbänke  beschränkt ;  in  der  höchsten 
Lage  erscheint  zum  ersten  Male  Gerv.  inflata. 

Die  Mannigfaltigkeit  des  Sedimentes  ist  so  gross,  dass  man  nur  schwer 
eine  Sonderung  der  Elemente  wahrnehmen  kann ;  diese  sind : 

a)  der  petrefactenleere  grauweisse  Kalkstein,  in  einzelnen  Gruppen 
von  stärkeren  Bänken  (z.B.  Nr.  41,  49,  73,  74,  80);  er  ist  dem  lichtgrauen 
Kalkstein  des  Plattenkalkes  durchaus  gleich ; 


*)  Gümbel,  Pichler  u.  A.  haben  die  Schädelnähte  aus  dem  Plattenkalk 
beschrieben  und  abgebildet,  es  scheint  jedoch  nicht  innerhalb  der  Alpen  auf  die 
Verschiedenheit  der  verbundenen  Bänke  aufmerksam  gemacht  worden  zu  sein. 


[2S]    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias    etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhorncs.     191 

h)  der  etwas  dunklere  zuweilen  schwarzgraue,  doch  feste  und  auch 
stärkere  Bänke  bildende  Kalkstein  mit  Megalodus  (z.  B.  Nr.  45,  52,  72)  •, 
in  einem  Falle  (Nr.  52)  enthält  er  zugleich  Myt.  minutus ; 

c)  der  noch  mehr  bituminöse  und  dünner  geschichtete,  oft  knotige 
Kalk  mit  Myt.  minutus  und  anderen  Conchylien  (doch  ohne  Megalodus),  häufig 
mit  Zwischenmitteln  von  Schiefer  oderThon;  zuweilen  überwiegt  der  Schiefer 
und  der  Kalk  bildet  nur  dünne  Zwischenlagen  (z.  B,  Nr.  29,  61,  75,  81)5 

d)  der  rothgelb  beschlagene  Lebermergel,  meist  ebenflächig  und  in 
Verbindung  mit  Schiefer,  petrefactenarm  (z.  B.  Nr.  36,  62,  79.) 

V.  Ein  57  Fuss  starker  Wechsel  von  dunklen  Kalksteinlagen  und 
Schiefer,  welcher  ganz  der  Ablagerung  c)  der  vorhergehenden  Gruppe  zu- 
fällt (Schicht  Nr.  82).  Zu  den  Conchylien  derselben  treten  hier  in  grosser 
Menge  Gerv.  inflata  und  Avic.  contorta-,  in  den  höchsten  Lagen  auch  schon 
einzelne  Stücke  der  Plicat.  intusstriata. 

Es  ist  eine  sehr  auffallende  Thatsache,  dass  die  dunklen  und  conchy- 
lienreichen  Lagen  der  Gruppen  IV.  und  V.  gar  keine  von  jenen  Formen 
enthalten,  welche  sonst  die  rhätische  Stufe  in  den  Alpen  am  häufigsten 
kennzeichnen,  nämlich  gar  keine  Brachiopoden.  Es  tritt  im  Gegentheile  in 
unverkennbarer  Weise  hier  eine  Aehnlichkeit  mit  der  Couchylienfauna  der 
schwäbischen,  wie  überhaupt  der  sublitoralen  Aequivalente  der  rhätischen 
Stufe  hervor,  und  zwar  am  auffallendsten  in  ihrem  tiefsten,  Anatinen  führenden 
Theile,  während  im  höchsten  Theile  schon  Plicat.  intusstriata  auftaucht. 

Es  mögen  daher  die  beiden  Gruppen  IV.  und  V.  fortan  als  die 
schwäbische  Facies  der  rhätischen  Stufe  angesehen  werden;  ilire 
Mächtigkeit  ist  hier  209'  4". 

VI.  Grössere  Massen  von  lichtgrauem  petrefactenleerem  Kalkstein  in 
starken  Bänken,  unten  petrefactenleer,  dann  eine  nicht  näher  beobacht- 
bare Einschaltung  von  Schiefer  und  dunklem  Kalkstein ;  über  dieser  durch 
1 6  Fuss  blaugrauer  Lithodendronkalk ,  dann  viel  lichtgrauer  petrefacten- 
leerer  Kalk  (Schicht  Nr.  83—86),  zusammen  44'. 

Hier  begegnet  man  zum  ersten  Male  in  grösserer  Selbständigkeit 
einer  Bildung,  welche  in  höheren  Abtheilungen  grosse  Bedeutung  erlangt, 
nämlich  dem  von  zahlreichen  Korallenstengeln  durchsetzten  Kalkstein,  wel- 
cher bis  zu  genauerer  Erkenntniss  der  Beschaffenheit  dieser  Korallen  auch 
hier  noch  als  Lithodendronkalk  bezeichnet  bleiben  mag. 

VII.  Eine  grosse  Gruppe  von  wechselnden  Schichten  von  Litho- 
dendronkalk, schwarzem  Kalk,  Schiefer  und  Lebermergel  (Schicht  Nr.  87 
bis  107),  zusammen  151'  6",  von  denen  jedoch  etwa  20'  (Nr.  106)  dem 
Auge  durch  Verschüttung  entzogen  sind. 

Schon  in  den  untersten  Bänken  dieser  Gruppe  tritt  zu  den  Conchy- 
lien der  vorhergehenden  Gruppe  in  grosser  Menge  Terebrat.  gregaria.  Sie 
erreicht  mit  Plicat.  intusstriata  hier  ihre  grösste  Häufigkeit.  Die  Schichten 
87,  i,  k,  dann  91,  c  und  e  sind  mit  Tausenden  von  Exemplaren  erfüllt.  Hier 
erscheinen  auch  Pecten  acuteauritus  und  Cidaris  Falgeri. 

Der  lichtgraue  Kalk  der  tieferen  Gruppen,  welcher  dort  als  der  Ver- 
treter pelagischer  Bildungsweise  bezeichnet  worden  war,  ist  hier  schon  fast 
ganz  verschwunden.  Schicht  Nr.  92,  5  Fuss  stark,  gehört  ihm  jedoch  noch 
an  und  führt  Megalodus.  Sonst  vertritt  hier  die  Stelle  dieser  Bildungen 
der  meistens  blaugraue  Lithodendronkalk,  welcher  in  vielen  Bänken   von 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1868.  18.  Band  2.  Heft.  ^" 


192  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [26] 

verschiedener  Stärke  dem  Schiefer  und  den  conchylienreichen  Schichten 
eingeschaltet  ist. 

Terebrat.  gregaria  und  Plicat.  intusstriata  be-^eichnen  weit  und  breit 
Vorkommnisse  der  rbätischen  Stufe,  welchen  andere  bezeichnende  Formen, 
wie  Spirigera  oxycolpos,  RliyncJiönella  cornigera,  Spiriferina  Emmrichi 
u,  s.  f.  immer  fehlen,  während  wie  hier  viele  Arten  der  schwäbischen  Facies, 
wie  Ävic.  contorta,  Gerv.  inflata  und  mit  diesen  etwa  Spiriferina  Jung- 
hrunnensis  Fetzhold  (=  Sp.  Mi'msteri  Dav.  bei  Suess)  und  Waldh. 
norica  ihre  Begleiter  sind.  So  ist  es  an  vielen  Stellen  in  den  Südalpen  und 
den  Karpaten,  am  Stockhorn,  an  der  Meillerie  u.  s.  f. 

Wir  bezeichnen  diese  Abtheilung  des  Kendelbachgraben-Profiles  als 
die  karpatische  Facies  der  rhätischen  Stufe;  ihre  Mächtigkeit  beträgt, 
wie  gesagt,  löl'  6". 

Es  ist  möglich,  dass  der  verstürzte  Raum  über  derselben  (Nr.  1 08), 
einer  weiteren  Mächtigkeit  von  35  Fuss  entsprechend,  ihr  auch  zuzu- 
zählen ist. 

VIII.  Der  Hauptlithodendronkalk,  etwa  6S' 6"  stark,  bildet 
einen  grossen  Abschnitt  in  diesem  Profile;  seine  obersten  Lagen  umschlies- 
sen  schon  Brachiopodenreste,  wie  sie  für  die  nächstfolgende  Gruppe  so 
bezeichnend  sind  (Schicht  Nr.  109,  110). 

Die  lichtgrauen,  pelagischen  Kalksteinbänke  ohne  Petrefacten,  oder 
höchstens  mit  Megalodus,  sind  fortan  nicht  mehr  zu  sehen. 

IX.  Ein  zusammenhängender  Schichtencomplex  von  dunklem  Kalk 
mit  schiefrigen  Zwischenlagen  (Schicht  Nr.  111);  41  Fuss  mächtig. 

Hier  erst  ist  das  Lager  jener  zahlreichen  Brachiopoden,  welche  durch 
die  gesammten  nordöstlichen  Alpen  hin  die  „Kössener  Schichten"  auszeich- 
nen ;  so  finden  sich  insbesondere  nahe  über  dem  Lithodendronkalk  T.  pyri- 
formis.  Rh.  fissicostata,  Rh.  suhrimosa  und  Spirigera  oxycolpos,  höher  oben 
auch  Pinna,  Peden  acuteauritus  und  Ävicula  Kössenensis  (oder  inaequi- 
valvis). 

Dieses  sind  die  Ablagerungon,  für  welche  ursprünglich  der  Name 
„Kössener  Schichten"  gebildet  wurde  und  es  mag  dieser  Theil  die  „Kös- 
sener Facies"  der  rhätischen  Stufe  heissen;  sie  misst  hier,  wie  ge- 
sagt, 41  Fuss  !)• 

X.  Die  nächste  Gruppe,  welche  wir  als  den  obersten  Theil  der  rhä- 
tischen Stufe  ansehen  (Schicht  Nr.  112—118),  beträgt  60'  10''.  Wir  nen- 
nen sie  die  „Salzburger  Facies"* 

Sie  beginnt  mit  der  mächtigsten  Schieferlage  der  ganzen  Serie, 
17'  stark,  und  ist  in  ihrer  Mitte  von  einem  5"  starken  Band  von  Lebermer- 
gel in  zwei  fast  gleiche  Hälften  getheilt;  hier  liegt  Choristoc.  Marshi  in 
grosser  Menge,  mit  Schwefelkies  erfüllt  und  begleitet  von  Ävic.  Koessenen- 


*)  Stur  hat  den  Vorschlag  gemacht,  den  Namen  in  „Tiroler  Facies*  um- 
zuändern (Jahrb.  1866,  Verh.  178),  da  die  Namen  der  anderen  Facies  auch  von 
Ländern  genommen  seien.  Abgesehen  davon,  dass  dies  nicht  richtig  ist  (Vergl. 
Karpatische  Facies)  und  dass  auch  die  Nöthigung  zu  solcher  Gleichförmigkeit  gar 
nicht  vorliegt,  sollte  man  bei  der  betrübenden  Reichhaltigkeit  unserer  Synonymik 
der  Schichten  doch  lieber  vorhandene  und  gute  Namen  brauchen,  um  die  Dinge  zu 
bezeichnen,  für  welche  sie  geschaffen  wurden,  anstatt  wieder  neue  in's  Leben  zu 
rufen.  E.  S. 


[27]    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.    II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes.     193 

sis  und  Taeniodon ;  grosse  Exemplare  der  Ävic.  Escheri  lagern  darüber  und 
über  diesen  erscheinen  dunkle  Kalksteinbänke  vom  Charakter  der  Kössener 
Facies  und  mit  einem  grossen  Theile  derselben  Petrefacten  {Bh.  ßssicostata , 
W.  norica  u.  s.  w.). 

Das  oberste  Glied  bildet  blauer,  thoniger  Schiefer  mit  etwas  Leber- 
mergel, welcher  deutlich  durch  die  Wiederholung  ähnlicher  Zwischenmittel 
mit  der  nächstfolgenden  mächtigen  Folge  von  Kalkbänken  verbunden  ist, 
die  wir  schon  dem  untersten  Lias  zuzählen.  Indem  wir  also  die  oberste 
Grenze  der  rhätischen  Stufe  vorläufig  zwischen  Schicht  Nr.  118  und  119 
setzen,  ziehen  wir  eben  die  Hauptschieferlage  zur  rhätischen  Stufe  herab, 
ohne  über  ihr  auf  eine  in  der  Natur  irgend  wie  angedeutete  schärfere  Grenz- 
linie hinweisen  zu  können.  Der  obere  Theil  dieser  folgenden  Kalklagen 
aber  führt  schon  jene  eigeuthümlichen  Fucoidenspuren  und  kleinen  Ganoid- 
schuppen,   welche  bis  zum  Lager  des  Ä.  planorbis  hinaufreichen.  — 

.  Der  untere  ThMl  der  Schichtenfolge  dieses  Gebirgstheiles  lässt  sich 
also  folgendermassen  gliedern : 

Fuss  Zoll 

1.  Plattenkalk  und  Araucariten  führende  Zwischenschichten  .    .      470    1 

2.  Schwäbische  Facies  der  rhätischen  Stufe  ; 

a)   unterer  Theil,  Anatina,  Myt.  minutus,  Tae- 
niodon, Card,  austriacum 152'  4" 

h)   oberer  Theil,  Gerv.  inflata,  Ävic.  contorta  kom- 
men  hinzu 57'—  209    4 

3.  Grössere  Masse  von  lichtem  Kalkstein 44  — 

4.  Karpatische  Facies  der  rhätischen  Stufe,  T.  gregaria,  Plic, 
intusstriata 151    6 

Verstürzt 35  — 

5.  Hauptlithodendronkalk 65    6 

6.  Kössener  Facies  (Spirig.  oxycolpos,  Rh.  ßssicostata)    ...  41  — 

7.  Salzburger  Facies  (Chorist.  Marshi.,  Ävic.  Escheri)  ....  60  10 

Summe:    Plattenkalk  .    .      470    1 
Ehätisch  .    .    .      607    2 

Gesammte  Mächtigkeit  bis  zum  untersten  Lias  .    .    1077    3 

In  Bezug  auf  die  rhätische  Stufe  ergibt  sich  als  eine  auffallende  That- 
sache,  dass  die  Einschaltungen  der  petrefactenarmen  und  lichtgefärbten 
pelagischeu  Kalksteine  gegen  oben  allmählig  seltener  werden,  während  die 
dunklen  Kalksteine  und  Schiefer  mehr  und  mehr  vorherrschen,  und  dass 
der  Mitte  der  Stufe  die  grösste  Menge  von  Lithodendronkalk  angehört.  Die 
Fauna  beobachtet  dabei  genau  den  verkehrten  Gang  ;  jene  Lagen,  welche 
den  tieferen  Abtheilungen  eingeschaltet  und  als  die  Schwäbische  Facies 
bezeichnet  sind,  tragen  nämlich  gewiss  einen  mehr  litoralen  Typus  an 
sich,  als  die  Fossilien  der  höheren  Karpatischen  oder  der  noch  höheren  Kös- 
sener Facies. 

Seitdem  wir  im  Herbste  1S66  i)  die  wesentlichen  Züge  dieser  Unter- 
abtheilung der  rhätischen  Stufe  am  Wolfgang-See  bekannt  machten ,  haben 
einige  unserer  Freunde  dieselben  mit  Erfolg  auf  die  nähere  Bestimmung  von 


/ 

1)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  ßeichsanstalt.  1866.  Verh.  S.  165,  166. 

26* 


194  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  ["281 

rhätischen  Vorkommnissen  angewendet,  so  Schloenbach  bei  Kössen  *) 
und  Stäche  in  den  Karpaten  3).  Dabei  wurde  hervorgehoben,  dass  eine 
Auffassung  dieser  Unterabtheilungen  als  ;, Zonen*  zum  mindesten  verfrüht, 
die  Bezeichnung  „Horizonte"  dagegen  schärfer  und  richtiger  sei  3).  Eine 
solche  Abänderung  wäre  aber  wohl  schwerlich  als  eine  Verbesserung  anzu- 
sehen. Das  Wort  „Facies"  ist  innerhalb  des  beschränkten  Kreises  der  zu 
Gebote  stehenden  Ausdrücke  mit  Vorbedacht  gewählt  worden.  Niemand 
kann  heute  mit  Bestimmtheit  sagen,  ob  etwa  die  Sandsteine  von  Nürtingen 
nur  das  Zeit-Aequivalent  der  schwäbischen  Facies,  oder  ob  sie  die  Vertreter 
der  gesammten  rhätischen  Serie,  oder  ob  sie  gar,  bei  andauernder  Senkung 
des  Bodens  und  fortwährendem  Vordringen  der  Strandlinie,  nur  die  Zeit- 
Aequivalente  der  obersten  Gruppen,  etwa  der  Kössenerund  Salzburger  Facies, 
seien.  Es  ist  von  demselben  trefflichenBeobachter(Stac he) sogar  selbst  her- 
vorgehoben worden,  „dass  der  Ausdruck  Facies  insoferne  einige  Berech- 
tigung haben  möge,  als  in  vielen  Gegenden,  z.  B.  besonders  der  Karpaten 
eines  dieser  Schichtengiieder  der  einzige  Vertreter  des  ganzen,  an  einzelnen 
Punkten  reicher  gegliederten  Complexes  isf 

Hieraus  folgt  aber  eben,  dass,  so  lange  uns  nicht  bekannt  ist,  welchen 
Grad  von  Beständigkeit  jeder  einzelnen  solchen  Gruppe  zukömmt  und  ob 
nicht  z.  B.  gegen  den  Strand  hin  in  einer  und  derselben  Schichte  die  Fauna 
der  Kössener  Facies  jener  der  karpatischen  und  diese  jener  der  schwäbi- 
schen Facies  das  Feld  räumt,  wofür  mancherlei  Anzeichen  sprechen,  —  so 
lange  auch  gar  kein  Ausdruck  gewählt  werden  darf,  welcher  eine  solche 
Beständigkeit  in  horizontaler  Erstreckung  voraussetzt.  Das  Wort  „Hori- 
zont" erscheint  aus  diesem  Grunde  noch  verwerflicher  als  „Zone'',  das 
Wort  „Facies"  aber,  in  einer  von  Gressly's  Sinne  wenig  abweichenden 
Bedeutung  das  passendste. 

Hiebei  mag  erinnert  werden,  dass  im  Kendelgraben  selbst  eine  wei- 
tere, in  unseren  Alpen  wohlbekannte  Facies  der  rhätischen  Stufe,  die 
Starhemberger  Facies,  nicht  bekannt  ist. 

7.  Bemerkungen  über  den  Jura. 

Von  Edm.  v.  Mojsisovics. 

Die  Beobachtungen  im  Kendelbachgraben,  Dachsfelderkessel  und  am. 
Breitenberg  findet  mau  beifolgend  in  einer  kleineu  Tabelle  combinirt, 
welche  den  Charakter  der  untersten  Liaszonen  in  diesem  Theile  der  Alpen 
annähernd  wird  erkennen  lassen.  Die  selbständige  Vertretung  der  Zonen 
des  Ämnt.  planorMs,  Amm.  angidatus  und  Amm.  Buddandi  tritt  klar  her- 
vor und  die  Grenzlinien  zwischen  denselben  ergeben  sich,  zu  Folge  der 
eigenthümlichen  Vertheilung  und  Vergesellschaftung  der  Fossilreste, 
von  selbst. 

Den  zwischen  den  Schichten  mit  Choristoceras  Marshi  und  der  durch 
Petrefactenführung  als  Zone  des  Amm.  planorhis  erwiesenen  Gruppe 
lagernden  33  Fuss  mächtigen  Complex  von  dunklen  Kalksteinen,   welcher 


1)  Verhandl.  der  k.  k.  geol.  K.-A.  1867.  pag.  2ii. 

2)  V.^rliandl.  der  k.  k.  geol.  R.-A.  3.  März  1868.  pag.  99-103. 
^)  Eben  daselbst  pag.  101. 


["29]    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gcbirgsgruppe  d.  Osterhornes.     1 95 


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196  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojcisovics.  [30] 

die  stelle  der  an  einigen  Punkten  England's  nachgewiesenen  „Insect  and 
Crustacean  Beds"  i)  einnimmt,  haben  wir  bereits  der  Plauorbiszone  zuge- 
zählt. In  Ermangelung  positiver  Anhaltspunkte  bestimmte  uns  hiezu  das 
allmählige  Auskeilen  der  für  die  oberen  Glieder  der  rhätischen  Stufe  hier 
charakteristischen  Lebermergel  und  das  erste  Erscheinen  von  Knauern  von 
Hornstein  zwischen  den  einzelnen  Bänken.  Hornsteinknollen  sind  nämlich 
in  den  unteren  Gliedern  des  Lias  (allerdings  stets  innerhalb  der  Bänke)  so 
häufig,  dass  man  in  ihnen  ein  jpetrographisches  Unterscheidungsmerkmal 
der  sonst  einander  ziemlich  ähnlichen  Kalksteine  erkennen  kann. 

Die  darüber  folgende  Schichtengruppe,  29'  5"  stark,  erweist  sich 
durch  die  Fossile,  welche  sie  umschliesst,  als  ein  palaeontologisches  Gan- 
zes, welches  als  die  Zone  des  Ämm.  planorbis  sich  unzweifelhaft  zu  erken- 
nen gibt.  Der  Nachweis  dieser  Zone  ist  für  die  alpine  Stratigraphie  um  so 
bedeutungsvoller,  als  bisher  nur  schwache  Anzeichen  bekannt  waren,  welche 
kaum  zu  einem  Schluss  auf  die  selbstäudige  Entwicklung  derselben  berech- 
tiget hätten.  Keinenfalls  wird  man  in  Zukunft  den  oberen  Theil  des  Dach- 
steinkalkes als  das  alpine  Aequivalent  der  untersten  Liashorizonte  betrach- 
ten dürfen.  —  Die  mit  Kalkbänken  wechsellagernden  bituminösen  Streifen 
sind  das  Lager  der  Fucoiden,  Ganoidschuppen  und  der  gefalteten  Auster, 
welche  wohl  am  besten  als  Quenstedt's  Ostrea  arietis  gedeutet  wird. 
Diese  Auster  hat  für  die  Plauorbiszone  dieser  Gegend  eine  analoge  Bedeu- 
tung, wie  im  gleichen  Horizonte  an  vielen  anderen  Orten  Ostrea  suhlamellosa 
DunJc.,  welche  neuerlich  wieder  von  Dumortier  im  Rhönebecken,  ganze 
Lagen  erfüllend,  gefunden  wurde.  Im  Südwesten  England's  nennt  Moore  in 
seiner  eben  erschienenen  Arbeit  über  den  abnormen  Lias  in  Somersetshire 
und  Süd- Wales  Ostrea  liasica^  welche  unter  den  gleichen  Verhältnissen 
auftritt,  wie  0.  suhlamellosa  anderwärts.  In  den  Profilen  von  Camel  Hill  2), 
Bedminster  3),  Llanbethian '^)  erscheint  jedoch  auch  die  gegen  Ostrea  liasica 
sehr  zurücktretende  Ostrea  arietis  (=  muUicostata  Terq.  nach  Moore)  ^) 
bereits  in  Planorbis-Schichten. 

Während  von  rhätischen  Fossilien  nur  Avicula  Kössenensis  bis  in  die 
untere  Hälfte  der  Zone  heraufgreift,  finden  sich  unter  den  Brachiopoden 
Formen  vor,  welche  in  den  wenigen  vorliegenden  Exemplaren  keine  Ver- 
schiedenheit von  solchen  erkennen  lassen,  welche  bisher  meist  nur  aus  höhe- 
ren Horizonten  ausserhalb  der  Alpen  angeführt  wurden.  Terehratula  punc- 
tata wird  jedoch  auch  von  Moore  «)  bereits  in  Gesellschaft  des  Ammonites 
planorbis  genannt.  —  Da  hier  Ammonites  planorhis  Sow.  zum  ersten  Male 
aus  den  Alpen  citirt  wird,  so  dürfte  es  angezeigt  sein,  zu  betonen,  dass 
die  typische  englische  Form,  welche  mit  Amm.  planorhoicles  Gümh. '')  nicht 
verwechselt  werden  kann,  verstanden  wird.  Amm  planorhis  liegt  zusammen 


*)  Moore,  On  abnormal  conditions  of  secondary  deposits  etc.  Quart.  Jour. 
Geol.  Soc.  of  London.  1867.  Pag.  462. 

2)  Moore,  Eben  daselbst.  Pag.  467. 

3)  1.  c.  pag.  501. 
*)  1.  c.  pag.  519. 

5)  Eine  ähnliche  Austernforra  wird  auch  vonDumorti er  aus  dem  Rhönebecken 
als  Ostrea  liUodani  beschrieben.  Dumortier,  Etudes  paleont.  I.  pag.  82. 

"■)  Moore,  1.  c.  pag.  505,  Profil  von  Shepton. 

')  Gümbel,  bayer,  Alpengebirge,  pag.  410.  Winkler,  Zeitschrift  der  deut- 
schen geologischen  Gesellschaft.  1861.  Tafel  IX.  Figur  3. 


["311    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgruppe  d.  Osterhornes,      197 

mit  Ämm.  Hagenowi  und  Amm.  Johnstovii  Soiv.  in  der  obersten  Bank  der 
mächtig  entwickelten  Zone. 

Im  Missverliältniss  zur  Mächtigkeit  der  Planorbis-Zone  steht  die  Zone 
des  Ämm.  angulatus,  deren  mittlere  Stärke  3  Fuss  3  Zoll  beträgt.  Nichts 
desto  weniger  ist  sie  palaeontologisch  sehr  gut  charakterisirt ,  und  es  ist 
nicht  zu  bezweifeln,  dass  länger  fortgesetztes  Sammeln  in  ihr  so  wie  auch  in 
der  Planorbiszone  noch  viele  Arten  aa  den  Tag  bringen  wird,  welche  uns  bei 
der  Kürze  der  Zeit  entgehen  mussten,  welche  v^^ir  ihrem  Studium  widmen 
konnten.  In  den  Alpen  wurde  die  Zone  des  Ämm.  angulatus  zuerst  von 
Gümbel  *)  an  der  Kammerkarplatte  nachgewiesen  und  Oppel  3)  erwähnt 
seinen  Ämm.  longipontinus,  welchen  wir  an  der  Kendelklause  zusammen 
mit  dem  echten,  in  den  Ostalpen  bisher  noch  nicht  nachgewiesenen 
Ämm.  angulatus  ScJil.  sammelten,  von  Blumensteinallmend  (Schweizer 
Alpen),  Kammerkar  und  Lämmerbach.  Der  letztere  Fundort  gehört  der 
Gruppe  des  Osterhornes  an. 

Es  ist  vorzugsweise  eine  Cephalopoden-Fauna,  welche  die  Angulatus- 
zone  hier  auszeichnet.  So  verhältnissmässig  reich  an  Arten  scheint  sie  an- 
derswo selten  aufzutreten.  Zu  den  bereits  genannten  treten  der  bisher  nur 
als  ünicum  bekannte  Ämm.  laqueus  Qu..,  Ämm.  cf.  Kridion  5),  Orthoceras 
sp.^  Nautilus  sp.  und  in  der  obersten  Lage  Ä^nm.  Moreanus.  In  dieser  fin- 
det sich  zugleich  Peden  Valoniensis  Defr.,  welcher  oft  mit  Pecten 
acuteauritus  Schf.  der  Kössener  Schichten  verwechselt  wird. 

Es  wäre  vielleicht  hier  am  Platze,  über  die  Vereinigung  der  beiden 
eben  besprochenen  Liaszonen  mit  der  Zone  der  Ävicula  contorta  zu  Einer 
Gruppe  „Infralias*'  noch  einige  Worte  beizufügen.  Doch  scheint  diese  Frage, 
in  so  weit  es  sich  nur  um  conventionelle  Grenzen  zwischen  „Formationen" 
handelt,  von  untergeordneter  Bedeutung  zu  sein.  Der  Umstand,  dass  die 
rhätische  Stufe  sich  in  mehrere  wohlmarkirte  Faunen  sondert,  über  welchen, 
erst  durch  eine  grössere  fossilfreie  Masse  getrennt,  die  Zonen  des  Ämm. 
planorhis  und  Ämm.  angulatus  ihre  selbständige  Vertretung  finden,  weist 
wohl  die  Bedeutung  dieser  Zonen  auf  das  schlagendste  nach,  scheint  aber 
nicht  sehr  geeignet  zu  sein,  zu  Gunsten  der  besagten  Frage  in  Anspruch  ge- 
nommen zu  werden, 

Die  Zone  des  Ämm.  BucMandi,  seit  Jahren  schon  durch  die  sehr  ver- 
dienstlichen Forschungen  Stur's*)  zu  Enzesfeld  in  den  österreichischen 
Alpen  nachgewiesen ,  zeichnet  sich  durch  eine  eigenthümliche  petro- 
graphische  Beschaffenheit  zu  Enzesfeld  sowohl  wie  in  der  Gruppe  des 
Osterhornes  aus,  so  dass  es  leicht  fällt,  die  ihr  angehörigen  Fossile  wie- 
der zu  erkennen  und  in  den  Sammlungen  von  denen  höherer  Horizonte  zu 
trennen.  Am  Breitenberge  sahen  wir  die  untere  Hälfte  (nur  diese)  der  un- 
tersten Bank  noch  mit  grossen  Exemplaren  des  Ämm.  Moreanus  bedeckt, 
welcher  in  der  vorhergehenden,  zur  Zone  des  Ämm.  angulatus  gerechneten 


')  Bayer.  Alpengebirge,  pag.  430,  434. 

*)  Palaeont.  Mittheilungeii,  pag.  131. 

®)  Siehe  Dum  orti  er,  Etudes  paleont.  dans  le  bassin  du  Rhone.  I.Tab.  XVIIl. 
Figur  3.  4. 

*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geolog.  Eeichsanstalt  18S1 ,  Seite  24.  1865.  Vh.  Seite 
107.  Siehe  ferner  Hauer,  Ceph.  des  Lias.  Denkschriften  der  k.  k.  Akademie  der 
Wissenschaften.  XI,  1856,  pag.  79. 


i98  Eduard  Suess  und  Edmund  von  Mojsisovics.  [32] 

Bank  sein  Hauptlager  hat.  Ämm.  Charmassei  i)  fanden  wir  mit  Ämm.  hi- 
sulcatus,  während  in  tieferen  Schichten  keine  Spuren  desselben  getroifen 
werden.  In  der  That  zeigen  auch  die  zahlreichen  in  den  Wiener  Sammlungen 
aus  Adneth  oder  Enzesfeld  vorfindlichen  Exemplare  desselben  insgesammt 
die  charakteristische  BeschaiTenheit  des  EnzesfelderArietenkalkes,  und  auch 
Dumortier  kennt  ihn  nur  im  gleichen  Horizonte.  Auch  Ämm.  salinarius 
Hau.  2)  stammt  aus  diesen  Schichten  und  liegt  aus  Adneth  in  mehreren 
Exemplaren  vor. 

Die  über  der  Bucklandi-Zone  folgende  Crinoidenlage  mit  Brachiopoden- 
Bruchstücken  nimmt  genau  die  Stelle  der  Zone  des  Pentacrinus  tuhercula- 
tus  ein,  und  ihr  mögen  wohl  die  untersten  Lagen  der  berühmten  Kalke  am 
Hierlatzberge  bei  Hallstatt  entsprechen,  während  die  höheren  nach  ihren 
Cephalopoden  -  Einschlüssen  ,  wie  0  p  p  e  1  bereits  nachwies  s),  der  oberen 
Hälfte  des  unteren  Lias  entsprechen  und  bis  an  die  Grenze  des  mittleren 
reichen. 

Die  Gliederung  der  Adnether  Schichten  erforderte  einen  grösseren 
Aufwand  an  Zeit,  als  wir  derselben  hätten  widmen  können.  Nachdem  aber 
die  unteren  Zonen  sich  in  so  erfreulicher  Weise  unterscheiden  Hessen,  mag 
die  Annahme  wohl  als  keine  ungerechtfertigte  betrachtet  werden,  dass  auch 
innerhalb  der  Adnether  Schichten  das  Lager  und  die  Association  der  zahl- 
reichen Arten  in  gleicher  Weise  bei  längerem  Studium  an  Ort  und  Stelle 
wird  nachgewiesen  werden  können,  wie  ausserhalb  der  Alpen.  Nach  den  in 
den  Sammlungen  liegenden  Fossilen  zu  urtheilen,  reichen  die  echten  Adne- 
ther Schichten  bis  zur  Zone  des  Amm.  margaritatus.  Ob  diese  selbst  noch 
mit  inbegriffen  sei,  lässt  sich  dagegen,  ohne  vorausgehende  specielle  Unter- 
suchungen an  Ort  und  Stelle,  mit  Sicherheit  nicht  bestimmen  *).  An  ande- 
ren Punkten,  wie  z.  B.  an  der  Kammerkarplatte,  liegen  auch  die  Petrefacten 
der  Zone  des  Ämm.  BucMandi  und  des  oberen  Lias  in  rothem,  dem  Adne- 
ther ähnlichen  Gesteine  und  auch  auf  diese  ist  die  Bezeichnung  „Adnether 
Schichten"  angewendet  worden,  wodurch  dieselbe  zu  einer  rein  petrographi- 
schen  herabsank. 

Ganz  das  gleiche  ist  bei  den  sogenannten  „Fleckenmergeln"  der  Fall. 
Während  an  vielen  Orten  z.  B.  die  Fossile  der  Zone  des  Ämm.  raricostatus 
in  Fleckenmergeln  begraben  liegen,  repräsentiren  in  anderen  Gegenden  die 
Fleckenmergel  die  Zone  des  Ämm.  margaritatus  oder  der  Posidonia  Bronni 
oder  auch  die  des  Ämm.  BucMandi  und  Ämm.  obtusus.  Es  wäre  eben  so 
ungerechtfertigt,  verkennen  zu  wollen,  dass  zur  Zeit  ihrer  Einführung  diese 
Localnamen  Berechtigung  und  auch  practischenWerth  hatten,  als  es  unzweck- 
mässig erscheint,  sie  in  Zukunft  in  einer  anderen  als  rein  petrographischen 
Bedeutung  zu  gebrauchen.    Unter  allen  den  liasischen  localen   Schichten- 


*)  Sowohl  die  typische  französische  Form,  als  auch  die  von  Oppel  als  Amm t 
fnarmoreui  (=  Amm.  Charmassei  Hau.)  bezeichnete  Varietät  liegt  in  derselben  Ge- 
steinsmasse. 

2)  Die  Cephalopoden  des  Salzkammergutes.  Wien,  1846,  Seite  30,  Taf.  X, 
Figur  1—3. 

'}  Neues  Jahrbuch  von  Leonhard  und  Bronn.  1862.  Seite  63. 

'*)  Vergl.  Mojsisovics,  Versteinerungen  des  mittleren  Lias  vom  Hall- 
stätter  Salzberge.  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1868,  Nr.  1, 
Seite  10. 


[33]    Stud.  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.  II.  Die  Gebirgsgnippe  d.  Osterliornes.     f  99 

Bezeichnungen,  die  Hierlatz-Schichten  nicht  ausgeschlossen ,  von  denen  ein 
Theil  sicher  dem  mittleren  Lias  angehört  (z.  B,  Schafberg) ,  verbindet  sich 
blos  in  den  sogenannten  „Enzesfelder  Kalken"  ein  scharfer  palaeontologi- 
scher  mit  einem  eben  so  scharfen  petrographischen  Begriffe.  Aber  auch 
dieser,  es  ist  gut  dies  hervorzuheben,  hat  nicht  auf  allgemeine  Giltigkeit 
Anspruch,  da  in  unseren  Alpen  die  Zone  des  Ämm.  BucJdandi  auch  in  an- 
derer petrographischer  Beschaffenheit  auftritt.  Seine  beschränkte  Berechti- 
gung liegt  nur  in  dem  negativen  Momente,  dass  bisher  Kalke  von  seinem 
Aussehen  nur  in  Verbindung  mit  der  Zone  des  Amm.  BucJdandi  bekannt 
und  nur  in  dieser  Verbindung  gebraucht  worden  sind. 

Nach  dem  oben  Gesagten  entsprechen  die  Fleckenmergel  der  Oster- 
horngruppe  einem  Theile  des  mittleren  und  dem  oberen  Lias  und  es  ist 
nicht  unmöglich,  dass  auch  die  Zonen  der  Trigonia  navis  und  des  Ämm. 
Murchisonae  in  den  obersten  Lagen  derselben  vertreten  sind,  da  diese  in 
den  dem  alpinen  Gürtel  angehörigen  Karpathen,  ähnlich  wie  in  Frankreich, 
p etrographisch  von  den  obersten  Liashorizonten  nicht  gut  trennbar  sind. 

Die  mächtigen  Conglomeratmassen  über  dem  Lias  deuten  auf  äusserst 
stürmische,  wechselvolle  Zustände  während  der  Zeit  des  Doggers  und  des 
Malm  bis  zur  Ablagerung  der  tithonischen  Stufe. 

An  ihren  unteren  Grenzen  befindet  sich  die  der  Zone  des  Amm.  Sau- 
sei angehörige  Lage  eingeschaltet.  Es  ist  die  erste  i)  Andeutung  dieses 
Horizontes  in  unseren  Nordalpen.  Auch  in  den  Südalpen  ist  derselbe  erst 
in  der  jüngsten  Zeit  durch  Benecke,  Neumayr,  Schloenbach  und 
Waagen  2)  und  zwar  am  Cap  San  Vigilio  am  Gardasee  nachgewiesen 
worden. 

Der  Umstand,  dass  eine  grosse  Anzahl  von  Dogger-  und  Malm-Hori- 
zonten  bisher  in  den  Alpen  nicht  angetroffen  wurde ,  mag  zum  Theile  die 
nur  locale  Bedeutung  einiger  dieser  Horizonte  vermuthen  lassen,  zum  Theile 
aber,  namentlich  im  Hinblick  auf  die  bereits  an  vielen  Orten  constatirte 
übergreifende  Lagerungsweise  der  bekannt  gewordenen  Dogger-  und  Malm- 
Zonen  mag  er  in  den  Verhältnissen  seine  Erklärung  finden,  welche  die 
Bildung  der  Conglomeratmassen  der  Osterhorngruppo  veranlasst  hatten. 

Die  Oberalm-Schichten  treten  in  einer  staunenswerthen  Mächtigkeit 
auf  und  entsprechen  wohl  dem  Hochgebirgskalk  der  Schweizer,  da  sie, 
wie  unlängst «)  gezeigt  worden  ist,  von  der  Zone  diQ^Amm.  tenuilohatus  unter- 
lagert werden.  Aus  den  Steinbrüchen  von  Oberalm  *),  welche  den  unteren  Thei- 
len  des  Complexes  angehören  werden,  liegen  in  den  Wiener  Sammlungen  nur 
wenige  Cephalopodenreste  vor,  welche,  der  Art  nach  vorläufig  unbestimmbar, 
doch  den  Habitus  der  tithonischen  Cephalopoden  deutlich  an  sich  tragen. 


*)  Seitdem  diese  Zeilen  niedergeschrieben  worden  sind,  hat  Herr  Gries- 
bach  das  Vorkommen  des  Amm.  mesacanthus  Waag.  zu  St.  Veit  bei  Wien  nach- 
gewiesen. Vergl.  Verhandlungen  der  k  k.  geologischen  Reichsanstalt  1868,  Seite  S4. 
Jahrbuch  1868,  I,  Seite  12S. 

'^)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  ßeichsanstalt  1867,  Seite  138,  und 
Waagen,  Zone  des  Amm.  Sowerlyi.  Geogn.  pal.  Beiträge  I,  Seite  S59. 

3)  Verhandlungen  1868,  Seite  124  fg. 

*)  Man  vergleiche  hierüber  auch  Oppel  in  Gümbel's  bayerischem  Alpen- 
gebirge, Seite  488. 

Jahrbuch  der  k,  k^  geologischen  ßeichsanstalt    186S.  18.  Band  8.  Heft  ~  • 


200         ^-  "^uess  u.  K.  V.  Afojsisovics     Studien  ü.  d.  Glieder,  d.  Trias  etc.       [34] 

Sehr  bemerkenswerth  ist  die  nur  kümmerliche  Andeutung  eines  oberen 
Horizontes,  welcher  doch  in  den  mächtigen  Zackenreihen  der  Donnerkogel 
und  in  den  Pyramiden  des  Hoch-Plassen,  Sandling  u.  s.  w.  eine  so  ausge- 
zeichnete Entwicklung  findet  ij. 

Von  grosser  Bedeutung  ist  der  Umstand,  dass  auf  den  Höhen  der 
Osterhorngruppe  die  Oberalm-Schichten  von  keinem  weiteren  Gebilde  über- 
lagert werden  und  die  Sedimente  der  neocomen  Stufe  erst  mehrere  Tausend 
Fuss  tiefer  längs  der  grossen  Bruchliuien  in  eingekeilter  Lagerung  '■>)  an- 
getroffen werden.  Die  Grenzlinie  zwischen  tithonischen  und  neocomen 
Schichten  ist  mithin  in  diesem  Theile  der  Alpen  ebenso  scharf  markirt  und 
bedeutungsvoll,  als  im  Klippengebiete  der  Hohen  Tatra  s). 


')  Vorgl.  Mojsisuvic«,  über  den  Malm  des  Salzkammergutes.  Verhandlun- 
gen der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt  1868,  Seite  124  fg. 

*)  Am  Saum  der  Osterhorngruppe  z.  B.  im  Strobl  -  Weissenbachthale 
(Schloenb  ach,  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  1867,  Seite  378) 
und  am  Ufer  des  Wolfgang-See's  gegen  den  Eingang  in  das  Zinkenbachthal. 

5)  Mojsisovics,  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  ßcichsanstalt  1867, 
Seite  356. 


Erklärnng  zu  Tafel  VI. 

Fig.  J.  a  Plattenkalk,  b  Rhätische  Stufe,  c  Unterster  Lias  und  Adnether  Schichten, 
d  Fleckenmergel,  e  Brauner  Jura,  /  Weisser  Jura. 

Fig.  2.  a  Plattenkalk,  a  Plattenkalk  mit  vielen  Glastropoden,  a''  Lagen  mit  Se- 
mionvtns.  h  Unterer  Theil  der  rhäiischen  Stufe,  V  Mittlerer  Theil  derselben, 
insbesondere  Haupt-Lithodendronkalk,  c  Zone  des  A.  planorbis,  dann  des 
A.  avgulatus  und  A.  bmtlcalus,  c'  Adnether  Schichten,  d  Fleckenmergel, 


II.    Die    nördliche    A  r  v  a. 
Von  C.  M.  Paul, 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  April  1868.) 


Einleitung. 


Unter  der  Bezeichnung  Arva  versteht  man  in  politischer  Beziehung 
das  zwischen  den  Comitaten  Trenczin,  Thurocz  und  Liptau  einerseits,  und 
der  galizischen  Landesgrenze  andererseits  eingeschlossene  Verwaltungs- 
gebiet, in  orographischer  Beziehung  die  Landschaft,  deren  Südgrenze  durch 
das  Klein-Krivaugebirge,  den  Chocs,  den  Höhenzug  des  Hatje-  und  Blato- 
berges,  und  die  hohe  Tatra,  und  deren  Nordgrenze  durch  den  Beskidenkamm 
bezeichnet  ist.  Hydrographisch  endlich  ist  mit  dem  Worte  Arva  das  gesammte 
Wassergebiet  des  Arvaflusses  bezeichnet,  welcher  von  seiner  Quelle  bis 
zu  seiner  Vereinigung  mit  der  Waag  bei  Kralowany  dem  in  Kede  ste- 
henden Terrain  angehört,  und  sämmtliche  Wasserläufe  desselben  in  sich 
aufnimmt. 

Die  Arva  i)  entsteht  aus  der  Vereinigung  mehrerer,  grösstentheils  von 
den  Nordgehängen  des  Parac-Gebirges  bei  Erdödka  herabkommenden  Bäche, 
von  denen  der  Fleischowa-Bach  der  bedeutendste  ist.  Von  Lomua  an  führt 
der  hier  noch  sehr  bescheidene  Fluss  den  Namen  Arva,  und  fliesst  von  hier 
in  nordöstlicher  Kichtung  über  Krasecnica  bis  Breza,  wo  die  Thalrichtung 
unter  einem  rechten  Winkel  gegen  Süd  abbiegt,  und  das  Thal  somit  aus 
einem  Längsthaie  auf  eine  kurze  Strecke  zu  einem  Querthale  wird.  Vuii 
Lokia  bis  Slanica  ist  das  Thal  wieder  in  seiner  früheren  ostnordöstlichen 
Richtung  als  Längsthal  entwickelt. 

Bei  Slanica  nimmt  die  Arva  ihren  bedeutendsten  nordwestlichen 
Zufluss,  die  Polhoranka,  auf,  und  fliesst  mit  dieser  in  südöstlicher  Richtung 
bis  Usztya,  wo  sie  sich  mit  der  wasserreichen,  von  Nordost  kommenden 
„schwarzen  Arva*'  vereinigt,  und  sich  nach  Süden  wendend,  die  östlichen 
Ausläufer  des  Magura-Gebirges  zwischen  Usztya  und  Thurdossin  (Twrdosiu) 
als  Querthal  durchbricht. 

Bei  Thurdossin  vereinigt  sich  die  Arva  mit  der  Oravicza  und  schlägt 
mit  dieser  nun  eine,  im  Ganzen  betrachtet,  südwestliche  Thalrichtung  ein. 


1)  Der  Name  „Arva"  wird  für  die  Landschaft  uud  für  den  Fluss  gebraucht, 
wie  dieses  bei  mehreren  bedeutenderen  Thälern  des  nördlichen  Ungarns  üblich  ist. 
So  bezeichnet  man  z.  B.  die  Thäler  der  Kissucz,  der  Thurocz  etc.  als  die  „Kis- 
sucz*,  die  „Thurocz"  u.  s.  w. 

27* 


204  C.  M.  Paul.  [4] 

Die  dritte  geologische  Gruppe  des  Terrains  wird  durch  das  einförmige 
Gebiet  jüngerer  (eocener)  Karpathensandsteiue  gebildet,  welche  mit  dem 
Kamme  des  Vojenne-Gebirges,  des  Höhenzuges  Kubinska  Hola—Priszlop, 
und  der  Arvaer  Magura  beginnen,  und  den  gesammten  nördlich  von  den 
erwähnten  Höhenzügen  gelegenen  Theil  des  Comitates  zusammensetzen. 

Die  vierte  Gruppe  endlich  begreift  die  auffallende  Terrainseukung, 
welche  die  Klippenreihe  und  das  Magura-Gebirge  gegen  Nordosten  plötzlich 
abbricht,  durch  Neogen-  und  Diluvialbildungen  ausgefüllt  ist,  und  nach 
dem  in  der  Mitte  derselben  gelegenen  Marktflecken  als  die  Niederung  von 
Bobrow  bezeichnet  werden  kann. 

Wir  gehen  nun  zur  Betrachtung  der  geologischen  Verhältnisse  dieser 
einzelnen  Gruppen  über. 

I.  Der,  der  Arva  angehörige  Theil  des  Rlein-Rriwan-Crebirges. 

Für  dieses  Gebiet  lag  als  Vorarbeit  nur  die  von  D.  Stur  ausgeführte 
Uebersichskarte,  und  der  darauf  bezügliche  Abschnitt  in  dem  „Berichte 
über  die  geologische  üebersichts- Aufnahme  des  Wassergebietes  der  Waag 
und  Neutra  von  D.  Stur*  (Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt, 
Bd.  XL  H.  I,  S.  17)  vor. 

Stur  bemerkt  hier  sehr  richtig  i)  dass  der  Mangel  an  Versteinerungen 
und  die  gestörten  Lagerungsverhältnisse  dieses  Gebirges,  dessen  geologische 
Aufnahme  so  schwierig  machen,  dass  wohl  kein  zweites  genannt  werden 
könnte,  welches  demselben  in  dieser  Beziehung  gleich  wäre. 

Dieses  gilt  namentlich  von  den  westlichen  und  centralen,  den  Grenz- 
kamm zwischen  den  Trencziner-  und  Thuroczer  Comitate  bildenden  Theil 
des  Gebirges,  während  sich  im  östlichen,  der  Arva  angehörigen  Theile  die 
Lagerungsverbältnisse  etwas  vereinfachen ,  und  wenigstens  stellenweise 
petrographische  Anhaltspunkte  zur  Orientirung  geboten  sind. 

Der  südliche  Theil  des  Gebirges  besteht  aus  Granit,  einer  Fortsetzung 
des  Granitstockes,  der  im  Westen  des  Strecno-Passes,  den  centralen  Theil 
des  Mincov-  und  Weterne-hole-Gebirges  zusammensetzt. 

An  den  Granit  schliesst  sich  im  Norden  zunächst  eine  Zone  von 
Quarzit  und  rothem  Sandstein,  und  an  diesen  ein  Complex  von  Kalken  und 
Dolomiten  an,  deren  höchstes  und  nördlichstes  Glied  der  Dolomit  des 
Kossutec  darstellt,  welcher  seinerseits  unmittelbar  von  Eocengebilden 
überlagert  wird. 

Diese  Eocengebilde  stellen  in  einem  Zuge,  der  von  Varin  (Värna) 
über  Tjerhowa  bis  Zazriva  läuft,  die  Nordgrenze  des  Klein-Kriwan-Gebirges 
dar,  und  sind  eine  nordöstliche  Fortsetzung  der  ausgedehnteren  Eocen- 
Terraius,  welclie  im  Nordwesten  des  Mincov-  und  Weterne-hole  Gebirges 
die  Becken  von  Sulov  und  Rajec  zusammensetzen. 

Betrachten  wir  die  erwähnten  Kalke  des  Gebirges,  insoweit  sie  dem 
Arvaer  Comitate  angehören,  etwas  näher. 

Wenn  man  die  Westgrenze  des  Comitates  verfolgend,  vom  Arvathale 
aus  durch  das  Bistricka-Thal  gegen  Norden  aufwärts  steigt,  so  durch- 
schneidet man  zunächst  den  Granitkern.  (Fig.  T.  1.) 

Auf  den  Granit  folgt,  schon  ziemlich  nahe  am  Südfusse  des  Stitt- 
Berges   eine   hier   sehr  schmale  Zone  von  Quarz  it  (2).   Der  Quarzit  ver- 

»)  li.  c.  S.  11,3. 


[5] 


Die  nördliche  Arva. 


205 


Fig.  I. 


S. 

Arvatlial 


N. 


Stitt  B.    *  Grosser  Rossutec    Kleiner  Eossutec  Punov  Pass 
1  : 


5.  Einlagerung  von,  dünnplattigem  Sand- 
P.  Feinkörniges  Congloraerat  mit  dunk- 


1.  Granit.    2.  Quarzit.     3.  Dolomitische  Kalke.     4.  Neocomkalke. 
stein  im  Neocomkalk.     6.  Kreidedolomit.     7.  Sulower  Conglomerat. 

len  Schiefern  wechselnd. 

schwindet  gegen  Ost  bald,  setzt  jedoch  gegen  Westen  (im  Thuroczer  Comitate 
in  einer  zusammenhängenden  Zone  fort,  welche  dm'ch  das  Sutov-Thal,  am 
Südfusse  des  Na  Koncita-  und  Javorino-Berges  bis  an  die  Spitze  des  Klein- 
Kriwan  zu  verfolgen  ist.  Ueberall  ist  seine  unmittelbare  Auflagerung  auf 
den  Granit  deutlich  zu  beobachten.  Im  Hintergrunde  des  Sutov-Thales  ist 
auch  seine  Lagerung  gut  aufgeschlossen;  er  fällt  hier  unter  circa  4öo  gegen 
NNO.,  also  unter  die  Gesammtmasse  der  Kalke  ein.  Er  ist  meistens  dicht, 
gegen  Westen  (namentlich  am  Südfusse  des  Klein- Kriwan  an  der  Grenze 
gegen  den  Granit)  conglomeratartig,  indem  gerundete  Brocken  von  weissem 
Milchquarz  in  der  ebenfalls  quarzigen  Grundmasse  eingeschlossen  erscheinen. 
Rothe  Sandsteine  stehen  ebenfalls,  aber  selten,  und  in  den  höheren  Lagen 
mit  dem  Quarzite  in  Verbindung. 

Eine  genaue  Alterbestimmnng  der  Quarzite  gehört  wohl  zu  den 
schwierigsten  Aufgaben,  welche  die  Karpathen-Geologie  darbietet,  um  so 
mehr,  nachdem  die  fortschreitenden  Untersuchungen  Quarzite,  rothe  Sand- 
{ teine  und  Schiefer  von  nahezu  identischer  petrographischer  Erscheinung  in 
den  verschiedenen  Niveaux  nachgewiesen  haben. 

Schon  im  ersten  Jahre  (1863),  als  die  Detailaufnahmen  der  geologischen 
Keichsanstalt  im  westlichen  Ungarn  begannen,  wurden  in  den  kleinen  Kar- 
pathen  und  im  Inovec-Gebirge  die  folgenden  Niveaux  von  Quarziten,  rothen 
Sandsteinen  und  Mergeln  unterschieden:  1.  Der  älteste  Quarzit,  in  den 
Karpathen  unmittelbar  an  den  krystallinischen  Stock  anliegend,  conglomerat- 
artig, in  chloritschieferähnliche  Gesteine  übergehend,  ohne  Mergeleinlageu ; 
er  wurde  schon  damals  als  paläozoisch  betrachtet  Oi  eine  Annahme,  die 
durch  die  neuesten  interessanten  Resultate,  die  Baron  v.  An dri an  in  der 
Gegend  von  Dobschau  gewann,  ihre  palaeontologische  Bestätigung  er- 
langte 2).  2.  Der  rothe  Sandstein  mit  Melaphjreinlagerungen,  damals  nach 
Stur's  Vorgange  als  wahrscheinlicher  Repräsentant  des  Rothliegenden  auf- 
gefasst,  die  fortschreitenden  Untersuchungen  haben  jedoch  für  diese  Deutung 
keine  Belege  geliefert.  3.  Die  bunten  Mergel,  quarzigen  Schiefer  und  Sand- 
steine, welche  Dr.  Stäche  zuerst  im  Inovec-Gebirge  beobachtete,  und  als 
Vertreter  der  oberen  Trias  bezeichnete  ^) ;  sie  wurden  seitdem  an  zahlreichen 


*)  Jahrbnch  der  k.  k,  geologischen  Reichsanstalt,  14.  Band,  III.  Heft.  S.  347* 

2)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Eeiehsanstalt.  1868,  3. 

'*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichpanstalt.  B.  14,  Verhandl.  S.  71. 


206  C.  M.  Paul. 


[6] 


Punkten  der  Karpathen  in  demselben  Niveau  wiedergefunden,  und  bilden 
einen,  namentlich  für  die  Deutung  der  karpathischen  Dolomite  wichtigen 
Horizont.  4.  Der  Liasquarzit  der  kleinen  Karpathen  i),  durch  Lagerung 
über  palaeontologisch  nachgewiesenen  Kalken  des  unteren  Lias  und  unter 
rothen  Jurakalken  sichergestellt.  In  neuester  Zeit  wurden  rothe  Sandsteine 
mit  Melaphyren  im  Gebiete  der  schwarzen  Waag  von  Dr.  Stäche  durch 
Auffindung  bezeichnender  Petrefacte  als  bunter  Sandstein  nachgewiesen  2) 
(hierher  scheinen  nun  wohl  auch  die  rothen  Sandsteine  der  kleinen  Kar- 
pathen zu  stellen  zu  sein),  und  endlich  hat  Dr.  v.  Mojsi  sovics  in  der 
hohen  Tatra  Quarzite  in  Verbindung  mit  Crinoidenkalken  beobachtet,  welche 
Belemniten  enthalten,  nach  seinen  Mittheilungen  „jedenfalls  älter  sind  als 
die  karpathische  Zone  der  rhätischen  Formation"  und  mit  dem  Namen 
»Pisana-Quarzite  bezeichnet  wurden  s). 

Wir  haben  somit  Quarzite  und  quarzitähnliche  Gesteine  in  der  paläo- 
zoischen Epoche,  in  der  unteren  Trias,  der  oberen  Trias,  im  Lias  und  end- 
lich den  noch  zweifelhaften  Pisana-Quarzit.   Welchem  von  diesen  Niveaux 
der  Quarzit  des  Klein-Kriwan-Gebirges  angehört,  ist  schwer  zu  entscheiden ; 
die  petrographische  Beschaffenheit,  sowie  die  Lagerung  unmittelbar  am  Granit 
sprechen  wohl  für  den  ältesten  Quarzit;   doch  liegt  der  Pisana-Quarzit  nach 
Dr.  V.  Mojsi  sovics  ebenfalls  unmittelbar  auf  dem  Granite  der  Tatra,  und 
es  ist   zu  bemerken,   dass  am   Ostfusse  des  Kriwan  (südlich  unterhalb  der 
Einsattlung  zwischen  der  Kriwan-  und  Javorinospitze)  schwarze  Penta- 
crinitenkalke   vorkommen,    welche  mit  Pisana-(}esteinen  grosse  Aehn- 
lichkeit   haben,   unmittelbar  über   dem  Quarzit,  und  anscheinend  zwischen 
diesen  und  den,  den  Kamm  zusammensetzenden  dolomitischen  Kalken  liegen. 
Ob  die  Pentacrinitenkalke  diese  letzteren  wirklich  unterteufen,  wie  es  an 
dieser  Stelle   wohl   den  Anschein   hat,   oder   ob  man  es  hier  mit  einer  der 
grossartigen  Störungen  zu  thun  hat,  wie  sie  gerade  in  diesem  Theile  des 
Gebirges  zu   beobachten  sind,  kann  ich  nicht  entscheiden.   Diese  Gesteine 
treten  aber  nur  an  der  erwähnten  Stelle  auf,  sonst   folgen  im  Hangenden 
der  Quarzitzone  stets  unmittelbar  dunkle   dolomitische  Kalke,  zu- 
weilen in  echten  Dolomit  übergehend.   Die  Kalke  dieser  Zone  sind  meistens 
leicht  daran  zu  erkennen,  dass  sie  an  der  Oberfläche  licht  bläulichgrau  er- 
scheinen, und  nur  im  frischen  Bruche  die  ursprüngliche  schwarzgraue  Färbung 
des   Gesteines  erkennen  lassen.   Stets  sind  diese  Kalke  von  einem  engge- 
gitterten  Netze  weisser  Adern    durchzogen.    Ausser  dem  erwähnten  Typus 
treten  jedoch  noch  sehr  mannigfaltige  petrographische  Formen,  namentlich  in 
den  höheren  Lagen  auf,  deren  nähere  Schilderung   wohl  unterlassen  werden 
kann,  da  eine  stratigraphische  Trennung  auf  Grund  derselben  in  dem  in  Rede 
stehenden  Terrain  nirgends  durchführbar  erschien. 

In  unserem  Durchschnitte  an  der  Westgrenze  des  Arvaer  Comitates 
durchschneidet  man  diese  Zone  an  den  südlichen  Vorbergen  des  Spitzberges 
(Fig.  I.  3).^  Im  Hintergrunde  des  Bistricka-Thales ,  wo  sich  der  Weg  auf  die 
Höhe  des  Zebräk-Berges  gegen  West  abzweigt,  beobachtete  ich  an  einem 
Felsblocke  Spuren  von  Schalenauswitterungen,  an  denen  aber  nichts  weiter 
erkannt  werden  konnte,  als  dass  sie  wahrscheinlich  von  irgend  einem  Cepha- 


^)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  B.  14.  III,  Heft.  S.  351, 

^)   Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Eeiehsan stall  1867.  Nr.  17. 

ä)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt    1867.  Nr.  12.  S.  258. 


r7|  Die  nördliche  Arva.  207 

lopoden  herrühren  dürften.  Diese  zweifelhaften  Gesteine  reichen  bis  an  den 
Südfuss  des  kahlen,  spitzkegelförmigen  Stittberges,  welcher  aus  charakteristi- 
schen, lichten  Neocomien-Kalkmergeln  zusammengesetzt  ist.  Der  gegen- 
wärtige Durchschnitt  ergiebt  somit  für  die  Deutung  dieser  Schichten  nur  das 
sehr  mangelhafte  Resultat,  dass  sie  über  dem  Quarzit,  und  unter  dem  Neo- 
comien  liegen;  verfolgt  man  dieselben  jedoch  gegen  Osten  bis  in  das  Zazriwa- 
Thal,  sogewinutman  etwas  bessere  Anhaltspunkte  für  ihre  Altersbestimmung, 
wie  im  zweiten  Durchschnitte  gezeigt  werden  soll.  Zu  bemerken  ist  hier 
noch  der  Umstand,  dass  westlich  von  der  Arvaer  Comitatsgrenze,  an  dem 
Kamme,  der  das  Trencziner  vom  Thuroczer  Comitat  trennt,  wiederholt 
Quarzite  inmitten  der  Zone  der  fraglichen  dolomitischeu  Kalke  auf- 
treten ,  ohne  dass  bisher  ermittelt  werden  konnte ,  ob  diese  den 
Schichten  regelmässig  einlagert,  oder  durch  Störungen  an  die  Oberfläche 
gebracht  sind. 

Die  Neocomien-Kalkmergel  des  Stittberges  (Fig.  I.  4j  streichen 
über  den  Oznica  -  Berg  ,  den  Ostri  -  Berg  ,  und  über  das  Zazrivathal 
hinaus  fort ,  und  sind  auch  gegen  Westen  (im  Trencziner  Comitate) 
über  den  Stochberg  etc.  als  zusammenhängende,  weit  verbreitete  Zone 
zu  verfolgen. 

In  der  Einsattlung  zwischen  dem  Stitt  und  dem  grossen  Rossutec 
treten  dünnplattige  Sandsteine  auf  (Fig.  I.  ö),  welche  in  den  gegen 
Nordost  hinabführenden  Schluchten  und  Wasserrissen  gut  aufgeschlossen 
sind.  Sie  sind  dunkel,  glimmerreich,  mit  geradlinigen  weissen  Kalkspath- 
adern durchzogen,  und  lassen  sich  in  beinahe  papierdünne  Scheiben  spalten; 
stellenweise  stehen  sie  auch  mit  dickschichtigeren,  kalkigeren  Lagen  in 
Verbindung;  am  Südfusse  des  Rossutec  sind  sie  überlagert  von  einer 
Schichte  lichter  Kalkmergel,  welche  den  im  Liegendon  der  Sandstein- 
schichten auftretenden  ganz  gleich  sind,  und  in  denen  ich  einen  Ammoniten 
auffand ,  dessen  Erhaltungszustand  zwar  eine  sichere  Bestimmung  der 
Spezies  nicht  zulässt,  jedoch  hinreicht,  um  denselben  als  Neocomientypus 
(wohl  wahrscheinlich  Ämm.  anguUcostatus  d'  Orb.)  erkennen  zu  lassen.  Das 
petrografisch  leicht  wiederzuerkennende  Gestein  findet  sich  im  Klein-Kriwan- 
Gebirge  nur  an  dieser  Stelle,  tritt  jedoch  im  Karpathen-Sandstein- Gebiete 
zwischen  den  Klippen  häufig  auf,  und  es  sind  daher  die  Verhältnisse  des  in 
Rede  stehenden  Durchschnittes,  wo  die  dünnplattigen  Sandsteine  den 
Neocomien-Kalkmergeln  regelmässig  eingelagert  sind,  auch  für  das  Klippen- 
gebiet von  Bedeutung. 

Neben  den  Kalkmergeln  mit  Ämm.  anguUcostatus  (?)  liegt,  den  grossen 
und  kleinen  Rossutec  zusammensetzend ,  eine  mächtige  Dolomitmasse 
(Fig.  L  6),  der  nach  den  Beobachtungen  der  letzten  Jahre  so  weit  ver- 
breitete Kreid  ed  olomit  der  Karpathen.  Der  Dolomit  ist  ungeschichtet, 
meistens  breccienartig,  und  schneidet  überall  scharf  gegen  die  darunter  liegen- 
den Neocommergel  ab,  ohne  durch  Wechsellagerung  in  dieselbenüberzugehen. 
Was  das  geologische  Alter  desselben  betrifit,  so  kann  er  wohl  nur  mit  den 
Sandsteinen  und  Mergeln  verglichen  werden,  welche  im  Karpathen-Sandstein- 
Gebiete  dasselbe  Niveau,  über  den  Neocomienmergeln,  einnehmen,  und  in 
denen  Gault  und  Cenomanien  nachgewiesen  sind.  Nirgends  treten  die  ceno- 
manen  Exogyrensandsteine  mit  dem  Kreidedolomite  zusammen  auf;  wo  die 
Sandsteine  vertreten  sind,  fehlt  regelmässig  der  Dolomit,  die  Gesteine  er- 
setzen sich  vollkommen,   und  es  erscheint  daher  wohl  gerechtfertigt,  wenn 

Jahrbuch  der  k.  k.  i^eolotjisoheii  lloicUHaiiBtall    1H68  18.  Baud.  2.  Heft  ^O 


208  ^-  M.  Paul.  [8] 

wir  den  fraglichen  Dolomit  als  die  kalkige  Facies  der  mittleren  Kreide  in 
den  Karpathen,  als  das  Aequivalent  der  mittleren  Etagen  der  Karpathen- 
saudsteine  bezeichnen. 

In  der  Einsattlung  zwischen  dem  grossen  und  kleinen  Rossutec  treten 
wieder  die  Neocommergel,  ersichtlich  durch  eine  Faltung  emporgebracht, 
unter  dem  Dolomite  hervor.  Sie  enthalten  hier  (nach  Stur)  Ämm.  Nisus 
d'  Orb.  und  Amm.  Ästierianus  d'  Orh.  Die  Dolomitmasse  des  grossen 
Eossutec  erscheint  hier  von  der  des  kleinen  Rossutec  auf  eine  kurze  Er- 
streckung getrennt,  doch  vereinigen  sich  dieselben  gegen  Westen  bald,  und 
setzen  in  einem  zusammenhängenden  Zuge  durch  das  Wratna-Thal  gegen 
Varin  (im  Trencziner  Comitate)  fort.  Am  Eingange  des  Wratna-Thales 
bei  Tjerhowa  bilden  sie  die,  in  der  Gegend  wegen  ihren  eigenthümlichen 
Felsformen  berühmten  wildromantischen  Partien,  welche  das  genannte  Thal 
zu  einem  der  reizendsten  Punkte  der  Karpathen  gestalten. 

Schreitet  man  längst  der  Westgrenze  des  Comitates  weiter  gegen  Nord, 
gegen  den  Punov-Pass  fort,  so  findet  man  am  Nordgehänge  des  kleinen 
Rossutec  als  unmittelbares  Hangendes  des  Dolomites  das  bekannte,  aus- 
schliesslich aus  wohlabgerollten  Kalkgoschieben  zusammengesetzte  Con- 
glomerat,  welches  seine  mächtigste  Entwickelung  im  Sulower-Gebirge  (im 
Trencziner  Comitate,  östlich  vom  Waagflusse)  erreicht,  und  daher  als 
Sulower  Conglomerat  bezeichnet  zu  werden  pflegt  (Fig.  I.  7).  Fast 
überall,  wo  dieses  Conglomerat  erscheint,  repräsentirt  es  die  unterste  Etage 
der  karpathischen  Eocenbildungen,  liegt  meistens  unmittelbar  auf  dem 
Kreidedolomite  (nur  an  wenigen  Stellen  durch  eine  Schichte  echten  Num- 
muliten-Kalkes  von  diesem  getrennt)  und  enthält  an  einigen  Punkten 
Nummuliten*,  so  fand  ich  in  dom  in  Rede  stehenden,  den  Dolomit  des 
Klein-Kriwan-Gebirges  gegen  Nord  begrenzenden  Zuge  bei  den  südlichsten 
Häusern  des  Dorfes  Tjerhova  am  Eingänge  in  das  Wratna-Thal  Nummulites 
spira  de  Boiss.,  mit  mehreren  anderen,  spezifisch  nicht  zu  bestimmenden 
Nummulitenformen  unmittelbar  an  der  Grenze  des  Kreidedolomites  darin 
auf.  Die  Begrenzung  dieses  Conglomerates  gegen  den  Kreidedolomit  ist 
stellenweise  nicht  mit  der  wünscheuswerthen  Schärfe  ausgeprägt,  indem  das 
Conglomerat  sein  Material  beinahe  ausschliesslich  aus  dem  Dolomit  ent- 
lehnt, hiedurch  schon  eine  grosse  petrografische  Aehnlichkeit  der  beiden 
Gesteine  bedingt  wird,  und  überdies  die  Felsformen  der  beiden  Gebilde 
genau  die  gleichen,  bizarren  Gestalten  zeigen,  wie  sie  an  anderen  Bildungen 
wohl  selten  beobachtet  werden  dürften.  So  zeigt  beispielsweise  der  nördliche 
Theil  des  Klein-Kriwan-Gebirges,  von  dem  gegenwärtig  eben  die  Rede  ist, 
ganz  denselben  landschaftlichen  Charakter,  wie  das  Sulower-Gebirge,  und 
doch  besteht  dieses  aus  Eocenconglomerat,  jener  aus  Kreidedolomit. 

Das  Sulover-Conglomerat  bildet  hier  nur  einen  sclimalen  Zug  am 
Saume  der  steilen,  vielfach  zerissenen  Felsmauer,  welche  von  Zazriwa  gegen 
Westen  streichend,  den  Nordrand  des  Klein-Kriwan-Gebirges  bildet;  die 
sanftgerundeten  Berglehnen,  welche  dieser  Mauer  vorliegen,  bestehen  aus 
einer  Wechsellagerung  dunkler  dünnblättriger  Schiefer  mit  einem  fein- 
körnigen Conglomerate  aus  schlecht'gerollten  oder  ganz  eckigen  Kalkstückchen 
(Fig.  I.  8),  in  welchen  letzteren  ebenfalls  (bei  Zazriwa)  Numrauliten-Spuren 
gefunden  wurden,  und  welches  daher  ebenfalls  dem  Eocen  angehört. 

Diese  Eocenbildungen,   welche  wie  bereits  oben  erwähnt,  eine  nord- 
östliche Fortsetzung  der  ausgehutereiiEocengebiete  des  Ti-encziner  Comitates 


Die  nördliche  Arva. 


209 


[9] 

sind,  finden  jenseits  der  Poststrasse  zwischen  Zazriwa  und  Tjerhowa  ihre 
nördliche  Begrenzung  durch  die  Karpathensandsteine  des  Pupow-Berges, 
in  denen,  wie  später  gezeigt  werden  soll,  wohl  wahrscheinlich  eine  Fort- 
setzung der  Kreidesandsteine  des  Waagthaies  zu  suchen  ist. 

Während  der  eben  geschilderte  Durchschnitt  einen  ziemlich  klaren 
Einblick  in  die  Gliederung  der  jüngeren,  den  nördlichen  Theil  des  Gebirges 
zusammensetzenden  Bildungen  gewährt,  lassen  sich  über  die  Deutung  aller 
unter  den  Neocomien  liegenden  Schichten  aus  demselben  wenig  Resultate 
ziehen.  Das  Westgehänge  des  Thaies,  welches  von  Zazriwa  gegen  Pärnica 
herabzieht,  namentlich  der  nördliche  Theil  desselben,  bietet  in  dieser  Be- 
ziehung besseren  Aufschluss;  ich  füge  daher  hier  den  Durchschnit  bei,  wie 
er  sich,  wenn  man  von  Zazriwa  gegen  Süden  die  Strasse  nach  Parnica  ver- 
folgt, auf  der  rechten  Thalseite  darbietet  (Fig.  II.) 

Czreveng    -Thal 


1.  Neocomien-Mergel.     2.    Plattenkalk    mit    Aptychus.     3.     Kother   Knollenkalk.    4.    Röthlichgrauer    Kalk 
mit  Hornsteiii.     5.  Dunkle    Fleokenkalke    mit    Scliieferlagen.     6.  DuukJer    Kalk.    V.  Kothe    und   schwaixe 

quarzige  Schiefer.    8.  Dolomit. 

Beim  Strassenwirthshause  am  südlichen  Ende  des  Dorfes  Zazriva,  ge- 
genüber vom  Försterhause,  stehen  noch  die  feinkörnigen  eocenen  Conglo- 
merate  an,  von  denen  schon  bei  Besprechung  des  vorhergehenden  Durch- 
schnittes die  Rede  war. 

Etwa  800—1000  Schritte  weiter  südlich  treten  graue  merglige  und 
kalkige  Schiefer  auf,  deren  Schichten  in  auffallender  Weise  gebogen  und 
gewunden  sind,  und  welche  bis  zu  der  Kapelle  an  der  Einmündung  des 
Cserweny-Thales  anhalten.  Südlich  und  westlich  von  dieser  Kapelle  sieht 
man  sie  in  engerVerbindung  stehen  mit  echtenNeocomien-K  alkmergeln 
von  dem  bekannten  petrographischen  Habitus,  welche  vom  Stitt-,  Osnica- 
und  Ostri-Berge  hieher  streichen  (Fig.  IL,  1).  Man  kann  daher  wohl  mit 
Wahrscheinlichkeit  auch  die  Schiefer  mit  den  stark  gewundenen  Schichten 
dem  Neocomien  zuzählen,  wenn  auch  ihre  petrographische  Beschaffenheit 
stellenweise  sehr  an  die  Posidonienschiefer  des  Unter-Ooliths  erinnert,  wie 
sie  im  nördlich  und  östlich  angrenzenden  Klippenterrain  auftreten. 

Von  der  Kapelle  südwärts  geht  man  noch  eine  kurze  Strecke  in  ech- 
ten Neocomienmergeln,  dann  sieht  man  sich  bei  einer  kleinen  Biegung  des 
Thaies  plötzlich  einer  grossen,  auffallenden  Schichtfläche  gegenüber. 

Dieselbe  besteht  aus  mergeligem,  plattigem  Kalke,  der  WSW. 
sti  eicht,  und  NNW.,  also  unter  die  Neocomienmergel  einfällt.  (Fig.  IL,  2). 
Ich  fand  hier  einen  Aptychus,  dessen  zerstörte  Oberfläche  zwar  eine  speci- 
fische  Bestimmung  nicht  zuliess,  dessen  äusserer  Umriss  jedoch  mehr  an 
die  grossen  Aptychen  der  jurassischen  Aptychenschiefer  der  Alpen,  als  an 
einen  Neocomien-Aptychus  erinnert.    Ein  zweites,  ebenfalls  mangelhaftes 

28* 


2i0  C.  M.  Paul.  [10] 

Exemplar  fand  sich,  genau  im  Streichen  dieser  Schichte,  in  der  Einsattlung 
zwischen  dem  Csremos-  und  Kritocsowa-Berge. 

Weiter  ins  Liegende  dieser  wenig  mächtigen  Schichte  fortschreitend, 
findet  man  zunächst  unter  demselben  bei  der  Thalverengung,  eine  ebenfalls 
nur  wenige  Fuss  mächtige  Schichte  rothen  Knollenkalkes  (Fig.  IL,  3) 
und  unter  diesem  einen  röthlichgrauen  Hornstein  führenden 
Kalk  (4),  alles  concordant  gegen  NNW.  einfallend. 

Der  rothe  Knollenkalk  ist  ein  petrographischer  Typus,  der  bisher  aus 
den  Kalkzonen  der  karpathischen  Gebirgsmassivs  nicht  bekannt,  dagegen 
in  der,  die  Karpathen  im  Norden  begleitenden  Zone  isolirte  Kalkberge,  die 
wir  die  Klippenreihe  nennen,  weit  verbreitet  ist.  Es  ist  das  Gestein,  welches 
man  sonst  eigentlichen  Klippenkalk  nannte,  und  welches  in  letzter  Zeit  von 
Dr.  V.  Mojsisovics  mit  dem  Localnamen  „Csorsztiner  Kalk''  belegt 
wurde.  Jedenfalls  erscheint  durch  dieses  Auftreten  auch  ohne  Petrefacten- 
funde  das  Vorhandensein  einer  Zone  jüngerer  Malmschichten  im  Klein 
Kriwan-Gebirge  nachgewiesen. 

Der  röthlichgraue  Hornsteinkalk  unseres  Durchschnitts  dürfte  mög- 
licherweise ein  Analogon  der  rothen  Crinoidenkalke  sein,  die  in  den  nächst- 
gelegenen Klippenterrains  stets  das  unmittelbare  Liegende  des  Knollen- 
kalkes bilden  und  in  denen,  wie  später  näher  erörtert  werden  soll,  wahr- 
scheinlich der  obere  oder  mittlere  Dogger  zu  suchen  ist. 

Unter  diesen  Schichten  liegt  längs  des  Gehänges  neben  der  Strasse 
gut  aufgeschlossen  und  ebenfalls  regelmässig  gegen  NNW.  einfallend,  eine 
Wechsellagerung  dunkelgrauer  gefleckter  Kalke  mit  dünnblättrigen,  dunklen 
Schiefern  (Fig.  II.  o).  Diese  Gesteine  lassen  sich  gegen  NO.  durch  das 
Istebne-Thal  bis  an  den  Ostrand  des  Klein  Kriwan-Gebirges  verfolgen.  Im 
Sattel  zwischen  dem  Marnow-  und  Martinczowa-Berge  (NNW.  von  Revi- 
snye)  fanden  sich  in  den  Schiefern  schlecht  erhaltene  Fragmente  von  Am- 
moniten,  die  aber  sicher  der  Familie  der  Falciferen  angehören,  und  den 
ganzen  Complex  mit  Wahrscheinlichkeit  als  Lias  deuten  lassen,  wofür  auch 
die  concordante  Lagerung  unter  den  Juraschichten  im  Zazriva  -  Thale 
spricht. 

Weiter  gegen  Süd  vorschreitend,  trifft  man  auf  schwarze,  weiss- 
geaderte,  etwas  dolomitische  Kalke  (Fig.  IL,  6),  welche  das  unmittelbare 
Liegende  der  erwähnten  Liasfleckenkalke  darzustellen  schienen,  und  durch 
welche  vielleicht  die  Grestener  oder  Kössener  Schichten  repräsentirt  sein 
mögen. 

Wenn  man  von  Zazriva  aus  etwa  eine  halbe  Meile  zurückgelegt  hat, 
fällt  auf  dem  linken  (entgegengesetzten)  Ufer  der  felsige  Sokol-Berg  auf. 
Genau  gegenüber  von  diesen  findet  man  am  rechten  Ufer  ein  Gestein,  wel- 
ches, wenn  auch  petrefactenlos,  doch  durch  seine  charakteristische  petrogra- 
phische  Beschaffenheit  einen  sicheren,  dem  Karpathen-Geologen  wohlbekann- 
ten Horizont  darstellt;  es  sind  diess  die  rothen,  stellenweise  auch  schwarz 
oder  grünlich  gefärbten,  quarzigen,  in  kleine  rhomboedrische  Stücke  zer- 
bröckelnden Schiefer,  welche  zuerst  von  Dr.  Stäche  bei  Bänka  im  Inovec- 
Gebirge  beobachtet,  und  als  der  oberen  Trias  (dem  Keuper)  angehörig,  be- 
zeichnet wurden  ')  (Fig.  IL,  7). 


1)  Jahrbuch  dei'  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Band  14.   Verhandl.   S.  71. 


ni]  Die  nördliche  Arva.  211 

Unter  diesen  folgen  endlich,  durch  Wechsellagerung  an  den  Berüh- 
rungsstellen vielfach  übergehend,  die  Dolonaite  und  dolomitischen  Kalke, 
weche  schon  im  vorhergehenden  Durchschnitte  erwähnt  wurden,  und  welche 
von  den  südlichen  Vorbergen  des  Stitt  hieher  streichen  (Fig.  IL,  8).  Auch 
diese  lassen  sich  nun  wohl  als  Trias  bezeichnen ;  ob  wir  aber  in  denselben 
nur  die  obere  oder  auch  die  mittlere  und  untere  Trias  zu  suchen  haben, 
hierüber  geben  die  Verhältnisse  des  in  Rede  stehenden  Gebirges  keinen 
Aufschluss. 

Der  südliche  Theil  des  Thaies  (von  der  Stelle,  wo  die  Strasse  auf  das 
östliche  Ufer  übertritt,  bis  Pärnica)  scheint  eine  Wiederholung  der  eben  ge- 
gebenen Eeihenfolge  zu  ergeben.  Ein  auffallender,  quer  in  das  Thal  vorge- 
schobener Riff  besteht  aus  schönen,  Hornstein  führenden  Fleckenmergeln, 
die  von  einer  Bank  lichtgrauen  Kalkes  unterlagert  werden ;  unter  diesen 
folgen  dunkle,  mit  Schiefern  wechselnde  Fleckenkalke  (wohl  Lias)  und  un- 
ter diesen  am  Ausgange  des  Thaies  gegen  Pärnica  schwarzgraue  Kalke, 
wohl  ein  Analogon  der  Schichten,  die  wir  früher  als  Grestener  oder  Kössener 
Schichten  bezeichneten. 

Analoge  Verhältnisse  zeigt  der  Durchschnitt  des  Thaies  nördlich  von 
Istebne,  des  östlichsten  Querthaies  des  Gebirges;  man  findet  hier  (von 
Nord  nach  Süd)  zuerst,  unmittelbar  unter  den  Eocensandsteinen  und  Conglome- 
raten  des  Krittosowa-Berges  die  dunklen  gefleckten  Liaskalke  und  Schiefer 
mit  Falciferen,  darunter  dunkle  ungefleckte  Kalke,  und  unter  diesen,  an 
mehreren  Punkten  im  Bachbette  anstehend,  die  rothen  quarzigen  Schiefer. 
Der  südlichere  Theil  des  Thaies  wird  von  Dolomiten  zusammengesetzt, 
welche  durchgehen ds  gegen  N.  unter  die  früher  erwähnten  Bildungen  ein- 
fallen und  vielfach  mit  quarzigen  Lagen  in  Verbindung  stehen.  Nahe  am 
südlichen  Ausgange  des  Thaies  gegen  Istebne  tritt  am  Westgehänge  echter, 
dichter  Quarzit,  anscheinend  unter  dem  Dolomite  liegend,  hervor.  Am  Thal- 
ausgange selbst  (etwa  1000  Schritte  NW.  von  Istebne)  hat  man  westlich 
wieder  den  Dolomit,  östlich  einen  dunklen  Kalk  mit  Petrefactenspuren,  des- 
sen Verhältniss  zum  Dolomite  nicht  klar  ist. 

Am  nördlichen  Ufer  der  Arva,  westlich  von  Pärnica  tritt  aus  der  hier 
sehr  verbreiteten,  bis  an  das  Arvathal  herabreichenden  Dolomitzone  eine, 
vom  Hauptgranitstocke  vollkommen  isolirte  Granitinsel  hervor.  Nur  an 
einer  Stelle,  am  Nordrande  derselben,  ist  hier  eine  Quarzitzone  zu  beobach- 
ten, sonst  liegt  der  dunkle,  weiss  geäderte  dolomitische  Kalk  und  Dolomit, 
den  wir  als  wahrscheinlich  triadisch  kennen  gelernt  haben,  unmittelbar  auf 
dem  Granite  auL  Etwa  eine  halbe  Wegstunde  WSW.  von  Pärnica  ist  der 
Granit  am  Rande  der  Poststrasse  aufgeschlossen;  geht  man  von  hier  längs 
des  Gehänges  gegen  Pärnica,  so  findet  man  zunächst  auf  dem  Granite  den 
weiss  geäderten  Dolomit  und  Kalk.  Darüber  folgt  eine  wenig  mächtige 
Schichte  schwarzgrauen,  an  den  Verwitterungsflächen  gelblichen  Kalkes, 
welcher  an  der  Oberfläche  eine  grosse  Menge  ausgewitterter  Conchylien- 
schalen  zeigt,  genau  so,  wie  wir  es  an  typischen  Kössener  Schichten  zu 
sehen  gewöhnt  sind.  Liasfleckenmergel  konnten  hier  nicht  nachgewiesen 
werden  ;  auf  dem  Kalke  mit  Schalenauswitterungen  liegt  rother  Hornstein- 
kalk  (wohl  Jura)  und  auf  diesem  (bei  der  Brücke  unmittelbar  vor  Pärnica) 
lichter,  kalkiger  Neocomien-Mergel  mit  Aptychen,  derselbe,  der  hier  auf 
das  gegenüberliegende  (linke)  Ufer  der  Arva  übersetzt,  und  dort  (nach 


212  C.  M.  Paul  [12] 

Stur  i)  Ämm.  grasianus,   morelianus  und  multicindus^  Ancyl.  Duvalii, 
Pttjcli.  Foeterlei  und  gigas  enthält. 

Die  gegebeneu  Beispiele  dürften  hinreichen,  um  die  Aufstellung  der 
folgenden  Schichtenfolge  für  den  östlichen,  der  Arva  angehörigen  Theil  des 
Klein  Kriwan-Gebirges  zu  rechtfertigen. 

Eocen:     1.  Feinkörniges    Conglomerat    mit    schwarzen     Schiefern 
wechselnd. 
2.  Sulower  Conglomerat. 
Kreide;     3.  Kreidedolomit  des  Rossuteo  (Cenomanien  und  Gault?) 

4.  Kalkmergel,  Fleckenmergel  und  dünnplattiger  Sandstein 
(Neocomien). 
Jura:     S.  Aptychenkalk,  )   ^^^^^ 

6.  Rother  Knollenkalk  (Csorsztiner  Kalk,) 

7.  Röthlichgrauer  Hornsteinkalk  (^Dogger?). 

Lias:     8.  Dunkle     Fleckenkalke     mit     dünnblättrigen     Schiefern 
wechselnd. 
9.  Schwarze  Kalke  (Grestener  Schichten?) 
Khätisch?  10.  Kalk  mit  Schalenauswitterungen  (Kössener  Schichten?). 
Trias:  11.  Quarzige  zerbröckelnde  Schiefer  (Keuper). 
12.  Weissgeaderte  Dolomite  und  Kalke. 
Paläozoisch?  13.  Quarzit. 
14.  Granit. 
Die  älteren  dieser  Schichten  bis  zum  Neocomien  scheinen  nach  dem 
Durchschnitte  des  Zazriwa-Thales  concordant  übereinander  zu  folgen;    das 
Neocomien  jedoch,  welches  im  Zazriwa-Durchschuitte  ebenfalls  regelmässig 
über  die  Juraschichteu  folgt,  scheint  unmittelbar  westlich  von  dem  erwähn- 
ten Durchschnitte  die  Jurazone  in  übergreifender  Lagerung  zu  verdecken, 
denn  genau  an  der  Stelle,  wo  nach  dem,  im  Zazriwa-Thale  deutlich  zu  con- 
statirenden  Streichen   die  westliche  Fortsetzung  des  Aptychenkalkes,    des 
Csorsztiner-Kalkes,  des  Hornsteinkalkes  und  der  Liasfl eckenkalke  zu  suchen 
wäre,  (im  Czerweny-Thale)  findet  man  die  Neocomienmergel  unmittelbar 
auf  den  älteren  dolomitischen  Kalken  aufliegend. 

Es  wäre  wohl  kaum  zu  rechtfertigen,  wollte  ich  aus  den,  in  einem 
kleinen  und  künstlich  begrenzten  Gebiete  gewonnenen  Resulsaten  irgend 
welche  weitergehende ,  theoretische  oder  genetische  Folgerungen  ziehen, 
wie  man  sie  bei  Besprechung  eines  Gebietes,  das  ein  geologisches  Ganzes 
darstellt,  zu  finden  gewohnt,  und  auch  zu  erwarten  berechtigt  ist.  Ueberdiess 
gestalten  die  vielfachen  Verwerfungen  und  Faltungen,  die  Petrefactenarmut, 
und  die  petrografische  Aehulichkeit  stratigrafisch  einander  fernstehender 
Schichten  die  Beobachtung  in  diesem  Gebirgstheile  zu  einer  so  schwierigen 
und  unsicheren,  dass  man  sich  bei  Besprechung  dieses  ungünstigen  Gebietes 
gern  auf  rein  empirische  Daten  beschränkt. 

11.  Das  Klippengebiet. 

Es  ist  bereits  wiederholt  auf  die  Reihe  isolirter  Kalkberge  hingewiesen 
worden,  welche  in  der,  vom  Waagflusse  durchströmten  südlichen  Abdachung 
des  mährischer.  Grenzgebirges   (im  Trencziner  Comitate)  beginnt,  in  einem 


1)  A.  a.  0.  S.  44  und  45. 


[13]  Die  nördliche  Arva.  213 

nach  Norden  convexen  Bogen  die  Karpathen  umschliesst,  im  Savoser 
Comitate  ihr  östliches  Ende  erreicht,  und  unter  den  Namen  der  ^Klippeu- 
reihe"  bekannt  ist. 

Genauer  betrachtet,  zerfällt  der  erwähnte  Bogen  in  zwei  von  einander 
getrennte  Kreissegmente. 

Der  westliche  umfasst  die  Klippen  des  Trencziner  Waagthaies,  hat 
seinen  nördlichsten  Punkt  in  der  Klippengruppe  von  Radola,  seinen  östlichsten 
in  der  Klippengruppe  von  Zazriwa. 

Dieselbe  auffallende  Dislocationslinie ,  welche  das  Klein  -  Kriwan- 
Gebirge  gegen  Osten  plötzlich  abbricht,  bedingt  auch  die  Trennung  der 
Klippenreihe  in  zwei  Theile ;  die  Klippen  sammt  den,  dieselben  umgebenden 
Gebilden  des  älteren  Karpathensandsteines  erscheinen  zwischen  Zazriwa 
und  Nagyfalu  mit  einemmale  in  Form  einer  Horizontal- Verschiebung  gegen 
Süden  gerückt.  Der  hierdurch  von  dem  kleineren,  westlichen  abgetrennte 
grössere  östliche  Klippenbogen  beginnt  mit  den  Klippen  des  Arvathales, 
erreicht  seinen  nördlichsten  Punkt  in  den  Klippen  voußogoznik  und  Csorsztyu 
(in  Galizien).  und  seinen  östliclisten  in  denen  des  Saroser  Comitates.  Dieser 
östliche  Theil  der  Klippenreihe  ist  durch  die  grosse  Terrainsenkung  zwischen 
Bobrow  und  Illadowka  noch  einmal  unterbrochen,  doch  treten  jenseits  der- 
selben (bei  Rogoznik)  genau  in  der  Fortsetzung  derLiniC;  welche  die  Klippen 
des  Arva-  und  Oravitzathales  einhalten,  die  Klippenbildungen  wieder  auf, 
ohne  dasswie  zwischen  Zazriwa  und  Nagyfalu,  eine  bedeutendere  Horizontal- 
Verschiebung  zu  beobachten  wäre. 

So  sehr  aber  das  Auftreten  der  Klippen  im  Ganzen  betrachtet,  an  eine 
scharf  markirte  Streichungslinie  gebunden  ist,  so  wenig  ist  in  den  allermeisten 
Fällen  eine  Gesetzmässigkeit  im  Streichen  der  Schichten  bei  Vergleichung 
der  einzelnen  Klippen  untereinander  zu  beobachten,  so  dass,  wie  üorr 
Director  v.  Hauer  bemerkt i),  ,, beinahe  jeder  einzelne,  in  der  Klippeuzoue 
emporragende  Kalkfels  eine  für  sicli  abgeschlossene,  mit  den  übrigen  Kuppen 
weiter  nicht  in  unmittelbarem  Zusammenhange  stehende  GebirgsschoUe 
bildet."  Ausser  der  tektonischen  ist  jedoch  auch  eine  nicht  minder  auf- 
fallende stratigrafische  Individualisirung  der  einzelneu  Klippen  zu  beobachten, 
denn  nicht  selten  sieht  mau  Schichten,  die  in  einer  Klippe  mächtig  und 
petrefactenreich  entwickelt  sind,  in  einer  oft  nur  wenige  Schritte  davon 
entfernten  Klippe  gänzlich  fehlen,  oder  nur  in  Rudimenten  angedeutet. 

Die  in  letzterer  Zeit  wiederholt  zur  Sprache  gebrachte  Frage  über  den' 
Entstehungsgrund  der  so  auffallenden  Erscheinung  der  Klippen,  ist  trotz  der 
in  den  letzten  Jahren  wesentlich  erweiterten  Kenntniss  der  Zusammen- 
setzung derselben  noch  zu  keiner  befriedigenden  Lösung  gelangt. 

Dass  die  Klippen  wohl  sicher  nicht  Korallenriffe  sind,  hat  schon 
Dr.  V.  Mojsisovicss)  hervorgehoben,  und  ich  kann  mich  in  dieser  Be- 
ziehung der  Ansicht  des  Genannten  vollkommen  anschliessen,  nachdem  ich 
im  Laufe  der  letzten  Jahre  über  fünfzig  Klippen  zu  untersuchen  Gelegenheit 
hatte,  und  überall  Cephalopoden-Anhäufungen,  Crinoidenkalke,  mehr  oder 
weniger  mergelige  Kalke  und  thonige  Schiefer,  nirgends  aber  echte  Korallen- 
bildungen an  der  Zusammensetzung  derselben  Antheil  nehmen  sah.  Mehr 
als  dieses  negative   Resultat   scheint   mir  aus  den  bisherigen  Erfahrungen 


*)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1867.  Nr.  14. 
*)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1867.  Nr.  16. 


214  C.  M.  Paul.  [14] 

nicht  hervorzugehen,  und  die  Aufstellung  einer  positiven  Theorie  dürfte 
wohl  für  jetzt  noch  verfrüht  sein. 

Auf  einen  Umstand,  der  vielleicht  bei  den  gegen  Osten  fortschreitenden 
Untersuchungen  einige  Bedeutung  erlangen  kann,  glaube  ich  die  Aufmerk- 
samkeit der  f  achgeuossen  noch  lenken  zu  müssen ;  es  ist  diess  der  Zusam- 
menhang, der  zwischen  dem  Auftreten  der  Klippen,  und  der,  noch  so  sehr 
der  Aufhellung  bedürftigen  Gliederung  der  Karpathensandsteine  zu  bestehen 
scheint.  Wo  es  bisher  gelungen  ist,  die  tiefere,  der  mittleren  und  oberen 
Kreide  angehörige  Etage  der  Karpathensandsteine  paläontologisch  nach- 
zuweisen, und  dieselbe  scharf  von  der  höheren,  eocenen  zu  trennen  (wie 
namentlich  im  Trencziuer  Comitate)  gehören  die  Klippen  aus- 
schliesslich der  Zone  der  Kreidesandsteine  an.  Die  südliche 
Grenze  der  Eocensandsteine  des  Javornik-Gebirges  und  der  ßeskiden,  welche 
aus  der  Gegend  von  Lednic  (unweit  von  Bellus)  zwischen  Ober  und  Unter 
Marikowa  hindurch,  über  Papradue,  Stjavnik,  Rovne,  Ulhepole  gegen  Kissuc- 
Neustadtl  läuft,  weiter  gegen  Osten  durch  den  Südabhang  des  Vojenne- 
Gebirges  bezeichnet  ist,  und  in  der  Arva  in  dem  Höhenzuge  Kubinska  hola  — 
Priszlop  und  der  Arvaer  Magura  ihre  zwar  räumlich  gegen  Süd  verschobene, 
aber  petrographisch  sichergestellte  Portsetzung  findet,  —  diese  Grenze  ist 
zugleich  die  Nordgrenze  der  Klippen,  und  es  ist  mir  nördlich  von  derselben 
auch  nicht  ein  einziges  Klippenvorkommen  bekannt  geworden. 

Ich  glaube  daher  mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  behaupten  zu 
können,  dass  wir  die  östliche  Fortsetzung  der  Kreidesandstein  -  Zone  des 
Waagthaies  in  derjenigen  Linie  zu  suchen  haben  werden,  die  ich  früher  als 
den  östlichen  Klippenbogen  bezeichnete. 

Im  westlichsten  Theile  dieses  Bogens,  in  der  Umgebung  der  Klippen 
des  Arvathales  ist  es  mir  im  Laufe  des  letzten  Sommers  bereits  gelungen, 
mindestens  petrographi  sehe  Analoga  dieser  Kreidebildungen  wiederzufinden, 
leider  hatte  ich  nicht  Gelegenheit,  in  den  Sandsteinen,  welche  die  Klippen 
von  Kogoznik  und  Csorsztyn,  und  die  des  Saroser  Comitates  umgeben, 
persönlich  nach  Belegen  für  meine  oben  ausgesprochene  Vermuthuug  suchen 
zu  können. 

Nachdem  die  Frage  nach  der  genetischen  Erklärung  der  Klippen  eine 
noch  ungelöste  ist,  erscheint  auch  die  scliarfe  Präcision  des  geologischen 
Begriffes  der  Klippe  mit  Schwierigkeiten  verbunden,  und  doch  wäre  bei  der 
Bedeutung,  welche  die  fragliche  Erscheinung  für  die  Karpathengeologie 
besitzt,  in  dieser  Beziehung  Uebereinstimmung  wünsclienswerth.  Dass  man 
nun  wohl  nicht  mehr  jeden  isolirten  Kalkfelsen  im  geologischen  Sinne  eine 
Klippe  nennen  kann,  scheini  einzuleuchten,  und  ich  möchte  daher  vorschlagen, 
bei  der  Begriffsbestimmung  der  Klippe  namentlich  die  tektonischen  Ver- 
hältnisse im  Auge  zu  halten,  und  als  Klippen  diejenigen  Inseln  älterer 
Gesteine  im  Karpathensandstein-Gebiete  zu  bezeichnen,  welche,  ohne  dem 
Gesammtbaue  des  Gebirges  regelmässig  eingefügt  zu  sein,  theils  jede  für 
sich,  theils  in  kleinen  Gruppen  unter  einander  verbunden,  eigene,  unab- 
hängige stratigrafische  Systeme  darstellen. 

Unter  solchen  Verhältnissen  sah  ich  Bildungen  des  unteren,  mittleren 
und  oberen  Lias,  des  Dogger  und  Malm  auftreten ;  die  Neocomien-Bildungen 
dagegen  scheinen  mir,  obwohl  sie  in  der  kalkigen  Entwicklung  zuweilen  die 
Form  klippenähnlicher  Inseln  annehmen,  nicht  in  den  Begriff"  einbezogen 
werden  zu   dürfen,  indem  sie  einerseits  mit  dem  umgebenden  Karpathen- 


[lö]  Die  nördliche  Arva.  215 

Sandsteine  stellenweise  durch  Wechsellagerung  eng  verbunden,  andererseits 
von  den,  unter  einander  concordanten  Lias,  Dogger  und  Malm-Gesteinen, 
welche  sie  gewöhnlich  mantelförmig  umgeben,  durch  eine  auifallende,  bei- 
nahe an  allen  Localitäten  constatirbare  Discordanz  getrennt  sind. 

üeber  die  Zusammensetzung  und  das  Vorkommen  der  Klippen  des 
Arvaer  Comitates  soll  uns  nun  eine  möglichst  kurz  gehaltene  Betrachtung 
der  einzelnen  Localitäten,  von  West  nach  Ost,  Aufschluss  geben. 

Klippengruppe  von  Zazriwa.  Wenn  man  bei  den  nördlichsten 
Häusern  des  Dorfes  Zazriva  das  westliche  Gehänge  des  Thaies  betrachtet, 
so  hat  man  graue  oder  braune,  kalkreiche,  mit  dicken  weissen  Kalkspath- 
adern durchzogene  Sandsteine  vor  sich,  welche,  aus  der  Gegend  von  Sillein 
über  Straza,  nördlich  bei  Tjerhove  vorbei,  hierher  streichen,  vielfach  mit 
Conglomeraten  in  Verbindung  stehen,  und  die  ich  als  die  directe  Fortsetzung 
der  Gesteine  betrachte,  die  bei  Orlowe  und  Vrtizer  Exogyra  columba  führen, 
überall  in  ihren  höheren  Lagen  die  charakteristischen  Einlagerungen  von 
dunklen  Conglomeraten  aus  krystallinischen  Geschieben  enthalten  und  an 
vielen  Stellen  von  einer  mächtigeren  Lage  dieses  Conglomerates  mit  Hip- 
purites  sulcata  bedeckt  werden.  Wir  haben  hier  somit  wahrscheinlich  die 
mittlere,  demCenomanien  und  Turonien  entsprechende  Etage  des  Karpathen- 
sandsteines  vor  uns. 

Gleich  hinter  den  nördlichsten  Häusern  des  Dorfes,  unmittelbar  unter- 
halb der  Thaltheilung  findet  man  die  dünnplattigen  Sandsteine,  die  wir  im 
Durchschnitte  des  Klei n-Kriwan- Gebirges  am  Südfusse  des  ßossutec  kennen 
gelernt  haben,  und  gleich  darauf  lichte,  kalkige  Neocomienmergel.  Man  hat 
hier  drei  Thäler  vor  sich,  geht  man  durch  das  mittlere  derselben  gegen 
Norden,  so  findet  man,  (bei  den  einzeln  stehenden  Häusern)  dunkle  Flecken- 
mergel, und  an  der  Stelle,  wo  sich  das  Thal  plötzlich  stark  verengt,  rothen 
Knollenkalk,  der  mit  senkrechten  Schichten  gegen  SO.,  quer  durch  das  Thal 
streicht,  und  auf  beiden  Seiten  zu  beobachten  ist.  Er  wechselt  mit  lichteren 
Kalkbänken,  und  enthält  unbestimmbare  Ammonitenspuren. 

Hat  man  diese  Schichte  verquert,  so  kommt  man  auf  lichte  Flecken- 
mergel, in  denen  ich 

Ammonites  Thetys  d'  Orh. 
und  Aptychen  auffand,  die  somit  neocom  sind. 

Unterhalb  des  Kammes  des  Havranskyberges,  der  das  Westgehänge 
des  Thaies  bildet,  sieht  man  jedoch  den  Knollenkalk  wie  ein  rothes  Band 
fortstreichen,  und  in  dem,  von  Westen  kommenden  Seitenthälchen  tritt  er 
auch  wieder  in's  Thal  herab ;  das  Streichen  dieses  Gesteines  erscheint  hier- 
nach in  einem  rechten  Winkel  gebrochen,  indem  die  Schichten  am  Eingange 
des  Thaies  senkrecht  auf  die  Thalrichtung  stehen,  weiterhin  aber  parallel 
mit  demselben  fortstreichen. 

Der  westliche,  dem  Thale   abgekehrte   Abhang   des  Havranskyberges 
besteht  aus  dunkelgrauen,  gefleckten  Kalken,  in  denen  ich 
Ammonites  raricostatus  Zieth.  und 
Avicula  inaequivalvis  Sow. 
gesammelt  habe,  und  die  somit  als  Ünter-Lias   sichergestellt  sind.   Hierher 
sind  wohl  auch  die   dunklen  Fleckenmergel  bei  den  einzelnen  Häusern  vor 
der  Thalverengung  zu  stellen. 

Die  Neocomien-Fleckenmergel  ziehen  sich  von  hier  am  Nordgehänge 
des  Kozinec-Thales  weit  gegen  Osten  fort,  und  enthalten  hier  noch  einmal 


Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  ßeichsanstalt,  1868.  18.  Band,  %■  Heft. 


29 


216  CM.  Paul.  [16] 

eine  kleine  Insel  von  Knollenkalk.  Ebenso  sind  sie  südlich  vom  Kozinec- 
Thale,  zwischen  Zazriwa  und  dem  Waskow-Berge  entwickelt. 

Im  Bette  des  Zazriva-Baches,  namentlich  im  Orte  selbst,  stehen  blau- 
graue Mergelschiefer  und  dünngeschichtete,  sandig-kalkige  Gesteine  an, 
welche  den  Kreidekarpathen-Sandsteinen  stellenweise  ähnlich,  andererseits 
aber  auch  sehr  an  die  Posidonomyen-Schiefer  erinnerten,  in  denen  weiter 
im  Osten  eine  charakteristische  Fauna  des  ünterooliths  auftritt.  Nach  langem 
vergeblichen  Suchen  fand  ich  endlich  wirklich  unterhalb  der  Brücke  am 
südlichen  Ende  des  Dorfes  dieselbe  Posidonomya,  welche  an  den,  später 
näher  zu  schildernden  Localitäten  von  Lehotka,  Dubowa  etc.  im  Verein  mit 
bezeichnenden  Dogger- Ammoniten  vorkommt,  so  dass  auch  diese  Schichte 
in  der  Klippengruppe  von  Zazriwa  nachgewiesen  erscheint.  Aehnliche  dunkle 
Schiefer,  die  wohl  auch  hierher  gehören  dürften,  stehen  in  dem  Thälchen 
zwischen  dem  Kiobucnik-  un  Havranskyberge  an.  Am  Havranskyberge 
selbst,  wo  diese  Schichte  zwischen  dem  Unterlias  und  dem  Malm  (dem 
rothen  Knollenkalk)  gesucht  werden  sollte,  konnte  ich  dieselbe  nicht  auf- 
finden. Möglicherweise  stellt  der  braune  Kalkstein,  über  den  sich  der 
Wasserfall  am  Nordabhauge  des  Hayranskyberges  herabstürzt,  ein  Analogon 
derselben  dar. 

Die  Localität  ist  im  Allgemeinen  wegen  der  höchst  verworrenen  La- 
gerungsverhältnisse für  stratigrafische  Studien  sehr  ungünstig,  und  ich  be- 
gnüge mich  daher  zu  coustatiren,  dass  bei  Zazriva  eine  ausgedehnte,  bisher 
noch  von  keinem  Forscher  erwähnte  Klippengruppe  existire,  in  der  Lias, 
Dogger  und  Malm  nachgewiesen  sind,  die  mit  Neocomien  in  Verbindung 
steht,  und  das  östliche  Ende  der  Klippenreihe  des  Waagthaies  darstellt, 
welche  hier,  wie  bereits  erwähnt,  abbricht,  um  weiter  im  Süden  mit  den 
Klippen  des  ßevisnye-Thales  wieder  aufzutreten. 

Eevisnye-Thal.  Dieses  Thal,  welches  östlich  von  Nagyfalu  ( Wel- 
kaves)  in  das  Arvathal  einmündet,  stellt  ein  wellenförmiges  Sandstein- 
Hügelland  dar,  aus  dem  sich  zahlreiche  Kalkinseln  erheben,  die  durch  Form 
und  Vegetation  scharf  markirt,  und  in  der  Gegend  unter  dem  Namen 
;,Mohilky"  bekannt  sind. 

Der  Sandstein  ist,  wenigstens  im  südlichen  Theile  des  Thaies  nicht 
aufgeschlossen,  und  die  verwitterten,  auf  den  Feldern  herumliegenden  Stücke 
geben  über  die  Etage  desselben  keinen  Aufschluss. 

In  den  Kalkbergen  lassen  sich  auf  den  ersten  Blick  zwei  Formen  unter- 
scheiden: Die  unregelmässig  geformten,  ruinen-  und  mauerartigen  Felsen 
der  eigentlichen  Jura-Klippen,  und  die  regelmässig  kegelförmigen,  stellen- 
weise zu  kleinen  Hügelketten  sich  vereinigenden  Neocom-Kalkinseln. 

Wenn  man  vom  Thaleingauge  gegen  Norden  geht,  hat  man  zunächst 
links,  noch  bevor  man  den  Ort  lievisnye  erreicht,  einen  auft'allendeu,  röthlich 
gefärbten  Felsen  vor  sich,  den  ersten  auf  dieser  Thalseite.  Er  besteht 
aus  einem  rothen  Mergel  mit  kalkigen  Lagen  wechselnd.  In  dem  Mergel 
fand  ich : 

AptycJius  lamellosus  Park. 
in   zahlreichen   und   gut  erhaltenen   Exemplaren ;    auöh   Ammoniten   aus 
der   Familie  der  Planulaten  kommen   häufig,  aber  in   schlecht  erhaltenem 
Zustande  vor. 

Gegenüber  von  diesem  Felsen  mündet  ein  kleines,  von  NO.  herkom- 
mendes Seitenthälchen  ein.  In  diesem  bemerkt  man  eine  Klippe,  die  genau 


n7]  Die  nördliche  Arva.  217 

das  Auselieii  eines  alten  Mauerwerkes  besitzt.  Sie  besteht  aus  rotbem  Cri- 
noidenkalk,  in  dem  eine  Terehratula  (Maccmdrewia)  gefunden  wurde,  die, 
wenn  auch  specifiscb  nicht  bestimmbar,  doch  an  die  Formen  der  Klaus- 
schichten erinnert.  Aus  demselben  Crinoidenkalke  besteht  ein  kleiner,  leicht 
zu  übersehender  Felsen  auf  der  Westseite  des  Thaies,  am  Ostgehänge  des 
Skalica-Berges,  wo  ein  kleiner  Äptychus  darin  gefunden  wurde. 

Die  übrigen  auffallenderen  „Mohilky"  bestehen  aus  lichten  Neocomien- 
Kalkmergeln.  In  dem  gerade  westlich  vom  Dorfe  ßevisnye  gelegenen  Kalk- 
hügel habe  ich 

Ammonites  muUicindus  Hauer  und 
„  Grasianus  d'Orh., 

ausserdem  Aptychen  vom  Typus  des  Ax>tychus  Didayi  gesammelt. 

Der  grösste  Neocom-Kalkberg,  der  Skalica-Berg  auf  der  Westseite 
des  Thaies  sendet  nördlich  vom  Dorfe  Kevisnye  einen  mit  Gebüscb  bewach- 
senen Ausläufer  in  das  Thal  herab.  Aq  der  Stelle,  wo  dieser  Ausläufer  an 
den  Kand  des  Baches  tritt,  sieht  man  rothen  Knollenkalk  (^Csorsztyner 
Kalk)  mit  Aptychen-  und  Planulaten- Fragmenten  unter  dem  lichten  Neoco- 
mien-Kalkmergel  liegen.  Ueber  diesem  folgen,  wenn  man  weiter  gegen 
Norden  schreitet,  zuerst  die  bekannten  dünnplattigen  Saudsteine,  welche 
noch  vielfach  mit  kalkigen  Lagen  wechseln,  und  dann  die  knolligen,  weiss 
geäderten  Sandsteine,  die  ich  als  die  tiefere,  der  Kreide  angehörige  Abthei- 
lung der  Karpathen-Sandsteine  betrachte. 

Man  kann  sich  hier  recht  deutlich  von  dem  allmähligen  üebergange 
aus  den  kalkigeren  zu  den  sandigeren  Schichten,   und   von  der  Zusammen- 
■  gehörigkeit  der  Neocomien-Kalkmergel  mit  den  tieferen  Lagen  der  Karpa- 
then-Sandsteine überzeugen. 

Noch  etwas  weiter  nördlich  findet  man,  schon  ganz  nahe  am  Rande 
des  Klein  Kriwan-Gebirges  aus  diesen  Sandsteinen  noch  zwei  Crinoiden- 
Kalkklippen  hervorragen,  die  keine  Petrefacte  lieferten,  aber  wohl  mit  dem 
obenerwähnten  Crinoidenkalke,  den  wir  als  Klippen  bildendes  Gestein  in 
der  ganzen  Arva  sehr  häufig  wiederfinden,  zusammenzustellen  sind. 

Das  Thal  vonBenyovaLehota  zeigt  im  Allgemeinen  ähnliche 
Verhältnisse.  Die  Sandsteine  gehören  wohl  zum  grössten  Theile  dem  Zuge 
eocener  Sandsteine  an,  welche  zwischen  Zarkalya  und  Pärnica  vom  südli- 
chen Arva-Üfer  auf  das  nördliche  übertreten,  und  sich  wohl  in  der  Gegend 
von  Benyova  Lehota  mit  dem  öfter  erwähnten  nördlichen  Eocen-Sandstein- 
zuge  der  Kubinska  hola  vereinigen. 

Aus  diesen  Sandsteinen  ragen  zahlreiche  Inseln  aus  Neocom-Kalk- 
mergeln  hervor,  an  deren  Rändern  jedoch  beinahe  immer,  sowohl  in  diesem 
als  in  den  angrenzenden  Thälern,  eine  Zone  der  dünnplattigen  Sandsteine, 
wenn  auch  stellenweise  nur  in  Spuren  zu  beobachten  ist. 

An  der  Basis  der  Kalkmergel  finden  wir  hier  (am  südlichen  Ende 
des  Dorfes  Benyova  Lehota)  zum  erstenmale  ein  Gestein  auftreten,  welches 
wir  in  demselben  Niveau  noch  häufig  in  der  Arva  wiederfinden  werden,  und 
vorläufig  als  ünterneocom  bezeichnen.  Es  sind  röthliche,  in  der  Verwit- 
terung weisse  Mergel,  selten  kalkig,  häufiger  sandig,  und  an  mehreren 
Stellen  mit  Sandsteinbänken  in  Wechsellagerung.  Ausser  Fucoidenspuren 
enthalten  sie  keine  Petrefacte. 

Eigeatliche  Juraklippen  wurden  in  dem  Thale  von  Benyova  Lehota 
nicht  beobachtet. 

29* 


21«  C.  M.  Paul.  [18] 

Zaskalya-Thal.  Am  Eingange  des  Thaies  (nördlich  von  Zaskalya, 
süd-westlich  von  Mokrad)  stehen  grobkörnige,  eocene  Sandsteine  an.  Die 
Entblössung  am  Arva-Uter,  südlich  vom  Eingange  in  das  Zaskalya-Thal  be- 
steht aus  grauen  oder  röthlichen,  mit  Conglomeraten  in  Verbindung  ste- 
henden Schiefern  und  gefleckten  Mergeln,  welche  den  Eocensandstein  unter- 
teufen, unbestimmbare  ßivalven  enthalten,  und  ihrer  petrographischen  Be- 
schaffenheit nach  an  die  Schiefer  mit  Amm.  tardefurcatus  erinnern,  die  wir 
im  Dedina-Thale  bei  Krasnahorka  kennen  lernen  werden,  und  die  dem 
Gault  entsprechen.  Sie  sind  nur  am  Arva-Üfer  in  einem  schmalen  Streifen 
entblösst  und  reichen  nicht  in  das  Thal  hinein. 

Der  erste,  aus  dem  Eocensandsteine  auf  der  Südwestseite  des  Thaies 
hervorragende  Felsen  besteht  aus  Crinoidenkalk.  Dieser  Felsen  bezeichnet 
das  nördliche  Ende  einer  Terrainstufe,  welche  die  Sandsteine  in  ein  tieferes 
östliches,  und  ein  höheres  westliches  Plateau  scheidet,  und  an  deren  gegen 
Osten  gerichteten  Abhänge  Neocommergel  in  Verbindung  mit  Kreidesand- 
stein unter  dem  Eocensandsteine  hervortreten. 

Der  zweite  und  auffallendste  Kalkberg  auf  dieser  Thalseite,  der  Trny 
wrch,  besteht  seiner  Hauptmasse  nach  aus  Neocomien-Kalkmergeln,  welche 
von  der  Spitze  desselben  quer  durch  das  Thal  herabziehen,  und  sich  mit 
dem  Neocomien-Kalkberge  auf  der  nordöstlichen  Thalseite  vereinigen.  An 
der  südlichen  Basis  des  Trny  wrch  treten  unter  dem  Neocomienkalke  blau- 
graue Schiefer  mit  Posidonomyen  (unterer  Dogger)  in  sehr  beschränkter 
Ausdehnung  hervor.  An  seinem  Ost- Abhänge  gegen  das  Zaskalya-Thal  er- 
scheint mitten  im  Neocom  eine  Insel  von  Crinoidenkalk.  Am  Nord-Abhange 
endlich  sieht  man  wieder  die  häufige  Wechsellagerung  von  kalkigen  und 
sandigen  Schichten,  welche  endlich  mit  dem  Auftreten  der  grobkörnigen 
Eocen-Sandsteine  der  Kubinska  hola  ihr  Ende  erreicht. 

Am  Nordostgehänge  des  Thaies  besteht  der  erste  auffallende  Kalk- 
berg (der  Homola-Berg),  ebenfalls  aus  Neocomien,  welches  jedoch  petro- 
graphisch  von  dem  des  Trny  wrch  abweicht ;  man  hat  hier  dunkle  Mergelkalke 
mit  weichen  Schiefern  wechselnd.  Im  Mergelkalke  fand  ich  einen  Ammo- 
niten,  dessen  innere  Windungen  genau  mit  Amm.  Astierianus  d'Orh. 
stimmten,  während  die  äusseren  durch  gröber  werden  der  Rippen  abwei- 
chen ;  in  den  weichen  Mergeln  kommen  grosse  Aptychen  vor,  die  jedoch 
beim  Versuche  sie  zu  gewinnen,  stets  zerbröckeln,  so  dass  ich  kein  bestimm- 
bares Exemplar  erlangen  konnte. 

Auf  der  Höhe  dieses  Berges  (an  der  Wasserscheide  zwischen  dem 
Zaskalya-  und  Jelsava-Thale)  tritt  ein  lichter,  gelblicher  oder  röthlicher 
Kalk  auf;  Herr  Ingenieur  A.  Nadeniczek  hat  an  dieser  Steile  gesam- 
melt und  uns  die  gewonnenen  Stücke  freundlichst  übersendet.  Ich  konnte 
daraus 

Terebratula  Diphya  F.  Cöl. 
Ammonites  ptychoicus  Quenst. 
Aptychus  lamellosus?  Parh. 
bestimmen;  ausserdem  liegen  zahlreiche  aber  nicht  sicher  erkennbare  Fim- 
briaten,  ein  Belemnit  und  ein  Fragment  eines  Pecten  vor. 

Etwa  15—20  Klafter  abwärts  von  dieser  Stelle  gegen  das  Zaskalya- 
Thal  zu,  tritt  der  bekannte  rothe  Crinoidenkalk  auf.  Ich  habe  hier  eine 
ßhynchonella,  an  Bh.  plicatella  erinnernd,  gesammelt.  Unmittelbar  darun- 
ter endlich  findet  man  ein  kalkig-sandiges  Gestein,   welches  Ammoniten- 


[19]  Die  nördliche  Arva.  219 

abdrücke  zeigt,  die  zwar  specifisch  unbestimmbar ,   doch  den  Arietentypus 
deutlich  erkennen  lassen. 

Wir  haben  hier  somit  Lias,  wahrscheinlichen  Dogger  und  Malm ;  alles 
dieses  scheint,  soweit  es  der  bebaute  Boden  erkennen  lässt,  von  Neocomien 
umgeben  zu  sein.  Deutlicher  werden  wir  diess  Verhältniss  an  weiter  östlich 
gelegenen  Klippen  kennen  lernen. 

Ausser  den  Stücken  vomllomola-ßerge  lag  in  der  Sendung  des  Herrn 
V.  Nadeniczek  ein  Stück  mit  der  Fundorts-Angabe :  „von  den  kleinen, 
stellenweise  hervortretenden  Klippen  im  Zaskalyer-Thale '^  vor;  es  ist  dieses 
ein  sicher  erkennbares  Fragment  von 

Ämmonites  margaritatus  Montf. 
(Ämm.  amaltheus  coronatus  Quenst.), 
das  einzige  Exemplar,  durch  welches  das  Auftreten  des  mittleren  Lias  in 
die  Klippenreihe  des  Arva-Thales  nachgewiesen  erscheint.  Es  ist  dieses 
Vorkommen  um  so  interessanter,  nachdem,  wie  wir  an  der  grossen  Klippe 
von  Todbjel  zeigen  werden ,  anderwärts  sicherer  unterer,  und  eben  so  siche- 
rer oberer  Lias  unmittelbar  und  concordant  an  einander  grenzen. 

Jelsawa-Thal.  Kechts  vom  Eingange  des  Thaies  (am  Arva-Ufer) 
stehen  Sandsteine  an,  welche  nordöstlich  streichen  und  nordwestlich  fallen ; 
sie  wechseln  in  den  obersten  Lagen  mit  dünnschichtigen,  rothbraunen  Mer- 
geln und  werden  (im  Orte  Jelsawa)  überlagert  von  denselben  rothen,  in  der 
Verwitterung  weissen  Mergeln,  die  wir  als  die  Basis  der  Neocom-Aptychen- 
kalke  und  Fleckenmergel  wiederholt  auftreten  sehen,  und  als  ünterneocom 
betrachten.  Diese  Sandsteine,  die  am  Arva-Ufer  nördlich  von  Mokrad  schön 
aufgeschlossen  sind,  können  somit  ebenfalls  nicht  jünger  sein,  als  Neocom. 
Im  Liegenden  derselben,  die  zwischen  Mokrad,  Knjaza  und  Mezibrody  in  die 
Arva  vorgeschobene  Landzunge  bildend,  finden  wir  abermals  röthliche  Mer- 
gel, dieselben  welche  Stur  i),  durch  petrographische  Aehnlichkeit  geleitet, 
mit  den  senonen  Puchower  Schichten  des  Trencziner  Waagthaies  vereinigen 
zu  können  glaubte.  Da  die  Schichten  von  Mokrad  keine  Petrefacten  liefer- 
ten, so  bleibt  ihre  Deutung  wohl  allerdings  der  individuellen  Ansicht  über- 
lassen, doch  scheinen  mir  die  angedeuteten  Lagerungsverhältnisse  sehr  ge- 
gen eine  Identificirung  derselben  mit  Puchower  Schichten  zu  sprechen. 

Geht  man  im  Jelsawa-Thale  weiter  gegen  Norden,  so  findet  man  bald 
im  Hangenden  der  erwähnten  röthlichen,  in  der  Verwitterung  weissen  Mer- 
gel, die  Neocomien-Kalkmergel,  welche  vom  Illatke  Luki-Berge  in  das  Thal 
herabsetzen,  und  auf  der  Westseite  desselben  über  den  Hamola-Berg  fort- 
setzen. 

Etwas  hinter  der  letzten  Mühle  tritt  in  denselben  eine  kleine  Klippe 
von  rothem  Crinoidenkalk  auf,  in  dem  ich  eine  Khynchonella  (ähnlich  Bh. 
suhdecorata)  gefunden  habe. 

Auch  nördlich  vom  Orte  Jelsawa  findet  man  die  höheren  Kuppen  zu 
beiden  Seiten  des  Thaies  (den  Malina-Berg  und  Ptatsnik-Berg)  aus  lichten 
Kalkmergeln,  die  wohl  zum  grössten  Theile  neocom  sind,  gebildet,  während 
in  der  Thalsohle  dünngeschichtete  Sandsteine  und  Conglomerate  anstehen. 

Am  Südfusse  des  Malina-Berges  fand  ich  ein  ziemlich  sicher  bestimm- 
bares Fragment  von 

Ämm.  Partschi  Stur, 


i)  A.  a.  0.  Seite  102. 


220  C.  M.  Paul.  [20] 

was  darauf  hinzudeuten  scheint,  dass  an  der  Basis  des  Neocomien  auch  lias- 
sische  Schichten,  wenn  auch  in  sehr  beschränkter  Ausdehnung,  stellenweise 
hervortreten  dürften.  Ich  konnte  jedoch  hier  keine  petrographischen  Anhalts- 
punkte zu  deren  Ausscheidung  gewinnen. 

Nördlich  vom  Malina-Berge  finden  wir  wieder  dünnplattige  Sand- 
steine, und  mit  dem  Südfusse  des  Cserny  wrch  (einer  nordöstlichen  Fort- 
setzung der  Kubinska  hola)  treten  wieder  die  mehrerwähnten  grobkörnigen 
Eocensandsteine  des  Kubinska  hola  —  Priszlop- Zuges  auf,  mit  denen  die 
nördliche  Begrenzungslinie  der  Klippenvorkommen  bezeichnet  ist. 

Racibor-Thal.  Die  Neocomien-Kalkmergel  des  lUatke  Luki-Ber- 
ges  setzen  nach  NO.  fort  und  bilden  eine  ausgedehnte  Partie  am  Südwest- 
gehänge des  Racibor-Thales ,  ebenso  besteht  auf  der  Nordostseite  dieses 
Thaies  der  Raczowa-  und  Schotta-Berg  aus  demselben  Gesteine.  Auf  dem 
Kamme  des  letztgenannten  Berges,  an  der  Wasserscheide  zwischen  dem 
Eacibor  Thale  und  ßaczowa-Thale  habe  ich 

Amm.  Tlietys  d'Orh  und 

Ä2)t.  cf.  Didayi  Coqu. 
darin  gefunden.    Etwas  weiter  östlich,   am  Gehänge  des  Raczewa-Thales, 
fand  Foetterle  (nach  Stur  ij 

Äptyclius  pusülus  Pet, 

Ammonites  Astierianus  cVOrh. 

Toxoceras  ohliquatus  cVOrh., 
wodurch  die  Deutung  dieser   Schichten  als  Neocomien  sichergestellt  ist. 
Innerhalb  dieser  Neocomienmassen  treten   nun   wiederholt  Klippen  älterer 
Gesteine  auf. 

So  besteht  der  Opaleny-Berg  (der  bewaldete  Höhenzug  westlich  von 
der  Poststrasse  zwischen  Knjaza  und  dem  Eingange  in  das  Racibor-Thal) 
aus  Crinoidenkalk;  im  Racibor-Thale  selbst,  etwa  oOO  Schritte  thalaufwärts 
von  der  Mündung  des  Baches,  tritt  ein  plattiges,  kalkig-sandiges  Gestein 
auf,  welches  in  der  Verwitterung  einem  giimmerreichen  Sandstein  gleiclit, 
und  leicht  mit  den,  die  Neocomienpartien  gegen  Norden  begrenzenden 
Karpathen-Sandsteinen  verwechselt  werden  kann.  Zahlreiche  und  wohler- 
haltene Exemplare  von 

Ammonites  rarkostatus  Zieth.^ 
die  Herr  Nadeniczek  darin  auffand,  stellen  das  Vorkommen  jedoch  als 
eine  kleine  Insel  unterliassischer  Schichten  fest.  Auffallend  ist  der  Umstand, 
dass  die  Zone  des  Amin,  rarkostatus.,  welche  sonst  in  der  Arva  überall  als 
gefleckter  Kalk  (sogenannter  Fleckenmergel]  entwickelt  ist,  an  dieser  ein- 
zigen Stelle  in  so  fremdartiger  petrographischer  Erscheinung  auftritt. 

Vom  Hegerhause  an  sieht  mau  nar  mehr  Sandsteine,  und  zwar  bis  au  den 
Fussdes  Kubinska  hola—Priszlop-Zuges  vorwiegend  die  kalkigeren,  dünnplat- 
tigen  Varietäten,  am  genannten  Höhenzugeden  grobkörnigen  Quarzsaudstein. 
Raczowa-Thal.  Die  erste  klippsnartige  Hervorragung  auf  der 
Westseite  des  Thaies  (an  der  Strasse  von  Unterschloss  nach  Hrustin)  besteht 
aus  lichtem,  dünngeschichtetem  Kalkmergel,  welcher  mit  der  obenerwähnten 
grossen  Neocomien-Partie  des  Raczowa-Berges  zusammenhängt. 

Während  bei  der  Mühle  schon  die  Sandsteinschichten  im  Bachbette 
anstehen,  zieht  sich  der  Neocomienkalk  links  von  der  Strasse  auf  der  Höhe 


1)  A.  a.  0.  Seite  102. 


[j21]  Die  nördliche  Arva.  221 

fort,  und  wird  an  der  Einmündung  des  ersten  grösseren,  vom  Raczowa-Berge 
herabkommenden  Seiteuthales  von  rothem  Hornsteinkalk  unterlagert,  welcher 
im  Bette  dieses  Seitenbaches,  bei  seiner  Einmündung  in  den  Kaczowa-Bach 
ansteht,  und  petrographisch  vollkommen  dem  rothen  Hornsteinkalko  von 
St.  Veit  bei  Wien  gleicht. 

Hierauf  folgt  der  Karpathensandstein,  in  welchem  jenseits  der  Ein- 
mündung des  Zahutov-Baches  links  von  der  Strasse,  zwei  kleine,  orografisch 
beinahe  gar  nicht  markirte  Klippen  auftreten,  von  denen  die  erste  aus  rothem 
Crinoidenkalk,  die  zweite  aus  Csorsztynerkalk  besteht.  Weiterhin  ist  nur 
mehr  Sandstein  anstehend. 

Auf  der  Ostseite  des  Thaies  ist  von  der  Mühle  an  nur  Sandstein  mit 
untergeordneten  Partien  von  Neocomkalk  zu  beobachten. 

Interessanter  und  instructiver  als  die  bisher  betrachteten  Klippen- 
gruppen sind  diejenigen,  welche  wir  weiter  gegen  Nordost  fortschreitend 
kennen  lernen  werden.  Zunächst  wäre  die  auffallende  Klippe  zu  betrachten, 
welche  durch  das  alte  Arvaschloss  (Arvavär)  gekrönt  ist ;  da  dieselbe  jedoch 
Ton  Dr.  V.  Mojsissovics  einer  spezielleren  Untersuchung  unterzogen 
wurde,  so  übergehe  ich  sie  hier,  um  den  von  dem  Genannten  zu  erwartenden 
Mittheilungen  nicht  vorzugreifen. 

Strassendurchschnitt  zwischen  Unterschloss  und  Le- 
hotka.  Verfolgt  man  von  Unterschloss  (Arvavarallya i  die  Poststrasse 
gegen  NO.,  so  hat  man  bald  hinter  den  letzten  Häusern  des  Ortes  links 
oberhalb  der  Strasse  einen  kleinen  Steinbruch  vor  sich,  der  aus  lichten 
Kalkmergeln  wie  der  ßaczowa-Berg  besteht,  in  welchem: 
Äptychus  cf.  Diduyi  Coqu.  und 
Ämm.  Matheroni  cV  Orb. 
gefunden  wurden,  und  dessen  Zugehörigkeit  zum  Neocomien  sichergestellt 
ist.  (Fig.  HL  1  )  Unterhalb  dieser  Entblössung,  am  Rande  der  Strasse  findet 
man  eine  Partie  von  Karpathensandstein  und  Conglomerat,  welche  jedoch 
von  den  Südgehängen  des  Uipa- Berges,  wo  diese  Schichten  im  Hangenden 
der  erwähnten  Neocommergel  anstehen,  in  historischer  Zeit  herabgerutscht 
ist,  und  sich  daher  nicht  an  der  Stelle  ihrer  ursprünglichen  Ablagerungen 
befindet.  Viele  Bewohner  der  Gegend  erinnern  sich  noch  gut  an  diese  Ab- 
rutschung, durch  welche  auch  eine  kleine  Verlegung  der  Strasse  gegen  Süd 
erforderlich  wurde  (2). 

Hie  Schichten  der  Neocommergel  fallen  flach  gegen  West.  In  ihrem 
Liegenden  finden  sich  dunkle,  sandige  Fleckeumei-gel  (3),  ebenfalls  flach 
gegen  West  einfallend,  und  unter  diesen  eine  kleine  Partie  schwarzer 
Schiefer  (4).  Unter  diesen  liegt,  mit  steilen  Schichten  gegen  West  fallend, 
eine  mehrere  Klafter  mächtige  Lage  von  Sandstein  mit  zopfartigen  lielief- 
Zeichnungi  n  auf  den  Schichtflächen  (ü),  welcher  gegen  Osten  wieder  von 
dunklen  Schiefern  (6)  unterlagert  wird.  An  der  Grenze  zwischen  den  beiden 
letztgenannten  Bildungen  ist  eine  deutliche  und  zweifellose  Wechsellagerung 
zu  beobachten. 

In  den  Schiefern  findet  sich  an  der  Stelle,  wo  ein  kleiner,  aber 
ziemlich  tief  einschneidender  Wasserriss  die  Strasse  kreuzt,  eine  reich- 
haltige Fauna  des  unteren  Doggers,  aus  der  ich  die  folgenden  Arten  be- 
stimmen konnte : 

Ammonites  Murchisonae  Soiv., 
„  Opalmus  Bein., 


222 


C.  M.  Paul. 


[22] 


Ammonites  opJiioneus  Ben., 
„  scissus  Ben., 

„  Beyrichi  ?  Schloenh  , 

Posidonomya  opalina  Quenst., 
Inoceramus  amygdaloides  ?  Goldf. 
Am  häufigsten  ist  die  Posidonomya,  welche  das  Gestein  stellenweise 
ganz  erfüllt,  und  die  Bezeichnung  desselben  als  Posidonomyen-Schiefer 
rechtfertigt.  Amm.  Murchisonae  und  opalinus,  deren  Hauptlager  nach 
Dr.  V.  Mojsissovicsi)  in  dem  Klippengebiete  der  Tatra  zwei  getrennte 
Zonen  bezeichnen,  liegen  hier  ganz  sicher  beisammen,  indem  ich  wiederholt 
beide  Arten  auf  derselben  Schieferplatte  beobachtet,  und  auch  Handstücke 
mit  Resten  von  beiden  gesammelt  habe. 

Unter  diesen  Schichten  liegen  wieder  Fleckenmergel  (7),  ähnlich  wie 
3,  mit  grossen  Fucoiden,  in  denen  ein  Ammoniten- Abdruck  gefunden 
wurde,  der  wahrscheinlich  Ammonites  Nodotianus  aus  dem  Unter-Lias 
angehören  dürfte. 

Flg.  III. 


1.  Neocom-Äptychenkalk.    2.  Karpathen-Sandstein.   3.  Fleckenmergel.    4.  Schwarze  Schiefer.    5.  Sandstein. 
6.  Posidonoinyens chiefer.     7.  Fleckenmergel. 

Gegen  Nord  wird  die  ganze  Entblössung  von  Karpathensandsteinen 
begrenzt.  Die  scharfe  Begrenzung  derselben  gegen  die  wohl  sicher  dem 
Dogger  zuzuzählenden  Sandsteine,  die  wir  im  Hangenden  der  Posido- 
nomyen-Schiefer kennen  lernten,  wird  wohl  stets  eine  sehr  schwierige  und 
unsichere  bleiben. 

Während  wir  zwischen  den  Neocomien-Mergeln  und  den  Dogger-Ge- 
steinen zwar  einen  Fleckenmergel  zweifelhaften  Alters,  aber  keine  Spur  von 
den  bekannten  Crinoidenkalken  und  Csorsztynerkalken  auftreten  sehen, 
finden  wir  den  kleinen,  gegenüber  von  der  Entblössung  der  Neocommergel 
aus  dem  Arvaflusse  auftauchenden  Felsen  aus  Crinoidenkalk  bestehen;  die 
Schichten  desselben  streichen  gegen  Nord,  sind  jedoch  auf  der  linken 
Strassenseite  nicht  zu  verfolgen,  indem  sie  unter  der  erwähnten  Karpathen- 
Sandstein- Abrutschung,  und  dem  Neocommergel  verschwinden. 

Die  Lagerungsverhältnisse  des  geschilderten  Durchschnittes,  wo  die 
Schichten  des  Doggers  sehr  steil,  beinahe  senkrecht  stehen,  die  Neocom- 
mergel dagegen  tiach  gelagert  sind,  liefern  einen  Beweis  für  die  obener- 
wähnte Discordanz  zwischen  Jura  und  Neocomien,  wie  wir  deren  noch 
mehrere  in  der  Arva  wiederfinden  werden. 

Lehotka-Thal.  Wenn  man  vom  Orte  Lehotka  aus  in  dem  gleich- 
namigen Thale  gegen  Norden  aufsteigt,  hat  man  zunächst  beim  Orte  Sand- 


^)  Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Keichsanstalt.  1867.  16. 


|-23-|  Die  nördliche  Arva.  223 

steine,  die  kalkreich  und  plattig  sind,  mit  den  grobkörnigen  eocenen  Quarz- 
sandsteinen desKubiuska  hola  undMagura-Zuges  keine  Aehnlichkeit  haben, 
und  die  tiefere,  wohl  zum  grösstentheile  der  Kreide  angehönge  Etage  der 
Karpathensandsteine  bezeichnen. 

Hechts  vom  Thaleingange  hat  man  eine  auffallende  Klippe  vor  sich. 
(Fig.  IV).  Indem  man  zu  ihr  hinaufsteigt,  sieht  man  sie  mantelförmig  von 
lichten  Neocom  -  Kalkmergeln  Fig.  IV. 

umgeben ;  in  denselben  fanden 
sich  Aptychen-Fragmente,  die, 
wenn  auch  schlecht  erhalten, 
doch  sicher  in  die  Reihe  der, 
dem  A2)t.  Didayi  Coqu.  ver- 
wandten Formen  gehören.  Der 
Klippenfelsen  selbst  besteht 
zum  grössten  Theile  aus  dem 
oft  erwähnten  rothen  Crinoiden- 
kalke,  mit  gro^-sen  Pentacrini- 
ten,  dessen  Schichten  steil  nach 
Norden  einfallen  und  in  ihrem 

-,-,  T  •  •  I.  Neocom-Aptychenkalk.     IT.  Rother  Knollenkalk    (Csorsztyner 

nangenaen      eine     nur     wenige     Kalk).  III.  Rother  Crinoldenkalk.     IV.  Eiimss,  in  welchem   die 
FllSS     mächtiö'e  Bank     von     rO-     schichten  der  Pos.   opallna    und    des  Amm.  cornucopiae    hloss- 

themKnollenkalke  (Csorsztyner 

Kalk)  mit  undeutlichen  Ammoniten-Spuren  tragen. 

Crinoldenkalk  mit  einer  innig  verbundenen  Lage  von  Csorsztyner 
Kalk  im  Hangenden,  das  Ganze  umgeben  von  Neocomien  —  diess  ist  ein 
sehr  häufig  wiederkehrender  Klippen-Typus  in  der  Arva  und  mau  irrt  selten, 
wenn  man  bei  den  zahlreichen  zahn-  und  mauerförmig  aus  dem  Neocomkalk 
oder  Sandsteingebiet  auftauchenden  Klippen  des  Gebietes,  von  denen  hier 
natürlich  nur  die  bedeutenderen  geschildert  werden  können,  diese  Zusam- 
mensetzung voraussetzt. 

Die  Klippe  von  Lehotka  zeigt  aber  auch  das  Liegende  dieser  Schich- 
ten. Der  Mantel  von  Neocom-Aptychenkalk ,  der  dieselben  umgibt,  ist 
nämlich  von  Schluchten  und  Wasserrissen  durchzogen,  und  in  einem  dersel- 
ben, der  von  der  Spitze  gegen  SW.  herabführt,  erscheinen  die  Posidono- 
myen-Schiefer,  die  wir  früher  als  Repräsentanten  des  Unterdoggers  kennen 
gelernt  haben,  als  Unterlage  des  Crinoidenkalkes  entblösst.  Aus  demselben 
Risse  stammt  ein,  von  Herrn  Nadeniczek  eingesendetes,  ziemlich  deut 
lieh  erkennbares  Fragment  von 

Ammonites  cornucopiae  Young, 
daher  hier  auch  die  Schichten  des  oberen  Lias  entblösst  zu  sein  scheinen. 

Geht  man  von  der  Klippe  am  Ostgehänge  des  Lehotka-Thales  gegen 
NNO.,  über  den  Knazorowa-Berg  gegen  den  Magura-Kamm  hinauf,  so  er- 
hält man  beifolgenden  Durchschnitt.  (Fig.  V.,  Seite  224.) 

Die  erste,  mit  Gebüsch  bewachsene  Kuppe  nördlich  von  der  Klippe 
besteht  aus  dem  grobkörnigen  Quarzsandsteine  der  Magiira  (T),  eines  der 
wenigen  isolirten  Vorkommnisse  dieses  Gesteines,  welches  sonst  im  Süden 
der  mehrerwähnten  Höhenzüge  des  Vojeuue-Gebirges,  der  Kubinska  hola 
und  der  Magura,  welche  ganz  aus  demselben  bestehen,  nicht  aufzutreten 
pflegt.  Unmittelbar  darunter  findet  man  wieder  die  dünnplattigen  und  kal- 
kigen   Varietäten   der  Sandsteine  (6),    die  durch  die  grosse  Partie   von 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1868.  18.  Band.  1.  Heft.  "^ 


224 


NNO. 

Magura- 
kämm 


C.  M.  Paul. 
Fig.  Y. 


Knazorawa- 


Klippe  von 
Lehotka 


[24] 


SSW. 

Dorf 
Lehotka 


1.  Schichte  des  Amm.    cornucopiae   (Ob.   Lias).    2.  Schichte   der    Pos.   opalina  (Unt.    Dogger).    3.  Rother 

Crinoidenkalk    (Ob.    Dogger?).      4.    Csorsztyner    Kalk    (Malm).     5.    Neocom- Aptychenkalke    und    Mergel. 

6.  Kreidesandsteine.     7.  Grobkörniger  Quarzsandstein  (Eocen). 

Neocom- Aptychenkalken ,  die  den  Knazorawa-Berg  zusammensetzen,  unter- 
lagert werden. 

Am  Nordgehänge  des  genannten  Berges,  an  dem  Kamme,  der  das 
Lehotka-ThalvomLhota-Thale  scheidet,  tritt  eine  kleine  Klippe  von  dunkel- 
rothem  Csorsztyner  Kalk,  mit  Spuren  von  Crinoiden-Kalk,  aus  den  Neocom- 
kalken  hervor ;  im  Csorsztyner  Kalke  finden  sich  hier  wieder  schlecht  er- 
haltene Ammoniten,  und  zwar  vorwiegend  Planulaten. 

Von  hier  gegen  den  Magura-Kamra  hat  man  zuerst  die  dünnplattigen 
und  kalkigen,  am  Magura-Kamme  die  grobkörnigen,  quarzigen  Sandsteine, 
die  ich  der  Kürze  wegen  Magura-Sandsteine  nennen  will. 

Arva-Üfer  von  Lehotka  bisDluha.  Verfolgt  man  von  Lehotka 
die  Poststrasse  Arva  aufwärts,  so  gelangt  man  unmittelbar  vor  den  west- 
lichsten Häusern  des  Dorfes  Lhota  zu  einem  Steinbruche,  in  welchem  Kar- 
pathen- Sandsteine  aufgeschlossen  sind.  Die  Sandsteine  sind  feinkörnig, 
glimmerreich,  blaugrau,  in  der  Verwitterung  gelblich,  und  stellenweise  auf 
den  Schichtflächen  mit  einer  Menge  kleiner ,  verkohlter  Pflanzenfragmente 
bedeckt.  In  den  höheren  Lagen  derselben  treten  Conglomeratschichten  auf. 

Wer  jemals  die  cenomanen  Exogyren-Sandsteine  des  Trencziner 
Waag- Thaies  sah,  muss  hier  durch  die  auffallende  petrographische  Iden- 
tität der  Gesteine  an  dieselben  erinnert  werden.  Auch  ein  Fragment  eines 
Inoceramus  (ähnlich  In.  mytiloides),  das  die  Herren  Stur  und  Mayer 
hier  auffanden,  spricht  dafür,  dass  wir  es  hier  mit  Kreidesandsteinen  zu 
thun  haben. 

Hieher  gehören  wohl  auch  die  Sandsteine  und  Schiefer,  welche  nörd- 
lich von  Lhota  mit  steilen,  stark  gestörten  Schichten  am  Rande  der  Strasse 
anstehen  und  in  denen  ich  (am  Eingange  des  Thälchens,  welches  nördlich 
von  Lhota  bei  der  Strassenbiegung  einmündet),  ebenfalls  einen  Inocera- 
mus gefunden  habe.  Doch  ist  man  hier  nicht  mehr  ganz  sicher  vor  einer 
Verwechslung  mit  dem  Doggersandsteine,  den  wir  zwischen  Unterschloss 
und  Lehotka  kennen  lernten,  denn  wir  finden  hier  wie  dort  auf  den  Schicht- 
flächen sehr  ähnliche  zopfartige  Reliefzeichnungeu  ,  und  auch  der  Inocera- 
mus ist  demjenigen  ähnlich,  der  bei  Lehotka  in  den  Posidomyen-Schiefern 
mit  Ämm.  murcliisonae  etc.  vorkommt. 

Diese  Schichten  stehen  von  der  erwähnten  Einmündung  des  Thälchens 
bei  der  Strassenbiegung  noch  etwa  bis  auf  den  halben  Weg  gegen  Dubowa 
an  der  Strasse  an,  dann  folgen  röthliche  Schiefer  und  sandige  Flecken- 
mergel, welche  gegen  West  (also  unter  die  vorigen  Schichten)  einfallen. 


[25]  Die  nördliche  Arva.  225 

Unter  diesen  liegt  (an  der  Einmündung  des  Dubowa-Thales)  der  echte 
Posidonomyen-Schiefer,  mit  Pos.  opalina  Quenst.  und  Ammoniten-Spuren, 
genau  so  wie  bei  Lehotka. 

Die  Posidonomyen-ScMchten  bilden  von  hier  bis  zur  Brücke  (nord- 
östlich von  Dluha)  den  Eand  der  Strasse,  welche,  abgesehen  von  den  durch 
den  Lauf  des  Flusses  bedingten  Krümmungen,  im  Ganzen  dem  Streichen 
derselben  folgt. 

Zwischen  Dubowa  und  Dluha  sind  in  einem  grossen  Steinbruche  an 
der  Strasse  diejenigen  Schichten  aufgeschlossen,  welche  man  nach  der  La- 
gerung als  den  tiefereu  Theil  der  Posidonomyen-Schichten  betrachten  muss. 
Es  sind  Fleckenmergel  mit  dunklen  Schiefern  wechselnd.  Das  Streichen  ist 
sehr  deutlich  ONO.,  das  Fallen  NNW.  Es  fanden  sich  hier: 

Ämmonites  opliioneus  Ben., 

Äptyehus  nov  sp., 

Posidonomya  opalina  Quenst., 

Inoceramus  amygdaloides  Gold  f., 

Peden  sp. ; 
ausserdem  Falciferen,  die  jedoch  nicht  sicher  bestimmbar  waren.  Hiernach 
sind  wohl  auch  diese  tieferen  Lagen  noch  dem  unteren  Dogger  und  nicht 
dem  Lias  zuzuzählen ;  dagegen  ist  der  obere  Lias  hier  am  südlichen  Arva- 
Ufer,  wo  die  Liegeudschichten  der  in  liede  stehenden  Bildungen  anstehen, 
zu  vermuthen. 

Dubowa-Thal.  Am  Eingange  in  das  Dubowa-Thal,  welches  west- 
lich von  Dubowa  in  das  Arva-Thal  einmündet,  stehen,  wie  bereits  erwähnt, 
die  schwarzen  Posidonomyen-Schiefer  an.  Geht  man  imThale  gegen  Norden, 
so  findet  man  über  denselben,  am  Westgehänge  und  im  Bachbette  aufge- 
schlossen, den  oben  erwähnten  sandigen  Fleckenmergel,  auf  welchen  röth- 
liche  Schiefer  folgen.  Die  Schichten  liegen  concordant  auf  dem  Posidono- 
myen-Schiefer und  fallen  nach  NW.  Dieselben  Schichten  findet  man  auch, 
wenn  man  von  Dluha  den  Weg  am  Kirchhofe  vorbei  gegen  Norden  verfolgt, 
im  Hangenden  des  Posidonomyen-Schiefers.  Nördlich  von  Dubowa  und  beim 
Kirchhofe  von  Dluha  tritt  mitten  in  diesen  Schichten  ein  Zug  von  weissem 
Mergelkalk  mit  Hornsteinen  auf,  der  seiner  Petrographie  nach  an  neocome 
Aptychenkalke  erinnert;  ich  konnte  jedoch  nicht  entscheiden,  ob  derselbe 
den  Schichten  regelmässig  eingelagert  ist,  oder  eine  auflagernde  Scholle 
darstellt. 

Hat  man  im  Dubowa-Thale  die  sandigen  Fleckenmergel  und  röthli- 
chen  Schiefer  verquert ,  so  gelangt  man  (auf  der  östlichen  Thalseite)  an 
eine  grosse  Klippe.  Diese  Klippe  bezeichnet  das  südwestliche  Ende  einer 
Eeihe  von  sechs  Klippen,  welche,  in  einer  von  SW.  nach  NO.  gerichteten 
Linie  liegend,  bis  in  das  nächstöstliche  Seitenthal  (das  Lutowa-Thal)  hinüber- 
reichen, und  alle  genau  dieselbe  Zusammensetzung  zeigen;  alle  bestehen 
nämlich  in  ihrem  südöstlichen  Theile  aus  rothem  Criuoidenkalk,  in  ihrem 
nordwestlichen  aus  Csorsztyner  Kalk,  das  Streichen  ist  NO.,  das  Fallen  NW. 
Dieser  Klippenliuie  scheint  eine  etwas  nördlichere  Anticlinallinie  entge- 
gengesetzt zu  sein,  welcher  die  zweite  Klippe  im  Dubowa-Thale,  der  Stoikowy 
wrch,  und  die  zweite  Klippe  im  Lutowa-Thale  angehört;  bei  den  Klippen 
dieser  Linie  fallen  die  Schichten  SO.  und  der  Csorsztyner  Kalk  als  das 
Hangende  nimmt  daher  die  südöstlichen  Parthien  der  Klippen  ein.  Doch  ist 

30* 


226  C.  M.  Paul.  [26] 

bei  dieser  Linie  das  Verhältniss  nicht  so  deutlich  wie  bei  der  ersterwähnten, 
südlicheren. 

üeber  und  zwischen  den  Klippen  hat  man  im  Thale  Karpathen-Sand- 
steine,  mit  groben  Conglomeraten  in  Verbindung,  aus  denen  ausgedehnte 
Züge  von  weissen  Neocom-Kalkmergeln  (so  der  Wratnaberg  und  dessen 
nördliche  Fortsetzung)  hervorragen  ,  und  durch  mehrere  quer  durch  das 
Thal  streichende  Züge  mit  den  Partien  der  anderen  Thalseite  zusammen- 
hängen. Das  Streichen  der  Kalkmergel  ist  NO.,  das  Fallen  NW.,  das 
Verhältniss  derselben  zu  den  Sandsteinen  ist  in  diesem  Thale  nicht  deutlich, 

Lutowa-Thal.  Die  Posidonomyen-Schichten  reichen  nicht  bis 
zum  Eingange  dieses  Thaies,  welches  gegenüber  von  Kriva  in  das  Arva-Thal 
mündet.  Am  Eingange  des  Thaies  stehen  Sandsteine  an,  die  etwas  weiter 
nördlich  auf  groben  Conglomeraten  aufliegen.  Etwa  eine  Viertel- Wegstunde 
vom  Thaleingange  trifft  man  zwei  schön  geformte  Klippen,  welche  zu  bei- 
den Seiten  des  Baches  emporragen.  Sie  gehören  der  obenerwähnten  Reihe 
von  Klippen  an,  bei  denen  die  Schichten  NO.  streichen  und  NW.  fallen, 
nnd  die  aus  Crinoidenkalk  mit  einer  Csorsztyner  Kalkbank  im  Hangenden 
bestehen.  In  der  Umgebung  derselben  liegen  allerorts  Trümmer  von  Neo- 
com-Kalkmergeln herum.  Geht  man  weiter  im  Thale  gegen  NW.,  so  ge- 
langt mau  auf  der  östlichen  Thalseite  an  zwei  fernere  Klippen.  Sie  beste- 
hen zum  grössten  Theile  aus  Csorsztynerkalk.  Die  erste  derselben  zeigt  auf 
den,  gegen  SO.  geneigten  Schichtflächen  zahlreiche  aber  undeutliche  Am- 
moniten;  unter  anderen  fand  ich  hier  einen  stark  involuten  Ammoniten 
mit  scharfem  Eücken  von  nahezu  1  Fuss  Durchmesser,  leider  auch  nicht 
näher  bestimmbar. 

Diese  Klippen  sind  von  Neocomien-Fleckenmergeln  umgeben,  in 
denen  ich  schlecht  erhaltene  Aptychen  und  ein  gut  bestimmbares  Exem- 
plar von 

Ämmonites  Nisus  cVOrb. 
gefunden  habe. 

Klippe  von  Podbiel.  Gegenüber  vom  Dorfe  Podbiel  ragt  am 
rechten  Arva-Ufer  eine  schöne  grosse  Klippe  empor,  welche  durch  die  gün- 
stige Entblössung  der  Schichteufolge,  so  wie  durch  die  reichere  paläontolo- 
gische Ausbeute,  welche  sie  darbietet,  wohl  zu  den  interessantesten  Punk- 
ten der  Klippenreihe  zählen  dürfte. 

Schon  von  Weitem  sieht  man  die,  stellenweise  sehr  steile,  vom  Flusse 
bespülte  Felswand  aus  einem  Complexe  verschieden  gefärbter  Schichten  be- 
stehen, welche  alle  coucordant  unter  einem  Winkel  von  circa  4So  gegen 
SW.  einfallen,  so  dass  am  südwestlichen  Ende  der  Klippe  die  höchsten,  am 
nordöstlichen  die  tiefsten  Schichten  auftreten.  Die  höchsten  Schichten  sind 
aber  hier  gerade  die  geologisch  ältesten  des  ganzen  Complexes,  so  dass  wir 
hier  ein  Beispiel  von  Schichtenumkippung  vor  uns  haben,  wie  es  wohl  in 
dieser  Klarheit  selten  zu  beobachten  ist. 

Die  höchste  Schichte  am  südwestlichen  Ende  der  Klippe,  die  erste 
deren  Schichtflächen  man  vor  sich  hat,  wenn  man  die  Klippe  von  Podbiel 
aus  besucht,  besteht  aus  Mergeln,  die  theils  roth  und  thonig,  theils  licht, 
kalkig  und  gefleckt  sind  (Fig.  VI.,  1).  Diese  Gesteinsvarietäten  gehen  viel- 
fach ineinander  über  und  finden  sich  auch  oft  an  demselben  Gesteinsstücke 
vereinigt,  bedingen  daher  keine  weitere  Trennung  der  Etage. 


[27] 


Die  nördliche  Arva. 
Fiff.  VI. 


227 


1.  Roths  Mergel  und  lichte  Fleckenmergel  mit  Amm.  Nodotiauus,  rarioostatus  etc.  (Lias  p). 

2.  Weicher  Schiefer  mit  Amm.   bifrons  etc.   )  j  • 

Z.  Kother  Kalk  mit  Firabriaten  etc.  )  ^^^^  ^• 

4.  Rother  Crinoidenkalk. 

.5.  Ungeschichteter  grauer  Kalk. 

6.  Dünngeschichteter  Hornsteinkalk. 

7.  Grauer  Mergel  mit  Amm.  Astierianus  etc.  (Neocom). 

8.  Karpathen-Sandstein. 

Seh.  ziz  Schutthalde.     A.  ziiz  Arva-Fluss. 

In  dieser  ScMchte  finden  sich  namentlich  Belemniten  in  ausserordent- 
licher  Häufigkeit,  so   dass   stellenweise  ganze  Schichten  aus  Fragmenten 
derselben  zusammengesetzt  sind.  Ausser  diesen  fanden  sich : 
Ämmonites  Nodotianus  d'  Orb., 
„  Geras  Gieb., 

„  raricostatus  Zieth., 

„  hrevispina  Soiv.^ 

„  Birchi  ?  Soiü.^ 

Nautilus  sp., 

Ävicula  inaequivalvis  Sow., 
Spiriferina  obtusa  Gpp., 
eine  Fauna,  durch  welche  die  stratigraphische  Stellung  der  Schichte  genügend 
sichergestellt  ist  t,  si  e  entspricht  der  Oberregion  des  unteren  Lias,  dem  Lias 
ß  Quenstedt's,  der  Raricostatus-Zone  Oppel's. 

Unter  dieser  Etage  liegt  eine  3 — 4  Fuss  mächtige  Lage  eines 
dünngeschichteten,  weichen,  dunkelrothen  Mergelschiefers  (2),  und  unter 
diesem  4—5  Fuss  mächtig,  ein  rother  Kalk  (3).  In  den  Mergelschiefern 
fand  sich: 

Ämmonites  bifrons  Brug. 

„  Holandrei  d'  Orb., 

„  tatricus  Busch.  (Gapitanei  Gat.), 

Nautilus  sp. 
Im  rothen  Kalke  kommen  grosse,  aber  unbestimmbare  Steinkerne  von 
Fimbriaten,  Heterophyllen  und  Nautilus  vor,  darunter  eine  Form,  die  an 

Ämmonites  cornucopiae  Young 
erinnert. 


228  C.  M.  Paul. 


[28] 


Wir  haben  somit  hier  eben  so  sichergestellten  oberen  Lias  (Lias  e 
Quenst.)  concordant  unter  dem  unteren  Lias  liegend. 

Der  rothe  Kalk  des  oberen  Lias  wird  von  rothem  Crinoidenkalk  (4) 
unterlagert,  von  welchem  er  durch  eine  nur  1  Fuss  mächtige  Bank  eines 
grauen  mergeligen  Kalkes  getrennt  ist. 

Der  rothe  Crinoidenkalk,  ebenfalls  nicht  über  3  Fuss  mächtig,  ist 
petrografisch  gar  nicht  zu  unterscheiden  von  dem  oft  erwähnten  Crinoiden- 
kalke  der  Klippen  von  Lehotka,  Dubowa  etc.,  dessen  Lagerung  über  den 
Posidonomyenschichten  und  unter  dem  Csorsztynerkalke  wiederholt  constatirt 
wurde.  Fassen  wir  ihn  (wozu  wohl  die  grösste  Wahrscheinlichkeit  vor- 
handen ist)  als  ein  Analogen  dieser  Crinoideukalke  auf,  so  haben  wir  in  der 
kaum  1  Fuss  mächtigen  Bank  grauen  Kalkes,  der  den  rothen  Kalk  des 
oberen  Lias  vom  Crinoideukalke  trennt,  ein  Aequivalent  dergesammten 
Posidonomyenschichten  zu  vermuthen,  welche  1/2  Meile  weiter  südlich  (bei 
Dluha)  eine  so  bedeutende  Mächtigkeit  und  Entwicklung  erreichen. 

Unter  dem  Crinoidenkalke  liegt  eine  6—8  Fuss  mächtige  Bank  eines 
grauen  ungeschichteten  Kalkes  (5)  und  unter  diesem  lichter,  dünnge- 
schichteter Hornsteinkalk  (6),  der  bis  an  den  Fluss  herabreicht.  Diese  beiden 
Schichten  lieferten  trotz  sorgfältigen  Nachsucheus  keine  Petrefacten;  nach 
dem  petrografischen  Habitus  des  Hornsteinkalkes  dürften  v/ir  hier  vielleicht 
schon  die  höheren  Juraschichten  vor  uns  haben. 

Am  nordöstlichen  Fusse  der  Klippe  (bei  7)  finden  sich  graue,  kalkige 
Mergel,  in  denen 

Ammonites  Astierianus  d'  Orh., 
„  Matheroni  cf  Orh., 

„  Hietys  (f  Orh., 

Aptychus  cf.  Bidayi  Coqu., 
Belenmites  düatatus  Blainv. 
gefunden  wurden,  und  die  somit  sicher  dem  Neocomien  angehören.  Die  bei 
den  Lias-  und  Juraschichten  so  eclatante  Umkippung  der  Schichten  scheint 
auf  das  Neocomien  nicht  von  Einfluss  gewesen  zu  sein,  denn  wenige  Schritte 
von  den  erwähnten  Fundorten  der  Neocomienpetrefacte  gegen  Osten  finden 
wir  die,  wiederholt  als  Unter-Neocom  bezeichneten  rothen,  in  der  Ver- 
witterung weissen  Mergel,  mit  Sandsteinbänken  wechselnd,  regelmässig 
unter  den  Neocomien-Kalkmergel  einfallen. 

Eine  Vergleichung  dieser  Klippe  mit  den  bisher  betrachteten  ergiebt 
sehr  merkwürdige  stratigraphische  Differenzen.  Die  Zone  des  Ammonites 
raricostatus  sehen  wir  in  ähnlicher  Entwicklung  (als  Fleckenmergel)  wieder- 
holt in  der  Arva  auftreten,  so  bei  Zazriva,  an  der  Arvaer  Schlossklippe,  bei 
Lehotka  etc.  Dagegen  konnten  wir  den  mittleren  Lias,  dessen  Auftreten  in 
der  Arvaer  Klippenreihe  durch  das  Vorkommen  des  Amm.  margaritatus  im 
Zaskalja-Thale  sichergestellt  ist,  bei  Podbiel  durchaus  nicht  nachweisen. 
Die  rothen  Kalke  und  Schiefer  des  oberen  Lias,  deren  Stellung  bei  Podbiel 
durch  eine  kleine,  aber  charakteristische  Fauna  sichergestellt  ist,  sind  bis 
jetzt  in  der  ganzen  Klippenreihe  nicht  wiedergefunden  worden.  Der  ander- 
wärts so  mächtig  entwickelte  Unter-Dogger  ist,  wie  bereits  erwähnt,  bei 
Podbiel  gar  nicht,  oder  nur  in  einem  unsicLoren  Rudimente  vorhanden,  und 
von  dem  allerverbreitetsten  Klippengesteine,  dem  Csorsztynerkalke,  haben 
wir  hier  gar  keine  Spur.  Die  Schichten  des  Neocomien  dagegen  zeigen 
sowohl  in  der  Art  der  Anlagerung  an  die   älteren  Gesteine,   als  auch  in 


m 


Die  nördliche  Arva.  229 


Bezug  auf  petrographische  Gliederung  und  Petrefactenführung  gar  nichts 
fremdartiges  mehr,  sondern  verhalten  sich  hier  ganz  so,  wie  wir  sie 
an  den  meisten  übrigen  Punkten  ihres  Auftretens  im  Arvathale  kennen 
gelernt  haben. 

Was  endlich  die,  im  Westen  der  Klippe  unmittelbar  an  den  Unter- 
Lias  angrenzenden  Karpathensandsteine  betrifft,  so  lässt  sich  über  dieselben 
nur  soviel  sagen,  dass  sie  sicher  nicht  Magura-Sandsteine  sind,  sondern  den 
tiefer  liegenden,  kalkigeren  Varietäten  angehören,  und  weiter  im  Westen 
(namentlich  im  Cziczow-Thale)  mit  ausgedehnten  Partien  von  weissen, 
aptychenreichen  Neocom-Kalkm ergein  in  Verbindung  stehen.  Dass  nicht 
alle  Sandsteine  über  diesen  letzteren  liegen,  davon  kann  man  sich  in  dieser 
Gegend  mehrfach  überzeugen;  ich  konnte  jedoch  keinen  petrografischen 
Anhaltspunkt  zur  Trennung  der  tieferen  Sandsteine  (welche  wohl  zum 
grössten  Theile  dem  mehrerwähnten  Unter-Neocom  angehören  mögen)  von 
den  höheren  gewinnen. 

Dedina-Thal.  Westlich  von  Krasnahorka  mündet  das  Thal  des 
Dedina-  (der  Dolina)  Baches  in  das  Arvathal ;  beim  Eingange  des  Thaies 
(am  südwestlichen  Gehänge)  stehen  Fleckenmergel,  mit  schwarzen  blättrigen 
Schiefern  wechselnd  an.  Etwa  50  Klafter  oberhalb  der  unteren  Dedina- 
Mühle  findet  man  eine,  bei  2  Fuss  mächtige  Schichte  dieser  schwarzen 
Schiefer,  in  welcher 

Ammonites  tardefurcatus  Leym.^ 
„  mammilaris  Scliloth., 

„  Mayorianus  ?  d'  Orh., 

„  Velledae  Mich. 

ausserdem  einige  andere  nicht  bestimmbare  Ammonitenformen,  ein  kleiner 
Ptyclioceras,  ein  Belemnit,  ein  Inoceranms^  und  grosse,  gestreifte  Fisch- 
schuppen, welche  den  in  den  eocenen  Melettaschiefern  vorkommenden  voll- 
kommen gleichen,  gefunden  wurden.  Amm.  tardefurcatus  ist  am  häufigsten 
und  tritt  in  dieser  Schichte  in  bedeutender  Individuenanzahl  auf,  während 
darüber  und  darunter  in  petrographisch  gar  nicht  unterscheidbaren  Schichten 
von  der  ganzen  Fauna  keine  Spur  mehr  zu  finden  ist.  Zwei  Exemplare  dieser 
Art  hatte  bereits  Herr  Bergrath  Fötterle  im  Jahre  1853  von  dieser 
Localität  mitgebracht,  und  Sturi)  die  Schichte  hiernach  als  Gault  ge- 
deutet ;  die  reichere,  im  letzten  Jahre  durch  die  Herren  Stur,  Nadeniczek, 
Griesbach,  Mayer  und  mir  selbst  an  dieser  Stelle  gewonnene  Ausbeute 
stellt  nun  diese  Deutung  ausser  allen  Zweifel. 

Die  Schichten  fallen  steil  nach  NW.,  so  dass  das  Liegende  derselben 
am  Ostgehänge  des  Arvathales,  südlich  unterhalb  der  Einmündung  des 
Dedinathales  zu  suchen  ist.  Hier  finden  wir  (wahrscheinlich  als  unmittel- 
bares Liegendes  der  Tardefurcatus-^dAfMiQn)  ein  Conglomerat  aus  Kalk, 
Quarz  und  krystallinischeu  Geschieben,  und  unter  diesen  einen  graubraunen 
Sandstein,  der  durch  einen  Steinbruch  an  der  Strasse  aufgeschlossen  ist, 
und  unter  75— SO»  gegen  NNW.  einfällt. 

Das  Hangende  der  Tardefurcatus-^chiohiQn  trifft  man,  wenn  man  am 
SW. -Gehänge  des  Dedina-Thales  weiter  gegen  das  Dorf  Dedina  hinaufgeht. 
Statt  der  schwarzen  Schiefer  treten  zunächst  gelbliche  und  lichtgraue,  in 
papierdünne  Scheiben   spaltbare  Schiefer  auf,  auf  welche   eine  Wechsel- 

1)  L.  c.  Seite  30. 


230  C.  M.  Paul.  [30] 

lagerung  von  grobkörnigem  Conglomerat  mit  feinkörnigen  Sandsteiubänken 
folgt.  Alle  diese  Schichten  sind  im  Bachbette  gut  aufgeschlossea  und  fallen 
concordant  nach  NW. 

Das  Conglomerat  enthält  grosse  Geschiebe,  unter  denen  Melaphyr  und 
andere  krystallinische  Gesteinsarten  vorherrschen,  und  erinnert  durch  seine 
Zusammensetzung  sehr  an  die  mehrerwähnten  Conglomerate,  welche  im 
Trencziner  Waagthale  in  den  höheren  Lagen  der  cenomanen  Exogyrensand- 
steine  aufzutreten  pflegen. 

Im  Sandsteine  wurde  ein  Bruchstück  eines  Inoceramus  gefunden, 
wodurch  die  Deutung  dieser  Schichten  als  obere  Kreide  eine  weitere  Wahr- 
scheinlichkeit erlangt. 

Bei  der  oberen  Dediiia-Mühle  tritt  eine  Klippe  in's  Thal  herab,  durch 
welche  die  regelmässige  Aufeinanderfolge  der  Schichten  des  älteren  Kar- 
pathensandsteins  gestört  ist. 

Wir  finden  hier  mit  einem  Male  Fleckenmergel,  welche  lichter  und 
kalkiger  sind,  als  die  mit  den  Tardefurcatus-Schieferü  in  Verbindung 
stehenden,  und  anticlinal  gegen  die  bisher  beobachteten  Schichten,  vor- 
wiegend gegen  Ost,  einfallen.  Das  Streichen  derselben  folgt  in  einer  ge- 
krümmten Linie  der  äusseren,  östlichen  Begrenzungslinie  der  Klippe,  so 
dass  wir  hier  wahrscheinlich  eine  schmale,  die  Klippe  mantelförmig  um- 
lagernde Neocomien-Zone  vor  uns  haben. 

Die  Klippe  selbst  besteht  ihrer  Hauptmasse  nach  aus  lichtem  Horn- 
steinkalk  der  petrefactenlos  und  daher  seinem  Alter  nach  nicht  sicher 
bestimmbar  ist;  am  Nordrande  der  Klippe  wird  er  von  rothera  Csosztyner- 
kalk  unterteuft.  Aehnliche  Zusammensetzung  zeigt  auch  der  Ostrasa-Berg, 
eine  grössere,  meist  bewaldete  Klippe,  die  sich  südlich  von  der  Dedina- 
Mühle  gegen  Nizua  hinzieht. 

Nördlich  vom  Dediua-Thale,  zwischen  diesem  und  dem  Medwedca- 
Thale,  ragen  ebenfalls  mehrere  Klippen  aus  dem  Sandsteingebiete  hervor. 

Die  grösste  derselben,  die  Krasnicka  skala  (W,  von  Krasnahorka) 
besteht  ihrer  Hauptmasse  nach  aus  einem  weissen  Crinoidenkalke,  der  zahl- 
reiche Quarzkörner  und  grosse  Pentacriniten  enthält,  und  die  grosse,  gegen 
den  Eingang  des  Dedina-Thales  gekehrte  Felswand  zusammensetzt.  Auf 
dem  Plateau  nördlich  oberhalb  dieser  Wand  findet  man  Stücke  eines  dunkel- 
grauen Kalkes  herumliegen,  die  eine  ganz  auflallende  petrographische 
üebereinstimmung  mit  den  Kalken  der  alpinen  Grestenerschichten  zeigt. 
Es  fanden  sich  darin  Bruchstücke  von 

Lüna  gigantea  Desh.  ? 
und  ein  glatter  Pecten,  dem  P.  Uasinus  ähnlich. 

In  der  südlichen  und  östlichen  Umgebung  dieser  Klippe  finden  sich 
Neocomienbildungen,  und  zwar  südlich  gegen  den  Eingang  des  Dedina-Thales 
zu  Neocom-Fleckenmergel,  östlich,  die  Lehne  gegen  Krasnahorka  und 
Medwedca  zusammensetzend,  die  ofterwähnten  kalkarmen,  rothen,  in  der 
Verwitterung  weissen  Mergel,  die  wir  als  Ünter-Neocom  betrachten. 

Nordwestlich  von  der  Krasnicka  skala  treten  einige  kleinere  Klippen 
auf,  die  aus  steil  gegen  NW,  einfallenden  Schichten  von  lichtem  Horn- 
steinkalke,  unterteuft  von  weissem,  quarzreichem  Crinoidenkalke  bestehen. 
Im  Hornsteinkalke  finden  sich  Belemniten-Pragmente,  die  durch  die  tiefe 
Seitenfurche  mehr  an  jurassische,  als  an  Neocomien-Typen  erinnern,  eine 
weitere  Bestimmung  jedoch  nicht  zuliessen. 


[3!]  Die  nördliche  Arva.  231 

Die  Medwedca  skala,  ein  auffallend  geformter,  einzeln  stehender  Felsen 
im  Norden  der  Krasnicka  skala,  besteht  aus  weissem  Crinoidenkalk,  ebenso 
die  nördlich  von  diesem  Felsen  auftauchende,  bis  zu  den  letzten  Häusern 
des  Dorfes  Medwedca  hinabreichende  Klippe.  Unbestimmbare,  verkieselte 
Petrefacten-Fragmente  [Osfrea,  Pecten,  RhijncJionella,  Belemnites)  kommen 
nicht  selten  im  Crinoidenkalke  vor.  An  der  letztgenannten  Klippe  findet 
mau  auch  wieder  den  lichten  Hornsteiukalk,  der  hier  in  einer  kleinen  Partie 
zwischen  den  steil  aufgerichteten  Schichten  des  Crinoidenkalkes  eingeklemmt 
erscheint.  In  der  Umgebung  dieser  Klippen  kommen  grünliche  Mergel  vor, 
deren  Verhältniss  zum  Crinoidenkalke  jedoch  nicht  deutlich  ist,  und  die 
wohl  auf  eine  Neocomien-Randzone  hindeuten  mögen. 

Es  ist  nicht  zu  übersehen,  dass  alle  Klippen  zwischen  dem  Dedina- 
und  Medwedca-Thale  durch  das  Vorherrschen  des  weissen,  quarzreichen 
Crinoidenkalkes,  den  wir  sonst  in  der  ganzen  Arvaer-Klippenreihe  nicht 
wiederfinden,  eine  gewissermassen  fremdartige  petrographische  Entwicklung 
besitzen.  Hiervon  macht  nur  ein  kleiner  Felsen  nordwestlich  von  den  Med- 
Avedca  skala  eine  Ausnahme,  welcher  aus  dem  bekannten  rothen  Csorsztyner- 
kalke  mit  schlechterhaltenen  Planulateu  und  Fimbriateu  besteht.  In  einer 
der  tieferen  Schichten  (^welche  flach  gegen  SO.  einfallen)  fand  Herr  Mayer 
ein  Exemplar  der 

Terebratula  Dlpliya  Col. 

Im  Dedina-Thale  selbst  geht  man  von  dem  erwähnten  Punkte  bei  der 
oberen  Dedina-Mühle  an  im  Sandsteine,  der  der  tieferen  kalkreicheren  Etage 
(wohl  noch  der  oberen  Kreide)  angehört. 

Oberhalb  der  letzten  Häuser  des  Dorfes  Dedina  spaltet  sich  das  Thal, 
(^eht  man  in  dem  südlicheren,  dem  Kohanowka-Thale  weiter  gegen  West, 
so  gelangt  man  nach  etwa  i/*  Wegstunde  an  eine  grosse  Partie  von  lichten, 
aptychenführenden  Neocomien-Kalkmergeln ,  welche  vom  Bache  durch- 
schnitten wird.  Im  Bachbette  selbst  stehen  hier  deutlich  nach  West,  unter 
den  Aptychenkalk  einfallend,  die  rothen  und  weissen  kalkarmen  Mergel, 
mit  Sandsteinbänken  wechselnd  an.  Die  Lagerung  dieser  Schichten  unter 
der  kalkigeren  Etage  des  Neocomien,  welche  übereinstimmend  an  vielen 
Punkten  constatirbar  ist,  erscheint  hier  besonders  deutlich  und  überzeugend. 

Hat  man  die  Neocomien-Partie  verquert,  so  trifft  man  südlich  vom 
Thale  eine  Klippe  von  rothem  Csorcztynerkalk,  welche  von  den  östlich 
angrenzenden  Neocom  -  Aptychenkalken  wieder  durch  rothe  und  weisse 
Mergel  getrennt  ist. 

Weiter  im  Thale  ist  nichts  mehr  aufgeschlossen  als  bräunliche  Sand- 
steine mit  Kalkspathadern;  mit  dem  Südfusse  des  Magura-Gebirgszuges 
erreicht  man  endlich  das  Gebiet  der  charakteristischen  quarzigen  Magura- 
Sandsteiue. 

Oravitza-Thal.  Die  Keihe  der  Klippen,  welche  wir  bisher  den 
Lauf  des  Arvaflusses  begleiten  sahen,  setzt  von  Thurdossin  aus  längs  den 
Ufern  des  Oravitza-Baches  gegen  Nordosten  fort.  Hier  findet  man  keine 
Spur  mehr  von  dem  weissen,  quarzreichen  Crinoidenkalke  der  Klippen  von 
Krasnahorka  und  Medwedca;  die  meistens  kleinen  und  unbedeutenden 
Klippen  des  Oravitza- Thaies  haben  wieder  ganz  den  T3rpus  der  südwest- 
licheren Vorkommnisse. 

Nordöstlich  von  Thurdossin  treten  zwei  kleine  Klippen  von  Csorsztyner- 
kalk  mit  schlecht   erhaltenen  Ammoniten  auf,  ebenso  an  der  Strasse  süd- 

Jalurbuch  der  k.  k.  geologischen  Reicheanstalt.  1868.   18.  Band.  2-  Heft.  "  * 


23*>  ('.  M.   Paul.  [32] 

westlich  von  Trstjenna,  wo  der  Csorsztyuerkalk  von  einer  grösseren  Partie 
lichter  Kalkmergel  überlagert  wird ,  die  eine  Gruppe  bewaldeter  Hügel 
zusammensetzen,  und  wohl  schon  dem  Neocomien  angehören  mögen.  Endlich 
findet  man  westlich  von  Trstjenna  noch  einmal  eine  kleine  Klippe  aus  dem 
bekannten  rothen  Crinoidenkalke,  genau  so  wie  wir  ihn  weiter  im  Südwesten 
auttreten  sahen. 

Nördlich  von  Trstjenna  verschwindet,  wie  bereits  erwähnt,  die  ganze 
Klippenreihe  sammt  den  sie  umgehenden  Karpathensandsteinen  unter  den 
Diluvialablagerungen  der  Niederung  von  Bobrow. 

Nach  den  mitgetheilten  zerstreuten  Beobachtungen  möge  nun  eine 
kurze  Zusammenstellung  der  gewonnenen  stratigraphischen  und  paläonto- 
logischen ßesultate  folgen,  welche  sich  jedoch  nur  auf  das  Klippenterrain 
am  nördlichen  Arvaufer  (mit  Ausnahme  der  Arvaer  Schlossklippe)  be- 
zieht, und  auf  Vollständigkeit  für  die  ganze  Klippenzouf  durchaus  nicht 
Anspruch  macht. 

A.   Fiias. 

1.  Unterer  Lias.  Wenn  wir  absehen  von  den,  nur  an  einer 
einzigen  Stelle  in  mangelhafter  Entwicklung  beobachteten  dunklen  Kalken 
der  Krasnicka  skala,  welche  wohl  sicher  den  alpinen  Grestenerkalken,  und 
somit  den  tiefsten  Etagen  des  Unter-Lias  entsprechen,  so  finden  wir  in  der 
Arvaer  Klippenreihe  überall  nur  die  höheren  Lagen  dieser  Gruppe,  die  Zone 
des  Ämmonites  raricostatus  entwickelt. 

Die  Verbreitung  der  Zone  scheint  in  der  Arva  eine  ziemlich  bedeutende 
zu  sein;  wir  finden  sie  am  Havransky-Berge  bei  Zazriva,  im  Zaskalya-Thale 
im  Eacibor-Thale  und  bei  Podbiel,  ausserdem  dürfte  sie  vielleicht  noch  an 
manchen  Punkten  nachgewiesen  werden,  da  in  Folge  der  grossen  Aehnlichkeit 
der  Gesteine  leicht  stellenweise  eine  Verwechslung  mit  Neocomien-Flecken- 
mergeln  statthaben  konnte. 

Das  Gestein  ist  meistens  ein  bläulich  oder  grünlich  grauer  Kalk,  der 
durch  zahlreiche  Fucoidentrümmer  ein  geflecktes  Ansehen  erhält.  Man  nennt 
solche  Gesteine  gewöhnlich  Fleckenmergel,  eine  ziemlich  ungenaue  Bezeich- 
nung, indem  meistens  gerade  dort,  wo  die  Flecken  am  deutlichsten  hervor- 
treten, das  Gestein  ein  reiner  Kalk  ist.  Bei  Podbiel  geht  der  gefleckte  Kalk 
in  wirkliche  röthliche  thonige  Mergel  über.  Im  Raciborthale  ist  die  Zone  als 
ein  kalkig-sandiges,  plattiges  Gestein,  mit  Glimmerschüppchen  und  kleinen 
verkohlten  Pflanzenresten  auf  den  Schichtflächen  entwickelt. 

Die  Fauna  der  Schichte  wird  wohl  bei  dem  Petrefactenreichthum  ein- 
zelner Localitäten  in  der  Folge  noch  wesentliche  Bereicherungen  erfahren  5 
gegenwärtig  liegen  mir  die  folgenden  Arten  daraus  vor: 

Ämmonites  raricostatus Zieth.  (Hauer,  Denkschrift  der  kais.  Akademie 
B.  aI,  S.  52,  T.  XVI.)  Die  Exemplare  stimmen  gut  mit  den  alpinen  Formen, 
die  V.  Hauer  hierher  bezog.  Zazriva,  Racibor-Thal,  Podbiel. 

Amm.  Nodotianus  cT  Orh.  (d'  Orb.  Terr.  jur.  PI.  47.)  Mit  diesem 
Namen  bezeichnen  wir  den  Arieten,  der  einen  hohen  und  scharfen  Kiel  und 
gar  keine  oder  nur  schwach  angedeutete  Kielfurchen  besitzt.  Wir  finden  in 
der  Arva  zahlreiche  Varietäten,  welche  d'  Orbigny's  engrippige  Form  mit 
der  V.  Hau  er 'sehen  Abbildung  (Denkschrift,  der  kais.  Akademie.  B.  XI, 
T.  VI.)  verbinden.  Oppel's  Angabe  des  Amm.  Nodotianus  st.\is  den  Arieten- 
schichten   von  Waidenbuch   (Juraform.   S.   80;  stimmt  nicht  mit  unserem 


1^33]  Die  nördlicte  Arva.  23S 

Lager  dieser  Art,  welche  bei  Podbiel  massenhaft  mit  Ammonites  rari- 
costatus  liegt. 

Amin.  Geras  Gieh.  (Hauer,  Denkschrift,  der  kais.  Akademie  B.  Xl, 
S.  25,  T.  6.)  Nur  zwei  Exemplare,  aber  gut  übereinstimmend  mit  v.  H  au  er's 
Beschreibung.  Podbiel. 

Amm.  hrevispina  /So^(;.  (Hauer,  Denkschrift,  der  kais.  Akademie 
B.  XT,  S.  53,  T.  27.)  Die  Ammonitenform  mit  doppelter,  seitlicher  Knoten- 
reihe, welche  bei  Podbiel  nicht  selten  mit  Anbin.  Nodotiamts  vergesell- 
schaftet vorkommt,  ist  wohl  sicher  identisch  mit  den  alpinen  Formen,  die 
V.  Hauer  unter  diesem  Namen  vereinigt.  Die  über  den  Kücken  weglaufenden 
Rippen,  welche  die  Species  von  verwandten  Formen  unterscheiden,  sind  bei 
allen  Exemplaren  aus  der  Arva  zu  beobachten.  Eine  zweite  Form,  die 
bei  Podbiel  vorkommt,  unterscheidet  sich  nur  durch  viel  enger  stehende 
Rippen,  und  dürfte  vielleicht  nur  als  Varietät  zu  betrachten  sein. 

Amm.  Birchi  Sow.  ?  Ein  Bruchstück  eines  grossen  Capricorniers  mit 
breitem  glatten  Rücken  und  groben  Seitenrippen,  die  sich  zu  einer  doppelten 
Knotenreihe  verdicken.  Podbiel. 

Amm.  sj).  Ein  keiner  Ariet  mit  niedrigem  Kiel,  breiten  und  tiefen 
Kielfurchen,  und  beinahe  quadratischem  Querschnitt  (etwas  höher  als  breit), 
Podbiel. 

Nautilus  sp.  Ein  Bruchstück  aus  Podbiel,  welches  kerne  weitere  Be- 
stimmung zuliess. 

Belemnites  sp.  Sehr  häufig  bei  Podbiel,  wo  stellenweise  ganze  Schichten 
aus  Belemnitentrümmern  zusammengesetzt  sind,  aber  in  schlechtem  Er- 
haltungszustande. 

Avicula  inaequlvalvis  Sow.  (Av.  sinemuriensis  (V  Orb.)  (Quenst. 
Jura  S.  79.)  Vollkommen  übereinstimmend  mit  Quenstedt's  citirter 
Beschreibung  und  Abbildung.    Sehr  häufig  bei  Podbiel,  auch  bei  Zazriva. 

Spiriferina  ohtusa  Oppel.  Nicht  selten  bei  Podbiel?  es  ist  dies  die 
einzige  Brachiopodenart ,  die  mit  Sicherheit  bestimmt  werden  konnte. 
Die  anderen  Formen  von  Podbiel,  eine  lihjnchonclla  und  eine  Terchrahda 
(Sect.  Macandrewia)  lassen  sich  nicht  bestimmt  mit  bekannten  Arten 
identificiren. 

2.  Mittlerer  Lias.  Der  Nachweis  des  Auftretens  dieser  Etage  basirt 
auf  einem  einzigen  Petrefactenfunde ;  es  ist  diess  ein  deutlich  erhaltenes 
Exemplar  von 

Amm.  margaritatus  Montf.,  und  zwar  die  von  Q uenste d t  (Jura 
Taf.  20,  Fig.  13)  unter  dem  Namen  Amm.  amaltheus  coronatus  abgebildete 
Form  mit  groben  vorspringenden  Seitenrippen  und  grossem  knotigen  Kiel. 
Zaskalja-Thal. 

3.  Oberer  Lias.  Die  Klippe  von  Podbiel  ist  (mit  Ausnahme  des 
Arvaschlosses,  wo  die  falciferenreiche  Facies  dieser  Etage  auftritt)  der  ein- 
zige Punkt  des  nördlichen  Arvaufers,  wo  wir  oberen  Lias  mit  einiger  Deut- 
lichkeit entwickelt  finden.  Ueber  die  petrographischen  und  Lagerungsver- 
hältnisse, unter  denen  die  in  Rede  stehenden  Schichten  hier  auftreten,  ist 
bereits  bei  Besprechung  dieser  Localität  (Fig.  VI.)  das  Nöthige  mitgetheilt 
worden.  Was  die  paläontologische  Ausbeute  betrifft,  so  ist  dieselbe  zwar 
nicht  reich  an  Arten,  bietet  aber  hinreichend  bezeichnende  Formen,  um  es 
wahrscheinlich  zu  machen,  dass  wir  es  hier  mit  der  tieferen  Zone  der  Etage 
(Lias  £  Quenst.,  Zone  der  Pos.  Bronni  Oppel)  zu  thun  haben. 

31* 


234  C.  M.  Paul.  [34  f 

Ämmon.  Holandrei  d'Orh.  (Terr.  jur.  PI.  105).  Die  allerdings  nicht 
sehr  wohlerhaltenen  Bruchstücke  von  Planulaten,  mit  hohen,  am  Eücken 
gespaltenen  Rippen,  welche  in  den  weichen  Schiefern  der  Podbieler  Klippe 
vorkommen,  lassen  wohl  nur  die  angegebene  Bestimmung  zu ;  auf  Ämm. 
communis  Sow.  (d'Urb.  Terr.  jur.  PI.  108)  könnte  man  sie  wohl  allenfalls 
auch  beziehen,  doch  wäre  hiedurch  ebenfalls  dieselbe  Zone  bezeichnet. 

Ämmon.  bifrons  Brug.  (Enc.  meth.  vers.  B.  I.  Nr.  15,  S.  4ü).  Stein- 
kerne von  4—5  Zoll  Durchmesser,  welche  die  charakteristischen  Merkmale 
der  Art  mit  hinreichender  Deutlichkeit  erkennen  lassen.  Die  stellenweise 
erhaltene  Lobenzeichnung  stimmt  mit  der  von  d'Orbigny  (Terr.  jur. 
PI.  56)  gegebenen  überein.  Mit  dem  vorigen  in  den  weichen  Schiefern  der 
Podbieler  Klippe. 

Ämm.  cf.  tatricus  Pusch.  Ein  verkalkter  Steinkern  mit  gut  erhalte- 
ner Lobenzeichnung,  der  jedenfalls  in  die  von  v.  Hauer  (Heterophyllen  der 
österreichischen  Alpen,  Sitzungsberichte  der  kais.  Akademie.  B.  XII. !  unter 
dem  Namen  Ämm.  tatricus  zusammengefasste  Formenreihe  gehört.  Der 
Dorsallobus  ist  etwa  halb  so  tief  als  der  Laterollobus,  die  von  v.  Hauer 
hervorgehobene  horizontale  Stellung  eines  dem  Nabel  zugewendeten  Blattes 
des  Dorsal-Sattels  ist  deutlich  zu  erkennen.  Die  seitlichen  Einschnürungen 
sind  schief  nach  vorn  gerichtet,  aber  nicht  wellenförmig  gebogen,  v^^ie  bei 
Ämm.  Cahjpso  d'Orh.  (Terr.  jur.  PL  1 10)  ;  auch  sind  sie  ziemlich  eng  an- 
einander gerückt,  so  dass  die  Form  dem  Ämm.  Capitanei  Cat.  (Prodr.  di 
geogn.  pal.  Append.  T.  XII.  F.  IV.)  am  nächsten  zu  stehen  scheint.  Mit  den 
vorigen  im  weichen  Schiefer  bei  Podbiel. 

?  Ämmon.  Cornucopiae  Young.  (d'Urb.  Terr.  jur.  PL  99).  Bei  man- 
gelhaft erhaltenen  Exemplaren  kann  leicht  eine  Verwechslung  mit  dem 
sehr  verwandten  Äm'.n.  ßmhriatus  Soiv.  vorkommen,  daher  ich  das  Auftre- 
ten dieser  Art  in  der  Arva  nur  als  fraglich  hinstelle.  Ein  Steinkern  von 
6  Zoll  Durchmesser  aus  dem  rothen  Kalke  der  Podbieler  Klippe  weicht 
von  d'Orbigny's  Abbildung  des  Ämm.  cornucopiae  dadurch  ?b,  dass  der 
Querschnitt  der  Umgänge  höher  ist  als  breit,  wie  bei  Ämm.  ßmhriatus ;  da- 
gegen fehlen  gänzlich  die  Einschnürungen  am  Steinkerne,  die  d'Orbigny's 
Abbildung  des  Ämm.  ftmbriatus  Sow.  (Terr.  jur.  PL  98)  angiebt.  Ein  zwei- 
tes Exemplar,  ein  Schalenfragment  von  Lehotka,  stimmt  auch  in  der  Ober- 
flächenzeichnung besser  mit  Ämm.  cornucopiae. 

Ämmonites  sp.  Bruchstücke  von  grossen  Heterophyllen,  mit  den  vori- 
gen im  rothen  Kalke  bei  Podbiel. 

Nautilus  sp.  Ein  Bruchstück  einer  sehr  grossen  Art.  Mit  den  vorigen. 

B.  Dogger. 

1.  Unterer  Dogger.  Die  Verbreitung  dieser  Etnge  in  der  Arvaer 
Klippenreihe  ist  eine  ziemlich  bedeutende.  Man  findet  sie  in  der  Klippen- 
gruppe vomZazriwa  und  am  nördlichen  Ufer  des  Arva-Thales  und  in  dessen 
Seitenthälern  vomTrny  wrch  bei  Gross-Bisteretz  an  an  zahlreichen  Punkten 
bis  zur  Brücke  von  Dluha;  weiter  gegen  Nordosten  ist  sie  in  der  Arva  nicht 
mehr  bekannt. 

Die  Etage  lässt  sich  in  mehrere  petrographisch  unterschiedene  Glie- 
der theilen,  die  allerdings  bei  der  in  den  Klippen  so  ausserordentlich  wech- 
selnden Entwicklung  der  Schichten  nicht  überall  nachweisbar  sind. 


[35]  Die  nördliche  Arva.  J{35 

Das  tiefste  Glied  bildet  eine  Wechsellagerung  von  dunkel  blaugrauen 
Schiefern  mit  Fleckenmergeln,  welche  an  der  Strasse  zwischen  Dubowa  und 
Dluha  in  mächtiger  Entwicklung  ansteht  und  durch  Steinbrüche  deutlich 
aufgeschlossen  ist. 

Darüber  folgt  ein  weicher,  dunkelgrauer  oder  schwarzer  Schiefer,  des- 
sen Mächtigkeit  nicht  über  wenige  Klafter  steigt,  und  der  stellenweise  ganz 
erfüllt  ist  von  Resten  äerPosidonoirnja  opalinaQuenst.,  die  übrigens  verein- 
zelter auch  schon  in  den  tieferen  Lagen  auftritt. 

Ueber  dem  Hauptlager  der  Posidonomya  liegt,  an  den  Berührungs- 
stellen wechselnd,  ein  Sandstein  mit  zopfartigen  Wülsten  auf  den  Schicht- 
flächen. Ueber  dem  Sandsteine  oder  wo  dieser  fehlt,  über  den  schwarzen 
Posidonomyen-Schiefern  liegt  endlich  ein  sandiger  Fleckenmergel,  für  des- 
sen Deutung  ich  gar  keine  Anhaltspunkte  mehr  besitze. 

Es  ist  wohl  naturgemäss,  Gesteine,  die  überall  (mit  Ausnahme  des 
Sandsteines)  Posidonomyenreste  enthalten ,  ja  in  einzelnen  Schichten  bei- 
nahe ganz  aus  solchen  zusammengesetzt  sind,  als  „Posidonomyen-Schichten" 
zu  bezeichnen,  wie  ich  es  bisher  gethan ;  doch  muss  ich,  um  mögliche  Irrun- 
gen zu  vermeiden,  hier  besonders  betonen,  dass  unsere  Arvaer  Posidono- 
myen-Schichten durchaus  nicht  identisch  sind  mit  jenen  Schichten  des 
schwäbisch-fränkischen  Jura,  die  Oppel  (Juraform  §.  29)  mit  dem  Namen 
„Posidonomyen-Schichten"  belegte.  Diese  finden  in  den  Arvaer  Klippen  ihr 
Analogen  in  den  rothen  Schiefern  mit  Amm  hifrons,  Hollandrei  etc.,  die 
wir  an  der  Podbieler  Klippe  kennen  lernten,  während  unsere  Posidonomyen- 
Schichten,  wie  sich  aus  der  beifolgenden  Zusammenstellung  ihrer  Fauna 
von  selbst  ergibt,  ganz  sicher  in  die  höheren  Lagen  des  unteren  Doggers  zu 
stellen  sind,  und  namentlich  mit  den  Murchisonae-Schichten  Südtirols,  wie 
uns  dieselben  durch  Ben  ecke's  Untersuchungen  bekannt  wurden,  über- 
einstimmen. 

Amnion.  Mut chisonae  Soio.  (Min.  Conch.  T.  550,  Quenst.  Jura 
S.  336.  T.  46).  Die  Art  war  bereits  durch  Stur  (Wassergeb.  d.  Waag  u. 
Neutra  S.  102)  nach  einigen  von  Foetterle  aus  der  Arva  mitgebrachten 
Exemplaren  richtig  bestimmt,  später  aber  (Geol  Karte  der  nordöstlichen 
Alpen,  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt.  B.  15,  1.  Heft,  S.  6)  diese 
Bestimmung  wieder  zurückgezogen  worden,  da  man  die  mitvorkommende 
Posidonomya  immer  für  Fos.  Bronni  hielt,  und  Amm.  Murchisonae  in  das 
Niveau  derselben  allerdings  nicht  passte.  Durch  die  zahlreicheren ,  zum 
Theil  ziemlich  wohlerhaltenen  Exemplare,  die  durch  die  Aufsammlungen 
des  letzten  Jahres  gewonnen  wurden,  wie  auch  durch  die  Vergesellschaf- 
tung mit  mehreren  anderen  Formen  des  unteren  Doggers  erscheint  nun  die 
erste  Deutung  als  die  richtige  sichergestellt.  Sehr  häufig  zwischen  Unterschloss 
nnd  Lehotka  im  dunkelgrauen,  Posidonomyen-reichen  Schiefer. 

Amnion,  opalinus  Bein  sp.  (Amm.  primordialis  d'Orb.  Terr.  jur. 
PI.  62).  Alle  Exemplare  aus  der  Arva,  die  mir  vorlagen,  zeigten  diejenige 
Form,  bei  welcher  die  feinen  Sichelstreifen  sich  seitlich  zu  Bündeln  vereini- 
gen, wie  bei  d'Orbiguy's  citirter  xibbildung,  und  welche  zwischen  der 
typischen  Opalinusform,  wie  sie  z.  B.  Quenstedt  (Jura  T.  42)  abbildet 
und  Amm.  Murchisonae  einen  Uebergang  herstellen.  Häufig  mit  dem  vori- 
gen zwischen  Unterschloss  und  Lehotka. 

?  Amnion.  Beyrichi  Schloenh.  (Beitr.  zur  Pal.  der  Jura-  u.  Kreideform, 
im  uordwestl.  Deutschi.  Oassel   1865.   S.  24.  T.  2).  Ein  Bruchstück  eines 


236  C.  M.  Paul.  C36] 

grossen  Falciferen,  das  mit  Amtn.  opalinns  und  Posidonomyen  auf  einem 
Stücke  sich  fand,  stimmt  nahe  mit  der  von  Schi oenb ach  dih  Amm. 
Beyrichi  aus  der  Zone  der  Trigonia  navis  von  Braunschweig  und  Hannover 
beschriebenen  Form.  Das  Exemplar  ist  jedoch  zu  einer  vollkommen  siche- 
ren Bestimmung  nicht  genügend  erhalten,  und  könnte,  da  der  Nabel  und 
die  Lobeulinie  daran  nicht  erkenntlich  ist,  möglicherweise  auch  einer  grös- 
seren, flaclirippigen  Varietät  von  Amm.  Murchisonae  angeiiören. 

Ammon.  Scissus  Ben.  (Trias  und  Jura  in  den  öüdalpen.  München 
1866.  S.  17i'.  T.  6).  Die  markirten  Einschnürungen,  welche  Ben  ecke  bei 
den  Exemplaren  vom  Cap.  S.  Vigilio,  nach  welchen  er  die  Art  aufstellte,  an- 
giebt,  fehlen  bei  den  Stücken  aus  der  Arva  theils  ganz,  theils  sind  sie  (an 
einem  Exemplare)  nur  in  Spuren  vorhanden.  Nichtsdestoweniger  glaube  ich 
an  der  Identität  unserer  Arvaer  Art  mit  der  der  südalpinen  Murchisonae- 
Schichteu  festhalten  zu  sollen,  indem  mit  Ausnahme  der  angegebenen  Ab- 
weichung alle  übrigen  Verhältnisse,  sogar  die  Anzahl  der  Kippen  (öO  auf 
einen  Umgang)  genau  übereinstimmen.  Im  Posidonomyen-Schiefer  zwischen 
Unterschloss  und  Lehotka. 

Ammon.  ophioneus  Ben.  (Trias  und  Jura  in  den  Südalpen.  S.  172. 
T.  6),  Ein  Exe;i.plar  aus  den  tieferen  Lagen  des  Arvaer  Doggers,  zwischen 
Dubowa  undDluha  stimmt  gut  mit  der  von  Be  necke  aus  den  Murchisonae- 
Schicliten  vom  Cap  S.  Vigilio  beschriebenen  und  abgebildeten  Form.  Min- 
der gut  erhalten,  aber  wohl  auch  hieher  gehörig,  ist  ein  zweites  grösseres 
Exemplar,  das  zwischen  Unterschloss  und  Lehotka  im  Posydonomien-Schiefer 
mit  Amm.  Murchisonae,  opialinus  und  Scissus  gefunden  wurde. 

Aptychus  nov.  sp.  Beschreibung  und  Abbildung  des  Aptychus,  der 
zwischen  Dubowa  und  Dluha  mit  Amm.  ophioneus,  Posidonomya  opalina, 
unbestimmbaren  Falciferen  und  Inoceramus  amygdaloides  vorkommt,  wird 
Herr  Dr.  Schloenbach  in  den  „kleinen  paläontologischen  Mittheilungen" 
im  vorliegenden  Bande  unseres  Jahrbuches  geben,  daher  ich  hier  nicht  wei- 
ter auf  das  Vorkommen  einzugehen  brauche. 

Posidonomya  opalina  Quenst.  (Jura  T.4d,  F.  II).  Quenstedt  weist 
1.  c.  S.  329  auf  die  Schiefe  hin,  wodurch  sich  die  Posidonomya  des  braunen 
Jura  von  der  liasischen  Pos.  Bronnii  unterscheidet.  Da  dieses  Merkmal  an 
zahlreichen  Stücken  aus  der  Arva  wieder  zu  erkennen  ist,  so  kann  hier,  auch 
ohne  Rücksichtsnahme  auf  die  mitvorkommende  bezeichnende  Cephalopoden- 
fauna,  wohl  keine  Verwechslung  mehr  stattfinden.  Ich  glaube  auch  die  Ver- 
muthung  aussprechen  zu  dürfen,  dass  die,  von  anderen,  ausserhalb  der  Arva 
gelegenen  Punkten  der  Klippenreihe  als  Pos.  Bronnii  citirten  Vorkomm- 
nisse wohl  ebenfalls  hieher  zu  beziehen  sein  mögen.  Die  Verbreitung  der 
Art  in  der  Arva  ist  bereits  mit  der  Etage  angegeben,  da  sie  überall  als 
eigentliches  Leitfossil  darin  vorkommt;  am  massenhaftesten  tritt  sie  in  den 
weicheren  Varietäten  der  Schiefer  zwischen  Unterschloss  und  Lehotka,  und 
beim  Eingang  in  das  Dubowa-Thal,  seltener,  aber  in  besser  erhaltenen 
Exemplaren  in  den  tieferen  Lagen  der  Etage  zwischen  Dubowa  und 
Dluha  auf. 

Inoceramus  amygdaloides  Goldf.  (Petref.  Germ.  T.  115).  Ein  Exem- 
plar aus  den  tieferen  Schichten  zwischen  Dubowa  und  Dluha  zeigt  die  cha- 
rakteristische schmale,  gegen  den  Wirbel  stark  zugeschärfte  Form  der  Art 
ziemlieh  deutlich.    Weniger  gut  erhalten   ist   ein  Exemplar,  das  zwischen 


[37  I  Die  nördliche  Arva.  237 

üuterschloss  und  Lehotka  in  den  weichen  Posidonomyen-reichen  Schiefern 
mit  Amin.  Murchisonae  etc.  gefunden  wurde. 

Fecten  S2).  Zwei  Exemplare  einer  glatten,  nicht  näher  bestimmbaren 
Art.  Zwischen  Dubowa  und  Dluha. 

2.  Oberer  Dogger.  Die  paläontologischen  Anhaltspunkte,  welche 
uns  im  Lias  und  unteren  Dogger  den  stratigraphischen  Horizont  einzelner 
Schichten  mit  ziemlicher  Genauigkeit  nachweisen  Hessen,  fehlen  uns  in  den 
Arvaer  Klippen  bei  den  jüngeren  Gliedern  der  Juraformation  fast  gänzlich, 
und  man  muss  sich  hier  zufrieden  geben,  die  einzelnen  Schichten  mit  einiger 
Wahrscheinlichkeit  in  die  weiteren  Hauptgruppen  des  stratigraphischen 
Systems  einreihen  zu  können. 

So  können  wir  über  die  so  weit  verbreiteten  rothen  Crinoidenkalke, 
welche  in  der  Arva  das  Hauptgestein  der  meisten  zacken-  und  mauerförmi- 
gen  Klippenfelsen  bilden,  kaum  mehr  sagen,  als  dass  sie  constaut  über  den 
Posidonomyen-Schichten,  und  unter  dem  Csorsztyner  Kalke  liegen,  und 
daher  irgend  eine  Etage  des  mittleren  und  oberen  Doggers,  oder  auch  des 
tieferen  Malm  repräsentiren. 

Die  letzte  Annahme  hat  wohl  die  geringste  Wahrscheinlichkeit,  indem 
die  Avenigen  in  dem  fraglichen  Gesteine  gefundenen  Petrefacten  in  ihrem 
Gesammthabitus  eher  auf  Unter-Oolith,  und  zwar  auf  Schichten,  die  den 
alpinen  Klausschichten  nicht  ferne  stehen,  hinzudeuten  scheinen. 

Es  sind  diess :  eine  echte  Terebratula,  anscheinend  aus  der  Gruppe 
der  Biplicaten,.  eine  Terebratula  (Macandrewia)  aus  der  Verwandschaft  der 
mipressa,  und  zwei  Arten,  von  Eliynclionella,  von  denen  eine  sehr  an  Rh. 
plicatella,  die  andere  an  Bh.  suhdecorata  erinnert. 

Ueberall  findet  man  grosse  Pentacrinus-Stielglieder  an  der  verwitter- 
ten Oberfläche  des  Gesteines  hervorragen,  während  im  frischen  Bruche  ge- 
wöhnlich nur  ein  undeutliches  Gemenge  krystallinischer  Fragmente  zu  er- 
kennen ist. 

Endlich  ist  noch  ein  kleines  Bruchstück  eines  Aptyclms  zu  erwähnen, 
das  ich  in  einer  kleinen  Klippe  von  rothem  Crinoidenkalk  am  Skalica-Berge 
auffand. 

Hiernach  können  wir  den  rothen  Crinoidenkalk  vorläufig  wohl  nur  als 
die  höhere  Abtheilung  des  Arvaer  Doggers  bezeichnen. 

Der  weisse,  quarzreiche  Crinoidenkalk  der  Klippengruppe  zwischen 
dem  Dedina-  und  Medwedca-Thale  tritt  in  der  Arva  nirgends  im  Contacte 
mit  dem  rothen  auf.  Nach  den,  in  dem  angrenzenden  Klippenterrain  von 
Csorsztyn  und  Rogoznik  von  Dr.  v.  Mojsisovics  gemachten  Beobach- 
tungen 0  nimmt  er  jedoch  constant  ein  tieferes  Niveau  ein.  Stur,  der  die 
Klippengruppe  zwischen  dem  Dedina-  undMedwedca-Thale  beiGelegenheit  der 
Reise  in  sein  Aufnahmsgebiet  ebenfalls  besuchte,  bemerkt  darüber 2):  „Die 
Klippenkalkreihe  der  Medveska  skala  bei  Turdossiu  zeigt  im  Westen  des 
Zuges  den  Csorsztyner  Marmor,  in  welchem  Herr  R.  Meier  die  Terebratula 
diphja  Col.  mehrere  Fuss  tief  im  Liegenden  der  Ammonitenschichte  ent- 
deckte. Hiernach  sollte  der  weisse  Crinoidenkalk  der  Medveska  skala  im 
Hangenden  des  Csorsztyner  Marmors,  die  Diphyakalke  von  Rogoznik  vertre- 
ten.'' Diese  Ansicht  möchte  ich  nun  wohl  nicht  theilen;  der  rothe  Csorszty- 


M  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Roichsanstalt.  Nr.   10  und   16, 
'')  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  Nr.  12. 


238  C.  M.  Paul.  [38] 

ner  Marmor  mit  Ter.  diphija  und  der  weisse  Crinoidenkalk  der  Medveska 
Skala  repräsentireu  zwei  ganz  selbständige,  von  einander  unabhängige  Klip- 
pen, und  bei  der  wiederholt  beobachteten  und  hervorgehobenen  Individuali- 
sirung  der  Klippen  kann  man  aus  der  Neigung  der  Schichten  einer  Klippe 
gegen  die  einer  anderen  wohl  selten  einen  sicheren  Schluss  auf  das  jüngere 
Alter  dieser  letzteren  ziehen. 

C.  Malm. 

Eine  auf  paläontologische  Gründe  gestützte  Gliederung  der  dem  Malm 
angehörigen  Schichten,  wie  sie  in  den  Klippengruppen  von  Csorsztyn  und 
Rogoznik  in  Galizien  gewonnen  wurdet),  kann  in  der  Arva  wegen  der 
Petrefacten-Armuth  und  überhaupt  sehr  untergeordneter  Entwicklung,  in 
der  die  Formation  hier  auftritt,  nicht  durchgeführt  werden. 

Gesteine,  die  ich  hieher  beziehen  zu  können  glaube,  treten  in  der 
Arva  in  vier  petrographischen  Formen  auf. 

1.  Die  häufigste  Erscheinungsform  ist  diejenige  des  rothen  knolligen 
Ammoniten-Marmors,  ein  durch  seine  charakteristische  petrographische  Be- 
schaffenheit nicht  zu  verkennendes  Analogen  der  im  angrenzenden  galizi- 
schen  Klippenterrain  mit  dem  Namen  Csorsztyner  Kalk  belegten  Schichten. 
Diese  Bildung  finden  wir  in  der  Arva  beinahe  überall  dort,  wo  der  oben- 
erwähnte rothe  Crinoidenkalk  auftritt,  stets  im  Hangenden  dieses  letzteren 
eine  engverbundene,  niemals  mächtige  Bank  bildend.  Das  Gestein  enthält 
Ammoniten  in  grosser  Menge,  und  ist  stellenweise  ganz  aus  solchen  zusam- 
mengesetzt, doch  konnte  ich  nicht  ein  einziges  mit  Sicherheit  bestimmbares 
Exemplar  gewinnen.  Mit  alleiniger  Ausnahme  eines  grossen,  involuten 
Ammoniten  mit  schneidigem  Rücken,  der  sich  in  der  Sammlung  des  Arva- 
Schlosses  befindet,  gehörten  alle  Exemplare,  die  ich  aus  diesen  Schichten 
sammelte,  den  Familien  der  Planulaten  und  Fimbriaten  an.  Terebratula 
diphya  ist  in  der  Arva  im  petrographisch  charakteristischen  Csorsztyner 
Kalke  nur  in  einem  einzigen  Exemplare,  zwischen  dem  Dedina-  und  Med- 
Avedca-Thale  gefunden  worden. 

2.  Stratigraphisch  wohl  vielleicht  identisch  mit  dem  Csorsztyner 
Kalke,  aber  petrographisch  von  demselben  abweichend  ist  der  lichte  Diphya- 
kalk,  der,  ebenfalls  von  rothem  Cnnoidenkalke  unterteuft,  am  Hamola- 
Berge  zwischen  dem  Zaskalja-  und  JelsaAva-Thale  auftritt.  Das  Gestein  ist 
meistens  ganz  licht,  nur  auf  verwitterten  Flächen  röthlich,  und  von  Neocom- 
kalken  ohne  Petrefacte  schwer  zu  unterscheiden.  Es  enthält  Terebratula 
diphya  Col.  in  grosser  Häufigkeit  und  gut  erhaltenen  Exemplaren,  Amnion. 
ptychoicus  Quenst.,  grosse,  an  der  Oberfläche  fein  gestreifte  Aptychen  (sehr 
ähnlich  der  Qu enstedt'schen  Abbildung  des  jlpt.  lamellosus  Park.  Jura 
Tf.  74),  Belemniten  und  sehr  zahlreiche  Fimbriaten  und  Planulaten,  auf 
deren  nähere  Bestimmung  ich  gegenwärtig  vor  dem  Erscheinen  der  von 
Prof.  Zittel  in  München  vorbereiteten  Monographie  der  Ammoniten  der 
tithonischen  Stufe  nicht  eingehen  wollte. 

3.  Der  weiche  thonige  Aptychfinmergel,  mit  festen  Kalkbänken  wech- 
selnd, der  nur  im  Revisuye-Thale  beobachtet  wurde,  enthält  sicher  erkenn- 
baren Äptychus  lamellosus  Park,  in  zahlreichen  Exemplaren  und  schlecht 


^)  Vei'handl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  Nr.   in. 


[39]  Die  nördliche  Arvu.  239 

erhaltene  Ammoniten.  Ein  Hangendes  oder  Liegendes  desselben  ist  nicht  zu 
beobachten. 

4.  Endlich  glaube  ich  noch  die  verschieden  gefärbten  Hornsteinkalke 
hieberzählen  zu  müssen,  die  an  verschiedenen  Punkten  des  Terrains  auftre- 
ten, aber  nirgends  erkennbare  Petrefacte  lieferten.  Der  rothe  Hornstein- 
kalk  des  Eaczowa-Thales  erinnert  petrographisch  sehr  an  den  rothen 
Aptychenkalk  von  St.  Veit  bei  Wien,  der  Hornsteinkalk  der  Podbieler 
Klippe  an  alpine  Obevalmscliichten.  Der  lichte  Hornsteinkalk  von  Dedina 
liegt  über  Csorsztyner  Kalk,  könnte  daher  etwa  ein  Analogon  der  galizischen 
Kogozniker  Schichten  sein.  Ein  sicherer  paläontologischer  Nachweis  für  das 
Auftreten  dieser  letzteren  in  der  Arva  ist  mir  bis  jetzt  nicht  bekannt  ge- 
worden. 

D.  Neocomien. 

1.  Üuter-Neocomien.  Vorwiegend  rothe,  in  verwittertem  Zu- 
stande grünlichweisse  bis  schneeweisse,  sandige  oderthonige,  sehr  kalkarme, 
dünngeschichtete  Mergel  mit  Sandsteinbänken  wechselnd,  deren  Mächtig- 
keit von  wenigen  Zoll  bis  auf  mehrere  Klafter  ansteigt,  und  die  die  Mergel 
stellenweise  auch  gänzlich  zu  ersetzen  scheinen. 

Die  hiehergezählten  Schichten  sind  an  mehreren  Punkten  in  unmittel- 
barer concordanter  Lagerung  unter  der  höheren,  kalkigeren  Etage  des  Neoco- 
mien  zu  beobachten,  so  namentlich  deutlich  am  Puuov-Passe  näciist  der 
Comitatsgrenze,  nördlich  von  der  Strasse,  im  Thale  von  Benyo-Lehota,  beim 
Eingange  in  das  Jelsawa-Thal,  bei  Podbiel,  im  Kohanowka-Thale  etc. 

Dass  wir  in  diesen  Schichten  ein  Analogon  der  unteren  Teschner 
Schiefer  Hohen  egge  r's  (Geognost.  Karte  der  Nord-Karp.  S.  23),  und, 
wie  Dr.  V.  Mojsiso  vics  (Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. 1867.  Nr.  11)  vermuthet,  der  unterneocomen  Schichten  Pictet's 
von  der  Porte  de  France  (Not.  s.  1.  calc.  d.  1.  Porte  de  France  etc.  Genf 
1867.  Nr.  5)  zu  suchen  haben,  ist  mindestens  sehr  wahrscheinlich.  Eine 
genaue  Bestimmung  des  Lagers  dieser  Schichten  bedarf  aber  noch  paläon- 
tologischer Funde.  Gegenwärtig  liegen  mir  aus  denselben  nur  Belemniten- 
Fragmente  und  Fucoiden  (dem  F.  intricatus  der ,  den  Wiener  Sandsteinen 
der  Nordalpen  eingelagerten  Mergel  sehr  ähnlich)  vor. 

2.  Neocomien-Aptychenkalke.  Die  höhere  kalkige  Abtheiiung 
des  Neocomien  besteht  in  der  Arva  aus  lichten  oder  weissen  Kalkmergeln 
und  Fleckenmergeln,  welche  letztere  den  Fleckenmergeln  des  unteren  Lias 
zuweilen  vollkommen  gleichen.  Sie  bilden  zwar  stellenweise  auch  kleinere 
Inseln,  vorwiegend  aber  grössere  zusammenhängende  Züge  von  meistens 
Südwest-nordöstlichem  Streichen  ,  welche  sich  wohl  am  besten  als  Auf- 
bruchswellen im  Karpathensandsteine  deuten  lassen.  Ausserdem  finden  wir 
sie  als  mantelförmige  Randzonen  in  der  Umgegend  der  älteren  Klippen  ent- 
wickelt. 

In  ihren  höheren  Lagen  stehen  sie  vielfach  mit  dünnplattigen  Sand- 
steinen in  Verbindung  und  gehen  auf  diese  Weise  häufig  allmählig  in  die 
Karpathensandsteine  übew 

Diese  sandigen  Partien  enthalten  nichts  als  unbestimmbare  Fucoiden. 
Aus  den  Kalken  und  Fleckeumergeln  des  Klippengebietes  nördlich  von  der 
Arva  liegen  folgende  Arten  vor. 

Jahrbuch    der   k.  k.  geologischen  KüichKaiistalt    18(i8  18.  Band.  2.  Heft-  "'* 


240  C.  M.  Paul.  [40] 

Amnion.  Ästierianus  d'Orh.  (Terr.  cret.  PL  28).  Ein  gutes  Exemplar 
fand  ich  in  grauen  kalkigen  Mergeln  am  Norclostfusse  der  Podbieler  Klippe, 
ein  zweites  Vorkommen  dieserArt  gibtStur  (Wassergeb.  der  Waag  und  Neutra 
S.  102)  am  Schotta  Berge  nordwestlich  vom  Schlosse  Ärva  an.  Ein  Exem- 
plar aus  dunkelgraiien  Kalkmergeln  rechts  vom  Eingange  in  das  Zaskalja- 
Thal  stimmt  in  den  inneren  Windungen  mit  d'Orbiguy's  citirter  Abbil- 
dung, während  ein  erhaltenes  Fragment  einer  äusseren  Windung  grobe 
Rippen  zeigt,  die  sich  nahe  am  inneren  Rande  zu  einer  Knotenreihe  ver- 
dicken ;  dieser  äussere  Umgang  allein  wäre  von  Amin.  Denarius  Sotv.  aus 
dem  Gault,  wie  ihn  d'Orb.  (Terr.  Cret.  PI.  62)  abbildet,  nicht  zu  unter- 
scheiden. 

Ammon.  Thetys  d'Orh.  (Terr.  cret.  PI.  S3).  Ziemlich  häufig,  aber  in 
mangolhaften  Exemplaren.  Zazriva,  Schottaberg,  Podbiel. 

Ammon.  Grasianus  d'Orh.  (Terr.  Cret.  PI.  44).  Ein  gut  erhaltenes 
Stück  von  dem  Kalkhügel  westlich  von  Revisnye. 

Ammon.  Nisus  d'Orh.  (Terr.  Cret.  PI.  ö5).  Im  lichten  Fleckenmergel 
des  Liatowa-Thales,  zwischen  der  ersten  und  zweiten  Klippe. 

Ammon.  Matheroni  d'Orb.  (Terr.  Cret.  PI.  48).  Die  eigenthümliche 
Oberflächenzeichnung  lässt  diese  Art  auch  aus  Bruchstücken  erkennen,  wie 
sie  bei  Arvavarallya  (nördlich  von  der  Strasse  nach  Lehotka)  und  bei  Pod- 
biel vorkommen. 

Ammon.  multicinctus  Hauer  mnscr.  Ein  Exemplar  von  dem  Kalk- 
hügel westlich  von  Revisnye,  das  mit  den  in  der  Sammlung  der  k,  k.  geolo- 
gischen Reiclisanstalt  befindlichen  Stücken  aus  Rossfeld  genau  überein- 
stimmt. 

Toxocaras  oUiquatus  d'Orh.  Nach  Stur  (Wassergeb.  der  Waag  und 
Neutra  S.  102)  am  Schottaberge  nordwestlich  vom  Arva-Schlosse. 

Aptychus  cf.  Bidayi  Coqu.  Die  allerorts  in  den  kalkigen  Lagen  der 
Arvaer  Neocombildungen  auftretende  Aptychenform  mit  scharfwinklig  ge- 
knickten Rippen  stimmt  sehr  nahe  mit  den  Exemplaren  aus  den,  auch 
petrographisch  sehr  ähnlichen  Kalkmergeln  von  Waidhofen  an  der  Ybbs, 
Stollberg  etc.  in  Niederösterreich,  weniger,  (wie  schon  Stur  betreffs  der 
Vorkommnisse  aus  dem  Ober-Neutraer  Gebirge  und  von  Malatina  1.  c.  S.  27 
bemerkt)  mit  den  Formen  der  Hoheneggerschen  Grodischter  Sandsteine. 
Revisnye-Thal,  Raczova-Thal,  am  Gehänge  nordöstlich  von  Arvavarallya, 
bei  Lehotka,  im  Csiczhov-Thale,  am  Nordostfusse  der  Podbieler-Klippe, 
bei  Trstjenna  etc. 

ApUjcJms  pusillus  Pet.  Nach  Stur  (L.  c.  S.  10 '<i)  am  Schottaberge 
nordwestlich  von  Arvavarallya. 

Belemnites  düatatui>  Bleinv.  Am  Nordostfusse  der  Podbieler  Klippe. 

fi.  Gault. 

Schichten,  die  mit  Sicherheit  dem  Gault  angehören,  sind  bis  jetzt  in 
den  ungarischen  Karpathen  nur  an  zwei  Punkten  nachgewiesen  worden. 

Der  eine  derselben  ist  am  Eingange  des  Dedina-Thales  in  der  Arva. 
Da  die,  an  dieser  Localität  sich  darbietenden  Verhältnisse  bereits  bei  der 
Schilderung  des  Dedina-Thales  angegeben  sind,  so  brauche  ich  hier  nicht 
weiter  darauf  zurückzukommen. 


[41]  Die  nördliche  Arva.  241 

Den  zweiten  Punkt  gibt  Hohenegger  (Geogn.  Skizze  der  Nordkar- 
pathen  von  Schlesien  und  den  nächsten  Angrenz.  Jahrbuch  der  k,  k.  geol. 
Reichsanstalt.  Bd.  III.  3.  Heft)  bei  Radola  zwischen  Sillein  und  Caca  im 
Trencziner  Comitate  an,  wo  in  hellgrauen  Schiefern,  die  mit  mergeligen 
Kalken  wechsellagern,  und  an  den  Klippenkalk  der  grossen  Klippe  von 
Radola  angelagert  sind  Amm.  Hugardianus  d'Orb.,  Ämm.  cristatus  Deluc, 
Amm.  Buchardianus  d'Orh.,  Bostellaria  cf.  papilionacea  Goldf.,  Cardium 
cf.  suhhillanum  Leym.  und  Tnoceramen  gefunden  wurden. 

Eine  fernere  Localität,  bei  Bezdedo  nächst  Puchov,  die  H  och  eg- 
ge r  L.  c.  S.  i  42  nach  einer  älteren  Angabe  von  Dr.  Rominger  (Leonh. 
und  Bronn's  Jahrbuch  1S47)  ebenfalls  für  Gault  hielt,  gehört  nach  Stur 
(Wassergeb.  der  Waag  und  Neutra  S.  31)  wahrscheinlicher  der  oberen 
Kreide  an. 

Beide  sichergestellten  Gaultvorkommnisse  der  ungarischen  Karpathen 
liegen  im  Klippenbogen,  und  wir  haben  daher  ein  Wiederauffinden  dieser 
Schichten  weiter  im  Osten  nur  in  den,  die  galizischen  und  Saroser  Klippen 
umgebenden  Karpathen-Sandsteiubildungen  zu  erwarten. 

Bei  der  Dedina-Mühle  fanden  wir  in  einer  nicht  über  2  Fuss  mächti- 
gen Schichte  die  folgenden  Arten  beisammen: 

Ammon.  tardefurcatus  Leym.  (d'Orb.  Terr.  cret.  PI.  7/).  Die  Art, 
die  schon  bei  Stur  (Wassergeb.  der  Waag  und  Neutra  S.  30  und  102)  von 
dieser  Localität  angegeben  ist,  erfüllt  in  zum  Theil  sehr  wohlerhaltenen, 
und  daher  sicher  bestimmbaren  Exemplaren  massenhaft  die  ganze  Schichte. 
Die  Uebereinstimmung  mit  d'Orb igny's  citirter  Abbildung  ist  sowohl  in 
der  seitlichen  Rippung,  als  auch  in  der,  an  einigen  Stücken  deutlich  erkenn- 
baren Form  des  Rückens  eine  vollständige. 

Ammon.  mammülaris  Schloth.  (d'Orb.  Terr.  cret.  PI.  73).  Nur  ein 
Rücken fragment  sammt  Gegendruck,  aber  sicher  bestimmbar.  Sogar  die 
L.  c.  Fig.  2  a  angegebenen  seitlich  hervorspringenden  Stacheln  sind  er- 
kenntlich. 

Ammon  Velledae  Mich.  (d'Orb.  Terr.  cret.  PI.  82).  Nur  ein  Exem- 
plar, aber  gut  stimmend  mit  d'Orbigny's  citirter  Abbildung. 

Ammon.  Mayorianus(?)  d'Orh.  (Terr.  cret.  PI.  7j)).  Ziemlich  häufig, 
doch  scheint  diese  Form  besonders  dünnschalig  gewesen  zu  sein,  daher  die 
Stücke  im  Gegensätze  zu  den  wohlerhaltenen  Tardefurcatus-KQ^iQ'o.  mei- 
stens zertrümmert  sind,  und  die  Bestimmung  daher  nur  als  wahrscheinlich 
bezeichnet  werden  kann. 

Ammon  sp.  Aehnlich  Amm.  tardefurcatus,  aber  mit  ungespaltenen 
Rippen. 

Ptychoceras  sp.  Bruchstücke  einer  kleinen  ,  nicht  näher  bestimm- 
baren Art. 

Belemnites  sp.  Nur  in  einem  zu  einer  näheren  Bestimmung  ebenfalls 
nicht  ausreichenden  Exemplare  vorliegend. 

Inoceramus  sp.  Ein  mangelhaft  erhaltenes  Bruchstück. 
Meletta  ?  sp.  Die  grossen  gestreiften  Schuppen ,  die  in  Gesellschaft 
verschiedener  kleinerer  Skelettfragmente  in  grosser  Menge  mit  Amm.  tar- 
defucatus  zusammen  vorkommen,  gleichen  sehr  den  Resten,  nach  denen  man 
eine  Etage  der  Eocenformation  als  „Meletta-Schichten"  zu  bezeichnen  pflegt. 
Hiernach  wird  man,   insolange  nicht   sichere  Speciesunterschiede  zwischen 

32* 


242  0.  M.  Paul.  [42] 

den  Formen  der  Kreide  und  denen  des  Eocen  festgestellt  sind,  wohl  nicht 
mehr  mit  Sicherheit  überall  dort,  wo  Melettaschuppen  gefunden  werden, 
Schichten  der  Eocenformation  annehmen  können.  Ich  glaube  auf  diesen  Um- 
stand namentlich  betreffs  der  petrefactenarmen  Karpathen-Sandsteingebilde 
aufmerksam  machen  zu  müssen,  indem  hier  leicht  in  Folge  einer  solchen 
Verwechslung  ausgedehnte  Schichten-Complexe  falsch  gedeutet  werden 
können. 

Vergleicht  man  die  eben  mitgetheilte  Fauna  mit  derjenigen,  die 
Hohenegger  bei  Radola  angibt,  so  findet  man  (mit  Ausnahme  etwa  des 
unbestimmten  Inoceramus)  auch  nicht  eine  einzige  gemeinschaftliche  Art, 
und  es  ist  demnach  sehr  wahrscheinlich,  dass  an  den  beiden  Localitäten 
verschiedene  Horizonte  entwickelt  sind,  über  deren  relative  Niveaux  wir 
allerdings  noch  keine  Anhaltspunkte  besitzen.  Man  könnte  die  bei  der 
Dedina-Mühle  entwickelten  Schichten  nach  der  in  überwiegender  Menge 
darin  auftretenden  Ammonitenform  am  besten  als  „Schichten  des  Ammo- 
nites  tardeftircatus"  bezeichnen. 

P.  Obere  Kreide. 

Ich  habe  bereits  in  den,  dem  vorliegenden  Abschnitte  über  das  Klip- 
penterrain vorausgeschickten  einleitenden  Worten  den  Grund  angegeben, 
der  mich  in  den,  die  Klippen  des  nördlichen  Arvaufers  umgebenden  Sand- 
steinen und  Congiomeraten  die  Fortsetzung  jener  Zone  jüngerer  Kreide- 
schichten vermutheu  liess,  die  am  Südfusse  des  ungarisch  -  mährischen 
Grenzgebirges,  im  Trencziner  Waagthale,  die  tiefere  Etage  der  Karpathen- 
bandsteine  bilden  i) 

Was  ich  nun  an  positiven  Belegen  für  diese  Anschauung  sammeln 
konnte,  ist  an  sich  allerdings  gering,  erlaugt  jedoch  einiges  Gewicht  dadurch, 
dass  in  den  von  mir  hierher  gestellten  Sandsteinpartien  auch  nicht  ein 
einziges  Petrefact  gefunden,  und  nicht  eine  einzige  auffallendere  petro- 
graphische  Analogie  beobachtet  wurde,  wodurch  eine  Zusammenwerfung 
derselben  mit  der  eocenen  Hauptmasse  der  Karpathensandsteine  motivirt 
werden  könnte. 

Betreffs  der  Sandsteinpartien,  die  im  Norden  des  Klein-Kriwan-Ge- 
birges,  von  diesem  durch  einen  schmalen  Zug  eocener  Conglomerate  getrennt, 
anstehen,  und  sich  östlich  bis  gegen  Zazriwa  ziehen,  kann  wohl  am  wenigsten 
ein  Zweifel  obwalten,  denn  dieselben  lassen  sich  von  Sillein  (wo  ich  noch 
selbst  in  dem,  die  höheren  Lagen  der  Sandsteine  begleitenden  Conglomerate 
einen  Hippuriten  auffand),  nördlich  bei  Teplicza,  Straza  und  Tjerhowa 
vorüber,  mit  stets  gleichbleibendem  petrographischen  Verhalten  bis  hieher 
verfolgen. 

Die  Sandsteine,  die  zwischen  dem  Arvaflusse  und  dem  Kubinska  hola- 
und  Magura-Zuge  die  Klippen   begleiten,   sind   nun    diesen  letzteren  sehr 


*)  S.  Stur:  „Wassergeb.  der  Waag  und  Neutra."  S.  31  und  74.  Paul: 
„Das  linke  Waagufer  zwischen  Bistritz  und  Sillein."  (Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Keichs- 
anstalt.  B.  15.  3.  Heft).  Babänek:  „Die  nördlichen  Theile  des  Trentschiner  Co- 
mitates."  (Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt.  B.  16.  1.  Heft). 


[43]  Die  nördliche  Aiva.  243 

ähnlich,  unterscheiden  sich  scharf  von  sichergestellten  Eocensandsteinen  und 
wechseln  an  zahlreichen  Stellen  mit  Conglomeraten,  die  aus  gemischten, 
vorwiegend  krystallinischen  Geschieben  zusammengesetzt,  ihrerseits  den 
Upohlawer-Conglomeraten  des  Waagthaies  petrographisch  analog  sind.  End- 
lich wurden  an  drei  Punkten  (im  Dedina-Thale,  im  Lhota-Thale  und 
westlich  von  Lhota)  Inoceramenfragmente  in  den  von  mir  hierherbezogenen 
Schichten  gefunden. 

So  berechtigt  nach  dem  Gesagten  die  Abtrennung  dieser  Schichten  als 
einer  tieferen  Etage  von  den  höheren,  eocenen  Karpathensandsteinen  er- 
scheinen muss,  so  unberechtigt  wäre  es,  mit  Bestimmtheit  behaupten  zu 
wollen,  dass  alle  Schichten,  die  wir  in  der  Arva  als  tiefere  Etage  der  Kar- 
pathensandsteine  zusammenfassen,  der  oberen  Kreide  angehören.  Die  Sand- 
steine des  Neocomien,  Sandsteine  und  Mergel  des  unteren  Doggers  und 
selbst  Schichten  des  unteren  Lias  finden  wir  stellenweise  in  solcher  petro- 
graphischer  Entwicklung  auftreten,  dass  eine  Auseinanderhaltung  derselben 
von  den  tieferen  Gliedern  der  Karpathensandsteine  ohne  Versteinerungen, 
oder  sehr  deutliche  Lagerungsverhältnisse  höchst  schwierig  und  unsi- 
cher ist. 

Durch  spätere  Petrefactenfunde,  die  selbst  bei  sorgfältiger  Begehung 
eines  Terrains  doch  immer  die  Sache  eines  glücklichen  Zufalles  bleiben, 
mag  hier  vielleicht  in  der  Folge  noch  manches  aufgehellt  werden ;  gegen- 
wärtig begnüge  ich  mich  zu  constatiren,  dass  in  der  Arva  zwischen  dem 
Arvaflusse  und  den  Gebirgszügen  der  Kubinska  hola  und  der  Arvaer  Magura 
eine  tiefere,  von  der  höheren,  eocenen  scharf  zu  sondernde  Abtheilung  der 
Karpathensandsteine  entwickelt  ist,  die  vorwiegend  der  Kreide  angehört, 
in  ihren  tieferen  Lagen  aber  auch  noch  stellenweise  mit  anderen,  petro- 
graphisch nicht  unterscheidbaren  Schichten  älterer  ßildungsperioden  in 
Verbindung  stehen  mag. 

111.  Das  Gebiet  der  eocenen  Karpathensandsteine. 

Durch  das  eben  geschilderte  Klippenterrain  erscheint  das  Gebiet  der 
eocenen  Karpathensandsteine  in  der  Arva  in  zwei  Hälften  getheilt. 

Die  südliche  Hälfte,  südlich  vom  Arva-  und  Oravitza-Flusse,  bildet 
die  nördlichen  Vorberge  des  Tatra-,  Prosecno-  und  Choc-Gebirges,  tritt 
zwischen  Zaskalja  und  Parnica  auf  das  rechte  Arvaufer  über,  und  scheint 
bei  Benyova  Lehota  mit  der  nördlicheren  Partie  wirklich  zusammen  zu 
stossen.  Hierher  gehörige  Schichten  sind  am  rechten  Arvaufer  zwischen  Kubin 
und  Zaskalja  aufgeschlossen.  Sie  enthalten  hier  unbedeutende,  nicht  über 
2 — 3  Zoll  mächtige  Lagen  einer  unreinen  Kohle,  die  ich  hier  nur  erwähne, 
um  in  Folge  mehrseitig  an  mich  gerichteter  Anfragen  vor  etwaigen  Abbau- 
versuchen zu  warnen.  Betreffs  weiterer  Daten  über  Gliederung,  Petro- 
graphie  etc.  dieses  Karpathensandsteinzuges  verweise  ich  auf  die  Mittheilung 
von  Dr.  v.  Mojsisso  vics  i)  in  dessen  Untersuchungsgebiet  der  Zug  seinei; 
grössten  Ausdehnung  nach  gehörte. 


1)  Verh.  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1867.  Nr.  11. 


244  C.  M.  Paul.  [44] 

Die  nördliche  Eoceiisandsteinpartie  bedeckt  weitaus  den  grössten 
Theil  des  Arvaer  Comitates.  Ihre  Südgrenze  ist  bezeichnet  durch  das 
Vojenue-Gebirge  (noch  im  Trencziner-Comitate)  durch  den  Ukruchlica, 
Paroch-  und  Turkowa-Berg ;  beim  letztgenannten  Berge  springt  sie  nach 
Süd  bis  an  den  Südfuss  der  Kubinska  hola  vor,  und  setzt  von  hier  in  der 
ursprünglichen  nordöstlichen  Richtung  über  den  Cserny  wrch  bis  an  den 
Priszlop  fort.  Hier  tritt  eine  zweite  Horizontal- Verschiebung  der  Grenzlinie 
gegen  Süd  ein,  indem  die  fernere  Fortsetzung  derselben  durch  den  Gebirgs- 
zug der  Arvaer  Magura  bezeichnet  ist. 

Die  genannten  Berge  und  Höhenzüge  bestehen  alle  aus  demselben 
Gesteine,  nämlich  aus  dem  vorwiegend  rein  quarzigen,  grobkörnigen,  durch 
Aufnahme  einzelner  grösserer  Quarzgeschiebe  in  Quarzconglomerat  über- 
gehendem Sandsteine,  den  wir  als  „Magura-Sandstein''  bezeichneten.  Genau 
derselbe  Sandstein  findet  sich  jenseits  der  Niederung  von  Bobrow  in  der 
Fortsetzung  der  Streichungsliuie  des  Magura-Zuges  in  den  Thälern  von 
Ober-  und  Unter-Lipnic,  bildet  den  nördlichen  Greuzkamm  Ungarns  gegen 
Galizien,  den  Höhenzug  der  Babiagura,  und  ist  auch  in  der  Mulde  zwischen 
der  Babiagura  und  Magura  (im  nördlichen  Arvathale)  vorherrschend  ent- 
wickelt. In  der  Gegend  von  Polhora,  namentlich  die  Lehne  östlich  vom 
Polhorauka-Bache  zusammensetzend,  findet  man  einen  lichten,  dünnblättrigen 
Mergelschiefer  entwickelt,  der  mit  dem  Sandsteine  innig  zusammenzuhängen 
scheint,  und  in  dieser  Gegend  meistens  die  niedrigeren  Gehänge  und  Ab- 
dachungen zusammensetzt,  Avährend  die  Bergkuppen  aus  Magurasandstein 
bestehen. 

Was  die  Lagerung  der  Eocensandsteine  betrifft,  so  beobachtet  man 
in  der  Arva  genau  dasselbe  Verhältniss,  welches  ich  schon  bei  den  Kar- 
pathensandsteinen  des  Trencziner  Comitates  nachwies  i).  Die  Lagerung  ist 
eine  muldenförmige,  indem  die  Schichten  im  Norden  vorwiegend  nach  Süd 
und  Südost,  im  Süden  nach  Nord  und  Nordost  einfallen.  In  der  Mitte  der 
Mulde,  wo  im  Ganzen  flachere  Schichtenstellung  vorherrscht,  beobachtet 
man  freilich  stellenweise  sehr  auflTallende  locale  Störungen.  So  findet  man 
beispielsweise  zwischen  Rapca  und  Zubrohlaw  im  Einriss  westlich  von  der 
Strasse  eine  Wechsellagerung  von  Sandstein  und  Schiefer,  welche  unter  80« 
aufgerichtet  ist,  und  wenige  Schritte  davon  nach  der  entgegengesetzten 
Richtung  einfällt,  und  bei  Rapcica  treten  auf  eine  kleine  Erstreckung  Sand- 
steine auf,  welche  den  tieferen,  kalkigeren  Karpathensandsteinen  gleichen, 
so  dass  man  versucht  wird,  hier  einen  Aufbruch  von  Kreidesandsteinen  an- 
zunehmen, wie  Babänek  solche  in  den  westlichen  Theilen  der  Trencziner 
Karpathensandsteine  beobachtete  -). 

Solche  Anomalien  treten  aber  wie  bemerkt,  nur  ganz  local  und  unter- 
geordnet auf,  und  die  muldenförmige  Lagerung  ist  im  Ganzen  in  der  Arva 
ebenso  deutlich,  wie  im  Trencziner  Comitate  zu  constatiren. 

Von  einiger  praktischer  Bedeutung  in  diesem  Gebiete,  dessen  sterilen 
landschaftlichen  und  volkswirthschaftlichen  Charakter  ich  bereits  in  der 
Einleitung  mit  einigen  Worten  skizzirte,  ist  die  Salzquelle  von  Polhora,  auf 


')  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Eeichsanstalt.  B.  15.  3.  Heft. 
■^)  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  B.   16.  1.  Heft. 


r4{>]  Die  nördliche  Arva.  245 

welche  eine  in  letzterer  Zeit  rasch  aufblühende  Mineralbad-Ünternehmung 
basirt  ist.  Dass  man  jedoch  aus  dem  Auftreten  dieser  Quelle  keineswegs  auf 
ein  Herüberreichen  des  Wieliczkaer  Salzstockes  schliessen  dürfe,  wie  in  der 
dortigen  Gegend  vielfach  geglaubt  wird,  hat  schon  Foetterlei)  nachge- 
wiesen. Die  vielfach  zur  Erreichung  dieses  vermutheten  Salzstockes  in 
dieser  Gegend  eingetriebenen  Versuchbaue  haben  nun  natürlich  zwar  kein 
praktisches  liesultat,  dagegen  für  die  theoretische  Wissenschaft  eine  er- 
freuliche Vermelirung  der  im  Karpathensandsteingebiete  so  ausserordentlich 
seltenen  Petrefactenfunde  ergeben,  indem  unter  den  von  Herrn  Bergrath 
Foetterle  mitgebrachten  Stücken  eines  mit  Nummuliten  „von  der  Halde 
des  Schachtes  I.  an  der  Slana  woda  bei  Polhora"  vorliegt  -j. 

Ich  selbst  habe  zwar  in  der  Arva,  in  den  Magura-Sandsteinen  oder 
den  dieselben  begleitenden  schiefrigen  Schichten  nirgends  eine  Spur  von 
Nummuliten  gefunden,  doch  beobachtete  ich  die  Auflagerung  derselben  auf 
den,  den  Nordrand  des  Klein-Kriwan-Gebirges  begleitenden  Numulitencon- 
glomeraten  deutlich  am  Südgehängn  des  Martinczowa-Berges,  NNW.  von 
Revisnye. 

lY.  Die  Niederung  von  Bobrow. 

Durch  die  Linie  Hladowka-Trstjenna-Usztya-Namesto  im  Süden,  und 
die  Linie  Zubrohlaw-Jablonka  im  Norden  ist  eine  Terrainsenkung  einge- 
schlossen ,  welche  von  der  schwarzen  Arva  als  Hauptüuss  in  südwest- 
licher Richtung  durchströmt,  und  durch  Neogen-  und  Diluvialbildungen 
ausgefüllt  ist. 

Das  tiefste  Glied  dieser  durchgehends  fast  horizontal  gelagerten 
beckenausfüllenden  Schichten  ist  ein  grauer  plastischer  Thon,  dem  Wiener 
Tegel  ähnlich,  der  namentlich  an  den  tiefsten,  durch  Wasserläufe  entblössten 
Stellen  der  Niederung  zu  Tage  tritt,  so  am  Gehänge  der  schwarzen  Adler 
bei  Jablonka,  Osada  und  Usztya,  ausserdem  im  Orte  Bobrow,  im  Thale  von 
Ober  Lipnica  etc.  Ueber  die  nicht  unbedeutende  Braunkohlenführung  dieser 
Schichte  hat  Herr  Bergrath  Foetterle  bereits  im  Jahre  1851  genaue 
Untersuchungen  angestellt,  daher  ich,  um  unnöthige  Wiederholungen  zu 
vermeiden,  hier  auf  diesen  Gegenstand  nicht  weiter  eingehe,  sondern  auf  die 
von  dem  Genannten  darüber  gemachten  Mittheilungen  verweise  ^). 

lieber  dem  Tegel  liegt  Schotter,  im  östlichen  Theile  aus  Geschieben 
von  krystallinischen  Gesteinen  der  Tatra  (vorwiegend  Granit),  im  westlichen 
Theile  vorwiegend  aus  Karpathensandstein  bestehend.  lieber  diesem  findet 
man  stellenweise  noch  eine  wenig  mächtige  Lehmablagerung,  namentlich 
zwischen  Bobrow  und  Jablonka  entwickelt. 

Endlich  sind  noch  die  nicht  unbedeutenden  Torfablagerungen  zu  er- 
wähnen, welche  namentlich  auf  den  nicht  wasserlässigen,  an  den  Flussufern 
entblössten  Tegelflächen  entwickelt  sind,  und  östlich  von   Jablonka,  bei 


*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  B.  II.  4.  Heft.  S.  157, 
*)  Stur:  „Wasserg.  der  Waag  und  Neutra.*  S.  70. 

F.  Foetterle:    „Braunkohlenabi.    in    der   Arva."    Jahrb.    der  k   k.  geol. 
ßeichsanstalt.  B.  IL  4.  Heft.  S.  160. 


246  C.  M.  Paul.    Die  nördliche  Arva.  [46] 

Chizne,  am  linken  Ufer  der  Arva  und  Polhoranka  von  Usztya  bis  nördlich 
von  Slanica,  und  an  der  Landzunge  bei  der  Vereinigung  ber  beiden  genannten 
Flüsse  östlich  von  Nämesto  ziemlich  ausgedehnte  Flächen  einnehmen. 

Der  Torf,  der  eine  Mächtigkeit  bis  9  Fuss  erreicht,  und  von  guter 
Qualität  ist,  wird  mindestens  in  den  westlichen,  mir  bekannten  Gegenden 
der  Niederung  nur  wenig  verwendet,  indem  gewöhnlich  nur  die  Coniferen- 
stämme,  die  darin  enthalten  sind,  gesammelt,  getrocknet  und  als  Brenn- 
material benützt  werden.  Es  bedarf  jedoch  wie  ich  glaube  nur  einer  be- 
deutenderen industriellen  Entwicklung  dieser  Gegenden  um  den  hier  so 
massenhaft  vorräthigeu  fossilen  Brennstoffen  eine  entsprechende  Verwerthung 
zu  sichern. 

Das  mehrfach  erwähnte,  in  den  Torfmooren  dieser  Gegend  gefundene 
Elenngeweih  soll  sich  gegenwärtig  in  der  Bibliotheka  Csaplovicziana  zu 
Also  Kubin  befinden,  doch  gelang  es  mir  nicht,  dasselbe  zu  einer  näheren 
Untersuchung  zu  acquiriren.     . 


III.  Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  böhmi- 
schen   Kreideablagerungen  bei    Wartenberg   unweit 

Turnau. 

Von  Prof.  Dr.  Ferdinand  v.  Hochstetter. 

(Mit  einem  Holzschnitt.) 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  April  1868. 


Ein  mehrwöchentlicher  Aufenthalt  in  der  Kaltwasser  -  Heilanstalt 
Wartenberg  bei  Turnau  im  Herbste  1867  gab  mir  Gelegenheit,  das  für  die 
Ablagerungen  der  böhmischen  Kreide  so  klassische  Terrain  in  der  Umge- 
bung von  Turnau  kennen  zu  lernen  und  namentlich  das  geologische  Profil 
näher  zu  studiren,  welches  ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  Kreide- 
ablagerungen von  den  Abhängen  des  Kosakov  in  Nordost  über  Kodstein, 
Wartenberg,  Gross-Skal  bis  zum  Annaberg  bei  Wisker  in  Südwest  bietet. 
Die  zum  Theile  sehr  auffallenden  geologischen  Verhältnisse  ,  welche 
der  Nordrand  des  Kreidegebietes  am  Fusse  des  Riesengebirges  bietet, 
wurden  von  Jokely  in  einem  Berichte  vom  31.  August  18o8  berührt  und 
durch  eine  Skizze  erläutert  ij.  Ich  komme  darauf  zurück,  weil  ich  zu  wesent- 
lich anderen  Resultaten  gelangt  bin,  und  mich  bald  überzeugt  habe,  dass  die 
Auffassung  der  Kreideablagerungen  in  der  Umgegend  von  Turnau  und  wei- 
terhin im  Buuzlauer  Kreise,  wie  sie  von  J  okely  in  seiner  Abhandlung  über 
die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  ^)  gegenüber 
den  richtigen  Ansichten  früherer  Beobachter  gegeben  wurde,  eine  irrige 
war,  so  zwar,  dass  auch  die  geologische  Colorirung  der  Gegend  auf  den 
Karten  der  geologischen  Reichsanstalt,  da  für  dieselbe  diese  irrigen  Voraus- 
setzungen massgebend  waren,  eine  unrichtige  wurde  und  daher  sehr  be- 
deutende Abänderungen  nothwendig  macht.  Auch  die  Herren  Paul  und 
Wolf  bei  ihren  Aufnahmen  im  Königgrätzer  Kreise,  und  ebenso  die  Prager 
Geologen  in  ihrem  zweiten  von  Prof.  Job.  Krejci  verfassten  Jahresberichte 
(für  1863  und  1866)  hatten  sich  der  Auffassung  Jokely's  angeschlossen; 
das  Irrige  derselben  wurde  jedoch  durch  die  im  Jahre  1867  von  der  natur- 
wissenschaftlichenLandescommission  in  Böhmen  fortgesetzten  Untersuchungen 


*)  Jahrbuch  der  k  k.  geologischen  Reichs-Anstalt.  18o9,  Verhandlungen. 
Seite  115. 

*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  12.  Bd.  1861  und  1862. 
Seite  367. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Koiclisaiistalt.  1868.  18,  Band.  2.  Heft'  «*v 


248  Dr.  F.  V.  Hochstetter.  [2] 

vollständig  erkannt,  zumal  da  gleichzeitig  sowohl  Dr.  Gümb  el  i)  als  auch 
Dr.  Schloenbach^)  sich  auf  das  erfolgreichste  bemüht  haben,  in  der  Auf- 
fassung der  Verhältnisse  der  böhmischen  Kreideformation  wieder  die  frühere 
gute  Ordnung  herzustellen  und  in  die  Parallelisirung  der  einzelnen  Glieder 
derselben  neue  Klarheit  zu  bringen.  Wenn  ich  nach  den  massgebenden  Ar- 
beiten der  beiden  zuletzt  genannten  Forscher  es  trotzdem  nicht  für  über- 
flüssig halte,  diese  Zeilen  zu  schreiben,  so  geschah  es,  weil  der  Durchschnitt, 
den  ich  erläutern  will,  jederzeit  einer  der  wichtigsten  sein  wird  für  die  Auf- 
fassung der  Verhältnisse  der  böhmischen  Kreideformation,  und  weil  er  ein 
überaus  lehrreiches  Beispiel  abgibt,  zu  welchen  Irrthümern  eine  falsche  Prä- 
misse, selbst  einen  so  geübten  Beobachter  wie  Jokely,  geführt  hat.  Zugleich 
mögen  die  folgenden  Blätter  eine  kurze  geologische  Skizze  der  Umgegend 
des  unter  der  Leitung  Dr.  Schlechta's  so  bekannt  und  beliebt  geworde- 
nen Bades  Wartenberg  geben. 

Mit  vollem  Hechte  wird  Wartenberg  wegen  seiner  Lage  als  einer  der 
anziehendsten  Landaufenthalte  gerühmt.  Es  verdankt  den  besonderen  Eeiz 
seiner  Umgebungen  der  grossen  Mannigfaltigkeit  des  landschaftlichen 
Charakters  der  Gegend.  Das  saftig  grüne,  wasser-  und  wieseureiche  Libunka- 
Thal,  das  sich  von  Südost  nach  Nordwest  gegen  Turnau  erstreckt  und  hier 
mit  dem  Iserthal  vereinigt,  bietet  zu  beiden  Seiten,  rechts  und  links,  die 
vollsten  landschaftlichen  Gegensätze.  Links,  an  der  Schattenseite  des 
Thaies,  an  welcher  das  Bad  selbst  liegt,  der  steile  Absturz  des  Oberquaders 
mit  einer  romantischen  Fels-  und  Waldlandschaft,  aus  der  hoch  oben  einer- 
seits das  Schloss  von  Gross-Skal,  andererseits  die  Ruine  und  die  Kapelle 
von  Waldstein  hervorblicken.  Schattige  Waldwege  führen  durch  Felsen- 
labyriuthe  —  die  sogenannte  Felseustadt  -  und  durch  düstere  Waldschluchten 
auf  das  Plateau  des  Oberquaders,  das  südlich  überragt  wird  von  dem  Anna- 
berg, einem  kleinen  mit  einer  Kapelle  gezierten  Basaltkegel  bei  Wiskef, 
südöstlich  von  der  auf  zwei  hoch  hervorragenden  Basaltpyramiden  kühn 
erbauten  alten  Burg  Trosky,  dem  Wahrzeichen  der  Gegend.  Eechts, 
jenseits  der  Hauptstrasse,  die  von  Jicin  nach  Turnau  führt,  an  der  Sonnen- 
seite des  Libunkathales,  steigt  das  Terrain  allmälig  in  der  Form  einer  flach- 
welligen, von  kleinen  Thalfurchen  durchschnittenen  schiefen  Ebene  an.  Der 
fruchtbare,  sonnige  Boden  trägt  üppige  Klee-  und  Waitzenfelder,  und  Obst- 
alleen verbinden  die  an  dem  sanften  Gehänge  zerstreut  liegenden  Gehöfte. 
Seine  Fruchtbarkeit  verdankt  der  Boden  an  dieser  Thalseite  einer  L  ö s  s- 
schichte,  welche  den  Quadersandstein,  der  in  den  Thaleinschnitten  zu 
Tage  tritt,  bedeckt.  Gegen  Nordost  erhebt  sich  die  schiefe  Ebene  höher  und 
liöher,  bis  sie  bei  Eodstein,  Dubetzko,  Wollawetz  u.  s.  w.,  anderthalb 
Stunden  von  Wartenberg,  plötzlich  abbricht,  und  das  Terrain  nun  terrassen- 
förmig gegen  die  Thalmulde  abfällt,  in  welcher  die  Ortschaften  Westez, 
Lochtusch,  Leskov  u.  s.  w.  liegen,  und  jenseits  welcher  der  mächtige  und 
langgestreckte,  zum  Theil  bewaldete  Rücken  des  Kozäkov  ansteigt,  der 
mit  seinen  Aujläufern  in  nordöstlicher  Richtung  die  Aussicht  von  Warten- 
berg abschliesst. 


^)  Dr.  C.  W.  Gümbel:  „Skizze  der  Gliederung  der  oberen  Schichten  der 
Kreideformation  in  Böhmen",  im  Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie  u.  s.  w.  1867. 
Seite  795. 

^)  Dr.  ü.  Schloenbach:  „Die  Bracliiopoden  der  böhmischen  Kreide." 
Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Eeichsanstalt.   1868.  Seite  139. 


[3] 


Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  höhm.  Kvcideahlao^eruni: 


249 


Während  die  grotesken  Felsformatio- 
nen des  Quadersandsteines  in  der  Felsen- 
stadt bei  Warten berg,  die  ihr  Analogon  in 
dem  berühmten  Felsenlabyrinth  von  Wek- 
kelsdorf  und  Adersbach,  und  in  den  Fels- 
mauern und  Felsthürmen  der  böhmischen 
und  sächsischen  Schweiz  haben,  reiche  Ge- 
legenheit bieten  zu  Beobachtungen  über 
die  unter  dem  Einflüsse  der  Atmosphärilien 
und  des  strömenden  Wassers  vor  sich  ge- 
hende Verwitterung  und  Auswasclmng  der 
Felsmassen,  so  verdankt  der  achat-  und 
olivinreiche  Kozäkov  seine  Entstehung  den 
plutonischen  und  vulkanischen  Kräften  des 
Erdinnern.  Der  Kosäkov  war  einst  ein  feuer- 
speiender Berg.  Mitten  durch  die  in  einer 
früheren  Periode  der  Erdbildung  eraporge- 
brocheuen  Massen  von  Melapliyr  und  Mela- 
phyrmandelstein,  welche  die  Grundmasse 
dieses  Gebirgszuges  bilden,  haben  in  einer 
späteren  Periode  unter  echt  vulkani- 
schen Erscheinungen  basaltische  Laven 
aus  dem  Erdinnern  sich  Bahn  gebrochen.  liire 
Ströme  bilden  den  Gipfel  des  Berges.  So 
erhebt  sich  jetzt  dieser  Melapliyr-  und  Ba- 
saltberg als  eine  Grenzscheide  der  sedimen- 
tären Bildungen.  An  seinem  nordöstlichen 
Fusse  bei  Semil  und  Eisenbrod  beginnen  die 
rothen  thonigen  iSandsteine  des  Rothliegeu- 
den  und  darunter  der  von  krystallinischem 
Kalk  und  Quarz  durchzogene  Urthonschiefer, 
während  an  seinem  südwestlichen  Fusse 
sich  die  Quader-  und  Plänerschichten  abge- 
lagert hab.'n,  die  in  südwestlicher  Richtung 
auf  der  Linie  über  Westetz,  Piodstein,  War- 
tenberg, Gross-Skal  in  ihrer  Lageruugsfolge 
einen  für  die  Verhältnisse  der  bömischen 
Kreideablagerungen  an  ihrem  Nordraude 
am  Fusse  desßiesengebirges  sehr  lehrreichen 
Durchschnitt  bieten,  den  ich  mir  jetzt  näher 
zu  erläutern  erlaube. 

Das  tiefste  Glied  der  Kreideschichten, 
welches  unmittelbar  auf  dem  Melaphyr- 
mandelstein  des  Kosäkov  aufliegt,  ist  ein 
feinkörniger,  meist  weisser  Quadersandstein, 
der  Unter quader,  dessen  öO — 100  Fuss 
mächtige,  steil  bis  zu  4t><'  aufgerichtete 
Bänke  mantelförmig ,  ungefähr  bis  zu 
1800  Meereshöhe,  mit  scharf  ausgezacktem 
oberem  Eande  an  die  südwestlichen  und 
westlichen  Abhänge  des  Kosäkov  angelagert 

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^' 


250  Dr.  F.  V.  Hochstetter.  [4] 

sind.  Dieser  Unterquader  bildet  mit  senkrecht  aufgerichteten,  stellenweise 
sogar  übergeneigten  Schichten  weiter  nordwestlich  die  merkwürdige,  viel- 
beschriebene Felsmauer,  die  sich  bis  Liebenau  hinzieht,  und  zu  welcher  an 
der  linken  Thalseite  der  „dürre  Felsen'',  an  der  rechten  Thalseite  die 
bizarre  Felsmauer  von  Klein-Skal  gehört.  An  Versteinerungen  ist  dieser 
ünterquader  arm;  die  einzigen  erkennbaren  Fossilien,  welche  ich  darin  ge- 
funden, sind  Ostrca  {Exogyra)  columha  und  Janira  aequicostata.  Von 
Pflanzenresteu  ist  nirgends  eine  Spur.  Es  ist  desshalb  kein  Pflanzenquader, 
wie  in  den  westlicheren  Gebieten  bei  Lippenz  oder  Perutz,  sondern  ein  ma- 
riner Unterquader,  der  nur  der  Oberbank  des  Unterquaders  bei  Perutz  ent- 
spricht. Die  obersten  Bänke  dieses  ünterquaders  —  und  das  haben  sie  mit 
der  Oberbank  des  Unterquaders  im  westlichen  Revier  ij  sehr  charakteristisch 
gemeinschaftlich  —  werden  thonig  und  glaukonitisch,  und  in  diesem  thonigen 
Grünsandstein,  wie  er  oberhalb  Westetz,  bei  Prakov,  Hamstein  und  Koberov 
am  Fusse  der  Sandsteinfelsen  in  zahlreichen  grösseren  und  kleineren  Blöcken 
gefunden  wird,  kommen  die  Steinkerne  von  Exogyren  am  häufigsten  vor. 
Diesen  Unterquader  nehme  ich  alsNr.  6  des  Schemas  von  Gümbel  (A.  a.  0. 
Seite  798),  als  Stufe  des  Peden  asper  oder  Haupt-Grünsandstein. 

Zwischen  den  Felsmassen  des  Unterquaders  und  der  charakteristisch 
ausgeprägten  und  rasch  ansteigenden  120  —  150  Fuss  hohen  Terrasse  des 
Isersandsteines  in  südwestlicher  Eichtung  liegt  eine  flache  Thalmulde,  die 
sich  von  Hamstein  angefangen  in  südöstlicher  Richtung  dem  Fusse  des 
Kosakov  entlang  bis  Rovensko  hinzieht,  und  in  der  die  Ortschaften  Westetz, 
Lochtus,  Leskov  u.  s.  w.  liegen.  In  den  Brunnen  und  Wassergruben  dieser 
Ortschaften  sind  lichtgraue  Thonmergel  aufgeschlossen,  welche  von  J  o  k  e  1  y 
als  in  die  Thalmulde  eingelagerter  Pläner  aufgefasst  wurden.  Es  sind  diess 
jedoch  dieselben  Mergellagen,  die  in  dem  ganz  naheliegenden  Iser-Thale  am 
Ostausgange  des  Eisenbahntunnels  bei  Laucek  in  einer  Mächtigkeit  von  circa 
20  Fuss  deutlich  zwischen  dem  Unterquader  und  Iser-Sandstein  eingelagert  er- 
scheinen, somit  eine  Zwischenschichte  zwischen  Unterquader  und  Iser-Sand- 
stein bilden,  die  ich  als  Unterpläne  rmer  gel  bezeichne.  Petrefacten  habe 
ich  in  diesen  Mergeln  nicht  gefunden,  jedoch  gibt  Gümbel  (A.  a,  0.  S.800), 
Inoceramen  an,  deren  Formen  sich  der  Art  des  J.  laUatus  und  striatus  an- 
reihen. So  unbedeutend  dieser  Unterplänermergel  erscheint,  so  ist  er  doch, 
wie  es  scheint,  eine  weit  verbreitete  und  in  demselben  Niveau  constant  wie- 
derkehrende Schichte;  denn  bei  Vergleichung  meiner  im  Jahre  1856  bei  Ge- 
legenheit der  Aufnahmen  in  den  westlichen  Revieren  der  Kreideablagerun- 
gen in  meinen  Notitzbüchern  gemachten  Aufschreibungen  fand  ich,    dass 

^)  Bei  Lippenz,  Tauchowitz,  Opotschna,  Perutz,  Libochowitz  und  an  anderen 
Punkten  des  westlichen  Kreidegebietes  besteht  der  ünterquader  constant  aus  drei 
Etagen :  einer  unteren,  grobkörnigen  Sandstein-  und  Conglomeratbank,  einer  thoni- 
gen und  kohligeu  Zwischenbank,  und  einer  oberen,  feinkörnigen  Sandsteinbank,  die 
nach  oben  glaukonitisch  wird  und  iu  Griiusandstein  übergeht,  Diess  ist  der  tiefste 
Grünsandstein,  der  nicht  zu  verwechseln  ist  mit  einem  zweiten  Grünsandstein,  der 
dem  Niveau  der  Plänersandsteine  augehört,  und  in  dieser  Gegend  über  dem  gelben 
Baustein  und  Exogyrensandstein  liegt.  Im  östlichen  Gebiet  (im  Chrudimer  und 
Königgrätzer  Kreise)  zeigt  der  Unterquader,  nach  Herrn  Paul  (Jahrbuch  XIII. 
S.45  i)  ganz  dieselbe  Gliederung  in  3  den  obigen  vollkommen  entsprechenden  Etagen.  Auch 
hier  wird  die  Oberbank  des  Unterquaders  glaukonitisch  und  zu  einem  wahren  Grün- 
sandstein. Dieser  mit  demselben  petrographischen  Charakter  im  Westen  wie  im 
Osten  auftretenden  Oberbank  des  unteren  Quaders,  entspricht  nach  meiner  Ansicht 
der  Unterquader  von  Klein-Skal,  und  vom  Fusse  des  Kosäkov.       ; 


[5]  Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  böhm.  Kreideablagerungen  etc.  251 

auch  bei  Lippenz,  Perutz ,  Libocbowitz  u.  s.  w.  überall  wenig  mächtige 
thonige  Zwischenschichten  den  Uuterquader  von  dem  höher  liegenden  gelben 
Baustein  trennen  O- 

[Jeber  dem  Ünterplänermergel  lagert  nun  als  drittes  Glied  der  I  s  e  r- 
sand stein.  Mit  diesem  Namen  bezeichnen  die  Prager  Geologen  die  bald 
mehr  thonigen,  bald  mehr  kalkigen  daher  mergelartigen,  plattig  oder 
plänerartig  brechenden  und  leicht  verwitterbaren,  feinkörnigen  Sandsteine, 
durch  welche  sich  die  Iser  zwischen  Klein-Skal  und  Turnau  ihren  Weg 
durchgebrochen  hat,  und  auf  welchen  sich  z.  B.  das  Schloss  Gross-Rohosetz 
erhebt.  Dieser  Isersaudstein  begleitet  das  Isertlial  weiter  abwärts  bis 
Benatek ;  er  breitet  sich  zu  beiden  Seiten  des  Thaies  plateauartig  aus, 
einerseits  bis  zum  Fusse  des  Leitmeritzer  Basaltgebirges ,  andererseits 
bis  zur  Elbe,  und  indem  er  au  manchen  Punkten  eine  Mächtigkeit  von  gegen 
300  Fuss  erreicht,  bildet  er  sowohl  durch  Verbreitung  als  durch  Mächtigkeit 
das  Hauptglied  im  mittleren  Gebiet  der  Kreideablagerangen.  Die  Eisenbahn 
hat  diese  Schichten  bei  Turnau  und  Sichrow  in  zahlreichen  Durchschnitten 
blossgelegt,  und  besonders  grossartig  ist  der  Anschnitt,  welchen  die  Eisen- 
bahnlinie bei  Backofen  gemacht  hat.  Hier  wurden  aus  diesen  Schichten 
grosse  Quadern  zum  Eisenbahnbau  gewonnen.  Auf  unserem  Durchschnitt 
bildet  der  Isersaudstein  eine  rasch  ansteigende,  circa  120—150  Fuss  hohe 
sehr  charakteristische  Terrasse,  über  die  man  aus  der  Thalmude  am  Fusse 
desKosäkov  bei  Westetz,  Lochtusch  und  Rovensko  gegen  Südwest  aufsteigt. 
Im  Allgemeinen  ist  der  Isersaudstein  das  petrefactenreichste  Glied,  jedocli 
petrefactenreicher  an  der  rechten,  als  an  der  linken  Iserseite.  Bei  der  Mühle 
von  Dubetzko  in  dem  Thale  gegen  Laucek  zu,  habe  ich  in  den  tiefereu 
Bänken  eine  kalkig  knollige  Schichte  gefunden,  aus  der  ich  in  kurzer  Zeit 
folgende  Fossilien  gesammelt  habe:  Diadema  (eine  neue  Species),  Am- 
monites  (eine  grosse,  aber  für  spezielle  Bestimmung  zu  schlecht  erhaltene 
Art),  Fanopaea  gurgitis,  Pholadomya,  Area  glabra,  CucuUea,  Janira 
quinquecostata,  Litna  muUicostata,  Pinna,  Ostrea  sidcata,  Ostrea  (Exogyra) 
columha. 

Ueber  dem  Isersaudstein,  dessen  oberste  Bänke  sehr  kalkig  sind  und 
oft  schneeweisu  werden  wie  Plänerkalk,  erheben  sich  auf  der  Linie  unseres 
Durchschnittes  bei  Rodstein  unmittelbar,  ohne  dass  man  ein  Zwischenglied 
wahrnimmt,  die  Sandsteinfirsten  des  Oberquaders.  Etwas  weiter  westlich 
jedoch  bei  Beseditz,  und  jenseits  der  Iser  bei  Borek  und  Woderad  treten 
wenig  mächtige,  mergelige  Zwischenschichten  zu  Tage,  die  ich  als  Ober- 
plänermergel  bezeichne.  Weiter  südlich  bei  Dneboch  am  Fusse  des  Musky- 
berges  (unweit  Münchengrätz)  sollen  nach  einer  freundlichen  Mittheilung 
des  Herrn  Prof.  Krejei  dieselben  Mergelschichten  am  Fusse  des  Oberquaders 
und  über  dem  Isersaudstein  zu  Tage  treten,  und  Bakuliten  enthalten,  so  dass 
also  der  Oberplänermergel  den  Bakulitenschichten  des  westlichen  Gebietes 
bei  Priesen  und  Postelberg  oder  den  sogenannten  Priesener  Schichten 
entsprechen  würde.  Ist  dem  so,  so  kann  man  auch  über  das  Aequivalent 
des  Isersandsteins  nicht  im  Zweifel  sein.  Der  Isersaudstein  liegt  zwischen 


*)  Ebenso  erwähnt  Herr  Paul  (A.  a.  0.  Seite  4S4),  dass  im  Königgrätzer 
und  Chrudimer  Kreise  im  Quadermergel  (was  hier  Quadermergel  genannt  wird,  ist 
nichts  anderes  als  unser  Isersandstein)  sich  eine  untere  dünnschiefrige,  mehr  thonige 
Abtheilung  von  einer  oberen  mehr  sandigen  unterscheiden  lasse. 


252  Dr.  P.  V.  Hochstetter.  [6] 

Unter-  und  Oberplänermergel,  muss  also  denjenigen  Schichten  entsprechen, 
welche  in  der  Gegend  von  Postelberg  zwischen  den  Unterplänermergeln  und 
den  Bakulitenschichten  liegen,  und  dort  als  gelber  Baustein  (Plänersandstein) 
Exogyrensandstein,  Grünsandstein  und  Plänerkalk  entwickelt  sind.  So  stellt 
sich  uns  der  Isersandstein,  den  die  Prager  Geologen  in  ihrem  zweiten  Jahres- 
bericht über  den  Grünsandstein  von  Mallnitz  und  sogar  über  den  Teplitzer 
Pläner  stellen  wollten,  und  deuDr.  Schloenbach  in  seiner  neuesten  gedie- 
genen Abhandlung  nur  den  Hundorf-  Strehlener  Plänerschichten  paralleli- 
sirt,  übereinstimmend  mit  Gümbel  (a.  a.  0.  S.  806)  als  ein  petrographisch 
gleichartiger,  aber  paläontologisch  in  tiefere  imd  höhere  Zonen  gliederbarer 
Schichtencomplex  dar,  der  in  sich  die  Mallnitzer,  Hundorfer  und  Wehlowitzer 
Schichten  (Callianassen-Bänke)  vereinigt.  Und  in  dieser  Auffassung  wäre 
der  Isersandstein  vollkommen  identisch  mit  dem  Weissenberger  Pläner  bei 
Prag,  von  dem  Gümbel  gleichfalls  nachgewiesen  hat,  dass  er  mehrere  pa- 
läontologische Horizonte  in  sich  begreift,  und  ebenso  mit  den  Kieslingswalder 
Schichten.  Alle  diese  Schichten  sind  eine  und  dieselbe,  durch  thonige 
Schichten  nach  oben  und  unten  von  den  Quadern  getrennte  Entwicklungs- 
form des  Pläners,  und  unter  diesem  Wort  begreifen  wir  also  ein  stratigra- 
phisch  und  geotektonisch  zusammengehöriges  Ganze,  dem  der  Plänersandstein, 
Plänerkalk  und  Plänermergel  der  westlichen  Gebiete  angehören.  Ich  für 
meinen  Theil  würde  sehr  bedauern,  wenn  die  klare  Dreitheilung  der  böh- 
mischen Kreide,  die  in  den  herkömmlichen  Bezeichnungen :  U  n  t  e  r  q  u  a  d  e  r, 
PI  an  er  (inclusive  Plänersandstein,  Plänerkalk  und  Plänermergel)  und 
Oberquader  ihren  ganz  bestimmten  und  adäquaten  Ausdruck  findet,  in 
der  Nomenklatur  dadurch  verwischt  würde,  dass  man  nach  dem  Vorschlage 
GümbeTs  den  Namen  Pläner  auf  alle  Ablagerungen  ausdehnt.  Ebenso 
wenig  scheint  es  mir  entsprechend,  in  dem  Schema  für  die  Gliederung  der 
Ablagerungen  die  Bakulitenmergel,  wie  dies  Gümbel  thut,  mit  dem  Ober- 
quader zusammen  als  dritte  obere  Stufe  zusammenzunehmen.  Die  Bakuliten- 
mergel schliessen  sich  wenigstens  in  der  Natur  auf's  engste  an  den  Pläner 
an ;  in  der  Gegend  von  Postelberg  ist  diese  Verbindung  eine  so  enge,  dass 
jeder  Versuch,  die  Bakulitenmergel  vom  Plänerkalk  auf  einer  geologischen 
Karte  scharf  zu  trennen,  sich  als  unausführbar  erweisen  wird;  eben  so  enge 
ist  im  Bunzlauer,  Chrudimer  und  Königgrätzer  Kreis  die  Verbindung  des 
Oberplänermergels  mit  den  tieferen  sandigen  Plänerschichten.  Dagegen 
wo  sie  mit  Oberquader  zusammen  vorkommen,  wird  man  nie  im  Zweifel 
sein,  wo  man  die  Grenze  ziehen  soll. 

Der  Oberquader  bildet  für  sich  das  letzte  und  oberste  Glied  der 
Kreideablagerungen  in  Böhmen.  Er  ist  ein,  in  der  Regel  feinkörniger,  bis- 
weilen aber  grobkörniger,  im  Uebrigen  dem  Unterquader  ähnlicher  Sandstein, 
dessen  60—80  Fuss  mächtige  Bänke  bei  liodstein  und  Klokoc,  und  ebenso 
jenseits  der  Iser  sich  über  die  Isersandsteinterrasse  mit  senkrechten  Fels- 
wänden erheben,  und  eine  zweite  Terasse  bilden,  deren  Oberfläche  gegen 
Südost  sich  senkt  und,  gegen  das  Libunka-Thal  flach  abdachend,  das  von 
Löss  bedeckte  fruchtbare  Ackerland  bildet.  In  dem  Steinbruche  am  Wege 
zwischen  Laucek  und  Dubetzko  enthält  der  sonst  sehr  versteiuerungsarme 
Oberquader,  der  hier  etwas  eisenschüssig  ist,  Steinkerne  von  Inoceramus 
(die  Form  erinnert  an  Inoceramus  Brongniarti),  Janira  (vielleicht  quadri- 
costata),  Lima  und  anderen  undeutlich  erhalteneu  Zweischalern,  und  in  den 
Felswänden   bei   der  Pfaslavicer  Kirche    bemerkt   man   grosse  Pinnen  und 


r71  Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  böhm.  Kreideablagerungen  etc.  2 Sit 

cylindrische  Steinkerne  von  Serpulen.  Interessante  Felsformationen  zeigt 
die  im  Oberquader  ausgewaschene,  steilwandige  Schlucht,  die  von  Radvanovic 
gegen  Stepanovic  führt;  das  sogenannte  „Kraxel-Thal."  Höchst  eigenthümlich 
sind  hier  die  coulissenförmig  hinter  einander  stehenden,  in  riesige  Paral- 
lelepipede  von  80  Fuss  Höhe  zerklüfteten  Felsmassen  und  die  bienenwaben- 
artige Auswitterung  der  Felswände. 

Derselbe  Oberquader  nun  ist  es,  der  jenseits  der  Libunka  in  der  Felsen- 
stadt bei  Wartenberg  und  den  Felsenthürmen  von  Gross-Skal  sich  zum 
zweiten  Male  in  grösserer  Mächtigkeit  mit  einem  gegen  das  Gebirge  zu 
gerichteten  Steilrand  erhebt,  und  das  vielfach  von  Schluchten  durchzogene 
Sandsteinplateau  zwischen  Gross-Skal  und  Münchengrätz  bildet,  zu  dem  als 
südöstliche  Partie  die  durch  ihre  Naturschönheit  so  berühmten  Prachover 
Felsen  bei  Jicin,  und  als  südwestlichster  Ausläufer  die  Sandsteinfelsen  bei 
Chlomeck  unweit  Jungbunzlau  gehören. 

Aus  der  Thatsache,  dass  dieselben  Sandsteinbänke,  welche  von  dem 
Steilrande  bei  Rodstein  angefangen,  mit  flacher  Neigung  sich  mehr  und 
mehr  gegen  das  Libunkathal  herabsenken,  jenseits  desselben  bei  Waldstein, 
Wartenberg  und  Gross-Skal  mit  einem  Male  wieder  mit  steilem  Bruchraude 
anstehen,  und  in  horizontaler  Lagerung  plateauförmig  sich  ausbreiten,  geht 
mit  Nothwendigkeit  hervor,  dass  längs  des  Libunkathales  vom  Trosky  bis 
Turnau  eine  Dislocationsspalte  verlauft,  durch  welclie  die  Continuität  der 
Schichten  unterbrochen  ist. 

Nimmt  man  die  Niveaudifferenz  zwischen  der  Sohle  des  Libunka- 
Thales  und  dem  Plateau  von  Waldstein  oder  Gross-Skal,  die  wenigstens 
350  Fuss  beträgt,  als  das  Maass  der  Höhe  dieser  Verwerfung,  so  sollte  man 
nach  der  Mächtigkeit  der  verworfenen  Schichten  erwarten,  dass  an  dem 
Bruchraude  bei  Wartenberg  der  unter  dem  Oberquader  liegende  Isersand- 
stein  zu  Tage  trete.  Dass  dies  nicht  der  Fall  ist,  erklärt  sich  daraus,  dass 
der  ganze  Abhang  bei  Wartenberg  durch  abgebrochene  und  niedergerutschte 
Theile  des  Oberquaders  verstürzt  ist,  wie  ich  es  auf  dem  Durchschnitt  dar- 
gestellt habe.  Trotzdem  lässt  sich  das  obere  Niveau  des  Isersandsteines 
auch  an  diesem  Abhänge  in  der  Terrasse,  auf  welcher  das  Hegerhaus  ober- 
halb des  Bades  liegt,  und  welche  sich  durch  die  sogenannte  „Sahara"  bis 
zur  Fahrstrasse  nach  Gross-Skal  zieht ,  deutlich  erkennen.  In  dieser  Höhe 
auf  der  Grenze  des  Isersandsteines  und  des  Oberquaders  entspringt  die 
Eicellenzquelle,  während  die  übrigen  Quellen  ' )  in  einem  etwas  tieferen  Niveau, 
unter  dem  verstürzten    Oberquader  hervortreten.    Die  grauen  Thonmergel, 


*)  Die    Temperatur    der  Wartenberger  Quellen  habe  ich   mittelst  eines  Herrn 
Dr.  Schlechta  gehörigen  Thermometers  bestimmt. 

Herminenquelle 7".  8  R. 

Aloisenquelle 6".  6  „ 

Barbaraquelle 7".  2  „ 

Autonsquelle 7".  2  „ 

Johannesquelle 7>'.  U  „ 

Marienquelle      6".  8  „ 

Felixquelle 6".  4  „ 

Waldquelle     •    .    .        6".  2  „ 

Emilienquelle 6".  3  „ 

Excellenzquelle 5".  2  „ 

Jesenikquelle      6".  8  „ 

Das  Mittel  aus  diesen  Zahlen  6°.  8  dürfte   sehr  nahe    der    mittleren  Jahres- 
temperatur von  Wartenberg  entsprechen. 


254  Dr.  F.  V.  Hochstetter.  [8] 

welche  in  den  Wiesengründen  bei  Wartenberg  zu  Tage  treten,  und  auf 
welchen  die  Eichen  von  Wartenberg  so  vortrefilich  gedeihen,  fasse  ich  daher 
nicht  als  Bakulitenschichten  oder  als  Oberplänermergel  auf,  wie  Günibel 
und  die  Prager  Geologen,  sondern  als  Unterplänermergel,  der  unter  dem 
durch  den  abgerutschten  Oberquader  verdeckten  Isersandstein  liegt.  Wollte 
mau  diese  Mergel  als  Bakulitenschichten  nehmen,  so  müsste  der  Oberquader 
der  jenseits  der  Jiciner  Strasse  höchstens  eine  Mächtigkeit  von  100  Fuss 
hat,  diesseits  der  Dislokationsspalte  auf  einmal  zu  einer  Mächtigkeit  von 
wenigstens  300  Fuss  anwachsen,  was  doch  wohl  nicht  möglich  ist. 

Die  Ablagerungen  der  Kreideperiode  in  der  Umgebung  von  Turnau 
bestehen  also,  wie  wir  gesehen  haben,  aus  folgenden,  concordant  über  ein- 
ander liegenden  Schichten  und  Schichtencomplexen,  die  sich  vollkommen 
naturgemäss,  d.  h.  petrographisch,  stratigraphisch  und  geotektonisch  in  drei 
Hauptstufen  gliedern: 

1)  Unterquader, 

2)  PI  ä  n  e  r :  Unterplänermergel, 

Isersandstein  (oder  Plänersandstein), 
Oberplänermergel, 

3 )  0  b  e  r  q  u  a  d  e  r. 

Vergleichen  wir  nun  mit  diesen  Resultaten  die  Auifassung  Jokely's. 
Der  Hauptiirthum  Jokely's  beruht  auf  dem  vollständigen  Verkennen  des 
Oberquaders.  Es  gab  bei  ihm  nur  einen  Quader,  und  die  mächtig  ent- 
wickelten Isersandsteine,  die  zwischen  dem  Unter-  und  Oberquader  liegen, 
betrachtete  er  als  eine  Zwischenlagerung  im  Quader  und  bezeichnete  sie  in 
in  ihren  sandigen  Bänken  ebenfalls  als  Quader,  in  ihren  theils  mehr  thonig- 
theils  mehr  kalkig-sandigen  Bänken  aber  als  Quadermergel.  So  wurde  der 
Plänersandstein  zum  Quadermergel.  Das  hatte  zur  Folge,  dass  auch  die 
Lagerungsverhältnisse  der  thouigen  Plänerschichten  falsch  aufgefasst  wurden, 
indem  ihr  Niveau  ohne  Unterscheidung  von  unterem  und  oberem  Pläner- 
mergel  gleiclmiässig  über  den  Quader,  also  auch  über  den  Oberqua- 
der gestellt  wurde.  Wo  also  die  Unterplänermergel  unter  den  Iser- 
sand steinen  zu  Tage  treten ,  wie  in  der  Thalmulde  am  Fusse  des 
Kosäkov,  da  war  nach  Jokely's  Auffassung  dieser  Pläner  nur  angelagert, 
d.  h.  in  die  Mulde  eingelagert,  und  wo,  wie  am  Fusse  des  Musky- Berges 
bei  MüDchengrätz  der  0  berplänermergel  unter  dem  Oberquader  zu  Tage 
tritt  (vergl.  den  von  Jokely  von  dieser  Localität  im  Jahrbuch  18S9,  Ver- 
handlungen S.  11 S  gegebenen  Durchschnitt),  da  war  es  nach  seiner  Auffassung 
derselbe,  wieder  nur  angelagerte  Pläner. 

Diese  Auftassuug  verleitete  weiter  dazu,  thonige  Ablagerungen,  die 
in  einem  um  mehrere  hundert  Fuss  höherenNiveau  noch  über  dem  Oberquader 
am  Fusse  der  demselben  aufgesetzten  Basaltkuppen,  wie  am  Musky  (vergl. 
wieder  den  angeführten  Durchschnitt)  und  Wiskef,  vorkommen,  und  wahr- 
scheinlich tertiären  Ursprungs  sind,  gleichfalls  für  Pläner  zu  halten ;  am 
Chlomek  bei  Jungbunzlau  endlich,  wo  es  zweifellos  war,  dass  die  Ober- 
plänermergel von  Oberquader  überlagert  werden,  half  sich  Jokely  damit, 
dass  er  den  Oberquader  vom  Chlomek,  der  mergelige  Zwischenlager  hat,  als 
Plänersandstein  (S.  376  der  angegebenen  x4.bhandlung)  mit  zu  seinem  Pläner 
rechnete.  Da  somit  vier  verschiedene,  in  einem  vierfach  verschiedenen 
Niveau  liegende  Schichten  als  Pläner  bezeichnet  wurden,  so  begegnete 
Jokely  den  Schwierigkeiten,  die  sich  nach  seiner  Auffassung  für  die  Planer-^ 


[9]  Ein  Durchschnitt  durch  den  Nordrand  der  böhm.  Kreideablagerungen  ete.  2K5 

ablagoningen  in  so  verschiedenem  Niveau  ergeben,  mit  der  Hypothese,  „dass 
nach  beendetem  Absätze  der  Quaderschichten  und  vor  Beginn  der  Ablagerung 
des  Pläners  ein  gewisser  Zeitraum  verstrichen  sein  musste,  wo  nicht  allein 
jede  Sedimentbildung  unterbrochen  war,  sondern  auch  manche  und  örtlich 
nicht  unbedeutende  Zerstörungen  in  den  Kelieflbrmen  der  bereits,  sei  es  nun 
unter-  oder  überseeisch  vorhanden  gewesenen  Quaderschichten  erfolgt  waren, 
wo  dann  sich  erst  der  Pläner  auf  dem  so  neu  veränderten  Meeresgrund  unter 
den  oben  dargestellten  Verhältnissen  (d.  h.  in  den  verschiedenen  Niveaus) 
niederzuschlagen  anfing"  (S.  378).  So  konnte  sich  „der  Pläner  einerseits 
ringsum  an  die  höheren  Quadersandsteininseln  anlagern,  und  auch  über- 
greifend auf  dem  Quadersandsteine  ablagern."  (S.  114  des  Berichtes  vom 
31.  August.) 

Indem  dieser  Auffassung  gemäss  die  geologische  Karte  des  B unzlauer 
und  Jiciner  Kreises,  und  auch  des  Königgrätzer  und  Chrudimer  Kreises 
colorirt  wurde,  so  sind  also  auf  derselben  mit  einer  und  derselben  Farbe 
für  Quader  drei  wesentlich  verschiedene  und  auf  der  Karte  aus  einander  zu 
haltende  Horizonte  bezeichnet,  nämlich:  Unterquader,  ein  Theil  des  zum 
Pläner  gehörigen  Tsersandsteins  und  der  Oberquader;  als  Quadermergel  ist 
ein  Theil  des  Isersandsteines  mit  einer  besonderen  Farbe  hervorgehoben, 
und  mit  der  Plänerfarbe  sind  gar  vier  gänzlich  verschiedene  Schichten  be- 
zeichnet, und  zwar  zwei,  für  welche  die  Farbe  berechtigt  ist,  d.i.  der  Unter-  und 
Oberplänermergel.  und  zwei  andere  Ablagerungen,  für  die  die  Farbe  nicht 
angewendet  werden  kann,  nämlich  der  Oberqnader  bei  Jungbunzlau  und  die 
wahrscheinlich  tertiären  thonigen  Ablagerungen  am  Fusse  der  Basaltkuppen 
über  dem  Oberquader.  Diese  Bemerkungen  mögen  genügen,  um  anzudeuten, 
welche  bedeutenden  und  wesentlichen  Aenderungen  an  der  geologischen 
Karte  des  nördlichen  Böhmens  nothwendig  sind. 

Nach  meiner  Ansicht  müssten  auf  einer  geologischen  üebersichtskarte 
zum  wenigsten  die  drei,  auch  geotektonisch  ganz  charakteristisch  hervor- 
tretenden Hauptstufen,  als :  Unterquader,  Pläner,  und  Oberquader  unter- 
schieden werden,  während  für  eine  detaillirte  Specialaufnahme  der  böhmi- 
schen Kreide  eine  weitere  Gliederung  in  wenigstens  sieben  Etagen,  etwa 
nach  folgendem  Schema,  nothwendig  sein  wird,  wobei  freilich  die  karto- 
graphische Trennung  und  Ausscheidung  der  Etagen  in  der  Plänergruppe 
theilweise  mit  grossen   Schwierigkeiten  verbunden  sein  dürfte. 

Schema  der   Gliederung   der  böhmischen  Kreide- 
ablagerungen. 

A.  Unterquader.   (Zone  der  Trigonia  sulcataria  und  des  Peden  asper, 

1  bei  Schloenbach.) 

1.  Pfanzeuquader  mit  Kohlen,  oder  Perutzer  Schichten  (8  bei 
G  ü  m  b  e  1). 

2.  Mariner  Unterquader  und  Grünsandstein,  tiefstes  Niveau 
der  Exogyra  columba  (7  und  6  bei  Gümb  e  1),  oder  die  Korycaner- 
Schichten,  Oberbank  des  Unterquaders  im  Saaz-Leitmeritzer  Kreis, 
Sandstein  von  Klein-Skal  u.  s,  w. 

B.  P 1  ä  n  e  r. 

3.  Unterplänermergel  mit  Inoceramen  (6  bei  Gümbel 
zum  Theil). 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt.  1868.  18.  Band.  2.  Heft.  "^ 


ä56         Hochstetter.  Durchschnitt  durch  d.  Nordrand  d.  böhm.  Kreideabi.         [10] 

4.  Sandiger  Pläner  oder  unterer  Plänersandstein  (Zone  des 
Inoceramus  lahiatus  und  Inoc.  Brongnim'ti,  5  und  4  bei  Gümbel. 
2  und  3  bei  Schloenbach).  Hierher  gehören  die  Mallnitzer 
Schichten  (gelber  Baustein,  Exogyrensandstein  und  Grün  Sandstein), 
die  unteren  Bänke  des  Isersandsteins  und  des  Weissenberger  Plä- 
ners, sowie  ein  Theil  des  sogenannten  Quadermergels,  auf  den 
Karten  der  geologischen  Keichsanstalt  im  Königgrätzer  und  Chru- 
dimer  Kreise. 

5.  Kalkiger  Plan  er,  höchstes  Niveau  der  Exogyra  columha 
(Zone  des  Spondylus  spinosus^  3  bei  Gümbel,  4  bei  Schloen- 
b  a  c  h). 

a)  westliche  Facies  als  Plänerkalk  (Teplitzer  und  Postel- 
berger  Pläner). 

&^  östliche  Facies  als  oberer  (kalkiger)  Plänersandstein 
(Calianassa-Bmke) .  Hierher  gehören  die  oberen  Bänke 
des  Pläners  bei  Wehlowitz  (Melnik),  des  Isersandsteins, 
des  Weissenberger  Pläners  und  des  Quadermergels  im 
Chrudimer  und  Königgrätzer  Kreis. 

6.  Obe r plane rmer gel  (Zone  des  Inoceramus  Cuvieri,  2  bei 
Gümbel,  S  bei  Schloenbach),  Bakulitenschichten  oder  Priese- 
ner  Schichten  und  thoniger  Pläner  im  Bunzlauer,  Königgrätzer  und 
Chrudimer  Kreis. 

C.  Oberquader  (Zone  des  Micraster  cor angiiinum,  1  bei  Gümbel,  6  bei 
Schloenbach). 

7.  Sandstein  von  Chlomek  bei  Jungbunzlau,  Sandstein  von  Gross- 
Skal,  der  Schneebergkuppe,  der  Heuscheuer  und  der  Adersbacher 
und  Weckelsdorfer  Felslabyrinthe  u.  s.  w. 


IV.    Der  Gold-  und  Antimon-Bergbau    von  Magurka 

in  Ungarn. 

Von  R.  Meier, 

k.  k.  Montau-Exspectant. 

(Mit  1  Tafel.) 

(Vorgelegt   in  der   Sitzung  am  31.  März  1867.) 


Die  Granitkette  des  Djumbjer  zieht  sich  in  ihrer  Hauptrichtung  von 
West  nach  Ost  und  theilt  sich  an  ihrem  westlichen  Ende,  vom  Gyurkova 
Vrch  aus,  gabelförmig  in  einen  nördlichen  und  einen  südlichen  Zug,